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Freitag, Dezember 31, 2010

5 vor


Was machst du in den letzten fünf Minuten?
Ich meine, fünf Minuten bevor etwas Neues beginnt.
Fünf Minuten vor einer Reise, die du machst. Fünf Minuten, bevor der Zug abfährt. Du küsst denjenigen, derdich zum Bahnhof gebracht hat.
Fünf Minuten, bevor das Flugzeug abhebt, richtest du dir das Speibsackerl her oder schaust, wo die Notausgänge sind, falls du abstürzt.
Und was machst du in den letzten fünf Minuten des alten Jahres?
Schauen, ob dein Glas voll ist?
Dein Haar richten?
Eine Zigarette rauchen?
Bereite dich vor, sei gewappnet.
Geh noch schnell lulu, hätte Oma gesagt. Wer will ein Neues Jahr mit gekreuzten Beinen und einer vollen Blase beginnen?
Du könntest auch etwas tun, das du im Neuen Jahr tun willst.
Du könntest mit der Diät beginnen, die du im ganzen Neuen Jahr durchziehen willst oder du könntest aufhören zu rauchen.
Du könntest singen, wenn du im Neuen Jahr Gesangsunterricht nehmen willst.
Ich habe mich jedenfalls im alten Jahr an Omas Spruch gehalten und mich entschieden, die letzten fünf Minuten auf der Toilette zu verbringen.
Naja, sagen wir, drei von fünf Minuten.
Ein wahrlich symbolischer Akt. Das Alte loslassen und wegspülen um Platz für Neues zu machen.
FÜNF MINUTEN, ruft jemand.
Auf geht’s, Amadea.
Ich gehe gemütlich aus dem Lokal, die Treppe hinunter. Erhobenen Hauptes gehe ich, wie eine Königin schreite ich. Ich habe ja noch fünf Minuten. Eine Ewigkeit.
Niemand da. Wunderbar. Ich ganz allein. Wie schön. Und noch fast fünf Minuten. Oder vier.
Oh, eine Laufmasche. Das macht nichts. Ich habe eine Reserverstrumpfhose mit und noch vier Minuten. Oder dreieinhalb.
Laufmaschenstrumpfhose aus, neue raus. Und rein. Warum geht das nicht? Ich hänge fest. Mit der Hand. Dieses Armband, ich hätte es nicht nehmen sollen. Da hat sich was verhakt. Aber wie. Da geht nun gar nichts mehr.
Ein Bein in der Laufmaschenstrumpfhose. Das andere in der Luft.
Mein Armband mit Arm verhakt im Nylon.
Du hast noch genug Zeit, Amadea. Stress dich nun nicht. Du bist schon mit anderen schwierigen Situationen fertig geworden.
Wieso höre ich die Band nicht mehr?
Und plötzlich höre ich es.
ZEHN!
Was?
NEUN!
Nein!
ACHT!
Das kann nicht sein!
SIEBEN!
Verdammt!
SECHS!
Armband runter!
FÜNF!
Strumpfhose hoch!
VIER!
Spülknopf gedrückt und raus.
DREI!
Die Treppe hoch!
ZWEI!
Hinein ins Lokal.
EINS!
Ich schnappe ein Glas.
Die Donau so blau, so blau, so blau.
Raketendonner.
Ein gutes Neues Jahr! Da küsst mich schon einer auf die Wange. Einer, den ich nicht kenne. Ein Deutscher.
Alle anderen am Tisch küssen mich auch.
Ein gutes Neues Jahr! Wildfremde Menschen umarmen mich.
Ich gehe zurück zum Tisch. Wie in Trance, das fremde Glas in der Hand.
Ein gutes neues Jahr, Amadea. Bleib g’sund.
Du auch, Anna. Gutes Neues Jahr. Ich muss mir die Hände waschen.
Beim Hinausgehen ruft sie mir nach: Da hängt was an deinem Bein, Amadea. Und eine Laufmasche hast du auch.

Sonntag, September 12, 2010

ich bin ein glückskeks


Unlängst bekam ich diese Mail:

Bitte lies diese Mail bis unten durch!
Bis oben werd ich sie lesen, Depp.

Jetzt wurde das Glück an dich versandt.
Wenn es nur nicht versandet, irgendwo.

Du wirst Glück haben, innerhalb der nächsten vier Tage, nachdem du Diese Mail erhalten hast.
Ich hatte dreimal Glück. Das erste Mal, dass ich letzte Nacht um vier Uhr früh von keinem Polizisten aufgehalten wurde. Dann, als ich gerade noch die Toilette erreichen konnte und mein Bett nicht ankotzte. Und heute früh fand ich nach langem Suchen doch noch eine Kopfwehtablette.

Um dein Glück zu erhalten solltest du die Mail allerdings weitersenden.
Ja, ich werde sie an alle Freunde, Verwandte, Hunde- und Katzenhalter, Kollegen und Innen schicken.

Das ist kein Witz und auch keine kommerzielle Kettenmail.
Witzig ist das wirklich nicht.

Du wirst Glück erhalten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (per Post!?).
Man beachte die vielen Rufzeichen und die Klammer. Klar, aber erst morgen. Heute ist Sonntag, no Postman.

Sende Kopien an Menschen, von denen Du meinst, dass sie Glück brauchen können.
Okay, ich schick dem Kachelmann eine Kopie.

Sende kein Geld, denn das menschliche Los hat keinen Preis!!!
Was für ein Geld? Hab ich im Lotto gewonnen?

Behalte diese Mail nicht in deinem Besitz.
Ist schon im Papierkorb. Deutsch ist wohl nicht deine Stärke, was?

Du solltest sie innerhalb von 96 Stunden nach Erhalt weitersenden.
Nerv mich nicht, hab noch zehn Minuten.

Innerhalb weniger (4) Tage gibt es mit Sicherheit eine Überraschung.
Gerade bekam ich meine Periode.

Sogar, wenn du nicht abergläubisch bist.
Hey, ich bin gläubisch!

Achte bitte auf Folgendes:
Björn Besser lernte am 15.04.1999 seine beste Freundin auf der ganzen Welt kennen. Er ist sehr glücklich darüber.
So eine Geschichte kenn ich auch. Von Max Schlächter.

Constantin Diex erhielt diese Mail 1993. Er bat seine Sekretärin zehn Kopien zu versenden. Einige Tage später gewann er im Lotto.
Ich hoffe, er hat die Sekretärin geheiratet!

Ein anderer erhielt diese Mail und vergaß sie innerhalb von 96 Stunden zu verschicken er verlor seinen Job.
So ein Wurschtl aber auch.

Nachdem er diese Mail wieder gefunden hatte, kopierte er sie zehnmal und verschickte sie. Er erhielt nach einigen Tagen eine bessere Arbeitsstelle.
Drum sag ich immer, Papierkorb nicht entleeren.

Ein Offizier erhielt 47 Millionen Pfund.
Wie viel ist das in Euro?

Jou Ekat kam zu 40 Millionen Pfund, verlor dieses Geld jedoch trotzdem, weil er diese Mail nicht weitergegeben hatte.
Ein Eklat!

1987 bekam eine junge Frau aus Kalifornien diese Mail, die mittlerweile undeutlich und fast unleserlich geworden war.
Ich brauch auch eine neue Druckerpatrone.

Sie versprach, diese Mail neu zu schreiben und weiterzusenden. Sie hat sie jedoch liegen gelassen und wollte es später machen. Daraufhin wurde sie mit diversen Problemen konfrontiert.
Die meisten Menschen werden mehr Zeit und Kraft daran, um Probleme herumzureden, anstatt sie anzupacken.“ sagte schon Henry Ford.

Unter anderem mit teuren Reparaturen an ihrem Auto.
Bin ich froh, dass ich ein neues Auto hab.

PS: Dies ist keine Mail mit Geldumlauf. Es ist lediglich ein Angebot positiver Energie und diese mit der daran gebundenen Glückform zu verbinden.
Brauch eh eine Glückform. Hab nur eine Guglhupfform.

Auch bei dieser Verbindung durch Gedankenkraft kann ein Effekt entstehen.
Der Dopplereffekt?

Sollte Dir so viel Glück widerfahren, dass Du es alleine nicht aushältst, teile es mit anderen Menschen.
Also, dagegen verwehre ich mich. Ich will niemanden aushalten.

Viel Glück!!!
Donggsche.
SEHR WICHTIG NOCH ETWAS AM SCHLUSS!
Schrei nicht herum da!

Die Mail wurde von einem Schüler in Karlsruhe, Deutschland, am 14.April 2001 wieder leserlich gemacht, weil durch das Weitersenden lauter Pfeile in der Mail waren und jetzt auch von mir am 23.08.2010 wieder instand gesetzt.
Ein Vifzak, dieser Schüler. Diese Pfeile nerven aber auch. Wie sag ich immer, schön, dass es auch heutzutag fleißige Schüler gibt.

Also, wenn Du die Mail weitersendet, drückt bitte nicht einfach auf weiterleiten, sondern kopiert sie in eine neue Mail, damit sie schön leserlich bleibt!
I’m a copycat.

Wenn ihr sie weiterschickt, entfernt bitte auch die Werbung ganz unten in der Mail.
Gut, dass du mich erinnerst. Das hätt ich fast vergessen.
Übrigens, hab mir unlängst beim Otto-Versand einen Geschirrspüler bestellt. Sehr günstig!

Du musst diese Mail an 10 Leute schicken, vergiss es nicht!!!
Nun nervst du a bissl. Du wiederholst dich ständig.

Glück braucht jeder Mensch.
Wer sagte das? Sicher Dalai Lama.

Wenn dich jemand mag oder liebt wird er alles tun, um dir in jeder Situation zu helfen!
Ok. Wer schließt mir den Geschirrspüler an?

Wenn du diese Mail an 10 liebe Menschen schickst, wird dir heute um 22:00 Uhr etwas Gutes widerfahren und in 4 Tagen erfährst Du wer dich liebt.
Jaaaa, ich hab das kapiert!
Am Donnerstag wird er mir endlich sagen, dass er mich liebt. Wird aber auch Zeit!

So und jetzt warte mal auf 9:00 Uhr!
Jetzt bin ich mal gespannt. Es ist schon fast zwei Uhr Nachmittag!

Ich versichere Dir, dass dies so ist, wirklich.
Weil man mir gesagt hat, dass es in weniger als einer Stunde klappt!
Das geht sich nicht aus mit einer Stunde!

Frag nicht nach, sondern probier es aus.
Wünsche dir was und warte ab, was passiert. Denke an etwas, was du dir wirklich wünschst, weil es funktioniert.
Nochmals neun Wochen Ferien.

Also, dein Schutzengel wird dir einen Wunsch erfüllen Zähle von 10 bis 1 und wenn du bei 1 angelangt bist, wünsch dir was!
10... 09... 08... 07... 06.. 05...04...03....02...01... Wünsch dir was.
Neun Wochen Ferien! Nun hab ich achtzehn. Auch wurscht.

Schicke die e-Mail innerhalb 1 Stunde an 10 Personen.
Wenn Du sie gar nicht oder später verschickst, wird das Gegenteil passieren!
Das Gegenteil? Was ist das Gegenteil von neun Wochen?

Du wurdest gerade vom Glück geküsst!
Schluss mit dem Gesabbere.

Heute wird deine wahre Liebe um Mitternacht herausfinden, dass sie dich liebt.
Ich werde die wahre Liebe kurz nach Mitternacht anrufen und sie fragen, ob sie mich liebt.

Etwas Gutes wird dir morgen zwischen 13:00 und 14:00 passieren, egal wo!
Ja, Mama hat mich zum Essen eingeladen. Es gibt Marillenknödel. Nicht egal, wo. Mamas Marillenknödel sind die besten.


Hab Glück!!!!!!
Danke !!!

Dienstag, September 07, 2010

kisch loren


Zwei Wienerinnen im Cafe:

Amol im Joahr meld‘t er sich.
Wer?
Da Ischias.
Da Nerv?
Jo. Immer rechts.
Es is a Drama. Meiner meldet si immer links. Ich nimm donn a Puiverl. Aber mit Schutz.
Schutz?
Jo, Magenschutz. I kriag sunst söchane Krämpf!
Ich bin a empfindlich in der letzten Zeit. Aber a Möhspeis in der Früh muss sein.
Freili, as Leb‘n ist eh so öd. A bissl a Freid‘ braucht man schon, gö?
Des haßt nix, nua a Buttabrot a da Fruah, i brauch a a Nussbeigal.
Waßt, i hab ja so gern a Pago g’spritzt nach dem Kaffee.
A Pago? Viel zu süß. Ich hab liaba an G’spritzt’n.
Na, schoo, da gibt’s sogar a Kisch Lorän.
Was ist denn a Kisch Loren? Hot des wos mit da Sophia Loren zan tuan?
Red kann Bledsinn. A Kisch Loren is a Oflof, ein französischer. Na herst, kennst des net?
No nia g'hert.
Soll ma uns an Bacardi Cola b’stöll’n?
Na geh, do is z’vü Rum drinnan. Gscheida an Cuba Libre.
Wos is’n da Untaschied?
Da Cuba Libre schmeckt wia a Bacardi Cola, nua bessa.

Freitag, August 27, 2010

beauty is in the eye of the beholder


Ich sitze im Bahnhofrestaurant. Mein Zug fährt in dreißig Minuten.

Ich bestelle einen Kaffee und schaue mich um. Nur wenige Tische sind besetzt.
Neben mir sitzt eine dicke Frau.
Unglaublich.
Ich reibe mir die Augen.
Ein Riesenbusen hängt an ihr dran. Ein Monsterbusen.
Das ist der größte Busen, den ich je in meinem Leben gesehen habe.
Ich starre niemals auf weibliche Brüste, aber nun kann ich nicht anders. Weil sie eben auch dieses besondere T-Shirt trägt. Besonders ist in dem Fall ein überaus höflicher Audruck.
Auf dem T-shirt steht Je suis le King of Pop.
Okay, sage ich mir, sie ist ein Michael-Jackson-Fan und ich verzeihe ihr das. Sie kann wahrscheinlich nicht Französisch.
Der neue King of Pop sitzt neben einer anderen sehr übergewichtigen Frau deren Haar ganz kurz geschnitten ist. Die beiden reden nichts, sondern schaufeln Schokoladekuchen mit Schlagobers in sich hinein.

An einem anderen Tisch sitzt ein kleiner Bub mit dicken, roten Wangen, feistern Oberarmen und einem blonden Schopf.
Sein Vater, ganz das Ebenbild seines Sohnes, stopft ihm Gugelhupf in den Mund.

Als ich aufschaue, kommt eine weitere übergewichtige Frau ins Restaurant. Sie ist verschwitzt und völlig außer Atem.
Was um Himmels willen ist heute hier los? Wieso sind alle so dick?
Muss die Globalisierung sein.
Die Frau ist offensichtlich Amerikanerin. Ich erkenne sie an ihren speziellen Turnschuhen, die unsereins nur im Hochgebirge zum Klettern tragen würden. Sie trägt ein kariertes Hemd, an den Ärmeln aufgekrempelt und eine kurze, beige Hose mit riesigen Taschen. Aus einer Tasche ragt eine halbvolle Colaflasche.
Und –sie hat Hosenträger! Die erste Hosenträgerträgerin, die ich sehe!
Hosenträger kenne ich nur von netten alten Opas mit Schnürlsamthosen, die ständig Holz hacken und aufschlichten. Mein Vater hat auch Hosenträger – für seine Lederne.
Unfassbar, dieser Anblick. Rote Hosenträger, die links und rechts von ihren Brüsten verdeckt sind.
Während sie an mir vorbeigeht, sieht sie mich missbilligend an.
Was ist? Darf ich dich nicht anschauen? Darf ich nicht hier sitzen und meinen Kaffee trinken? Nein, wegen dir schaue ich nicht so entsetzt. Ich schau immer so.

Eine Zwanzigjährige kommt aus der Toilette.
Auf ihrem rosa T-Shirt steht: I am pretty. Das ganze T-Shirt voll mit pretty, pretty, pretty. In allen Farben und Schriften.
Das Problem – sie ist nicht hübsch. Sie hat zwanzig Kilos zu viel. Das T-Shirt ist viel zu eng und zu kurz, der Bauch quillt aus der Hose. Hüften zu ausgeladen, Haar zu blond-schwarz, Gesicht zu grob und Haut zu specking.
Kurz bin ich abgelenkt und denke nach.
Welche Message würde auf meinem T-Shirt stehen? Mir fällt nichts ein.

Ich schaue auf meine Uhr. Zeit zu gehen. Ich bezahle und verlasse das Restaurant.
Beim Hinausgehen hab ich ihn.
Den passenden Spruch.
Für’s T-Shirt. I apologize for staring at you.

Sonntag, August 15, 2010

das italienische frühstück


Nein, das ist eine Ausnahme. Ehrlich. San’S doch a bissl locker. Einmal nur.
Ich lächle sie an.
Sie kneift den Mund zusammen.
Okay, eine Frustrierte, ewig lang verheiratet oder geschieden und genervt von allem und jedem. Vor allem vom Leben. Was kann ich da schon ausrichten? Mit Frauen im Klimawandel ist es schwierig.

Wir sind gerade in Salzburg in den Zug gestiegen und wollen nach Linz. Wir – meine langjährigen Freundinnen Tina, Gerda, Marie und ich – feiern Geburtstag von Tina. Drei Tage Linz. Gerda hat gebucht.

Ich hab das Programm gemacht. Ausgeklügelt. Wohl überlegt. Viel Kultur, viel frische Luft.
Es wurde dann doch ein wenig anders. Viel Shopping und viel Luft. So frisch ist die nicht in der Landstraße vor den Kaffeehäustern. Aber wir waren auch abends in der Luft, der frischeren, in den Gastgärten und an den Stehtischen der Bars.

Geplant war eigentlich ein italienisches Frühstück im Zugabteil, nun war es ein italienisches Mittagessen geworden, weil ich den Zug versäumt hatte.

Amadea, du weißt eh, der Zug kommt in Bhofen um zehn nach zehn an, wir werden dir winken, und du steigst in unser Abteil. Merkst du dir die Zeit oder soll ich dich den Tag vorher noch einmal anrufen?
fragte mich Gerda am Telefon, nachdem sie gebucht hatte.
Ich bin nicht deppert, sagte ich, klar merk ich mir das.

Und so war ich eine halbe Stunde früher in Bhofen gewesen, war dann noch Kaffee trinken und schlenderte eine Vierteslstunde vor Abfahrt des Zugs gemütlich zum Bahnhof.
Aber meine Uhr war stehen geblieben. Genau um fünf vor zehn. Und auf der Bahnhofsuhr war es zwölf nach zehn.
Warum passieren mir immer in den unmöglichsten Momenten die unmöglichsten Dinge? Warum bleiben meine Uhren immer im unpassendsten Moment stehen?
Also nahm ich den Zug eine Stunde später während die anderen in Salzburg auf mich warteten.

Wir sitzen im Speisewagen. Wir wollten da nicht sitzen, wir wollten ganz normal in einem Abteil sitzen. Aber es war nichts mehr frei.
Ich hab ein italienisches Picknick mit. Alles hab ich mit, alles, was du dir vorstellen kannst. Prosecco, Ciabatta, Oliven, Parmaschinken, Parmesan, Tomaten, Cantuccini.
Pappteller und –becher sowie Besteck und Servietten hab ich schon ordentlich aufgelegt und gerade, als ich dabei bin, den Schinken auszupacken, hör ich ein lautes Das geht nicht! Wenn das jeder tun würde!
Die Restaurantchefin ist außer sich. Die Augen hinter ihre Brille funkel böse, sie wischt sich die Schweißperlen vom Gesicht, fährt sich durch’s dunkelrot gefärbte Haar, das einem Vogelnest ähnelt.

Ich frage mich immer wieder, warum so viele Frauen im Klimawandel sich die Haare dunkelrot färben?

Ich konzentriere mich wieder.
Wir sind nicht jeder, liebe Frau, das ist heute ein besonderer Tag, wir haben das auch noch nie gemacht, das ist einmalig.


Die vier Männer aus Vorarlberg, die hinter uns sitzen und schon gut drauf sind, prosten uns zu.
Dürfen wir auch mit naschen?
Klar, sage ich. Prost.

Wenn ich kontrolliert werde, bin ich fällig. Ich kann das nicht erlauben, schreit sie.
Beruhigen Sie sich, bitte. Wir bestellen auch was, gell? Vier Verlängerte, bitte.
Nein, das geht nicht, räumen Sie das sofort weg.
Ich beiße vom Ciabatta und stecke mir ein Stück Parmesan in den Mund.
Besorgen Sie uns einen Platz in einem Waggon und wir sind weg, sage ich mit vollem Mund.
Das kann ich nicht, ich bin kein Schaffner.
Ich gebe Ihnen zehn Euro für die Unannehmlichkeiten. Bitte! Ich lächle sie an.
Ich bin nicht bestechlich. Weg mit dem Zeug.
Alle Gäste im Speisewagen sind auf meiner Seite, ich spüre es. Alle lachen und sind gut gelaunt. Gleich werde ich sei überredet haben.

Da stuppst mich Gerda an: Amadea, räum das weg, bitte.
Marie und Tina nicken. Verräterinnen denke ich, Spielverderberinnen sage ich und packe alles ein.

Ich bin es nicht gewohnt, dass ich nachgeben muss. Nicht, wenn ich eine Idee habe und vor allem nicht, wenn die Idee so schön ist.
Es zählt der Wille, Amadea, sagt Tina. Und alle nicken.
Ich gebe mich geschlagen.
Also picknicken wir nach dem Aussteigen auf einem Grünstreifen in Linz. Und der Obdachlose, der neben uns sitzt, bekommt einen Becher Prosecco.
Happy birthday, Tina!

Donnerstag, August 12, 2010

abwechslung


Was ist los mit den Männern? Mit meinem Mann? schimpft sie.
Ich sitz im Kaffeehaus. Mit Alex, die verheiratet ist und drei Kinder hat.

Ich brauch einen Kaffee,
schimpft sie dem Ober entgegen, der ganz erschreckt läuft, um ihr die Melange zu bringen, den sie immer trinkt. Sie zündet sich eine Zigarette an, macht einen tiefen Zug.
Ich sage nichts. Ich weiß, dass ich nun nichts sagen darf.

Warum glaubt er, dass es mich anturnt, wenn er um fünf vor sechs am Montagmorgen Sex haben will? Ich weiß, Männer sind stolz auf ihr bestes Stück. Sie wollen es zeigen, sie wollen, dass man es bewundert. Aber fünf Minuten vor dem Wecker läuten bin ich nicht interessiert an Sex!


Ich nicke. Dein Kaffee, sage ich und deute auf den Tisch.

Ach ja,
sagt sie und nimmt einen Schluck.
Wenn er mir zeigen will, dass er mich begehrt, soll er mir Blumen kaufen oder mich zum Essen ausführen. Das ist ja nicht alles.
Er kapiert gar nichts.
Mitten in der Hausarbeit findet er es witzig, meinen Busen zu begrapschen und mich in meinen Hintern zu zwicken. Und er findet das unglaublich toll! Das ist nicht toll, das nervt nur! Ich habe zu tun, und muss schauen, dass ich meinen Zeitplan einhalte.
Wenn ich nicht die Wäsche mache, wer dann? Und er ist der erste, der jammert wenn sein Lieblingshemd nicht gebügelt ist.


Alex dämpft die Zigarette aus, nippt an ihrem Kaffee und schimpft schon wieder weiter.
Wenn ich ins Bad geh, weil ich auf’s Klo muss, geht er mir hinterher. Hat ihm seine Mutter nicht beigebracht, dass man als Frau Körperfunktionen nicht teilen will? Wenn ich am Klo sitz, will ich nicht hören, dass er mich sexy findet. Ich bin nicht sexy, wenn ich auf der Muschel sitze.

Naja, Alex,
will ich sagen, du darfst das nicht….
Und dieses Furzen, schimpft sie, dieses ständige Furzen. Seine Freunde mögen das ja toll finden, wenn er fünf Minuten lang ohne Unterbrechung furzen kann. Ich finde das nicht toll. Nein, und ich finde es auch nicht toll, mit dem Zündholz ins Klo zu gehen.

Pass auf, Alex, dein Kaffee
…Zu spät.

Mein Gott, nun hab ich mich auch noch angepatzt,
schimpft sie, nimmt die Serviette und versucht, die Kaffeeflecken von der Bluse zu wischen.
Weißt du, was er gestern zu mir sagte? Du hast dich verändert, seit wir verheiratet sind. Unser Sexleben ist nicht mehr so aufregend wie am Anfang. Du bist ständig müde. Ich konnte gar nichts sagen. Ich war außer mir. Ich hab ihm das schon mehrmals gesagt, aber er kapiert nichts. Früher hatten wir Sex im Wald, wir hatten Sex im Auto... Wir hatten überall Sex. Du verstehst keinen Spaß mehr, du hast keinen Humor.
Stell dir vor, Amadea, so redet er mit mir! Ich habe ihn geheiratet, nicht wahr? Zeugt das nicht von meinem Sinn von Humor?? Was will er denn? Ich tu und mach den ganzen Tag, ich bin verantwortlich für die Ordnung im Haus, für’s Kochen, für die Kinder. Ich schau, dass sie die Hausübung machen, dass alles sauber ist. Ich bin kein Teenager mehr, und will nicht mehrmals am Tag irgendwo Sex haben.
Außerdem, was soll ich mich anstrengen? Ich habe ihn an der Angel, er hat mich geheiratet, wir haben Kinder, ein Haus. Ich brauche mich nicht länger um ihn zu bemühen. Er kann ohne mich nicht überleben.

Zahlen,
Herr Ober, ruft sie.
Amadea, ich muss. Zwei Stunden hab ich noch. Dann muss ich die Kinder von der Schwiegermutter holen. Weißt du, ich hab ein Date. Ein blind Date. Wie aufregend. Ein Bild von einem Mann, gutaussehend, witzig.


Wo hast du den kennengelernt?

Na, im Internet. Ein fescher Mann, Halbitaliener.

Ich bin sprachlos.

Ja, weißt du, ich brauch auch mal a bissl Abwechslung vom langweiligen Ehealltag. Ich hab es ihm Gefühl, dass ich mich überreden lassen werde. Seit fünfzehn Jahren keinen Sex mit einem anderen Mann!
Ich bin sicher, wir tun’s im Auto! Wie aufregend…

Sonntag, März 21, 2010

und?


Und?
Tuat scho.

Wos sougg a?
Passt. Soiwa?
Ois Paletti.

Das war einmal. So begrüßen wir einander hier im Gebirg nicht mehr.
Heutzutage spricht man anders.
Hi. Wie geht’s?
Alles cool, alles chillig.

Wenn wir müde waren, homma uns a bissl hing’haut auf die Of’nbonk.
Heute machst ein chill-out auf dem Futon.

Mia foahn nimma mit’m Radl, sondern gehen biken, mia gengan nimma spozier'n, sondern walken. Die ganz Sportlichen power-walken.
Und nachher gengan mia nit ins Kaffeehaus, sondern in die Location und tan nit jausna, sondern brunchen.

Zum Frühstück gibt’s keine Cornflakes, sondern Cerealien. Und du gehst nit auf a Poar Wirschtl mit an Siaß'n, sondern auf an Börga.

Zan Dokta nimmst nit an Kronknschein, sondern die E-card mit.

Waren das noch Zeiten, als man Flugpost bekam. Diese wunderschönen, dünnen Kuverts, auf denen Airmail stand.
Und die Telegramme erst!
Das war jedes Mal eine Aufregung! Jeder war besorgt, wenn ein Telegramm ins Haus kam weil das bedeutete meistens, dass jemand gestorben war.
Heut bekommst eine Email: Onkel verstorben, Begräbnis um 14 Uhr. Und als Anhang ein weinender Engel.

Ja, ja, auf die Amis fest schimpfen und statt "Herrschaftzeit’n, Graffi bled’s", F*** sagen.
Oida, des nervt mega.

Freitag, März 12, 2010

im hotel


Natürlich weißt du, dass in einem Hotelzimmer viele Menschen übernachten. Hintereinander, versteht sich.

Außer du bist in einem Fleabag-Hotel in Leinster Gardens, das ich vor einigen Jahren immer bewohnte wenn ich in London weilte.
Dieses Hotel hieß nur Hotel. Es war keines.
Es hatte den Charme einer Flüchtlingsherberge mit Etagenbetten und Zehnpersonenzimmern.
Es war ein Überbleibsel aus der viktorianischen Zeit und seither war nichts verändert worden.
Ich bekam immer das Einzelzimmer ganz oben unterm Dach, drei Quadratmeter groß mit Dusche, eingebaut in einem weißgestrichenen Holzrahmen.

Hast du dir je bewusst gemacht, wer aller in dem Zimmer, in dem du eine Nacht oder mehrere Nächte verbringst, gewohnt hast? Tausende von Menschen.
Vermutlich willst du gar nicht so genau wissen, wer da aller übernachtet hat und was diese Leute in dem Zimmer gemacht haben.
Aber so ist das eben. Ein Hotel verdient damit sein Geld.
Und du glaubst, dass alles wunderbar sauber und geputzt ist. Im Großen und Ganzen ist das auch so.
Aber bedenke: Auch wenn es ein piekfeines Hotel ist, das sorgfältig geputzt und gereinigt ist, schläfst du trotzdem inmitten von Tausenden Mikroben von tausenden fremden Menschen.
Okay, das Bett wird frisch bezogen, Badezimmer und Toilette werden geputzt, die Kacheln gewischt, die Tische poliert.
Aber – und das merke dir, diese Zierkissen werden nicht gewaschen und genau so wenig die dekorative Tagesdecke.
Und ich bin mir sicher, du bist da auch so pingelig wie ich. Du achtest peinlich darauf, diese Tagesdecke weder mit Fuß noch Arm, noch anderen Körperteilen zu berühren.
Du weißt auch, dass die Böden in Hotels IMMER Teppichböden sind.
Und auch wenn da noch so genau Staub gesaugt wird, es bleiben IMMER Hautschuppen, Haare – glatte, lange und weniger lange, krause – liegen. IMMER! So genau kann gar niemand putzen und Staub saugen. Und irgendwo bleiben eingetrocknete Körpersäfte, woher die auch immer stammen mögen, kleben.

Du kannst deinen Aufenthalt in einem Hotelzimmer nur wirklich genießen, wenn du eine nicht zu ausgeprägte Phantasie hast. Zu den Menschen gehöre ich leider nicht.
Aber ich will dem Hotelreinigungspersonal nichts unterstellen. Sie bemühen sich redlich.
Alles wird ordentlich zurechtgerückt, die Vase genau in die Mitte des kleinen Tischchens, Kuli und Schreibblock rechts von der Lampe auf die Abstellfläche vor dem Spiegel, Fernbedienung neben den Fernseher und Getränke in die Minibar. Vorhänge werden ordentlich drapiert.

Manchmal, auch wenn es ein gutes Hotel ist, findest du einige Beweismittel für die Anwesenheit von anderen Menschen unter dem Bett oder in der Ecke hinter dem Vorhang. Eine Münze, einen Kassabon.
Oder du siehst einen kleinen fettigen Abdruck einer Nase am Fenster wenn du die Gardine zur Seite ziehst. Manchmal hast du auch Pech und du findest ein Stück gebrauchtes Pflaster oder ein Taschentuch.

Ich war vor einigen Wochen in einem netten Hotel nicht weit weg von Salzburg. Ich brauchte einige Tage Entspannung.
Es war ein schönes Hotel mit vier Sternen und wunderbarem Wellnessbereich. Das Zimmer war sehr sauber und liebevoll mit Details eingerichtet. Das Bad war blitzblank, die Bettwäsche duftete und war makellos gebügelt. Und zur Begrüßung stand ein frisch gebackener Guglhupf auf dem Tischchen, auf dem sonst Blumen stehen. Es deutete nichts darauf hin, dass in dem Zimmer vor mir jemand anderer gewesen war. So wie es sein sollte. Es war mein Zimmer, meines ganz alleine. Für einige Tage. Doch am Abend, nachdem ich mich geduscht hatte, sah ich es.
Hier war jemand vor mir gewesen. Eigentlich zwei Jemande. In meinem Zimmer. In meinem Bett.
Da, auf dem Spiegel, in großen Lettern, las ich: ICH LIEBE DICH. Man konnte es nur sehen, wenn der Spiegel beschlagen war.
Wie lange waren die beiden da gewesen? Eine Nacht, ein Wochenende, drei Wochen?
Wer waren sie gewesen? Ein junges Pärchen? Ein Hochzeitspaar?
War es ein geheimes Stelldichein gewesen?
Wurde diese Liebe erwidert? War sie einseitig? Verschmäht?
War dieser Satz ein verzweifelter Versuch, den anderen wieder zu gewinnen?
Wurde dieser Satz auch gelesen von dem, der ihn lesen sollte? Oder war er nur so dahin geschrieben worden?

Eigenartig, wenn du plötzlich bemerkst, dass du im Hotelzimmer, das du als das deinige angesehen hast, nicht alleine bist.

Montag, März 08, 2010

and the winner is . . . Waltzing Christoph


Naja, das war ja zu sehen, dass er gewinnt.
Ich hab das ja damals schon gemerkt. Damals, als ich im Film Die Verzauberung gemeinsam mit dem Christoph Waltz vor der Kamera stand.
Damals sah ich schon, dass er das Potential dazu hatte.
Und ich natürlich auch.
Das hat der Paulus auch gesehen. Hätte er mich sonst engagiert? Ich, eine unter Tausenden?

Naja, der Michl war auch dabei. Und die Anna und das Schneewittchen. Die Evelyn auch.
Aber wir sind halt alle talentiert. Wir sitzen alle in einem Boot. Und nun haben wir halt den Waltz auch noch an Bord genommen.
Der Christoph, unser Schauspielerkollege. Unser Oscar-Kollege.

Eine Ikone, ein Ikonus war der.
Diese eine Szene beim Arzt, beim örtlichen, die war göttlich.
Diese Überlegenheit, diese Mimik, diese subtilen Nuancen in seiner Stimme - oscaresque!
Und wie der in die Arztpraxis humpelte! Wie ein Gott!

Ich war leider bei der Szene nicht dabei. Aber ich war nah dran. Wange an Wange quasi, mit dem Oscar Waltz.
Die Evelyn war mit ihm gemeinsam in der Praxis. Sie begrüßte ihn mit einem lauten Grüß Gott. Eigentlich hätte ich die Szene ja spielen sollen.
Aber die Regisseurin meinte, das ginge nicht, ich hätte schon eine Totale. Eine Totale von meinem Gesicht zwei Minuten lang, als ich mit dem Michl die Straße im Stadtl entlang ging.

Okay, es war ein bisserl anders. Eine Totale war es schon, aber nicht drei Minuten, sondern eine halbe Sekunde.
Okay, auch nicht vom Gesicht. Aber mein Hintern ist auch ganz hübsch.
Ich war ja etwas neidisch auf die Evelyn. Weil die mit dem Oscarchristoph reden durfte. Zwar nur ein Grüß Gott, aber immerhin. Wer bittschön, hat die Gelegenheit, zu einem Oscarpreisträger Grüß Gott zu sagen? Niemand!

Aber ich habe ihn fotografiert. Und auf dieses Foto hab ich die Urheberrechte. Ich ganz allein. Und ich werde das Foto verscherbeln. An den Meistbietenden.

Ein Lied hab ich auch geschrieben. Falls er mal wieder vorbeikommen sollte – bei mir.

Waltzing Christoph, Waltzing Christoph
You'll come a-Waltzing Christoph with me
And his voice may be heard as he passes by with his Oscar
You'll come a-Waltzing Christoph with me

Samstag, Februar 06, 2010

nadine und jennifer



Mah, Jenni, host gsegn, wos die Meri gestern fia a Blusn oghobt hot?

Ma Oida, de woar so schwul, de hot ihr goar nit passt. Sie hot ausgschaut wia a oids Weiwi.

Nadi, tatst du sowos oziagn? Mah, Oida, richtig grintig.


Mah, und die Party am Somstag. Voi da Schas. I hoss die privaten Feiern, mah.

De san so schwul, mah Oida.


Und do gibts nix Gscheits zan essn, die Gulaschsuppn woar voi grintig.

Owa i woa oamoi ba ana Goatnparty in Soizbuag. De woar voi geil, weil de hom a riesigen Goatn ghobt und do hots so kloane Gowibissn gebm. De hoaßn Kanape, oder so.


Sushi hoaßn de. Goatnparty ba dem Schnee?

Mah, Oida, des woar im Summa. Owa de woa voi geil. An Prosecco hots a gebm. Und Tequila a. I woar noch zwoa Stund voi fett, mah Oida, des woar soo geil!


Die deppertsten Parties san won oanige goar nix trinkn, gö?

Jo, voi fad.


Die Vanessa hot mia dazöht, dass sie im Fruahjoahr heirat.

Mei Cousine hot im Herbst gheirat. A voi geile Hochzeit woar des. De Fotos hout's oi ins Facebook gstellt.


Die Sandra is a bei Facebook.

Sie woar scho im fünftn Monat wia sie geheirat hot. Voi cool.


Die Sandra is schwanger?

Na, mei Cousine.


Geh, Oida. Des is voi schwul. I tat nia oisa schwangerer heiraten, do bist jo voi fett und so.

Besser voi fett und verheirat ois voi fett und ledig.


A woahr.

Montag, November 09, 2009

alles nur geschäft


Ja, ich weiß. In diesem Jahr gibt es in den Geschäften und Supermärkten seit Oktober Weihnachtsartikel.
Ich weiß das, klar?
Ja, es ist unangebracht Und es nervt mich.
Aber weißt du, was mich noch mehr nervt?
Du weißt es nicht?
Du ! Du nervst mich !
Jedes Jahr sagst du mir immer dasselbe.
Ich höre jedes Jahr denselben Satz von dir:

Mein Gott, so früh das Weihnachtszeug in den Geschäften. Ist ja nur mehr Geschäft, das Weihnachten heutztutage. Ist das nicht ein Wahnsinn?


Hör zu, ich hab selber Augen und ich sehe das und es ist nicht notwendig, dass du mich immer wieder daran erinnerst.

Und im Einkaufscenter ham’s jetzt schon den großen Christbaum aufgestellt. Eine Sünde! Obszön ist das.


Nein, das ist nicht obszön, meine Liebe. So ist es halt. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und darum ist das so, verstehst?
Weißt du, was obszön wäre? Wenn statt der Christbaumkugeln Dildos und Vibratoren am Baum hängen würden und andere Sexartikel.
Das wär obszön!
Und sag mir mal, warum hast du die Wunderkerzen und das Lametta gekauft? Sag mir mal, warum?

Ich nehm's eh noch nicht her. Ich hab gestern nur ein kleines, goldenes Kerzerl angezündet. Es war so dunkel und grau gestern nachmittag. Und so a bisserl Weihnachtsgefühl bei dem Sauwetter ist nett.


Nein, du brauchst kein Weihnachtsfeeling.
Wir haben Anfang November und Weihnachtsfeeling ist nun nicht angebracht, meine Liebe.
Und es dauert noch einige Wochen, bis wir Weihnachten haben.
Und bis dahin kann viel passieren.
Es kann sein, dass deine Wohnung ausbrennt, weil du vergessen hast, die Kerze auszulöschen.
Es kann aber auch sein, dass du im Krankenhaus liegst, weil dir im Einkaufscenter der große Christbaum auf den Kopf gefallen ist.
Noch was.
Ich würd an deiner Stelle schnell heimgehen und in Zukunft die Geschäfte meiden. Die Schweinegrippe geht um. Sonst erlebst du den vierundzwanzigsten womöglich nicht.

Dann werd ich heut noch a bissl Weihrauch auf den Herd stellen. Das desinfiziert.

Samstag, November 07, 2009

dadat und warad


Emmi und Mali kehren das Stiegenhaus der Schule:

Er is jo hiaz a da Pension, Emmi, gö? Wia tuat’s enk oft?

(Dein Mann ist ja nun in der Pension, nicht wahr, Emmi? Wie geht es euch denn?)


Jo tuat schon, Mali. Muass jo toa. Da meinige hout jo a guade Pension. Es warad scho sche, wonn’s so bleib’m dadat wia hiaz.


(Es geht schon, Mali. Es muss ja gehen. Mein Mann hat eine gute Pension. Es wäre schön, wenn es so bleiben würde wie jetzt)


Adiam kunnt’s da jo vageh, wonn’st hescht, wous so auf da Wöit possierscht. Wonn des woahr warad, wous ma so hescht an Fernsehn, donn warad des fia ins gou nit guat. I dadat donn mei Göid va da Bank aussanehma, wei dou warad jo gou nix mehr sicha.


(Manchmal könnte man verzweifeln, wenn man hört, was so passiert auf der Welt. Wenn das wahr wäre, was man im Fernsehen hört, dann wäre das gar nicht gut für uns. Ich würde mein Geld aus der Bank heraus nehmen, weil dann wär ja gar nichts mehr sicher)


Jo Mali, wonn des woahr warad, donn warad des a Malär. Owa du derfst nit ois glab'm wos’d an Fernsea siagst oda a da Zeiding liest. Dou dadast jo glei amoi vazougn.


(Ja, Mali, wenn das wahr wäre, dann wäre das ein Malheur. Aber du darfst nicht alles glauben, was du im Fernsehen hörst oder in der Zeitung liest. Da würdest du ja nur verzagt sein.)


So long ma gsund san, tuat’s oiwei no. Sougst nit a, Emmi?


(So lang wir gesund sind, passt es schon, nicht wahr, Emmi?)


Jo, ohne G'sundheit dadat ins gou nix meahr g'frei. Dou warad ois a Gfrett.


(Ja, ohne Gesundheit würde uns gar nichts mehr freuen. da wäre alles anstrengend.


An Dreck hout's heit wieda dou. Warad guat, wonn de G'schroppm eahn Dreick aomoi soiwa putzn dadatn.


(Wie schmutzig es heute wieder ist. Es wäre gut, wenn die Kinder den Dreck selber putzen würden)


Soug i a oiwei. Des dadat eana gou nit schoun.


(Sag ich auch immer. Das würde ihnen nicht schaden)

Sonntag, September 27, 2009

itaka, depperte


Weg. Sie ist weg! Die Geldbörse ist weg, Lo. Und die Bankomatkarte auch. Die war drinnen.
Ja, ja. Wieder einmal. Heute ist sie schon das fünfte Mal weg.
Dieses Mal ist sie weg, schau doch.
Ich leere den Inhalt meiner alten, braunen Handtasche auf den Boden des Geschäftes.
Sie ist nicht da.
Lo bezahlt die Briefmarken, die ich gekauft habe. Ich bin genervt.
Ich hab sooo aufgepasst Lo. Alle drei Reißverschlüsse sind offen! Wann ist das passiert?
Okay, alles der Reihe nach. Ich ging nach vor, während du in das kleine Geschäft gingst. Das neben dem Musikladen. Wo war das?
Da um die Ecke.
Wir gehen hin und fragen. Die Verkäuferin weiß nichts.
Mich hat ein Mann angerempelt, Lo. Als ich über die Piazza ging. Du warst drüben im Eck vor dem Schaufenster, erinnerst dich? Ein Mann hat mit zwei Kindern Fangen gespielt und die rempelten mich an. Ich war überrascht, verärgert und stellte mich so hin.
Und ich zeige Lo, wie ich dastand. Arme zur Seite, Körper geöffnet.
Und dann muss ein Vierter da gewesen sein, der die Geldbörse nahm. Und alle drei Reißverschlüsse der Tasche öffnete! Der Mann sah ganz normal aus. Wie ein Vater. Gar nicht wie ein Dieb.
Mich haben die auch schon angerempelt, genau! Ich dachte mir noch, komisch.
Ja, das dachte ich mir auch.
Und ich hab ganz instinktiv meine Tasche festgehalten. Mit beiden Händen. Die machen das sicher mehrmals am Tag.
Die Kellner des Restaurants müssen das doch sehen.
Die stecken alle unter einer Decke. Mafia. Eh klar. Die entkommen uns nicht, Amadea. Morgen setzen wir uns hier her und bestellen was zu trinken. Und dann warten wir, bis die wieder kommen.
Wer weiß, ob die da nochmals kommen. Die sind ja nicht dumm.
Die kommen auf jeden Fall. Wir setzen uns hier her, warten und wenn sie kommen, rufen wir die Polizei.
Alle drei Reißverschlüsse offen, unglaublich. Und dann nur die Geldbörse genommen. Das sind Profis. Dabei hab ich extra die ganz kleine genommen. Sonst ist alles noch da.
Das sind ganz ausgefuchste. Die machen das mit Hypnose. So schnell kannst gar nicht schauen. Keine Chance hast du da. Du kennst doch eh die Zauberer, die man manchmal im Fernsehen sieht. Die, die den Leuten die Armbanduhr runternehmen, ohne dass die es merken.
Sehr ausgefuchst. Scheiße, keine Bankomatkarte mehr. Und was wenn nun mein Konto leer geräumt ist?
Nein, mit Bankomatkarte geht das nicht. Nie und nimmer.
Wer weiß, wie ausgefuchst die sind. Lo, ich rufe heute noch den Tom an von der Raika an. Der soll mein Konto sperren lassen. Und warum haben die genau mich ausgeraubt? Alle drei Reißverschlüsse offen ! Alle drei!
Naja, du schaust schaust ziemlich wohlhabend aus. Kamera in der Hand, toller Schal und die Pailletten da.
Das T-Shirt hat 5 Euro gekostet, Lo. Factory-Outlet und Ausverkauf.
Trotzdem schaust reich aus, die Sandalen schauen auch teuer aus.
15 Pfund, Lo. Die sind aus Camden. Alles billiges Zeug.
Die Handtasche?
Okay, die war a bissl teurer, aber auch nicht wirklich. Aus dem EZA Laden. Da ist nichts exklusiv, gar nichts, Lo.
Ich brauch nun einen Drink. Gehen wir einen Aperol trinken.
Ich hab keine Ruhe, Lo. Ich ruf nun den Tom an. Der muss mir sagen, ob mein Geld noch am Konto ist.
Mein Gott, Amadea, du bist hysterisch. Den kannst nun nicht mehr anrufen. Schon halb zwölf. Egal. Ich ruf an.
Tom klingt verschlafen.
Deppate Itaker, sagt er. Was fahrt ihr auch nach Italien? Mach dir keine Sorgen, Amadea. Ich überprüf das morgen. Und nun gute Nacht.
Ich glaub, er war schon im Bett, so grantig wie der war.
Klar. Andere Leut arbeiten ja.
Nerv mich nicht schon wieder, Lo.
Wann hab ich dich je genervt?
Während der Anreise. Du weißt schon.
Sie wusste.

Lo als Beifahrerin. Was Anstrengenderes als sie gibt es nicht. Die ganze Zeit Bemerkungen wie: Nicht so schnell. Brems doch. Pass auf, da vorne. Hast den Laster nicht gesehen?
Dabei sehe ich immer alles.
Lo, sei endlich ruhig, schrie ich genervt.
Nur weil du schreist, hast du nicht mehr recht, schimpfte sie zurück.
Fahr du wenn es dir nicht passt.
Lo fuhr nicht, weil sie Angst hat beim Fahren. Besonders in Italien. Stattdessen fuchtelte sie mit dem GPS herum, das eh nicht funktionierte. Die ganze Zeit über schimpfte sie abwechselnd mit mir und dem GPS.
So ein Graffl.
Ja, sag ich doch. Straßenkarte ist immer besser.
Du hast ja keine mit, Amadea.
Na, ich dachte, du bist die, die mir ansagt, wie ich fahren muss. Und ich besitze keine Straßenkarte, ich fahr nach Gefühl. Immer. Außerdem ist alles angeschrieben.
Du und dein Gefühl, jaja. Drum fahrst auch so wild.
Lo! Ich steig nun gleich aus. Halt nun endlich den Mund.
Lo hielt den Mund. Zwei Sekunden lang.
Gar keine Straße mehr da auf dem Kastl.
Eben, neumodisches Zeugs. Wo ich eh überall hinfind. Dauert halt ein Zeitl. Und sich ein bisserl zu verfahren gehört zum Abenteuer des Reisens.
Endlich waren wir vor dem Hotel angekommen. Das GPS hat es auch bemerkt. Es redete! Das erste Mal! Und zwar auf Italienisch!

Ich nippte an meinem Aperol.
Schön, gell, Lo. Das Flair und alles. Schön wär’s, wenn ich halt meine Bankomatkarte noch hätte.
Hör mit dem Gejammer aus, genieß lieber.
Ich kann nicht genießen, wenn ich kein Geld mehr hab. Wenigstens hab ich die Kreditkarte daheim gelassen. Na, das wär was, wenn ich die verloren hätte.
Mittlerweile war es Mitternacht geworden. Wir machten uns auf den Weg in unser Hotel.
Schön, die neue Handtasche, gell? Schön, dieses Violett, sagte ich zu Lo, als wir im Hotelzimmer waren.
Und da ist noch ein Extrafach, schau mal. Mit Reißverschluss.
Und Lo schaut.
Amadea.
Was?
Amaaaaaaaaaaaaadeaaaa.
Waaaaaaaaaaas?
Da ist dein Geldbörsel, du Wahnsinnige. In der neuen Handtasche. Und alles drin. Alles! Auch die Bankomatkarte.
Na sowas. Ich muss nochmals den Tom anrufen. Der wird sich freuen.

Donnerstag, September 24, 2009

the brits form an orderly queue even when alone


Nun da ich letzte Woche in England war, wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr die Briten das Warten lieben. Für die gibt es nichts Lustigeres, als sich in Reih und Glied anzustellen.
Uns Resteuropäern entgeht da wirklich etwas.

Meine Kollegin hatte auf unserem Weg nach London – per Bahn mit 70 Schülern – die Tickets vergessen und wir mussten im Zug neue kaufen.
Der Schaffner, zuerst gar nicht amused, erklärte mir dann aber ob meines angeborenen, österreichischen Charmes freundlich, You’ll get them refunded, love.

Also stand ich um kurz nach sechs vor dem Schalter, der bis sieben geöffnet war.
Und wie schon so oft, wenn ich in England irgendwo in einer queue wartete, sitzt da hinter dem Glasfenster der langsamste aller englischen Beamten. Und dieser ist zusätzlich noch überfordert und total konzentriert auf die Kundin, die er gerade bedient und sieht nicht, dass die Schlange vor seinem Fenster immer länger wird.
Ich bin an erster Stelle aber es nützt nichts, weil die alte Dame, die da vor mir am Schalter steht, umständlich herumfragt, und der Beamte zuerst gar nicht und dann ebenfalls umständlich antwortet.
Außerdem ist die Lady schwerhörig und wiederholt ständig, Speak up a little, young man. I am wee hard of hearing. Aber er hört das nicht. Nicht, weil er schwerhörig ist, sondern neu.
Es ist bereits halb sieben und die Schlange hinter mir hat die bedenkliche Länge einer ausgewachsenen, aggressiven Anakonda erreicht.
Die Mienen der Wartenden sind so dunkel wie die Tunnels der Northern Line.
Ich bin gerade damit beschäftigt, Methoden zu entwickeln, den jungen, bleich- und pickelgesichtigen Beamten abzumurksen, als endlich nach mehr als einer halben Stunde die Lady fertig ist.
Ich bin an der Reihe.
Als ich ihm erkläre: Well, I have got 77 train tickets here, and I should get them refunded, verfinstert sich seine Miene leicht. Doch seine Miene ist bei weitem nicht so dunkel wie die der in der Schlange hinter mir Wartenden. Seine Miene ist grau. Mittelgrau.
Es geht relativ schnell, er holt ein Formular hervor. Es dauert ein wenig, bis er es schafft, meinen Namen zu schreiben, obwohl ich alles schön brav buchstabiere, aber nach zehn Minuten ist das erledigt.
Ich höre, wie die Anakondaschlange aufatmet. Als ich mich umdrehe, sehe ich, dass ihre Mienen nun nicht mehr so ganz dunkel sind.
Nicht mehr lange, denke ich. Und ein kleines Gefühl der Schadenfreude blitzt in mir auf.
Sorry, I haven‘t finished yet, sage ich zur Schlange und lächle freundlich. Die Anakonda wird wiederum schwarz und schnaubt. Aber unhörbar. Briten schnauben niemals hörbar.
I need 71 return tickets for children to London, Victoria – and six ones for adults.
Okay, let me find out the best price for you, sagt er.
Ich bin sicher, er heißt Russell oder Stewart. So sieht er aus. Englische Russells und Stuarts schauen alle genau so aus.
Er holt einen Taschenrechner hervor, der mich an meinen ersten Taschenrechner, den ich im Alter von zwölf bekam, erinnert.
Ich sehe, wie sein bleiches Gesicht zu glänzen beginnt. Die anfangs rosaroten Pickel bekommen die Farbe des Kleides, das ich am Morgen bei Debenhams im Schaufenster sah, fuchsienrot – die Modefarbe dieses Herbstes.
Er rechnet und rechnet. Der Taschenrechner rechnet brav mit.
Ich spüre, wie im Hintergrund die Anakonda länger wird und hörbar schnaubt.
Ich drehe mich um und sage: I am always surprised how patient people in England are. Why don’t you complain?
Der Kopf der Anakonda, ein Mann meines Alters, blitzt mich an. Nicht unattraktiv, denke ich, aber Flirten geht jetzt nicht. Diese Entschlossenheit in seinem Blick, so ganz unenglisch. Ich lächle ihn an. Er sieht es nicht.
Er geht nach vor, klopft an das Fenster und fragt: Couldn’t you open another till?
Sorry, sagt das talgige Bleichgesicht, Nobody here anymore.
I‘m missing my train, ruft einer vom hinteren Ende der Schlange. I need a ticket.
The ticket machine is over there, entgegnet Stuart-Russell schroff.
Ganz schön mutig, denke ich bei mir. Der traut sich was.
Der attraktive, zuvor entschlossen blickende Kopf der Schlange fügt sich in sein Schicksal und begibt sich wieder zurück auf seinen Platz.
Um fünf vor sieben bin ich fertig. Ich habe all 77 tickets.
Sorry, sage ich zur Anakonda.
Not your fault, British rail ist just incompetent, sagt der fesche Anakondakopf.
Thank you, Stuart, sage ich zum Beamten.
Er starrt mich an. How come, you know my name?
Well, sage ich, Stuart Little.
Dann gehe ich.

Mittwoch, August 19, 2009

mann sagt - mann meint



Ich hab Durst. - Ich hab Durst.
Ich hab Hunger. - Ich hab Hunger.
Ich bin müde. - Ich bin müde.
Mir ist langweilig. - Wie wär's mit Sex?
Willst du ins Kino gehen? – Wie wär’s mit Kino und Sex danach?
Willst du essen gehen? – Wie wär’s mit Essen gehen und Sex danach?
Soll ich kochen? – Wie wär’s mit Sex am Küchentisch?
Tolles Kleid. – Tolles Dekolletee. Sex wär nun toll.
Du bist verspannt, soll ich dich massieren? – Wie wär’s mit Sex?
Warum bist du grantig? – Würde Sex deine Laune heben?
Warum bist du grantig? – Ich seh schon, heut wird’s nix mit Sex.
Ich liebe dich auch. – Wie wär’s mit Sex?
Tolle neue Frisur. – Neue Frisur? Heut wird's nix mit Sex.
Tolle neue Frisur. – 150 Eeuro? Sieht gleich aus wie vorher. Trotzdem will ich Sex mit dir.
Ok, reden wir – Bevor wir Sex haben, könnten wir ein wenig reden.
Dieses Kleid ist schöner. – Es ist egal welches du nimmst, zieh dein Höschen aus.
Dieses Kleid ist schöner. - Es ist egal, welches du nimmst, ich zieh es dir eh gleich aus.
Nein, du hast nicht zugenommen – Ja, du hast zugenommen. Ich will trotzdem Sex mit dir.
Wie wär’s mit Sex? – Wie wär’s mit Sex?

Dienstag, Jänner 06, 2009

bruce willis tanzt wie john travolta


Du schaust aus wie der Travolta, sage ich.
Der ist gestorben, sagt Lo.
Gestorben?
Ja.
Der John Travolta?
Nein, nicht er, der Sohn.
Den kenn ich nicht.
Aber du siehst wie der Travolta aus. Wie der junge Travolta. Weißt eh, in dem Film. Der Film fällt mir nun nicht ein.
Lo und ich sind im Stadl.
Travolta zieht mich auf die Tanzfläche.
Du siehst aber nur wie der Travolta aus. Sonst hast du nicht viel von ihm, sage ich. Du bist nicht im Rhythmus.
Wenigstens bist ehrlich, grinst er.
Ja, sage ich. Das sagt man mir nach. Jemand sagte mir mal, ich sei erschreckend ehrlich. Verstehe ich zwar nicht, weil ich viel, was ich mir denk, gar nicht sage. Meine Ohren summen. Die Musik ist laut.
Neben mir ein Engländer mit halb vollem Bierglas. Die Engländer kenn ich immer. Die brauchen gar nicht den Mund auf zu machen, schon kenn ich die. Er nervt. Gleich wird der mich anschütten.
Ich trete ihm wie zufällig mit den High Heels in sein Schienbein. Er fällt fast um, das Bier schwappt über. Auf sein Hemd. Ich hüpfe grad noch weg.
No drinks allowed on the dance floor, sage ich zu ihm. Not in Austria. Travolta grinst.
Hast du hier die Aufsicht?
Klar, sage ich. Einer muss ja was sagen.
Das Lied ist zu Ende.
Der Gitarrist verkündet: Keine Getränke und Zigaretten auf der Tanzfläche – No drinking and smoking on the dance floor.
Na siehst, sag ich. Travolta grinst noch immer.
Sag nun ja nichts mehr, raune ich ihm zu.
Wir gehen zurück zur Bar. Lo steht da und redet mit Travoltas Freund.
Du, Amadea, findest nicht, dass er aussieht wie Tom Cruise?
Ja, dieselbe Größe haben’s. Aber das ist auch alles.
Du hast keine Fantasie, Amadea.
Ich habe sehr viel Fantasie, Lo. Wenn er ausschaut wie der Tom Cruise, dann schau ich aus wie die Michelle Pfeiffer. Fesch bist heit, Lo, sage ich. Wie die Raquel Welch schaust wieder mal aus, und die Haare hast so wild heute. Warum hab ich immer schönere Freundinnen als ich selbst bin? Da hab ich ja nie eine Chance bei den Männern.
Red nicht so an Topfen, Amadea. Immer wenn ich mit dir ausgehe, lernen wir nette Männer kennen.
Ja, nette. Lo. Genau. Toll. Oder?
Lo nimmt ihren Ohrring raus und versucht ihn in Travoltas linkes Ohr zu stecken. Sie stochert wie wild am fremden Ohr herum.
Ich kann gar nicht zuschauen, sag ich, mir wird schlecht, der hat ja gar kein Loch mehr.
Ja, ich hab eins, sagt Travolta, aber da war schon zwanzig Jahre kein Ohrring mehr drinnen.
Endlich schafft sie es.
Mir tut der Ohrring heut weh, sagt Lo, und bevor ich ihn verlier.
Der Ohrring baumelt an Travoltas Ohr.
Passt gut zu deiner Halskette, sag ich. A bissl schwul schaust aus, aber nur a bissl.
Ein Bier bitte.
Ich dreh mich um.
Entschuldigung. Bruce Willis steht da. Ich will nur was zu trinken bestellen.
Passt schon, sag ich. Mach nur.
Fehlt nur noch George Clooney. Aber Clooneys verirren sich nicht hier her.
Die Musik spielt Blues Brothers. Ich sause auf die Tanzfläche, lasse mich treiben. Danach gehe ich raus. Es ist heiß im Lokal. Die Kälte erschlägt mich.
Als ich zurück komme, sehe ich Bruce Willis. Ganz einsam und traurig schaut er aus.
Du sitzt ja noch immer bei deinem Bier, sage ich.
Es ist mein zweites.
Was tust du hier? Wieso tanzt du nicht, bei der Musik?
Allein macht das keinen Spaß, sagt er.
Du bist doch nicht allein, schau dich mal um.
Ich will gehen. Zurück zu Lo.
Nun kannst nicht so einfach weg gehen, sagt er. Setz dich zu mir und erzähl mir was.
Er bestellt mir einen Drink. Er sieht wirklich aus wie Bruce Willis, denk ich mir. Einen schönen Mund hat er. Einen sinnlichen.
Ich wohne in Kitzbühel, sagt er. Und geboren bin ich in Berlin. Robin heiß ich, meine Mama fand den Robin Hood so toll.
Und meine Mama den Mozart, sage ich. Ich heiße Amadea. Nach Berlin wollte ich schon immer mal, erzähle ich ihm. Irgendwann fahr ich auch. Dann besuch ich das Fusserl. Die will ich eh schon lang kennen lernen.
Du musst im Frühling fahren, sagt er. Und dann auf der Spree mit einem Boot. Weil dann sind die Bäume noch kahl und hast eine wunderbare Aussicht auf die Stadt.
Er ist vor vier jahren nach Tirol gezogen und will bleiben. Es gefällt ihm hier.
Konservativ sind sie schon, die Tiroler. Und vorsichtig. Aber mittlerweile haben sie mich akzeptiert. Ich hab vor zwei Jahren ein Straßenfest organisiert. Das kam ihnen zwar eigenartig vor, aber nun tun wir das jedes Jahr. Und es macht richtig Spaß.
Die Tiroler sind die konservativsten Österreicher. Danach kommen gleich wir, die Salzburger, sag ich.
Wir gehen tanzen.
Du tanzt wie der Travolta, sag ich und grinse.
Wieso grinst du?
Nur so, sage ich.
Er taut auf, endlich taut er auf und gleich darauf finden wir den Rhythmus.
Ich bin morgen bei der Vierschanzentournee, sagt er. Ich bin verantwortlich für die Container. Beim Ski-Opening war ich auch da. Ich bin ziemlich oft da. Und die Band ist wirklich toll.
Tauschen wir Email-Adressen aus? fragt er.
Lieber nicht, sage ich. Ich muss wieder.
Klar. Er grinst.
Nächstes Jahr komm ich wieder, sagt er. Zum Ski-Opening.
Und zur Vierschanzentournee, sage ich. Servus, Robin.
Als ich zurück komme, schnappt mich Travolta und zieht mich auf die Tanzfläche.
Du hast Pfeffer im Arsch, Amadea. Weißt du das?
Neben mir tanzt Bruce Willis. Er zwinkert mir zu.

Donnerstag, Jänner 01, 2009

Nit zan glabm - Na


Als ich gestern nach Hause komme, sagt die Hausbesorgerin: Gestern hot’s an g’scheitn Potzn g’schniebm, gelln’S?
Gelln’S in dem Fall ist die Höflichkeitsform von gell. Wenn wir uns duzen würden, hätte sie gell gesagt.
Bevor ich noch antworten kann oder nicken, sagt sie: Wissen’s eh, mei Mo hot g’scheit g’schwitzt ban Schneeschiabm.
Meine Antwort: Gehn‘S.
Das ist die Höflichkeitsform, weil wir einander ja nicht duzen.
Würden wir einander duzen, hätte ich zwei Möglichkeiten gehabt zu antworten, nämlich Geh oder Na, geh. Beides drückt höfliche Überraschung und Zweifel aus.
Ich hätte auch Eh oder Jo eh sagen können. In dem Fall wäre das Gespräch beendet gewesen.
Da ich aber mit Gehn‘s geantwortet habe, also der Hausbesorgerin höflich zu verstehen gegeben habe, dass ich überrascht bin und ich ihr nicht wirklich glaube, legt sie noch ein Schäufelchen zu und sagt: Wonn‘s so weiterschneibt wia gestern, donn homma bis Mai Schnee, gelln’S?
Ich hätte nun mit einem Jo eh das Gespräch beenden können.
Ich sagte aber: Na geh.
Ich weiß, unpassend, richtig gewesen wäre Gehn’S. Es passierte mir halt.
Und schon kam der Satz: Wonn‘st do nicht g‘scheit Schnee ramst, donn houst koa Chance mehr wonns wärma wead, weil donn houst den gonzn Glatsch dou, gelln’S? Obwohl die Hausbesorgerin und ich uns nicht duzen, darf sie in dem Fall das Wonn‘st dou nit g‘scheit Schnee ramst verwenden.
Das heißt: Wenn man in dem Fall nicht ordentlich Schnee räumt, hat man keine Chance mehr bei Erwärmung dem Schneematsch Herr zu sein.
Die Höflichkeitsform in diesem Satz wird nur durch das gelln‘S ausgedrückt. Das gelln‘S ist von entscheidender Bedeutung.
Ältere Leute verwenden zusätzlich zum gelln‘S eine weitere Höflichkeitsform. Sie ersetzten das Sie durch die zweite Person Plural: Hobts Es a so an Schnee wia mia? Is jo nit zan glabm. - Haben Sie auch so viel Schnee wie wir? Nicht zu glauben.
Man beachte, dass gleich nach der Frage ein Aussagesatz folgt, was vollkommen normal und gebräuchlich ist. Die Frage ist rhetorisch gemeint. Eh kloar.
Antwort ist in dem Fall nicht jo eh, wie man meinen könnte, sondern nur na. Die Antwort bezieht sich nämlich nur auf den letzten Satz. Nit zan glabm – Na.
Heißt die Frage: Wonns hiaz no a poar Toug so schneib wia hiaz, donn homma gscheit zan toa, gelln’S? dann kannst du nur mit jo eh anworten. Na geh passt nicht, weil das würde Zweifel und Unglauben ausdrücken.
Und du willst doch nicht, dass die ganze Erklärung von vorne beginnt, gell? - Eh nit.

Samstag, November 01, 2008

bank holiday



Was haben Weltspartag und Allerheiligen gemeinsam?
Richtig, alle gehen hin.
Und was haben seit kurzem Bank und Friedhof gemeinsam?
Richtig, die welken Blüten.
Weltspartag ist etwas Besonderes. Das war immer schon so. Seit ich denken kann.
Du bringst dein Sparschwein zur Bank deines Vertrauens, gibst es dem freundlichen Bankbeamten, der es dann schlachtet, dich dabei anlächelt und dein Erspartes auf dein Sparbuch legt. Dann bekommst du ein Geschenk. Ich nahm früher immer das schöne Schreibpapier mit Mascherl in der Holzimitatbox mit.
Seit es Email gibt, nehme ich immer einen Regenschirm mit dem Logo der Bank meines Vertrauens, weil ich Regenschirme eh regelmäßig irgendwo liegen lass. Einen Luftballon nehme ich auch immer mit, weil der so schön oben am Pflafond klebt. Heute liegt er zwar schon schwach und faltig auf dem Schreibtisch. Aber so ist es halt, Dinge sind vergänglich, auch Luftballons.
Ich liebe meine Bank. Meine Bank hat was von der Ewigkeit. So wie der Friedhof. Meine Bank war immer schon da. So lang ich denken kann. Meine Bank steht direkt neben dem Gemeindeamt.
Oma liebte auch ihre Bank. Gott hab sie selig. Oma ist nicht mehr. Die Bank schon noch. Omas Bank steht nicht neben dem Gemeindeamt sondern am Friedhof. Neben dem Komposthaufen.
Beide Bänke haben sich verändert in all den Jahren. Beide Bänke wurden frisch gestrichen. Meine Bank wurde vergrößert, Omas Bank bekam eine neue Lehne.
Oma ging oft zu ihrer Bank wegen dem Opa. Dem sein Grab war gleich neben der Bank. Und da saß sie dann und redete mit dem Opa.
Meinaseel', vorige Woche waren die Blüten noch so schön, nun sind sie schon wieder welk. Wie schnell das doch geht.
Dieser Satz fiel mir gestern ein, als ich in der Bank meines Vertrauens den Regenschirm in Empfang nahm.
Hinter Omas Bank ist eine Wiese. Und auf dieser Wiese ist ein Tümpel.
Und wenn der Oma fad war, dann fragte sie den Friedhofsgärtner, ob er ihr nicht die Bank umdrehen könnte. Der konnte und machte das gern für die Oma. Weil die Oma war ein täglicher Gast im Friedhof. Und tägliche Gäste, vor allem lebende, sind selten auf Friedhöfen.
Und sie beobachtete dann all das Getier im Tümpel. Und dann erzählte sie mir immer, wie viele Libellen sie gesehen hatte und wie Kaulquappen und wie viele Wasserläufer. Stundenlang.
Einmal sagte sie zu mir: Du Amadea, heute waren zwei Frösche im Tümpel.
Und ich ging dann nach einigen Tagen mit ihr Frösche schauen, weil sie mir keine Ruhe ließ.
Ich sah keine.
Schau, Amadeal, da sind zwei, da! rief sie.
Das sind keine Frösche, Oma, das sind Kröten.
Na, auch wurscht. Jedenfalls hüpfen sie.
Heute war ich wieder am Friedhof. Die Bank ist noch da. Und sie hat wieder eine neue Lehne bekommen. Und neue Beine.
Die Oma saß nicht mehr auf der Bank. Die Oma liegt im Grab beim Opa.
Ich dachte an sie und an den Opa auch und an die Kröten, die sie mir gezeigt hatte. Und der Herr Pfarrer segnete die Gräber und wir beteten alle das Vaterunser und das Heiligemariamuttergottesbittfüruns.
Nach dem Schlusslied Nähermeingottzudir der Blasmusikkapelle ging ich zu Omas Bank und drehte sie um. Und ich schaute im Tümpel nach, wo die Kröten waren.
Aber es waren keine mehr da!
Alle Kröten weg! Die hat jemand weg genommen!
Am Montag geh ich nochmals zur Bank meines Vertrauens. Nachschauen, ob meine Kröten noch da sind.

Dienstag, Oktober 21, 2008

siloboinmoin


Wir haben wieder eine neue Aktivität im Gebirg!
Das Siloboinmoin.
Ein Siloboin ist ein Siloballen. Und moin ist malen.
Seit Jahren gibt es bei uns ja diese wunderschönen Siloheuballen. Die sind überall. Die sind im Tal herunten und oben auf der Alm. Die liegen bei Heustadeln, an Bachufern, manchmal schön aufgeschlichtet, manchmal verstreut. Sie sind hellgrün. Früher waren sie weiß.
Irgendjemand war dann der Meinung, dass lindgrün farblich besser passt als weiß.
Und heuer im Sommer haben die Rauriser gesagt: Wir brauchen mehr Farbe im Gebirg. Wir veranstalten ein Siloboinmoin.
Natürlich gemeinsam mit einem Künstler. Das soll ja was G’scheites werden.
Wer will schon die Natur verschandeln?
Wenn wir was machen, dann ordentlich! Kitsch gibt es eh schon genug.
Und nun liegen in Rauris und um Rauris herum wunderschöne, bunte Siloboin.
Da gibt es rosarote Schweinderlboin, Hamburgerboin und Olympiabeijingboin.
Die Frau Unterrichtsministerin war auch da und hat eine Rede gehalten und der Pfarrer war da und hat die Siloboin gesegnet und ein feines Musei gab’s dazu und a Schnapsei und Rohrnudeln.
Wir haben ja hier am Land immer wieder originelle und naturnahe Aktivitäten für Einheimische und Touristen. Wettmelken kennt ja jeder.
Für kommenden Sommer ist bei uns im Dorf etwas ganz Besonderes geplant: Beeweiwibeewettbrocken geplant.
A Beeweiwi - ein Beerenweibl - ist eine Frau, meist gesetzteren Alters, die jeden Tag im Sommer in den heimischen Wäldern herum streift, am Kopf ein Tuch, lässig im Nacken gebunden, in flotter Kittelschürze mit Rucksack und Kübel ausgestattet und einem Riffl.
Der Kübel wird um die Taille gebunden und mit dem Riffl werden die Beeren geriffelt –geerntet - gemeinsam mit Stängel und Blättern.
Da kommt schon was zusammen wenn die jeden Tag auf Beerensuche ist.
Ein Beeweiwi nimmt sehr gerne Moosbee – Heidelbeeren. Aber am liebsten sind ihr die Krankn – Preiselbeeren.
Sie heißen Krankn, weil sie roh gegessen, krank machen. Auf österreichisch, du speibst – du übergibst dich.
Merkmale eines Beeweiwis sind violetter Mund und violette Finger.
Wenn es also im kommenden Sommer ein Beeweiwibeewettbrockn gibt, dann bin ich dabei. Ich wär eh schon gern heuer beim Siloboinmoin gewesen, aber ich hatte keine Zeit. Ich war beim Wettoukas’n - um die Wette Käse produzieren - auf der Sauschneidoim. Beim Wettoukas’n wurde nur fünfunddreißigste.
Mein Problem war, dass ich unkonzentriert und müde war, weil ich am Tag zuvor auf der Moaralm beim Fleischkropfn-Marathon war. Da durften nur Frauen teilnehmen, die Männer waren ausgeschlossen. Dafür durften die beim Voglbeeschnopbrenn-Eevent teilnehmen.
Später dann, am Genussparkplatz im Talschluss wurden die Fleischkropfn gegessen und der Voglbeeschnops getrunken, ich sag euch, das war eine Gaudi!
Aber diese Hoiboinmoing’schicht in Rauris, die war ein Riesenerfolg.
Die wird nächstes Jahr wieder veranstaltet.
Und nicht genug, es wird zusätzlich noch ein Kuahdeimoin geben. Da wird es dann ein Sponge-Bob-Kuahdei geben und ein Kermit-the-frog-Kuahdei und Miss-Piggy-Kuahdei und Harry-Potter-Kuahdei.
Das wird a Hetz.
Ich mach da dann auch mit wenn ich darf.
Ich mal ein Mozartkuahdei, ein rotgoldenes. Kuhl, gell?

Sonntag, September 07, 2008

good vibrations


Kaum hamma Stadl gsagt, waren wir schon drin, sagte Schneewittchen grinsend beim Hinausgehen.
Die haben sicher gemeint, wir sind Kellnerinnen, antwortete ich.
Wir waren auf einer Hochzeit gewesen, ohne eingeladen zu sein. Wir hatten gegessen und getrunken, ohne zu bezahlen, wir hatten am feierlichen Akt der Vermählung teilgenommen. Und am geselligen Beisammensein.

Wir waren müde vom Herumlatschen in der Stadt.
Wir gehen zum Petersbrunnhof, Schneewittchen, sagte ich. Da ist es gemütlich und das Essen ist fein.
Als wir eintraten, war alles klar. Eine Hochzeit.
Oje, sagte ich zu dem langhaarigen Musiker, der aussah wie ein Zigeuner. Geschlossene Gesellschaft?
Ja, sagte er lächelnd.
Kaum umgedreht, sah ich ihn. Den Chaoskellner. Der, den ich vom Stadl kenne.
Ja hallo, sagte ich. Wir kommen vom Stadl.
Na so was! Er grinste breit. Des g’freit mi owa. Die Resi is a do. Resi, Resi, kimm her, de zwoa san vom Stadl.
Die Resi, auch Mitglied der Chaoskellner und DIE Attraktion der Vorstellung, sauste herbei und drückte dem Schneewittchen und mir ein Busserl auf die Wange mit den Worten, Es zwoa seid’s a überall. Do setzt eich her.
Und bevor wir noch was sagen konnten, schob sie uns Richtung Tisch einer Gruppe langhaariger, bärtiger, tätowierter Motorradfahrer.
Und da saßen wir nun. Die Männer schauten uns an, prosteten uns zu und lachten. Schneewittchen, ich pass da gar nicht herein mit meinem pinken T-Shirt.
Siehst, sagte sie, ich bin passend angezogen. Ich hab das schon gefühlt, dass wir heut noch zu einer feinen Gesellschaft gehen.
Sie zog ihre Jacke aus. Gut, dass ich ein Tattoo habe, sagte sie und präsentierte stolz ihre Blume am Schulterblatt unter dem schwarzen Seidentop.
Wein stand schon auf dem Tisch. Der Kellner kam. Was wollt ihr essen? fragte er und brachte zwei Gläser.
Prost, Schneewittchen sagte ich, auf einen gemütlichen Abend.
Wir bestellten. Schneewittchen aß nur die Vorspeise und ich die Eierschwammerl. Während wir aßen, wurde die Stimmung immer besser.
Die Chaoskellner waren mittlerweile auf der Bühne und gaben ihr Bestes. Resi machte ihren Striptease. Die Menge grölte und war außer Rand und Band.
Schau mal, das ist die Braut, sagte Schneewittchen. Sie heißt Silvia. Und den Bräutigam habe ich gerade auf der Treppe getroffen, als ich zum Klo ging.
Die Braut trug schwarze Leggings, darüber ein weißes Kleid. Ihr wasserstoffblondes Haar zu einem Vogelnest aufgesteckt. Sie hatte ein hübsches Gesicht.
Des is da Bräutigam? fragte ich Schneewittchen. Wie kann sie nur so einen Zwerg heiraten?
Momo, der Bräutigam reichte ihr nur bis zur Schulter und hatte diese für Motorradfahrer typische Frisur. Vorne nix und hinten lang und fransig. Seine Haare sahen aus, als hätte er sie wochenlang nicht gewaschen.
Der Name Rumpelstilzchen würde besser passen, sagte ich.
Wir schauten uns um. Es gab alles. Es gab Gäste in Dirndlkleid und Lederhose, es gab Gäste in Abendkleid und Anzug. Der Grossteil waren Biker, schwarz gekleidet mit Lederweste undt riesigem Logo am Rücken. Und es gab uns.
Ich versteckte mein Plastiktasche mit der Hose, die ich mir gekauft hatte, unter dem Tisch.
Auf einmal ein lauter Tusch. Der Hochzeitslader, auch in Leder, bat um Ruhe.
Wir kommen nun zum wichtigsten Teil, sagte er. Alle grölten. Zur Vermählung.
Mah, Schneewittchen, wos kimmt denn hiaz? fragte ich. Noch eine Einlage?
Die Einlage kam in Form des Pfarrers. Er bat um Ruhe. Und fing an zu reden. Über den Sinn der Ehe, über die Liebe. Das Übliche halt.
Das Publikum grölte und prostete ihm zu. Silvia und Momo gingen auf die Bühne.
Nimm diesen Ohrring als Zeichen meiner Liebe, sagte Silvia feierlich und steckte ihrem Momo ein Piercing ins Ohrläppchen.
Und Momo hob seine Fransenfrisur hoch, hielt der Silvia sein Ohr hin und sie küsste es. Die Braut bekam einen Ring. Und sie schworen einander ewige Liebe und Treue in guten und schlechten Zeiten und alles andere auch was man halt so sagt wenn man heiratet.
Und dann kam der Kuss und die Biker pfiffen und riefen Prost und der Pfarrer bat um Ruhe in diesem würdigen Moment und schon waren die beiden verheiratet.
Die Band spielte 'Sexmachine' und alle tanzten. Wir nicht. Wir waren regungslos. Und sprachlos.
Na, woher kommt denn ihr zwei? fragte einer in kurzer Lederhose und setzte sich zu uns an den Tisch.
Aus Tirol, sagte Schneewittchen.
Aus Wörgl, sagte ich schnell.
Na so ein Zufall, da kenn ich den Weird gut, der ist auch beim Motorradlklub. Seid’s ihr heit mit da Maschin do?
Nein, sagte Schneewittchen. Heute nicht. Wir haben ja ein Geschenk dabei.
Was habt ihr denn?
Eine Bodenvase, sagte Schneewittchen.
Na, dann ist es klar, dass ihr nicht mit dem Bike da sind.
Ich sagte nichts mehr.
I kimm glei wieder, sagte der Lederhosenmann und ging Richtung Toilette.
Schneewittchen!
Sag nun nichts, Amadea. Ich weiß schon, was ich tue. Ich regle das alles.
Die Gäste stellten sich zum Weisen an. Weisen ist das Übergeben der Geschenke an das Brautpaar.
Hol die Bodenvase, sagte ich zu Schneewittchen.
Ich hab was anderes, grinste sie und hielt mir ihre Handtasche hin. Greif mal.
Die Handtasche vibrierte. Schneewittchen nahm den Vibrator aus der Tasche.
Den hast noch immer mit? fragte ich.
Sie hatte ihn vor einigen Wochen, in einer Bar einer angehenden Ehefrau, die ihren Polterabend feierte, für fünf Euro abgekauft.
Untersteh dich, sagte ich. Wir müssen weg. Es wird gefährlich, schau mal.
Der Mann mit der kurzen Lederhose, der an unserem Tisch gewesen war, stand nun neben dem Bräutigam und flüsterte in sein Ohr. Er schaute zu uns her. Gleich darauf schaute auch Momo zu uns her.
Wir fliegen auf, sagte ich. Schnell weg.
Ich schnappte mein Plastiksackerl mit der neuen Hose. Schneewittchen folgte mir den Vibrator noch immer in der Hand. Er surrte leise.
Wir zwängten uns durch die Menge.
Und die Band spielte 'Good Vibrations'.