pass the plate, please

Sprache und Essen gehören zusammen.
Wos gibt’s heit, Mama?
Hendl mit Reis.
Na, nit scho wieda. So fad.
Das war die falsche Antwort.
Die richtige Antwort lautet: Arroz con pollo.
Deine Liebsten werden jubeln.
Zum Frühstück gibt’s nicht Haferflockenbrei mit Obst sondern Müsli mit frischen Früchten.
Es gibt keinen Haferlkaffee sondern einen Caffe latte oder Cafe au lait.
Statt Orangensaft gibt’s ein Smoothie und statt des Schinkens gibt’s Prosciutto. Hast du nur Extrawurst im Haus, nenn sie Mortadella.
Eine Topfengolatsche gibt’s nicht, es gibt ein Croissant und statt des Kakaos heiße Schokolade.
Zu Mittag servierst du keine Gemüsesuppe, sondern Minestrone und die Kohlsuppe heißt ab jetzt Zuppa alla Valsostana.
Erdäpfelknödel sind ab sofort Knöderl und heißen Gnocchi.
Das Erdäpfelgröstl wird zum Gnocchigratin und der Reis mit Resten von gestern und vorgestern heißt Paella.
Teigwaren heißen Pasta und Nudeln Spaghetti, Cortelli, Fusilli, Penne und Rigatoni. Angebrannten Reis nennst du Nasi Goreng, Palatschinken Omelettes oder Crepes.
Grüner Salat mit Essig, Öl, Salz und ein bisserl Zucker hat ausgedient. Es gibt Radicchio, Chicoree oder Ruccola mit Marinade. Die Marinade besteht aus Aceto Balsamico di Modena, Dijon Senf, Ahornsirup, Olivenöl nativ oder extra virgin und Fleur de Seul. Das kommt nicht aus Bad Ischl sondern aus China.
Machst du einen Braten, dann nimm nicht den von der Kuh des Bauern deines Vertrauens sondern lass dir vom Japaner ein Stück handmassiertes Koberind schicken. Das servierst du nicht im Bratensaft, sondern in einer Jus. Dazu gibt’s keine Erbsen mit Erdäpfelstampf sondern Thai-Spargel und Süßkartoffelpüree mit Chili.
Nachmittags zur deftigen Jause gibt’s kein Leberwurstbrot sondern Baguette mit pâté de foie.
Hast du Lust auf Süßes gibt’s keinen Schokokuchen mit Schlagobers sondern Schokolade-Gateau mit Mangomousse.
Wenn der Kuchen nicht durch ist, egal – dann nenn ihn einfach Fondant au Chocolat – Schokokuchen mit flüssigem Kern.
Mama, was gibt’s zum Abendessen?
Tomaten auf Toast.
Schon wieder die falsche Antwort.
Es gibt Bruschetta con Pomodori! Ja, und dann keinen Schinkeneierauflauf sondern eine Quiche. Lorraine. Ja, Lorraine! Supi, gell?
Du kannst auch eine Salsicca haben, Schatzi. Statt der Wurst. Nein, rohen Fisch essen wir nicht, wir essen Sashimi, gell?
Die Tiefkühlpizza kannst du als Pizza Rustica servieren und die Grießsuppe als Sopa Crema de Semloa.
Statt Käse gibt es Fromage und statt Auflauf Pastete.
Gouda und Tilsiter sind out, Mozzarella ist in. Aber nicht der von der Kuh, sondern der vom Büffel.
Es ist egal, was du servierst. Es muss nur die Bezeichnung stimmen.
Statt rohes Rindfleisch sag Beef Tatar, statt Maisgrieß Polenta, statt Fischeier Kaviar, statt Schnecken Escargot, statt Eingeweide Tripes.
Du kannst alles servieren, wenn deine Sprache die richtige ist.
Probier es aus, du wirst sehen.
Ich hatte gestern Abend Gäste und wollte etwas Besonderes servieren.
Ich rettete die Reste, die sich eine Woche lang im Kühlschrank angesammelt hatten, mixte sie ordentlich, füllte die Mischung fein säuberlich in braune Briefumschläge, bedeckte alles mit überreifem, geriebenen Gouda und legte sie bei 200 Grad eine halbe Stunde lang ins Backrohr.
Dann servierte ich meine Kreassijooo mit den Worten:
Pate de Maison in Pergament au Gratin Bleu.
Ein Riesenerfolg.
Nachher brauchten wir alle ein Verdauungsschnapserl.
Pardon.
Einen Cognac.
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