Sonntag, Juni 07, 2009
Donnerstag, Juni 04, 2009
der herr hofrat

Nun war ich mit meinen Eltern auf dem Großglockner. Nein, nicht wirklich auf dem Berg, halt vor ihm. Oder besser gesagt, unterhalb. Aber wir konnten ihn sehen.
Wenn wir sagen: Wir fahren auf den Glockner, meinen wir: Wir fahren dahin, wo man den Glockner sehen kann, also auf die Franz-Josefs-Höhe.
Ich bin mit dem Glockner aufgewachsen, sozusagen. Ich erinnere mich an die langen Autoschlangen im Sommer, als die Deutschen noch nicht nach Italien fuhren oder in die Domrep flogen, sondern auf den Glockner.
Ich war damals ein kleines Kind, und ich brauchte jedes Mal einige Stunden, bis ich vom Einkaufen zu Hause war. Ich blieb bei jedem deutschen Auto stehen und schaute auf die Plakette, auf der stand, woher die Autos kamen. Herford, Mannheim – Das sagte mir nichts. Ich kannte nur DA. DA für Darmstadt. Weil da lebten meine Verwandten.
Wir wohnten damals direkt auf der Zubringerstraße zum Glockner, und in unserer Nachbarschaft lebte der Erbauer derselbigen, der Herr Hofrat Wallack.
Der Wallack war der berühmteste Mann in Bruck. Ich sah ihn manchmal. Er trug immer eine Knickerbocker und einen Rucksack. Sein Haar war schlohweiß. Ich grüßte ihn immer ehrerbietig mit Grüß Gott, Herr Hofrat, und er kannte mich auch, hatte doch mein Vater, ein begeisterter Wochenend-Maler und - zeichner, ein Porträt von ihm gezeichnet und es ihm dann geschenkt.
Der Wallack wohnte im Haus gleich nebenan. Geheimnisvoll war es, versteckt zwischen hohen Fichten in einem Wald.
Für mich war das der Inbegriff eines Märchenwaldes. Stundenlang schauten meine Nachbarin, die Gabi und ich über den Zaun durch die Bäume hindurch, um irgendwas Interessantes zu entdecken, einen Elfe, einen Zwerg oder wenigstens einen Fuchs. Viel gab es nichts zu sehen, eigentlich gar nichts.
Nur manchmal kam die Köchin, die Frau Liesl in einer weißen Rüschenschürze aus dem Haus, um in den Gemüsegarten zu gehen.
Jedes Mal rief sie uns zu: Dirndln, was steht ihr denn stundenlang da herum? Und: Untersteht euch und klettert über den Zaun.
Einmal taten wir es. Es war an einem verregneten Sonntag.
Wir hatten beobachtet, wie die Herrschaft im großen Auto mit dem Stern weggefahren war und kletterten hinüber. Schon standen wir vor dem schlammgrauen Haus. Gabi, wir müssen da rein, ich will sehen, wie der Wallack wohnt. Sicher wie ein König.
Wir kletterten die Veranda hinauf, sprangen über eine kleine Mauer und standen vor der Waschküche, deren Tür offen war. Weiter kamen wir nicht. Wir sahen gar nichts außer einem großen Bottich und einer Wäscheleine.
Beim Hinausgehen gingen wir in den Garten, setzten uns auf die bemooste Steinbank und fühlten uns wirklich verzaubert. Dunkel war es und ruhig. Nur ein paar Vögel zwitscherten. Aber weil sonst nichts passierte, machten wir uns wieder von dannen. Als wir über den Zaun hinüber kletterten, empfing uns schon mein Vater. Fuchsteufelswild war er. Es Lausdirndln, was glaubt ihr eigentlich, da einfach einzubrechen? Morgen geht’s euch entschuldigen.
So geschah es auch. Im Beisein meines Vaters stotterten wir herum und der Herr Wallack, der nicht wirklich wusste, wovon wir sprachen, nickte nur und lächelte.
So hab ich es jedenfalls in Erinnerung.
Und daran dachte ich, als wir die Glocknerstraße hinauf fuhren.
Mein Gott, wie schön, sagte Papa immer wieder.
Mama sagte nichts, wie so oft. Sie hing vermutlich ihren Gedanken nach, hatte sie doch in jungen Jahren im Sommer hier als Kellnerin gearbeitet.
Danke für den schönen Ausflug, sagte Papa. Der Hofrat war schon ein Hund, gell?
Labels: kindheit
Samstag, Mai 30, 2009
ein test

Wenn du überprüfen willst, ob deine Beziehung Überlebenschancen hat, nimm deinen Liebsten mit zum Einkaufen. Durch seine Reaktionen wirst du erkennen, ob ihr zueinander passt. Also, geh los, am besten schon heut, und nimm ihn mit. Danach machst du diesen Test.
1 Am Eingang des Einkaufszentrums:
a) Er sagt: Schön, dass wir heute gemeinsam einkaufen.
b) Er sagt: Ich bin in der Heimwerker-Abteilung
c) Er sagt: Ich geh mal auf die Toilette.
2 In der Herrenabteilung :
a) Er fragt: Wie passt mir diese Hose?
b) Er kauft eine Krawatte, die er schon hat.
c) Er sagt: Ich brauch nichts.
3 In der Dessous-Abteilung:
a) Er sagt: Du bist sehr sexy in dem Nachthemd.
b) Er bringt dir ein Höschen Größe 34.
c) Er bringt dir einen Pushup-BH.
4 In der Herrenunterwäsche-Abteilung:
a) Ihm gefallen die Socken, die du ihm ausgesucht hast.
b) Er sagt: Ich brauch nichts.
c) Er sagt: Keine Ahnung, welche Größe. Mama kauft immer meine Unterhosen.
5 Du probierst ein Kleid an:
a) Er sagt: Du siehst toll aus.
b) Er fragt: Wie viel kostet es?
c) Er ist auf dem Sessel eingeschlafen.
6 Beim Juwelier:
a) Er sagt: Wir kaufen uns denselben Ring.
b) Er sagt: Eine Bratpfanne ist billiger als dieser Ring.
c) Er sagt: Zu Weihnachten kauf ich dir den Anhänger von Eduscho.
7 In der Elektronik-Abteilung:
a) Er sagt: Schatz, kaufen wir einen Computer für uns beide?
b) Er fragt nach bedienerfreundlicher Software für Frauen.
c) Er schaut sich das Fußballspiel an, das läuft.
8 In der Video-Abteilung:
a) Er kauft ein romantisches Video für den gemeinsamen Abend.
b) Er kauft einen Porno.
c) Er kauft dir ein Video für Po, Beine und Bauch.
9 In der Bücher-Abteilung:
a) Er redet mit dir über deine Lieblingsschriftsteller.
b) Er sagt: Ich könnte einen Bestseller schreiben wenn ich mehr Zeit hätte.
c) Er geht zu den Kalendern mit den Pin-up-girls.
10 In der Spielzeug-Abteilung:
a) Er hilft dir, eine Barbiepuppe für deine Nichte auszusuchen.
b) Er spielt auf dem Keyboard den Flohwalzer.
c) Er schubst die Kinder weg, um zur Spielkonsole zu kommen.
11 Im Drogeriemarkt:
a) Er nimmt die Einkaufsliste aus seiner Geldbörse.
b) Er gibt vor, dich nicht zu kennen, während du Tampons kauft.
c) Er sagt: Hol mal drei Packungen Kondome.
12 Im Supermarkt:
a) Er sagt: Ich kauf das Fleisch und das Obst und Gemüse, du den Rest.
b) Er verbringt die ganze Zeit in der Getränkeabteilung.
c) Er steht an der Kassa und bewundert die Kassiererin: Wie schnell die ist.
13 Du entdeckst an der Kassa, dass die Erdbeeren verfault sind:
a) Er bringt sie zurück.
b) Er sagt: Die gehen schon noch.
c) Er sagt: Keine Szene jetzt. Kauf sie einfach.
Auswertung:
10 - 13 a: Ihr passt wunderbar zusammen.
8 - 0 a: Überdenke deine Wahl.
8 – 10 b oder c: Gib ihn seiner Mutter zurück.
Labels: Alltägliches
Mittwoch, Mai 20, 2009
meine meinung

Und dann sagte der Engländer in der hitzigen Diskussion:
Ich habe meine Meinung. Du hast deine Deinung. Und er hat seine Seinung.
Labels: Skurriles
Samstag, Mai 16, 2009
da bin ich ganz bei Ihnen

Die Arbeit in einem Büro ist anstrengend - das wissen wir alle.
Hier eine Anleitung, wie du durch kleine Änderungen Stress beseitigen kannst und so zu einem glücklichen, entspannten Menschen und Kollegen wirst.
Wann immer du dich aus deinem Sessel erhebst, um ein wenig herumzugehen, weil dich der Papierkram, den du zu erledigen hast, langweilt, sei dir bewusst, Big Brother is watching you.
Nimm also immer eine Mappe mit oder wichtig aussehende Papiere. Geh nicht einfach mit leeren Händen herum. Das sieht nach Pause aus. Nach Kaffeepause.
Dein Chef könnte auch meinen, du seist auf dem Weg in die Kantine. Und das um halb elf!
Nimm auch keine Zeitung mit. Man könnte glauben, du seist auf dem Weg zur Toilette. Wenn du nach einem anstrengenden Tag Feierabend machst, nimm immer Unterlagen mit nach Hause. So viel du tragen kannst. Vergiss aber nicht, deinem Chef einen schönen Abend zu wünschen, während dir einige Mappen und Zettel entgleiten und du sie mit schuldbewusstem Blick seufzend auf liest. Dein Chef wird beeindruckt sein, dass du sogar nachts arbeitest.
Wann immer du am Computer sitzt, sieht es nach Arbeit aus. Es ist egal, was du tust. Du kannst private Emails schicken, Reversi spielen oder in deinem Blog schreiben. Sitz aber nicht mit dem Rücken zur Tür, sonst erwischt dich dein Chef.
Falls das nicht möglich ist, und er dich doch mal erwischt, dann erzähle ihm, dass du neue Software ausprobierst und du ihm dadurch teure Fortbildungsveranstaltungen ersparst.
Ein Manager darf an einem sauber aufgeräumten Schreibtisch sitzen. Aber du bist ja keiner. Leere Schreibtische sind nichts für dich. Man würde glauben, du tust nichts. Türme also alles, was du hast, auf deinem Schreibtisch auf. Der Chef sieht nicht, ob die Zettel und Mappen von vorigem Jahr sind. Für den Betrachter sind Stöße von Papieren und Dokumenten gleich bedeutend mit Arbeit.
Wenn der Chef kommt und ein bestimmtes Dokument braucht, dann krame ein paar Minuten herum und zieh dann lässig das besagte Blatt aus der Mitte des Zettelturms heraus. Auch am Boden sollte sich einiges stapeln. Am besten Computerbücher.
Versuche immer ungeduldig und schlecht gelaunt auszusehen. Ein entspannter Arbeitnehmer ist einer, der nichts tut. Auch wenn du total entspannt bist wirke immer gestresst.
Gehe immer spät aus deinem Büro. Vor allem wenn der Chef da ist. Du kannst lesen oder entspannen – es ist egal, was du machst.
Wenn du dann gehst, achte darauf, dass dich dein Boss auf jeden Fall sieht. Wichtige Emails sollst du immer zu unchristlichen Zeiten schicken. Um zehn Uhr abends, um halb sieben früh oder an Wochenenden und Staatsfeiertagen.
Seufze laut, wenn gerade viele Kollegen da sind. Sag aber nichts. Lautes Seufzen gibt den Eindruck, dass du unter enormem Druck leidest, aber dass du tapfer bist und dich nicht beklagst. Dein Chef weiß dann, dass du für deinen Job alles gibst.
Achte auf deine Sprache. Verwende neue Phrasen und Schlagworte wie Evaluation, Assessment, Koherenz, Portfolio, etc.
Ein Satz wie Wenn irgendwelche nicht näher erläuternde Umstände es erlauben, könnten wir gewiss versuchen, etliche Aspekte immerhin den gewünschten Gegebenheiten anzupassen.
Denk daran: Niemand, weder du noch dein Chef muss verstehen, was du sagst. Das was du sagst, soll beeindrucken, mehr nicht.
Hab immer ein Reserve-Sakko parat. Wenn du das Büro verlässt, vergiss nicht, das zweite Sakko lässig auf der Sessellehne zu drapieren. Jeder wird meinen, dass du noch da bist.
Sei immer in Eile und in Gedanken versunken. Wenn dich ein Kollege anredet, sei verwirrt. Aber nur für einen Moment. Nach wenigen Sekunden bist du wieder vollkommen konzentriert. Es sei denn, er erzählt dir von seinem Wochenende. Geh nicht darauf ein.
Wenn dir aber der Chef von seinem Wochenende erzählt, sag immer: Da bin ich ganz bei Ihnen.
Merke: Es zählt nur, dass andere meinen, du arbeitest. Vor allem dein Chef.
Labels: Alltägliches, Gedanken
Montag, Mai 11, 2009
von mama lernte ich . . .

… zu beten
Bete zu Gott, dass ich diesen Fleck wieder rausbekomme.
… die Arbeit eines anderen zu würdigen
Wenn ihr euch schon gegenseitig umbringen wollt, geht raus, ich hab gerade geputzt.
… einsichtig zu sein
Weil ich es sage!
... auf Hygiene zu achten
Zieh frische Unterwäsche an, du könntest im Krankenhaus landen.
… zynisch zu sein
Hör auf zu weinen. Es gibt gleich eine drauf, damit du weißt, warum du weinst.
… auf meinen Ruf zu achten
Der Rock ist zu kurz.
… logisches Denken
Wenn du von der Schaukel fällst und dir das Genick brichst, darfst du heute nicht fernsehen.
… Wohnkultur
Schließ die Tür, das ist kein Vogelhaus.
… Vorfreude
Wenn wir zu Hause sind, dann kannst du was erleben.
… zu flirten
So wie du dich aufführst, wirst du nie einen Mann bekommen.
...die Gesetze der Vererbung
Du bist wie dein Vater.
… bescheiden zu sein.
Ich habe dir schon tausendmal gesagt, du sollst nicht so übertreiben.
… loyal zu sein
Wenn das der Papa wüsste.
… die Freuden der Mutterschaft
Bevor du geboren wurdest, hatte ich keine Schwangerschaftsstreifen.
… Humor
Weg mit dem Messer. Wenn du dir den Finger absägst, ich verbinde ihn dir nicht.
… Biologie
Hör auf zu schielen, das bleibt dir.
… weise zu sein
Wenn du so alt bist wie ich, verstehst du das.
… Einfühlungsvermögen
Zieh einen Pullover an, ich weiß, dass dir kalt wird.
… meine Meinung zu sagen
Antworte, wenn ich mit dir rede!
… meine Meinung nicht zu sagen
Ich habe das letzte Wort.
… diplomatisch zu sein
Es ist egal, wer angefangen hat mit dem Streit. Du gehst in dein Zimmer.
…loszulassen
Bin ich froh, wenn du einundzwanzig bist und ausziehst.
… Verständnis für die Schwachen dieser Welt
Iss den Spinat. Es gibt Millionen von Kindern, die nichts zu essen haben.
…auch Unmögliches zu versuchen
Mund zu beim Essen!
… mich gesund zu ernähren
Iss das Gemüse, sonst wächst du nicht.
…geduldig zu sein
Aber wart, bis der Papa heimkommt!
… Gerechtigkeit
Ich hoffe für dich, dass deine Kinder nicht so werden wie du.
Aber auch
… Liebe
Was auch passiert, ich werde immer für dich da sein.
Sonntag, Mai 03, 2009
willkommen an bord

Über das Fliegen habe ich ja schon hie und da und da auch geschrieben.
Ich sitze mit meinem Jüngeren im Flugzeug nach Köln.
Vorne spricht die Flugbegleiterin ins Mikrophon.
Herzlich willkommen an Bord unseres Fluges nach Köln. Die Flugzeit wird etwa eine Stunde betragen.
Ich will nicht wissen, wie lange die Flugzeit dauert, sondern ob das Flugzeug überhaupt landet, und zwar in Köln.
Bitte vergewissern Sie sich, dass großes und schweres Handgepäck sicher unter Ihrem Vordersitz platziert ist.
Was soll denn dieser Unsinn? Wie soll ich bittschön irgendwas hier unter den Sitz stellen wenn nicht mal meine Beine Platz haben?
Wir bitten Sie jetzt noch einen Augenblick um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit für einige Sicherheitshinweise.
Nun sitz ich hier festgeschnallt, darf nicht mehr raus und nun gibt es Sicherheitshinweise? Warum bekomm ich die nicht, bevor ich das Ticket kaufe? Was ist denn das für eine Geschäftsstrategie?
Das gibt es sonst nirgends.
Stell dir vor, du kaufst dir ein Auto, bezahlst es und anschließend erzählt dir der Verkäufer, dass da einiges im Argen liegt; dass es sein kann, dass das Auto explodiert, die Bremsen versagen oder der Airbag sich nicht öffnet.
Wir demonstrieren Ihnen zunächst, wie Sie Ihren Sitzgurt schließen und öffnen können.
Sehr aufmerksam. Glauben Sie im Ernst, ich weiß nicht, wie ich einen Sitzgurt auf- und zumache?
Schnallen Sie sich jetzt an und ziehen Sie Ihren Sitzgurt fest. Aus Sicherheitsgründen empfehlen wir Ihnen während des gesamten Fluges angeschnallt zu bleiben.
Ich bin schon lange angeschnallt, du Taube. Und warum bitte muss ich die ganze Zeit da festgeschnallt bleiben? Doch nicht so sicher, Ihr Flugzeug, was?
Und lassen Sie das Herumfuchteln mit den Armen. Erinnert mich an den Pfarrer, der dem Totgeweihten noch das Kreuzzeichen mit auf dem Weg gibt.
Wir bitten Sie jetzt noch einen Augenblick um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit für einige Sicherheitshinweise. Sollte es zu einem Druckabfall in der Kabine kommen, öffnet sich eine Deckenklappe über Ihnen und Sauerstoffmasken kommen zum Vorschein.
Na sowas, eine Maske! Sogar mit Sauerstoff. Das ist wirklich großzügig. Ein Druckabfall in 3000 m Höhe, und schon kommt die Maske herunter.
Nun hör mir mal zu, du Schnepfe, da vorn.
Weißt du, was passiert, wenn wir in 3000 m Höhe einen Druckabfall haben? Wir machen uns alle in die Hose! Das passiert. Und zwar in Sekunden! Sag doch wie’s ist. Deshalb brauchen wir die Maske. Weil es stinkt in der Kabine.
In diesem Fall ziehen Sie eine Maske schnell zu sich heran und platzieren diese fest auf Mund und Nase. Danach helfen Sie Kindern und hilfsbedürftigen Personen.
Hilfsbedürftig? Wer ist bitte hilfsbedürftig? In erster Linie ich bin ich hilfsbedürftig wenn wir abstürzen.
Und ich werde mich von Leuten, die zu langsam sind, fernhalten. Und von Kindern auch. Wie komm ich denn sonst da schnell raus?
Im Fall einer Notlandung schau ich, dass ich als Erste aus dem Kasten komm. Und dann helfe ich den Armen und den Kleinen.
Apropos Notlandung. Es gibt keine Notlandung. Es gibt nur einen Notabsturz! Mit einer Landung hat das gar nichts zu tun.
Unter Ihrem Sitz findet sich eine Schwimmweste. Auf Anweisung der Besatzung ziehen Sie die Schwimmweste über den Kopf, befestigen die Verschlüsse vorn und ziehen die Gurte fest.
Weshalb auf Anweisung? Warum nicht sofort? Ich muss das alles in Ruhe ausprobieren - das Überziehen, das Befestigen und Festziehen.
Erst kurz bevor Sie das Flugzeug verlassen ziehen Sie an den Auslösegriffen um die Schwimmweste aufzublasen.
Was heißt denn Flugzeug verlassen? So wie ich eine Veranstaltung verlasse? Ich verlasse das Flugzeug nicht, ich sause raus, besser gesagt, es zieht mich raus! Und wie! Wir sind schließlich auf 3000 m Höhe.
Und wo verlasse ich bitte? Noch in der Luft oder nach dem Aufprall?
Und ziehen auch noch? Während es mich hinaus saugt hab ich was anderes zu tun als zu ziehen.
Und die Schwimmweste wird sich nicht aufblasen, die wird in der Luft zerfetzt.
Außerdem – was soll ich mit der Schwimmweste? Eine Schwimmweste zieh ich an, wenn ich in der Sportwoche mit den Schülern Wasserschifahrern geh. Ich will keine Schwimmweste in 3000 m Höhe, wenn ich nicht mal weiß, ob unter mir überhaupt Wasser ist. Außerdem will ich nicht schwimmen gehen.
Ich hab mich auf Fliegen eingestellt, auf Fliegen und Landen und nicht auf Abstürzen und Schwimmen.
Sollte es erforderlich sein, benutzen Sie die Ventile an den Seiten der Weste um diese aufzublasen.
Was soll das schon wieder? Wann sind die Ventile erforderlich? Wenn kein Wasser unter mir ist? Zum Fliegen? Oder kurz vor dem Aufprall?
Muss ich die Schwimmweste so aufblasen wie eine Luftmatratze? Ich kann das nicht.
Ich kann das nicht mal am Land, das Aufblasen, geschweige denn während ich durch die Luft segle. Luftmatratzen blase ich mit Blasebalg auf. Mir geht sonst die Puste aus.
Ich sag Ihnen, ich werde die Ventile an den Seiten nicht aufblasen, auch nicht, wenn es erforderlich ist.
Wenn Sie das Flugzeug durch eines der Notfenster verlassen, blasen Sie die Weste erst auf wenn Sie das Flugzeug verlassen haben.
Na, das ist klar. Vorher geht das auf keinen Fall. Es ist ja kein Platz im Flugzeug. So schon eng genug.
Stell dir vor, es blasen alle dreihundert Passagiere gleichzeitig ihre Schwimmwesten auf. Dann wären das dreihundert Passagiere und dreihundert Westen. Viel zu viel.
Außerdem – wie willst du durch das enge Notfenster kommen mit der aufgeblasenen Weste? Viel zu fett.
Klar blase ich die Weste erst im freien Flug auf. Viel gemütlicher und genug Platz. Ich kann das schon, auch wenn es da draußen minus fünfzig Grad hat. Kein Problem.
In der Sitztasche Ihres Vordersitzes finden Sie dieses Informationsblatt mit allen Sicherheitshinweisen.
Ja, das hab ich schon gesehen. Da steht, ich soll meine Arme kreuzen und den Kopf auf meine Oberschenkel legen. Und dann? Dann warte ich bis wir auf einem Felsen zerschellen oder was? Etwas ist mir noch nicht ganz klar. Soll ich nun die Weste anziehen oder den Kopf auf meine Oberschenkel legen? Oder beides? Und was zuerst?
Bitte beachten Sie besonders die Lage der Notausgänge, welche deutlich mit dem Wort "Exit" gekennzeichnet sind.
Hab ich schon gesehen. Exit heißt in dem Fall nicht Ausgang, sondern Abgang.
Leuchtstreifen im Boden führen Sie direkt dort hin.
Da führen Leuchtstreifen hin? Toll. Und wie ist das dann bitte, wenn das Flugzeug notstürzt? Leuchten die dann noch immer?
Ich sage Ihnen, die leuchten dann nimmer, weil dann ist alles im Eimer - der Strom und die Stromversorgung. Da leuchtet dann gar nichts mehr, so schaut’s aus. Und falls sie leuchteten - dann würde das keiner sehen, weil der Großteil der Passagiere auf dem Boden liegen würde und die anderen, die Stärkeren, würden alle gleichzeitig zum Notausgang laufen. Und man würde gar nichts mehr sehen. Also, schalten Sie die Leuchtstreifen aus. Die braucht keiner.
Wir sind nun startbereit und ich bitte Sie, die Rückenlehnen Ihrer Sitze senkrecht zu stellen und die Tische vor sich zurückzuklappen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen schönen Flug mit uns.
Herzlichen Dank. Sehr liebenswürdig.
Eine Frage hätte ich noch, bittschön - bevor ich fliege und abstürze.
Es geht um die Blackbox. Sie beschäftigt mich. Diese Blackbox ist doch das Sicherste auf der Welt.
Wann immer ein Flugzeug abstürzt, egal ob es Überlebende gibt oder nicht, die Blackbox, die ist immer ganz. Immer! Und die wird auch immer gefunden. Die geht niemals verloren, niemals!
Wieso hatte noch nie jemand die Idee, Flügel auf die Blackbox zu montieren und sie in ein Flugzeug zu verwandeln?


