Dienstag, Februar 28, 2006

spring is nature's way of saying "let's party"

Heute früh sah ich einen Huflattich.
Hat sich rausgeboxt mit aller Kraft aus der Ritze im Asphalt. Trotzt dem eisigen Wind und dem Schnee.
Er hat es geschickt angestellt.
Hat sich so platziert, dass ihn weder Auto noch Fuß zerdrücken kann.
Er macht sich ganz klein, wenn man vorbeigeht.
Ich habe ihn nur aus dem Augenwinkel angesehen, und es schien mir, als habe er mir zugegrinst und leicht genickt.
Und heut Mittag hörte ich die Krokusse wispern.
Ich tat so, als merkte ich es nicht.
In einigen Tagen wollen sie erscheinen.
In ihrem neuen Kleid.
Violett ist in diesem Frühling angesagt.
Und sonnengelb.
Aber nicht weitersagen.
Wir wollen ihnen die Überraschung nicht verderben.

If we had no winter,
the spring would not be so pleasant:
if we did not sometimes taste of adversity,
prosperity would not be so welcome.

Anne Bradstreet

Montag, Februar 27, 2006

what's in a name


Der Name Gotthard ist ein ganz normaler Vorname bei uns.
Na ja, es heißen nicht mehr viele Leute Gotthard, aber ich kenne zwei.
Einer davon lebte in dem Dorf, in dem ich geboren war.
Dieser Mann hatte ein Haushaltswarengeschäft, aber es gab dort alles zu kaufen, was man halt so brauchte, vom Gummiringerl bis zum Kinderbuch.
Dieser Mann verstand nicht, warum zur Hauptreisezeit, wenn die Touristen im Dorf waren, Briten und Amerikaner vor seinem Geschäft standen, das Namensschild fotografierten und in schallendes Gelächter ausbrachen.
Er hieß Gotthard Dick.
Ich glaube, der Mann hat niemals erfahren, was der Name im Englischen bedeutet.
Sein Bruder, der im Nachbardorf ein Lebensmittelgeschäft betrieb hieß Willi Dick.
Hier im Ort gibt es einige Familien, die mit Nachnamen Kaswurm heißen und ein ehemaliger Schüler heißt Leko Mirko.
Der Pfarrer meines Heimatortes heißt Weihrauch und der Metzger Schweinitz.
Es stellt sich die Frage, ob der Name manchmal die Berufswahl beeinflusst.
Demnach müsste ich Automechaniker oder Autohändler sein, weil mein Nachname im Italienischen Ferrari heißt. Ich habe das erst vor kurzem in der Millionenshow erfahren.
Und dabei fahre ich doch einen Renault.
Aber Ferrari klingt gut. Vor allem im Zusammenhang mit Amadea.

Sonntag, Februar 26, 2006

trauma

Ich gehöre ja zu denjenigen, die sich gern verkleiden im Fasching, obwohl ich ein Trauma aus Kindheitstagen habe.
Mein Vater versuchte jedes Jahr im Fasching, seine Bastelkünste an mir zu verwirklichen. Seine Vorliebe waren vor allem Blumen der Alpenflora.
In einem Jahr war ich ein Enzian, im darauf folgenden ein Edelweiß und ein anderes Mal ein Türkenbund oder eine Alpenrose.
Mein sehnlichster Wunsch war es, einmal als Prinzessin zum alljährlichen Kindergartenfasching zu erscheinen.
Dieser Wunsch schien mit der Ankunft eines Päckchens von entfernten Verwandten aus den USA in Erfüllung zu gehen.
Unter all den gebrauchten Kleidungsstücken, die für mich und meine Schwester dabei waren, befand sich ein wunderschönes, gelbes Prinzessinnenkleid mit Spitzen, Rüschchen, Puffärmeln und schwarzen Samtbändern.
Mein größter Traum sollte sich endlich erfüllen.
Ganz stolz antwortete ich auf die Frage Reinholds, meines Angebeteten, den ich irgendwann heiraten wollte, was ich denn sei - Eine Prinzessin natürlich, siehst du das nicht?
Er starrte mich ungläubig an.
Erst nach Jahren verstand ich warum. Mein Vater hatte mein Gesicht schwarz bemalt und mir einen lustigen Hut aufgesetzt.
Ein Erlebnis, das ich nie verarbeitet habe, auch nicht in den unzähligen Gesprächen mit meinem Vater in all den Jahren.
Ich habe übrigens Reinhold nicht geheiratet.
Mit zwanzig verkleideten meine Freundin und ich uns als Clowns. Unkenntlich natürlich.
Die begehrteste Faschingsparty in Salzburg war damals das Psycho-Gschnas und unser größtes Vergnügen war es, dass keiner der angehenden Psychologen wussten, wer wir waren.
Natürlich keine Psychologie-Studentinnen.

In den Jahren danach verkleideten meine Freundinnen und ich uns als Hexen. Nein, nicht als zahnlose, zerlumpte Weiber, sondern als schöne, geheimnisvolle Hexen in grün oder gelb, mit spitzem Hut, Boa, schwarzem Tüll und hochhackigen Schuhen.
Danach gab ich die Gewohnheit, im Fasching zu den diversen Parties, Bällen, Gschnasen zu gehen, auf.
Erst im vorigen Jahr, anlässlich des Faschingsballs im Dorf packte mich wieder der Virus in Form eines Hiatatbuam mit Papas alter Lederhose, dem alten selbstg’strickten Röckei und den Schafwollsocken.
Es freute mich nicht sonderlich, und ich nahm mir vor, spätestens zu Mitternacht zu Hause zu sein.
Aber die Musik war toll, die Männer waren charmant und ich machte die ganze Nacht durch.
Gestern Abend war es wieder soweit. Unser heuriges Thema Lifeball.
Polizistinnen. Auch die beiden Männer.
In Netzstrümpfen, Korsett und engen Stiefeln. Mit Perücke, falschen Wimpern und langen, roten, aufgeklebten Fingernägeln.
Während der Mitternachtseinlage in Form eines Strip wurde aus dem S der Sittenpolizei ein T.
Natürlich blieb alles innerhalb der Norm.
Wir entledigten uns nur der Jacken und Kapperl.
Und wiederum kam ich erst um fünf früh heim.
Und wiederum war die Musik toll und die Männer charmant.
Ich weiß, ich schwimme mit der Masse.
Ich weiß, ich sollte den Fasching und das ganze Drumherum kritisch sehen, mich eher darüber lustig machen, so wie über den Rummel um Weihnachten.
Aber ich liebe den Fasching.
Und Weihnachten liebe ich auch.
Außerdem bin ich nach wie vor dabei, mein Kindheitstrauma aufzuarbeiten.
Und das ist ein Vorgang, der Jahre dauert.
Der Heilungsprozess ist vermutlich erst dann abgeschlossen, wenn ich mich als
Enzian oder Almrausch verkleide.
Aber so weit bin ich noch lang nicht.

Freitag, Februar 24, 2006

quote of the day

It's true that we don't know
what we've got until we lose it,
but it's also true that we don't know
what we've been missing
until it arrives.
-Anonymous-

Donnerstag, Februar 23, 2006

spit or swallow


Es geht um den Kaugummi.
Meinen Söhnen habe ich im Kleinkindalter eingeschärft, niemals einen Kaugummi auszuspucken oder zu schlucken.
Ich ersparte ihnen den warnenden Satz meiner Großmutter, dass sämtliche Eingeweide zammpicken und das Risiko, innerhalb eines Jahres eine Blinddarmentzündung zu bekommen, um das Hundertfache erhöht ist.
Ich erzählte ihnen, dass Vögel, die Kaugummi verschlucken, eines qualvollen Todes sterben.
Ich argumentierte mit den unliebsamen Flecken, die entstehen, wenn die Kaugummis auf dem Trottoir breitgetreten werden, und von den Problemen, die bei der Beseitigung der Gummimasse entstehen.
Im Londoner Stadtteil Westminster kleben 300 000 gumbusters.
Die Stadt Liverpool hat sich anscheinend für eine Einführung einer Kaugummisteuer ausgesprochen, um dem grauslichen spitting image Herr zu werden. In Japan muss man sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen, wenn man den Kaugummi ausspuckt
Ein Kaugummi, wenn er schal schmeckt, gehört in ein kleines Fetzerl Papier eingewickelt, in den nächsten Mistkübel entsorgt oder aber in der Tasche verwahrt wenn grad kein Mistkübel rumsteht.
Das mit dem Kaugummi ist so eine Sache.
Eigentlich ist ein Kaugummi etwas Wunderbares. Er reinigt die Zähne nach der vormittäglichen Jause, schafft frischen Atem und ein sauberes Gefühl im Mund.
Das Problem ist, dass der frische Geschmack nach einigen Minuten weg ist.
Und dann gehört der Gummi eben in ein Papierl gewickelt und danach in den Restmüllkübel.
Aber man hat nicht immer ein kleines Papierl und erst recht keinen Restmüllkübel dabei.
Und da beginnt die Tragödie.
Ihn mit Hilfe der Finger wegzuwerfen gelingt selten.
Er klebt zuerst am rechten Zeigefinger, danach zwischen linkem Daumen und Mittelfinger und im schlimmsten Fall auf einer der Handflächen.
Die einzige Möglichkeit in diesem Fall ist, ihn wieder in den Mund zu nehmen, ihn bei der nächsten Gelegenheit in eine dunkle Ecke zu spucken, und das schlechte Gewissen ob der Umweltverschmutzung und fehlender Manieren zu verdrängen.
Und hygienisch ist es ja auch nicht, am Kaugummi minutenlang herumzukneten und ihn dann in den Mund zu stecken.
Eine gute Methode, die aber nicht immer funktioniert, ist, den Kaugummi gezielt in die Zwischenräume eines Abflussgitters zu spucken.
Meistens landet er aber auf dem Gitter - laut Murphy’s law zu 100 Prozent. Der Versuch, ihn mit der Schuhspitze dem Abflusssystem zuzuführen, geht auch meist daneben und das Ergebnis sind Kaugummischuhsohlen, die den Besitzer vor dasselbe Reinigungsproblem stellen wie Ken Livingstone und seine Stadtväter.
Den Kaugummi in einen Abfallbehälter zu spucken, lehne ich aus hygienischen Gründen ab.
Ich habe alle Varianten ausprobiert.
Wenn ich ihn schlucke, bekomme ich ein Hungergefühl und der im Mund nicht mehr wahrnehmbare Pfefferminzgeschmack tut meinem Magen nicht gut.
Das Einwickeln in Papier und anschließendes Verstauen in der Handtasche habe ich aufgegeben. Ich kann mir nicht jeden Monat eine neue Handtasche kaufen.
Einen Kaugummi einfach so auszuspucken schaffe ich nicht.
Erstens, weil es ungezogen ist und von schlechten Manieren zeugt und zweitens, weil ich ein schlechtes Gewissen habe.
Ich halte es so:
I sometimes swallow.
I sometimes spit.
Ganz heimlich.
Und das schlechte Gewissen verdränge ich.
Aber ich kaue ohnehin selten Gummi.
Es gibt ja diese wunderbaren kleinen farblosen Plättchen mit Pfefferminzgeschmack, die sich nach einigen Sekunden auf der Zunge auflösen.

Mittwoch, Februar 22, 2006

brauchtum



hier am land


Im kleinen Geschäft nebenan fragt man mich ob ich ihn kenne. Den jungen Mann, der nebenan wohnt.
Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht mal, dass ein junger Mann nebenan wohnt. Die einzigen, die ich aus dem Nachbarhaus kenne, sind ein altes Ehepaar. Ich sehe sie manchmal im Sommer. Den Mann den Rasen mähen und die Frau Wäsche aufhängen.
Ein anderer wohnt da noch mit seinem Hund. Aber der ist nur manchmal hier. Am Wochenende. Mit seiner Freundin.
Dann wohnt da noch das englische Ehepaar.
Die sehe ich nur manchmal spazieren gehen.
Einen jungen Mann habe ich noch nie gesehen.
Letzte Woche war großer Auflauf vor dem Nachbarhaus. Feuerwehr, Polizei, Rettung, Notarzt.
Ich vermutete, dass es was zu tun hatte mit dem vielen Schnee am Dach, weil es gleich darauf abgeräumt wurde.
Es war wegen dieses jungen Mannes, den ich nicht kannte. Er wollte sich in die Luft jagen.
Hat alle Fenster verklebt. Der Nachbar hatte den Gasgeruch wahrgenommen und die Rettung und Feuerwehr verständigt.
Er kommt aus einem schwierigen Elternhaus, erzählt man weiter.
Der Vater ohne Arbeit, die Mutter Alkoholikerin.
Viele Kinder hatten sie. Der Bub machte einen verwahrlosten Eindruck. Er war ein ruhiges Kind, unauffällig.
Und er hat sich gut gemacht. Hat eine Lehre abgeschlossen, sich die Wohnung hier gekauft.
Das sind genau diejenigen, ereifert sich eine Frau, die dir als Geisterfahrer ins Auto rasen.
Nun liegt er im Krankenhaus sagt sie und schüttelt den kopf.
Der hätte den ganzen Wohnblock in die Luft gejagt.

Und da heißt es immer, hier am Land kennen sich alle.
Hier am Land weiß man, wie es deinem Nachbarn geht.
Hier am Land ist die Welt noch in Ordnung.
Und ich weiß nicht mal, dass nebenan ein junger Mann wohnt.
Dabei wohne ich schon fast ein Jahr hier.

Dienstag, Februar 21, 2006

Montag, Februar 20, 2006

coelho

Ich war immer der Meinung, dass sich die tiefgreifenden Veränderungen nicht nur im Leben eines Menschen, sondern auch in der Gesellschaft in sehr kurzen Zeiträumen vollziehen.
Wenn wir es am wenigsten erwarten, stellt uns das Leben vor eine Herausforderung, um unseren Mut und unseren Willen zur Veränderung auf die Probe zu stellen.
Dann nützt es wenig, so zu tun, als wäre nichts, oder sich damit zu entschuldigen, dass wir nicht bereit seien. Die Herausforderung wartet nicht. Das Leben schaut nicht zurück.
Eine Woche ist mehr Zeit als genug, um zu entscheiden, ob wir unser Schicksal annehmen oder nicht.

Paulo Coelho "Der Dämon und Fräulein Prym" - Buenos Aires, im August 2000

Sonntag, Februar 19, 2006

a dialogue


Ja, erwiderte sie ihr gegenüber teilnahmslos. Ihr Blick schweifte etwas unruhig hin und her. Sie hörte nicht zu. Die Erzählerin bemerkte dies gar nicht. Sie redete weiter. Als Kind hatte ich mir geschworen, niemals blau zu tragen. Meine Mutter kaufte nur blaue Kleidung für mich.
Ich betrachtete sie näher.
Ein blaues, zerknittertes Sackkleid. Die Beine in Stützstrümpfen. Dies war deutlich zu sehen obwohl nur die Knöchel unter dem langen Gewand hervor lugten. Die schwarzen, flachen Riemchenschuhe nahmen dem Aussehen der Lady den indischen Touch, den man zu sehen meinte, wenn man das Muster am Oberteil betrachtete.
Als Alex auf die welt kam, schnatterte sie weiter, lag ich in dieser kleinen Geburtsstation. Alex raucht Pot. Ja wenn er es sich leisten kann. Cannabis hat er auch probiert. Die andere nickte teilnahmslos. Sie warf mir einen schnellen Blick zu.
Die Blauäugige erzählte weiter. Von der Geburt ihres Sohnes Alex. Genau um 2.19 sei er auf die Welt gekommen und noch wenige Minuten zuvor habe sie einen unbändigen Hunger verspürt. Hunger auf Toast und Tee, viel Toast und Tee. Die Krankenschwester erschien dann mit einem riesigen Teller mit Toast, Wurst, Käse und einer großen Kanne Tee.
Nach wie vor hörte das Gegenüber der Blauäugigen, Aschblonden nur mit halbem Ohr zu. Ihr Blick war irgendwie unruhig. Ihr Haare sah aus, als ob sie es gerade gewaschen hätte. Die Lippen grellrot, schienen sie das faltige Gesicht noch mehr zu betonen. Ich konnte meinen Blick nicht von ihren bestrumpften Zehen in den Sandalen losreißen. Magisch starrte ich auf diese Füße, die ungelenk am Boden dastanden. Leblos wirkten sie. So, als ob sie immer da stehen würden. So wie der Stuhl auf dem sie saß. Sie schaute manchmal zu mir. Ihren Ausdruck konnte ich nicht deuten. Teilnahmslos.
Die Blauäugige, Aschblonde quasselte weiter. Meinte, sie würde auch gerne Pot rauchen wenn es nur nicht so teuer wäre. Sie sei mal bei ihrer Schwiegertochter im Garten gesessen. Da hätten sie dann geraucht. Immer dann, wenn das Baby schlief, probierten sie es.
Die Unterhaltung hatte einen Punkt erreicht, an dem die rotlippige Lady erstmals aufmerksam zuhörte.
Für mich war es Zeit zu gehen.

Freitag, Februar 17, 2006

a night out


Lo war eine Stunde zu spät.
Sorrrrry! Ganz außer Atem war sie. Du bist nicht böse?
Ich sehe unmöglich aus. Marina war da und hat mich voll gequatscht. Sie wollte nur kurz bleiben. Dann blieb sie eine Stunde. Und jammerte herum. Ich habe diese dicken Socken an. Ihr Stiefel flog in die Ecke.
Warst beim Friseur? Du siehst toll aus.
Aber nein, sagte ich, erst morgen. Balsam für mein Ego.
Diese Jacke geht gar nicht. Viel zu warm. Nimm eine von mir.
Sie schlüpfte in die grüne mit Kapuze. Etwas zu leger? Du kannst sie nachher ausziehen. Niemals, protestierte sie.
Ich bestellte mir eine Caipirinha. Lo trank Mineralwasser. Wir hätten ein Taxi nehmen sollen.
Bist du Schwabe, fragte ich?
Nein, ein Pfälzer.
Aha.
Er tanzte gut.
Noch einen Drink?
Gern. Ich trank aus.
Er bildete mit seinem Arm eine Schranke zwischen Lo und mir.
Das Buch von Samy Molcho fiel mir ein. Körpersprache.
Er strahlte. Es geht dir gut, nicht wahr?
Ja, der Schiurlaub ist wunderbar.
Dein Freund sieht etwas traurig aus, bemerkte ich.
Er ist nur müde.
Der Freund lächelte und sah auf einmal aus wie Liebling Kreuzberg.
Fast.
Das Gespräch wurde mühsam. Lo und ich gingen an das andere Ende der Bar.
Jonas, ein Schwede, stellte sich vor. Er sei Sales Manager und arbeite für eine dänische Firma.
Lo wollte nicht tanzen mit ihm. Go on, sagte ich. And practise your English.
Dann war es doch ganz nett.
Lo quatschte mit Jonas, ich musste manchmal aushelfen. Was heißt biblisch und Hymne?
Jonas stellte mir seinen Freund Sören vor. Sören gab mir einen Eiswürfel in die Hand. Ich steckte ihn in meinen Ausschnitt. Er grinste. Wanna dance?
Die Band spielte Santana.
Es war heiß. Ich gab mich ganz der Musik hin.
Beim Hinausgehen sagte Lo, du warst witzig. Nicht absichtlich, antwortete ich und lächelte.
Ich wasche die Jacke. Morgen kannst du sie wieder haben.
Aber pass auf, sie ist neu. Nur Handwäsche.
Es war lustig heut, nicht wahr?
Ja, es war lustig.
Wir gingen im Schneckentempo auf dem eisigen Weg zum Auto.

Das leichte Kopfweh, das ich am Morgen hatte, war nach dem Kaffee weg.
Die Sonne schien als ich ins Dorf ging.
Der Frühling ist fast da.
Endlich.

Donnerstag, Februar 16, 2006

I swear, I swear

Ich verwende selten bad language. Aber wenn ich allein im Auto unterwegs bin, fluche ich. Like a Russian sailor.
Am meisten nerven mich Autofahrer, die mir, wenn ich bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von hundert auf der Autobahn ohnehin mit hundertzehn unterwegs bin, so nahe ran fahren, dass ich nicht mal ihre Scheinwerfer im Rückspiegel sehen kann. In diesem Moment fahre ich dann genau hundert und schalte die Nebelschlusslichter ein. Ich bremse mehrmals leicht.
Meistens rückt derjenige ab, aber manchmal auch nicht.
Wenn er überholt, überschütte ich ihn mit den schlimmsten Ausdrücken, die man sich nur vorstellen kann. Das sehr laut.
Ich verwende gern Mundartausdrücke oder das effektive Fuck, für das es im Deutschen kein equivalent gibt. Oft hänge ich ein you dran und wiederhole den Satz mehrmals.
Fuck ist kurz, prägnant und sagt alles.
Nervig sind auch Autofahrer, die vor einem Kreisverkehr anhalten, dreimal links und rechts schauen, obwohl weit und breit kein Auto in Sicht ist, dann mit dem ersten Gang in den Kreisverkehr einfahren und beim Verlassen desselben nicht blinken. Holy cow!
In der Hauptreisezeit bei schlechtem Wetter als Einheimische im Auto unterwegs zu sein und es dazu noch eilig zu haben, tut den Nerven nicht gut. Touristen fahren dann einfach nur so zum Spaß durch die Gegend, das Auto vollbesetzt mit Kindern und Großelten. Meistens mit fünfzig obwohl achtzig erlaubt sind. Sie lassen sich nicht beirren von der langen Schlange, die hinter ihnen herfährt, sie sehen sie nicht mal.
Man sieht, dass sie reden, sie halten Ausschau nach einem beschaulichen Landgasthaus mit großen Portionen, sie reden von der gestrigen Bergtour und der goldenen Wandernadel und dem Heimatabend am vergangenen Samstag. Oder so. Creepy buggers.
Ich weiß, ich bin ungeduldig. Nicht nur beim Auto fahren. Ich bin ungeduldig, wenn mir jemand endlos lange einen Film oder den Inhalt eines Buches erzählt. Ich bin ungeduldig, wenn jemand nicht zum Punkt kommt und einfach erzählt nur um des Erzählens willen.
Aber dann fluche ich nicht. Ich balle meine Fäuste. Natürlich heimlich.
Und lächle gequält.
Fluchen verbietet meine Erziehung.
Meine Freunde und Familie wissen nicht von meinem dunklen Geheimnis. Sie nehmen nicht mal an, dass diese Wörter teil meines aktiven Wortschatzes sind.
Mein Vater wäre entsetzt und der Überzeugung, seine Erziehung habe total versagt.
Aber ich arbeite an mir. Ehrlich.
I swear!

some people


“Some people come into our lives and quickly go.
Some move our souls to dance.
They awaken us to new understanding
with the passing whisper of their wisdom.
Some people make the sky more beautiful to gaze upon.
They stay in our lives for awhile,
leave footprints on our hearts
and we are never, ever the same.”

-Anonymous

Mittwoch, Februar 15, 2006

come, gentle spring


Come, gentle Spring!
Ethereal Mildness!
Come.

James Thomson


Frühling.
Grün, hellgrün, gelb.
Gestern konnte ich den Frühling riechen.
Und ich war in grün-gelb Laune.
Ich trug den hellgrünen Pullover und den gelben Seidenschal.
Ich kaufte eine sonnengelbe Primel, orangenfarbenen Ginster, hellgelb-grüne Tulpen für Lo, eine gelbe Tischdecke.
Ich deckte den Tisch grün, gelb, orange.
Wir waren in Frühlingslaune.
Wir aßen Salat, Risotto mit Fenchel und tranken Wein.
Heute ist es wieder weiß.
Schmutzig weiß.
Aber ich schaue nicht hinaus.
Ich schaue auf die Primel und die Tischdecke.
Und denke Frühling.
Grün, hellgrün, gelb.



Risotto con i Finocchi

500 g Fenchelknollen
1 Zwiebel
300 g Reis
1 l Gemüsebrühe
6 Essl. Butter
4 Essl. geriebener Parmesankäse
2 Essl. gehacktes, frisches Fenchelgrün

Die Fenchelknollen waschen, die feine äußere Haut abziehen und die Knollen in dünne Scheiben schneiden. Die Zwiebel schälen und klein würfeln. Den Reis waschen und gut abtropfen lassen. Gemüsebrühe zubereiten. 5 Essl. Butter in einem Topf erhitzen. Die Zwiebelwürfel und die Fenchelrippen zufügen und unter ständigem Rühren bei milder Hitze so lange anbraten, bis der Fenchel beginnt weich zu werden. Den Reis zufügen, hellbraun anbraten, von der kochenden Gemüsebrühe etwa ½ Tasse zugießen und rühren, bis der Reis die Flüssigkeit aufgesogen hat. Nach und nach immer wieder 1 Tasse Gemüsebrühe zum Reis gießen. Den Reis bei milder Hitze etwa 20 Minuten leicht kochen lassen. Die restliche Butter und den Parmesankäse unter den gegarten Reis mischen. Den Risotto 2-3 Minuten durchziehen lassen und mit dem Fenchelgrün bestreuen.

Dienstag, Februar 14, 2006

valentine's day sonnet

Let me not to the marriage of true minds
Admit impediments.
Love is not love
Which alters when it alteration finds,
Or bends with the remover to remove:
O no! it is an ever-fixed mark
That looks on tempests and is never shaken;
It is the star to every wandering bark,
Whose worth's unknown, although his height be taken.
Love's not
Time's fool, though rosy lips and cheeks
Within his bending sickle's compass come:
Love alters not with his brief hours and weeks,
But bears it out even to the edge of doom.
If this be error and upon me proved,
I never writ, nor no man ever loved.

William Shakespeare - Sonnet 116

massage in a bottle

for peter

pink rubbish

ausmisten
den geeigneten tag aussuchen
den mist nicht umschaufeln
den mist wirklich abladen
nicht wieder reinbringen
sich nicht entmutigen lassen
immer dran bleiben
an das bad danach denken
bei erschöpfung
pause einlegen
an die wand lehnen
augen schließen
die sonne spüren
das zeug muss raus
nach und nach

Montag, Februar 13, 2006

motorheads

manchmal träume ich von ihm

Gestern Nacht, beim Einschlafen tauchten Bilder aus vergangenen Tagen auf.
Im Gras hockend am Bach, die Ärmel nass vom Eiswasser.
Er, schweigsam im schwarzen Rock neben mir sitzend.
Die Perlmuttknöpfe seines Hemdes schillern in den Regenbogenfarben. Ich hab niemals herausgefunden, woher diese Knöpfe stammten.
Damals flocht ich ihm einen Kranz aus Gänseblümchen und legte ihn ihm um den Kopf.
Er wurde verlegen, wenn ich das tat, hinderte mich jedoch nicht daran. Durch das weiße Haar schimmerte die Kopfhaut, etwas fettig und weiß, adrig. Er roch gut.
Noch heute habe ich diesen Geruch in der Nase. Etwas rauchig, weil der Ofen in seinem Zimmer nie richtig zog. Nach Seife und nach Holz.
Nach einer Weile nahm er sein Taschenmesser und das weiße Taschentuch aus seinem Rock. Ein Apfel und ein Stück Schwarzbrot darin eingewickelt. Ich bekam die Brotrinde und die Apfelschale. Welch ein Genuss. Beides gleichzeitig musste man essen. Das sauer Saftige des Apfels und das trocken Würzige des Brotes.
Er war groß und dünn.
Wir gingen ganz langsam. Meist schweigend. Er sagte ganz wenig. Nannte nur manchmal meinen Namen, der derselbe ist wie der seiner Frau, die ich nie gekannt hatte.
An seine Stimme kann ich mich nicht erinnern.
Er flocht Körbe und schnitzte Windräder. Körbe in allen Formen. Windräder für die Wiese hinter dem Haus.
Er war mein Urgroßvater und meine Großmutter war ungeduldig mit ihm.
Dabei tat er gar nichts. Saß nur auf der Küchenbank und wenn er müde wurde, legte er seinen Kopf auf die Arme und schlief. Am Tisch lehnend.
Eines Tages war er tot. Eingeschlafen. Am Morgen nicht aufgestanden zur üblichen Zeit.
Ich verstand nicht, warum alle weinten. Oma hätte doch froh sein müssen. Er war ihr nur im Weg gewesen.
Manchmal träume ich von ihm. Er läuft über die Wiese, ich auf seinen Schultern. Lachend. Wir beide.

Sonntag, Februar 12, 2006

und ich mitten drin



Da ist diese Hausmeister-Familie mit Kleinkind, an deren Tür das Schild hängt „Betteln und Hausieren verboten“. Neben dem Fußabstreifer Winterschuhe, ein Alabasterengel und eine Tonschüssel mit Tannenzapfen, über die ich immer wieder stolperte.
An der Eingangstür ein weiteres Schild an. „Beim Heimkommen nachts nicht an das Stiegengeländer klopfen, nicht laut reden und die Tür leise schließen“.
Seitdem gehe ich auf Zehenspitzen in meine Wohnung, damit meine Absätze nicht klappern.
Unlängst, am frühen Abend, als ich die Musik laut aufgedreht hatte, stand er vor der Tür. Aufgebracht, mit hochrotem Kopf stand er da. Entschuldigung, ich mach sofort leiser, stammelte ich.
Vor einigen Tagen klopfte ich das Eis von meinem Balkon. Um die Mittagszeit. Gleich darauf erschien die Hausmeisterin, blickte zu mir herauf, sagte nichts. Ich klopfte weiter. Gleich darauf fuhren sie weg.
Über mir die Stewardess.
Wir essen manchmal zusammen und sie erzählt mir, wie schwierig es ist, einen Mann zu finden.
Neben mir die Verkäuferin, die nachts schlecht schläft und manchmal laut schreit.
Dann wohnt da noch die Neunzehnjährige mit dem vierjährigen Kind. Ihre Eltern, wohlhabend, haben ihr die Wohnung gekauft. Sie ist selten hier.
In den anderen drei Wohnungen deutsche Mieter, die nur zeitweise zum Schifahren und Wandern hier sind.
Ein nettes, adrettes Haus mit netten, adretten Mietern in einer netten schönen Gegend.
Keine Ausländer mit vielen Kindern. Sind nicht erwünscht.
Das wird nicht laut gesagt.
Und ich mitten drin.
Das Schlimme daran ist, dass ich gern hier wohne.

„The more beautiful a country, the dumber the people“.
(Thomas Bernhard)

Freitag, Februar 10, 2006

virus


Ich merkte sein Kommen gar nicht
Ganz leise kratzte er
In meinem Hals
An meinen Schleimhäuten
Nur morgens
Nach zwei Tagen war er weg
Scheinbar
Gestern kam er wieder
Nistete sich ein
Hintertückisch
In meinem Kopf
In meinem Hirn
Da wütet er nun
Drückt auf meine Augen
Quetscht meine Nase aus
Quält meine Stimme
Lässt sich nicht beeindrucken
Von heißer Zitrone
Hustentee
Infrarot
Aber heute Nacht
Geht es ihm an den Kragen
Ich werde ihm den Garaus machen
Mit Wick
Aspirin
Und Echanicea
Diesem Schleimer

Donnerstag, Februar 09, 2006

geiz ist geil



Entschuldigung, ich hätte eine Frage.
Sofort, murmelt der Fachmann.
Ich bräuchte eine Druckerpatrone.
Das macht der Kollege.
Ich bin zuständig für die Handys.
Wo ist der denn?
Ich weiß nicht.
Ich bin zwei Minuten im Geschäft und es reicht mir.
Ich gehe vorbei an einer riesigen Wand mit Bildschirmen, auf der eine Talk-Show läuft.
Ein Transvestit mit Schnurrbart, rotem Lurex-Kleid und Perücke auf unzähligen Bildschirmen.
Der Kollege steht gelangweilt an der Kassa.
Ja?
Eine Druckerpatrone bräuchte ich.
Welche Nummer?
Keine Ahnung.
Ohne Nummer geht gar nichts.
Darf ich die Patronen mal sehen? Vielleicht erkenne ich die richtige. Ich erkenne sie nicht.
Wir hätten da ein Angebot, sagt er.
Ich will nur eine Druckerpatrone, sage ich. Ich habe einen HP Drucker.
Welche Nummer, fragt er.
Ich weiß nicht, vielleicht zeigen Sie mir einen Drucker, und ich erkenne, welchen ich habe.
Er sieht mich an als käme ich von einem anderen Stern.
Die Computer sind da drüben.
Ich irre vorbei an Regalen mit Computerspielen.
Ich entdecke meinen Computer und denselben Drucker, den ich habe.
Als ich zurückkomme, ist der Kollege weg.
Ich entdecke ihn hinter dem Regal mit den Digitalkameras. Er flirtet mir einer Kollegin.
Ich habe die Nummer.
Wie viel kostet eigentlich ein CD-Brenner?
Nun wird er aufmerksam.
Da haben wir etwas ganz Besonderes.
Er zeigt mir einen Brenner für 189 Euro.
Mit dem können Sie ihre CDs selbst herstellen.
Sie können damit sogar ihre Vinyl-Platten auf CD brennen.
Aber da hinten sah ich einen CD Brenner für 49 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen den beiden?
Mit dem hier können sie auch ihre Schellacks brennen.
Ich habe keine Schellacks.
Für einen Laien ist das nicht so einfach zu verstehen.
Na gut, sage ich. Dann lass ich das.
Ich sehe, dass er bereut, das mit dem Laien gesagt zu haben.
Ich muss meinen Kollegen fragen.
Und weg ist er.
Ich gehe schnell zum Regal mit den Druckerpatronen und schnappe mir eine.
Nun stehe ich zehn Minuten an der Kassa. Weit und breit kein Fachmann. Die flirtende Kollegin ist auch nicht zu sehen.
Der dickliche Herr vor mir trommelt mit den Fingern auf dem Tresen.
Mir fällt ein, dass ich vergessen habe, die Parkuhr zu stellen.
Der Satz – Geiz ist geil – kommt mir in den Sinn. Ich lasse die Druckerpatrone liegen, verlasse das Geschäft.
Den Brief, den ich eigentlich tippen wollte, werde ich heut Abend wohl mit der Hand schreiben.

you are what you eat


I've read that schools in England are jumping on the Jamie Oliver bandwagon and chucking out the turkey twizzlers in favour of healthier school dinners.

I was truly shocked when I first entered the dining hall at the Secondary Modern School in North London, where I was working four years ago.
Crammed with thousand students, all looking like penguins in their black uniforms and white collars, the ladies serving behind the counter looking like surgeons in their funny hats they were wearing.
The menu offered pizza, spaghetti with tomato sauce, french fries, chicken nuggets, hot dogs, sausages, burgers.
Never before have I seen such weird combination as pizza with fries, spaghetti on toast, burgers and spaghetti.
There were offered a few salads – and they were the same every day.
Beetroot, lettuce, tomatoes, beans, sweet corn – and all without any salad dressing. No vinegar, olive oil, herbs or anything.
The healthiest thing one could eat was a jacket potato with filling – either tuna, cottage cheese, grated cheese or baked beans.
There was one basket with apples, pears and bananas. But hardly ever did I see any student pick one of these.
For dessert they had jelly pudding, custard, cake with ice coating or chocolate or sweet yoghurt. And they had soft drinks, mostly coke, from the vending machines. When I asked the headteacher why they were allowed in a school, I was told that the salary of two teachers for one year could be paid because of the money they made from these machines. I was shocked.
I am not mentioning how much litter there was at the end of a school-day.
I was brave at the beginning, eating a jacket potato with fresh cheese and as a dessert a piece of fruit.
But I just got fed up after two weeks and took my lunch break with me from home.
The reason for this was also the size of the room. Far too small for such a huge crowd and as a teacher you had to box your way through to get anything to eat.
It was noisy and smelly (esp. in winter) and you were sitting on a tiny desk your neighbour’s elbows in your sides.
One could write a lot about the English “cuisine”.
It is just strange. Even the names are.
Believe it or not – a “spotted dick” is not a sexually transmitted disease, but a desert. And a “toad in a hole” is far from being a slimy creature but sausages in sort of batter.
English desserts are wonderful, though. I love trifles – and the lemon tarts are a treat.
But I do enjoy the Indian and Chinese takeaways.
And if you stay in England long enough and you are lucky to live in a family where traditional cooking is done, you start liking the Sunday roasts with three vegetables, you get used to the salads without vinegar and oil and you absolutlely love the sandwiches and crumpets soaked with butter.
But you will always miss the crusty brown bread, the freshly made salad with balsamico vinegar, garlic, herbs and styrian pumpkin oil.

So Jamie Oliver is doing a good job in the school kitchens –
but will they really be enough to bring about long-lasting change?
Families will have to change their eating habits, too.
As long as kids do not learn what broccoli is or how a fresh carrot tastes at an early age, nothing will change at all.
And, schools need to spend more money for dinners and – above all, forbid the installing of vending machines.

If Lord Nelson had not won the Battle of Trafalgar, you all would have better food and not just one brand of gravy for each meal.

Mittwoch, Februar 08, 2006

keimzeit


Lass' dich mit deinen Tränen nicht von der Sonne erwischen.
Schenk' sie mit einen Schluchz dem Wind.
Wollen wir, wenn du willst,
mit meinen Glasperlen spielen?
Wenn du lachst,
dann werd' ich freiwillig verlieren.

Keimzeit - "Trauriges Kind"

Dienstag, Februar 07, 2006

nicht wirklich

ich


ich bin
morgens verschlafen
schnell im denken
ungeduldig

ich esse
selten schokolade
gerne am abend
manchmal zu schnell
gerne indisch

ich gehe
ungern einkaufen
zu spät ins bett
meistens schnell

ich stehe
gern spät auf
manchmal daneben
auf eigenen beinen

ich lese
die zeitung von hinten
das ende eines buches
schnell

ich sehe
die kleinigkeiten
über manches hinweg
oft in den spiegel
anderen in die augen

ich rieche
regen in der luft
an seifen
gut

ich vergesse
zahlen
selten geburtstage
manchmal zu essen
das licht im bad abzudrehen

ich erinnere
mich an meinen opa
meine söhne an geburtstage
mich an den bösen mathe-lehrer
mich an meine kindheit

ich finde
mich okay
meine beine schön
oft meinen schlüssel nicht
meinen mund zu schmal

ich lache
manchmal im unpassenden moment
über subtilen witz
zu laut

ich beobachte
andere genau
die vögel am futterhaus
die ziehenden wolken

ich schreibe
mails
regelmäßg an freunde
selten briefe
seit neuestem blog
schnell
unregelmäßig
mit den zehen im sand

ich lasse
mich manchmal gehen
mich gern bedienen
nicht locker

ich rede
zu viel
zu oft
anderen nicht drein
manchmal mit mir selst

ich denke
zu viel
an den frühling
nicht sondern handle

ich fühle
mich verletzlich
mich stark
mich gut
mit anderen

ich schlafe
oft spät ein
gern lang
vor dem fernseher
gern bei offenem fenster
am liebsten mit jemandem ein
im winter mit socken

ich liebe
england
mousse au chocolat
zu intensiv
das meer

ich würde gerne
um die welt reisen
tango tanzen
fliegen können
manchmal unsichtbar sein

Montag, Februar 06, 2006

konferenz


unsere konferenzen laufen immer nach demselben schema ab.
wir beginnen um 16.15 und kurz nach der begrüßung sagt der direktor - heute müssen wir uns beeilen, damit wir spätestens um halb sieben fertig sind.
heute waren wir nur zweieinhalb stunden drüber.
wenn ich manchmal versuche, das fenster zu kippen - es sitzen schließlich fünfzig lehrer im raum, ruft sofort einer "zu, es zieht, ich vertrag das im kreuz nicht".
es ist ein kreuz mit den konferenzen. diskutiert wird über verschiedenes. heute zwanzig minuten lang, ob wir den fototermin für das lehrerkollegium am freitag in der großen pause oder doch lieber am freitag vor der großen pause oder aber erst am freitag nach der großen pause ansetzen sollen.
wir setzten ihn auf freitag in einer woche zwischen den großen pausen an.
der höhepunkt der heutigen konferenz war, ob wir den titel pädipl gemeinsam oder jeder für sich beantragen sollen. andere schulen machen das in einem arbeitsgang. ein gruppenformular ausgefüllt, von der direktion bestätigt und schon sind wir alle diplomiert.
der gertraudimarkt war auch ein thema, das im mittelpunkt stand. geht die klasse gemeinsam mit dem klassenvorstand dorthin? oder endet der unterricht um 14 uhr und gehen die kinder danach allein hin? das geht nicht, die busse fahren um 14 uhr. also muss der unterricht um 13 uhr schließen, sodass die schüler dem fest der heiligen gertraud bei zuckerwatte, türkischem honig und kokosbusserln huldigen können. irgendwie ungerecht für den lehrer, der an dem nachmittag unterrichtsfrei hat. er muss, falls er der tradition der ortsheiligen verbunden ist, in seiner freizeit seine fleischkrapfen essen und so der heiligen gertraud seine ehrerbietung aufwarten.
als die schadstoffkonzentration im raum bereits einen bedenklichen punkt erreichte, gab es nur mehr acht meldungen zum thema "allfälliges". die wichtigste dieser meldungen war der termin für die nächste konferenz. sie findet heute in einer woche statt und dauert maximal bis achtzehn uhr. eigentlich hätte ich vorgehabt, in der nächsten konferenz die englisch-aufsätze der vierten klasse zu korrigieren. aber das wird sich nicht lohnen. ich werde die kurze zeit nützen, mich zu entspannen, den ausführungen des direktors und den wortmeldungen meiner kollegen zu lauschen. es kann gut sein, dass ich mich beim punkt "allfälliges" zu wort melde und sage, dass in meiner alten schule am tag des ortsheiligen unterrichtsfrei war.

Sonntag, Februar 05, 2006

die entdeckung der langsamkeit


Manchmal packt mich die süße Lust.
Wenn Schokolade, dann Zotter .
Die Entdeckung der Langsamkeit beim Schokolade essen.
Ein kleines Stück abbrechen, in den Mund schieben, Augen schließen und nur schmecken, fühlen, lutschen. Ganz langsam zergehen lassen auf der Zunge. Eigentlich zwischen Zunge und Gaumen. Deine Zähne brauchst du fast nie beim Schokolade essen. Es gibt diese weiße Schokolade mit Krokant. Die kleinen Krokantstückchen darfst du am Ende dann zerbeißen.
Am Anfang fühlt sich die Schokolade kühl an in deinem Mund, aber schon nach kurzer Zeit, wenn die äußere Hülle geschmolzen ist – sweet sensations!
Like an oral orgasm.
Die Zimt-Apfel Schokolade erinnert mich an die Bratäpfel-Abende vor Weihnachten bei meiner Oma.
Die Vogelbeer-Schokolade erinnert mich an meinen Großvater, der, wenn ich einen verdorbenen Magen hatte, die Flasche „Selberbrenntn“ aus dem Schrank holte und mir immer einen Schluck davon gab. Das ist Medizin, sagte er.
Die Scotch Whisky „Single Malt“ erinnert mich an die distillery in Midleton, Cork, als wir nach der Tour ein Glas Jameson bekamen. Das war zwar weder Single Malt noch schottischer Whisky.
Doch die Schokolade schmeckt nach dieser distillery.
Ich habe noch lange nicht alle Sorten durchprobiert.
Und das ist gut so.
Zotter Schokolade ist nicht für jeden Tag.
Zotter Schokolade gibt es nicht in jedem Supermarkt.
Hier gibt es sie nur in Hubers Laden, ein winziges Geschäft im Nachbardorf.
Und es gab sie vor Weihnachten am Adventmarkt.
Zu Hubers Laden fahre ich erst wieder, wenn der Schnee weg ist. Mit dem Fahrrad.
Und das dauert noch ziemlich lange.
Als nächstes probiere ich Kürbiskern-Trüffel und Schwarzbier mit Wildreis.
Oder doch Orangen mit Grand Marnier und Moosbeer-Thymian?

the grass is always greener on the other side of the river

Ich bekomm schon wieder leichte Entzugserscheinungen.
Vielleicht deswegen, weil ein Bekannter von mir grad rüber geflogen ist.
Ich vermisse die Sprache. Nicht, dass mir die deutsche Sprache nicht gefiele.
Es gibt einige Wörter, die ich wirklich in mein Herz geschlossen habe.
Aber das Englische, ich weiß nicht, warum das so ist – das Englische geht mir einfach leichter von der Lippe. Meine Stimme klingt anders. Die Sprache ist femininer als die unsrige.
Ein Engländer sagte mir mal –I feel so manly when I talk German. Sein German war übrigens ungewöhnlich gut.
Well, I feel so female when I talk English.
Wenn du Englisch sprichst, kannst du die Satzmelodie viel besser auskosten als im deutschen.
Allein der Satz – The weather is gorgeous today, isn’t it, my dear? Klingt auf Deutsch einfach blöd.
Es ist eigenartig, ich nehme den Engländern ihren small talk nicht übel.
Wenn dich jemand fragt, How was your weekend, dear?, weißt du sowieso sofort, dass es ihn nicht interessiert, aber du lächelst und antwortest, It was wonderful, thanks.
Hier fragt kein Mensch am Montagmorgen wie dein Wochenende war.
Außerdem würde mich das nerven. Am Montagmorgen will ich nicht an das vergangene Wochenende erinnert werden.
Ich vermisse BBC and ITV.
Iich vermisse Room 101, Parkinson, Have You Got News For Me, Never Mind the Buzzcocks and The Office .
Ich vermisse das local pub und das Guinness with dry roasted.
Ich vermisse die Question tags. It’s not cold today, is it? John’s a great bloke, isn’t he?
Ich vermisse die crumpets and salted butter.
Ich vermisse Talk Radio.
ich vermisse die Car Boot Sales.
Am wenigsten vermisse ich die English bathrooms with their dripping powershowers and carpeted floors.
Ich vermisse auch nicht, dass die Engländer ständig um den heißen Brei reden, niemals auf den Punkt kommen und glauben, jedes Problem könne man mit einer cuppa lösen.
Ich vermisse auch nicht das endlose queuing up in stores, bus-stops und an ticket offices und die art der Engländer, Dinge einfach so hinzunehmen wie sie sind.
Als ich in England lebte, vermisste ich unsere gemütlichen Kaffeehäuser, the easy-going life, Schwarzbrot, mein Bett (I wonder why the English race has not died out yet – how can one make a baby in such a soft bed? – They probably make their babies on the bathroom carpets), den gemischten Salat im Restaurant und das “Griaß di, Frau Lehra“, wenn ich durch unser Dorf gehe.
Es ist egal, wo du lebst.
Irgendwas passt niemals, irgendwas stört dich immer, irgendwas willst du immer anders, irgendwas fehlt immer, irgendwas vermisst du immer.
In meiner unmittelbaren Nachbarschaft leben Engländer.
Was sie wohl vermissen?
Ich hätte schon einige Male versucht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen – in English, of course. But they are not really interested. Deutsch können sie nicht. Warum auch. Es versteht sowieso jeder Englisch hier. Mehr oder weniger.
Ich muss mich darum kümmern, dass ich wenigstens BBC Prime bekomme.
Ein schlechter Ersatz. Aber besser als nichts.
So dass ich wenigsten ein wenig weiß, was vorgeht auf der Insel.
Ich sollte zu Ostern statt nach Florenz auf die Isle of Wight fahren.
I feel so special when I enter the King’s House in Sandown after a year and the barman asks me, Hi there, love, half a Guinness as usual?
The Brits are true sweeties, aren’t they?

Freitag, Februar 03, 2006

just so sad

Manchmal blicke ich in das Gesicht eines Kindes und sehe nur Traurigkeit


Sie kommt mir entgegen, in ihren hautengen Jeans, der Bauch frei.
Sie schwankt, droht umzufallen.
Sie geht in die vierte Klasse.
Ich bin grad auf dem Weg, für die Gruppe, die ich betreue, heißen Tee zu holen.
Ich schnappe sie, lege sie auf die Bank vor dem Schulgebäude.
Hebe ihre Beine hoch.
Die Startnummer ist verrutscht. Bist du schon gelaufen?
Ja, wir haben uns aufgewärmt. Danach wurde mir schwindlig.
Was hast du gegessen?
Nichts, sagt sie.
Sie habe Probleme mit dem Kreislauf, ihr wird immer leicht schlecht.
Ich frage mich, wie es möglich ist, dass eine Mutter ihr Kind mit nichts im Magen und so gekleidet zum Langlaufbewerb schickt?
Ich rufe dieMutter an.
Sie hat keine Ahnung, dass heute dieser Bewerb ist.
Sie weiß nicht, dass ihre Tochter nicht gefrühstückt hat.
Sie will sie sofort abholen.
Und ihr die Kreislauftropfen mitbringen.
Ich sage, dass ihre Tochter mit dem Bus wie gewohnt heimkommen wird, dass sie ein Frühstück bekommt und sich in der Bücherei ausruhen wird.


Tropfen anstatt eines Frühstücks.
In was für einer Welt leben wir nur?



Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie Euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht Eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein; aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein.
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran

Donnerstag, Februar 02, 2006

schirennen


Wie nicht anders zu erwarten, funktionierte alles wie am Schnürchen.
In vier Stunden hatten alle vierhundert Schüler das Rennen hinter sich.
Im vorigen Jahr dauerte es eineinhalb Stunden länger, da es minus 20 Grad hatte und die Zeitnehmung ständig streikte.
Ich machte mich mit Schaufel und den vier Torstangen auf den Weg nach unten.
Vor mir rutschte mein Kollege nur mit den Schischuhen hinunter, schwer beladen mit den Torstangen. Seine Bindung war gebrochen.
Einige Schüler waren gestürzt, unter ihnen der Nachwuchsrennläufer, dessen Vater zuvor die Piste herunterrutschte, um die kleinen Schneehäufchen, die sich in den Toren angesammelt hatten, zu beseitigen. Das ist so üblich. Die besonders ehrgeizigen Eltern sind bei jedem Rennen ihres Sprösslings dabei.
Bei Tor elf vor der Kurve am Steilhang war Nachwuchsrennläufer zu schnell, verkantete sich und sauste in die Absperrung.
Vater und Sohn weinten.
Der Sturz sah schlimm aus, aber er war nicht verletzt, nur sein Hinterteil hatte er sich angeschlagen.
Es war ein schöner Tag.
Im tal unten war es kalt gewesen am Morgen. Oben um einiges wärmer, und als die Sonne endlich hinter dem berg hervorkam, merkte man, dass der Frühling nicht mehr weit ist.
Danach vor der Hütte bei einem weißen G’spritzten, der meine Zunge locker machte, weil ich nichts gegessen hatte.
Der Gast aus Deutschland mit seinem personal coach ganz in rot, kam immer wieder vorbei, um einen Schluck zu nehmen. Die Einheimischen, die am Tisch saßen, erzählten, er sei stinkreich und betreibe einen Bordeaux-Weinhandel. Ob ich nicht zur nächsten Weinverkostung mitkommen wolle.
Die beiden Holzhändler jammerten ob der schlechten Auftragslage. Der eine, dessen Tochter in meiner Klasse ist, telefonierte immer wieder mit einem Italiener. Ob ich auch Italienisch könne, fragte er. Nur einige Brocken, sagte ich. Er erzählte, dass er ein halbes Jahr in Florenz gelebt hatte um die Sprache zu lernen.
Einige Kollegen saßen am anderen Tisch beisammen und besprachen den Langlaufbewerb für morgen.
Als die Sonne hinter dem berg verschwand, schnallte ich mir die Schi an und fuhr, leicht beschwingt, den Hang hinunter.
Nun ist mein Gesicht aufgeheizt von der Sonne und ich bin angenehm müde.
Der morgige Tag wird wieder ein Sonnentag und gemütlich. Meine Aufgabe ist es, eine Gruppe von Schülern zu betreuen, ihnen die Startnummern auszuteilen, sie anzufeuern und mit Wurstsemmeln und Tee zu versorgen.
Das Wochenende steht also heute schon vor der Tür.

Mittwoch, Februar 01, 2006

lessons in teamwork



What can men learn from geese?
Teamwork.

As each goose flaps its wings, it creates uplift for the birds that follow. By flying in a “V” formation, the entire flock adds 71% greater flying range than if each bird flew alone.

Lesson:
People who share a common direction and sense of synergy can get where they are going quicker and easier, because they are travelling on the trust of one another.

When a goose falls out of formation, it suddenly feels the drag and resistance of flying alone. It quickly moves back into formation to take advantage of the lifting power of the bird immediately in front of it.

Lesson:
If we had as much sense as a goose, we would stay in formation with those headed where we want to go. We would be willing to accept their help and to give help to others.

When the lead goose tires, it rotates back into the formation and another goose flies to the point position.

Lesson: It pays to take turns doing the hard tasks and sharing leadership. As with geese, people are interdependent on each other’s skills and capabilities, and unique arrangements of gifts, talents or resources.

The geese flying in formation honk to encourage those in front to keep up their speed.

Lesson:
We need to make sure our honking is encouraging. In groups where there is encouragement the production is greater. The power of encouragement (to stand by one’s core values and encourage the spirit of others) is the quality of honking we seek.

When a goose gets sick or wounded, two geese drop out of formation and follow it down to help protect it. They stay with it until it is able to fly again. Then they launch out together with another formation or catch up with the flock.

Lesson:
If we had as much sense as geese did, we would stand by each other in difficult times as well as when we are strong.



Der Zug der Wildgänse

Was können Menschen von Wildgänsen lernen?
Antwort:
Teamgeist

Jedes Frühjahr und jeden Herbst sehen wir die pfeilförmigen Flugformationen der Wildgänse am Himmel.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jeder Flügelschlag Aufwind schafft, den der nachfolgende Vogel nutzt. Wenn Gänse in Formationen fliegen, vergrößert sich ihre Flugleistung im Vergleich zur Reichweite eines einzelnen Vogels um mehr als siebzig Prozent.

Daraus resultiert Lektion Nummer eins:
Menschen, die das gleiche Ziel haben, erreichen dies schneller und leichter, wenn sie sich gegenseitig nach Kräften unterstützen.

Wann immer eine Wildgans die Formation verlässt, spürt sie den erhöhten Luftwiderstand und kehrt sofort in die Formation zurück, um die Aufwinde der vor ihr fliegenden Vögel zu nutzen.

Daraus resultiert Lektion Nummer zwei:
Wie die Wildgänse, so sollen auch wir mit den Menschen zusammenarbeiten, die das gleiche Ziel wie wir selbst verfolgen.

Wenn eine an der Spitze der Formation fliegende Wildgans müde wird, lässt sie sich an das Ende zurückfallen, während die unmittelbar hinter ihr fliegende Gans die Führung übernimmt.

Daraus resultiert Lektion Nummer drei:
Bei schwierigen Aufgaben sollen Höchstbelastungen zwischen den Mitgliedern des Teams wechseln. Wildgänse, die in der Formation hinten fliegen, schreien, um die vorne fliegenden Vögel anzufeuern.

Daraus resultiert Lektion Nummer vier: Immer darauf achten, was wir den Leistungsträgern des Teams zur Motivation von den hinteren Reihen aus zurufen. Ihre Leistung ist unsere Leistung. Wenn eine Wildgans erkrankt oder von der Kugel eines Jägers getroffen wird, verlassen zwei gesunde Vögel die Formation, um dem Schwachen zu helfen. Sie bleiben bei ihrem Artgenossen, bis der sich entweder erholt oder verendet.

Dann fliegen sie entweder zu zweit oder zu dritt zurück zu ihrer Formation. Ist das nicht möglich, schließen sie sich einer anderen Formation an, um Anschluss an ihre Gruppe zu finden.

Daraus resultiert die fünfte und letzte Lektion:
Die Mitglieder des Teams stehen füreinander ein.
Zumindest dann, wenn sie soviel Verstand haben wie Wildgänse.


Source: Unknown

last winter in spain


Mein spanisch hält sich in grenzen. Die anzahl der wörter, die ich beherrsche, lässt sich an einer hand abzählen – paella, torero, tortilla. wie lächerlich, als tourist den kellner mit buenas tardes zu begrüßen und als antwort in reinstem hessisch zu hören, ob man den cappuccino mit milchschaum oder schlagsahne will.
Heute morgen ergab sich die wundersame gelegenheit, dass ich ein spanisches wort sagte ohne es zu übersetzen. Das besondere daran war, dass ich dieses wort mit all meinen emotionen verwendete. Ich rief es laut aus, wiederholte es mehrmals mit inbrunst – mein herz schlug bis zum hals. Die wirkliche bedeutung dieses wortes, das ich schon so viele jahre kannte, war mir bis zu diesem augenblick nicht bewusst gewesen. Es war ein wort so wie jedes andere, doch plötzlich bekam dieses wort ein eigenleben, eine wirkliche bedeutung.
Ich verwendete dieses wort genau in dem augenblick, als ich von der spanischen putzfrau mit energischem klopfen geweckt wurde. Mit besen, putzlappen und frischen handtüchern ausgestattet, stand sie in der tür, lachend und singend. Obwohl schlaftrunken und noch nicht frau meiner sinne, kam mir als erster gedanke dieses wort in den sinn. Ich zeigte in die ecke des küchenblockes und rief „cucaracha!“. „Oh, cucaracha!“ die putzfrau lächelte strahlend und begann sofort dieses lied zu singen, das wir schon in der schule gelernt hatten.
„si, tres cucarachas, letzte nacht!“ wiederholte ich und streckte ihr drei finger entgegen um ihr den ernst der lage verständlich zu machen. „Oh, tres!“ antwortete sie und fuchtelte mit dem putzlappen vor meinem gesicht herum. Sie fing an zu kehren und ich gab ihr zu verstehen, sie solle das lassen, ich mache das selbst. Ich nahm ihr den besen aus der hand und zeigte ihr, wie ich die cucarachas getötet hatte. Sie lachte noch immer und ich sagte ihr, sie solle nur diese drei cucharas entfernen, mehr nicht. „Si, si, senora“. Sie dachte wohl, was macht dieses weib nur für aufhebens wegen dieser paar insekten. Kurzerhand schnappte sie die untiere, holte eine spraydose insektenvertilgungsmittel aus dem schrank, besprühte, noch bevor ich ein wort sagen konnte, die ganze küche damit, den boden, stimmte wiederum dieses lied an und legte frische handtücher bereit.
Ich hätte ihr gerne genauer erzählt, wie ich den cucarachas den garaus gemacht hatte. Mit dem besen in die ecke gedrängt und zerquetscht. Ein gutes gefühl hatte ich nicht gehabt dabei, diese lebewesen so grausam zu töten. Sie waren schnell und gaben nicht sofort auf. Sie zuckten noch obwohl ihre gliedmaßen nicht mehr am körper waren. Ich kam mir wirklich grausam vor. Außerdem fiel mir ständig dieses lied „la cucaracha“ ein. Cockroach, küchenschabe. Die ersten küchenschaben meines lebens. Und ermordete sie. Kurzerhand, ohne nachzudenken.
La cucaracha ist DAS spanische wort, das jeder kennt. So wie nastrowje, smörrebrod, paparazzi, baguette.
Hat dies eine besondere bedeutung?
Ist spanien ein land der küchenschaben?
Als ich nach einer halben stunde mein apartment verließ, hörte ich die putzfrau in der ferne „la cucaracha“ singen. Die melodie geht mir seitdem nicht mehr aus dem kopf.