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Sonntag, Oktober 31, 2010

bleib!


Es ging schon besser.

Was?

Die Sache mit dem Hund.


Welcher Hund?

Na, die Maddie. Hab sie erzogen. Gestern Nacht.


In einer Nacht kann man keinen Hund erziehen.

Ich schon. Um drei Uhr früh hat sie gekotzt.


Klar, du hast sie überfordert.

Kann sein. Vielleicht waren es auch die Leckerlis. Eine ganze Packung ging drauf. Sonst hätt ich das nicht geschafft mit dem Erziehen. Nun bleibt sie im Körberl sitzen wenn ich sag: Bleib.


Toll. Und sie hängt nicht aus dem Körberl raus?

Wie raushängen?


Sag bloß, Amadea, du weißt das nicht mehr. Das mit dem Fahrrad.

Ach das. Schon lang her.
Das war im Sommer.

Da hing sie neben dem Radl, gell?

Aber nur kurz. Ich ließ sie dann neben mir herlaufen, sodass sie müde wurde. Dann blieb sie wieder brav hinten im Fahrradkorb sitzen. Und die Ohren wehten im Fahrtwind.


Du hast schon eigenartige Erziehungsmaßnahmen.

Aber wirksame. Gib’s zu. Könntest du in einer Nacht einen Hund erziehen? Niemals. Du schaffst das nicht mal in zehn Jahren. Schau mal deine Kinder an.


Meine Kinder? Also hör mal, die sind gut erzogen.

Lassen wir das.

Ich ging dann noch mit ihr spazieren. Nachdem sie gekotzt hat. Um drei in der Früh. Dafür hamma dann bis neun geschlafen. Maddie im Körberl, ich im Bett. Okay, ab fünf Maddie auch im Bett.

Na toll. Ich sag nun nichts.

Und heut in der Früh, stell dir vor, so peinlich. Direkt am Weg liegt da ein Hundswürschtl. Und just in dem Moment kommt die Nachbarin vorbei. Und dann sagte ich, wie verantwortungslos das doch sei, dass die Hundebesitzer ihre Hunde mitten auf dem Weg ihr Würschterl machen lassen. Und dann meint jeder, ich sei es. Nur weil ich einen Tag den Hund da hab.


Eine Frechheit.

Dann fiel mir aber was ein.


Was?

Das mit dem Würschtl. Ich glaub, das war doch die Maddie. In der Früh um drei. Hunde sehen ja nicht gut. Da kann das schon passieren, gell? Sogar Menschen passiert, dass da was daneben geht am Klo wenn’s finster ist.


Ich sag nun nichts.

Besser so.

Edi, zwei Verlängerte.

Und für mich einen Hotdog.

Mittwoch, Jänner 27, 2010

Yes, I can


Warum probieren wir immer wieder, eine Fliege zu fangen oder zu erschlagen obwohl wir es fast nie schaffen?
Vielleicht wollen wir uns mit ihr messen.
Wir, die wir ja so viel weiter sind in der Evolution und am Ende der Futterkette.

Auch beim Fischen zeigen wir, dass wir stärker sind und es für uns ein Leichtes ist, einen Fisch zu fangen.
Eigentlich gemein.
Fische dringen nicht in unsere Privatsphäre, nerven uns nicht mit Herumschwimmen und halten sich nicht in unserer Wohnung auf. Fische kennen ihre Grenzen.

Ganz anders die Fliegen.
Eine Fliege zeigt dir mit Genuss, dass sie dir überlegen ist. Sie saust dir um den Kopf wie Batman, ändert ständig ihre Geschwindigkeit, sitzt da, wo sie nicht sitzen darf und vollführt waghalsige Loopings. Sie dreht sich in der Luft blitzschnell um ihre eigene Achse, saust rauf zur Decke, wieder herunter wie ein Superbomber und landet elegant auf deiner Hand, dem Stück Obst oder deinem Frühstückssemmerl.
Und jedes Mal wieder, wenn eine Fliege in deiner Wohnung herummsurrt, nimmst du ihn auf, den Kampf. Den Kampf gegen die Fliegen.
Es ist ein Kampf, der nie enden wird. Nicht in einem Jahr, noch in zehn Jahren. Und jedes Mal nimmst du ihn auf, den Kampf. Jedes Mal von neuem. Mit frischem Schwung und Elan. Du bist kein Feigling, du stellst dich der Herausforderung.
Merke: Das wichtigste in diesem Kampf ist Strategie.
Lass es mich dir erklären:
Ich hatte einmal, vor Jahren, eine ganze Armee Fliegen in meiner Wohnung. Vom nahe gelegenen Bauernhof. Nicht, dass es nun keine Bauernhöfe mehr gäbe in meiner Umgebung. Es gibt genügende. Mehr als. Aber nicht mehr direkt neben mir. Ich versuchte sie zu fangen, die Fliegen, der Reihe nach. Immer wieder mal eine. Es war aussichtslos. Es war nur ärgerlich. Es war eigentlich mehr. Es war aussichtslos. Weil für jede Fliege, die ich fing oder erschlug, kamen zwei oder drei neue herein. Beim Fenster. In der Nachhut – so nennt man das doch – nicht wahr - lauerten tausende andere Fliegen - eine richtige Fliegenarmee.
Ich musste also zum Nachbarn gehen und dort alle Fliegen vernichten. Das war mein Plan. Ein genialer Plan.
Mit einem Teppichvorleger machte ich mich auf den Weg. Habe ich Hugo, den Hofhund, erwähnt? Egal, er bellte ohnehin zu laut und zu viel.
Ich kam nur bis zur Haustür.
Vermutlich hat der Bauer den Hugo doch recht gern gehabt.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf die Fliegen in meiner Wohnung zu konzentrieren.
Ich begann mit der gewaltfreien Lösung. Ich verhandelte mit den Fliegen. Ich bot ihnen an, einen Teller mit Essen bereitzustellen wenn sie dafür alles andere in Ruhe lassen würden.
Vorerst schien es, als ob sich sich an mein Friedensangebot halten würden. Aber schon nach einem Tag war wieder alles wie zuvor.
Sie flogen nach wie vor herum, surrten und summten und setzten sich nach wie vor auf mein Frühstück.

Danach versuchte ich, sie zu domestizieren. Jahrelang. Ich versuchte, sie zu erziehen, ihnen beizubringen, wie man sich richtig verhält. Es gelang mir nicht. Ich sage nicht generell, dass man Fliegen nicht erziehen kann. Nein, ich bin vermutlich nur ungeeignet.
Ich hatte schon Probleme mit meinen Söhnen. Die Erziehung der Söhne gelang nur mit Hilfe meines Exmannes, der ausgezeichnete erzieherische Qualitäten besitzt.
Aber da er sich weigerte, die Fliegen mit zu erziehen, war ich auf verlorenem Posten. Es ist zu viel für mich.

Ich kam zur Einsicht, dass nur rohe Gewalt hilft. Und Fliegenklatschen. Fliegenklatschen sind die beste Waffe. Eine Fliegenklatsche ist wunderbar. Nur finde ich sie nie. Ich verlege sie ständig. Auch wenn ich mehr als eine habe, verlege ich die.
Vermutlich versteckee ich sie, weil sie ausgesprochen hässlich sind. Unbewusst. Wir tun ja so viel unbewusst. Das meiste. Eine Frau Psycho sagte mir mal, dass unser Unbewusstes geistig auf der Stufe eines Sechsjährigen steht. Meines ist sicher erst vier.
Egal. Jedenfalls sind sie nicht auffindbar, die Klatschen. Sie sind ohnehin unhygienisch.
Meine Lieblingswaffe sind Geschirrtücher. Geschirrtücher werden in Nullkommajosef zur Fliegenmassenvernichtungswaffe. Falls du sie richtig handhaben kannst. Du musst sie rollen. Ordentlich und fest zusammen rollen. Ich habe da immer ein kleines Problem. Sobald ich aushole, ist es aus mit der Rolle. Das Geschirrtuch hat sich entrollt. Und die Fliege lacht mich aus wenn sie sieht, wie ich mit dem Geschirrtüchl durch die Luft wachle.

Aber was schreibe ich da nur?
Weit und breit keine Fliege hier in der Wohnung.
Und warum? Weil Winter ist. Weil es kalt ist. Und die Fliege mag die Kälte nicht. Aber es wird wieder warm werden. So schnell nicht, aber irgendwann bestimmt.
Und dann will ich vorbereitet sein.

Und weißt du, was ich mir überlegt habe? Was ganz Neues. Was noch nie da Gewesenes. Etwas, das ich noch nie gemacht habe. Gestern bin ich draufgekommen. Ich such mir ein neues Hobby. Ja, genau. Ein Hobby, das nicht nur lustig, sondern auch gleichzeitig nützlich ist. Ein fliegenvernichtendes Hobby.
Das gibt es nicht, sagst du?
Klar gibt es das: Fliegenfischen!

PS:
Während des Schreiben dieses Textes kam es zu keinen Verletztungen von Lebewesen. Nicht einmal von Fliegen.
Aber diese eine da, diese da, die schon seit Ende August herumschwirrt, die erwisch ich heut. Egal wie.
Was der Obama kann, kann ich auch.
YES, I CAN !

Sonntag, Mai 04, 2008

animal farm


Meine Cousine sagte letzte Woche zu mir: Ich bin mir sicher, wir würden kein Fleisch essen, könnten wir mit den Tieren reden.
Das kann gut sein, sagte ich. Es würde vermutlich davon abhängen, welcher Art die Gespräche sind.
Stell dir vor, Eva, sagte ich, du sitzt am Tisch mit einem Hühnerpärchen, das du gut kennst. Und ihr redet von diesem und jenem.
So ein Sauwetter. Bin gespannt, wann es endlich warm wird. Und – Wir waren zu Ostern auf den Kanaren, aber wir wissen noch nicht, wohin wir im Sommer fahren werden – sagen die beiden. Diese Art von Smalltalk.
Und stell dir vor, ihr bestellt und nach einiger Zeit kommt das Essen, und gleichzeitig bestellt ihr eine Flasche Wein und dann noch eine und vielleicht noch einen kleinen Schnaps. Und nach und nach wird das Gespräch lebhafter und intensiver. Herr Hahn und Frau Henne sind sehr gebildet und an vielem interessiert. Sie lesen beide die rosarote Zeitung und Herr Hahn studiert jeden Morgen die Börsenkurse und Frau Henne kennt sich mit Kunst aus. Ihr redet über das Weltgeschehen und nach kurzer Zeit und reichlichem Alkoholkonsum wird das Gespräch philosophisch und es fallen Namen wie Hegel und Wittgenstein und es dauert nicht lange, da redet ihr über Massentierhaltung von Schweinen, Hühnern und Kühen. Und auf einmal, irgendwann, mitten im Gespräch, hast du diesen Gedanken.
Diesen wahnsinnigen, abscheulichen Gedanken: Ich könnte die beiden nun mit nach Hause nehmen, ihnen den Kragen umdrehen, sie rupfen, ausnehmen, zerlegen und braten, sie langsam rösten, mit Knoblauch, Kräutersalz und etwas Zitronensaft und sie danach essen, gemeinsam mit Rosmarinkartoffeln und einem grünen Salat. Aber nein, das geht doch nicht, denkst du und du denkst schnell an etwas anderes.
Ich kann doch diese beiden da nicht essen. So klug, so witzig wie die sind. Niemals kann ich die essen. Niemals in meinem Leben.
Und ich verabschiede mich und gehe schnell nach Hause. Ich bin ganz durcheinander und schlafe lange nicht ein.
Am nächsten Tag bin ich blau, aber der Alltag ruft und vergesse das alles und in der Mittagspause gehe ich mit einer Kollegin essen und sie bestellt sich gebratene Hühnerbrust im Salatbett und da fällt mir alles wieder ein.
Dieser Traum, den ich hatte, und ich will schon fast sagen: Du kannst das nicht essen!
Aber ich sage nichts, die hält mich dann für komplett verrückt und ich bestelle einen Salat.
Ich erzähle ihr, dass ich in letzter Zeit immer so eigenartig träume, aber die Kollegin hört nicht zu.
Das Essen wird serviert, die Kollegin führt gerade die Gabel mit einem Stück Huhn zum Mund.
Und auf einmal höre ich es. Das kann doch nicht sein! Ich höre es ganz deutlich. Ein leises Gackern, ein Wimmern. Ein Schluchzen.
Aber ich höre nicht darauf. Ich habe Angst, verrückt zu sein.
Und dann sagt die Kollegin laut: Gestern war Millionenshow. Hast du geschaut? Ich verneine. Da war diese Frage. Diese Frage nach dem Autor eines Zitates. Hättest du das gewusst? Also, von wem ist folgendes Zitat: "Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher."
Und der Salat bleibt mir im Hals stecken.

Montag, Jänner 28, 2008

edith


Es war einmal eine dumme Eule.
Jeder weiß, dass Eulen weise sind.
Aber Edith, so hieß die Eule, war dumm.
Ich bin dumm, sagte Edith.
Ich habe dich trotzdem lieb, antwortete eine Stimme.
Fast wäre Edith vom Baum gefallen vor lauter Schreck. Da saß sie nämlich gerade.
Woher kommt die Stimme?
Hier bin ich. Hier, direkt hinter dir. Ich bin’s, Erik. Erik war Ediths Freund.
Edith drehte sich um und plötzlich bemerkte sie, dass sie ihren Kopf ganz gedreht hatte. Und nichts war gebrochen.
Super, rief Edith. Schau mal, Erik, ich kann meinen Kopf ganz herumdrehen.
Ja, ich weiß, sagte Erik. Das will ich dir schon jahrelang erzählen. Jahrelang sage ich dir schon, dass du deinen Kopf um hundertachtzig Grad drehen kannst. Mindestens. Aber du kapierst ja nie was, sagte er und klatschte erleichtert in die Flügel.
Edith war so überwältigt von ihrem Können, dass sie drei Nächte hintereinander auf ihrem Lieblingsast verbrachte und nur den Kopf herumdrehte. Die ganze Zeit. Immer wieder und immer wieder. Und nach jeder vollen Drehung seufzte sie glücklich und verdrehte auch noch die Augen.
Ach wie schön es doch ist, dumm zu sein, sagte sie zu sich selbst. Du lernst immer wieder neue, aufregende Dinge.
Sie drehte noch einmal den Kopf und schlief erschöpft aber glücklich ein.

Freitag, September 07, 2007

das schwarze schaf


Nun war es also weiß gestern Morgen. Und es schneite in großen Flocken.
Da hat der Heinz doch recht gehabt und die Schulter von der Hanni auch und dem Sepp sein Kreuz ebenfalls.
Und es schneit wie im Jänner und ich sehe die Kühe da auf der Wiese. Vor meinem Haus. Grantig sind sie. Kein Wunder ist das. Bin ja sogar ich grantig obwohl ich keinen Grund zum Grantigsein habe. Ich sitze in der warmen Wohnung und trinke Kaffee und esse ein Kipferl. Die Kühe stehen auf der kalten Wiese und essen und trinken nichts. Würden sie ohnehin nicht wollen. Sie wollen in den Stall, in den warmen.
Da stehen sie und starren auf die Wiese, die heute weiß ist. Und weit und breit kein Grashalm zu sehen.
Sie sind wahnsinnig grantig heute. Ich sehe das von hier aus.
Es ist kalt und überall ist Schnee.
Ich höre sie fluchen.
Fluchende Kühe klingen bedrohlich. Heute fluchen sie ordentlich. Sie schreien wild Kuhdreck, elendiger und Kruzibauer, verdammter und Misthaufen, depperter.
Sie stampfen mit den Kuhbeinen, rollen die Kuhaugen, wedeln mit dem Kuhschwanz hin und her und vor und zurück und schlenkern das Euter wild herum, dass fast die Milch heraus spritzt. Sie wippen mit dem Kopf auf und ab und hin und her und drehen ihn auf alle Seiten.
Vorige Woche gab es schon große Aufregung auf der Wiese. Da war es noch Sommer. Und noch niemand hat vom Obaschneib’n geredet, sondern nur vom Herbstln. Aber es war noch warm. Es war alles wie immer.
Und auf einmal war nicht mehr alles wie immer.
Eines Tages war alles anders. Weil es kam eine neue Kuh dazu. Eine ausländische. So sah sie auch aus. Vermutlich eine Kuh aus Skandinavien, so blond wie die war. Sie war nicht gefleckt, sie war weißblond. Und das gefiel den anderen Kühen gar nicht.
Arm, diese weißblonde Kuh, wie sie dastand. Ganz allein, inmitten der gaffenden, braun gefleckten, einheimischen Kühe.
Eine weißblonde Kuh inmitten von gefleckten ist wie ein schwarzes Schaf inmitten von weißen. Oder wie eine dumme Gans inmitten von klugen. Oder wie ein faules Schwein inmitten von fleißigen.
Gestern haben die Kühe nicht geflucht. Gestern haben sie geglotzt und getuschelt. Sie haben die weißblonde Kuh ignoriert, sich über sie lustig gemacht. Sie haben sogar einen Blondinenwitz erzählt. Und dann haben sie gelacht. Und die weißblonde Kuh hat ganz traurig geschaut. Ich glaube, sie hat sogar geweint.
Und heute in der Früh ist alles ganz anders. Heute steht die weißblonde Kuh ganz zufrieden da. Die freut sich heute. Weil heute fällt sie nicht auf. Heute ist sie nicht das schwarze Schaf oder die dumme Gans oder das faule Schwein. Heute steht sie da wie eine Göttin und blickt hinauf in den Himmel. Sie beobachtet, wie die Schneeflocken die grüne Wiese in eine weiße Decke verwandeln. Sie freut sich.Je weißer es wird umso mehr freut sie sich.
Sie wird die ganze Nacht da stehen bleiben und sich freuen und die anderen Kühe werden fluchen bis sie müde sind und dann umfallen. Und am Morgen wird der Bauer kommen und die Kühe in den Stall bringen. Und die weißblonde Kuh wird die erste sein. Und sie kann sich dann den schönsten und wärmsten Platz im Stall aussuchen.

Nun ist später Nachmittag.
Die Wiese ist nicht mehr weiß. Sie ist wieder grün.
Die Kühe fluchen nicht mehr, sie grasen wieder.
Alles ist wie immer.
Die weißblonde Kuh ist wieder ein schwarzes Schaf.
Und sie schaut ganz traurig und weint auch ein bisschen.

Dienstag, September 04, 2007

es herbstelt


Morgen schneibt’s oba. Obaschneib’n heißt herunter schneien. Obaschneib’n kann es nur im Spätsommer oder Herbst. Im Winter nicht. Im Winter schneit es einfach. Zwar auch herunter, aber das betonen wir nicht. Weil das ist ganz normal. Falls grad ein Winter ist, in dem es schneit. Letztes Jahr war kein solcher Winter. Da hat es nicht geschneit. Weder herunter noch hinauf noch herunten noch droben. Gar nicht hat es geschneit. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich bin ganz sicher. Morgen kommt der Schnee, sagt Lo. Weil Heinz gräbt sich ein. Der gräbt sich so tief ein, dass ich es fast nicht schaffe, ihn auszugraben.
Nicht nur Heinz spürt, dass der Schnee kommt. Jeder spürt das. Schon Wochen vorher.
Je älter du wirst, umso besser spürst du, wenn, wann und dass der Schnee kommt. Es ist ja kein Wunder, dass der Schnee kommt. Der Herbst ist ja schon fast vorbei. Wenn man den Leuten glaubt.
Weil die Leut sagen schon seit fünf Wochen, dass es herbstelt. Bei uns herbstelt es den ganzen August über.
Kaum ist das Frühjahr vorbeir, herbstelt es schon. Wochenlang hört man den Satz – Es herbstelt schon. Überall hörst du den Satz. Beim Friseur, im Kaffeehaus, an der Tankstelle. Gleich in der Früh hörst du das schon, wenn du Semmeln holen gehst zum Bäcker.
Und da kannst du dann auf keinen Fall widersprechen, niemals. Du musst auf jeden Fall beipflichten, dass es herbselt, aber ganz ordentlich. Auch wenn es mitten im Sommer ist und auch bei der größten Hitze.
Sobald es einen Tag lang regnet im Juli oder August, herbstelt es. Eigentlich herbstelt es ständig im August. Jeden Tag. Egal ob es regnet oder nicht. Seit ungefähr fünf Tagen hat es sich ausgeherbstelt. Jedenfalls reden die Leut’ nun nicht mehr vom Herbsteln sondern vom Owaschneib'n.
Du hast ja keine Ahnung, wie schnell sich das herumredet, dass der Schnee kommt. Da tut der Hanni ihr Kreuz weh und sie erzählt dem Toni beim Einkaufen: Du, Toni, hiaz kimmt boid da Schnee, und schon tut dem Toni sein großer Zeh weh und gleich darauf tut dem Hias die linke Schulter weh und gleichzeitig ist es dem Sepp ins Kreuz geschossen. Und dann kann der Schnee gar nicht anders als kommen.
Und nun gräbt sich Heinz auch noch ein. Heinz, die Schildkröte, die immer noch aussieht wie eine Schildlaus.
Ich dachte mir, er will sich das Leben nehmen, sagt Lo. Der war wirklich auf dem Suizidtrip, ich sag dir, sagt Lo. Der spürt den Schnee, sagt Lo. Er gräbt sich ein. Ganz tief. Und rührt sich gar nicht mehr. Gestern hab ich mir gedacht, er ist gestorben. Dann hab ich ihn gebadet, Bei dreißig Grad. Und dann hat er sich wieder bewegt. Gott sei Lob und Dank. Das wär was wenn der Heinz sterben würde.
Ja, das wär was mit dem Kind, seufze ich. Vier Wochen und kein Todesfall bei euch. Ungewöhnlich.
Amadea, du bist geschmacklos. Erinnere mich nun nicht an Hoppel.
An den dachte ich nun gar nicht. Ich dachte eher an die fleischfressende Pflanze. Aber lassen wir das. Erzähl weiter.
Gott sei Dank hat der Heinz dann gefressen. Und heut ist er schon wieder eingegraben. Der spürt den Schnee.
Der gräbt sich ein, weil dem zu heiß ist, sage ich und deute auf die Lampe, die im Schildkrötenterrarium steht und hinterbrennt auf den Heinz.
Unsinn, sagt Lo. Heinz liebt es warm. Pass nun kurz auf ihn auf. Lass ihn ja nicht ins Wasser fallen. Nicht, dass er ersäuft. Ich hol ein bissl Gras von draußen.
Nimm gleich mehr mit, schneibt’s owa. Und bring mir ein Glas Wasser mit. Ich hab heut den ganzen Tag schon so einen Durst.
Und immer wenn ich einen Durst hab, dann schneibt’s owa.
Ich bin mir sicher, dass morgen der Schnee kommt. Gestern hatte ich so einen Durst. Da war es so heiß. Ich war mit dem Radl unterwegs. Wahnsinnig heiß war es. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Wo es doch herbsteln hätte sollen oder owaschneib'n.

Mittwoch, August 29, 2007

fox on the run


Ich habe mich versündigt.
Ich habe ihn beleidigt. Zutiefst. Ich habe schlecht über ihn geschrieben. Ich habe mich beschwert über ihn. In aller Öffentlichkeit.
Das war nicht richtig.
Ich bereue es. Aus tiefstem Herzen. Ehrlich.
Und nun will er nichts mehr von mir wissen. Er ist ungehalten, er will nicht mehr. Er lässt mich im Stich. Er reagiert nicht mehr. Auf gar nichts. Ich kann tun was ich will. Ich habe ihm zugeredet, ihn angefleht. Es nützt nichts. Ich habe geschrieen, gestampft, getobt. Es hilft nichts mehr.
Es ist aus. Alles ist aus.
Versündigt hab ich mich. Da hilft auch kein Gebenedeitseistdumaria und kein Kerzen anzünden und kein Anrufen aller Heiligen und Heiliggesprochenen.
Nicht mal Beichten hilft.
Dabei war alles noch in Ordnung vorige Woche. Er war da, reagierte, wenn ich ihn berührte.
Er war da, Tag und Nacht. Da für mich, zu jeder Zeit. Wann immer ich ihn brauchte. Er war ein wenig langsam in seinen Reaktionen. Das habe ich schon bemerkt. Das ist der Vollmond dachte ich. Und der Jüngste ist er auch nimmer, dachte ich.
Kann ja nicht jeder so sein wie ich. So sprunghaft, so spontan, so Energie geladen. Er ist halt einer der Ruhigen. Er brauchte halt seine Zeit, um warm zu werden. Ich nehme ihm das nicht übel. Man soll den anderen so sein lassen wie er ist.
Das war schon immer meine Devise. Es bringt nichts, jemanden ändern zu wollen. Darum hab ich ihn auch nie bedrängt, niemals angehalten, schneller zu antworten. Ich habe auch nicht verlangt, dass er ständig da ist, ständig bereit. Nein, ganz und gar nicht.
Es gab Stunden, ja Tage, da hab ich ihn wirklich sein lassen. Habe ihn ruhen lassen, habe ihn nichts gefragt, ihn nicht berührt, gar nichts. Jeder braucht seinen Freiraum. Und ich habe ihm den Freiraum gewährt. Immer!
Und nun das.
Seit einer Woche geht gar nichts mehr. Ich habe alles versucht.
Ich habe mit Freundinnen geredet, mit Experten, mit allen möglichen Leuten. Sie hatten allerlei gute Ratschläge parat, aber geholfen haben sie nicht. Er will nicht mehr. Und wenn einer nicht mehr will, dann hast du keine Chance.
Also habe ich mich entschlossen, ihn zu ignorieren. So zu tun, als ob es ihn nicht mehr gäbe. Ich habe mir nach wie vor meine Gedanken gemacht, mir überlegt, wie ich ihn wieder dazu bringen kann, mich wahr zu nehmen.
Und dann habe ich in meiner Not den Peter um Rat gefragt. Peter ist ein guter Ratgeber. Er hat immer irgendwelche Ideen. Ungewöhnliche. So auch dieses Mal.
Schenk ihm doch ein Tier, sagte er.
Ein Tier?
Ja, ein Haustier. Haustiere wirken manchmal Wunder. Haustiere können heilsam sein. Pferde, zum Beispiel. Oder Delphine.
Ich kann ihm doch kein Pferd schenken. Wo stell ich das denn hin? Geschweige denn einen Delphin. Ich wüsste nicht mal, wo man Delphine kauft. Höchstens ein Hund ginge. Aber ein Hund in meiner Wohnung? Nicht einfach.
Du schenkst ihm einen Fuchs.
Ich war baff. An Fuchs hatte ich überhaupt nicht gedacht.
Und dann stand er da, der Peter, mit dem Fuchs.
Und seitdem passt wieder alles. Er ist wieder ganz der Alte. Er ist aufmerksam. Er reagiert, wenn ich ihn berühre.
Und der Fuchs hat auch schon einen Namen. Mozilla heißt er.

Dienstag, Juli 24, 2007

heinz

Lo ist fährt wieder einmal in den Urlaub. Mit der Familie. Für zehn Tage.
Amadea, du bist schon erfahren darin.
Worin?
Na, auf Haus und Garten zu schauen wenn ich weg bin. Und auf Heinz.
Heinz, wer ist Heinz? Seit wann habt ihr einen Untermieter?
Heinz ist die Schildkröte.
Du hast mir gar nicht gesagt, dass ihr eine Schildkröte habt.
Na ja, sagt sie. Erst seit gestern.
Seit gestern? Und da fahrt ihr heute in den Urlaub?
Die Schildkröte hat sich ergeben.
Lo, sei nicht albern. Eine Schildkröte ergibt sich nicht. Es sei denn, ihr ist schlecht oder sie wird bedroht.
Sei doch einmal ernst, Amadea. Wir haben sie vom Bartl.
Vom Bartl, dem Fischer?
Ja, von dem.
Seit wann hat der Schildkröten?
Hat er eh nicht. Wir wollten eine und er hat sie uns besorgt.
Wie kann man eine Schildkröte wollen? Was Langweiligeres hättet ihr euch nicht aussuchen können?
Das Kind wollte eine.
Aha, das Kind wollte eine.
Und wenn das Kind ein Krokodil will, bekommt es eines, so mir nix, dir nix?
Es wollte kein Krokodil, das Kind, es wollte nur eine Schildkröte. Und normalerweise kostet so eine Schildkröte zweihundertfünfzig Euro. Und wir bekamen sie für zwanzig. Weil der Bartl den Schildkrötenzüchter kennt. Der wohnt in Griechenland. Da, wo der Bartl immer das Olivenöl holt. Und deshalb haben wir die Schildkröte. Eine griechische Landschildkröte. Sie heißt Heinz.
Lo, erzähl mir nicht, dass eine griechische Schildkröte Heinz heißt. Heinz heißen deutsche und österreichische Schildkröten. Griechische heißen Jorgos oder Dimitri.
Egal, unsere heißt Heinz. Und weil wir morgen in den Urlaub fahren, hast du die Ehre, auf Heinz aufzupassen.
Na toll. Und wo soll der wohnen? Bei mir am Balkon? Ich habe keine Erfahrung mit Schildkröten, gar keine.
Du musst gar nichts tun, außer sie füttern.
Womit?
Na, mit Gras und Karotte. Und manchmal, wenn es besonders heiß ist, dann spritzt du ihr mit dem Schlauch a bissl in den Käfig. Wir haben extra für Heinz einen Käfig gemacht. Der steht unterm Baum. Da hat der Heinz am Morgen Sonne und am Nachmittag Schatten.
Lo, zuerst will ich den Heinz sehen.
Lo holt den Heinz. Er ist ungefähr fünf Zentimeter groß.
Das ist Heinz? Das ist keine Schildkröte, das ist eine Schildlaus, so klein wie die ist.
Egal, jedenfalls ist Heinz wirklich toll.
Lo, wie kannst du sagen, er ist toll wo ihr ihn erst seit gestern habt?
Er ist toll, ich sag es dir. Eine wirkliche Persönlichkeit. Und schnell ist der. Gestern haben wir ihn ein wenig krabbeln lassen in der Küche und schon war er weg. Weg. Wir haben ihn zwei Stunden suchen müssen. Und dann fanden wir ihn unter der Couch im Wohnzimmer.
Amadea, pass mir ja gut auf auf den Heinz. Ich mach mir eh Sorgen. Er hat eine Augenentzündung.
Na toll. nun habt ihr seit gestern diese Kröte und heut ist sie schon krank. Woran erkennt man Augenentzündungen an Schildkröten? Außerdem siehst ja gar kein Aug, so klein wie der ist.
Ein Auge tränt.
Lass mal schauen.
Nicht so wild, Amadea.
Ich seh nix. Der hat sicher keine Augenentzündung. Der weint nur, weil ihr morgen in den Urlaub fährt. Wo fährt ihr hin?
Nach Griechenland.
Und da nehmt ihr den Heinz gar nicht mit? Ihr seid wirklich gemein. Klar, dass der weint. Das merkt der, dass ihr in seine Heimat fährt.
Jedenfalls fuhren sie. Ohne Heinz.
Am vergangenen Sonntag.
Und ich hab ihn nun am Hals. Und mach mir Sorgen. Und schaue jeden Tag nach ihm.
Und ich glaub, das zweite Auge tränt nun auch.
Ich sehe das zwar nicht, aber ich hab es so im Gefühl.
Ich seh nicht mal, ob er was frisst. Die Karotte ist noch ganz und Gras fehlt auch keines.
Eh klar, nur Karotte und Gras, tagaus, tagein. So geht das nicht.
Also nahm ich ihm gestern ein Salatblatt mit, ein großes.
Ich will, dass er wächst. Ich will, dass er wirklich groß wird.
Damit ich Lo und ihre Familie überraschen kann.
Mit einer Schildkrötensuppe.
Soll ich sie mit Curry oder auf die „chinesische Art“ zubereiten oder doch nach dem Rezept, das ich gefunden habe?


Schildkrötensuppe

1 Schildkröte
6 Sardellen
200 gr. Champignons
Thymian, Lavendel, Lorbeerblatt, Majoran und Basilikenkraut (Basilikum)Sellerie, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, ganzer Pfeffer, Piment, Nelken
Mehl
50 gr.Butter
2 Flaschen Portwein

Die durch die heutigen raschen Verbindungen auch hier leichter frisch zu genießen, bereitet man, indem man eine lebende Schildkröte auf den Rücken legt, möglichst rasch den hervorkommenden Kopf erfasst, ihn fest aufdrückt und mit kräftigem Schnitt glatt vom Halse trennt.
Dann hängt man das Tier zum Ausbluten an den Hinterbeinen auf, macht an der Bauchseite des Hinterteils einen handlangen Einschnitt, nimmt es aus und lässt es über Nacht, den Panzer nach unten gekehrt, in kaltem Wasser stehen.
Andern Tags löst man mit scharfem Messer das Fleisch vom Panzer, schneidet es in Stücke, wäscht es mit Salzwasser ab, trennt Füße, Hals- und Knochenteile ab und kocht diese, in kleine Stücke verhackt , mit dem Fleische. Nachdem dies 5 Minuten in siedendem Wasser gekocht, kühlt man es wieder ab, um die Hornhaut zu entfernen. Dann legt man alles in eine geräumige Kasserolle , gibt 6 gehackte Sardellen, 1/4 L. Champignons, die Gewürze, den Sellerie, die Zwiebeln, ein klein wenig Knoblauch dazu, auch noch eine ganze Hand voll ganzen Pfeffer, Piment und einige Nelken und kocht dies alles, bis das Fleisch gar ist, etwa 2 bis 3 Stunden lang, während welchen man das reichliche , schöne grüne (!!!) Fett abhebt.
Man rührt hierauf die mächtige Suppe durch ein Haarsieb über 6 Esslöffel voll Mehl, die man mit 50 gr. Butter schön hellbraun röstet, ab.Indessen hat man zwei Flaschen Portwein auf die Hälfte einzukochen, den man mit etwas Salz und feinem Pfeffer würzt und dann unter Rühren nochmals rasch mit der Suppe aufkochen lässt. Das Schildkrötenfleisch wird, so viel man dazu braucht, gewürfelt hinein getan und die Suppe über Fleischklößchen angerichtet.
Man kann, wenn das Tier groß ist, die übrig bleibende Brühe wochenlang an einem kühlen Orte aufbewahren; in diesem Fall füllt man das übrige Fleisch gewürfelt portionsweis in Steintöpfe, bedeckt es mit der überflüssigen Brühe und läßt das abgeschöpfte Fett darauf gerinnen. Die Töpfe werden fest mit Papier zugebunden.

Aus: www. hexenküche.de

Montag, März 05, 2007

irma la dusch


Es begann ganz harmlos.
An einem Morgen im Spätfrühling.
Sie war da.
Irma.
Irma, die Ameise.
Ich wohnte damals noch in meiner alten, ebenerdig gelegenen Wohnung.
Da saß sie.
Mitten in meiner Dusche.
So, als ob es für eine Ameise ganz selbstverständlich wäre, in einer Dusche zu sitzen.
Ameisen haben ja, so wissen wir, ein hoch entwickeltes Kommunikationssystem.
Also blieb Irma nicht lange alleine.
Innerhalb weniger Minuten, waren Irmas Freunde ebenfalls in meiner Dusche.
Ich hatte keine Ahnung, woher sie gekommen waren.
Ich hatte auch keine Ahnung, warum sie gerade in der Dusche waren.
Jedenfalls waren sie da.
Die Dusche war eine ganz normale Menschendusche und eigentlich kein gemütlicher Platz für Ameisen. Es gab keine Schlupflöcher, keine Tannennadeln oder sonst irgendwelches Zeug, mit dem Ameisen was anfangen könnten. Ein paar Haare vielleicht und Seifenreste, aber was tun Ameisen damit?
Jedenfalls war eine ganze Kolonie von Ameisen da. Hunderte.
Und damit begann das Problem.
Normalerweise bin ich ja für eine friedliche und gewaltfreie Lösung. Normalerweise befördere ich sämtliche Kleintiere vorsichtig hinaus in die Natur.
Aber wie beförderst du Hunderte Ameisen hinaus in die Natur?
Ich entschied mich für die harte Tour.
Ich drehte die Dusche auf und spülte die Ameisenkolonie den Abfluss hinunter.
Sie waren alle weg. Für fünf Minuten. Danach waren sie wieder da. So als ob nichts geschehen wäre.
Ich entschied mich für die superharte Tour.
Ich nahm die Fliegenklatsche, stieg in die Dusche – barfuß natürlich- und holte aus.
Nur hatte ich vergessen, dass ich während der harten Tour das Wasser aufgedreht hatte. Ich rutschte aus, mein Kopf klatsche auf dem der Dusche auf und ich wäre fast draufgegangen.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Irma und ihre Kollegen sich die Ameisenbeine rieben. Ich bin sicher, in ihrer schmutzigen Fantasie malten sie sich aus, wie ich langsam verwesen und sie mich anknabbern und aussaugen würden.
Als ich mich aufrappelte, höhnisches Gelächter. Irma lachte besonders laut und hysterisch.
Eine, die so dämlich lacht, hat AMeise. Das ist sicher.
Das verlangte nach Rache.
Ameisengift kam nicht in Frage.
Da würde ich noch draufgehen. Und was nützt dir eine tote Kolonie Ameisen, wenn du selbst das Zeitliche gesegnet hast?
Ich brauchte einen teuflischen Plan. Außerdem war ich mir sicher, dass Irma und ihre Genossen schon einen Schlachtplan entwickelt hatten, wie sich mich zur Strecke bringen wollten. Sie waren für den Extremfall gerüstet, das wusste ich.
Ich musste strategisch vorgehen, mir einen Plan aushecken, einen guten. Ich brauchte professionelle Hilfe um der Ameiseninvasion Frau zu werden.
Und da fiel er mir ein. Spider Murphy. Spider Murphy lebte auf meinem Olivenbäumchen. Schon einige Tage lang.
Das war es!
Ich setzte mich hinaus zu ihm auf den Balkon.
„Hör mal, Murphy. Ich brauche deine Hilfe. Du brauchst das nicht umsonst zu tun. Kost und Logis frei – so lange du willst.“ Ich schilderte ihm mein Problem, wir setzten einen Vertrag auf und er unterschrieb. Zuvor bat ich ihn aber noch, äußerst vorsichtig zu sein und überlegt zu handeln.
Er schien fast ein wenig beleidigt zu sein, dass ich ihn derart unterschätzte. „Ich mach das schon, Amadea. Verlass dich auf mich.“
Die Mission begann nachts.
Heimlich und leise baute er in einer Ecke der Dusche sein Netzwerk auf. Bereits nach vierunzwanzig Stunden war der Boden der Dusche übersät mit Ameisenleichen.
Amausentot waren sie. Alle.
Ich war stolz auf Murphy und mich und bedauerte die Ameisen.
Gar so klug sind sie ja nicht. Wenn die Ameisenleichen riechen oder sehen, dann sind die alle sofort da, um ihren Tod zu untersuchen. Neugierig und geschäftig, gierig. Um ja nichts zu verpassen, um ja besonders klug zu sein.
Dummes Volk!
Darum sind sie nach wie vor an letzter Stelle der Nahrungskette und darum sind wir Menschen ganz oben.
Weil angenommen, ich sehe auf der Straße Menschenleichen liegen, bin ich dann so blöd und lauf hin, um nachzuschauen?
Nein, ich laufe weg, in die andere Richtung. Ich rufe höchstens die Polizei an. Oder auch nicht. Vielleicht tu ich gar nichts. Man kriegt eh nur Ärger, wenn man sich irgendwo einmischt.
Die Ameisen schon. Sich überall einmischen. Die haben allesamt aMeise, aber eine ordentliche.
Spider Murphy erledigte die Sache schnell und unauffällig. Er war ein grausamer, aber effizienter Mörder. Nachdem er die ganze Kolonie getötet hatte, widmete er sich Irma. Mit Genuss, man konnte es sehen.
Er wickelte sie ein, so wie Männer Frauen um den Finger wickeln. Er hüllte sie ein in ein seidiges Fadenkleid. Das war kein fadenscheiniges Kleid. Nein, das war ein Totenkleid. Und das wusste die gute Irma nicht. Armes Ding! Sie glaubte, das sei ein Seidenkleid, ein echtes Seidenkleid.
Spider Murphy machte das geschickt. Während er sie einhüllte in den seidigen Totenfaden, und kurz bevor Irma ihr kurzes Ameisenleben aushauchte, flüsterte er ihr ins Ohr. „Life is total war, my friend.“
Ich war wirklich beeindruckt. Spider Murphy kannte den Film "Irma la Dusch"und sogar ein Zitat daraus! Und englisch konnte er auch.
Ein gewieftes Kerlchen, dieser Murphy.
„Das war’s Amadea, sagte er, als er sein Netz abbaute. „Ich will nun wieder auf meinen Baum. Ich habe Lust auf eine Fliege und ich brauch etwas Ruhe. Räum den Saustall auf, schmeiß die Irma auf den Komposthaufen und dusche dich endlich.“