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Dienstag, August 02, 2011

pünktlichkeit ist (k)eine tugend




Zu Terminen komme ich überpünktlich.

Und auch wenn ich meine, zu spät zu sein, bin ich dann doch oft die erste oder eine der ersten.
Das ärgert mich.
Ich bin zwar pünktlich, und man könnte daraus schließen, dass ich prinzipiell ein sehr organisierter, durchgeplanter Mensch bin. Nein, das bin ich nicht. Und das verursacht den Ärger.
Damit ich pünktlich sein kann, muss ich mich die Stunden zuvor beeilen. Ich muss mich sehr beeilen, weil es herrscht das reine Chaos.
Es ist immer was! Da find ich dann den weißen BH nicht, sondern nur den schwarzen und zu dem passt die helle Bluse nicht. Dann sind die Schuhe nicht geputzt.
Während ich mir die Haare trockne, verkohlt die Fertigpizza, die ich in den Ofen geschoben habe, weil ich zu spät bemerkte, dass ich nichts gegessen hatte. Augenbrauen müssen gezupft, Fingernägel sauber gebürstet werden – Nagellack kann ich ohnehin vergessen, zwei Nägel sind abgekaut – und Haare müssen auf die Lockenwickler, damit sie schön füllig sind. Anschließend müssen sie geglättet werden, damit schön und nicht füllig sind.
Es ist eine Katastrophe.
Die Wohnung ist ein Saustall, ich steige über den Kleiderberg, entsorge die Pizza und verlasse Hals über Kopf die Wohnung.
Hauptsache pünktlich.

Und da sitz ich da und warte auf die anderen. Die Frisur ist im Eimer, weil ich verschwitzt bin vor lauter Hektik, das 48-Stunden-Deo hat zehn Minuten lang gewirkt und ich schaue grantig, weil ich grantig bin.
Wenn ich Glück habe, kommt dann der eine oder andere Kollege nach zwanzig Minuten, locker und entspannt und begrüßt mich nonchalant: Na, Amadea, heute mal pünktlich?
Ich sage dann nichts, weil ich nicht kann vor lauter Wut, sondern strecke den Mittelfinger aus. Natürlich heimlich, unter‘m Tisch.

Bei einem Date ist die Sache anders. Nein, versteh mich nicht falsch. Das Chaos in der Wohnung ist dasselbe. Fast. Nur ohne verkohlte Fertigpizza. Weil wenn du als Frau ein erstes Date hast, isst du keine Fertigpizza. Du isst nichts, was Kohlenhydrate hat. Und zwar von dem Zeitpunkt an, da du vom Date weißt.
Du willst ja nicht den ganzen Abend den Bauch einziehen ohne dass es irgendwas nützt und vielleicht zuvor noch einen Pickel ausgedrückt haben, der sich dann entzündet hat.

Ich bin bei Dates ebenfalls überpünktlich, aber das weiß der Mann nicht. Wenn ein Mann ein erstes Date mit einer Frau hat, muss er warten können. Und Frau muss ihn warten lassen. Und darum lassen wir ihn auch warten. Auch wenn wir zuvor bei plus dreißig oder minus dreißig Grad im Auto sitzen müssen. Gott sei Dank gibt’s Heizung und Klimaanlage.
Ganz wichtig - den Spiegel griffbereit in der Tasche haben, um alle dreißig Sekunden zu checken, ob das Make-up noch passt und die Frisur sitzt. Und man ist nie zufrieden. Weder mit Make-up noch Frisur.
Und man bereut, dass man die Wochen zuvor die Freizeit auf der Couch gemeinsam mit Chips und Eis verbracht hat, und nicht im Fitnesscenter mit Wasserflasche und Handtuch.
Aber nun ist es zu spät.
Man trägt den BH, der den Busen pusht und die Panties, die den Bauch reindrücken (sind ja nur Millimeter, aber es geht um’s Gefühl, das man hat, das mehr oder weniger gute.)
So kommt man dann zum Date, zwanzig Minuten zu spät, und erklärt, dass eine Bekannte aus LA grad angerufen hat und dass der Designerschrank gerade heute geliefert wurde. (Falls aus dem ersten Date mehr wird, musst du das mit dem Designerschrank überdenken und vielleicht noch einen Bekannten aus Ibiza erfinden).
Eine Frau muss zu einem Date zu spät kommen, weil wenn sie pünktlich bist, dann glaubt der Mann, er hat sie schon erobert und legt sie in Gedanken bereits flach.

Das geht gar nicht! Männer müssen erobern. Auch heute noch.
Also, ihr Girlies: Haut euch nicht so ran an euren Auserwählten. Auch wenn der, den ihr begehrt, ein JustinBieberjüngling ist. Auch die wollen erobern.
Außerdem wirkt es unwiderstehlich, wenn du einen tollen Auftritt hast, und du wie eine Königin einherschreitest, während er schon in Zweifel versunken ist, ob du wohl kommst.

Der Mann muss natürlich immer pünktlich sein, er darf auch früher kommen. Außer später. Später sollte er später. Kommen.

Montag, Juli 25, 2011

die schlange

Wenn du einkaufst, kannst du in der Warteschlange vor der Kassa verschiedene Typen von Leuten beobachten.

1
Da gibt es den einen, der in der Schlange steht und alles was sich links und rechts von ihm befindet, mitnimmt. Völlig geistesabwesend. Der Inhalt seines Einkaufswagens verdoppelt sich in der Warteschlange. Ganz obenauf zum halben Preis der Bund Tulpen, der unten vor der Kassa im Kübel verwelkt, dann die seit gestern abgelaufenen Gelee-Ostereier und der Stoffhase für’s Enkerl, 70 Prozent billiger.

2
Dann gibt es den wirklich unsympathischen Zeitgenossen, der, wenn du in der Warteschlange stehst, sich still und leise von der Seite her anschleicht. Er sucht sich einen bestimmten Platz aus, wo er gern sein würde. Zum Beispiel auf Platz drei oder fünf. Und genau da versucht er sich einzureihen, nach der Art des Reißverschluss-Systems. Ganz ruhig steht er da, vermeidet bewusst den Blickkontakt mit den brav hintereinander Wartenden. Er arbeitet sehr subtil und nützt jede kleine Unaufmerksamkeit des neben ihm Stehenden. Auf einem Mal ist er in der Schlange. Und noch ehe du was sagen kannst, legt er schon sein Zeugs auf das Rollband. Niemand hat bemerkt, dass er sich seinen Platz erschlichen hat. Dieser Typ gehört eliminiert. Auf der Stelle.

3
Er reiht sich ein, ohne seinen Einkauf abgeschlossen zu haben. In seinem Einkaufswagen liegen nur wenige Artikel.
Plötzlich beginnt er sein hinterlistiges Spiel. Er sagt zu dem hinter ihm Wartenden: „Tschuidign'S, i brauch no schnö....“ und schon ist er weg.
Dieser Typ arbeitet sehr ökonomisch. Er verbindet Wartezeit mit Einkaufszeit und nützt jede Minute aus. Er betrachtet das Warten als vergeudete Zeit, in der er etwas Sinnvolles tun will, also einkaufen. Gleichzeitig ist er ständig in Bewegung, was seinen Kreislauf anregt und in Zeiten bevorstehender übermäßiger Kalorienaufnahme, wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten, die Kalorien schon im Voraus verbrennt.

4
Dann gibt es den Typen, der hinter dir steht, und plötzlich, aus heiterem Himmel, in Mitleid erregenden Singsang verfällt: „Meiner Seel, hob i no vü z’toa heit“. Und starrt auf deinen übervollen Einkaufswagen. Du antwortest: „Ja und? Glaubst ich nicht? Dummer Aff.“ Natürlich nur in Gedanken.

5
Dieser Typ arbeitet im Team.
Person eins steht in der Schlange. Person zwei, meist der Fittere oder Jüngere, läuft immer wieder hin und her zwischen Kassa und Regalen, bringt sämtliche Artikel, die gebraucht werden, legt sie in den Einkaufswagen und ist wieder weg. Inzwischen rückt Person zwei langsam vor. Kurz vor dem Bezahlen das Finale, eingeleitet mit folgenden Worten: „Fix noamoi. So wos Bled’s. Hiaz ho i a’s Brot vagess’n“. Und schon holt Person zwei das Brot, während Person eins lächelt und sagt: „Ko passier’n.“

6
Dann gibt es den Typen, der dich nicht direkt nervt. Er steht nicht vor dir in der Warteschlange, er hat das alles schon hinter sich. Er ist der, der schon drei Tage vor Weihnachten, Ostern oder Pfingsten alles einkauft, und alle anderen, weniger organisierten müssen dann das nehmen, was übrig bleibt. Und ganz zufällig lungert er zu Spitzeneinkaufszeiten in der Nähe der großen Supermärkte herum, lächelt dich freundlich an und bemerkt süffisant: „Scho a Stress, de Feiatog, gö?“

7
Dieser Typ hat vergessen, seine Äpfel abzuwiegen, und die arme Frau an der Kassa kennt den Preis nicht und hat auch keine Waage. Sie läuft dann meist nach hinten an den Obststand, während die Warteschlange sich verdoppelt, und kehrt außer Atem wieder zurück.
Schlimm wird das erst, wenn er dann noch ein Produkt, auf dem kein Preis aufgedruckt ist, im Wagerl hat. Die Kassiererin ruft dann den Abteilungsleiter aus, der nach zehn Minuten erscheint. Im glücklichen Fall kennt er den Preis, wenn nicht, verdoppelt sich die Warteschlange wiederum während er sich von dannen macht, um den Preis herauszufinden.

8
Dann gibt es noch den Typen, dessen Bankomat-Karte aus unerfindlichen Gründen und das allererste Mal – „So was ist mir im Leben noch nicht passiert!“ – nicht funktioniert. Er hat auch kein Bargeld bei sich. Er steckt die Bankomat-Karte bis zu zehn Mal auf jede erdenkliche Weise in den Schlitz und glaubt, durch mehrmaliges Schütteln des Kopfes und Seufzen erbarmt sich der Automat und nimmt die Karte. Es ist aber nicht so. Das dauert ungefähr zehn Minuten bis er einsieht, dass entweder das Konto überzogen oder die Bankomat-Karte kaputt ist.

Ich bin Typ

9
Dieser Typ geht grundsätzlich ungern einkaufen.
Er weigert sich, stundenlang in der Warteschlange zu stehen. Er kauft lieber beim Greißler, Bäcker, Metzger oder am Grünmarkt ein. Er lässt sich gern bedienen.
Er ist auch überfordert mit all dem Warenangebot im Supermarkt.
Nimmt dann meistens Dinge mit, die er nicht braucht oder ihm nicht gut tun. Natürlich kauft er auch im Supermarkt ein, aber niemals in Stoßzeiten. Er hat stets einen Einkaufszettel mit, nach dem er sich meist hält.
Und wenn es ihm mal passiert, dass er in einer Warteschlange in einem Supermarkt steht, und er begegnet einem dieser oben genannten Typen, dann, ja dann – wird er zur Bestie.

Freitag, Dezember 31, 2010

5 vor


Was machst du in den letzten fünf Minuten?
Ich meine, fünf Minuten bevor etwas Neues beginnt.
Fünf Minuten vor einer Reise, die du machst. Fünf Minuten, bevor der Zug abfährt. Du küsst denjenigen, derdich zum Bahnhof gebracht hat.
Fünf Minuten, bevor das Flugzeug abhebt, richtest du dir das Speibsackerl her oder schaust, wo die Notausgänge sind, falls du abstürzt.
Und was machst du in den letzten fünf Minuten des alten Jahres?
Schauen, ob dein Glas voll ist?
Dein Haar richten?
Eine Zigarette rauchen?
Bereite dich vor, sei gewappnet.
Geh noch schnell lulu, hätte Oma gesagt. Wer will ein Neues Jahr mit gekreuzten Beinen und einer vollen Blase beginnen?
Du könntest auch etwas tun, das du im Neuen Jahr tun willst.
Du könntest mit der Diät beginnen, die du im ganzen Neuen Jahr durchziehen willst oder du könntest aufhören zu rauchen.
Du könntest singen, wenn du im Neuen Jahr Gesangsunterricht nehmen willst.
Ich habe mich jedenfalls im alten Jahr an Omas Spruch gehalten und mich entschieden, die letzten fünf Minuten auf der Toilette zu verbringen.
Naja, sagen wir, drei von fünf Minuten.
Ein wahrlich symbolischer Akt. Das Alte loslassen und wegspülen um Platz für Neues zu machen.
FÜNF MINUTEN, ruft jemand.
Auf geht’s, Amadea.
Ich gehe gemütlich aus dem Lokal, die Treppe hinunter. Erhobenen Hauptes gehe ich, wie eine Königin schreite ich. Ich habe ja noch fünf Minuten. Eine Ewigkeit.
Niemand da. Wunderbar. Ich ganz allein. Wie schön. Und noch fast fünf Minuten. Oder vier.
Oh, eine Laufmasche. Das macht nichts. Ich habe eine Reserverstrumpfhose mit und noch vier Minuten. Oder dreieinhalb.
Laufmaschenstrumpfhose aus, neue raus. Und rein. Warum geht das nicht? Ich hänge fest. Mit der Hand. Dieses Armband, ich hätte es nicht nehmen sollen. Da hat sich was verhakt. Aber wie. Da geht nun gar nichts mehr.
Ein Bein in der Laufmaschenstrumpfhose. Das andere in der Luft.
Mein Armband mit Arm verhakt im Nylon.
Du hast noch genug Zeit, Amadea. Stress dich nun nicht. Du bist schon mit anderen schwierigen Situationen fertig geworden.
Wieso höre ich die Band nicht mehr?
Und plötzlich höre ich es.
ZEHN!
Was?
NEUN!
Nein!
ACHT!
Das kann nicht sein!
SIEBEN!
Verdammt!
SECHS!
Armband runter!
FÜNF!
Strumpfhose hoch!
VIER!
Spülknopf gedrückt und raus.
DREI!
Die Treppe hoch!
ZWEI!
Hinein ins Lokal.
EINS!
Ich schnappe ein Glas.
Die Donau so blau, so blau, so blau.
Raketendonner.
Ein gutes Neues Jahr! Da küsst mich schon einer auf die Wange. Einer, den ich nicht kenne. Ein Deutscher.
Alle anderen am Tisch küssen mich auch.
Ein gutes Neues Jahr! Wildfremde Menschen umarmen mich.
Ich gehe zurück zum Tisch. Wie in Trance, das fremde Glas in der Hand.
Ein gutes neues Jahr, Amadea. Bleib g’sund.
Du auch, Anna. Gutes Neues Jahr. Ich muss mir die Hände waschen.
Beim Hinausgehen ruft sie mir nach: Da hängt was an deinem Bein, Amadea. Und eine Laufmasche hast du auch.

Sonntag, Dezember 12, 2010

turkey-sh delight


Draußen Schneegestöber - der Nachbar schaufelt gerade sein Dach ab und ich habe nicht das Bedürfnis, einkaufen zu gehen. Erstens ist mein Auto vergraben unter Schnee, da ich gestern Nacht zu faul war, es in die Garage zu stellen. Zweitens habe ich auch kein Bedürfnis, in Anorak, Schal und Handschuhen einkaufen zu gehen, durch den Schnee zu stapfen und danach die schwere Tasche heim zuschleppen.
Ich habe für heute Abend Gäste eingeladen, und nun muss ich wohl was zubereiten.
Irgendwas Neues brauche ich – a stuffed turkey!
In meinem Gefrierschrank wartet der Truthahn, den ich unlängst von einem Kollegen geschenkt bekam, auf seine Zubereitung.
Natürlich ein Bio-Truthahn, aufgewachsen im Steirischen, beim Bruder des Kollegen, der einen Bio-Bauernhof besitzt.
Ich nehme also den Vogel zum Abtauen heraus.
Nach drei Stunden des Überlegens weiß ich immer noch nicht, ob ich ihn füllen, als Ganzes oder zerteilt zubereiten, ihn in einer Paprikasauce servieren oder nur braten soll.
Also Computer an, rein ins Internet, Google angeklickt und los geht’s. Einträge sonder Zahl erscheinen, schließlich finde ich etwas:
Roast Stuffed Turkey Recipe - Home Cooking steht da, daneben die Frage: „Diese Seite übersetzen?“
Warum nicht.
Kurzes Grübeln des automatischen Übersetzungsprogrammes und schon erscheint das Rezept.
Die Zutaten klingen einfach:
Truthahn, Salz, Pfeffer, Thymian, Knoblauch, Zwiebelenpuder.
Den Satz „Kleiden, Anfüllen der Wahl“ überlese ich. Er erscheint mir unwichtig.
Punkt 2 der Kochanleitung klingt lustig: „Werfen Sie irgendwie fettes restliches auf dem Vogel weg. Setzen Sie den Truthahn auf einige Schichten Papiertücher zum Abfluß.“
Ich setze ihn also zum Abfluss und mache mir inzwischen eine Tasse Kaffee.
„Besprühen Sie Raum liberal mit Salz und Pfeffer.“
Das ist klar: Den Vogel innen drinnen würzen.
Aber nun wird es kompliziert: „Stehen Sie den Vogel an seinem Endstückende in einer großen Schüssel; mit einem Eßlöffel füllen Sie den Ansatzraum lose mit dem Kleiden an. Es ist wichtig, die Behandlung im Vogel ziemlich lose anzufüllen, weil Behandlung während des Kochens erweitert wird. Ziehen Sie den Ansatzhautover die Behandlung und befestigen Sie es am Körper mit einer Geflügelaufsteckspindel.“
Ich besitze keine Geflügelaufsteckspindel!
„Ziehen Sie die Beine nah an dem Körper und binden Sie die Enden zusammen mit Baumwollzeichenkette.“
Mit angezogenen Beinen sitze ich auf der Baumwollcouch und betrachte den Vogel, der noch immer am Abfluss sitzt – ohne Geflügelaufsteckspindel!
Ich hole das Rezept, das ich mir ausgedruckt habe, und lese weiter: „Setzen Sie einen Fleischthermometer in einen der inneren Schenkelbereiche nahe der Brust, making.certain ein, welches die Spitze des Thermometers nicht rührender Knochen ist.“
Das klingt nach Gemetzel.
„Während viele kommerzielle Truthähne mit einem Wegwerfthermometer verpackt werden, preinserted in die Brust, die entworfen wird, um oben zu knallen, wenn der Vogel getan wird, ein Standardfleischthermometer, eingesetzt in das stärkste Teil des Schenkels, zu der Zeit als der Truthahn in den Ofen für die Röstung gelegt wird, wird betrachtet zuverlässigere Mittel der Bestimmung des Kochens.“
Dieser Satz gibt mir auch nach mehrmaligem Lesen Rätsel auf. Er erinnert mich an Mr Bean und seinem „stuffed turkey“. Ich überlese den Rest der Zubereitung und widme mich dem Teil, der das Braten des Truthahnes beschreibt.
„Falten Sie die Flügel unter dem Vogel, um eine Plattform für die Röstung zur Verfügung zu stellen. Legen Sie den Truthahn, Brustseite oben, auf eine Leitungszahnstange. Braten sie den Truthahn bis die Säfte klar laufen.“
Beim Anblick des Vogels, der bleich am Abfluss hockt, bilden sich kleine Schweißtropfen auf meiner Stirn. Das schaffe ich niemals!
„Entfernen Sie die Aluminiumfolie, ungefähr 30 Minuten bevor der Truthahn getan wird, um das Brünieren des Vogels durchzuführen“ Das mit der Alufolie ist mir ganz neu – sie wurde zuvor niemals erwähnt. Und was heißt wohl Brünieren? Klingt irgendwie französisch – brunee? Nein, ich glaube, das verwechsle ich mit brulee.
Ich hätte statt des Truthahnes Creme Brulee zubereiten sollen.
„Entfernen Sie den Truthahn vom Ofen und setzen Sie ihn auf eine Umhüllungservierplatte oder Schnitzenbrett; Lassen Sie 10 Minuten stehen, bevor Sie schnitzen.“
Das mit dem Schnitzen ist mir klar. Schneiden- vielleicht sagt man ja im Englischen carve und nicht cut dazu.
„Unterdessen bilden Sie die Türkeisoße.“
Was soll denn das? Seit wann kochen die Amis Türkeisoßen??
„Entfernen Sie die ganze Behandlung von den Ansatz- und Körperräumen, bevor Sie den Truthahn schnitzen. Gießen Sie die Soße in ein Soßeboot und überschreiten Sie am Tisch“.
Uahhh…Ich glaube, bevor ich den Tisch überschreite, google ich die Türkeisoße.
Sollte sie so kompliziert sein wie der stuffed turkey, gehe ich doch lieber einkaufen und mach Wienerschnitzel.
Ich muss mich aber beeilen, die Gäste kommen in eineinhalb Stunden.
Zum Schluss noch eine kleine Auflösung. Türkeisoße = der Bratensaft des Truthahnes .

Freitag, November 19, 2010

comedy-knockout


Du musst einfach du selbst sein, Amadea. Weil dann bist du witzig. Du musst so rumsausen wie unlängst, als du mit dem Auto angefahren bist, sagt Schneewittchen.
Wir sind bei mir im Wohnzimmer.
Na toll, ich bin witzig, ohne dass ich witzig sein will.
Du machst das schon, glaub mir. Schneewittchen nickt aufmunternd.
Vor einem Jahr hab ich mich angemeldet. Beim Comedy-Knockout. In Wien.
Eher zur Gaudi, hab gar nicht damit gerechnet, dass ich da drankommen würde.
Und nun das.
Nun das nun zu einer Zeit, wo ich eher faul auf der Couch liegen würde, Tee schlürfend und Mozartkugel leckend. Und jetzt muss ich üben. Und üben und immer wieder.
Geh hinein in das Gefühl, sagt Schneewittchen.. Und ich gehe hinein und vergesse den Text. Statt radieren sagte ich rasieren. Und statt …
Katastrophe. Sogar nachts um zwei steh ich manchmal auf rezitieren.
Die Pflanze lässt schon ihre Blätter hängen weil es ihr so anstrengend ist.
Und dann bin ich hellwach. Und ich nehme Baldriantropfen und danach muss ich Zähne putzen. Und mein Mund so frisch wie der junge Mai und mein Hirnkastl läuft Amok. Und wieder ins Bett und ich sehe komische Dinge, wenn ich die Augen zumach. Ein Pharaonengrab in Rosa.
Ich hab wirklich nicht alle Tassen im Schrank.
Und diese Gedankensplitter haben sich im Kopf gemütlich gemacht und drehen sich hin und her. Gut, dass es niemand merkt, wie falsch mein Gehirnwecker tickt. Und Wecker haben leider keine Snooze-Taste.
Gestern Nachmittag gab es sogar Vorsprechen bei Lo. Mit Publikum!
Sogar die Religionslehrerin war da und der neue, hübsche Kollege mit dem geilen Arsch.
Nun muss ich doch mal schauen.
Das glaubt mir nun vermutlich keiner. Aber ich schaue den Männern eigentlich nie auf den Hintern. Oder ganz selten. Wenn es sich ergibt.
Und beim neuen Kollegen ergab es sich nicht. Während der Gangaufsicht gehen wir nebeneinander her und da kann ich doch nicht einfach….
Das mit dem geilen Arsch weiß ich nur von Lo. Sie hat erzählt, dass die Religionslehrerin das sagte. Drum ist sie auch heute hier. Nicht wegen mir!
So san’s, die Heiligen. In der Kirche mit dem Rosenkranz spielen und mit Weihwasser herumspritzen und heimlich neuen Kollegen auf den Hintern schielen.
Aber ein Hübscher ist er.
Zwar nicht mein Typ, weil irgendwie a bissl zu klein und so quirlig wie ich. Aber hübsch.
Und einer, der auch gern flirtet. Hab ich schon gemerkt. Und welche Frau hat schon was dagegen, wenn ein hübscher Mann flirtet.
Also spielte ich vor. Das, was ich am Freitag auch beim KnockOut vorspielen werde.
Gar so viel lachten sie nicht, weder Los Mann noch der Kollege. Der neue. A bissl halt.
„Ich bin kein Maßstab“, sagt Los Mann. „Ich lache innerlich. Und innerlich, Amadea, innerlich hat sich alles verkrampft. Ein richtiger Magenlachkrampf war das.“
Ob das ein Kompliment war? Ich fragte nicht nach.
Am meisten lachte die Religionslehrerin. Und am lautesten. Und wenn sie lachte, dann warf sie sich ganz zurück, schüttelte ihr Haar und legte den Hals frei.
Das sagt ja einiges aus, nicht wahr?
Aber das nutzte nichts, weil der Kollege mit dem geilen Arsch auf der Couch lag.
Ganz schön frech, war er doch das erste Mal bei Lo eingeladen.
Nett, Amadea.
Nett?
Eh toll, Amadea.
Eh?
Voll toll, Amadea.
Ja?
Ja, wirklich. Und lustig.
Wunderbare Vorzeichen.
KnockOut in Wien. Sagt eh alles!
Chefin hat eh gemeint, ich fahr zu einem Boxkampf.
Womöglich ist es ja eh einer.
Aber ich werde mein Bestes geben.
Ich werde ich sein und die Bühne rocken.
Und spielen werde ich, ja, spielen.
Wie eine vom Burgtheater.

Sonntag, Oktober 31, 2010

bleib!


Es ging schon besser.

Was?

Die Sache mit dem Hund.


Welcher Hund?

Na, die Maddie. Hab sie erzogen. Gestern Nacht.


In einer Nacht kann man keinen Hund erziehen.

Ich schon. Um drei Uhr früh hat sie gekotzt.


Klar, du hast sie überfordert.

Kann sein. Vielleicht waren es auch die Leckerlis. Eine ganze Packung ging drauf. Sonst hätt ich das nicht geschafft mit dem Erziehen. Nun bleibt sie im Körberl sitzen wenn ich sag: Bleib.


Toll. Und sie hängt nicht aus dem Körberl raus?

Wie raushängen?


Sag bloß, Amadea, du weißt das nicht mehr. Das mit dem Fahrrad.

Ach das. Schon lang her.
Das war im Sommer.

Da hing sie neben dem Radl, gell?

Aber nur kurz. Ich ließ sie dann neben mir herlaufen, sodass sie müde wurde. Dann blieb sie wieder brav hinten im Fahrradkorb sitzen. Und die Ohren wehten im Fahrtwind.


Du hast schon eigenartige Erziehungsmaßnahmen.

Aber wirksame. Gib’s zu. Könntest du in einer Nacht einen Hund erziehen? Niemals. Du schaffst das nicht mal in zehn Jahren. Schau mal deine Kinder an.


Meine Kinder? Also hör mal, die sind gut erzogen.

Lassen wir das.

Ich ging dann noch mit ihr spazieren. Nachdem sie gekotzt hat. Um drei in der Früh. Dafür hamma dann bis neun geschlafen. Maddie im Körberl, ich im Bett. Okay, ab fünf Maddie auch im Bett.

Na toll. Ich sag nun nichts.

Und heut in der Früh, stell dir vor, so peinlich. Direkt am Weg liegt da ein Hundswürschtl. Und just in dem Moment kommt die Nachbarin vorbei. Und dann sagte ich, wie verantwortungslos das doch sei, dass die Hundebesitzer ihre Hunde mitten auf dem Weg ihr Würschterl machen lassen. Und dann meint jeder, ich sei es. Nur weil ich einen Tag den Hund da hab.


Eine Frechheit.

Dann fiel mir aber was ein.


Was?

Das mit dem Würschtl. Ich glaub, das war doch die Maddie. In der Früh um drei. Hunde sehen ja nicht gut. Da kann das schon passieren, gell? Sogar Menschen passiert, dass da was daneben geht am Klo wenn’s finster ist.


Ich sag nun nichts.

Besser so.

Edi, zwei Verlängerte.

Und für mich einen Hotdog.

Montag, Oktober 25, 2010

pandemie entdeckt


Letzte Woche wurde bekannt, dass ein außerordentlich ansteckender Virus weltweit im Umlauf ist.
Jeder Haushalt ist bedroht, von diesem Virus befallen zu werden.
Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran - sofern sie nicht selbst schon befallen sind - einen Wirkstoff zu entwickeln. Sie stehen vor großen Problemen, da der Virus gegen alle Antibiotika, die bekannt sind, immun ist.
Die Symptome sind nicht auf den ersten Blick festzustellen, deshalb ersucht das Gesundheitsministerium dringend, sämtliche Auffälligkeiten zu beobachten und zu melden.
Zu diesen Auffälligkeiten, die nur schwer auszumachen sind, gehören erhöhte Herzfrequenz, Schweiß, Angstzustände, Depression, Unruhe, Stimmungsschwankungen und Wut.
All diese Symptome können auftreten, müssen jedoch nicht. Darum ist darauf zu achten, ob die betreffende Person sich in irgendeiner Weise auffällig verhält. Sobald die Krankheit ausgebrochen ist, gibt es keine Hilfe mehr für den Patienten. Eine umfassende Studie, die vom Gesundheitsministerium angeordnet wurde, besagt, dass weder Bettruhe noch die gängigen Hausmittel, wie Tee, Franzbranntweinumschläge und Essigpatscherl helfen. Sie können den Zustand des Betroffenen sogar verschlechtern.
Das größte Problem besteht darin, dass das Immunsystem des Betroffenen auf diese Infektion in keinster Weise reagiert. Im Gegenteil – es sieht die Infektion nicht als Erkrankung an und demzufolge erfolgen auch keine Selbstheilungskräfte wie bei den anderen üblichen Viruserkrankungen.
Man hat jedoch heraus gefunden, dass es Menschen gibt, die von Geburt an eine natürliche Abwehrkraft gegen diese Krankheit entwickeln.
Neuesten Untersuchungen zufolge ist die natürliche Abwehrkraft bei Frauen signifikant höher als bei Männern.
Für die Wissenschaftler ist diese Entdeckung ein großer Fortschritt und es wird unermüdlich daran gearbeitet, endlich einen Impfstoff zu entwickeln. Es gilt als bewiesen, dass die Krankheit ständig im Körper schlummert und nur zu bestimmten Zeiten intensiv auftritt.
Die Dauer des Ausbruchs kann nicht exakt bestimmt werden, dauert aber ungefähr neunzig Minuten. Die Nachwirkungen können aber bis zu drei Stunden anhalten und gehen einher mit erhöhtem Puls, Reizbarkeit und dem Drang zum Alkoholkonsum.
Die Anzahl der Attacken variiert von Fall zu Fall und die Schwere der Erkrankung ist unterschiedlich.
Es gibt Personen, bei denen die Krankheit unkontrolliert abläuft und sie ihr dadurch vollkommen ausgeliefert sind.
Geduld und Verständnis im Umgang mit den Erkrankten sind notwendig, damit die Symptome nicht verstärkt werden.
Für weitere Informationen besuchen sie bitte unsere Homepage: www.fußballitis.at

Sonntag, Oktober 10, 2010

vergissmeinnicht


Ich schreibe gern Listen.
Falsch.
Ich muss Listen schreiben. Sonst vergess ich alles.
Sobald ich entdecke, dass die Marillenmarmelade dem Ende zugeht, kommt sie auf die Liste neben Klopapier und dem Vermerk, zur Bank zu gehen, um die längst fällige Rechnung zu bezahlen.

Es sind eigentlich keine Listen, wie sich die ein organisierter Mensch vorstellt. Es sind Kritzeleien, auf irgendwelchen Zetterln, die irgendwo herum liegen.

Ich habe auch Einkaufslisten. Diese befinden sich meist auf der Innenseite von abgerissenen Reis-oder Semmelbröselpackungskartons und dann vergess ich sie natürlich, mitzunehmen wenn ich einkaufen gehe.

Ich hab mir auch die PIN-Nummer meiner Bankomatkarte notiert, weil es sein kann, dass ich in Gedanken bin und mir plötzlich alle anderen Nummern als die benötigte einfallen.
Es passiert gelegentlich, dass ich vor dem Bankomat stehe und meine Autonummer, den Geburtstag meiner Mutter oder meine Versicherungsnummer eintippe habe – hintereinander – und dann ist die Karte futsch. Gefressen. Vom gierigen Bankomatenmaul.

Okay, so schlimm wie mit meiner Mutter ist‘s noch nicht.
Aber fast.
Es gibt Tage, da gehe ich in den ersten Stock und stehe dann da, weil ich nicht weiß, was ich hier wollte. Glücklicherweise vergesse ich dann nicht auf‘s Hinuntergehen. Aber das wird auch noch kommen.
Ich gehe in den Garten und weiß nicht, was ich wollte. Und da hilft es auch nicht, dass ich die Kaffeetasse, die leere, und das Handtuch mithabe.
Leere Kaffeetassen und Handtücher in Gärten erinnern mich an nichts.

Ich vergesse auch Namen. Wie hieß der, der da im Film mitgespielt hat? Der Herzallerliebste weiß es auch nicht. Mich beruhigt das. Hat er doch viel weniger zu tun und zu denken als ich.
Der war doch mit der Dings verheiratet, wie heißt die noch? Der, der diese schreckliche Kindheit hatte, weißt eh. Und er war auch dann bei der Talksendung, wie heißt die noch schnell?
Die neueste Liste hat mit meiner Mutter zu tun. Ich darf die nicht verlieren. Die ist wichtig.
Du musst wissen: Das Schlimmste für eine Frau in meinem Alter ist es, zu entdecken, dass man bei sich Verhaltensweisen entdeckt, die einen bei der Mutter nerven. Und ich entdecke in letzter Zeit einiges.

Hier einige Beispiele aus dieser Liste. Weitere folgen.

Ich setze mich immer hin. Egal wo. Ob bei einem Vortrag, in der Bar, im Zug.
Ich frage meinen Sohn über seine derzeitige Freundin und ihre Eltern aus.
Ich wische das Besteck im Restaurant mit der Serviette ab.
Ich bügle Geschirrtücher.
Ich verwende Stoffservietten.
Es ist mir wichtig, wie die Toilette eines Restaurants aussieht.
Ich desinfiziere meine Hände.
Ich habe Lavendelseife gekauft. - Das ist die Todsünde! Gott sei Dank erst ein Mal. Hab die dann weg geworfen.
Die Zitronen, der Ingwer und der Knoblauch in meinem Kühlschrank verschimmeln. Das Joghurt ist abgelaufen und ich esse es trotzdem.
Hausarbeit nervt mich. Manchmal verwende ich den Fön zum Abstauben.

Ladies, hab ich was vergessen?

Freitag, September 24, 2010

morgenroutine

Eigentlich sollte ich in meinem Alter wissen, was ich jeden Morgen anziehe. Aber ich weiß es nicht.
Ich nehme mir zwar jedes Mal vor, mir meine Kleidung am Abend zuvor zurechtzulegen, aber das gelingt mir nicht immer.
Entweder ist das Wetter nicht so, wie ich glaubte, oder ich bin nicht in Stimmung, den roten Pulli, den ich mir rausgesucht habe, zu tragen. Es ist immer irgendwas.
Und ich schaffe es auch leider nicht, meinen Kleiderkasten nach Farben zu ordnen, geschweige denn irgendeine andere Ordnung zuhalten.
Wie sehr bewundere ich die Frauen, die Hosen zu Hosen hängen, schön nach Farben geordnet, von hell nach dunkel oder nach Jahreszeiten.
Bei mir ist alles Kraut und Rüben.
Außerdem hängen meine Hosen nicht. Sie liegen. Irgendwie. Leinenhose auf Schnürlsamthose, Jeans auf kurzer weißer Hose.
Und wenn ich dann endlich einen passenden Rock finde, passt die Bluse nicht. Sie ist zu kurz, zu eng oder macht zu dick.
Die Bluse, die mich schlank macht, passt nicht zum Rock.
Ich nehme die Jeans, die passen farblich würden, die bring ich aber nicht mehr zu, weil ich seit dem letzten Mal, als ich sie getragen habe, drei Kilo zugenommen habe und sie mir damals schon zu eng war.
Und dann finde ich die braune Hose und finde kein passendes Top dazu. Irgendwo muss es doch sein.
Ich finde es zwischen den Socken, muss mir wohl reingerutscht sein, und dann ziehe ich es an und sehe, dass da ein Loch ist.
Ich verstehe nicht, warum ich nichts Passendes finde, kaufe ich doch meine Garderobe immer wohlüberlegt ein.
Aber dann, wenn das neu gekaufte Stück bei mir zu Hause im Kasten hängt, passt es nicht mehr. Es gibt Frauen, die ständig wie aus dem Ei gepellt aussehen. Da passt das Top wunderbar zur Jacke, alles Ton in Ton, die Hose sitzt perfekt, die Schuhe sind geputzt und sehen aus wie neu. Der Schal liegt lässig über den Schultern, wie hin geworfen.
Mein Schal sieht aus, als habe ich in genommen, weil ich Halsweh habe. Wie ein Strick schlingt er sich um meinen Hals.
Ein besonderes Kapitel ist das Anziehen der Nylonstrumpfhose. Es gibt keine One-size- Strumpfhosen, das ist Unsinn. Sie sind immer zu kurz und schon beim ersten Versuch, sie anzuziehen, hab ich eine Laufmasche.
Ja, ich weiß, dass man Handschuhe anziehen soll, wenn man sich in eine Strumpfhose zwängt, aber ich finde die nie. Ich finde nur die Schifäustlinge, und mit denen funktioniert das nicht. Wenn ich es schaffe, die Strumpfhose anzuziehen, befindet sich der Zwickel spätestens um halb neun auf höhe meiner Knie und ich geh herum, als hätte ich mir in die Hose gemacht.
Also beschränke ich mich meistens auf Jeans und Pullover.
Dabei ist mein Kleiderkasten gerammelt voll.
Unlängst sagte meine Kollegin zu mir: Amadea, du könntest viel mehr aus dir machen, bist ja eine aparte Erscheinung. Wollen wir mal gemeinsam shoppen gehen?
Blöde Kuh, blöde. Glaubst ich will so rumlaufen wie du, so Ton in Ton? Ich hab Persönlichkeit, ich bin eine Stilbruchikone.
Ja, gern, sagte ich. Heute Nachmittag?

Sonntag, September 12, 2010

ich bin ein glückskeks


Unlängst bekam ich diese Mail:

Bitte lies diese Mail bis unten durch!
Bis oben werd ich sie lesen, Depp.

Jetzt wurde das Glück an dich versandt.
Wenn es nur nicht versandet, irgendwo.

Du wirst Glück haben, innerhalb der nächsten vier Tage, nachdem du Diese Mail erhalten hast.
Ich hatte dreimal Glück. Das erste Mal, dass ich letzte Nacht um vier Uhr früh von keinem Polizisten aufgehalten wurde. Dann, als ich gerade noch die Toilette erreichen konnte und mein Bett nicht ankotzte. Und heute früh fand ich nach langem Suchen doch noch eine Kopfwehtablette.

Um dein Glück zu erhalten solltest du die Mail allerdings weitersenden.
Ja, ich werde sie an alle Freunde, Verwandte, Hunde- und Katzenhalter, Kollegen und Innen schicken.

Das ist kein Witz und auch keine kommerzielle Kettenmail.
Witzig ist das wirklich nicht.

Du wirst Glück erhalten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (per Post!?).
Man beachte die vielen Rufzeichen und die Klammer. Klar, aber erst morgen. Heute ist Sonntag, no Postman.

Sende Kopien an Menschen, von denen Du meinst, dass sie Glück brauchen können.
Okay, ich schick dem Kachelmann eine Kopie.

Sende kein Geld, denn das menschliche Los hat keinen Preis!!!
Was für ein Geld? Hab ich im Lotto gewonnen?

Behalte diese Mail nicht in deinem Besitz.
Ist schon im Papierkorb. Deutsch ist wohl nicht deine Stärke, was?

Du solltest sie innerhalb von 96 Stunden nach Erhalt weitersenden.
Nerv mich nicht, hab noch zehn Minuten.

Innerhalb weniger (4) Tage gibt es mit Sicherheit eine Überraschung.
Gerade bekam ich meine Periode.

Sogar, wenn du nicht abergläubisch bist.
Hey, ich bin gläubisch!

Achte bitte auf Folgendes:
Björn Besser lernte am 15.04.1999 seine beste Freundin auf der ganzen Welt kennen. Er ist sehr glücklich darüber.
So eine Geschichte kenn ich auch. Von Max Schlächter.

Constantin Diex erhielt diese Mail 1993. Er bat seine Sekretärin zehn Kopien zu versenden. Einige Tage später gewann er im Lotto.
Ich hoffe, er hat die Sekretärin geheiratet!

Ein anderer erhielt diese Mail und vergaß sie innerhalb von 96 Stunden zu verschicken er verlor seinen Job.
So ein Wurschtl aber auch.

Nachdem er diese Mail wieder gefunden hatte, kopierte er sie zehnmal und verschickte sie. Er erhielt nach einigen Tagen eine bessere Arbeitsstelle.
Drum sag ich immer, Papierkorb nicht entleeren.

Ein Offizier erhielt 47 Millionen Pfund.
Wie viel ist das in Euro?

Jou Ekat kam zu 40 Millionen Pfund, verlor dieses Geld jedoch trotzdem, weil er diese Mail nicht weitergegeben hatte.
Ein Eklat!

1987 bekam eine junge Frau aus Kalifornien diese Mail, die mittlerweile undeutlich und fast unleserlich geworden war.
Ich brauch auch eine neue Druckerpatrone.

Sie versprach, diese Mail neu zu schreiben und weiterzusenden. Sie hat sie jedoch liegen gelassen und wollte es später machen. Daraufhin wurde sie mit diversen Problemen konfrontiert.
Die meisten Menschen werden mehr Zeit und Kraft daran, um Probleme herumzureden, anstatt sie anzupacken.“ sagte schon Henry Ford.

Unter anderem mit teuren Reparaturen an ihrem Auto.
Bin ich froh, dass ich ein neues Auto hab.

PS: Dies ist keine Mail mit Geldumlauf. Es ist lediglich ein Angebot positiver Energie und diese mit der daran gebundenen Glückform zu verbinden.
Brauch eh eine Glückform. Hab nur eine Guglhupfform.

Auch bei dieser Verbindung durch Gedankenkraft kann ein Effekt entstehen.
Der Dopplereffekt?

Sollte Dir so viel Glück widerfahren, dass Du es alleine nicht aushältst, teile es mit anderen Menschen.
Also, dagegen verwehre ich mich. Ich will niemanden aushalten.

Viel Glück!!!
Donggsche.
SEHR WICHTIG NOCH ETWAS AM SCHLUSS!
Schrei nicht herum da!

Die Mail wurde von einem Schüler in Karlsruhe, Deutschland, am 14.April 2001 wieder leserlich gemacht, weil durch das Weitersenden lauter Pfeile in der Mail waren und jetzt auch von mir am 23.08.2010 wieder instand gesetzt.
Ein Vifzak, dieser Schüler. Diese Pfeile nerven aber auch. Wie sag ich immer, schön, dass es auch heutzutag fleißige Schüler gibt.

Also, wenn Du die Mail weitersendet, drückt bitte nicht einfach auf weiterleiten, sondern kopiert sie in eine neue Mail, damit sie schön leserlich bleibt!
I’m a copycat.

Wenn ihr sie weiterschickt, entfernt bitte auch die Werbung ganz unten in der Mail.
Gut, dass du mich erinnerst. Das hätt ich fast vergessen.
Übrigens, hab mir unlängst beim Otto-Versand einen Geschirrspüler bestellt. Sehr günstig!

Du musst diese Mail an 10 Leute schicken, vergiss es nicht!!!
Nun nervst du a bissl. Du wiederholst dich ständig.

Glück braucht jeder Mensch.
Wer sagte das? Sicher Dalai Lama.

Wenn dich jemand mag oder liebt wird er alles tun, um dir in jeder Situation zu helfen!
Ok. Wer schließt mir den Geschirrspüler an?

Wenn du diese Mail an 10 liebe Menschen schickst, wird dir heute um 22:00 Uhr etwas Gutes widerfahren und in 4 Tagen erfährst Du wer dich liebt.
Jaaaa, ich hab das kapiert!
Am Donnerstag wird er mir endlich sagen, dass er mich liebt. Wird aber auch Zeit!

So und jetzt warte mal auf 9:00 Uhr!
Jetzt bin ich mal gespannt. Es ist schon fast zwei Uhr Nachmittag!

Ich versichere Dir, dass dies so ist, wirklich.
Weil man mir gesagt hat, dass es in weniger als einer Stunde klappt!
Das geht sich nicht aus mit einer Stunde!

Frag nicht nach, sondern probier es aus.
Wünsche dir was und warte ab, was passiert. Denke an etwas, was du dir wirklich wünschst, weil es funktioniert.
Nochmals neun Wochen Ferien.

Also, dein Schutzengel wird dir einen Wunsch erfüllen Zähle von 10 bis 1 und wenn du bei 1 angelangt bist, wünsch dir was!
10... 09... 08... 07... 06.. 05...04...03....02...01... Wünsch dir was.
Neun Wochen Ferien! Nun hab ich achtzehn. Auch wurscht.

Schicke die e-Mail innerhalb 1 Stunde an 10 Personen.
Wenn Du sie gar nicht oder später verschickst, wird das Gegenteil passieren!
Das Gegenteil? Was ist das Gegenteil von neun Wochen?

Du wurdest gerade vom Glück geküsst!
Schluss mit dem Gesabbere.

Heute wird deine wahre Liebe um Mitternacht herausfinden, dass sie dich liebt.
Ich werde die wahre Liebe kurz nach Mitternacht anrufen und sie fragen, ob sie mich liebt.

Etwas Gutes wird dir morgen zwischen 13:00 und 14:00 passieren, egal wo!
Ja, Mama hat mich zum Essen eingeladen. Es gibt Marillenknödel. Nicht egal, wo. Mamas Marillenknödel sind die besten.


Hab Glück!!!!!!
Danke !!!

Dienstag, September 07, 2010

kisch loren


Zwei Wienerinnen im Cafe:

Amol im Joahr meld‘t er sich.
Wer?
Da Ischias.
Da Nerv?
Jo. Immer rechts.
Es is a Drama. Meiner meldet si immer links. Ich nimm donn a Puiverl. Aber mit Schutz.
Schutz?
Jo, Magenschutz. I kriag sunst söchane Krämpf!
Ich bin a empfindlich in der letzten Zeit. Aber a Möhspeis in der Früh muss sein.
Freili, as Leb‘n ist eh so öd. A bissl a Freid‘ braucht man schon, gö?
Des haßt nix, nua a Buttabrot a da Fruah, i brauch a a Nussbeigal.
Waßt, i hab ja so gern a Pago g’spritzt nach dem Kaffee.
A Pago? Viel zu süß. Ich hab liaba an G’spritzt’n.
Na, schoo, da gibt’s sogar a Kisch Lorän.
Was ist denn a Kisch Loren? Hot des wos mit da Sophia Loren zan tuan?
Red kann Bledsinn. A Kisch Loren is a Oflof, ein französischer. Na herst, kennst des net?
No nia g'hert.
Soll ma uns an Bacardi Cola b’stöll’n?
Na geh, do is z’vü Rum drinnan. Gscheida an Cuba Libre.
Wos is’n da Untaschied?
Da Cuba Libre schmeckt wia a Bacardi Cola, nua bessa.

Freitag, August 27, 2010

beauty is in the eye of the beholder


Ich sitze im Bahnhofrestaurant. Mein Zug fährt in dreißig Minuten.

Ich bestelle einen Kaffee und schaue mich um. Nur wenige Tische sind besetzt.
Neben mir sitzt eine dicke Frau.
Unglaublich.
Ich reibe mir die Augen.
Ein Riesenbusen hängt an ihr dran. Ein Monsterbusen.
Das ist der größte Busen, den ich je in meinem Leben gesehen habe.
Ich starre niemals auf weibliche Brüste, aber nun kann ich nicht anders. Weil sie eben auch dieses besondere T-Shirt trägt. Besonders ist in dem Fall ein überaus höflicher Audruck.
Auf dem T-shirt steht Je suis le King of Pop.
Okay, sage ich mir, sie ist ein Michael-Jackson-Fan und ich verzeihe ihr das. Sie kann wahrscheinlich nicht Französisch.
Der neue King of Pop sitzt neben einer anderen sehr übergewichtigen Frau deren Haar ganz kurz geschnitten ist. Die beiden reden nichts, sondern schaufeln Schokoladekuchen mit Schlagobers in sich hinein.

An einem anderen Tisch sitzt ein kleiner Bub mit dicken, roten Wangen, feistern Oberarmen und einem blonden Schopf.
Sein Vater, ganz das Ebenbild seines Sohnes, stopft ihm Gugelhupf in den Mund.

Als ich aufschaue, kommt eine weitere übergewichtige Frau ins Restaurant. Sie ist verschwitzt und völlig außer Atem.
Was um Himmels willen ist heute hier los? Wieso sind alle so dick?
Muss die Globalisierung sein.
Die Frau ist offensichtlich Amerikanerin. Ich erkenne sie an ihren speziellen Turnschuhen, die unsereins nur im Hochgebirge zum Klettern tragen würden. Sie trägt ein kariertes Hemd, an den Ärmeln aufgekrempelt und eine kurze, beige Hose mit riesigen Taschen. Aus einer Tasche ragt eine halbvolle Colaflasche.
Und –sie hat Hosenträger! Die erste Hosenträgerträgerin, die ich sehe!
Hosenträger kenne ich nur von netten alten Opas mit Schnürlsamthosen, die ständig Holz hacken und aufschlichten. Mein Vater hat auch Hosenträger – für seine Lederne.
Unfassbar, dieser Anblick. Rote Hosenträger, die links und rechts von ihren Brüsten verdeckt sind.
Während sie an mir vorbeigeht, sieht sie mich missbilligend an.
Was ist? Darf ich dich nicht anschauen? Darf ich nicht hier sitzen und meinen Kaffee trinken? Nein, wegen dir schaue ich nicht so entsetzt. Ich schau immer so.

Eine Zwanzigjährige kommt aus der Toilette.
Auf ihrem rosa T-Shirt steht: I am pretty. Das ganze T-Shirt voll mit pretty, pretty, pretty. In allen Farben und Schriften.
Das Problem – sie ist nicht hübsch. Sie hat zwanzig Kilos zu viel. Das T-Shirt ist viel zu eng und zu kurz, der Bauch quillt aus der Hose. Hüften zu ausgeladen, Haar zu blond-schwarz, Gesicht zu grob und Haut zu specking.
Kurz bin ich abgelenkt und denke nach.
Welche Message würde auf meinem T-Shirt stehen? Mir fällt nichts ein.

Ich schaue auf meine Uhr. Zeit zu gehen. Ich bezahle und verlasse das Restaurant.
Beim Hinausgehen hab ich ihn.
Den passenden Spruch.
Für’s T-Shirt. I apologize for staring at you.

Sonntag, August 15, 2010

das italienische frühstück


Nein, das ist eine Ausnahme. Ehrlich. San’S doch a bissl locker. Einmal nur.
Ich lächle sie an.
Sie kneift den Mund zusammen.
Okay, eine Frustrierte, ewig lang verheiratet oder geschieden und genervt von allem und jedem. Vor allem vom Leben. Was kann ich da schon ausrichten? Mit Frauen im Klimawandel ist es schwierig.

Wir sind gerade in Salzburg in den Zug gestiegen und wollen nach Linz. Wir – meine langjährigen Freundinnen Tina, Gerda, Marie und ich – feiern Geburtstag von Tina. Drei Tage Linz. Gerda hat gebucht.

Ich hab das Programm gemacht. Ausgeklügelt. Wohl überlegt. Viel Kultur, viel frische Luft.
Es wurde dann doch ein wenig anders. Viel Shopping und viel Luft. So frisch ist die nicht in der Landstraße vor den Kaffeehäustern. Aber wir waren auch abends in der Luft, der frischeren, in den Gastgärten und an den Stehtischen der Bars.

Geplant war eigentlich ein italienisches Frühstück im Zugabteil, nun war es ein italienisches Mittagessen geworden, weil ich den Zug versäumt hatte.

Amadea, du weißt eh, der Zug kommt in Bhofen um zehn nach zehn an, wir werden dir winken, und du steigst in unser Abteil. Merkst du dir die Zeit oder soll ich dich den Tag vorher noch einmal anrufen?
fragte mich Gerda am Telefon, nachdem sie gebucht hatte.
Ich bin nicht deppert, sagte ich, klar merk ich mir das.

Und so war ich eine halbe Stunde früher in Bhofen gewesen, war dann noch Kaffee trinken und schlenderte eine Vierteslstunde vor Abfahrt des Zugs gemütlich zum Bahnhof.
Aber meine Uhr war stehen geblieben. Genau um fünf vor zehn. Und auf der Bahnhofsuhr war es zwölf nach zehn.
Warum passieren mir immer in den unmöglichsten Momenten die unmöglichsten Dinge? Warum bleiben meine Uhren immer im unpassendsten Moment stehen?
Also nahm ich den Zug eine Stunde später während die anderen in Salzburg auf mich warteten.

Wir sitzen im Speisewagen. Wir wollten da nicht sitzen, wir wollten ganz normal in einem Abteil sitzen. Aber es war nichts mehr frei.
Ich hab ein italienisches Picknick mit. Alles hab ich mit, alles, was du dir vorstellen kannst. Prosecco, Ciabatta, Oliven, Parmaschinken, Parmesan, Tomaten, Cantuccini.
Pappteller und –becher sowie Besteck und Servietten hab ich schon ordentlich aufgelegt und gerade, als ich dabei bin, den Schinken auszupacken, hör ich ein lautes Das geht nicht! Wenn das jeder tun würde!
Die Restaurantchefin ist außer sich. Die Augen hinter ihre Brille funkel böse, sie wischt sich die Schweißperlen vom Gesicht, fährt sich durch’s dunkelrot gefärbte Haar, das einem Vogelnest ähnelt.

Ich frage mich immer wieder, warum so viele Frauen im Klimawandel sich die Haare dunkelrot färben?

Ich konzentriere mich wieder.
Wir sind nicht jeder, liebe Frau, das ist heute ein besonderer Tag, wir haben das auch noch nie gemacht, das ist einmalig.


Die vier Männer aus Vorarlberg, die hinter uns sitzen und schon gut drauf sind, prosten uns zu.
Dürfen wir auch mit naschen?
Klar, sage ich. Prost.

Wenn ich kontrolliert werde, bin ich fällig. Ich kann das nicht erlauben, schreit sie.
Beruhigen Sie sich, bitte. Wir bestellen auch was, gell? Vier Verlängerte, bitte.
Nein, das geht nicht, räumen Sie das sofort weg.
Ich beiße vom Ciabatta und stecke mir ein Stück Parmesan in den Mund.
Besorgen Sie uns einen Platz in einem Waggon und wir sind weg, sage ich mit vollem Mund.
Das kann ich nicht, ich bin kein Schaffner.
Ich gebe Ihnen zehn Euro für die Unannehmlichkeiten. Bitte! Ich lächle sie an.
Ich bin nicht bestechlich. Weg mit dem Zeug.
Alle Gäste im Speisewagen sind auf meiner Seite, ich spüre es. Alle lachen und sind gut gelaunt. Gleich werde ich sei überredet haben.

Da stuppst mich Gerda an: Amadea, räum das weg, bitte.
Marie und Tina nicken. Verräterinnen denke ich, Spielverderberinnen sage ich und packe alles ein.

Ich bin es nicht gewohnt, dass ich nachgeben muss. Nicht, wenn ich eine Idee habe und vor allem nicht, wenn die Idee so schön ist.
Es zählt der Wille, Amadea, sagt Tina. Und alle nicken.
Ich gebe mich geschlagen.
Also picknicken wir nach dem Aussteigen auf einem Grünstreifen in Linz. Und der Obdachlose, der neben uns sitzt, bekommt einen Becher Prosecco.
Happy birthday, Tina!

Samstag, Juni 12, 2010

liebste - wir haben WM


Liebe Ehefrau,

Nun ist es an der Zeit, dir zu sagen, dass du ab sofort jeden Tag in der Zeitung den Sportteil lesen sollst.
Nein, du liest den Artikel über den weiblichen Zyklus nicht, du interessierst dich auch nicht für Schminktipps und du liest weder die Wienerin noch Woman.
Du liest überhaupt keine Hochglanzmagazine, weil in denen gibt es keinen Sportteil. Nein, das ist nicht Sport, wenn da steht, welches neue Outfit die Ehefrau von Didier Drogba zur Eröffnung in Südafrika trägt.
Du liest nur den Sportteil der Tageszeitung, und da nur die Berichte über den Weltcup. Damit du weißt, was so ansteht und du ein wenig mitreden kannst.
Falls du dich weigerst, beschwere dich nicht, wenn ich dich nun ab sofort ignoriere. Und reg dich nicht auf, wenn ich dich vernachlässige und dir keine Aufmerksamkeit schenke.

Und nun zu den Regeln:

1)
Während der WM gehört der Fernseher mir. Und zwar immer und ohne Ausnahme. Solltest du es wagen, die Fernbedienung nur anzurühren, ist er weg, der manikürte Daumennagel.

2)
Wenn du am Fernsehgerät vorbei musst, dann hab ich nichts dagegen, solange du auf allen Vieren kriechst.

3)
Während der Fußballübertragungen bin ich blind, taub und stumm. Die einzigen Ausnahmen beschränken sich auf Essen und Trinken. Wenn ich ein Bier will, werde ich es dir sagen und wenn ich hungrig bin, auch.
Unterlass es mir zu sagen, ich soll dir zuhören, weil du mit mir reden musst. Du musst nicht mit mir reden.
Ich werde auch keine Telefongespräche führen, weder mit irgendeiner Freundin und schon gar nicht mit deiner Mutter. Und komm mir ja nicht mit dem Satz: Schatz, das Telefon läutet. Geh ran, ich kann grad nicht.
Ich werde auch nicht Babysitten, egal was passiert. Und wenn es an der Tür läutet, werde ich nicht aufstehen.

4)
Es wäre eine gute Idee, den Kühlschrank täglich mit Bier aufzufüllen und dafür zu sorgen, dass immer genügend Nachschub da ist.
Ich brauche in den nächsten Wochen weder dreigängige Menüs noch irgendwelche gesunden Buchweizenlaibchen. Ich brauche nur was zu knabbern (und ich meine damit nicht deine Ohrläppchen oder ähnliches).
Und wenn meine Kumpels kommen, sei einfach ruhig. Keine vorwurfsvollen oder abschätzigen Blicke, bitte. Sei einfach unsichtbar und vor allem ruhig.
Wenn du das alles befolgst, erlaube ich dir, zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh den Fernseher zu benützen, außer ich habe ein wichtiges Spiel verpasst.

5)
Und nun das Wichtigste. Wenn du merkst, dass ich aufgebracht bin und nervös, weil meine Mannschaft verliert, sag ja nicht: Es ist nur ein Spiel. Reg dich nicht auf. Sag auch nicht: Das nächste Mal gewinnen sie sicher.
Du willst doch nicht meine Liebe zu dir auf’s Spiel setzen, oder?
Nein, du brauchst mich nicht aufzumuntern, du erreichst nur das Gegenteil.
Nein, du verstehst nichts vom Fußball.
Ja, solche Äußerungen könnten zur Scheidung führen.

6)
Einmal werde ich dir erlauben, mit mir gemeinsam ein Spiel anzuschauen. Vielleicht wenn Nordkorea spielt. Das sehen wir noch, wann. Ich werde dich rechtzeitig informieren. Du darfst dann ein wenig mit mir reden, aber nur wenn Werbung läuft.

7)
Wiederholungen von Toren sind wichtig. Es ist egal, ob ich das Tor gesehen habe, ich will es immer wieder sehen. Immer wieder. Und zwar in Ruhe.

8)
Erzähle bitte im Voraus deiner riesigen Verwandtschaft, dass es ab nun keine Besuche mehr gibt. Weder zum Kaffeeklatsch am Wochenende noch zum Grillfest am lauen Sommerabend. Es gibt überhaupt keine Besuche in den nächsten Wochen, merk dir das. Gar keine. Die sollen sich alle Besuche bis zum 12. Juli aufsparen.
Außerdem werde ich in den nächsten Wochen weder Hochzeiten noch Beerdigungen besuchen.
Ich will keine Fragen ob diese oder jene Schuhe besser passen oder du in diesem oder jenem Fummel dick aussiehst und ich will auch nicht die Farbe des Sarges von deinem Urgroßonkel Erwin diskutieren, falls er das Zeitliche segnen sollte.
Ersuche deine Freundinnen, in den nächsten Wochen weder zu entbinden, noch irgendwelche Taufen anzusetzen. Ich werde auch zu keinen Geburtstagsfeiern gehen, mögen sie noch so rund sein.
Egal, was ansteht: Ich werde nirgends hingehen.

9)
Die Zusammenfassungen am Abend im Fernsehen sind genauso wichtig wie die Fußballspiele. Sag ja nicht: Das hast du schon gesehen. Warum schaltest du nicht um damit wir gemeinsam die nette Serie anschauen können? Bevor du noch was sagst, lies den ersten Absatz der Regeln noch einmal genau durch.

10)
Solltest du irgendwann eine Autopanne haben, wenn du unterwegs bist, erlaube ich dir ausnahmsweise, fremde Männer anzusprechen, damit sie dir helfen. Ja, ausnahmsweise darfst du auch per Anhalter nach Hause fahren, und ja, egal wenn es dunkel ist.

Ich danke dir für dein Verständnis.

In Liebe,
Dein Ehemann

Mittwoch, Mai 26, 2010

rosa


Vor einigen Tagen ging ich ins Dorfgasthaus zum Mittagessen.

Zwei Kollegen saßen da.
An meinem Tisch, also da, wo ich immer sitze, saß Rosa.
Nebenan Ferdinand, der Mathematiker. Er war in die Zeitung vertieft.

Rosa, auch Englischlehrerin, unterrichtet im Nachbarort. Sie geht nächstes Jahr in Pension. Ich weiß nie wirklich, was ich mit Rosa reden soll.
Aber es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu ihr zu setzen. Vor allem, weil sie mich erwartungsvoll anschaute und sich offensichtlich freute, mich zu sehen.
Sie hatte noch nicht bestellt und als der Kellner kam, entschieden wir uns beide für das Menü. Faschierte Laiberl mit Sauce, Reis und Fisolen.
Es gibt nur ein Thema, über das ich mit Rosa reden kann – Schule.
Der Kellner brachte das Essen. Sah alles wunderbar aus.
„Sag mal, Amadea, welche Klassenlektüre hast du denn in diesem Jahr in der Zweiten? Du hast doch auch die Zweite, nicht wahr?“ fragte sie, gleich nachdem wir zu essen begonnen hatten.
„Ja, wir lesen grad die Gespenstergeschichten.“
„Perfekt!“ rief sie.

Was sie danach sagte, hörte ich nicht mehr.
Weil, wenn du Reis im Mund hast und Perfekt sagst - Rosa hatte gerade Reis im Mund – dann ist es schwierig. Schwierig, den Reis im Mund zu behalten.
Und Rosa behielt ihn nicht im Mund, jedenfalls nicht alle Reiskörner.
Wie in Zeitlupe sah ich es, das Reiskörnchen, das eine. Das aus ihrem Mund flog und nach einem hohen Looping auf meinem Teller landete. Genauer gesagt, auf meinen Fisolen.
Rosa wusste auch, dass das Reiskorn irgendwo auf meinem Teller lag. Ich sah es an ihrem Blick. Aber wie so oft, wenn einem etwas Peinliches passiert, ignoriert man es.

Ich schaute Rosa an.
Ihr Blick sagte: Mach das Beste draus.
Und mein Blick sagte vermutlich: Du weißt, ich bin empfindlich in diesen Dingen. Red nicht mit vollem Mund.
Aber weil Blicke nicht reden sondern nur sagen, geschah gar nichts.
Rosa redete weiter. Aber ich hörte nicht mehr, was sie sagte.
Ich war geschockt. Ich starrte nur noch auf meine Fisolen. Rosas Reiskorn war da irgendwo.

Ich schaute die Fisolen genauer an. Da lagen Reiskörner. Vier oder fünf. Und welches war nun das aus ihrem Mund?
Ich kann die Fisolen nicht essen. Niemals! Wo ich eh so empfindlich bin. Ich kann kein Reiskorn aus Rosas Mund essen. Das geht nicht.

Als ich Rosa anschaute, sah ich, dass ihr Gesicht knallrot war. Ich glaube, ich habe gegrinst. Aus Verlegenheit. Ich mache das manchmal, so ganz unbewusst.
„Mein Gott, nun glaubt sie, ich lache sie aus“.
Rosa aß weiter und ich stocherte langsam in meinem Essen herum. Die Fisolen rührte ich nicht an.

Als ich aufschaute, sah ich, dass sie ganz ernst geworden war. Sie redete auch nicht mehr. Sie saß ganz zusammen gesunken auf ihrem Sessel.
Was, wenn sie nun wirklich beleidigt war? Sie war eh so empfindlich und gleich angerührt. Wortlos saßen wir da, sie essend, ich stochernd.
Ich aß weiter. Reis und Fleischlaibchen. Nachdem ich fertig war, legte ich das Besteck auf meinen Teller und wischte mir mit der Serviette den Mund ab.
Die Fisolen gemeinsam mit den vier oder fünf Reiskörnern hatte ich übrig gelassen.

Rosa war auch fertig mit dem Essen. Sie wirkte entsetzlich unglücklich und wich meinem Blick aus. Das konnte ich ihr nicht antun. Nein. Nicht ein Jahr vor ihrer Pensionierung.
Wer weiß, ob ich das wiedergutmachen konnte.
Sie würde das nie vergessen und vor allem nicht das Drama, das sich abgespielt hatte. Vor allem nicht meine Reaktion darauf!

Ich muss die Fisolen essen. Ich muss! Was macht das schon? Das bisschen Speichel aus dem Mund einer Kollegin. Das schadet doch nicht! Ich muss da durch.

Ich nahm mein Besteck und begann.
Als ich die Fisolen auf der Zunge spürte, passierte es. Ein Würgen, ein Husten. Uääägh...
Die Fisolen lagen wiederum da, wo sie vorher gewesen waren.
Nur dieses Mal mit etwas von meinem Speichel zusätzlich zum Reiskorn mit Rosas Speichel.

Ich legte das Besteck weg, wischte mir den Mund ab und die Tränen von den Wangen.

Just in dem Augenblick sah Ferdinand von seiner Zeitung auf. Er hatte sie wohl ausgelesen.
Hey, Amadea. Magst du keine Fisolen?
Nein, ..

Bevor ich noch was sagen konnte, stand er schon da und sagte: Darf ich? Ich liebe Fisolen.
Schon war er da mit einer Gabel, schnappte sich den Teller und aß in Windeseile alles auf.

Mahlzeit, stammelte ich. Rosa sagte nichts. Ihr Gesicht war nun grün. Fisolengrün.

Donnerstag, Mai 13, 2010

flower power


Liebe Frau und Mutter: Nun war ja grad Muttertag und du hast bestimmt Blumen bekommen.
Oder stell dir vor, du hast Geburtstag, und - nur mal angenommen - jemand schickt dir Blumen ins Büro. Dein Tag ist gerettet, du hast ein Lächeln auf den Lippen. Jemand hat an dich gedacht.
Am Ende des Arbeitstages machst du dich auf den Heimweg. Und du hast diesen riesigen Blumenstrauß mit.
Ist dir schon mal aufgefallen, wie schwierig es ist, wie komisch und eigenartig, während des Gehens einen Blumenstrauß zu halten? Du weißt nie, wie du ihn tragen sollst.
Und wenn du darüber noch ein wenig länger nachdenkst, entdeckst du, dass es sechs verschiedene Arten gibt, den Blumenstrauß zu halten.

Die Braut
Sie hält den Blumenstrauß mit beiden Händen fest, direkt vor Magen oder Bauch.
Wenn du der Typ Braut bist, vermeide das Erröten, geh auf keinen Fall langsam und trag um Himmels willen kein weißes Kleid.

Die Lässige
Sie trägt den Blumenstrauß in der rechten oder linken Hand und hält ihn etwas weg vom Körper. Die Blüten zeigen schräg nach oben.
Die Lässige ist sich nicht bewusst, dass sie einen wunderbaren Blumenstrauß trägt. Sie trägt ihn in der Art: Was? Wo? Ein Blumenstrauß? Oh, dieser da...
Beachte: Diese Art des Blumenstraußtragens ist nicht geeignet für Frauen mit empfindlichen und dünnen Handgelenken.

Die Straßenkehrerin
Sie trägt den Blumenstrauß in einer Hand, hält in ganz unten bei den Stängeln und weg vom Körper. Die Blüten zeigen schräg nach unten.
Sie signalisiert unmissverständlich, dass es ihr peinlich ist, dass sie Blumen bekommen hat. Vermutlich ist ihr Gesicht vor lauter Peinlichkeit tiefrot angelaufen. Diese Methode eignet sich hervorragend dafür, die Blüten des Blumenstraußes zu verlieren, weil der Schwerpunkt desselben sich zu weit unten befindet und das Pendeln das übrige erledigt.

Der Fackelträger
Er ist immer ein Mann und trägt den Blumenstrauß so wie seinerzeit die Riefenstahl die Fackel im Film Olympia. Einhändig, Ellbogen abgewinkelt, Blumenstrauß ziemlich weit entfernt vom Körper, Blüten in der Höhe des Ohrs.
Diese Art des Blumenstraußtragens wird sehr oft von Ehemännern angewendet. Die Position signalisiert, dass der Blumenstraußträger nur der Überbringer ist. Die Blumen sind nie für ihn selbst bestimmt.
Außerdem signalisiert er seiner Umwelt: Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich Blumen geschenkt bekomme? Und wenn, dann würde ich doch niemals mit dem Buschen auf der Straße rumlaufen. Bin doch kein Weichei.
Probleme können im Schulter- und Nackenbereich auftreten, vor allem bei nicht trainierten Mannsbildern.

Die Preisträgerin
Sie trägt den Blumenstrauß in einer Hand, die Blüten ruhen in der gegenüberliegenden Armbeuge.
Diese Person liebt ihren Blumenstrauß. Für sie ist er etwas Besonderes und ihr gebührt wirklich ein Oscar für die liebevolle Behandlung.

Die Mikrophonträgerin

Der Name sagt alles. Blumenstrauß mit einer oder beiden Händen direkt vor dem Körper gehalten, aufrecht und leicht zum Gesicht geneigt, die Blüten vor dem Mund.
Sieht aus wie eine Karaokesängerin kurz vor dem Auftritt.
Zu vermeiden sind giftige Blüten, wie die Engelstrompete.

Und? Hast du dich erkannt?
Welcher Typ bist du?
Ich bin eine Mischform zwischen Lässiger, Putzfrau und Fackelträgerin.

Freitag, April 30, 2010

hey, teacher


Wir Lehrer lieben Regeln.
Deshalb halten wir uns auch an die zehn Gebote und die Gesetze. Und an die Grammatikregeln.
Deshalb werden wir wirklich grantig, wenn ein Schüler statt Doppel S ein S schreibt und statt den vierten Fall dem dritten verwendet.
Es ist dem Lehrer angeboren, Fehler zu finden. Vor allem beim anderen.

Wenn du einen Lehrer fragst, was ihn am meisten aufregt und beschäftigt im Leben, so wird er nicht sagen, Wirtschaftskrise oder Klimawandel.
Nein, er wird sagen, dass es ihn am meisten nervt, wenn Leute oder Schüler den Dativ oder Akusativ, irgend einenen Fall halt, nach dem Zufallsprinzip verwenden. Das bringt ihn auf die Palme oder, hier im Gebirg, auf den nächsten Nadelbaum.
Weißt du, was ihn richtig nervt? Wenn im Fernsehen ein Schnösel einen Satz mit insofern beginnt und ihnmit dass fortsetzt. Der kriegt Zuständ, der Lehrer, wenn er das hört.
Nach insofern gehört als und nicht dass!


Leute wollen immer wieder ehemalige Lehrer bei diversen Klassen- oder Maturatreffen beeindrucken.
Wenn du willst, dass dich ein Lehrer bewundert, dann schau, dass du irgendein kompliziertes Grammatikthema findest und diskutiere es mit ihm. Und dann besteh auf deinem Standpunkt. Hör dir zwar seinen an, aber widersprich ihm, drücke dich jedoch korrekt aus und untermaure deine Theorie mit gut gewählten Beispielen, in die du ein paar Fremdwörter einbaust.
Am besten solche, die dem Zeitgeist entsprechen oder die er nicht kennt. Beistrichregeln in Gliedsätzen wären zum Beispiel ganz gut. Oder Konjunktiv II – Sätze mit wusche, mölke bekömme, etc.

Das größte Vergnügen für einen Lehrer ist es, Bücher und Zeitschriften auf Rechtschreib- und Stilfehler zu durchforsten. Wenn er dann einen findet, weiß er, dass er besser ist als der Autor und Lektor mitsammen. Je größer die Auflage des Buches oder der Zeitschrift, desto größer seine Begeisterung. Wenn der Lehrer also einen Fehler in der Kronenzeitung findet, schmeißt er noch am selben Abend eine Party.

Glaub nicht, dass ein Lehrer großzügig darüber hinweg sieht, wenn du ihm eine Email schickst, in dem der eine oder andere Beistrich fehlt. Da bist du unten durch bei ihm.
Du kannst das vermeiden indem du ihm etwas zum Korrekturlesen gibst. Sei so gut Hans, und lies mir das durch. Ich muss für meinen Chef einen Bericht schreiben und bin mir nicht sicher, ob das so passt. Du weißt, ich hab’s nicht so mit der Rechtschreibung.
Es bestätigt seine Meinung, dass er für Höheres bestimmt und für seinen Job überqualifiziert ist.

Du musst nämlich wissen, einer, der Lehrer wird, kann sonst nichts. Ich weiß nicht, wer das sagte. Jedenfalls kein Lehrer.

Montag, April 19, 2010

FrauHofer


Nun zwitschert meine Nachbarin, die Frau Hofer. Weib, blödes. Hat die nix Besseres zu tun? Soll lieber schauen, dass sie ihre Kinder in Zaum hält.

Montag, April 12, 2010

backe, backe kuchen

Es gibt eine Sache, die ich nicht wirklich gut kann: Kuchen backen.
Ok, es gibt noch anderes, das ich nicht gut kann: Mathematik.
Aber - Mathe ist unwichtig, Kuchen backen nicht.

Eine Kollegin brachte vor einigen Wochen einen wunderbaren Kuchen in die Schule. Seither versuche ich, den Kuchen nach zu backen. Drei Versuche gab es bereits.
Ich kann super kochen und darum verstehe ich nicht, dass meine Kuchen nie was werden und nach nichts schmecken. Und wenn sie halbwegs schmecken, dann sehen sie nicht wie ein Kuchen aus, sondern wie ein Teigklumpen.

Gestern war ich bei meinen Eltern und brachte den dritten Versuchskuchen mit. Sogar Hundedame Maddie verschmähte ihn. Dabei hat Maddie schon ein Paar Socken gefressen und ein Taschentuch. Das, um klar zu stellen, wie schlecht mein Kuchen schmeckte!

Es beunruhigt mich. Ich habe zwei erwachsene Söhne und war jahrelang verheiratet und kann nicht Kuchen backen!
Wie kann ich mein Kuchenbackgen aktivieren? Ich bin sicher, es schlummert irgendwo tief in mir, es muss nur geweckt werden.
Soll ich einen Volkshochschulkurs machen oder an einem Strickkurs teilnehmen? Damit warte ich noch. Ich will es zuerst mal selbst probieren.
Ich habe einen Plan ausgearbeitet, an den ich mich halten werde. Wenn der nicht funktioniert, werde ich weitere Schritte einleiten.

Hier die einzelnen Punkte:
1) Halte dich an ein Rezept und backe nicht irgendeinen Kuchen vom Schuhbeck nach, dessen Sendung du vor Jahren um Weihnachten herum gesehen hast und an den du dich nur vage erinnerst, weil du zu viel Glühwein intus hattest.

2) Verwende eine Küchenwaage. Wiege jede einzelne Zutat genau ab anstatt alles nach Gefühl unterzumengen.

3) Halte dich an die Mengenangaben.
Nimm fünf Eier wenn da steht fünf Eier und nicht zwei weil du nur zwei hast.
Back den Teig nur dann, wenn er wie ein Teig aussieht. Schmeiß ihn weg, wenn er wie Zement aussieht.

4) Hör auf, Zutaten zu verwenden, die ähnlich der vorgegebenen sind.
Wenn da steht, Backpulver, dann nimm es und nicht Salz weil du kein Backpulver hast. Salz und Backpulver sind nicht dasselbe, auch wenn du das vom Chemieunterricht so in Erinnerung hast. Nimm nicht Muskatnuss anstatt Zimt auch wenn die Farbe ähnlich ist.

5) Hör auf, mit dem Kuchenrezept zu streiten: Was, Mehl sieben? Wozu ist das denn gut?
Wie, eine halbe Stunde mixen? Bist du wahnsinnig?
Eine Stunde bei hundertfünfzig Grad? Spinnst du? Eine halbe Stunde bei 300 Grad muss reichen.

So, das ist geschafft.
Es geht los! Zu Weihnachten pack ich’s an. Und dann verschenk ich den Kuchen. Selbstgebackenes zu verschenken ist so schön altmodisch.

Freitag, März 12, 2010

im hotel


Natürlich weißt du, dass in einem Hotelzimmer viele Menschen übernachten. Hintereinander, versteht sich.

Außer du bist in einem Fleabag-Hotel in Leinster Gardens, das ich vor einigen Jahren immer bewohnte wenn ich in London weilte.
Dieses Hotel hieß nur Hotel. Es war keines.
Es hatte den Charme einer Flüchtlingsherberge mit Etagenbetten und Zehnpersonenzimmern.
Es war ein Überbleibsel aus der viktorianischen Zeit und seither war nichts verändert worden.
Ich bekam immer das Einzelzimmer ganz oben unterm Dach, drei Quadratmeter groß mit Dusche, eingebaut in einem weißgestrichenen Holzrahmen.

Hast du dir je bewusst gemacht, wer aller in dem Zimmer, in dem du eine Nacht oder mehrere Nächte verbringst, gewohnt hast? Tausende von Menschen.
Vermutlich willst du gar nicht so genau wissen, wer da aller übernachtet hat und was diese Leute in dem Zimmer gemacht haben.
Aber so ist das eben. Ein Hotel verdient damit sein Geld.
Und du glaubst, dass alles wunderbar sauber und geputzt ist. Im Großen und Ganzen ist das auch so.
Aber bedenke: Auch wenn es ein piekfeines Hotel ist, das sorgfältig geputzt und gereinigt ist, schläfst du trotzdem inmitten von Tausenden Mikroben von tausenden fremden Menschen.
Okay, das Bett wird frisch bezogen, Badezimmer und Toilette werden geputzt, die Kacheln gewischt, die Tische poliert.
Aber – und das merke dir, diese Zierkissen werden nicht gewaschen und genau so wenig die dekorative Tagesdecke.
Und ich bin mir sicher, du bist da auch so pingelig wie ich. Du achtest peinlich darauf, diese Tagesdecke weder mit Fuß noch Arm, noch anderen Körperteilen zu berühren.
Du weißt auch, dass die Böden in Hotels IMMER Teppichböden sind.
Und auch wenn da noch so genau Staub gesaugt wird, es bleiben IMMER Hautschuppen, Haare – glatte, lange und weniger lange, krause – liegen. IMMER! So genau kann gar niemand putzen und Staub saugen. Und irgendwo bleiben eingetrocknete Körpersäfte, woher die auch immer stammen mögen, kleben.

Du kannst deinen Aufenthalt in einem Hotelzimmer nur wirklich genießen, wenn du eine nicht zu ausgeprägte Phantasie hast. Zu den Menschen gehöre ich leider nicht.
Aber ich will dem Hotelreinigungspersonal nichts unterstellen. Sie bemühen sich redlich.
Alles wird ordentlich zurechtgerückt, die Vase genau in die Mitte des kleinen Tischchens, Kuli und Schreibblock rechts von der Lampe auf die Abstellfläche vor dem Spiegel, Fernbedienung neben den Fernseher und Getränke in die Minibar. Vorhänge werden ordentlich drapiert.

Manchmal, auch wenn es ein gutes Hotel ist, findest du einige Beweismittel für die Anwesenheit von anderen Menschen unter dem Bett oder in der Ecke hinter dem Vorhang. Eine Münze, einen Kassabon.
Oder du siehst einen kleinen fettigen Abdruck einer Nase am Fenster wenn du die Gardine zur Seite ziehst. Manchmal hast du auch Pech und du findest ein Stück gebrauchtes Pflaster oder ein Taschentuch.

Ich war vor einigen Wochen in einem netten Hotel nicht weit weg von Salzburg. Ich brauchte einige Tage Entspannung.
Es war ein schönes Hotel mit vier Sternen und wunderbarem Wellnessbereich. Das Zimmer war sehr sauber und liebevoll mit Details eingerichtet. Das Bad war blitzblank, die Bettwäsche duftete und war makellos gebügelt. Und zur Begrüßung stand ein frisch gebackener Guglhupf auf dem Tischchen, auf dem sonst Blumen stehen. Es deutete nichts darauf hin, dass in dem Zimmer vor mir jemand anderer gewesen war. So wie es sein sollte. Es war mein Zimmer, meines ganz alleine. Für einige Tage. Doch am Abend, nachdem ich mich geduscht hatte, sah ich es.
Hier war jemand vor mir gewesen. Eigentlich zwei Jemande. In meinem Zimmer. In meinem Bett.
Da, auf dem Spiegel, in großen Lettern, las ich: ICH LIEBE DICH. Man konnte es nur sehen, wenn der Spiegel beschlagen war.
Wie lange waren die beiden da gewesen? Eine Nacht, ein Wochenende, drei Wochen?
Wer waren sie gewesen? Ein junges Pärchen? Ein Hochzeitspaar?
War es ein geheimes Stelldichein gewesen?
Wurde diese Liebe erwidert? War sie einseitig? Verschmäht?
War dieser Satz ein verzweifelter Versuch, den anderen wieder zu gewinnen?
Wurde dieser Satz auch gelesen von dem, der ihn lesen sollte? Oder war er nur so dahin geschrieben worden?

Eigenartig, wenn du plötzlich bemerkst, dass du im Hotelzimmer, das du als das deinige angesehen hast, nicht alleine bist.