Dienstag, Juli 24, 2007

heinz

Lo ist fährt wieder einmal in den Urlaub. Mit der Familie. Für zehn Tage.
Amadea, du bist schon erfahren darin.
Worin?
Na, auf Haus und Garten zu schauen wenn ich weg bin. Und auf Heinz.
Heinz, wer ist Heinz? Seit wann habt ihr einen Untermieter?
Heinz ist die Schildkröte.
Du hast mir gar nicht gesagt, dass ihr eine Schildkröte habt.
Na ja, sagt sie. Erst seit gestern.
Seit gestern? Und da fahrt ihr heute in den Urlaub?
Die Schildkröte hat sich ergeben.
Lo, sei nicht albern. Eine Schildkröte ergibt sich nicht. Es sei denn, ihr ist schlecht oder sie wird bedroht.
Sei doch einmal ernst, Amadea. Wir haben sie vom Bartl.
Vom Bartl, dem Fischer?
Ja, von dem.
Seit wann hat der Schildkröten?
Hat er eh nicht. Wir wollten eine und er hat sie uns besorgt.
Wie kann man eine Schildkröte wollen? Was Langweiligeres hättet ihr euch nicht aussuchen können?
Das Kind wollte eine.
Aha, das Kind wollte eine.
Und wenn das Kind ein Krokodil will, bekommt es eines, so mir nix, dir nix?
Es wollte kein Krokodil, das Kind, es wollte nur eine Schildkröte. Und normalerweise kostet so eine Schildkröte zweihundertfünfzig Euro. Und wir bekamen sie für zwanzig. Weil der Bartl den Schildkrötenzüchter kennt. Der wohnt in Griechenland. Da, wo der Bartl immer das Olivenöl holt. Und deshalb haben wir die Schildkröte. Eine griechische Landschildkröte. Sie heißt Heinz.
Lo, erzähl mir nicht, dass eine griechische Schildkröte Heinz heißt. Heinz heißen deutsche und österreichische Schildkröten. Griechische heißen Jorgos oder Dimitri.
Egal, unsere heißt Heinz. Und weil wir morgen in den Urlaub fahren, hast du die Ehre, auf Heinz aufzupassen.
Na toll. Und wo soll der wohnen? Bei mir am Balkon? Ich habe keine Erfahrung mit Schildkröten, gar keine.
Du musst gar nichts tun, außer sie füttern.
Womit?
Na, mit Gras und Karotte. Und manchmal, wenn es besonders heiß ist, dann spritzt du ihr mit dem Schlauch a bissl in den Käfig. Wir haben extra für Heinz einen Käfig gemacht. Der steht unterm Baum. Da hat der Heinz am Morgen Sonne und am Nachmittag Schatten.
Lo, zuerst will ich den Heinz sehen.
Lo holt den Heinz. Er ist ungefähr fünf Zentimeter groß.
Das ist Heinz? Das ist keine Schildkröte, das ist eine Schildlaus, so klein wie die ist.
Egal, jedenfalls ist Heinz wirklich toll.
Lo, wie kannst du sagen, er ist toll wo ihr ihn erst seit gestern habt?
Er ist toll, ich sag es dir. Eine wirkliche Persönlichkeit. Und schnell ist der. Gestern haben wir ihn ein wenig krabbeln lassen in der Küche und schon war er weg. Weg. Wir haben ihn zwei Stunden suchen müssen. Und dann fanden wir ihn unter der Couch im Wohnzimmer.
Amadea, pass mir ja gut auf auf den Heinz. Ich mach mir eh Sorgen. Er hat eine Augenentzündung.
Na toll. nun habt ihr seit gestern diese Kröte und heut ist sie schon krank. Woran erkennt man Augenentzündungen an Schildkröten? Außerdem siehst ja gar kein Aug, so klein wie der ist.
Ein Auge tränt.
Lass mal schauen.
Nicht so wild, Amadea.
Ich seh nix. Der hat sicher keine Augenentzündung. Der weint nur, weil ihr morgen in den Urlaub fährt. Wo fährt ihr hin?
Nach Griechenland.
Und da nehmt ihr den Heinz gar nicht mit? Ihr seid wirklich gemein. Klar, dass der weint. Das merkt der, dass ihr in seine Heimat fährt.
Jedenfalls fuhren sie. Ohne Heinz.
Am vergangenen Sonntag.
Und ich hab ihn nun am Hals. Und mach mir Sorgen. Und schaue jeden Tag nach ihm.
Und ich glaub, das zweite Auge tränt nun auch.
Ich sehe das zwar nicht, aber ich hab es so im Gefühl.
Ich seh nicht mal, ob er was frisst. Die Karotte ist noch ganz und Gras fehlt auch keines.
Eh klar, nur Karotte und Gras, tagaus, tagein. So geht das nicht.
Also nahm ich ihm gestern ein Salatblatt mit, ein großes.
Ich will, dass er wächst. Ich will, dass er wirklich groß wird.
Damit ich Lo und ihre Familie überraschen kann.
Mit einer Schildkrötensuppe.
Soll ich sie mit Curry oder auf die „chinesische Art“ zubereiten oder doch nach dem Rezept, das ich gefunden habe?


Schildkrötensuppe

1 Schildkröte
6 Sardellen
200 gr. Champignons
Thymian, Lavendel, Lorbeerblatt, Majoran und Basilikenkraut (Basilikum)Sellerie, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, ganzer Pfeffer, Piment, Nelken
Mehl
50 gr.Butter
2 Flaschen Portwein

Die durch die heutigen raschen Verbindungen auch hier leichter frisch zu genießen, bereitet man, indem man eine lebende Schildkröte auf den Rücken legt, möglichst rasch den hervorkommenden Kopf erfasst, ihn fest aufdrückt und mit kräftigem Schnitt glatt vom Halse trennt.
Dann hängt man das Tier zum Ausbluten an den Hinterbeinen auf, macht an der Bauchseite des Hinterteils einen handlangen Einschnitt, nimmt es aus und lässt es über Nacht, den Panzer nach unten gekehrt, in kaltem Wasser stehen.
Andern Tags löst man mit scharfem Messer das Fleisch vom Panzer, schneidet es in Stücke, wäscht es mit Salzwasser ab, trennt Füße, Hals- und Knochenteile ab und kocht diese, in kleine Stücke verhackt , mit dem Fleische. Nachdem dies 5 Minuten in siedendem Wasser gekocht, kühlt man es wieder ab, um die Hornhaut zu entfernen. Dann legt man alles in eine geräumige Kasserolle , gibt 6 gehackte Sardellen, 1/4 L. Champignons, die Gewürze, den Sellerie, die Zwiebeln, ein klein wenig Knoblauch dazu, auch noch eine ganze Hand voll ganzen Pfeffer, Piment und einige Nelken und kocht dies alles, bis das Fleisch gar ist, etwa 2 bis 3 Stunden lang, während welchen man das reichliche , schöne grüne (!!!) Fett abhebt.
Man rührt hierauf die mächtige Suppe durch ein Haarsieb über 6 Esslöffel voll Mehl, die man mit 50 gr. Butter schön hellbraun röstet, ab.Indessen hat man zwei Flaschen Portwein auf die Hälfte einzukochen, den man mit etwas Salz und feinem Pfeffer würzt und dann unter Rühren nochmals rasch mit der Suppe aufkochen lässt. Das Schildkrötenfleisch wird, so viel man dazu braucht, gewürfelt hinein getan und die Suppe über Fleischklößchen angerichtet.
Man kann, wenn das Tier groß ist, die übrig bleibende Brühe wochenlang an einem kühlen Orte aufbewahren; in diesem Fall füllt man das übrige Fleisch gewürfelt portionsweis in Steintöpfe, bedeckt es mit der überflüssigen Brühe und läßt das abgeschöpfte Fett darauf gerinnen. Die Töpfe werden fest mit Papier zugebunden.

Aus: www. hexenküche.de

Kommentare:

T.M. hat gesagt…

Aber fressen muss der schon! Man sieht immer im TV, dass Schildkröten Tomaten und Salat fressen. Bei Möhren fehlen wohl irgendwie geeignete Zähne, glaub ich. Die müsste man wenigstens raffeln. Aber ich weiss natürlich nicht, wie das bei sooooo kleinen Schildkröten ist ...

nephilim hat gesagt…

Also meine hat ja auch gerne Regenwürmer gegessen Oo

saxana hat gesagt…

Also zum ersten Mal lese ich deine Geschichte nicht zu Ende. Die Kochanleitung für die Schildkrötensuppe ist grausam. Ich hatte sie schon richtig lieb gewonnen. Sie tat mir so leid wegen der Tränen, die sie vergossen hatte, weil sie nicht mit nach Griechenland durfte. Ich probiere es nachher noch einmal, wenn ich ein Glas Wein getrunken habe, die Geschichte zu Ende zu lesen. Aber jetzt kann ich nicht mehr. Schrecklich, das Rezept.

SuMuze hat gesagt…

Das, was saxana sagt, kann ich nur unterschreiben. Könnte nicht ein Brühwürfel oder ein Markklößchen in dem Rezept die Rolle der Schildkröte übernehmen? Ich denke, bei all den feinen Zutaten ist's doch gleich, ob da nun noch eine kleine Schildkröte hinein geschnitten wird oder nicht.

amadea's world hat gesagt…

t.m. - hein lebt noch !


nephilim - dachte, das sind veggies?

saxana, jaaaaaaaaa...grausam, gell?

sumuze - es gibt ja auch die falsche schildkrötensuppe - mit kalbskopf. aber das klingt auch nicht gar so gut.

T.M. hat gesagt…

Danke, das interessiert mich brennend seit Tagen. Dass der noch lebt. Frisst er also jetzt.