Montag, März 29, 2010

nur die liebe zählt


Lieber Friedrich,

Herzlichen Dank für den romantischen Heiratsantrag.
Ehrlich gesagt, war ich etwas überrascht, war es doch erst unser erstes Date.
Als du mir beim Zwischenfall mit dem Kellner die Spaghettisauce über das Kleid leertest, war ich wirklich geschockt.
Und eigentlich konnte ich es nicht verstehen, dass du mir in so einer prekären Situation einen Antrag machtest.
Ich war ziemlich wütend weil mein Kleid ruiniert war und du an nichts anderes dachtest als ans Heiraten.
Aber dann, lieber Friedrich, merkte ich auf einmal – nenn es göttliche Eingebung – dass du ein entscheidungsfreudiger Mann der Tat bist.

Ich will mich für all das, was ich danach sagte, entschuldigen. Trotz der nicht wirklich feinen Ausdrücke, die ich gebrauchte, versichere ich dir hiermit, dass ich eine ausgezeichnete Erziehung genoss.
Ich war selbst überrascht, dass ich mich hinreißen ließ, dich als dummen Affen und alten Knacker zu bezeichnen. Aber du hast wunderbar reagiert und ich habe gemerkt, dass du ein geduldiger und höflicher Mann bist.
Also sei mir bitte nicht mehr böse. Es wird nicht wieder vorkommen. Manchmal geht eben mein Temperament mit mir ein wenig durch.
Lass mich dir erklären, warum ich nach deinem Heiratsantrag aus dem Restaurant lief, mir ein Taxi bestellte und nach Hause fuhr.
Eigentlich gibt es keine Erklärung. Wenn ich nun darüber nachdenke, ist es mir unverständlich, dass ich so reagiert habe!
Und es gibt auch keine Erklärung dafür, dass ich nicht ans Telefon gegangen bist, als du zum dreißigsten Mal angerufen hast.
Ja, ich erhielt heute Morgen deinen Brief und deshalb schreibe ich dir nun auch.
Ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Ich merkte schon, dass du etwas älter bist als ich. Obwohl – so alt hätte ich dich nicht geschätzt. Du bist ja um einiges älter als mein Vater. Kompliment! Du hast dich wirklich gut gehalten!
Aber wie sage ich immer? Alter ist relativ und was zählt, ist nur die Liebe.
Ich habe gar nicht gemerkt, dass du ein Glasauge hast und auf dem linken Auge blind bist! Du hast mir aus dem Mantel geholfen und du bist auch ein sehr guter Autofahrer. Beeindruckend, wie natürlich so ein Glasauge aussieht!
Es tut mir leid zu hören, dass du dein rechtes Bein bei einer Regatta verloren hast. Wie du schreibst, hast du keine Probleme mit der Beinprothese.
Toll, wie flott du bei unserem zweiten Date in der Kuba-Bar getanzt hast! Wie ein Jungspund! Du bist in keinster Weise beeinträchtigt durch dein künstliches Bein, bewundernswert!
Kann es sein, Friedrich, dass sich das mit dem Auge ausgleicht? Linkes Auge, rechtes Bein? Entschuldige das kleine Späßchen. Aber ich bin halt eine Frau mit Humor.

Friedrich Liebling, mach dir über deine Erektionsprobleme keine Sorgen. Es gibt heutzutage schon so viele Wundermittel und ich bin sicher, eine Therapie mit gleichzeitiger Medikation wird uns wundervolle Flitterwochen ermöglichen.
Und Sex ist nicht das wichtigste, nicht wahr? Das sagt sogar der Dalai Lama.
Oh, entschuldige Friedrich! So bin ich, siehst du? Ich Dummerl.
Aber du hast es mittlerweile schon gemerkt, nicht wahr, Liebster?
Meine Antwort ist ja. Ja, Friedrich, ich will. Ich will dich heiraten.

Übrigens, vielen lieben Dank für die wunderbaren Fotos, die du mitgeschickt hast. Diese Yacht, traumhaft. Wirklich elegant! Und so groß.
Ja, ich freue mich wahnsinnig, auf die Hochzeitsreise. Und ich freue mich auch, die zwanzigköpfige Besatzung kenne zu lernen. Ich bin immer neugierig auf neue Begegnungen mit interessanten Menschen!

Ich möchte auch erwähnen, dass ich das Schloss reizend finde. Es hat vierzig Zimmer, schreibst du. Da kommt ja einige Arbeit auf mich zu! Das alles sauber zu halten! Scherz beiseite. Ich weiß, es gibt Personal. Aber ich will dir sagen, dass ich mich bemühen werde, eine gute Hausherrin zu sein.

Friedrich,es ist mir eine Freude, mit dir gemeinsam unsere Hochzeitsreise auf die Seychellen zu planen.
Noch etwas ganz Wichtiges, Liebster: Ich will, dass du weißt, dass Geld für mich nichts bedeutet. Ich bin eine Frau, die auf eigenen Beinen steht. Für mich zählt nur die Liebe. Die Liebe zu dir, Friedrich.

Mach dir wegen des Knötchens auf der Nase keine Sorgen. Die Schönheitschirurgen heutzutage sind Meister ihres Handwerks. Und auch wenn es sein sollte, dass du operiert werden musst, heißt das noch gar nichts. Vielleicht setzt du einen Modetrend, wer weiß? So wie die Tattoos.

Friedrich, ich will nun meinen Brief beenden und mit einem guten Buch ins Bett begeben. Ich denke an dich. Ich kann es gar nicht erwarten, deine Stimme zu hören. Ruf mich an, sobald du kannst, mein edler Ritter.

In Liebe deine zukünftige Ehefrau,
Nadine

Kommentare:

T.M. hat gesagt…

Nur wegen der correctness, der von dem Schloss da, der hiess gar nicht Friedrich, sondern Ludwig. (Und dem fehlten angeblich ein paar Schwalben im Nest ...)

AnnA hat gesagt…

echt witzig! =D

amadea's world hat gesagt…

Ich hatte nur dieses Schloss im Archiv, T.M.

Danke AnnA.

Euch beiden, schöne Ostern :-)

wandklex Ingrid Heuser hat gesagt…

Liebe Amadea, Du bist der verbalisierte Wahn- und Frohsinn. Und ganz einfach wunderbar!
Mit Entzücken grüßt Dich
Deine Fän-in aus dem hohen Norden mit der weißblauen Seele,
wandklex Ingrid

Pit hat gesagt…

Liebe Nadine, ich danke dir für deine warmherzigen Worte. Übrigens, ich heiße Pit!! Pit!! Nicht Friedrich. Und wunder dich nicht, dass du mich momentan bei meinem Schloss nicht antriffst. Ähm, es wird renoviert. Das macht aber nichts. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns am kommenden Wochenende kurz treffen könnten. Ich bin sowieso in Salzburg, um äh, den Bau meiner neuen Yacht zu inspizieren. Passt dir 22 Uhr im Tageshotel "Chantal"? Von außen ist es sehr unprätentiös, aber die Wirtsleut sind wahnsinnig nett. Echte Einheimische aus Albanien, glaub ich. Ich würd mich freuen. Lass uns ein kleines romantisches Spiel machen. Du gehst schon aufs Zimmer und machst das Licht aus, ich poche mit dem Kunstbein gegen die Tür, du öffnest, und dann überlassen wir alles der Liebe. Einverstanden?

Bis Samstag also.
Dein Pit!! Pit!! Nicht Friedrich!!

amadea's world hat gesagt…

Danke, Ingrid. Fühle mich wirklich geehrt :-)

Sehr geehrter Herr Pit,
So geht das nicht. Sie sind nicht Friedrich. Friedrich ist vor einiger Zeit verschieden. Und was erlauben Sie sich, mich einfach zu duzen und sich als mein vielgeliebter Friedrich auszugeben. Wenn ich nicht wüsste, dass Sie ein Abkömmling der Mittelschicht sind und nur durch Ihre schleimige Art, sich an Frauen heranzumachen, zu etwas Reiohtum gekommen sind, dann würde ich einem Treffen zustimmen. Glauben Sie, ich habe meine Informanten. Und von RomanTisch haben Sie so viel Ahnung wie ein Twitterer von Literatur. Mit mir nicht! Und wenn Sie noch einmal mit Ihrem Holzbein herumklopfen, schick ich Ihnen den Wurm.
Und nun lassen Sie mich in Ruhe. Kann da meine Zeit nicht mit Ihnen vergeuden, bin heut beim Hightea bei der Baronin. Und da ist auch dieser Markise. Auf den hab ich mein Auge geworfen.
Nadine.

amadea's world hat gesagt…

Danke, Ingrid. Fühle mich wirklich geehrt :-)
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Und nun zu Ihnen, Pit

So geht das nicht. Sie sind nicht Friedrich. Friedrich ist vor einiger Zeit verschieden. Und was erlauben Sie sich, mich einfach zu duzen und sich als mein vielgeliebter Friedrich auszugeben. Wenn ich nicht wüsste, dass Sie ein Abkömmling der Mittelschicht sind und nur durch Ihre schleimige Art, sich an Frauen heranzumachen, zu etwas Reiohtum gekommen sind, dann würde ich einem Treffen zustimmen. Glauben Sie, ich habe meine Informanten. Und von RomanTisch haben Sie so viel Ahnung wie ein Twitterer von Literatur. Mit mir nicht! Und wenn Sie noch einmal mit Ihrem Holzbein herumklopfen, schick ich Ihnen den Wurm.
Und nun lassen Sie mich in Ruhe. Kann da meine Zeit nicht mit Ihnen vergeuden, bin heut beim Hightea bei der Baronin. Und da ist auch dieser Markise. Auf den hab ich mein Auge geworfen.
Nadine.

Pit Mittelschicht hat gesagt…

Liebe Nadine,

ich entnehme deinen Worten, dass du am Samstag eher keine Zeit für mich hast. Ja schade. Dann lass uns Sonntag machen. Da kann ich dir alles erklären. Zum Beispiel hab ich gar kein Holzbein, das hab ich nur gesagt, um zu prüfen, ob es wirklich Liebe ist, was für dich zählt. Aber das ist ja nun geklärt (der Goldzahn ist übrigens echt).

Ich bin tatsächlich ein Abkömmling der Mittelschicht, aber wie wir alle ist es uns ein Lebensanliegen, unseren Verhältnissen so schnell wie möglich zu entkommen. Nicht des vielen Geldes wegen, das ich inzwischen besitze, nein, sondern wegen der Kultur, dem Stil, der Dezenz und so.

Dass du auf die schleimigen Gerüchte anspielst, die von stalkenden Eifererinnen über mich verbreitet werden, verstehe ich gut. Auch das können wir klären. Am Sonntag, bitte sei da. Ich werde mich als mittelloser Schluckspecht tarnen, damit wir nicht von rücksichtlosen Autogrammjägern gestört werden.

Ich hab dir ja schon gesagt, dass ich bereit bin, mein vieles Geld für dich und mit dir (!) auszugeben. Am besten klären wir das auch am Sonntag, direkt nachdem wir uns innig begrüßt haben, wie Liebende es tun, die sich lange nicht gesehen haben. Du weißt schon (zwinker). Als Beweis dafür, dass ich es ernst meine, und ich weiß ja, das Materielle bedeutet dir nichts, bin ich bereit "love me tender" für dich zu singen. Das habe ich noch nie für eine Frau gesungen, ich kann es nur zufällig.

Bis Sonntag, meine Angebetete Nadine (oder? es war doch Nadine?)
Dein Pit

Peter (Pit) Teigmann hat gesagt…

O Gott, ich hab Sie verwechselt!

Sehr geehrte Frau Gräfin, ich dachte, Sie seien Nadine aus der Nachbarschaft, Nadine888, die immer meine Katzen ärgert, und mir alberne Facebookstreiche spielt. Sie verulkt mich oft, weil ich seit einem Reitunfall bei einem Wohltätigkeitsreiturnier, als mir Attila von Grünten, ein sehr schöner Rappe, den Fuß zerquetscht hat, nicht mehr gerade gehen kann.

Bitte verzeihen Sie vielmals. Ich wollte Ihnen nicht nahe treten.

Mit freundlichen Grüßen
Peter (Pit) Teigmann