Donnerstag, Dezember 25, 2008

lieselotte


Nun hörte ich vor kurzem irgendwo den Namen Lieselotte.
Lieselotte. Wie dieses Wort auf der Zunge zergeht, nicht wahr? Lieselotte ist der Inbegriff eines Mädchennamens.
Ich kannte auch eine Lieselotte. Vor vielen Jahren.
Ich kenne sie zwar noch immer, aber ich sehe sie sehr selten. Was gut ist.
Lieselotte ging mit mir in eine Klasse. Lieselotte war perfekt. Sie hatte langes, dunkles Haar, das zu einem Rossschwanz zusammen gebunden war, und der pendelte hin und her wenn sie ging. Lieselotte hatte einen wogenden Gang und ihr Hintern hatte diese besondere Form, von der mein Hintern meilenweit entfernt war. Klar, bei diesem dünnen Boanag’stell, das ich war. Vorn und hinten nix dran. Jedenfalls nicht mit dreizehn.
Lieselotte hatte überall was dran, vorne und hinten. Und was! Da wogte und schaukelte alles. Mir gefiel es, wie der Rossschwanz von Lieselotte im Takt mit dem Hinterteil tanzte.
Lieselotte lachte immer. Sie hatte kleine Mausezähne. Die waren zwar ganz hübsch anzusehen, aber das besondere an ihrem Lachen war die Lippen. Kennst du das, wenn sich beim Lachen der innere Teil der Oberlippe nach außen wölbt und als kleines Läppchen, eine Art Zusatzlippe, an der Oberseite der Zähne zu sehen ist? Man nennt sie Innere Mundlippen. Ja, so heißen die in der Fachsprache.
Lieselotte war gescheit. Und laut. Sie hatte immer was zu sagen. Sie war die Oberste der Klasse. Sie war immer toll gekleidet, sie hatte immer die beste Jause mit und versorgte die Buben der Klasse mit Essen, besonders den Hahn im Korb, der jedem Mädchen gefiel, auch mir. Aber er wusste das nicht. Ich hätte ihm das nie verraten. Lieselotte schon. Lieselotte machte kein Geheimnis aus ihrer Liebe. Stefan hieß er. Und Stefan wurde von Lieselotte, ihrem Rossschwanz und ihrem wogenden Hinterteil umschwärmt. Und er bekam all die Köstlichkeiten, die Lieselotte zur Jause mit hatte. Lieselotte hatte eine Freundin, die hieß Brigitte Bauer. Brigitte war das Gegenteil von Lieselotte. Blond und dünn. Und schüchtern. Rossschwanz hatte sie auch keinen, dafür aber eine Brille und vorstehende Zähne.
Brigitte war Lieselotte ganz ergeben. Hörig war sie ihr. Und Lieselotte genoss das. Brigitte war immer Lieselottes Meinung. Brigitte holte jeden Morgen Lieselotte zu Hause ab und trug ihre Schultasche zusätzlich zu ihrer eigenen. Und nach der Schule dasselbe. Man sah die beiden immer mitsammen. Aber sie waren keine Freundinnen, sie waren Herrin und Magd.
Mir tat Brigitte leid. Am liebsten hätte ich ihr die Meinung gesagt. Am liebsten hätte ich ihr gesagt: Brigitte, halt dich fern von Lieselotte. Die ist nichts für dich, die benutzt dich.
Doch das traute ich mich nicht. Das hätte nichts genützt, im Gegenteil. Die Brigitte hätte mich bei Lieselotte verratscht und hätte nie auf mich gehört, niemals! Lieselotte war blöd, sie hatte keine Freundinnen, alle hatten Angst vor ihr und wollten es sich mit ihr nicht verscherzen. Nett war Lieselotte nur zu den Buben, besonders zu Stefan. Zu den Mädchen war sie nicht nett. Das war mir nur recht. Weil wenn sie nett zu mir gewesen wäre, hätte ich auch nett sein müssen. Und das wollte ich auf keinen Fall. Ich ignorierte sie.
Nicht, weil sie mir egal war, nein im Gegenteil, sie beschäftigte mich sehr, ich ärgerte mich über sie. Sie war ein Problem für mich. Klar, war ich neidisch.
Zu jener Zeit war ich auf ziemlich viele Mädchen neidisch. Ich war auf all die Mädchen neidisch, die einen Busen hatten. Ich hatte keinen. Ich war auf all die Mädchen neidisch, die einen lockeren Umgang mit den Buben hatten. Ich war gehemmt und schüchtern. Ich war auf all die Mädchen neidisch, die schon geschmust hatten. Nicht, dass ich das mit vierzehn wollte, ich ekelte mich davor und konnte mir es gar nicht vorstellen, an einem fremden Mund herum zu lecken. Nicht mal an Stefans. Aber neidisch war ich trotzdem.
Und besonders neidisch war ich auf Lieselotte. Allein schon auf ihren Namen war ich neidisch. Wie gerne hätte ich Lieselotte geheißen. Oder wenigstens Gabriele. Oder Susanne. Amadea hieß ich. Wer heißt schon Amadea?
Die Jahre sind vergangen. Lieselotte ist Lehrerin. Schon lange.
Manchmal treffe ich sie. Den Rossschwanz gibt es nicht mehr. Er ist einem schwarz-roten Bubikopf gewichen. Das Hinterteil wogt immer noch. Mehr als je zuvor. Und diese inneren Mundlippen hat sie auch noch. Laut ist sie immer noch. Und blöd. Ich mag sie immer noch nicht.
Neidisch bin ich nimmer. Nicht mal auf ihren Namen.
Sie hatte bis vor kurzem einen Direktor. Einen, der Lieselotte bewunderte. Eíner, der ihr hörig war. Aber der ist in Pension gegangen. Kurz vor Weihnachten.
Und nun kam jemand neuer. Aber kein Direktor mehr. Nein, eine Direktorin. Aus Niederösterreich. Ist damals ausgewandert nach Baden, als sie heiratete. Und nun, da sie geschieden ist, kehrte sie wieder heim. Wieder zurück. Und kam an Lieselottes Schule.
Wie sie heißt? Na, Brigitte, Brigitte Bauer.
Ein bisserl tut sie mir schon leid, die Lieselotte.

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Montag, Dezember 22, 2008

Hunde sind besser als Frauen


Ein Mann schickte mir unlängst diese Email:

Hunde sind besser als Frauen weil...

Hunde weinen nicht.
Ja, das stimmt. Aber sie bellen. Und das ziemlich laut. Und sie winseln. Frauen winseln auch. So wie Männer wenn sie krank sind. Frauen bellen nicht. Und bellen ist schlimmer als weinen, nicht wahr?

Hunde freuen sich, wenn dich deine Freunde besuchen.
Ja, weil sie nicht verstehen was für einen Schwachsinn ihr redet.

Hunde halten dich für einen großartigen Sänger.
Nein, das stimmt nicht, sie können nur nicht sagen, wie falsch du singst.

Hunden macht es nichts aus wenn du ihr Shampoo verwendest.
Deine Frau hat sicher nichts dagegen wenn du das Hundeshampoo verwendest.

Hunde rufen dich nicht an wenn du nicht heimkommst.
Klar, weil sie sich daran gewöhnt haben. Außerdem können sie nicht telefonieren, Dummkopf.

Je später du heimkommst, umso freudiger wirst du begrüßt.
Klar, weil Hund schon seit drei Stunden Gassi gehen muss. Das Bellen bedeutet: Ich muss dringend raus, ich hab in deinen Schuh gepinkelt.

Hunden macht es nichts aus wenn du mit anderen Hunden spielst.
Deiner Frau macht es auch nichts aus, wenn du einem anderen Hund Stockerl schmeißt. Ja, vielleicht verzeiht dir der Hund Sex mit einem anderen Hund. Meinst du das? Ich verstehe das nicht, bin ja kein Hund. Aber du bist ein Dummkopf.

Hunden macht es nichts aus wenn du sie mit anderem Namen anredest.
Richtig, aber sie kommen nicht zu dir her wenn du sie rufst.

Hunden gefällt es, wenn du Dinge herumliegen lässt.
Ja, das stimmt. Sie kauen daran. Lass doch mal alle Unterhosen, wichtige Unterlagen und deinen ipod liegen. Und dann unterhalten wir uns.

Hunde sind nicht launisch. Richtig. Sie gehen weder zur Arbeit, noch kochen sie oder halten die Wohnung sauber. Sie räumen dir auch nicht hinterher.

Hunde wollen nie über die Beziehung reden.
Ja, weil du sie fütterst, mit ihnen spazieren gehst und ganz für sie da bist. Sie hören dir zu weil sie glauben sie bekommen ein Happi.

Hunde folgen eher ihrem Instinkt als dass sie nach dem Weg fragen.
Sie könnten das auch nicht, auch wenn sie wollten. Weil sie können nicht sprechen! Geht das in deinen Kopf hinein? Du meinst vermutlich beim Autofahren nach dem Weg fragen. Hunde können auch nicht Auto fahren. Dummkopf.

Hunde erwarten keine Geschenke.
Sie erwarten nur, gefüttert, gestreichelt und gewaschen zu werden. Sie wollen Gassi gehen und das um sechs Uhr früh und sie wollen, dass du ihnen sagst, wo sie ein Gackerl machen dürfen und wo nicht. Ein dummes Argument.

Hunde lassen sich nicht durch Zeitschriften beeinflussen.
Richtig, sie zerfetzen sie.

Hunde lassen dich nicht warten.
Du liebst also deinen Hund weil er dich nie warten last? Gib doch zu, du liebst ihn, weil es ihm nichts ausmacht wenn er auf dich warten muss. Vielleicht wärt ihr ja das ideale Paar? Naja, er wär vermutlich unglücklich. Nur würdest du es nie erfahren. Weil Hunde können nicht sprechen, wie oben schon mehrmals beschrieben.

Hunde lieben Sex in der Öffentlichkeit.
Na, das ist ein tolles Argument vor allem wenn man bedenkt, wie viele Frauen Sex in der Öffentlichkeit lieben. Richtig, Hunden macht es nichts aus, im der Mittagshitze am Rasen zu schnackseln. Also, wenn das ein Argument ist, nehme ich an, du liebst eher Hunde als Frauen. Na, mach doch. Aber halte dich von meinem Rasen fern, bitt‘ schön.

Hunde finden dich witzig wenn du betrunken bist.
Jeder findet dich witzig wenn du besoffen bist. Jeder Mann, vor allem wenn du deine dreckigen Witze erzählst. Frauen finden dich eher lächerlich. Ein Vorschlag: Das nächste Mal, wenn du betrunken heimwankst, nimm den erstbesten Hund mit in dein Bett. Es wird im gefallen, dich schnarchen zu hören und er wird vielleicht auch dein Bett wechseln wenn du dich ankotzt. Er kann halt nicht sagen, dass du ihn nervst. Nein, das kann er nicht.

Genug nun.
Ich schicke ihm nun auch eine Email:
Warum Katzen besser sind als Männer. . .
Erstens: Sie schicken keine depperten Emails.
Zweitens…..

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Sonntag, Dezember 21, 2008

die haben's immer besser


Nun stand ich unlängst am Bankomat und bohrte in der Nase während ich auf mein Geld wartete.
Und dann sah ich es: Über mir ein Kamera.
Nun bin ich nasebohrend auf dem Video. Ich, die Lehrerin, ein Skandal.
Ich werde überall beobachtet, überall! Ich werde gescannt, nummeriert, eingeteilt. Überall Kameras, vor der Bank, in der Bank, in der Tiefgarage, im Parkhaus, im Supermarkt, in der öffentlichen Toilette.
Was regst du dich auf? Hast du was zu verbergen? Wenn du ein gutes Gewissen hast, dann ist es doch egal.
Sie – wer immer diese Leute sind - wissen alles über mich.
Sie kennen meinen Fingerabdruck, meine Blutgruppe, meine Kontonummer, meine Kreditkartennummer, meine Leberwerte, mein Gewicht, meine IP- Nummer.
Sie wissen, wie oft ich zum Arzt gehe und warum, sie wissen, was ich einkaufe, sie wissen, wann und wohin ich in den Urlaub fahre.
Ich bin ein offenes Buch.
Und ich bin jeden Tag auf irgendeiner Kamera. Und die Kameras bewegen sich. Sie verfolgen mich. Ich will nicht immer und überall auf einer Kamera sein. Ich will manchmal für mich sein.
Ich will in der Nase bohren oder meinen BH zurecht rücken, ohne dass mich irgendjemand beobachtet.
Nicht einmal im Urlaub bin ich sicher. Egal, wo ich bin, egal, in welcher verlassenen Ecke der Welt, überall Kameras. Und zusätzlich wird mir jeden Tag gesagt, was ich zu tun habe und was nicht.
Hat irgendjemand dem Humphrey Bogart je gesagt, dass Rauchen schlecht ist? Okay, es gibt keine Bogarts mehr. Die heutigen Humphreys rauchen nicht, trinken nicht, essen nicht.
Ich soll weder Zucker essen, noch ein Steak, geschweige denn einen Schweinsbraten. Ich darf meine Kartoffeln nicht knusprig braten, keinen Kaffee trinken, keine Butter essen, nicht zu lange am Computer sitzen, das ist schlecht für die Augen, Laufen ist schlecht für die Knie, liegen ist schlecht für dein Kreuz, Autofahren ist schlecht für die Umwelt, Radfahren ohne Helm ist gefährlich, Sonne ist gefährlich für die Haut, Regen ist gefährlich weil sauer, Nebel ist gefährlich für die Stimmung, Baden ist schlecht für deine Haut, Leben ist generell schlecht und gefährlich.
Die Zeitungen schreiben, wir sind in der Weltfinanzkrise, wir leben alle zu lange, wir werden zu alt. Wir können uns die Alten nicht leisten. Wir sind zu fett, oder zu dünn, leben zu ungesund und werden mit sechzig sterben.
Was nun? Leben wir nun zu lange oder zu kurz?
Soll ich hundert werden oder soll ich mit sechzig abtreten?
Es fängt ja schon in der Früh an. Gleich nach dem Aufstehen. Brust untersuchen, ob da kein Knötchen ist. Haut anschauen, ob da nicht irgendwo ein Melanom lauert. Und was tust du, wenn dir was auffällt? Selber schnipseln oder zum Arzt gehen? Wir dürfen doch nicht so oft zum Arzt gehen, die Krankenkasse hat eh kein Geld mehr. Und all diese Untersuchungen, diese teuren. Wenn ich nun einen Knoten spüre in meinem Busen, soll ich zum Mammographen gehen? Das ist gefährlich. Weil die Strahlenbelastung ist viel zu hoch. Also soll ich den Knoten Knoten sein lassen und warten, bis er wieder verschwindet?
Männer sollen ihre Hoden untersuchen, heißt es. Jeden Tag. Na, da haben sie wenigstens eine Ausrede zum Herumspielen am Hosentürl. Die haben’s immer besser, die Männer.
Immer.

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Samstag, Dezember 20, 2008

Gibt es den Weihnachtsmann?


Nach eingehender Recherche freue ich mich, Ihnen die wissenschaftliche Analyse zu oben genannter Frage präsentieren zu dürfen.

1)Wissenschaftler haben bis heute keine Spezies des Rangifer Tarandus (gemeines Rentier) entdeckt, das fliegen kann.
Es ist jedoch bewiesen, dass es dreihunderttausend fliegende Organismen gibt. Der Großteil davon sind Insekten. Trotzdem kann man nicht ganz ausschließen, dass es fliegende Rentiere gibt, die aber nur der Weihnachtsmann gesehen hat.

2) Es gibt dreihunderttausend christliche Kinder auf der Erde. Die sind aufgeteilt in hundert Millionen Haushalte.

3) Dank der Erdrotation und der verschiedenen Zeitzonen hat der Weihnachtsmann einunddreißig Stunden Zeit, seine Geschenke zu verteilen, wenn er von Osten nach Westen reist. Das bedeutet, er muss pro Sekunde an die achthundert Hausbesuche absolvieren.
Er hat also ein Tausendstel einer Sekunde Zeit, zu parken, aus seinem Schlitten herauszuspringen, den Kamin hinunterzurutschen, die Socken zu füllen, die restlichen Geschenke unter den Christbaum zu legen, den Kamin wiederum hinaufzuklettern, in den Schlitten zu steigen und zum nächsten Haus zu düsen. Das bedeutet auch, dass der Weihnachtsmann achthundert Stundenkilometer fahren muss.
Ein Rentier kann aber nur um die zwanzig Stundenkilometer laufen.

4) Kommen wir nun zu den Geschenken.
Nehmen wir an, jedes Kind bekommt eine mittelgroße Legoschachtel, die ungefähr ein Kilo schwer ist. Das heißt, der Schlitten muss eine Last von ca. dreihunderttausend Tonnen tragen, ohne Weihnachtsmann, der als stark übergewichtig beschrieben wird. Um all das Gewicht transportieren zu können, werden über zweihunderttausend Rentiere benötigt. Wir haben also nun um die dreihundertfünfzigtausend Tonnen, Rentiere mitgezählt.

5) Wenn dreihundertfünfzigtausend Tonnen durch die Luft fliegen, ergibt das einen enormen Luftwiderstand. Und das ist gefährlich.
Innerhalb von fünf Sekunden überhitzen sich die Rentiere und explodieren. Und mit ihnen explodiert auch de Weihnachtsmann.
Fazit: Wenn es den Weihnachtsmann je gegeben haben sollte, ist er auf jeden Fall tot.

Und darum glaub ich ans Christkind.

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Montag, Dezember 08, 2008

alles eine frage der planung


Ab heute hast du noch sechzehn Tage Zeit, deine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Das heißt, du musst jeden Tag mindestens vier Geschenke kaufen um alle Familienmitglieder, Freunde, Kinder, Nichten, Neffen, Kollegen und Bekannten zu beschenken.
Du sagst, das ist stressig? Na geh, beruhige dich.
Am besten, du erledigst den Weihnachtseinkauf an einem Tag. Der heutige ist dafür wie geschaffen.
Was willst du an einem geschenkten Tag, wie dem heutigen sonst tun?
Kekse backen? Unsinn, die kaufst du im Supermarkt. Das kannst du auch gleich heute tun. Ist billiger und geht schneller.
Weihnachtsputz? Ebenfalls unsinnig, den machst du nach Weihnachten. Wird ohnehin alles versaut über die Feiertage.
Also geh einkaufen.
Mein Tipp: Nicht nachdenken. Aus dem Bauch heraus kaufen. Das ist das Beste.
Fahr in ein riesiges Einkaufszentrum, in dem du kostenlos und den ganzen Tag parken kannst, und schon geht es los. Naja, fast.
Bevor du fährst, machst du dir eine Liste mit Namen, Geschlecht und Alter.
Du fragst, eine Liste von wem? Na, von denen, die du beschenken wirst. Das sind mit Familienmitgliedern, Kindern, Nichten, Neffen, Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten vierundsechzig.
Wie du das finanzieren sollst, fragst du?
Diesen Punkt besprechen wir später. Nur ned hudeln.
Du hast also nun diese Liste und bist in dem Rieseneinkaufszentrum. Da, wo es alles gibt. Ja, alles.
Halte dich nicht auf mit den unsinnigen, kleine Boutiquen und G‘schäfterln. Dafür ist nun keine Zeit. Du willst doch alles heute erledigen, oder? Na, also. Geh nun so schnell du kannst durch das Rieseneinkaufszentrum. Ja, so schnell du kannst.
Wir kaufen keine individuellen Geschenke, so was ist zu Weihnachten unangebracht. Wir schauen in erster Linie auf Preis, Farbe und Material.
Für alle unter drei, egal ob männlich oder weiblich ist das Geschenk weich, rosa oder hellblau und aus Plüsch.
Von drei bis zehn, weiblich: Rosa, glitzernd.
Von drei bis zehn, männlich: Silber, glänzend, Plastik, mit Schwert.
Von elf bis fünfzehn, weiblich: Rosa, glitzernd.
Von elf bis fünfzehn, männlich: Schwarz, Plastik, mit Batterie.
Von sechzehn bis neunundzwanzig, weiblich: Kauf irgendwas, du liegst ohnehin falsch. Von sechzehn bis neunundzwanzig, männlich: Kauf irgendwas, du liegst ohnehin falsch. Von dreißig bis vierzig, weiblich: Glas, Kerzen, was für die Wohnung.
Von dreißig bis vierzig, männlich: Grau, schwarz, matt glänzend, egal was.
Von einundvierzig bis fünfzig, weiblich: CD, Badesalz, Parfüm.
Von einundvierzig bis fünfzig, männlich: CD, Wein, Schnaps.
Von einundfünfzig bis sechzig, weiblich: Tee, Wein, Hörbuch.
Von einundfünfzig bis sechzig, männlich: Wein, Whisky, Golfball.
Von einundsechzig bis siebzig, weiblich: Bilderrahmen, Tee, Wein,Schnaps.
Von einundsechzig bis siebzig, männlich: Wein, Schnaps, Whisky.
Ab siebzig, männlich und weiblich: Socken, Fäustlinge, Wein, Schnaps, Whisky.
Nun kommen wir nochmals zur Finanzierung des Ganzen.
Da du ja alles an einem Tag besorgt hast, also Geschenke für alle vierundsechzig Leute, hast du nun den Rest des Advents Zeit, Überstunden zu machen.
Du fängst gleich morgen an.
Eine andere Alternative wär der Online-Einkauf. Da kannst du sogar während der Arbeit einkaufen. Du musst nur darauf schauen, dass jeder, den du beschenkst, einen Amazon-Wunschzettel hat.
Jeder!
Und wenn er keinen hat, bekommt er nichts.

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Montag, Dezember 01, 2008

Christmas Wrapsody



Das Wort Geschenkpapier ist irreführend.
Weil wir schenken ja nicht das Papier. Wir schenken das, was drinnen ist.
Aber wir sagen ja eh Einwickelpapierl dazu. Da kennt man sich gleich aus.
Hast du schon jemanden je sagen hören: Danke für das schöne Geschenkpapier. Ein wirklich wunderbares Geschenkpapier ist das. So eines habe ich noch gar nicht.
Geschenkpapier ist wichtig.
Besonders zu Weihnachten.
Und wir machen uns ja alle Gedanken darüber, nicht wahr?
Wir suchen ein zur Person passendes Papierl aus.
Für die kleine Nichte ein barbierosafarbenes mit ein bisserl Gold, für den Papa ein braunes mit Uhren drauf, für die Mama eins mit schönem Tapetenmuster, für die beste Freundin ein eisblaues mit Engeln, für die intellektuelle Freundin ein handgeschöpftes mit Gräsern.
Dabei ist das ganz und gar umsonst.
Eigentlich.
Trotzdem geht’s ohne nicht. Du kannst nicht kein Geschenkpapier verwenden.
Ein Geschenk ohne Geschenkpapier ist wie ein Wienerschnitzel ohne Panier. Ein Geschenk ohne Papierl drumherum fühlt sich falsch an.
Das Auswickeln des Geschenks ist von großer Bedeutung. Für den Beschenkten. Das Auswickeln macht das Packerl erst zu einem Geschenk. Du hast einen Anspruch darauf. So, nun hab ich da herumgeraschelt und gerissen, ich habe gearbeitet, um zu meinem Geschenk zu kommen. Nun gehört es mir.
Im Augenblick des Auswickelns wechselt das Geschenk seinen Besitzer. Es wandert vom Schenkenenden zum Beschenkten.
Sehr oft ist das Auswickeln des Geschenks aufregender als das Geschenk selbst. Jeder von uns kennt das Gefühl: Mein Gott, nun hat das so schön ausgeschaut von außen. Hätt ich es doch nicht ausgewickelt. Wo stell ich das Graffl nun hin? Das passt nirgends. Das Packerl mit dem Geschenkpapier hätt' so gut auf die Kommode gepasst und von der Farbe her so gut zu den Vorhängen.
Auswickeln sagt viel über den Beschenkten aus. Genauso viel wie das Geschenkpapier über den Schenkenden aussagt.
Einige reißen das Geschenkpapier in einer halben Sekunde herunter, so als ob sie Angst hätten, das Geschenk würde sich auflösen oder verdampfen. Das sind die gierigen.
Andere machen das ganz langsam. Das sind die Geschenkpapierfetischisten. Sie entknoten ganz langsam das Geschenkband – ein ordentlich verpacktes Geschenk hat immer ein Geschenkband mit zehn Knoten und lösen dann ganz langsam und vorsichtig den Tixo vom Papierl.
Die sparsamen unter ihnen falten es, streichen es glatt und legen es in einen Karton, den sogenannten Geschenkpapierkarton. Ich finde das vernünftig und in keinster Weise eigenartig. Nein, Mama. Mir gefällt das, ehrlich!
Der eigentliche Sinn eines Geschenkpapiers ist das Verstecken des Geschenks. Obwohl das eigentlich Unsinn ist. Denk an ein Buch. Ein Buch kennst du sofort, egal welches Geschenkpapier drum herum ist. Auch wenn Hunterte Christbaumkugeln oder Weihnachtsmänner auf dem Geschenkpapier sind .
Dasselbe mit der Weinflasche. Auch wenn du sie noch so kunstvoll einwickelst in goldenes oder silbernes Papier, jeder weiß, dass es eine Weinflasche ist. Du kannst nur noch raten, ob Rot- oder Weißwein.
Es gibt zwei Arten von Geschenkpapier. Das kitschige und das edle. Der Übergang von kitschig zu edel ist jedoch fließend. Es gibt auch Geschenkpapiere, die kitschig aber edel sind.
Kitschig ist zu Weihnachten sehr beliebt. Kitschige Geschenkpapiere sind meist sehr bunt – grün und rot ist immer dabei, jetzt zu Weihnachten. Grün von den Hunderten von Tannenbäumen und rot von den Hunderten von Weihnachtsmännern.
Gold ist auch oft dabei. Und Silber.
Die Packerl mit den kitschigen Geschenkpapieren sind sehr aggressiv. Sie liegen unter dem Christbaum und schreien: Mach mich auf, mach mich auf. Ich bin dein Geschenk, dein Weihnachtsgeschenk! Und weil du das Gekreische nicht aushältst, machst du es als erstes auf.
Ganz anders mit den edlen Geschenkpapieren. Die bleiben immer im Hintergrund. So edel wie die sind.
Die edlen Geschenkpapiere werden von Leuten ausgesucht, bei denen zu Hause auch alles edel ausschaut. Und alles gleich. Sie packen alle Packerl mit demselben edlen Geschenkpapier ein. Egal, ob das Packerl groß oder klein ist, ob ein Buch drinnen ist oder eine Weinflasche, alles in edlem Geschenkpapier.
So wie ihr Schlafzimmer.
Die Vorhänge passend zur Bettwäsche, die Bettwäsche passend zum Nachthemd, das Nachthemd passend zum Teppichvorleger und der Teppichvorleger passend zum Lampenschirm.
Die edlen Geschenkpapierpackerl haben auch edle Geschenkbänder. Ein einfaches, schmales Goldband oder eines farblich abgestimmt. Höchstens ein Stern mit dem Goldstift draufgemalt. Alles einfach, reduziert und minimalistisch.
Du fragst dich nun, wo der Ursprung des Geschenkpapiers ist. Wer es erfunden hat. Na, wer wohl.
Die weisen Männer. Die drei.
Oder glaubst du, die haben dem Jesuskinderl den Weihrauch einfach so hingeschmissen? Der war in einem Karton. Klar! War ja ein Geschenk.
Und es war eingewickelt, so wie jedes Geschenk. Mit dem edlen, doch kitschigen Geschenkpapier.
Das mit dem Stern drauf, dem handgemalten.

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