Dienstag, Juli 10, 2007

you're such a bore


Nun habe ich unlängst in der Zeitung gelesen, dass immer mehr Menschen am Boreout- Syndrom leiden.
Das Boreout-Syndrom wurde in Amerika entdeckt. Vor noch nicht allzu langer Zeit. Es ist interessant, dass das in Amerika entdeckt wurde. In Amerika wird ja eher viel entdeckt.
Das ist ja unglaublich, das ist ein Skandal, all die kranken Menschen, die nichts anderes zu tun haben in ihrer Arbeit, als da zu sitzen und nichts zu tun. Da muss man ja krank werden.
Und ich habe auch Nachforschungen angestellt. Sehr interessant und sehr lehrreich, was ich da gelernt habe.
Also, boreout ist das Gegenteil von burnout. Wer hätte das gedacht?
Als das Burnout- Syndrom entdeckt wurde – es wurde auch in Amerika entdeckt - hat mir jemand erklärt, dass ein burnout nur jemand haben kann, der vorher gebrannt hat. Eh klar. Wie in dem Lied von der Diana – You candle burned out long before.
Vor Leidenschaft vermutlich, hat der gebrannt vorher. Oder vor Aufregung. Oder warum auch immer.
Nach dieser Theorie wäre jemand, der am Boreout-Syndrom leidet, prinzipiell ein Langweiler. Some are bores and some are burns.
Das heißt, jemand, der nicht generall ein Fader ist, kann gar niemals ein boreout bekommen.
Dann hab ich gelesen, im Herrn Google seinem Wörterbuch, dass ein boreout aus drei Komponenten besteht.
Unterforderung, Desinteresse, Langeweile.
Ist das nicht grandios? Diese Wahnsinnsentdeckung. Welch genialer Kopf hat das herausgefunden?
Und wenn ein Mensch diese drei Kompententen erfüllt, dann kann er nicht anders, als auf eine bestimmte Art und Weise reagieren. So hab ich das gelesen.
Er ist bored out.
Und dieser arme Mensch kann sich nicht ins Bett legen und ein paar Tage daheim bleiben, so wie der ausgebrannte, weil wenn der daheim liegen würde auf der Couch vor dem Fernseher oder im Bett mit seiner Spielkonsole, so wäre das ja gar nichts anders als in der Arbeit. Da ist er ja noch mehr bored und er würde vermutlich sterbenskrank werden.
Den kannst auch nicht zur Kur schicken, weil da verstärken sich die Symptome. Der würde draufgehen in der Kur. Er würde ein Schatten seiner selbst werden, ein Kurschatten.
Und in den Urlaub gehen kann der auch nicht, das wäre lebensbedrohend, das wäre sein sicherer Tod.
Eine wahrlich schlimme Krankheit.
Und das gemeine bei dieser Krankheit ist, dass niemand bemerkt, wenn einer darunter leidet.
Weil du siehst das nicht. Weil du meinst, der arme Mensch hat so wahnsinnig viel zu tun.
Der Erkrankte wirkt auf den ersten Blick wie einer, der kurz vor dem Burnout steht. Er wuselt herum den ganzen Tag, er wirkt hektisch und überausgelastet. Er kämpft dagegen an, sich noch mehr Arbeit aufzuhalsen.
Naja, er tut so.
Er rennt ständig mit dem roten Ordner auf’s Klo, um eine zu rauchen, er trägt den blauen Ordner mit den Unterlagen in das Besprechungszimmer und den grünen Ordner in das Büro. Dann holt der den blauen Ordner vom Besprechungszimmer und trägt ihn in den Lagerraum. Anschließend holt er den grünen Ordner vom Büro und legt ihn auf den Tisch im Kopierraum. Dann geht er wieder auf’s Klo mit dem roten Ordner unter’m Arm und dem Zigarettenpackerl in der Hosentasche.
Und dann hab ich im Wörterbuch vom Herrn Google auch noch gelesen, wie die armen Menschen, die diese Krankheit haben, geheilt werden können.
Nämlich mit Sinn, Zeit und Geld.
Das hat mich wahnsinnig beeindruckt.
Die Arbeit soll Sinn stiften. Sinn stiften ist das Gegenteil von Blei stiften. Toll. Sinn stiften. Das ist wichtig.
Die Sinnfrage ist sowieso wichtig. Die war immer schon wichtig.
Seit es Menschen gibt auf dieser Erde, stellt sich ihnen die Sinnfrage und sie stellen sie sich.
Von einer Sinnantwort hab ich zwar noch nie was gehört. Egal, darum geht es nun nicht. Vielleicht ist die Antwort auf die Sinnfrage das Sinn stiften.
Und im Wörterbuch vom Herrn Google steht da auch: Die Arbeit soll herausfordernd und interessant sein.
Aber nicht zu herausfordernd steht da und nicht zu interessant, steht da. Weil das wär ja ganz gefährlich. Da würde ja der Boreoutsider innnerhalb kürzester Zeit zum Burnoutsider werden. Und dann hätte man ja wieder dasselbe Problem, halt umgekehrt. Eine schwierige Sache, da genau das richtige Maß zu finden.
Wenn die Arbeit am Vormittag wahnsinnig interessant und wahnsinnig herausfordernd ist, dann muss der Boreoutsider schon zu Mittag heim gehen. Weil sonst klappt der zusammen.
So wie wir Lehrer halt. Weil wir gehen jeden Tag zu Mittag heim, weil am Vormittag der Unterricht so wahnsinnig interessant und so wahnsinnig herausfordernd ist. Sonst würden wir zusammenklappen.
Drum haben wir auch kein Boreout-Syndrom.
Und an anderen Tagen, wenn die Arbeit am Vormittag langweilig ist und uninteressant, dann muss halt die Sekretärin anrufen, und dem Boreoutsider sagen, er darf erst am Nachmittag kommen, dann wenn es interessant und herausfordernd wird. Dann kann der Boreoutsider noch ordentlich frühstücken, später in der Kantine sein Mittagessen einnehmen und sich für den wahnsinnig herausfordernden und wahnsinnig interessanten Nachmittag stärken.
Und der dritte Punkt, der mit dem Geld, ja, dieser dritte Punkt, der ist ganz wichtig. Der ist extrem wichtig.
Zu diesem dritten Punkt steht im Herrn Google seinem Wörterbuch folgendes: Der Lohn muss maximiert werden, um das Boreout-Syndrom zu heilen.
Ich meine, das ist doch selbstverständlich. Das muss man doch nicht extra erwähnen. Was da noch steht, finde ich eine Frechheit, eine bodenlose. Da steht doch glatt, da beim Herrn Google, dem Herrn Klugscheißer, dass man beim Punkt drei, also beim finanziellen, Vorsicht walten lassen muss.
Eine Arbeit, die gut bezahlt ist, aber nicht interessant, ist auch nichts Ordentliches. Na toll, Herr Google Oberg’scheit!
Da ist die Arbeit nicht interessant und dann sollst auch noch nichts bezahlt bekommen?
Wie soll der arme kranke Mensch dann seine Freizeit, die ihm ohnehin eine Belastung ist, finanzieren? Wie soll sich der arme Mensch dann die Mitgliedschaft in Fitnessstudio und Golfclub finanzieren?
Wie soll sich der den Urlaub und die Städtetrips am Wochenende finanzieren?
Von welchem Geld soll er seine Designerkleidung finanzieren und sein Penthouse?
Da hat der Arme eh schon einen wahnsinnig langweiligen Beruf, in dem er nur herumsitzt und nichts tut und dann wäre das in seiner Freizeit nicht anders?
Eine Gemeinheit ist das, eine ganz gemeine.
Also wenn ich da was zu sagen hätte, aber ich hab ja nichts dazu zu sagen und mich fragt auch keiner, dann hätte ich da schon eine Idee.
Berufswechsel. Lehrer werden. Da hast eine wahnsinnig herausfordernde und wahnsinnig interessante Arbeit, da kannst Sinn und Blei stiften, da hast neun Wochen Ferien und bekommst wahnsinnig viel Geld.
Und wenn’s im Sommer regnet, dann gehst im Herbst auf Fortbildung oder Kur.

Kommentare:

saxana hat gesagt…

Ja genau, die sollen doch LehrerIn werden, denen die Arbeit zu fad ist. Der Traumberuf mit der meisten Freizeit: Vormittags ein bisserl mit den Kindern spielen und kuscheln und nachmittags Tennis spielen.Ganz grandios geschrieben und beschrieben.

Peter Engländer hat gesagt…

5 von 5 Punkten! Lustig und gemein und wahr.
Je länger es diese Psychologen gibt umso mehr normale Verhaltensweisen werden plötzlich als krank eingestuft weil irgendein Beobachtungskaninchen sagt: "Naja, so ganz glücklich wie in der Werbung bin ich nicht. Es gibt bestimmt besseres. So wie der da möchte ich sein, der lacht immer, den ganzen Tag, 25 Stunden, glaub ich zumindest... jetzt lacht er schon wieder... ach Gott mir gehts ja so dreckig."

amadea's world hat gesagt…

danke, saxana - ich hatte da die richtige wut im bauch.

peterengnlish - manchmal muss ich a bissl gemein sein - wenigstens beim schreiben.