Sonntag, Juli 22, 2007

at the carwash

Wie immer, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, verfahre ich mich.
So auch dieses Mal.
Wie immer, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, fahre ich zu spät los. So auch dieses Mal.
Dann ist noch das zu tun und jenes, dann muss ich nochmals zurück weil ich etwas vergessen habe. So auch dieses Mal.
Klopapier vergessen. Du kannst nicht ohne Klopapier wegfahren. Nicht nach Kroatien. Die Straßenkarte habe ich auch vergessen. Aber das bemerke ich erst, als ich nachschauen will. Und da bin ich schon in Kärnten. Aber das ist egal.
Eine Straßenkarte brauche ich nicht. Weil wenn ich sie brauche, dann ist es zu spät, um nachzuschauen und wenn ich früh genug nachschaue, dann vergess ich die Ortsnamen ohnehin wieder.
Ich merk mir Namen schlecht, Und Ortsnamen, besonders kroatische, merk ich mir ganz schlecht.
Ich halte mich da lieber an die Beschilderung.
Das Problem ist, dass man beim Auto fahren so wenig Zeit hat, in Ruhe die Schilder zu studieren.
Sie sausen zu schnell an mir vorbei, obwohl ich mit meinem Spuckerl eh nicht so schnell fahren kann.
Ein Porschefahrer ist da arm dran. Für den sind Straßenschilder komplett umsonst. Die sausen ja mit Lichtgeschwindigkeit an ihm vorbei.
Ich habe einige Angewohnheiten beim Auto fahren. Ich schaue gerne die Straßenschilder der anderen Straßenseite an.
Anschauen ist der falsche Ausdruck. Ich schaue ihnen nach, wie sie zurückweichen. Natürlich im Rückspiegel.
Und bin noch nicht draufgekommen, obwohl ich schon jahrelang die Straßenschilder von hinten beobachte, ob sie dasselbe sagen wie die Straßenschilder, die vorne an mir vorbeisausen.
Dabei schaue ich sie genau an. Ich drehe mich sogar um, um sie genau anzuschauen. Da musst du wirklich auf Zack sein, ein Straßenschild, das verkehrt herum da steht, von vorne zu sehen, vor allem wenn es sich bewegt.
Ein ruhiges Straßenschild zu beobachten, na, das ist keine Kunst.
Ich habe in all den Jahren, seit ich die Straßenschilder beobachte, noch nicht herausgefunden, ob die wirklich auf beiden Straßenseiten dieselbe Geschwindigkeit vorschreiben.
Weil wenn ich einem Straßenschild im Rückspiegel nachschaue, so kann ich nicht gleichzeitig das vorbeisausende beobachten. Und wenn diese Straßenschilder in Kroatisch geschrieben sind, dann wird das um vieles schwieriger.
Da hast ja gar keine Chance, irgendwas zu sehen.
Dieses Mal habe ich mich nur ein bisschen verfahren. Ein bisschen in Lubljana und ein bisschen mehr in Zagreb.
Über Lubljana schreib ich nun nicht. Weil da hab ich mich nur ganz kurz verfahren. In Zagreb verfuhr ich mich ein wenig länger. Zagreb ist ja auch größer. Zagreb ist recht interessant um die Mittagszeit. Da fahren viele Autos, ich sag dir. Ich fuhr ins Zentrum. Aber nur kurz. Weil es gab nicht viele Parkplätze im Zentrum. Darum stieg ich nicht aus. Was mir besonders gut gefiel in Zagreb, waren die Straßenschilder. Die sausten nicht vorbei an mir. Kein einziges sauste vorbei. Die standen ruhig da und ließen sich von mir beobachten. Minutenlang. Und ich konnte sogar die Straßenschilder auf der anderen Seite in Ruhe von hinten beobachten. Ziemlich viele sogar. Und fand das wirklich nett. Und ich habe entdeckt, dass die Straßenschilder in Zagreb nicht dasselbe sagen. Das eine vor mir sagt, dass in 300 Meter ein Cafe kommt und das auf der anderen Seite sagt, dass da eine Tankstelle kommt. Da soll ich einer auskennen. Trotz der freundlichen Straßenschilder fuhr ich doch wieder auf die Autobahn.
Als die Sonne untergangen war, hielt ich an. An einem Motel.
Kaum da, sausen sie herbei. Zwei Männer. Mit Kübel und Putzfetzen. Und beginnen meine Windschutzscheibe zu putzen. Ohne zu fragen.
Und ich steige aus und sie halten die Hand auf. Einfach so. Und ich habe keine Münzen. Weil auch wenn du nicht willst, dass sie deine Scheibe putzen, so gibst du doch Geld her. Du kannst nicht anders.
Ich habe keine Münzen, sage ich und sie halten noch immer die Hand auf und sagen: Drüben an Tankstelle wechseln.
Ich gehe aufs Klo und da sitzt die Klofrau und hält die Hand auf. Und sage: Ich habe keine Münzen.
Und sie sagt: Drüben an Tankstelle wechseln.
Und ich fahre zur trüben Tankstelle und kaum bin ich da, sausen zwei Männer daher und putzen meine Windschutzscheibe.
Und ich steige aus und sie halten die Hand auf.
Und ich sage: Ich habe keine Münzen und sie deuten zur Tankstelle und sagen: Da wechseln. Und sie halten wieder die Hand auf.
Und ich wechsle da und gebe ihnen zwanzig Cent. Und sie schauen mich missbilligend an.
Ich gehe zur Klofrau und gebe ihr zwanzig Cent. Und sie schaut mich missbilligend an.
Ich gehe zu den anderen Putzmännern und gebe ihnen zwanzig Cent und sie schauen mich missbilligend an.
Und es ist heiß und das Essen ist kalt und das Cola ist warm und im Zimmer bläst die Klimaanlage laut wie ein Staubsauger. Und die Dusche tropft und da ist kein Klopapier.
Gut, dass ich eine Rolle mithab. Aber die ist im Auto.
Und ich schlafe drei Stunden und am Morgen ist mein Nacken steif und meine Augen müder als je zuvor.
Und der Kaffee schmeckt schal und das Weißbrot pappig und ich steige in’s Auto und kaum sitz ich da, sausen sie schon herbei.
Zwei Männer. Mit Kübel und Putzfetzen.
Und sie putzen meine Windschutzscheibe.
Und ich steige aus und will sagen: Nein. Aber sie halten die Hand auf. Und ich gebe ihnen zwei Euro. Und sie schauen mich nicht missbilligend an.
Und das freut mich.
Und mein Tag ist gerettet.
Und verfahren hab ich mich auch nicht mehr. Und das Haus meiner Mama habe ich auch gefunden. Aber mehr darüber ein anderes Mal. Morgen ist auch noch ein Tag.

Kommentare:

Roman hat gesagt…

Dann bring die Blusen mal vorbei.

Anonym hat gesagt…

Arme Porschefahrer, *grins*. Du hast vielleicht lustige Angewohnheiten. Und einen sehr kurzweiligen Schreibstil. *lach*
Schönen Urlaub!
teacher

T.M. hat gesagt…

Scheibe putzen gäb's bei mir nicht. Da würde ich wirklich rabiat. Ich würde allerdings dann vielleicht auch nicht die Nacht am Ort bleiben, um nicht früh mit vier platten Reifen dazustehen ...

SuMuze hat gesagt…

Manche Schilder werden auch umgedreht, nachts und heimlich, oder auch tagsüber, von Schupos, die nix Besseres zu tun haben...

Tolle Geschichte!

amadea's world hat gesagt…

Me Ironmaiden, you ironman, roman.

teacher - es freut mich sehr, dass du über meine Fehler hinwegsiehst :-) Ich liebe das Wort "kurzweilig". Ich glaube, das verwendet nur ein Lehrer.

t.m. das trau ich mich gar nicht - rabiat werden - da tun's mir leid.

sumuze - danke :-)