Donnerstag, November 23, 2006

zerreißverschlussprobe

Posted by Picasa
Dann hatte ich noch ein wundersames Erlebnis mit meiner Winterjacke.
Mit meiner neuen.
Mit der Winterjacke, schokoladebraun, knielang, mit Daune gefüllt und mit Reißverschluss.
Reißverschlüsse sind eine wunderbare Sache.
Wenn man es schafft, sie richtig zuzumachen. Ich schaffte das nicht.
Diese neue Winterjacke war sauteuer. Der Reißverschluss funktionierte trotzdem nicht. Oder ich war zu blöd, zu hektisch oder sonst was. Jedenfalls beim Zumachen klemmte ich den Stoff der Jacke ein. Irgendwie schaffte ich es, den Stoff ganz einzuklemmen. Und der Reißverschluss war nun zu. Zu für immer und ewig. Man konnte ihn keinen Millimeter mehr ziehen. Weder vor noch zurück. Vielleicht sind Reißverschlüsse nicht zum Ziehen, sondern zum Reißen. Darum der Name.
Weil es schneite, setzte ich die Kapuze auf und machte einen Knoten in das Kapuzenband. Das Kapuzenband ist das kleine Schnürl, das auf beiden Enden der Kapuze vorsteht. Es war etwas schwierig, den Knoten zu machen, weil das Kapuzenband bei meiner Jacke eigentlich ein Kapuzengummiband ist und ziemlich kurz. Vermutlich sollte man es gar nicht verknoten. Aber wozu ist es sonst da? Nur so? Das kann nicht sein. Als ich hinausging, schneite es und meine Daunenjacke samt Kapuze hielt mich wunderbar warm.
In der Schule fand die alljährliche Buchausstellung statt. Lo war auch da. Sie nahm die Bestellungen entgegen.
„Zieh dich doch ein wenig aus“, sagte sie, und „Schau dich ein wenig um, wir haben tolle Bücher.“ „Lo, ich kann nicht, der Reißverschluss klemmt.“
„Dann nimm wenigstens die Kapuze ab.“
„Kapuze, das geht“, sagte ich.
Aber Kapuze ging nicht. Den Kopf weit nach hinten gestreckt, probierte ich, den Knoten zu lösen. Aber es ging nicht. Graffl! Und je mehr und länger ich es versuchte, desto dicker und fester wurde der Knoten.
„Lo, ich nehme dieses Buch, bestell es mir.“
„Wir haben noch andere tolle Bücher, schau dich doch um“, sagte Lo.
Ich konnte mich nicht umschauen. Ich war zu fest eingepackt.
„Nein“, stöhnte ich. „Mir ist ein wenig warm.“
Ich versuchte, den Wollschal abzunehmen aber der hatte sich mit dem Kapuzenschnürl verbündet und steckte fest..
„Magst einen Apfelstrudel?“ fragte Lo. „Nein, dann wird mir noch heißer, als mir schon ist.“ „Wart, ich wisch dir den Schweiß ab“. Lo nahm ein Handtuch und wischte mir über die Stirn. Ich glaub, du hast Fieber“, sagte sie besorgt.
Die Leute schauten schon komisch und der Rotkreuzmann, der in der Ecke stand, machte sich auf den Weg in meine Richtung.
Schnell raus da.
Ich war klatschnass unter der Winterjacke, dem Schal und der Kapuze.
Ich ging sehr langsam nach Hause.
Zuhause angekommen, wollte ich mir am liebsten alles sofort vom Leib reißen. Aber ich besann mich, öffnete Tür und Fenster, stellte mich vor den großen Spiegel und versuchte, mich zuerst der Kapuze zu entledigen.
Aber es ging nicht. Ich schwitzte immer mehr und war der Verzweiflung nahe. "Gleich fall ich in Ohnmacht", kam mir in den Sinn.
Ich setzte mich auf den Boden aber es war alles umsonst. Kapuze und Wollschal waren mittlerweile mit Hals und Kopf verschweißt, der Reißverschluss bewegte sich keinen Millimeter vor oder zurück.
Ich legte mich auf den Boden und überlegte kurz. Wenn oben nix geht, dann unten. Also zog ich Stiefel, Hose und Socken aus. Da lag ich nun. Mit Slip, Winterjacke, Schal und Kapuze.
Es reichte mir.
Ich holte die Schere und schnitt das Kapuzenschnürl ab. Den Reißverschluss rührte ich nicht an. Ich stand wieder auf und begann, die Winterjacke nach oben auszuziehen. Das ging ganz gut. Zuerst.
Dann steckte ich fest. Nun kam zur Hitze noch die Dunkelheit dazu. Beine und Bauch waren etwas kühl geworden, ja fast kalt, da Fenster und Tür noch offen waren.
Ich fluchte, aber das half nicht wirklich. Auf einmal hörte ich wie aus der Ferne ganz leise eine Stimme. „Was tust du denn da, um Himmels willen?“ Gleich darauf spürte ich ein Ziehen nach oben. „Das geht nicht“, hörte ich leise.
„Wer bist du?“, fragte ich. Aber er oder sie schien mich nicht zu hören.
Ich merkte, wie mich er oder sie ins Schlafzimmer führte. Das ist sicher der Nachbar, dachte ich, Und ich halb nackt.
Ich wurde auf das Bett gestubst.
Mittlerweile war ich fast ohnmächtig. Mir war schwindling und schlecht. Ich merkte, wie mir der Schweiß die Beine hinunter lief.
Endlich kam wieder Bewegung in den Winterjacke. Der Nabel war schon freigelegt. „Greif mich ja nicht am Nabel an“, konnte ich gerade noch stöhnen.
Nach langer Zeit, es schien eine Ewigkeit zu dauern, sah ich einen hellen Fleck. Zuerst ganz leicht, dann immer heller.
Endlich befreit.
Anna war da. „Du meine Lebensretterin“, stammelte ich, müde und abgekämpft und außer Atem.
„Wie ist denn das passiert“, fragte sie?
„Frag mich nicht. Tu mir einen Gefallen. Mach mir einen Kaffee. Jetzt, auf der Stelle. Und die Winterjacke, die reklamier ich. Das Kapuzenschnürl ist kaputt und der Reißverschluss klemmt auch."
Anna kam mit zwei Kaffeetassen. „Wieso schmeckt der nach Knoblauch?“ fragte sie. „Das bildest du dir ein“, antwortete ich und nahm einen Schluck.
Der Kaffee schmeckte wunderbar.
Wie schnell man sich doch an einen neuen Geschmack gewöhnt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ausweglos!

...erinnert mich daran, als mein damals vierjäriger sohn einen pullover anziehen sollte, bei dem der halsausschnitt zu klein geraten war. vor mir stand ein kopfloser zwerg und sagte: "mama mein kopf findet keinen ausweg"

l.g. "anna"

Anonym hat gesagt…

vierjährig natürlich

fliedermaus hat gesagt…

Mein 8-jähriger Sohn hatte neulich auch so ein Reißverschlussproblem, seither sagt er nicht mehr Reißverschluss sondern sch......verschluss.
Ich persönlich finde, noch schlimmer ist das Klemmen des ,,Hosentürls", vor allem wenn man dringende Bedürfnisse hat. Meine Wenigkeit hat zu solch einem Anlass einmal eine Hose neben dem Sch....sorry, Reißverschluss, mit einer Schere aufgeschnitten.

amadea's world hat gesagt…

You are my Scissor-sister, fliedermauserl :-)
annanym, wie wär's mit diesem Namen ? Oder schwarze Zigeunerin ? :-)