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Samstag, Dezember 12, 2009

weg da


Was hast vor am Wochenende?
Nichts. Ich muss Weihnachtseinkäufe erledigen. Wie ich mich freue.

Eineinhalb Wochen vor Weihnachten und Samstagsweihnachtshopping. Gibt es was Aufregenderes?
Weihnachtseinkäufe zu erledigen ist eine Qual. Doch sie müssen erledigt werden.
Zu Weihnachten schenken wir und werden beschenkt. So wie nie sonst im Jahr.
Und weil wir gerne beschenkt werden, schenken auch wir.
Wer hat heute schon die Möglichkeit, seine Weihnachtsgeschenke selbst zu machen? Nur die wenigsten von sitzen im Gefängnis oder sind begabte Bastlerinnen, die ihre Erfüllung im Zubereiten von Selbstgebackenem und Selbstangesetztem finden oder die Gabe besitzen, Stroh zu Sternen zu binden und Socken mit Weihnachtsmotiven von Elch und Engel zu stricken.
Weihnachtseinkäufe haben nichts mit normalen Einkäufen zu tun. Normales Einkaufen ist schon nervig, aber verglichen mit Weihnachtseinkaufen eine wahre Erholung. Deine Vernunft sagt dir, dass du die Weihnachtsgeschenke schon im Oktober oder November kaufen solltest.
Aber weil wir Frauen es eben mit der Vernunft nicht so haben, verstreichen Oktober und November ohne irgendwelche Aktivität hinsichtlich des bevorstehenden großen Fests.
Wieso kaufst du nicht schon im September die Weihnachtsgeschenke? fragt der Herzallerliebste.
Spinnst du? Zu Weihnachten ist das dann aus der Mode.
Ok, musst ja keinen Pullover kaufen. Zum Beispiel könntest du eine Vase kaufen.
Wer will schon eine Vase? Jeder hat hunderte von Vasen. Außerdem gibt es da noch keine Vasen mit Weihnachtsmotiven.
Ok, dann vielleicht einen Toaster.
Typisch. Ein Toaster zu Weihnachten. Das kann nur einem Mann einfallen.

Nein, es bringt nichts, Weihnachtsgeschenke zu früh zu kaufen.
Ich kaufe immer tolle Dinge zu Weihnachten. Ich habe immer die besten Ideen. Ich beobachte den oder die zu Beschenkende/n das ganze Jahr über genau, achte darauf, was ihm/ihr gefällt oder was er/sie sagt und mache mir Notizen. Und hab dann immer das passende Geschenk.

Einmal kaufte ich einer Freundin ihr Weihnachtsgeschenk schon im Oktober. Und das war dann so toll, dass ich es nicht schaffte, bis zum Heiligen Abend zu warten. Ich gab es ihr schon im Oktober. Und dann musste ich ihr zu Weihnachten ein weiteres Geschenk kaufen.
Ich kann doch nicht nichts schenken zu Weihnachten!

Deshalb gehen wir alle kurz vor Weihnachten einkaufen. Weil es dann die tollsten Sachen gibt und die neuesten, modernsten und angesagtesten Dinge.
Und wir gehen um die Mittagszeit einkaufen, weil wir glauben, da ist es ruhiger, weil alle beim Essen sitzen.
Oder wir gehen gleich in der Früh, weil wir glauben, dass alle noch schlafen.
Oder wir gehen gleich nach der Arbeit, weil wir glauben, dann sind alle noch müde und müssen erst einen Kaffee trinken. Alles Unsinn. So denkt jeder.

Es ist vollkommen egal, wann du einkaufen gehst. Zur Vorweihnachtszeit ist es überall und jederzeit gerammelt voll.
Und dann hat es diesen ganz besonderen Geruch: Eine Mischung aus brennenden Kerzen, Geschenkspapier, Weihrauch, Plastik, Bücher, Panik, Angst und Gier.
Und du eilst mit der Liste, die du geschrieben hast, von Geschäft zu Geschäft und weißt genau, wo du was einkaufen musst. Ein Scherz. Du hast keine Liste, du bist ja kein Roboter.
Du irrst herum, mitgerissen von der Masse, umgeben von der Duftwolke aus Weihrauch, Plastik, Kerzen, Gier, Angst und Aggression.
Du irrst von einem Geschäft zum anderen. Und du brauchst Parfum für die Freundin. Aftershave für die Söhne, einen Schal für die Mutter und das spezielle Rouge für dich selbst und der Verkäufer hält dir das rauchenden Schälchen mit dem Weihrauch aus dem Oman – das ist der beste – und dem Speik von den Schweizer Alpen unter die Nase und dir wird schlecht weil du schon an zehn verschiedenen Parfums und zwanzig Aftershaves geschnuppert hast und du schwitzt und bist genervt und die zwei Frauen, die justament dasselbe Parfum kaufen wollen wie du, stehen dir im Weg und du schubst sie weg und sie haben diesen ängstlichen Blick.
Den Mann, der zur gleichen Zeit aufs Regal greift und die Aftershaveflasche nehmen will, funkelst du wütend an, er schaut erschreckt und saust aus dem Geschäft.
Die alte Frau, die den dunkelroten Schal, der schon deiner Mutter gehört, haben will, duckt sich, als sie dich sieht, murmelt ein Entschuldigen Sie vielmals und entschwindet deinem Blickfeld.
Noch mal Glück gehabt, Leute.

Und was, wenn du das Geschenk, das du willst, nicht bekommst?
Was, wenn das Parfum, das perfekt für deine Freundin ist, nicht mehr da ist?
Was, wenn es keinen einzigen Schal mehr gibt?
Was, wenn das Aftershave für deine Söhne in keinem Geschäft auffindbar ist?
Was, wenn du zu Weihnachten kein einziges Geschenk für deine Lieben hast?
Was dann?

Du weißt, tief in deinem Herzen drinnen, dass dich alle trotzdem lieben würden. Es wäre ganz egal, wenn du nicht einmal das kleinste Geschenk für sie hättest. Es würde sich nichts ändern. Ihre Liebe zu dir würde das alles aushalten.
Unsinn!
Verdammen würden sie dich, schlecht reden würden sie hinter deinem Rücken und du würdest auch nichts bekommen. Gar nichts. Wer nichts schenkt, bekommt auch nichts!

Darum.
Ich muss jetzt.
Ich muss jetzt alles besorgen.
Sofort.
Nur mehr eineinhalb Wochen.
Es ist Zeit.
Jeder sagt, dass es höchste Zeit ist.
Ich höre es überall, im Radio, im Fernsehen.
Ich lese es überall.
Schnell, schnell.
Ins Geschäft.
Schnell, schnell.
Die Kreditkarte.
Schnell, schnell.
Die Bankomatkarte.
Schnell, schnell.
Ich bin bereit.
Gewappnet.
Meine Ellbogen wie gespitzte Bleistifte.
Ich bin entschlossen.
In Kampfstimmung.
Ich bekomme was ich will.
Und zwar alles.
Und zwar genau so, wie ich es mir vorstelle.
Jede Kleinigkeit.
Ich schaffe es.
So wie jedes Jahr.
Weg da.
Zisch ab.
Geh mir aus der Sonne.
Jetzt bin ich da.
Ich, die Konsumentin.

Montag, November 09, 2009

alles nur geschäft


Ja, ich weiß. In diesem Jahr gibt es in den Geschäften und Supermärkten seit Oktober Weihnachtsartikel.
Ich weiß das, klar?
Ja, es ist unangebracht Und es nervt mich.
Aber weißt du, was mich noch mehr nervt?
Du weißt es nicht?
Du ! Du nervst mich !
Jedes Jahr sagst du mir immer dasselbe.
Ich höre jedes Jahr denselben Satz von dir:

Mein Gott, so früh das Weihnachtszeug in den Geschäften. Ist ja nur mehr Geschäft, das Weihnachten heutztutage. Ist das nicht ein Wahnsinn?


Hör zu, ich hab selber Augen und ich sehe das und es ist nicht notwendig, dass du mich immer wieder daran erinnerst.

Und im Einkaufscenter ham’s jetzt schon den großen Christbaum aufgestellt. Eine Sünde! Obszön ist das.


Nein, das ist nicht obszön, meine Liebe. So ist es halt. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und darum ist das so, verstehst?
Weißt du, was obszön wäre? Wenn statt der Christbaumkugeln Dildos und Vibratoren am Baum hängen würden und andere Sexartikel.
Das wär obszön!
Und sag mir mal, warum hast du die Wunderkerzen und das Lametta gekauft? Sag mir mal, warum?

Ich nehm's eh noch nicht her. Ich hab gestern nur ein kleines, goldenes Kerzerl angezündet. Es war so dunkel und grau gestern nachmittag. Und so a bisserl Weihnachtsgefühl bei dem Sauwetter ist nett.


Nein, du brauchst kein Weihnachtsfeeling.
Wir haben Anfang November und Weihnachtsfeeling ist nun nicht angebracht, meine Liebe.
Und es dauert noch einige Wochen, bis wir Weihnachten haben.
Und bis dahin kann viel passieren.
Es kann sein, dass deine Wohnung ausbrennt, weil du vergessen hast, die Kerze auszulöschen.
Es kann aber auch sein, dass du im Krankenhaus liegst, weil dir im Einkaufscenter der große Christbaum auf den Kopf gefallen ist.
Noch was.
Ich würd an deiner Stelle schnell heimgehen und in Zukunft die Geschäfte meiden. Die Schweinegrippe geht um. Sonst erlebst du den vierundzwanzigsten womöglich nicht.

Dann werd ich heut noch a bissl Weihrauch auf den Herd stellen. Das desinfiziert.

Samstag, Dezember 20, 2008

Gibt es den Weihnachtsmann?


Nach eingehender Recherche freue ich mich, Ihnen die wissenschaftliche Analyse zu oben genannter Frage präsentieren zu dürfen.

1)Wissenschaftler haben bis heute keine Spezies des Rangifer Tarandus (gemeines Rentier) entdeckt, das fliegen kann.
Es ist jedoch bewiesen, dass es dreihunderttausend fliegende Organismen gibt. Der Großteil davon sind Insekten. Trotzdem kann man nicht ganz ausschließen, dass es fliegende Rentiere gibt, die aber nur der Weihnachtsmann gesehen hat.

2) Es gibt dreihunderttausend christliche Kinder auf der Erde. Die sind aufgeteilt in hundert Millionen Haushalte.

3) Dank der Erdrotation und der verschiedenen Zeitzonen hat der Weihnachtsmann einunddreißig Stunden Zeit, seine Geschenke zu verteilen, wenn er von Osten nach Westen reist. Das bedeutet, er muss pro Sekunde an die achthundert Hausbesuche absolvieren.
Er hat also ein Tausendstel einer Sekunde Zeit, zu parken, aus seinem Schlitten herauszuspringen, den Kamin hinunterzurutschen, die Socken zu füllen, die restlichen Geschenke unter den Christbaum zu legen, den Kamin wiederum hinaufzuklettern, in den Schlitten zu steigen und zum nächsten Haus zu düsen. Das bedeutet auch, dass der Weihnachtsmann achthundert Stundenkilometer fahren muss.
Ein Rentier kann aber nur um die zwanzig Stundenkilometer laufen.

4) Kommen wir nun zu den Geschenken.
Nehmen wir an, jedes Kind bekommt eine mittelgroße Legoschachtel, die ungefähr ein Kilo schwer ist. Das heißt, der Schlitten muss eine Last von ca. dreihunderttausend Tonnen tragen, ohne Weihnachtsmann, der als stark übergewichtig beschrieben wird. Um all das Gewicht transportieren zu können, werden über zweihunderttausend Rentiere benötigt. Wir haben also nun um die dreihundertfünfzigtausend Tonnen, Rentiere mitgezählt.

5) Wenn dreihundertfünfzigtausend Tonnen durch die Luft fliegen, ergibt das einen enormen Luftwiderstand. Und das ist gefährlich.
Innerhalb von fünf Sekunden überhitzen sich die Rentiere und explodieren. Und mit ihnen explodiert auch de Weihnachtsmann.
Fazit: Wenn es den Weihnachtsmann je gegeben haben sollte, ist er auf jeden Fall tot.

Und darum glaub ich ans Christkind.

Montag, Dezember 08, 2008

alles eine frage der planung


Ab heute hast du noch sechzehn Tage Zeit, deine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Das heißt, du musst jeden Tag mindestens vier Geschenke kaufen um alle Familienmitglieder, Freunde, Kinder, Nichten, Neffen, Kollegen und Bekannten zu beschenken.
Du sagst, das ist stressig? Na geh, beruhige dich.
Am besten, du erledigst den Weihnachtseinkauf an einem Tag. Der heutige ist dafür wie geschaffen.
Was willst du an einem geschenkten Tag, wie dem heutigen sonst tun?
Kekse backen? Unsinn, die kaufst du im Supermarkt. Das kannst du auch gleich heute tun. Ist billiger und geht schneller.
Weihnachtsputz? Ebenfalls unsinnig, den machst du nach Weihnachten. Wird ohnehin alles versaut über die Feiertage.
Also geh einkaufen.
Mein Tipp: Nicht nachdenken. Aus dem Bauch heraus kaufen. Das ist das Beste.
Fahr in ein riesiges Einkaufszentrum, in dem du kostenlos und den ganzen Tag parken kannst, und schon geht es los. Naja, fast.
Bevor du fährst, machst du dir eine Liste mit Namen, Geschlecht und Alter.
Du fragst, eine Liste von wem? Na, von denen, die du beschenken wirst. Das sind mit Familienmitgliedern, Kindern, Nichten, Neffen, Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten vierundsechzig.
Wie du das finanzieren sollst, fragst du?
Diesen Punkt besprechen wir später. Nur ned hudeln.
Du hast also nun diese Liste und bist in dem Rieseneinkaufszentrum. Da, wo es alles gibt. Ja, alles.
Halte dich nicht auf mit den unsinnigen, kleine Boutiquen und G‘schäfterln. Dafür ist nun keine Zeit. Du willst doch alles heute erledigen, oder? Na, also. Geh nun so schnell du kannst durch das Rieseneinkaufszentrum. Ja, so schnell du kannst.
Wir kaufen keine individuellen Geschenke, so was ist zu Weihnachten unangebracht. Wir schauen in erster Linie auf Preis, Farbe und Material.
Für alle unter drei, egal ob männlich oder weiblich ist das Geschenk weich, rosa oder hellblau und aus Plüsch.
Von drei bis zehn, weiblich: Rosa, glitzernd.
Von drei bis zehn, männlich: Silber, glänzend, Plastik, mit Schwert.
Von elf bis fünfzehn, weiblich: Rosa, glitzernd.
Von elf bis fünfzehn, männlich: Schwarz, Plastik, mit Batterie.
Von sechzehn bis neunundzwanzig, weiblich: Kauf irgendwas, du liegst ohnehin falsch. Von sechzehn bis neunundzwanzig, männlich: Kauf irgendwas, du liegst ohnehin falsch. Von dreißig bis vierzig, weiblich: Glas, Kerzen, was für die Wohnung.
Von dreißig bis vierzig, männlich: Grau, schwarz, matt glänzend, egal was.
Von einundvierzig bis fünfzig, weiblich: CD, Badesalz, Parfüm.
Von einundvierzig bis fünfzig, männlich: CD, Wein, Schnaps.
Von einundfünfzig bis sechzig, weiblich: Tee, Wein, Hörbuch.
Von einundfünfzig bis sechzig, männlich: Wein, Whisky, Golfball.
Von einundsechzig bis siebzig, weiblich: Bilderrahmen, Tee, Wein,Schnaps.
Von einundsechzig bis siebzig, männlich: Wein, Schnaps, Whisky.
Ab siebzig, männlich und weiblich: Socken, Fäustlinge, Wein, Schnaps, Whisky.
Nun kommen wir nochmals zur Finanzierung des Ganzen.
Da du ja alles an einem Tag besorgt hast, also Geschenke für alle vierundsechzig Leute, hast du nun den Rest des Advents Zeit, Überstunden zu machen.
Du fängst gleich morgen an.
Eine andere Alternative wär der Online-Einkauf. Da kannst du sogar während der Arbeit einkaufen. Du musst nur darauf schauen, dass jeder, den du beschenkst, einen Amazon-Wunschzettel hat.
Jeder!
Und wenn er keinen hat, bekommt er nichts.

Montag, Dezember 01, 2008

Christmas Wrapsody



Das Wort Geschenkpapier ist irreführend.
Weil wir schenken ja nicht das Papier. Wir schenken das, was drinnen ist.
Aber wir sagen ja eh Einwickelpapierl dazu. Da kennt man sich gleich aus.
Hast du schon jemanden je sagen hören: Danke für das schöne Geschenkpapier. Ein wirklich wunderbares Geschenkpapier ist das. So eines habe ich noch gar nicht.
Geschenkpapier ist wichtig.
Besonders zu Weihnachten.
Und wir machen uns ja alle Gedanken darüber, nicht wahr?
Wir suchen ein zur Person passendes Papierl aus.
Für die kleine Nichte ein barbierosafarbenes mit ein bisserl Gold, für den Papa ein braunes mit Uhren drauf, für die Mama eins mit schönem Tapetenmuster, für die beste Freundin ein eisblaues mit Engeln, für die intellektuelle Freundin ein handgeschöpftes mit Gräsern.
Dabei ist das ganz und gar umsonst.
Eigentlich.
Trotzdem geht’s ohne nicht. Du kannst nicht kein Geschenkpapier verwenden.
Ein Geschenk ohne Geschenkpapier ist wie ein Wienerschnitzel ohne Panier. Ein Geschenk ohne Papierl drumherum fühlt sich falsch an.
Das Auswickeln des Geschenks ist von großer Bedeutung. Für den Beschenkten. Das Auswickeln macht das Packerl erst zu einem Geschenk. Du hast einen Anspruch darauf. So, nun hab ich da herumgeraschelt und gerissen, ich habe gearbeitet, um zu meinem Geschenk zu kommen. Nun gehört es mir.
Im Augenblick des Auswickelns wechselt das Geschenk seinen Besitzer. Es wandert vom Schenkenenden zum Beschenkten.
Sehr oft ist das Auswickeln des Geschenks aufregender als das Geschenk selbst. Jeder von uns kennt das Gefühl: Mein Gott, nun hat das so schön ausgeschaut von außen. Hätt ich es doch nicht ausgewickelt. Wo stell ich das Graffl nun hin? Das passt nirgends. Das Packerl mit dem Geschenkpapier hätt' so gut auf die Kommode gepasst und von der Farbe her so gut zu den Vorhängen.
Auswickeln sagt viel über den Beschenkten aus. Genauso viel wie das Geschenkpapier über den Schenkenden aussagt.
Einige reißen das Geschenkpapier in einer halben Sekunde herunter, so als ob sie Angst hätten, das Geschenk würde sich auflösen oder verdampfen. Das sind die gierigen.
Andere machen das ganz langsam. Das sind die Geschenkpapierfetischisten. Sie entknoten ganz langsam das Geschenkband – ein ordentlich verpacktes Geschenk hat immer ein Geschenkband mit zehn Knoten und lösen dann ganz langsam und vorsichtig den Tixo vom Papierl.
Die sparsamen unter ihnen falten es, streichen es glatt und legen es in einen Karton, den sogenannten Geschenkpapierkarton. Ich finde das vernünftig und in keinster Weise eigenartig. Nein, Mama. Mir gefällt das, ehrlich!
Der eigentliche Sinn eines Geschenkpapiers ist das Verstecken des Geschenks. Obwohl das eigentlich Unsinn ist. Denk an ein Buch. Ein Buch kennst du sofort, egal welches Geschenkpapier drum herum ist. Auch wenn Hunterte Christbaumkugeln oder Weihnachtsmänner auf dem Geschenkpapier sind .
Dasselbe mit der Weinflasche. Auch wenn du sie noch so kunstvoll einwickelst in goldenes oder silbernes Papier, jeder weiß, dass es eine Weinflasche ist. Du kannst nur noch raten, ob Rot- oder Weißwein.
Es gibt zwei Arten von Geschenkpapier. Das kitschige und das edle. Der Übergang von kitschig zu edel ist jedoch fließend. Es gibt auch Geschenkpapiere, die kitschig aber edel sind.
Kitschig ist zu Weihnachten sehr beliebt. Kitschige Geschenkpapiere sind meist sehr bunt – grün und rot ist immer dabei, jetzt zu Weihnachten. Grün von den Hunderten von Tannenbäumen und rot von den Hunderten von Weihnachtsmännern.
Gold ist auch oft dabei. Und Silber.
Die Packerl mit den kitschigen Geschenkpapieren sind sehr aggressiv. Sie liegen unter dem Christbaum und schreien: Mach mich auf, mach mich auf. Ich bin dein Geschenk, dein Weihnachtsgeschenk! Und weil du das Gekreische nicht aushältst, machst du es als erstes auf.
Ganz anders mit den edlen Geschenkpapieren. Die bleiben immer im Hintergrund. So edel wie die sind.
Die edlen Geschenkpapiere werden von Leuten ausgesucht, bei denen zu Hause auch alles edel ausschaut. Und alles gleich. Sie packen alle Packerl mit demselben edlen Geschenkpapier ein. Egal, ob das Packerl groß oder klein ist, ob ein Buch drinnen ist oder eine Weinflasche, alles in edlem Geschenkpapier.
So wie ihr Schlafzimmer.
Die Vorhänge passend zur Bettwäsche, die Bettwäsche passend zum Nachthemd, das Nachthemd passend zum Teppichvorleger und der Teppichvorleger passend zum Lampenschirm.
Die edlen Geschenkpapierpackerl haben auch edle Geschenkbänder. Ein einfaches, schmales Goldband oder eines farblich abgestimmt. Höchstens ein Stern mit dem Goldstift draufgemalt. Alles einfach, reduziert und minimalistisch.
Du fragst dich nun, wo der Ursprung des Geschenkpapiers ist. Wer es erfunden hat. Na, wer wohl.
Die weisen Männer. Die drei.
Oder glaubst du, die haben dem Jesuskinderl den Weihrauch einfach so hingeschmissen? Der war in einem Karton. Klar! War ja ein Geschenk.
Und es war eingewickelt, so wie jedes Geschenk. Mit dem edlen, doch kitschigen Geschenkpapier.
Das mit dem Stern drauf, dem handgemalten.

Dienstag, Dezember 25, 2007

send me an angel


Es läutet an der Tür. Ich mach auf und da stehen drei Jugendliche.
Verkleidet als Engel.
Einer davon ein Bursch. Grad der hat einen Heiligenschein. Keinen echten. Ein Drahtgestell, zu einem Heiligenschein gebogen. Ich bin ja gewohnt, dass die drei heiligen Könige kommen und für die Caritas sammeln. Aber drei Engel? Wofür die wohl sammeln? Aber darüber kann ich mir nun keine Gedanken machen.
Weil sie beginnen zu singen. Es ist eher ein Krächzen.
Stiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihille Naaaaaaaaaaaaaacht, heiiiiiiiiiiiiiiiiiiilige Nacht.
Ich bin ein wenig überrascht. Überrascht, dass drei Jugendliche so laut singen, vor allem ein Weihnachtslied und vor allem so falsch.
Aus, aus, so geht das nicht, schreie ich dazwischen. So kann man nicht singen, Kinder. So nicht.
Schließlich habe ich noch vor einigen Jahren Musik unterrichtet und es ist meine Pflicht als Lehrerin, sie ein wenig zu unterrichten, auch wenn Heiligabend ist. Nun hört mir mal zu.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalles schlääääääääft, einsam waaaaaaaaaaacht.
Sie starren mich an.
Klar, dass sie überrascht sind. Bei der tollen Stimme, bei diesem Ausdruck.
Der Bursch hat aufgehört zu singen, aber die Mädchen singen weiter. Ich finde das gut, wenn man nicht so schnell aufgibt. Die Jugend heutzutage ist eh so schnell frustriert und gibt gleich auf, wenn man sie kritisiert. Mir gefällt es, dass sie weiter singen, in Konkurrenz mit mir treten, besser sein wollen als ich obwohl die natürlich keine Chance haben, eh klar.
Ich habe ja jahrelang gesungen.
In einem Dreigesang, später in England Karaoke. Im Pub. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber singen kann ich immer noch.
Jeden Abend habe ich gesungen. Jeden Abend meines dreiwöchigen Englandurlaubs. Und wie ich gesungen habe. Ich sag dir. Du hättest mich hören sollen. England kommt ja bei Karaoke gleich an zweiter Stelle nach Japan. In England gibt’s gute Sänger, durchaus. Nicht nur natürlich. Da war eine. Eine, die auch jeden Abend sang. Dagmar hieß sie. Dagmar sang jeden Abend im Wellington. Im Wellington in Minehead.
Minehead liegt in der tiefsten Provinz in Somerset. Aber ich liebe tiefste englische Provinzen. Für ein paar Wochen im Jahr jedenfalls.
Dagmar war aus Dresden. Dagmar war jeden Abend im Wellington. Immer im selben Rock. Rot mit weißen Punkten. Rot und Plissee. Dagmar erzählte mir jedes Mal, dass sie demnächst heiraten würde.
Als ich sie dann im Jahr darauf fragte, wie ihr das Eheleben gefiele, war immer was dazwischen gekommen.
Geheiratet hat sie nie.
Dagmar hatte nie Geld.
Die Arme.
Sie arbeitete als Gärtnerin. Und als Gärtnerin verdienst du nix. Nicht in England und nicht als deutsche Gärtnerin. Die Deutschen sind nicht berühmt für ihre Gärten. In England jedenfalls nicht. In England sind die nur berühmt für ihre Autos. Und für die Brautwurscht und das Sauerkraut.
Dagmar sang immer dasselbe Lied. Light my fire.
Ich sag dir, das war was. Sprechgesang der feinsten Sorte. Englischer Sprechgesang mit Dresdner Akzent. Das kam nicht so gut an. Aber manchmal erwischte Dagmar doch einen, der ihr ein Pint bezahlte und mit dem sie dann heimging.
Ich sang mehr als ein Lied beim Karaoke im Wellington.
Yeah, Amadea from Australia, grölten einige, die mich schon kannten.
Ich sang alles von Tina Turner bis Shirley Bassey und den Beatles.
Du brauchst nun gar nicht zu lachen. Ich sang wunderbar. Und ich bekam immer wahnsinnig viel Applaus. Weil ich so gut sang.
Mein Exmann meinte dann immer, das könne nicht wegen des Singens sein, das müsse was anderes sein. Der kurze Rock, meinte er.
Jedenfalls fiel mir all das ein, als ich diese Zeile von Stille Nacht sang. Ich sah sie vor mir, die Dagmar in ihrem Plisseerockerl und das Pub sah ich auch und mich auf der Bühne und den Applaus hörte ich.
Tausend Gedankensplitter waren auf einmal in meinem Kopf. Tausend Gedankensplitter während ich Alles schläft, einsam wacht sang.
Nur das traute, hochheilige Paar, singen die beiden weiter.
Holder Knabe im lockigen Haar, singe ich. Natürlich singe ich viel schöner und besser. Viel richtiger.
Ich weiß schon, dass nicht jeder so gut singen kann wie ich und darum lasse ich sie meine Überlegenheit auch nicht spüren. Ein bissl a pädagogisches Gespür hab ich ja doch, nach all den Jahren des Unterrichtens. Das Lied ist aus und ein Bursch hält die Hand auf. Der mit dem Heiligenschein. Ich ignoriere das. Ich frage: Singt ihr für die Caritas?
Sie schütteln alle drei den Kopf. Der mit dem Heiligenschein hört gar nicht auf zu schütteln. Der Heiligenschein wippt nur so.
Ihr singt nicht für die Caritas, frage ich? Dann gibt’s auch kein Geld.
Es wird schon glei dumpa, es wird schon glei Nocht, singt er schon wieder, der mit dem Heiligenschein. Drum kimm i zu dir her, mei Heilond auf d’Nocht. . .
Aus, aus, rufe ich. Es ist zwar auf d’Nocht, aber der Heiland bin ich nicht und Geld bekommt ihr keins von mir. Aber – hört gut zu, ich habe eine Idee. Ihr übt noch a bissl und zu Dreikönig könnt ihr wieder kommen. Und wenn ihr besser seid, dann geh ich mit euch. Von Haus zu Haus geh ich dann mit euch. Und wir singen und ich sing a bissl mit und wir sammeln.
Die drei strahlen.
Wir sammeln Geld.
Die drei strahlen noch immer.
Wir sammeln Geld für die Caritas.
Mit einem Schlag ist das Strahlen weg.
Und der Heiligenschein aus Draht wippt wieder. Hin und her wippt der. Gemeinsam mit dem Kopf vom Engel, vom jugendlichen.
Und dann sind sie weg, die Engel.
Frohe Weihnachten, rufe ich ihnen nach. Und - Vergesst nicht zu üben, jeden Tag.

Dienstag, Dezember 18, 2007

ich hab eh alles



Was wünschst du dir zu Weihnachten?
Ich brauch nix. Ich hab eh alles. Nein, ich brauch wirklich nichts. Mach dir keine Umstände.
Bist du sicher? Ich würde dir gern was schenken.
Na, dann schenk mir was Kleines. Was Nettes, Kleines. Etwas, das du nur mir schenken würdest.
Falsche Antwort.
Die richtige Antwort ist eine Gegenfrage: Wie viel willst du ausgeben?
Wenn du das weißt, dann antworte kurz und bündig. Je einfacher dein Wunsch, desto einfacher für alle Beteiligten.
Überfordere den Fragenden nicht. Niemand will das Innerste deiner Seele erkunden, noch deine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte wissen. Vor allem nicht eine Woche vor dem heiligen Abend.
Der Fragende will genau wissen, was du willst, wo er es kaufen soll, welche Farbe es haben soll und auf welchem Regal es sich befindet.
Also, klare Antworten, kein Herumreden.
Wenn du an der Wursttheke gefragt wirst, was du haben willst, dann sagst du ja auch nicht: Geben sie mir irgendeine Wurst, egal wie viel und wie teuer. Erst recht sagst du nicht, dass du nichts brauchst.
Natürlich haben wir alle gern Geschenke, die von Herzen kommen, die selbst gemacht sind und die wir uns schon jahrelang wünschen.
Aber wer hat schon Zeit, sich jahrelang Notizen zu machen, welcher Schal deine Augen zum Leuchten brachten oder welches Parfum genau zu deinem Typ passt. Und das mit dem Typ ändert sich ja auch. Im Sommer warst du ein anderer Typ als jetzt im Winter. Du warst besser drauf, du warst schlanker und du warst nicht so bleich. Und der Schal, der dir so gefiel, ist nur zu brauner Haut schön und zum Wintermantel passt der gar nicht.
Also sei realistisch.
Manchmal fragen uns Menschen, die wir das ganze Jahr über nicht sehen, was wir uns zu Weihnachten wünschen.
Solche Menschen sind vornehmlich Großtanten und Großonkeln in Altersheimen, die wir mit schlechtem Gewissen, dass wir sie seit letztem Weihnachten nicht besucht haben, vor einigen Tagen anriefen, um ihnen ein Frohes Fest zu wünschen.
Da kannst du dann zur Großtante nicht sagen, dass du dir die grüne Handasche wünschst, die du bei deinem letzten Parisurlaub im Lafayette gesehen hast.
Du kannst auch nicht sagen: Gar nichts, mach dir keine Umstände. Dann schenkt sie dir nämlich einen Eierlikör oder eine Tischdecke.
Sag, was du wirklich willst. Du besuchst sie wie jedes Jahr am Stefanitag, das hast du dir vorgenommen. Also sag was, auch wenn es gierig klingt. Und tu nicht so, als ob du Mutter Teresa wärst, nur weil grad Weihnachten vor der Tür steht. Jeder weiß, wie du bist, auch deine Großtante.
Es gibt auch Leute, die wollen besonders witzig, kreativ oder spontan sein, wenn man sie fragt, was sie sich wünschen.
Nochmals zwanzig sein, sagt die in die Jahre gekommene Cousine, was übersetzt so viel heißt wie: Ich wünsche mir ein Lifting und eine Fettabsaugung an Po und Oberschenkeln.
Das übersteigt deine finanziellen Möglichkeiten und außerdem weiß deine Cousine genau, dass dir ihre Reiterhosen schnuppe sind und ihr dicker Hintern auch.
Geh auf diesen dummen Wunsch nicht ein.
Meine Manneskraft, sagt der Großonkel aus dem Altersheim. Den hast du nämlich angerufen und gefragt, was er sich wünscht, weil den willst du am Stefanitag besuchen, so wie jedes Jahr.
Das heißt übersetzt: Viagra.
Das ist nun etwas anderes als bei der Cousine. Viagra kannst du dir leisten, nicht wahr?
Also mach ihm eine Freud’ und kauf es ihm. Und die Großtante hast du dann auch gleich beschenkt.
Frieden für die Welt, sagt der alternative Neffe.
Übersetzt heißt das: Ich will meine Ruh’.
Auf diesen Wunsch gehst du auch nicht ein. Du kannst ausnahmsweise auch mal witzig sein und antwortest: Der Papst wünscht sich das auch und nicht einmal der bekommt das.
Manchmal sind unrealistische Wünsche erlaubt.
Du kannst dir getrost einen Porsche wünschen. Den bekommst du nicht.
Bei Hund ist es anders.
Wünsch dir keinen Hund. Außer du wohnst in einer Villa mit Riesengarten. Aber dann hast du ja einen Hund. Oder mehrere.
Einen Hund kann sich jeder leisten. Hunde bekommt man sogar geschenkt. Im Hundeasyl. Da hast du dann einen Hund und kannst fünf Mal am Tag mit ihm Gassi gehen weil du kein Gassi hast sondern nur eine Dreizimmerwohnung im dritten Stock.
Sei bescheiden in deinen Wünschen.
Wünsch dir keine Panasonic Lumix DMC-L1 für 1400 Euro.
Der Fragende kennt nun zwar deinen Wunsch, aber er kann sich den Wunsch nicht leisten.
Tut mir leid, die Kameras waren aus. Aber der Verkäufer hat sich genau erinnert, wer die letzte Kamera gekauft hat und ich wusste sofort, das warst du. Und nun hab ich dir diesen extrabreiten Trageriemen gekauft. Freust du dich?

Was ich mir zu Weihnachten wünsche? Du beleidigst mich mit dieser Frage. Du solltest eigentlich wissen, was ich mir wünsche. Du solltest eigentlich meine geheimen Wünsche und Sehnsüchte kennen. Aber wenn du schon fragst ... Wie viel willst du ausgeben? Was bin ich dir wert? Wie ist dein Kontostand? Wie viele Leute beschenkst du? An wievielter Stelle bin ich? Gib mir das Geld, bitte. Ich flieg über Neujahr nach Paris und kauf mir diese grüne Handtasche.

anklöckler

Weil's so gut passt, hier ein Video, das meine Söhne letztes Jahr von den Anklöcklern machten.

Sonntag, Dezember 16, 2007

es wird ein kind geboren


Schatzi?
Ja?
Sind die Gäste schon angekommen?
Welche meinst du?
Die Männer.
Welche Männer? Ich hab nur den Herr Rodes da.
Die haben vor zwei Wochen das Zimmer bestellt. Per E-mail.
Ach ja, ich erinnere mich. Für drei Personen. Da waren grad welche da. Ein Schwarzer war dabei. Die hatten alle komische Hüte auf.
Das sind keine Hüte, das sind Turbane.
Turbane sind das nicht. Turbane haben doch keine Kronen.
Ist ja egal. Sind die nun da?
Ja, da waren drei Männer. Aber von einer Zimmerreservierung haben die nichts gesagt. Sie wollten zu einem Joseph.
Was für ein Joseph? Nachname?
Sie sagten nur Joseph.
Ach ja, Schatzi. Wir haben einen Joseph. Nun fällt es mir ein. Joseph und Maria. Die hab ich in der Stall-Suite untergebracht.
Sind das die mit dem Esel?
Ja, genau.
Was wollen die drei von dem Joseph, sag mal?
Ich habe keine Ahnung. Außerdem geht uns das nichts an. Wenn sie den Herrn Joseph sehen wollen, dann lass sie halt.
Die kommen aus dem Morgenland, haben sie gesagt.
Morgenland? Ich kenn kein Morgenland. Wo liegt denn das?
Im Orient.
Mit der Orient ierung tu ich mir schwer, das weißt du. Was die wohl vom Herrn Joseph wollen? Haben sie Gepäck?
Nein, ich habe nichts gesehen. Sie haben gesagt, dass sie Könige sind.
Könige, so ein Blödsinn. Könige aus dem Morgenland! In unserem Haus! Da hast du falsch verstanden. Die heißen sicher König mit Nachnamen. Sind vermutlich Brüder.
Sie haben Geschenke dabei.
Was für Geschenke?
Weihrauch und Myrrhe.
Was? Weihrauch? Wer bringt denn Weihrauch mit als Geschenk? Weihrauch gibt’s doch in jedem Supermarkt. Und was ist Myrrhe?
Keine Ahnung. Gold haben sie auch dabei.
Gold? Wie viel?
Das weiß ich nicht. Jeder hatte ein kleines Schachterl in den Händen. Sie sagten, die Geschenke sind für das Kind.
Was für ein Kind?
Es wird ein Kind geboren.
Wo? Bei uns? Das kann nicht sein. Ich war vor einer Stunde oben.
Wo oben?
Na, beim Herrn Josepf in der Stall-Suite. Die wollen nicht gestört werden. Das Schild hängt an der Tür. Darum hab ich auch nicht geklopft. Sag den Herrn Königen, sie sollen warten. Schick sie ins Wohnzimmer.
Da wartet schon einer.
Ach ja, der Herr Engel.
Der wartet schon seit zwei Stunden. Was will der eigentlich?
Keine Ahnung. Der ist sicher wegen Weihnachten da.
Ein Weihnachtsengel, hihi.
Lass die Scherze. Ich hab’s eilig. Ich muss noch den Truthahn vom Metzger holen und der Sekt muss auch eingekühlt werden. Kannst du das machen? ich bin so im Stress.
Ja, Schatz. Ich mach das. Ich weiß, dass du es stressig hast. Ist ja nichts Neues zu Weihnachten. Wann kommt deine Mutter?
Mein Gott, meine Mutter hätte ich nun bald vergessen. Was machen wir mit dem Engel und den Königen? Feiern die mit uns Weihnachten?
Mach dir keine Sorgen, ich erledige das.
Gut, dann hole ich nun den Truthahn und dann meine Mutter. Und du schaust, dass die weg sind. Ich brauch keine Gäste in meinem Wohnzimmer zu Weihnachten. Meine Mutter ist anstrengend genug.
Verlass dich auf mich, ich mach das schon.
Du bist ein Schatz. Ich liebe dich. Liebst du mich auch?
Natürlich, Schatzi. Das weißt du doch.

Donnerstag, Dezember 13, 2007

geh und such



Ich glaub, ich fing mit ungefähr fünf an, meine Weihnachtsgeschenke zu suchen.
Um diese Zeit war es ungefähr.
Mitte Dezember.
Ich fand sie immer.
Damals glaubte ich nicht mehr ans Christkind. Ans Christkind glauben hieß, zu glauben, dass das Christkind die Geschenke bringt.
Thomas hatte mir erzählt, dass die Geschenke nicht das Christkind bringt, sondern dass sie die Mama kauft.
Thomas hatte mir auch erzählt woher die Kinder kommen und wie sie gemacht werden.
Mit Thomas war ich im Kindergarten. Wir wollten beide heiraten. Später.
Mit Thomas konnte ich alles besprechen. Thomas und ich hatten keine Geheimnisse voreinander.
Thomas und ich küssten einander auch. Mit Zunge.
Das ging folgendermaßen: Ich streckte die Zunge ganz weit heraus und Thomas leckte mit seiner ganz kurz an meiner. Nur den Bruchteil einer Sekunde lang. Wir machten das natürlich nicht vor anderen Leuten. Wir machten das heimlich. Wenn wir nach Hause gingen vom Kindergarten.
Wir wurden nicht abgeholt. Wir gingen alleine nach Haus vom Kindergarten. Wir hatten denselben Heimweg. Dabei mussten wir immer durch eine Unterführung gehen. Tunnel nannten wir diese Unterführung.
Wir sagten nicht Tunnel sondern Tunell.
Immer wenn wir im Tunell waren, machten wir Zungenlecken. So nannten wir das.
Einmal kurz vor Weihnachten klärte mich Thomas auf.
Es gibt kein Christkind, sagte er. Das macht alles die Mama. Die kauft Geschenke und die versteckt sie dann und dann packt sie die ein und legt sie unter den Christbaum.
Und wer bringt dann den Christbaum? fragte ich. Den bringt nicht die Mama. Den könnte sie gar nicht tragen, so groß wie der ist.
Nein, den bringt dein Papa. Der holt den vom Wald.
Weißt du, redete Thomas weiter, ich war mal mit meinem Papa im Wald einen Baum holen. Der ist für den Herrn Pfarrer, sagte er. Aber ich glaubte ihm das nicht. Ich brach heimlich ein Asterl ab und dann am Heiligabend sah ich, dass das Asterl fehlte. Also, Amadea. Glaub deinen Eltern nicht. Die lügen dich an. Es gibt kein Christkind.
Das beschäftigte mich sehr.
Ich entschied, daran zu glauben, dass die Geschenke die Mama besorgte. Aber das mit dem Christbaum, das glaubte ich nicht. Weil Christbaum fand ich nie einen. So viel ich auch suchte.
Mama wusste natürlich nicht, dass ich nicht mehr an das Christkind glaubte. Niemals hätte sie das wissen dürfen. Ich wollte sie nicht enttäuschen und wollte, dass sie glaubt, dass ich glaube.
Und als eines Heiligen Abends die Puppe, die ich schon entdeckt hatte, nicht unter dem Christbaum lag, konnte ich meine Mutter nicht fragen, warum ich sie nicht bekommen hatte. Ich wusste, dass sie sie nicht gefunden hatte.
Sie war nämlich in der Garage hinter der Gasflasche gelegen, versteckt unter Papas dreckigen Overall. Ich bekam dann zu Ostern nicht nur Ostereier, Socken und den Plüschhasen, sondern auch die Puppe mit selbst gestricktem, rosafarbenem Pullover und Schihaube.
Als ich damals am Heiligabend zu Mama sagte, dass ich dem Christkind geschrieben hatte - weil ich hoffte, sie würde sich vielleicht daran erinnern, dass sie da draußen in der Garage unter dem Overall vom Papa liegt - da war sie ganz durcheinander.
Vielleicht bekommst du vom Osterhasen eine, sagte sie schnell, und – Nun mach dein Packerl auf.
Und im Packerl waren nur rosafarbene Socken und ein Buch.
Und so brachte der Osterhase die Puppe.
Als ich Mama fragte, warum die Puppe die warme Pudelmütze und den dicken Pullover trug, in derselben Farbe wie die Socken, die ich zu Weihnachten bekommen hatte, sagte sie nur: Ostern ist früh in diesem Jahr und der Osterhase will nicht, dass du frierst.

Also, ihr Lieben. Es ist nun Mitte Dezember und höchste Zeit, eure Geschenke zu suchen. Die Krawatte, die CD, die Schiunterwäsche und die Eduscho-Armbanduhr sind da irgendwo.

Hier einige Tipps:
Unter dem Sofa. Schmeiß die Socken in den Wäschekorb.
Zwischen den T-Shirts. Lass den Vibrator.
Auf dem Kleiderkasten. Staub gleich mal ab.
Unter dem Bett. Wohl schon drei Wochen nicht gesaugt?
Im Nachtkastl. Lass die Kondome. Die gehören dir nicht.
Hinter dem Sofa. Kannst gleich den Staubsauger holen und saugen.
Hinter dem Computer. Was machen all die Kulis das?
Im Stauraum in der Diele. Hast du die letzte Altkleidersammlung verschlafen?
Im Abstellraum unter den alten Zeitungen. Trag die gleich runter.
In der Sauna. Die gehört auch mal geputzt.
Im Hobbyraum im alten Kasten. Du liest Pornoheftln?
In der untersten Lade der Kommode. Feinrippstrick ist wohl wieder in?
Hinter den Vorhängen im Arbeitszimmer. Nimm sie ab und hau sie in die Waschmaschine. In der Speisekammer. Du hast keine? Na, dann halt im Keller.
In den Schachteln, die das rum stehen. Sind die noch von der Uroma?
Am Bücherregal hinter den Buchattrappen. Abstauben!
Unter dem Berg Bügelwäsche. Kannst gleich bügeln.
Unter der Abwasch. Das Abflussrohr ist verstopft. Mach das mal sauber.
Im Mikrowellenherd. Wisch den Fettfilm da weg.
Im Geräteschuppen. Geh gleich mal Schnee schaufeln.
Im Kofferraum. Morgen putzt du das Auto. Aber ordentlich.
Im Schmutzwäschekorb. Wasch endlich deine Unterwäsche.
In der Waschmaschine. Schalte den Schongang ein.
In der Garage hinter der Gasflasche unter dem dreckigen Overall.
Nun geh schon.
Such. Was, du findest nichts?
Na, dann wart auf Ostern. Über Krawatte, CD und Uhr freust du dich zu Ostern auch. Und die Schiunterwäsche kannst du als Pyjama anziehen.
Ostern ist früh in diesem Jahr und der Osterhase will nicht, dass du frierst.

Und wenn du nicht so schlampig wärst und den Overall gewaschen hättest, dann, ja dann…..
Aber noch ist ja Zeit.
Für den Weihnachtsputz.