Montag, Juni 23, 2008

the law of politeness ?


Kennst du das?
Du gehst auf’s Klo, erledigst dein Geschäft und greifst zum Klopapier. Und was siehst du? Ein kleines Stückerl Papier hängt da einsam am Klopapierhalter. Mit dem kannst du dich nicht mal schnäuzen geschweige denn den Hintern abwischen.
Da war vor dir jemand auf dem Örtchen und hat dir aus lauter Höflichkeit oder Faulheit – je nachdem – eine winzig kleines Futzerl Papier übrig gelassen.
Ein anderes Beispiel.
Du gehst zum Kühlschrank, nimmst die Milch heraus und merkst, dass nur mehr ein kleines Tropferl im Packerl ist. Zu wenig für deinen Kaffee.
Und so geht das weiter. Eine kleine Praline in der Riesenbonbonniere, ein kleines Kekserl in der Packung, ein kleines Eckerl Käse im Papierl, ein kleines Stück Schokoladekuchen auf dem Teller, ein Scherzerl Brot in der Brotlade, ein halber Kaffeelöffel Kaffee in der Dose, fünf Körnchen Reis im Topf, zwei Messerspitzen Pesto im Glas, fünfzehn Haferflocken im Sackerl.
Ein anderes Beispiel: Du bist bei Freunden zum geselligen Beisammensein eingeladen. Es gibt belegte Brötchen. Alle greifen zu. So lange, bis nur mehr eins am Teller liegt. Das nimmt keiner. Nicht mal der größte Vielfraß, der zwei Drittel der Brötchen verschlungen hat. Auf einmal ist jeder höflich. Es hätte zwar jeder gerne, dieses letzte Brötchen, aber keiner traut sich, es zu nehmen.
Beim Knabbergebäck dasselbe. Ganz zum Schluss bleibt einsam und verlassen ein halbes Soletti übrig oder ein kleines Salzbrezerl.
Woran das liegt? Meiner Meinung nach gibt es zwei Gründe dafür: Höflichkeit und Faulheit.
Der Höfliche denkt sich:
Ich kann doch nicht das ganz Klopapier verbrauchen, ich lass noch drei Futzerl für den nächsten da. Der freut sich dann.
Der Faule denkt sich:
Ich kann nicht das ganze Klopapier nehmen, sonst muss ich eine neue Rolle holen, sie ins Klo tragen, auf den Klopapierhalter drapieren. Nein, das freut mich nicht. Das soll der nächste machen.
Das gilt für alles andere auch: Für das Kaffeepulver, für das Brot, für den Schokoladekuchen, für die Milch.
Und all diese kleinen Reste, die aus Höflichkeit und Faulheit übrig gelassen werden, führen immer wieder zu riesengroßen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eheleuten, Pärchen, Mitbewohnern und Menschen, die gemeinsam in einer Wohnung leben. Tagtäglich machen wir aus einer Portion Nudeln, mit der man satt werden würden, zwei, indem wir nur die Hälfte nehmen. Diese Hälfte wird dann wiederum aufgeteilt und wieder und wieder bis nur mehr eine einzige Nudel am Teller im Kühlschrank liegt.
Dem Faulen kannst du wenigstens unterstellen, dass er sich Arbeit ersparen wollte, aber dem Höflichen kannst du gar nichts vorwerfen. Da bekommst du dann eine beleidigte Antwort, wie – Ich wollte nur höflich sein und dir etwas Schokoladekuchen übrig lassen, wo du ihn doch so gern ist.
Dass das aber gerade das Gegenteil von höflich ist, davon will derjenige nichts hören.
Ist das höflich, wenn da noch ein winziges Schokoladenkuchenbröserl am Teller liegt, das nicht mal eine Maus sättigt und nur deinen Gaumen nur kitzelt?
Also lass das. Es bringt nichts außer Ärger und Verdruss.
Wenn du dir einen Kaffee machst, dann nimm den Rest Milch und lass nicht einen Tropfen übrig für mich, nur weil du zu faul bist, das Packerl zu entsorgen und frische Milch zu kaufen.
Und nimm das ganze Stück Sachertorte, auch wenn du höflich sein willst. Wenn ich eine Sachertorte will, dann will ich ein großes Stück.
Iss das Wienerschnitzel, das im Kühlschrank ist und räum den Teller danach in den Geschirrspüler.
Und wenn du am Klo sitzt, dann nimm auch das letzte Futzerl Papier und hol eine neue Rolle aus dem Vorratschrank und richt alles ordentlich her. Und die leere Rolle schmeißt du nicht einfach ins Eck.
Wo ist übrigens die Mozartkugel, die da noch eben im Sackerl war? Die hast du gegessen? Einfach so? Ohne mich zu fragen? Du bist gemein, hundsgemein.
Die hat mir gehört, mir! Wie kannst du nur so gierig sein?

Kommentare:

Bjoern hat gesagt…

Jetzt sei doch nicht immer so! Eine einzige Mozartkugel! Du hattest doch schon die restliche Packung!
Ich komm' mir so ausgenutzt vor.

solo hat gesagt…

ich bin der, der sowohl das erste als auch das letzte belegte brötchen isst. weil sich das sonst keiner traut, wird man so schnell beliebt und bekommt gesagt: "hier solo, du hast doch immer so nen gesunden hunger, iss mal das brötchen noch!" "Nein", sag ich dann manchmal auch frech, "aber ich nehms gerne mit."

SuMuze hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
SuMuze hat gesagt…

Obwohl sprachlich anglophil-teutonisch sozialisiert, zauberte mir dieser Satz aus deinem Beitrag ein Leuchten ins sachlich-rational verdüsterte Auge:

"Eine kleine Praline(erl) in der Riesenbonbonniere(rl), ein kleines Kekserl in der Packung(lerli), ein kleines Eckerl Käse(rl) im Papierl, ein kleines Stück(erl) Schokoladekuchen(nennerl) auf dem Teller(lerl), ein Scherzerl Brot(l) in der Brotlade(rl), ein halber(erl) Kaffeelöffel(erl) Kaffee in der Dose(rl), fünf Körnchen(li) Reis(erl) im Topf(erl), zwei Messerspitzen(li) Pesto(lerli) im Glas(erl), fünfzehn Haferflocke(n weg statt dessen: rl [der s-Tag geht nicht, grrr!]) im Sackerl."

(Verbesserungen im Sinne des phonetischen Wohlklanges von mir, S.S.)

amadea's world hat gesagt…

bjoern - Immer ein Geranggel um diese Kugerln.

solo - So wie ich. Hihi.

sumuze - Wir hier sagen ja statt des "erl" ein ei:
Stickei, Eckei, Keksei....
Wia schee des Leichtn is in deine Augei :-)