Donnerstag, März 20, 2008

der entzündungsherd


Sehr geehrter Herr Herd !

Es war nicht in Ordnung, dass ich Sie gestern Abend in die Lade getreten habe. Dafür will ich mich entschuldigen. Ich wusste nicht, dass sie so empfindlich sind. Ich wusste auch nicht, dass das Metall an ihrem unteren Ende so dünn ist. Ich werde versuchen, die Delle, die ich Ihnen verpasst habe, vorsichtig auszuklopfen.
Aber derzeit bin ich nicht imstande, das zu tun.
Ich bin nach wir vor zu aufgeregt und nervös. Und auch verärgert.
In dieser Wohnung bin ich die Chefin. Und die Chefköchin. Und Sie haben das zu tun, was ich Ihnen sage. Kapieren sie das doch endlich. Ich habe Sie immer mit Respekt behandelt, ich habe Sie geputzt und dafür gesorgt, dass Sie strahlen und glänzen.
Und Sie? Sie sind ganz und gar respektlos und aufmüpfig. Sie führen sich auf wie es Ihnen gerade passt.
Nicht umsonst haben Sie auf den Knöpfen da an Ihrer Brust die Zahlen von eins bis zwölf. Und wenn ich ihren Knopf auf Stufe sechs drehe, dann erwarte ich auch, dass er auf Stufe sechs bleibt.
Aber nein, was tun Sie? Sie erhitzen sich auf Stufe zwölf. Ohne mich zu fragen oder wenigstens davon in Kenntnis zu setzen. Kein Wörtchen sagen Sie.
Wenn Sie mir mitteilen würden, dass Sie sich auf Stufe zwölf erhitzen, dann könnte ich reagieren und den Knopf zurückdrehen oder ganz ausdrehen. Oder ich könnte die Pfanne von Ihnen herunter nehmen.
Kapieren Sie nicht, dass die menschliche Haut empfindlich ist? Meine ist sogar überempfindlich.
Ist es notwendig, dass Ihre Platte so heiß ist wie Vulkanlava? Es ist nicht notwendig, die Platte auf zweitausend Grad zu erhitzen, wenn in der Pfanne die Zwiebel glasig werden soll. Sechzig Grad würden reichen. Oder achtzig. Die Zwiebel muss nicht schwarz werden wie Basalt. Glasig soll sie werden, glaaaaaaasig!
Da gehe ich zehn Minuten aus der Küche um zu telefonieren und wenn ich zurück komme, ist die Zwiebel kohlrabenschwarz und die Pfanne auch und die Küche raucht wie der Ätna in seinen heißesten Zeiten.
Und Sie sitzen da, mit glühender Platte ohne die Miene zu verziehen.
Sie haben den Knopf selbstständig hinauf gedreht! Und behaupten Sie nun ja nicht, ich wäre das gewesen. Niemals und auf keinen Fall drehe ich den Knopf auf zwölf, wenn ich glasige Zwiebel brauche.
Und es ist Ihnen auch vollkommen egal, dass ich diese teure Pfanne nun wegschmeißen muss. Ja, ich muss sie entsorgen. Tun Sie doch nicht so, als ob Sie das nicht wüssten. Wie soll ich diese schwarze, klebrige Masse je wieder wegkriegen? Das schafft nicht mal Ihr Freund, der Geschirrspüler.
Und weil wir grad dabei sind. Ich kann nichts dafür, dass Sie schief stehen. Beschweren Sie sich beim Tischler oder beim Maurer. Keine Ahnung, warum der Boden schief ist.
Wie Sie wissen, koche ich vornehmlich mit Olivenöl. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie sich ein wenig nach hinten neigen könnten, damit sich das Öl nicht immer im vorderen Drittel der Pfanne ansammelt. Ist das zuviel verlangt? Sich ein wenig nach hinten zu lehnen dürfte nicht so schwierig sein, oder?
Noch etwas. Morgen kaufe ich den Braten für Ostern. Es gibt Lamm. Ich warne Sie. Wenn Sie Ihr Backrohr wieder so erhitzen wie im vorigen Jahr, als ich mir die Finger beider Hände verbrannte, dann back ich ihr Rohr und reiß es Ihnen raus. Jawohl! Dann ist es aus mit lustig. Dann fliegen Sie raus. Endgültig.
Was sagen Sie? Lauter, ich verstehe Sie nicht. Eigener Herd ist Goldes Wert, sagen Sie? Dass ich nicht lache. Ich verbitte mir diese Frechheiten.
Es reicht! Morgen werden Sie entsorgt. Sie haben ausgeheizt.
Ab morgen bleibt die Küche kalt. Und Sie auch.

Kommentare:

saxana hat gesagt…

Mann, Mann, Mann, bist Du heute streng mit ihm, dem guten Stück. Du brauchst nur ein Telefon in der Küche. Frohe Ostern und gutes Gelingen des Bratens.

solo hat gesagt…

1. Seid gut zu euren Küchengeräten!
2. Schaff dir einen Küchenjungen an.
3. Ganz recht, wer krankfeiert, fliegt raus! Das ist neoliberales Denken auch in der Speisezubereitungszone.
4. Fünftens.

Zechbauer hat gesagt…

Wir haben uns ganz unsentimental von unserem alten Herd getrennt, denn ein e exhorbitant wichtige Eigenschaft - ein funktionierender Ofen - hat der alte Herr einfach abgelegt.
Der neue ist auch ein "alter" Herr, aber er sieht noch taufrisch aus und es funktioniert alles.