Dienstag, Dezember 18, 2007

ich hab eh alles



Was wünschst du dir zu Weihnachten?
Ich brauch nix. Ich hab eh alles. Nein, ich brauch wirklich nichts. Mach dir keine Umstände.
Bist du sicher? Ich würde dir gern was schenken.
Na, dann schenk mir was Kleines. Was Nettes, Kleines. Etwas, das du nur mir schenken würdest.
Falsche Antwort.
Die richtige Antwort ist eine Gegenfrage: Wie viel willst du ausgeben?
Wenn du das weißt, dann antworte kurz und bündig. Je einfacher dein Wunsch, desto einfacher für alle Beteiligten.
Überfordere den Fragenden nicht. Niemand will das Innerste deiner Seele erkunden, noch deine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte wissen. Vor allem nicht eine Woche vor dem heiligen Abend.
Der Fragende will genau wissen, was du willst, wo er es kaufen soll, welche Farbe es haben soll und auf welchem Regal es sich befindet.
Also, klare Antworten, kein Herumreden.
Wenn du an der Wursttheke gefragt wirst, was du haben willst, dann sagst du ja auch nicht: Geben sie mir irgendeine Wurst, egal wie viel und wie teuer. Erst recht sagst du nicht, dass du nichts brauchst.
Natürlich haben wir alle gern Geschenke, die von Herzen kommen, die selbst gemacht sind und die wir uns schon jahrelang wünschen.
Aber wer hat schon Zeit, sich jahrelang Notizen zu machen, welcher Schal deine Augen zum Leuchten brachten oder welches Parfum genau zu deinem Typ passt. Und das mit dem Typ ändert sich ja auch. Im Sommer warst du ein anderer Typ als jetzt im Winter. Du warst besser drauf, du warst schlanker und du warst nicht so bleich. Und der Schal, der dir so gefiel, ist nur zu brauner Haut schön und zum Wintermantel passt der gar nicht.
Also sei realistisch.
Manchmal fragen uns Menschen, die wir das ganze Jahr über nicht sehen, was wir uns zu Weihnachten wünschen.
Solche Menschen sind vornehmlich Großtanten und Großonkeln in Altersheimen, die wir mit schlechtem Gewissen, dass wir sie seit letztem Weihnachten nicht besucht haben, vor einigen Tagen anriefen, um ihnen ein Frohes Fest zu wünschen.
Da kannst du dann zur Großtante nicht sagen, dass du dir die grüne Handasche wünschst, die du bei deinem letzten Parisurlaub im Lafayette gesehen hast.
Du kannst auch nicht sagen: Gar nichts, mach dir keine Umstände. Dann schenkt sie dir nämlich einen Eierlikör oder eine Tischdecke.
Sag, was du wirklich willst. Du besuchst sie wie jedes Jahr am Stefanitag, das hast du dir vorgenommen. Also sag was, auch wenn es gierig klingt. Und tu nicht so, als ob du Mutter Teresa wärst, nur weil grad Weihnachten vor der Tür steht. Jeder weiß, wie du bist, auch deine Großtante.
Es gibt auch Leute, die wollen besonders witzig, kreativ oder spontan sein, wenn man sie fragt, was sie sich wünschen.
Nochmals zwanzig sein, sagt die in die Jahre gekommene Cousine, was übersetzt so viel heißt wie: Ich wünsche mir ein Lifting und eine Fettabsaugung an Po und Oberschenkeln.
Das übersteigt deine finanziellen Möglichkeiten und außerdem weiß deine Cousine genau, dass dir ihre Reiterhosen schnuppe sind und ihr dicker Hintern auch.
Geh auf diesen dummen Wunsch nicht ein.
Meine Manneskraft, sagt der Großonkel aus dem Altersheim. Den hast du nämlich angerufen und gefragt, was er sich wünscht, weil den willst du am Stefanitag besuchen, so wie jedes Jahr.
Das heißt übersetzt: Viagra.
Das ist nun etwas anderes als bei der Cousine. Viagra kannst du dir leisten, nicht wahr?
Also mach ihm eine Freud’ und kauf es ihm. Und die Großtante hast du dann auch gleich beschenkt.
Frieden für die Welt, sagt der alternative Neffe.
Übersetzt heißt das: Ich will meine Ruh’.
Auf diesen Wunsch gehst du auch nicht ein. Du kannst ausnahmsweise auch mal witzig sein und antwortest: Der Papst wünscht sich das auch und nicht einmal der bekommt das.
Manchmal sind unrealistische Wünsche erlaubt.
Du kannst dir getrost einen Porsche wünschen. Den bekommst du nicht.
Bei Hund ist es anders.
Wünsch dir keinen Hund. Außer du wohnst in einer Villa mit Riesengarten. Aber dann hast du ja einen Hund. Oder mehrere.
Einen Hund kann sich jeder leisten. Hunde bekommt man sogar geschenkt. Im Hundeasyl. Da hast du dann einen Hund und kannst fünf Mal am Tag mit ihm Gassi gehen weil du kein Gassi hast sondern nur eine Dreizimmerwohnung im dritten Stock.
Sei bescheiden in deinen Wünschen.
Wünsch dir keine Panasonic Lumix DMC-L1 für 1400 Euro.
Der Fragende kennt nun zwar deinen Wunsch, aber er kann sich den Wunsch nicht leisten.
Tut mir leid, die Kameras waren aus. Aber der Verkäufer hat sich genau erinnert, wer die letzte Kamera gekauft hat und ich wusste sofort, das warst du. Und nun hab ich dir diesen extrabreiten Trageriemen gekauft. Freust du dich?

Was ich mir zu Weihnachten wünsche? Du beleidigst mich mit dieser Frage. Du solltest eigentlich wissen, was ich mir wünsche. Du solltest eigentlich meine geheimen Wünsche und Sehnsüchte kennen. Aber wenn du schon fragst ... Wie viel willst du ausgeben? Was bin ich dir wert? Wie ist dein Kontostand? Wie viele Leute beschenkst du? An wievielter Stelle bin ich? Gib mir das Geld, bitte. Ich flieg über Neujahr nach Paris und kauf mir diese grüne Handtasche.

Kommentare:

saxana hat gesagt…

Ach ja, Paris. Nimmst mich mit? Nein, nimm mich mit!

solo hat gesagt…

Bei mir läuft das so:

"Was wünschst du dir zu Weihnachten?"
"Ich weiss nicht..." (alternativ zu "Ach ich hab doch schon alles...")
"Wenn du es nicht weisst, dann bekommst du auch nichts!" (Hier lege ich die nötige Dringlichkeit in die Stimme)
"Ach ja, also dann, einen Pürierstab."
"Na also, ist gemacht!"

lg solo

kopffueßelnde hat gesagt…

Mir fallen meine Wünsche prinzipiell erst zu spät, dann aber umso dringlicher ein. Sehr undankbar, ich weiss.
Mit Dir Paris nach grünen Handtaschen zu durchwühlen klingt aber in jedem Fall klasse. Und um Dir schöne Weihnachten zu wünschen, ist es hoffentlich noch nicht zu spät?!

amadea's world hat gesagt…

Gern, Saxana - Und das Kopffusserl nehmen wir auch mit.

solo - Pürierstab !! Schlimm ! Das ist ja wie so schlimm wie Toaster. Aber besser als Dampfdrucktopf.

solo hat gesagt…

Ein Toaster...vielleicht nächstes Weihnachten? Ja, das ist schon traurig.

Ich habe auch herausgefunden das alles, was man in der Kasserole im Herd zubereitet, viel besser schmeckt als aus dem Dampfdrucktopf. Deswegen verschenke ich jetzt auch öfters kasserolen (die sind billiger als Herde)

Frohes Fest!