Donnerstag, Februar 15, 2007

du bist was du isst


Es heißt doch – du bist, was du isst. Demnach wäre ich nun gern ein Schinkenbrot. Auf das hätte ich jetzt Lust. Es ist fast Mitternacht und es ist kein gutes Zeichen, dass ich Lust auf ein Schinkenbrot habe. Derzeit bin ich eine Tasse Kräutertee, die nach Badewasser schmeckt. Die trinke ich nämlich gerade.
Ich habe mir vorgenommen, meine Essgewohnheiten zu überdenken und dann zu ändern. Wieder einmal. Nicht, dass ich ungesundes Zeug esse, nein, eigentlich recht gesund. Den ganzen Tag über bin ich abwechselnd Vollkornbrot, Gemüse und Obst. Weil das esse ich ziemlich oft. Manchmal bin ich auch ein Stück Käse oder ein Joghurt. Aber gegen Abend. Da beginnt das Dilemma. Ich bekomme den größten Hunger am Abend und in der Nacht. Da bin ich dann ein Käsebrot oder ein Wurstbrot oder ein Tomatenbrot oder ein Salamiweckerl. So wie nun. Solche Lust ein Schinkenbrot zu sein. Mit Butter.
Viel trinken muss man. Viel trinken ist ganz wichtig. Viel Wasser trinken. Immerzu Wasser trinken. Während der Arbeit bin ich ein fließender Quell. Auch wenn ich dann ständig auf’s Klo renne, weil meine Blase das nicht gewohnt ist. Mein Problem ist, dass ich Hunger bekomme, wenn ich zuviel Wasser trinke. Mein weiteres Problem ist, dass ich esse, wann mir danach ist und nicht nachdenke, was ich reinstopfe. Ab jetzt mache ich mir bewusst, was ich esse. Ganz bewusst. Sollte ich heute noch ein Schinkenbrot sein, so werde ich das ganz bewusst sein. Ich werde mir sogar vorstellen, dass ich als Schinken mal ein Schwein war. Ein glückliches. Und dass ich als Brot mal ein Weizenfeld war. Ein wogendes. Und dass ich als Butter mal als Milch in der Kuh war.
Ich werde heute natürlích auf keinen Fall mehr ein Schinkenbrot sein, weil ich keines essen werde. Es ist ja schon bald Mitternacht. Ich werde höchstens eine Praline sein. Aber nur ganz kurz. Danach ist mir nun. Süß und verführerisch werde ich sein. Aber ich werde höchstens ein klitzekleines Stückerl von der Praline essen und nur einen kleinen Moment lang eine Praline sein – wenn überhaupt - und das genieße ich ganz bewusst. Und morgen werde ich wieder ganz kurz ein kleines Stückerl Praline sein. Jeden Tag bis die Pralinen weg sind. Das geht aber nicht. Weil wenn ich von diesen wunderbaren Pralinen koste, die mir Peter geschickt hat, dann haben meine Geschmacksknospen erst so richtig Lust auf mehr bekommen und sie ruhen nicht, bevor alles weg ist. Aber heute mache ich das nicht. Heute esse ich nur ein ganz kleines Stückerl. Heute bin ich nur ganz kurz eine Praline.
Morgen bin ich dann wieder Frischzeug.
Morgen esse ich nur Obst und Gemüse. Nein, morgen geht das nicht. Morgen bin ich zum Essen eingeladen. Morgen werde ich zu Mittag kurz ein Hendl sein. Danach vielleicht noch ein Apfelstrudel. Wenn ich Glück habe. Aber übermorgen. Übermorgen bestimmt. Aber übermorgen, fällt mir grad ein, bin ich bei Mama zum Mittagessen. Und übermorgen ist außerdem Faschingssamstag. Und da bäckt Mama immer Faschingskrapfen. Und am Faschingssamstag ein Faschingskrapfen zu sein, ist ein wunderbares Gefühl. Schinkenbrot zu sein wär am Faschingssamstag gar nicht gemütlich.
Aber am Sonntag. Am Sonntag vielleicht. Aber das mit Sonntag ist auch nicht gut, weil am Sonntag bin ich am Morgen ein tolles Frühstück. Ich bin ganz und gar ein ordentliches Frühstück mit allem Drum und Dran. Und immer wenn ich ein ordentliches Frühstück esse, dann geht das mit dem ordentlich Essen den ganzen Tag weiter. Da bin ich den ganzen Tag eine ordentliche Mahlzeit, eine ganz ordentliche.
Ich fange am Aschermittwoch an. Da ist dann Fastenzeit. Weil am Rosenmontag und Faschingsdienstag kann ich unmöglich anfangen. Weil da gehen wir aus. Und da muss ich ordentlich essen. Ein wenig Alkohol muss schon sein im Fasching. Und wenn ich da nicht ordentlich esse, dann vertrag ich ja gar keinen Alkohol. Nicht mal ein oder zwei Caipirinhas. Das geht nicht. Nein, das geht auf keinen Fall.
Ich glaube, ich esse noch so eine kleine Praline. Die vom Peter. Die von australianhomemade. Diese kleine Praline ist wunderbar. Und dass diese kleine Praline 4000 Kalorien hat, das kann nicht sein. So viele Kalorien passen ja gar nicht rein in diese kleine Praline. Außerdem muss ich die Pralinen noch vor dem Aschermittwoch essen. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und da ist es höchst unpassend, eine Praline zu sein. Also ist es egal, wann ich sie esse. Ich esse sie nun gleich alle, und dann sind sie weg und ich denke nicht mehr an sie. Dann bin ich halt ein wenig länger eine Praline. Heute ist es eh schon egal. Heute hab ich eh schon zu viel gegessen. Heut war ich eh schon alles mögliche. Und ich fühle mich schon die ganze Zeit wie eine Praline.
Vielleicht sollte ich das Schinkenbrot doch noch essen? Weil morgen kann ich es sicher nicht essen wenn ich zum Essen eingeladen bin. Und übermorgen, nein übermorgen auch nicht. Kann doch am Faschingssamstag nicht als Schinkenbrot bei Mama auftauchen. Und Schinkenbrot und Faschingskrapfen abwechselnd zu sein ist sehr anstrengend. Und am Rosenmontag und Faschingsdienstag bin ich auf keinen Fall ein Schinkenbrot, wer verkleidet sich schon als Schinkenbrot?
Ich muss das Schinkenbrot heute essen. Es geht gar nicht anders. Es ist egal wenn ich heute ein Schinkenbrot bin, weil ich geh nun eh gleich ins Bett.
Wenn ich aber nun das Schinkenbrot esse, dann bin ich morgen eine Kugel, ich weiß das.
Eine Mozartkugel. Eine Mozartkugel zu sein ist ein wahres Vergnügen, glaub mir. Kugelrund und süß mit weichem Kern.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

...wie kommt es, dass ich süße, zarte, schlanke katzenzungen genüsslich in meinem mund zergehenlasse und nachher bin ich eine speckwurst, nein, da ich ja auch rauche wohl eher ein selchroller.... :-(
seufz...
annanym

JMH hat gesagt…

Jesus, Amadea, I should certainly learn German, but I could never learn the cultural (or uniquely Austrian) subtleties than come with the language.

The Babelfish keeps telling me that you like ham bread. A ham sandwich, I presume? Or perhaps some sort of delicious croquette made from ham and bread? Or, if it's accurate, just ham and bread with butter?

It bothers me because taste is one of my favorite senses.

amadea's world hat gesagt…

JMH, that is the problem with learning a language - always!
And it takes years to get past the small talk !
I am still struggling.
And the smelling is as important as the taste.
Sometimes life is not easy if you have a sensitive sense of smell and taste, don't you think?

kopfverfusselte hat gesagt…

Amadea, das klingt als wärst Du zu jeder Tageszeit zum Reinbeissen.

amadea's world hat gesagt…

Haha, Fusserl.
Fang beim Ohr an, das schmeckt wie ein Tintenfischringerl :-)