Sonntag, Jänner 07, 2007

an fried, an reim, an gsund


Ich sitze auf dem Balkon und lese.
Und es scheint, als melde sich der Frühling an. Von den Dachrinnen plätschert es leise und stetig und die Sonne scheint auch schon anders als noch vor einigen Wochen.
Aber es ist trügerisch.
Der Winter war noch nicht richtig da. Und er kommt immer. Oft auch erst im März oder April.
Da nützt es auch nichts, dass gestern Perchtenlauf im Ort war.
Ein Ereignis, das die Menschen im Ort und in den umliegenden Gemeinden aus dem Haus treibt. Die Zeit der Wintersonnenwende war ja schon immer eine geheimnisvolle. Die Natur, die im Herbst abstirbt, ist von bösen Geistern umgeben. Und nun, da die Tage länger und die Nächte kürzer werden, gilt es, diese Unholde der Nacht und des Todes zu vertreiben, sodass das Lichte, das Helle, das Schöne wieder Platz haben kann. Der Frühling gilt als Sieg des Tages über die Nacht.
Der Perchtenlauf zeigt uns, dass der Winter vorbei ist.
Percht kommt vom Althochdeutschne perath und bedeutet glänzend, prächtig, herrlich.
Früher sind die Perchten von Haus zu Haus gezogen, heute ziehen sie durch den Ort.
Er beginnt mit der Musikkapelle und den Aperschnalzern, die auf Pferden reiten und ihre Peitschen knallen lassen. Anscheinend durchbrechen die Peitschen die Schallmauer, darum ist das so laut.
Mein Vater hatte auch immer eine Vorliebe für’s Aperschnalzen. Ich habe das auch probiert. Aber wirklich ordentlich geschnalzt hat es selten. Meistens schnalzte ich mir die Peitsche auf den Rücken.
Es gibt Schiachperchten und Schönperchten. Die Schiachperchten sehen aus wie die Krampusse. Die Schönperchten tragen riesige Tafeln mit unterschiedlichen Motiven und sind alle selbst gemacht.
Die Schnabelperchten haben einen Besen zum Kehren, eine Schere zum Bauchaufschneiden und einen Korb am Rücken.
Der Brauch besagt, dass denjenigen, deren Stube nicht sauber ist, der Bauch aufgeschnitten wird, um den Unrat hineinzustopfen.
Hier beim Perchtenlauf kehren sie nur die Straßen sauber.
Die Habergeiß, wir sagen Howagoaß, ist eine besondere Gestalt. Sie war früher von den Frauen im heiratsfähigen Alter besonders gefürchtet. Weil sie achtete darauf, dass im Haushalt alles ordentlich und sauber war. Die Habergeiß schlägt aus, zwickt und hat bewegliche Kiefer, mit denen sie zuschnappt.
Die Schönperchten werden begleitet von Männern, die als Frauen verkleidet sind. Sie tragen alle Trachtenkleider.
Immer wieder bleiben die Schönperchten stehen, stellen sich in Reih und Glied auf und verbeugen sich. Und sie verkünden An Fried, an Reim, an G’sund – Frieden, Glück und Gesundheit.
Die Tafeln, die sie auf dem Kopf tragen, sind vierzig bis fünfzig Kilo schwer.
Am Perchtenlauf dürfen nur Männer teilnehmen. Weil das ja alles so schwer ist, was man zu tragen hat.
Und sie tun alle mit, die Männer und Burschen des Ortes. Sogar die Vierzehnjährigen, geschminkt und mit ausgestopftem Busen, nehmen teil. Wie stark doch das Brauchtum noch verankert ist bei uns.
Den Abschluss bilden die Heiligen Drei Könige, auch auf Pferden reitend.
Nach eineinhalb Stunden ist der Perchtenlauf vorbei,
die Menschenmenge zieht in die Gasthäuser. Auch meine Zehen sind kalt und ich zwänge mich ins nächste Kaffeehaus um mich aufzuwärmen.



1 Kommentar:

Saxana hat gesagt…

Toll dieser Brauch. In Bad-Reichenhall laufen die Perchten auch zwischen den Häusern herum.