Samstag, Mai 16, 2009

da bin ich ganz bei Ihnen




Die Arbeit in einem Büro ist anstrengend - das wissen wir alle.
Hier eine Anleitung, wie du durch kleine Änderungen Stress beseitigen kannst und so zu einem glücklichen, entspannten Menschen und Kollegen wirst.

Wann immer du dich aus deinem Sessel erhebst, um ein wenig herumzugehen, weil dich der Papierkram, den du zu erledigen hast, langweilt, sei dir bewusst, Big Brother is watching you.
Nimm also immer eine Mappe mit oder wichtig aussehende Papiere. Geh nicht einfach mit leeren Händen herum. Das sieht nach Pause aus. Nach Kaffeepause.
Dein Chef könnte auch meinen, du seist auf dem Weg in die Kantine. Und das um halb elf!
Nimm auch keine Zeitung mit. Man könnte glauben, du seist auf dem Weg zur Toilette. Wenn du nach einem anstrengenden Tag Feierabend machst, nimm immer Unterlagen mit nach Hause. So viel du tragen kannst. Vergiss aber nicht, deinem Chef einen schönen Abend zu wünschen, während dir einige Mappen und Zettel entgleiten und du sie mit schuldbewusstem Blick seufzend auf liest. Dein Chef wird beeindruckt sein, dass du sogar nachts arbeitest.

Wann immer du am Computer sitzt, sieht es nach Arbeit aus. Es ist egal, was du tust. Du kannst private Emails schicken, Reversi spielen oder in deinem Blog schreiben. Sitz aber nicht mit dem Rücken zur Tür, sonst erwischt dich dein Chef.
Falls das nicht möglich ist, und er dich doch mal erwischt, dann erzähle ihm, dass du neue Software ausprobierst und du ihm dadurch teure Fortbildungsveranstaltungen ersparst.

Ein Manager darf an einem sauber aufgeräumten Schreibtisch sitzen. Aber du bist ja keiner. Leere Schreibtische sind nichts für dich. Man würde glauben, du tust nichts. Türme also alles, was du hast, auf deinem Schreibtisch auf. Der Chef sieht nicht, ob die Zettel und Mappen von vorigem Jahr sind. Für den Betrachter sind Stöße von Papieren und Dokumenten gleich bedeutend mit Arbeit.
Wenn der Chef kommt und ein bestimmtes Dokument braucht, dann krame ein paar Minuten herum und zieh dann lässig das besagte Blatt aus der Mitte des Zettelturms heraus. Auch am Boden sollte sich einiges stapeln. Am besten Computerbücher.

Versuche immer ungeduldig und schlecht gelaunt auszusehen. Ein entspannter Arbeitnehmer ist einer, der nichts tut. Auch wenn du total entspannt bist wirke immer gestresst.

Gehe immer spät aus deinem Büro. Vor allem wenn der Chef da ist. Du kannst lesen oder entspannen – es ist egal, was du machst.
Wenn du dann gehst, achte darauf, dass dich dein Boss auf jeden Fall sieht. Wichtige Emails sollst du immer zu unchristlichen Zeiten schicken. Um zehn Uhr abends, um halb sieben früh oder an Wochenenden und Staatsfeiertagen.

Seufze laut, wenn gerade viele Kollegen da sind. Sag aber nichts. Lautes Seufzen gibt den Eindruck, dass du unter enormem Druck leidest, aber dass du tapfer bist und dich nicht beklagst. Dein Chef weiß dann, dass du für deinen Job alles gibst.

Achte auf deine Sprache. Verwende neue Phrasen und Schlagworte wie Evaluation, Assessment, Koherenz, Portfolio, etc.
Ein Satz wie Wenn irgendwelche nicht näher erläuternde Umstände es erlauben, könnten wir gewiss versuchen, etliche Aspekte immerhin den gewünschten Gegebenheiten anzupassen.
Denk daran: Niemand, weder du noch dein Chef muss verstehen, was du sagst. Das was du sagst, soll beeindrucken, mehr nicht.

Hab immer ein Reserve-Sakko parat. Wenn du das Büro verlässt, vergiss nicht, das zweite Sakko lässig auf der Sessellehne zu drapieren. Jeder wird meinen, dass du noch da bist.

Sei immer in Eile und in Gedanken versunken. Wenn dich ein Kollege anredet, sei verwirrt. Aber nur für einen Moment. Nach wenigen Sekunden bist du wieder vollkommen konzentriert. Es sei denn, er erzählt dir von seinem Wochenende. Geh nicht darauf ein.
Wenn dir aber der Chef von seinem Wochenende erzählt, sag immer: Da bin ich ganz bei Ihnen.


Merke: Es zählt nur, dass andere meinen, du arbeitest. Vor allem dein Chef.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

du arbeitest in keinem büro .... denn wenn du dich so in z.b. meinem büro verhalten würdest, würde jeder, Chef inklusive, denken: die ist unfähig und langsam .. und total überfordert. echt, das ist leider die wahrheit. heute musst du immer gut aufgelegt sein, besonders zu kunden, darfst nie seufzen, das nervt ungemein, und wenn der chef sieht, dass du ur spät noch arbeitest, denkt er nur die is total langsam ...

saxana hat gesagt…

Ist das Dein Regal? Auch ziemlich voll. ABer die Titel, die haben doch teilweise nichts mit Schule zu tun, oder?

amadea's world hat gesagt…

Nein, anonym - Aber der Text ist nur ironisch gemeint.

saxana - das war nicht mein Regal. Nun hab ich das Bild geändert. Das ist mein Regal - bzw. ein Teil davon.

solo hat gesagt…

im prinzip stimmt das schon so, abends lange da sein, immer was mit nach hause nehmen.

schlecht gelaunt kommt nicht so gut an. dann denken die leute, du kommst nicht gut voran. immer vergnügt von der arbeit reden. mit unwichtigen details nicht sparen und diese mit wörten wie "verblüffend" und "sensationell" versehen.
oft das wort "dynamisch" verwenden.

das mit dem sakko ist echt ein guter tipp. auch den computer immer anlassen ist gut.

wichtig ist auch ein schleichweg zum arbeitsplatz. einer, wo dich nur wenige leute sehen können. fürs früh zuspätkommen. früh die jacke auch immer schon vor dem eingang ausziehen und in eine tasche stopfen oder wenigstens unter den arm. so sieht man nicht aus, als käme man erst auf arbeit.
im winter hände aufwärmen nicht vergessen, bevor man früh irgendwem die hände schüttelt.

niemals den aufzug nehmen. in einem aufzug mit dem chef ist das dümmste, was passieren kann.

usw. :)

lg solo

mnesch / schmen hat gesagt…

Da bin ich aber "ganz bei Ihnen" ...

mnesch