Sonntag, Oktober 31, 2010

bleib!


Es ging schon besser.

Was?

Die Sache mit dem Hund.


Welcher Hund?

Na, die Maddie. Hab sie erzogen. Gestern Nacht.


In einer Nacht kann man keinen Hund erziehen.

Ich schon. Um drei Uhr früh hat sie gekotzt.


Klar, du hast sie überfordert.

Kann sein. Vielleicht waren es auch die Leckerlis. Eine ganze Packung ging drauf. Sonst hätt ich das nicht geschafft mit dem Erziehen. Nun bleibt sie im Körberl sitzen wenn ich sag: Bleib.


Toll. Und sie hängt nicht aus dem Körberl raus?

Wie raushängen?


Sag bloß, Amadea, du weißt das nicht mehr. Das mit dem Fahrrad.

Ach das. Schon lang her.
Das war im Sommer.

Da hing sie neben dem Radl, gell?

Aber nur kurz. Ich ließ sie dann neben mir herlaufen, sodass sie müde wurde. Dann blieb sie wieder brav hinten im Fahrradkorb sitzen. Und die Ohren wehten im Fahrtwind.


Du hast schon eigenartige Erziehungsmaßnahmen.

Aber wirksame. Gib’s zu. Könntest du in einer Nacht einen Hund erziehen? Niemals. Du schaffst das nicht mal in zehn Jahren. Schau mal deine Kinder an.


Meine Kinder? Also hör mal, die sind gut erzogen.

Lassen wir das.

Ich ging dann noch mit ihr spazieren. Nachdem sie gekotzt hat. Um drei in der Früh. Dafür hamma dann bis neun geschlafen. Maddie im Körberl, ich im Bett. Okay, ab fünf Maddie auch im Bett.

Na toll. Ich sag nun nichts.

Und heut in der Früh, stell dir vor, so peinlich. Direkt am Weg liegt da ein Hundswürschtl. Und just in dem Moment kommt die Nachbarin vorbei. Und dann sagte ich, wie verantwortungslos das doch sei, dass die Hundebesitzer ihre Hunde mitten auf dem Weg ihr Würschterl machen lassen. Und dann meint jeder, ich sei es. Nur weil ich einen Tag den Hund da hab.


Eine Frechheit.

Dann fiel mir aber was ein.


Was?

Das mit dem Würschtl. Ich glaub, das war doch die Maddie. In der Früh um drei. Hunde sehen ja nicht gut. Da kann das schon passieren, gell? Sogar Menschen passiert, dass da was daneben geht am Klo wenn’s finster ist.


Ich sag nun nichts.

Besser so.

Edi, zwei Verlängerte.

Und für mich einen Hotdog.

Montag, Oktober 25, 2010

pandemie entdeckt


Letzte Woche wurde bekannt, dass ein außerordentlich ansteckender Virus weltweit im Umlauf ist.
Jeder Haushalt ist bedroht, von diesem Virus befallen zu werden.
Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran - sofern sie nicht selbst schon befallen sind - einen Wirkstoff zu entwickeln. Sie stehen vor großen Problemen, da der Virus gegen alle Antibiotika, die bekannt sind, immun ist.
Die Symptome sind nicht auf den ersten Blick festzustellen, deshalb ersucht das Gesundheitsministerium dringend, sämtliche Auffälligkeiten zu beobachten und zu melden.
Zu diesen Auffälligkeiten, die nur schwer auszumachen sind, gehören erhöhte Herzfrequenz, Schweiß, Angstzustände, Depression, Unruhe, Stimmungsschwankungen und Wut.
All diese Symptome können auftreten, müssen jedoch nicht. Darum ist darauf zu achten, ob die betreffende Person sich in irgendeiner Weise auffällig verhält. Sobald die Krankheit ausgebrochen ist, gibt es keine Hilfe mehr für den Patienten. Eine umfassende Studie, die vom Gesundheitsministerium angeordnet wurde, besagt, dass weder Bettruhe noch die gängigen Hausmittel, wie Tee, Franzbranntweinumschläge und Essigpatscherl helfen. Sie können den Zustand des Betroffenen sogar verschlechtern.
Das größte Problem besteht darin, dass das Immunsystem des Betroffenen auf diese Infektion in keinster Weise reagiert. Im Gegenteil – es sieht die Infektion nicht als Erkrankung an und demzufolge erfolgen auch keine Selbstheilungskräfte wie bei den anderen üblichen Viruserkrankungen.
Man hat jedoch heraus gefunden, dass es Menschen gibt, die von Geburt an eine natürliche Abwehrkraft gegen diese Krankheit entwickeln.
Neuesten Untersuchungen zufolge ist die natürliche Abwehrkraft bei Frauen signifikant höher als bei Männern.
Für die Wissenschaftler ist diese Entdeckung ein großer Fortschritt und es wird unermüdlich daran gearbeitet, endlich einen Impfstoff zu entwickeln. Es gilt als bewiesen, dass die Krankheit ständig im Körper schlummert und nur zu bestimmten Zeiten intensiv auftritt.
Die Dauer des Ausbruchs kann nicht exakt bestimmt werden, dauert aber ungefähr neunzig Minuten. Die Nachwirkungen können aber bis zu drei Stunden anhalten und gehen einher mit erhöhtem Puls, Reizbarkeit und dem Drang zum Alkoholkonsum.
Die Anzahl der Attacken variiert von Fall zu Fall und die Schwere der Erkrankung ist unterschiedlich.
Es gibt Personen, bei denen die Krankheit unkontrolliert abläuft und sie ihr dadurch vollkommen ausgeliefert sind.
Geduld und Verständnis im Umgang mit den Erkrankten sind notwendig, damit die Symptome nicht verstärkt werden.
Für weitere Informationen besuchen sie bitte unsere Homepage: www.fußballitis.at

Sonntag, Oktober 10, 2010

vergissmeinnicht


Ich schreibe gern Listen.
Falsch.
Ich muss Listen schreiben. Sonst vergess ich alles.
Sobald ich entdecke, dass die Marillenmarmelade dem Ende zugeht, kommt sie auf die Liste neben Klopapier und dem Vermerk, zur Bank zu gehen, um die längst fällige Rechnung zu bezahlen.

Es sind eigentlich keine Listen, wie sich die ein organisierter Mensch vorstellt. Es sind Kritzeleien, auf irgendwelchen Zetterln, die irgendwo herum liegen.

Ich habe auch Einkaufslisten. Diese befinden sich meist auf der Innenseite von abgerissenen Reis-oder Semmelbröselpackungskartons und dann vergess ich sie natürlich, mitzunehmen wenn ich einkaufen gehe.

Ich hab mir auch die PIN-Nummer meiner Bankomatkarte notiert, weil es sein kann, dass ich in Gedanken bin und mir plötzlich alle anderen Nummern als die benötigte einfallen.
Es passiert gelegentlich, dass ich vor dem Bankomat stehe und meine Autonummer, den Geburtstag meiner Mutter oder meine Versicherungsnummer eintippe habe – hintereinander – und dann ist die Karte futsch. Gefressen. Vom gierigen Bankomatenmaul.

Okay, so schlimm wie mit meiner Mutter ist‘s noch nicht.
Aber fast.
Es gibt Tage, da gehe ich in den ersten Stock und stehe dann da, weil ich nicht weiß, was ich hier wollte. Glücklicherweise vergesse ich dann nicht auf‘s Hinuntergehen. Aber das wird auch noch kommen.
Ich gehe in den Garten und weiß nicht, was ich wollte. Und da hilft es auch nicht, dass ich die Kaffeetasse, die leere, und das Handtuch mithabe.
Leere Kaffeetassen und Handtücher in Gärten erinnern mich an nichts.

Ich vergesse auch Namen. Wie hieß der, der da im Film mitgespielt hat? Der Herzallerliebste weiß es auch nicht. Mich beruhigt das. Hat er doch viel weniger zu tun und zu denken als ich.
Der war doch mit der Dings verheiratet, wie heißt die noch? Der, der diese schreckliche Kindheit hatte, weißt eh. Und er war auch dann bei der Talksendung, wie heißt die noch schnell?
Die neueste Liste hat mit meiner Mutter zu tun. Ich darf die nicht verlieren. Die ist wichtig.
Du musst wissen: Das Schlimmste für eine Frau in meinem Alter ist es, zu entdecken, dass man bei sich Verhaltensweisen entdeckt, die einen bei der Mutter nerven. Und ich entdecke in letzter Zeit einiges.

Hier einige Beispiele aus dieser Liste. Weitere folgen.

Ich setze mich immer hin. Egal wo. Ob bei einem Vortrag, in der Bar, im Zug.
Ich frage meinen Sohn über seine derzeitige Freundin und ihre Eltern aus.
Ich wische das Besteck im Restaurant mit der Serviette ab.
Ich bügle Geschirrtücher.
Ich verwende Stoffservietten.
Es ist mir wichtig, wie die Toilette eines Restaurants aussieht.
Ich desinfiziere meine Hände.
Ich habe Lavendelseife gekauft. - Das ist die Todsünde! Gott sei Dank erst ein Mal. Hab die dann weg geworfen.
Die Zitronen, der Ingwer und der Knoblauch in meinem Kühlschrank verschimmeln. Das Joghurt ist abgelaufen und ich esse es trotzdem.
Hausarbeit nervt mich. Manchmal verwende ich den Fön zum Abstauben.

Ladies, hab ich was vergessen?