Sonntag, Jänner 31, 2010

strings and wings



Frau von heute trägt Slipeinlage. Jedenfalls dann und wann.
Ich schaffe es nach wie vor nicht, sie richtig zu platzieren.
Okay, ich weiß, dass ich sie der Länge nach einlegen muss. Aber trotzdem passt sie irgendwie nicht. Entweder liegt sie zu weit vorn oder zu weit hinten. Und das Klebestück ist nie in der Mitte.
Es gibt keine Anleitungen so wie bei den Tampons. Im OB-Schachterl gibt’s einen ordentlichen Beipackzettel, sogar mit Zeichnung. Da kennst dich gleich gut aus. Slipeinlagen legst du irgendwie ein. Nach Gefühl. Und das Gefühl täuscht dich halt oft.

Meine erste Begegnung mit Hygieneartikel des weiblichen Intimbereichs hatte ich in der 4. Klasse Hauptschule im Rahmen des Aufklärungsunterrichts.
Zu Beginn gab’s einen Aufklärungsfilm. In schwarz-weiß. Wie peinlich mir das war. Das meiste wusste ich, aber ich erfuhr doch einiges Neues.
Ich lernte zum Beispiel, dass Syphilis kein Mädchenname ist.
Danach fragte der Herr Doktor, ob es noch Fragen gäbe. Es gab keine. Es war alles klar.
Danach wurden Buben und Mädchen getrennt.
Wir Mädchen sahen einen Film über die weibliche Periode. Auch in schwarz-weiß.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war ein Geschenk, die Hygienebox. Aufregend.
All diese Binden, die wir bekamen. Lang, supersaugfähig und dick wie ein Kopfpolster. Slipeinlagen gab es noch nicht. Tampons auch nicht. Nicht für 14jährige.

Meinen ersten Tampon verwendete ich kurz vor meinem Schulausflug in der 6. Klasse. Das war ein Abenteuer. Meine Mutter konnte ich nicht fragen, die hatte keine Ahnung. Ich verbrachte zwei Stunden auf der Toilette und vollführte die
unglaublichsten Verrenkungen. Trotzdem gelang es mir nicht, den Tampon so zu platzieren, dass ich nichts spürte. Er tat weh und steckte fest. Wie ich trotzdem schaffte, ihn irgendwann richtig zu platzieren, weiß ich nicht mehr.

In all den Jahren hat sich in der Entwicklung der Einlagen für die besonderen und weniger besonderen Tage der Frau einiges getan.
Mittlerweile gibt es zu jedem Anlass eine spezielle Slipeinlage.
Und sei der Anlass noch so besonders und kompliziert, mit der richtigen Slipeinlage bist du carefree und frei von allen Sorgen.
Slipeinlagen gibt es in extrabreit, extraschmal, extralang und extradünn. Sie haben Flügel und Strings, Tragecomfort und Schutzfunktion.
Es gibt sie in original, schwarz, weiß, in perfect fit und long plus fresh, in flexiform und cottonfresh, luftdurchlässig und saugfähig, mit Blütenduft und Tangaform, mit Baumwollauflage und atmungsaktiv.
Und alle vermitteln dir ein Gefühl der Frische und Sicherheit und du riechst nach Veilchen oder Rosen.
Und sie kleben alle. Zwar nicht am Slip sondern irgendwo anders. Dadurch ersparst du dir die Intimrasur.

Und sie werden beworben. Und wie! Immer mit der blauen Flüssigkeit. Schon Picasso hatte die blaue Periode. Und nicht nur der. Auch Königinnen und Schlümpfe haben blaues Blut.
Und so saugfähig wie die alle sind! Die saugen alles weg. Die saugen dir den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Intimbereich.
Und wenn’s a bissl juckt, egal. Gib dem Scheidenpilz eine Chance!

Aber seit die Frau Roche die Feuchtgebiete entdeckt hat, ist alles anders.
Es ist nicht mehr notwendig, die Slipeinlage heimlich in der Handtasche verschwinden zu lassen wenn es zum aufregenden ONS kommt.
Wir Frauen brauchen keine Slipeinlagen mehr!
Die sollen die Männer verwenden. Wie ich höre, gibt es in Pissoirs kein Klopapier und es kann mir keiner sagen, dass beim Manne nach dem kleinen Geschäft nicht dann und wann ein Tröpferl oder mehrere im Hoserl bleiben. Egal ob sie schütteln oder nicht.
Die sollen sich die Slipeinlagen vorn hinein kleben. Und wenn sie die extradicken nehmen, dann tragen die sogar a bisserl auf.
Wir Frauen verwenden ja auch Push-ups.

Mittwoch, Jänner 27, 2010

Yes, I can


Warum probieren wir immer wieder, eine Fliege zu fangen oder zu erschlagen obwohl wir es fast nie schaffen?
Vielleicht wollen wir uns mit ihr messen.
Wir, die wir ja so viel weiter sind in der Evolution und am Ende der Futterkette.

Auch beim Fischen zeigen wir, dass wir stärker sind und es für uns ein Leichtes ist, einen Fisch zu fangen.
Eigentlich gemein.
Fische dringen nicht in unsere Privatsphäre, nerven uns nicht mit Herumschwimmen und halten sich nicht in unserer Wohnung auf. Fische kennen ihre Grenzen.

Ganz anders die Fliegen.
Eine Fliege zeigt dir mit Genuss, dass sie dir überlegen ist. Sie saust dir um den Kopf wie Batman, ändert ständig ihre Geschwindigkeit, sitzt da, wo sie nicht sitzen darf und vollführt waghalsige Loopings. Sie dreht sich in der Luft blitzschnell um ihre eigene Achse, saust rauf zur Decke, wieder herunter wie ein Superbomber und landet elegant auf deiner Hand, dem Stück Obst oder deinem Frühstückssemmerl.
Und jedes Mal wieder, wenn eine Fliege in deiner Wohnung herummsurrt, nimmst du ihn auf, den Kampf. Den Kampf gegen die Fliegen.
Es ist ein Kampf, der nie enden wird. Nicht in einem Jahr, noch in zehn Jahren. Und jedes Mal nimmst du ihn auf, den Kampf. Jedes Mal von neuem. Mit frischem Schwung und Elan. Du bist kein Feigling, du stellst dich der Herausforderung.
Merke: Das wichtigste in diesem Kampf ist Strategie.
Lass es mich dir erklären:
Ich hatte einmal, vor Jahren, eine ganze Armee Fliegen in meiner Wohnung. Vom nahe gelegenen Bauernhof. Nicht, dass es nun keine Bauernhöfe mehr gäbe in meiner Umgebung. Es gibt genügende. Mehr als. Aber nicht mehr direkt neben mir. Ich versuchte sie zu fangen, die Fliegen, der Reihe nach. Immer wieder mal eine. Es war aussichtslos. Es war nur ärgerlich. Es war eigentlich mehr. Es war aussichtslos. Weil für jede Fliege, die ich fing oder erschlug, kamen zwei oder drei neue herein. Beim Fenster. In der Nachhut – so nennt man das doch – nicht wahr - lauerten tausende andere Fliegen - eine richtige Fliegenarmee.
Ich musste also zum Nachbarn gehen und dort alle Fliegen vernichten. Das war mein Plan. Ein genialer Plan.
Mit einem Teppichvorleger machte ich mich auf den Weg. Habe ich Hugo, den Hofhund, erwähnt? Egal, er bellte ohnehin zu laut und zu viel.
Ich kam nur bis zur Haustür.
Vermutlich hat der Bauer den Hugo doch recht gern gehabt.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf die Fliegen in meiner Wohnung zu konzentrieren.
Ich begann mit der gewaltfreien Lösung. Ich verhandelte mit den Fliegen. Ich bot ihnen an, einen Teller mit Essen bereitzustellen wenn sie dafür alles andere in Ruhe lassen würden.
Vorerst schien es, als ob sich sich an mein Friedensangebot halten würden. Aber schon nach einem Tag war wieder alles wie zuvor.
Sie flogen nach wie vor herum, surrten und summten und setzten sich nach wie vor auf mein Frühstück.

Danach versuchte ich, sie zu domestizieren. Jahrelang. Ich versuchte, sie zu erziehen, ihnen beizubringen, wie man sich richtig verhält. Es gelang mir nicht. Ich sage nicht generell, dass man Fliegen nicht erziehen kann. Nein, ich bin vermutlich nur ungeeignet.
Ich hatte schon Probleme mit meinen Söhnen. Die Erziehung der Söhne gelang nur mit Hilfe meines Exmannes, der ausgezeichnete erzieherische Qualitäten besitzt.
Aber da er sich weigerte, die Fliegen mit zu erziehen, war ich auf verlorenem Posten. Es ist zu viel für mich.

Ich kam zur Einsicht, dass nur rohe Gewalt hilft. Und Fliegenklatschen. Fliegenklatschen sind die beste Waffe. Eine Fliegenklatsche ist wunderbar. Nur finde ich sie nie. Ich verlege sie ständig. Auch wenn ich mehr als eine habe, verlege ich die.
Vermutlich versteckee ich sie, weil sie ausgesprochen hässlich sind. Unbewusst. Wir tun ja so viel unbewusst. Das meiste. Eine Frau Psycho sagte mir mal, dass unser Unbewusstes geistig auf der Stufe eines Sechsjährigen steht. Meines ist sicher erst vier.
Egal. Jedenfalls sind sie nicht auffindbar, die Klatschen. Sie sind ohnehin unhygienisch.
Meine Lieblingswaffe sind Geschirrtücher. Geschirrtücher werden in Nullkommajosef zur Fliegenmassenvernichtungswaffe. Falls du sie richtig handhaben kannst. Du musst sie rollen. Ordentlich und fest zusammen rollen. Ich habe da immer ein kleines Problem. Sobald ich aushole, ist es aus mit der Rolle. Das Geschirrtuch hat sich entrollt. Und die Fliege lacht mich aus wenn sie sieht, wie ich mit dem Geschirrtüchl durch die Luft wachle.

Aber was schreibe ich da nur?
Weit und breit keine Fliege hier in der Wohnung.
Und warum? Weil Winter ist. Weil es kalt ist. Und die Fliege mag die Kälte nicht. Aber es wird wieder warm werden. So schnell nicht, aber irgendwann bestimmt.
Und dann will ich vorbereitet sein.

Und weißt du, was ich mir überlegt habe? Was ganz Neues. Was noch nie da Gewesenes. Etwas, das ich noch nie gemacht habe. Gestern bin ich draufgekommen. Ich such mir ein neues Hobby. Ja, genau. Ein Hobby, das nicht nur lustig, sondern auch gleichzeitig nützlich ist. Ein fliegenvernichtendes Hobby.
Das gibt es nicht, sagst du?
Klar gibt es das: Fliegenfischen!

PS:
Während des Schreiben dieses Textes kam es zu keinen Verletztungen von Lebewesen. Nicht einmal von Fliegen.
Aber diese eine da, diese da, die schon seit Ende August herumschwirrt, die erwisch ich heut. Egal wie.
Was der Obama kann, kann ich auch.
YES, I CAN !

Freitag, Jänner 08, 2010

I'm dreaming of a white . . .


Achte auf deine Wünsche. Sie können wahr werden.

Wenn du dir also Schnee wünschst – für ein weißes Weihnachten ist es zu spät – aber Ostern war noch nicht, sei vorsichtig.
Ich weiß, es ist wunderbar, diese weichen, weißen Flocken zu beobachten. Am Fenster zu sitzen, neben dem Kachelofen und bei einer heißen Tasse Tee den tanzenden Schneekristallen zuzuschauen.
Bedenke: Jede Schneeflocke, und schwebt sie noch so graziös und langsam vom Himmel, landet in deiner Einfahrt. Die Schneeflocke verliert schnell von ihrem Charme wenn sie mit tausenden anderen sich um dein Auto auftürmt.
Merke: Je mehr Schnee vom Himmel schwebt, desto mehr wirst du schwitzen, wenn du versuchst, ihn aus deiner Einfahrt hinaus zu schaufeln.
Träum also nicht von Pferdeschlittenfahrten, sondern von Schneeschaufel, kalten, blauen Fingern und gefrierendem Nackenschweiß.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den vielen Schnee loszuwerden.
Wenn du die Werbesendungen von Lagerhaus und Baumarkt genau studierst, findest du unzählige Schneewerkzeuge, die alle kinderleichtes Hantieren versprechen und von Blondinen mit Kleidergröße 34 angepriesen werden. Diese Blondinen haben allesamt ein schneeweißes Zahnpastalächeln, weißer als Schnee je sein kann. Auch wenn du keine Blondine mit Kleidergröße 34 und Zahnpastalächeln bist, vergiss all diese Versprechungen. Schneeschaufeln ist anstrengend und aufwendig.
Das Einfachste wäre natürlich ein Schneepflug. Aber der ist teuer und zu groß. Deine Einfahrt ist ja nicht so riesig. Und du hast schon Probleme beim Ein- und Ausparken. Also vergiss den Schneepflug.
Die beste Art, die Schneelast loszuwerden, ist, jemand anderen schaufeln zu lassen.
Ich schlage vor, die Kinder der Nachbarschaft zu beauftragen. Schneeschaufeln ist gesund, die Kids brauchen eh Bewegung und wenn du ihnen fünf Euro gibst, haben ihre Eltern mal eine Zeitlang Ruhe von ihnen.
Aber pass auf, dass sie ordentlich arbeiten, weil die Kids heutzutage sind es ja nicht gewohnt, sich länger als drei Minuten zu konzentrieren und wenn du nicht aufpasst, zahlst du einen Stundenlohn von 300 Euro.
Also achte darauf, dass jedes Kind mindestens sein eigenes Gewicht aus deiner Einfahrt schaufelt. Falls du Vorbehalte hast, Kinderarbeit betreffend, lass dir was anderes einfallen.

Eine weitere Möglichkeit ist folgende: Wenn es zu schneien beginnt, gehst du, mit einer Schaufel bewaffnet, hinaus und schaufelst deine Einfahrt und die deines Nachbarn frei. Der Nachbar wird wahrscheinlich überrascht sein und dich aus dem Fenster beobachten. Du winkst ihm lächelnd zu.
Anschließend gehst du in deine Wohnung und machst dir einen Tee. Kümmere dich nun nicht mehr um den Schnee, sondern genieße die wohlige Wärme deines Kaminfeuers.
Der Nachbar wird am folgenden Tag seine und deine Ausfahrt ausräumen, auch wenn es in der Nacht einen halben Meter geschneit hat. Er will dir ja nichts schuldig bleiben.

Vielleicht bist du auch privilegiert und hast einen Nachbar, der eine Schneefräse hat. In diesem Falle gehörst du zu den Glücklichen.
Warte so lange, bis der Nachbar fast fertig ist mit seiner Einfahrt. Dann geh mit einer Schaufel bewaffnet hinunter und fang an, Schnee zu schaufeln. Nur ein wenig.
Winke dem Nachbarn ein wenig zu und halte Augenkontakt. Zusätzlich ist es günstig, spärlich bekleidet zu sein.
Wenn du merkst, dass er zu dir schaut, lass dich fallen und steh nicht wieder auf. Wenn er dann zu dir eilt, stöhne ein wenig und lass dir beim Aufstehen helfen. Anschließend greifst du dir auf’s Kreuz, verziehst vor Schmerz das Gesicht, stöhnst, humpelst ein wenig herum und fängst zu jammern an: Mein Gott, nun hab ich mir das Kreuz verrenkt, wie soll ich den Schneehaufen hier nun wegschaufeln? So ein Pech. So ein Unglück.
Der Nachbar wird dir sofort freundlich anbieten, deine Einfahrt mit seiner Schneefräse frei zu blasen.

Es gibt sicherlich noch andere Möglichkeiten mit geringem Aufwand deine Einfahrt schneefrei zu bekommen.
Es zahlt sich aus, kreativ zu sein.
Weil dann kannst du gemütlich im warmen Zimmer sitzen, die Schneeflocken betrachten und von weißen Ostern träumen.