
Frau von heute trägt Slipeinlage. Jedenfalls dann und wann.
Ich schaffe es nach wie vor nicht, sie richtig zu platzieren.
Okay, ich weiß, dass ich sie der Länge nach einlegen muss. Aber trotzdem passt sie irgendwie nicht. Entweder liegt sie zu weit vorn oder zu weit hinten. Und das Klebestück ist nie in der Mitte.
Es gibt keine Anleitungen so wie bei den Tampons. Im OB-Schachterl gibt’s einen ordentlichen Beipackzettel, sogar mit Zeichnung. Da kennst dich gleich gut aus. Slipeinlagen legst du irgendwie ein. Nach Gefühl. Und das Gefühl täuscht dich halt oft.
Meine erste Begegnung mit Hygieneartikel des weiblichen Intimbereichs hatte ich in der 4. Klasse Hauptschule im Rahmen des Aufklärungsunterrichts.
Zu Beginn gab’s einen Aufklärungsfilm. In schwarz-weiß. Wie peinlich mir das war. Das meiste wusste ich, aber ich erfuhr doch einiges Neues.
Ich lernte zum Beispiel, dass Syphilis kein Mädchenname ist.
Danach fragte der Herr Doktor, ob es noch Fragen gäbe. Es gab keine. Es war alles klar.
Danach wurden Buben und Mädchen getrennt.
Wir Mädchen sahen einen Film über die weibliche Periode. Auch in schwarz-weiß.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war ein Geschenk, die Hygienebox. Aufregend.
All diese Binden, die wir bekamen. Lang, supersaugfähig und dick wie ein Kopfpolster. Slipeinlagen gab es noch nicht. Tampons auch nicht. Nicht für 14jährige.
Meinen ersten Tampon verwendete ich kurz vor meinem Schulausflug in der 6. Klasse. Das war ein Abenteuer. Meine Mutter konnte ich nicht fragen, die hatte keine Ahnung. Ich verbrachte zwei Stunden auf der Toilette und vollführte die
unglaublichsten Verrenkungen. Trotzdem gelang es mir nicht, den Tampon so zu platzieren, dass ich nichts spürte. Er tat weh und steckte fest. Wie ich trotzdem schaffte, ihn irgendwann richtig zu platzieren, weiß ich nicht mehr.
In all den Jahren hat sich in der Entwicklung der Einlagen für die besonderen und weniger besonderen Tage der Frau einiges getan.
Mittlerweile gibt es zu jedem Anlass eine spezielle Slipeinlage.
Und sei der Anlass noch so besonders und kompliziert, mit der richtigen Slipeinlage bist du carefree und frei von allen Sorgen.
Slipeinlagen gibt es in extrabreit, extraschmal, extralang und extradünn. Sie haben Flügel und Strings, Tragecomfort und Schutzfunktion.
Es gibt sie in original, schwarz, weiß, in perfect fit und long plus fresh, in flexiform und cottonfresh, luftdurchlässig und saugfähig, mit Blütenduft und Tangaform, mit Baumwollauflage und atmungsaktiv.
Und alle vermitteln dir ein Gefühl der Frische und Sicherheit und du riechst nach Veilchen oder Rosen.
Und sie kleben alle. Zwar nicht am Slip sondern irgendwo anders. Dadurch ersparst du dir die Intimrasur.
Und sie werden beworben. Und wie! Immer mit der blauen Flüssigkeit. Schon Picasso hatte die blaue Periode. Und nicht nur der. Auch Königinnen und Schlümpfe haben blaues Blut.
Und so saugfähig wie die alle sind! Die saugen alles weg. Die saugen dir den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Intimbereich.
Und wenn’s a bissl juckt, egal. Gib dem Scheidenpilz eine Chance!
Aber seit die Frau Roche die Feuchtgebiete entdeckt hat, ist alles anders.
Es ist nicht mehr notwendig, die Slipeinlage heimlich in der Handtasche verschwinden zu lassen wenn es zum aufregenden ONS kommt.
Wir Frauen brauchen keine Slipeinlagen mehr!
Die sollen die Männer verwenden. Wie ich höre, gibt es in Pissoirs kein Klopapier und es kann mir keiner sagen, dass beim Manne nach dem kleinen Geschäft nicht dann und wann ein Tröpferl oder mehrere im Hoserl bleiben. Egal ob sie schütteln oder nicht.
Die sollen sich die Slipeinlagen vorn hinein kleben. Und wenn sie die extradicken nehmen, dann tragen die sogar a bisserl auf.
Wir Frauen verwenden ja auch Push-ups.


