Donnerstag, Februar 28, 2008

alarm


Gregor, zieh deine Jeans rauf, ich will deine Unterhose nicht sehen. Ich will deine Hausübung sehen. Den Simpson auf deiner Unterhose sehe ich jeden Tag, dein Hausübungsheft einmal in der Woche, sage ich.
Wir sind auf dem Weg zum Sammelpunkt. Zum Sammelpunkt gehen wir immer dann, wenn Feueralarm ist. Zum Sammelpunkt ist es um die zweihundert Meter.
Wieder einmal Feueralarm.
Der Zeitpunkt ist optimal gewählt. Straße und Gehsteig sind nass und drecking.
Fast fünfhundert Schüler latschen in Riesenflauschpatschen auf dem nassbraunen Gehsteig dahin, dass es nur so spritzt.
Seit einigen Monaten sind diese Riesenflauschpatschen in Mode. Fast alle haben solche. Gregor nicht. Gregor hat gar keine Patschen. Er schlapft nur mit Socken an den Füßen durch den Dreck.
Hebt eure Füße, spritzt nicht so! schimpfe ich.
Frau Lehra, das geht nicht anders. Die Patschen sind so schwer.
Ich seufze.
Ich seufze und erinnere mich an den Feueralarm an der englischen Schule, an der ich vor fünf Jahren war.

Feueralarm war an der Tagesordnung. Jede Woche mehrmals. Es war ein Spaß für die Schüler, den Alarmkasten aus Glas einzuschlagen. Und es gab unzählige Alarmkästen. Der Schuldige wurde niemals gefunden, obwohl der Direktor jedes Mal sagte: This time we’re gonna find the brat.
Mir war der Feueralarm nur recht. Das Unterrichten war das Anstrengendste, das ich je im Leben gemacht habe. Stell dir vor, der Alarm geht los. Nein, nicht so einer, wie wir ihn hier kennen. Nein, keine Sirene, sondern eine Glocke. Aber was für eine! Da ist die Pummerin ein Glöckerl dagegen. Eine wahnsinnig laute, schrillende Glocke. So laut, dass dir die Ohrwascheln wackeln und dir das Hirn stehen bleibt. Dann tausend Schüler die engen, verdreckten Treppen hinunter auf den Sportplatz. Hintendrein die Lehrer wie Marionetten. Der Direktor, ein Typ wie Louis de Funes mit Megaphon vor der Truppe. Stand in an orderly queue – gellt er. Sie stehen in keiner orderly queue. Sie stehen überhaupt nicht. Sie laufen herum, raufen, schreien, johlen. Sie raufen, sie kichern, sie streiten. Die Klassenvorstände lesen aus der Klassenliste die Namen vor. Yes, miss und Yes, sir sollten sie antworten. Es antwortet keiner. Es hört dich nicht mal einer. Ein Zirkus, ein Kasperltheater! Nach einer Viertelstunde wieder Abmarsch. Kaum im Gebäude, das an ein Gefängnis erinnert mit den dunklen Ziegelwänden, schon wieder Feueralarm. Die Masse macht kehrt und saust wiederum kreischend ins Freie. Die Lehrer wohl oder übel hintendrein. Raus zum Sportplatz. Louis de Funes mit Megaphon erwartet uns schon. An der Stirn die Zornesader, die wild pulsiert. Die Lehrer stehen resigniert da. Ich finde das Ganze amüsant. Aren’t we clowns, sage ich zu Andy, dem Lehrer aus Perth, der auch nur für ein Jahr hier ist. Er grinst und nickt. I don’t care, sagt er. Me neither, antworte ich und grinse zurück. Es ist Freitag Nachmittag und ich hätte die neunte Klasse in Deutsch. Freitag Nachmittag und Deutschunterricht. Wen interessiert das in England? Deutsch interessiert sie gar nicht. Why do we have to learn that stupid language? I will never go to Germany in my whole life. I hate the language. And all these long stupid words. Why don’t you just keep it as simple as in English? Ständig fragen sie mich. Und ich erkläre und rede und erzähle und versuche sie zu motivieren. Es schaut nix raus. Wie auch? Dreißig Schüler, und eine Stunde Deutsch pro Woche. An jenem Nachmittag hatten wir fünf Mal Feueralarm. Diejenigen, die ihn verursacht hatten, wurden nie ausgeforscht.

Mittlerweile sind wir wieder in der Klasse. Gregor zieht eine braunfeuchte Spur. Die Riesenflauschpatschen der anderen dampfen. Es riecht streng.


Heute ist alles wieder blitzblank. Statt der Riesenflauschpatschen haben alle Birkenstocksandalen an.
Nur Gregor nicht.
Gregor wieder nur in Socken. Wenigstens in frischen.
Gregor, zieh deine Jeans rauf, ich will den Simpson auf deiner Unterhose nicht sehen. Wo ist deine Hausübung?
Das ist heute nicht der Simpson, das ist der Garfield, Frau Lehra. Die Hausübung bring ich morgen.
Na wenigstens. Ein Anfang.

Samstag, Februar 23, 2008

hangart - aus einem malerischen land

Der Salzburger Hangar 7 zeigt Schweizer Malerei.
Hier meine Eindrücke:









Mittwoch, Februar 20, 2008

immer ist was


Nun ist es bald soweit. Im April hab ich eine Lesung. Eine kabarettistische Lesung. Im örtlichen Kulturverein.
Es ist schon lange her, dass ich öffentlich gelesen habe. Das war in der Volkschule. Da gab es Lesewettbewerbe. Und jedes Jahr wurde ich von meiner Lehrerin zum Lesewettbewerb geschickt. Ich war nämlich immer die beste Leserin.
Wir hatten in der Klasse einen Leseberg. Da war ich immer ganz oben.
Heutzutage gibt es keine Leseberge mehr. Das wäre pädagogisch nicht vertretbar.
Mich hat das jedenfalls aufgebaut, immer ganz oben am Berg zu sein. Andere, die ganz unten waren, vermutlich weniger.
Lesen war meine Lieblingsbeschäftigung als Kind. Ich las ständig. Immer und überall. Ich las alles, was mir unter die Finger kam. Ich konnte mit vier Jahren lesen, erzählte mir meine Mutter, als ich erwachsen war. Warum ich es konnte, weiß ich nicht.
Ich kann mich auch nicht erinnern, ob ich jemals meine Mutter oder Oma gefragt hatte, was dieses und jenes Wort hieß.
Ich kann mich nur erinnern, dass es für mich ganz selbstverständlich war, lesen zu können.
Wann immer wir Besuch hatten, musste ich aus der Zeitung vorlesen. Mir kam das damals nichts Besonderes vor. Ich wusste nicht, warum dann alle einen Lobgesang anstimmten. Aber es gefiel mir. Vor allem bekam fünf oder zehn Schilling vom Besuch, für’s brav Vorlesen.
Dieses Mal bekomme ich auch Geld. Ein wenig mehr als fünf oder zehn Schilling. Ist das nicht toll?
Lo sagte gestern: Amadea, du musst nun endlich deine Lesung vorbereiten. Du kannst nicht ständig neue Geschichten schreiben, da kommst du nicht weiter. Du musst die Geschichten überarbeiten.
Ich mach das spontan bei der Lesung, Lo. Ich werde während der Lesung kürzen. Sätze, die mir nicht notwendig erscheinen, auslassen.
Lo war nicht einverstanden. Nein, das geht nicht, sagte sie. Wir setzen uns diese Woche zusammen und dann wählen wir die Texte aus, die du liest und dann überarbeitest du sie.
Aber das ist nicht so einfach in dieser Woche. Wir haben zwar Ferien, aber immer ist was.
Das Wetter ist schön, und ich muss raus in die Sonne.
Dann muss ich mich mit Freundinnen im Kaffeehaus zum Tratschen treffen.
Dann muss ich ins Fitness-Center, meine angefutterten Kilos wegturnen.
Dann muss ich zum Tanzkurz.
Dann muss ich die Fenster putzen.
Dann muss ich meine Söhne bekochen.
Dann muss ich am Balkon in der Sonne liegen und träumen.
Dann muss ich ausgehen.
Aber ich hab ja noch Zeit bis April. Bis dahin kann ich tausende von Seiten überarbeiten.
Das geht ganz schnell. Das hab ich an einem Abend.
Aber nun geht das nicht. Nicht in dieser Woche.
Immer ist was.
Ich mache das nächste Woche.
Nächste Woche ist nicht viel.
Nächste Woche ist nur wieder Schule, Konferenz, Vernissage, Besuch aus Dänemark, Zahnarzt und Geburtstag meiner Mama.
Das schaff ich leicht, nächste Woche.
Und wenn nicht, dann halt übernächste Woche.
Das hab ich schnell überarbeitet.
Das hab ich an einem Abend.
Und wenn ich nicht dazu komm zum Überarbeiten, macht das auch nichts.
Die Zuhörer verstehen das bestimmt.
Der Titel der Lesung sagt eh alles: Immer ist was.

Dienstag, Februar 19, 2008

bruno, bambi und marilyn manson


Nun hab ich mir unlängst eine Wimperntusche gekauft. Eine Wahnsinnswimperntusche. Fast kein Gesicht mehr, nur mehr Augen.
Große Augen sind toll, nicht wahr? Kindchenschema kommt immer gut. Darauf fällt jeder rein.
Nun sehe ich aus wie eine japanische Manga. Oder wie Bambi. Jeder mag Bambi. Jeder, außer ich. Mangas finde ich auch blöd.
Ein Problem gibt es mit Wahnsinnswimperntuschen. Wenn du um drei Uhr früh heimkommst und beschwippst bist, hast du keine Lust, eine Stunde lang die Tusche, die wie schwarzer Teer an deinen Wimpern pickt, herunter zu waschen. Du denkst um drei Uhr früh nicht an die Wimperntusche. Du denkst nur an Bett. Also gehst du in selbiges und weg bist du.
Beim Aufwachen Schock. Du kannst die Augen nicht öffnen. Sie kleben. Sie kleben zusammen. Und sie kleben am Kopfpolster.
Die Wimperntusche klebt auch. Wie Honig. Quer über deinem Gesicht. Du spürst das. Du stellst dir vor, wie du aussiehst. Du siehst nun nicht mehr aus wie eine Manga oder wie Bambi.
Nach einer Stunde schaffst du es endlich, die Augen zu öffnen und du siehst, wer neben dir liegt. Nein, nicht der Lover – welches Glück.
Neben dir liegt Bruno. Bruno, der Bär. Bruno, der Braunbär. Und er sieht irgendwie anders aus.
Bruno, der Braunbär hat sich in Bruno, den Pandabären verwandelt.
Du wankst ins Badezimmer und schaust in den Spiegel.
Überraschung!
Du hast dich in Marilyn Manson verwandelt. Und Marilyn Manson nimmt Bruno, den Pandabär und legt sich mit ihm in die Badewanne.
Nach einer Stunde Rubbeln und Reiben bist du wie neugeboren. Und Bruno auch.
Marilyn ist wieder Amadea und Bruno wieder ein Braunbär. Nach einer Weile schaust du in den Spiegel.
Überraschung! Keine Manga mehr und kein Bambi. Deine Augen sind wieder normal und sie sehen aus wie die deiner neunzigjährigen Oma.

Montag, Februar 11, 2008

shop 'til you drop


Ich gehe nicht gerne einkaufen.
Shoppen meine ich. Einkaufen sagst du ja nur, wenn du in den Supermarkt gehen willst um Lebensmittel zu kaufen.
Shoppen ist shopping for clothes.
Schoppm sagen wir in Salzburg.
Das Wort Schoppm kennt sogar mein Papa.
Wenn ich zum Papa sagen würde: Kimm, gemma schoppm, Papa, dann würde der Papa sagen, Des g’freit mi owa, Amadea, jo gemma. Und er würde voraus gehen in seine Werkstatt, das Eichhörnchen, das alte, vom Regal nehmen, die Holzwolle aus der Kiste unter der Holzbank holen und mit dem Ausstopfen beginnen.
Weil schoppm heißt auf Salzburgerisch ausstopfen.
Ich hasse shoppen wenn ich ein bestimmtes Kleidungsstück suche. Weil das finde ich dann eh nicht.
Die Deutschen sagen zum Shoppen holen. Die Deutschen, nicht die Bayern. Ab wo die genau holen sagen, weiß ich nicht.
Die Deutschen sagen: Ich hole mir Jeans.
Wenn ich mir Jeans hole, dann gehe ich höchstens ins Schlafzimmer zum Kleiderkasten. Manchmal sagen wir hier auch holen statt einkaufen. Aber ohne mir, stattdessen mit schnell und nur.
Ich hole nur schnell ein Packerl Milch.
Holen ist bei uns immer schnell. Wenn du ein Packerl Milch holst, dann läufst du mit den Patschen oder Badeschlapfen zum nächsten Supermarkt.
Du kannst auch zu deinem Liebsten sagen: Hol mir schnell ein Packerl Milch, was aber nicht unbedingt heißen muss, dass der dann auch nach fünf Minuten wieder da ist. Es kann sein, dass er um zwei Uhr morgens ohne Packerl Milch dafür aber mit einem Bier heimkommt, oder mehreren, bereits getrunkenen, weil ihm beim Holen mit den Badeschlapfen oder Patschen so kalt geworden ist, dass er zum Aufwärmen beim Wirten einkehren hat müssen.
Ich gehe nur dann gerne shoppen, wenn ich nichts brauche. Am schönsten ist es, wenn du in ein Geschäft kommst, und du siehst ein Kleidungsstück, das dir ins Auge sticht. Du probierst, passt perfekt, du bezahlst und gehst. Das ist die beste Art des Shoppens. Dauert maximal fünf Minuten.
Das Schlimmste für mich sind diese penetrant freundlichen Verkäuferinnen, die keine Ahnung haben, was du suchst und was dir passt und die ausschauen wie eine Vogelscheuche oder wie eine Zwölfjährige.
Grüß Gott, kann ich ihnen helfen? fragt mich Verkäuferin eins vom Typ Schnepfe vor einigen Tagen als ich eine Boutique betrete. Nein danke, ich schau nur, sage ich und gehe Richtung Jeans. Ich gehe immer zuerst Richtung Jeans. Richtung Jeans ist immer heimelig. Dieses Blau beruhigt.
Kann ich Ihnen helfen? fragt Verkäuferin eins wiederum. Sie hängt mir auf den Fersen. Nein, danke, ich schaue nur, sage ich und schaue in die andere Richtung, direkt in die Augen von Verkäuferin Nummer zwei, Typ Giraffenhals. Ich schaue zu den Jeans um abzulenken und schaue gleich darauf wieder Verkäuferin Nummer zwei an. Schon wieder schaut sie weg. Ich drehe mich zur Seite und will weiter gehen.
Wir haben die Jeans auch in Ihrer Größe, sagt sie. Ja, ich weiß, ich schaue nur, sage ich. Ich werde mich an Sie wenden, falls ich Ihre Hilfe brauche. Ich verstehe, sagt sie. Der Giraffenhals verrenkt sich leicht.
Ich gehe weiter Richtung Blusen.
Ist die nicht hübsch? empfängt mich lächelnd Verkäuferin Nummer drei vom Typ Froschaugen und hält mir einen rot-weiß-schwarz gemusterten Fetzen hin.
Hab ich dich um irgendwas gebeten, will ich sagen, sage aber nur, Nein, das ist nicht meine Farbe. Danke, ich schaue nur. Ich verstehe, sagt sie. Die Froschaugen zucken.
Ich gehe weiter, Verkäuferin Nummer drei mir nach. Schau ich aus wie eine Ladendiebin? will ich fragen, frage aber nicht, sondern töte sie nur mit meinem Blick. Ich schaue nur, sage ich. Jetzt versteht sie und dreht sich beleidigt um.
Ich gehe weiter die Regale entlang und werde immer grantiger. Nur Graffl, was da herumhängt.
Kann ich was für Sie tun? fragt Verkäuferin Nummer vier, vom Typ Vogelnestfrisur.
Ja, Sie können mir einen Kaffee bringen, mein Auto in die Waschstraße fahren, den Brief einwerfen, will ich schon sagen. Stattdessen sage ich nur, Nein danke, ich habe Ihren Kolleginnen schon gesagt, dass ich nur schaue und dass ich mich an Sie alle wenden werde, falls ich ihre Hilfe brauche. Ich verstehe, sagt sie und geht. Das Vogelnest wippt.
Eine Minute später kommt Verkauferin Nummer fünf vom Typ Nasenbär auf mich zu. Sie öffnet den Mund und ich sage: Ich brauche keine andere Größe, die Blusen gefallen mir alle nicht, die Pullover ebenfalls nicht, ich will nichts anprobieren und ich brauche keine Hilfe, danke schön. Alles klar, sagt sie und rümpft die Nasenbärnase.
Ich gehe.
Ins nächste Schuhgeschäft. Ich nehme das Paar high heels, das mir ins Auge sticht, vom Regal, bezahle und gehe.
Mein fünftes Paar schwarze high heels. Die brauche ich so notwendig wie diese penetrant freundlichen Verkäuferinnen.
Und wer ist schuld?
Na, wer wohl?
Depperte Tussis, depperte.

Samstag, Februar 09, 2008

katzenjammer



Hat dir der Fasching wohl nicht gut getan? fragt die Sekretärin, als ich sie anrufe und ihr sage, dass ich Fieber habe.
Hast wohl zu viel gefeiert? fragt die Kollegin, als ich ihr sage, dass ich krank bin.
Hast es wohl übertrieben? fragt mich die Frau Direktor als ich ihr die Krankschreibung überreiche.
Anna sagt: Du hättest sagen sollen, die viele Arbeit macht dich krank. Da wäre das Mitleid grenzenlos.

Mir geht es derzeit so.


Zu Tode gearbeitet haben sich schon viele.
Zu Tode gefeiert? Wohl auch einige.
Ab Montag bin ich wieder im Dienst.
Zu früh gefreut.



Sich zu Tode zu arbeiten, ist die einzige gesellschaftlich anerkannte Form des Selbstmords. ~Johann Freudenreich~




Sonntag, Februar 03, 2008

erfindung


Jahrelang schon schwirrt diese Idee in meinem Kopf herum.
Die Idee von dieser Erfindung.

Mit Erfindungen ist das so eine Sache.
Zwei Leute kenne ich, die eine Idee für eine Erfindung hatten.
Mein Vater und die Tante Resi.
Mein Vater hat eine Vorrichtung erfunden, mit der Kinder ihre Schier am Rücken tragen können. Ich war Versuchskaninchen.
Eines Tages schnallte er mir einen Lederriemen auf den Rücken, befestigte die Schi und ich musste zehn Mal in Schischuhen und Schianzug ums Haus gehen. Er wollte möglichst authentische Bedingungen.
Es war mitten im Sommer. Ich schwitzte und schleppte und war grantig. Die Nachbarn hatten sich schon versammelt, schauten zu und tuschelten.
Aus der Erfindung wurde nichts.
Die Schier fielen andauernd raus weil die Schnallen immer aufgingen. Mein Vater verbesserte den Prototyp und befestigte neue Schnallen. Die Schnallen gingen nun nicht mehr auf.
Wiederum musste ich ums Haus. Es war noch immer Sommer und ich schwitzte noch immer. Die Schnallen gingen nun gar nicht mehr auf. Es dauerte zwei Stunden, bis mich mein Vater befreien konnte. Mittlerweile war das halbe Dorf versammelt und meine Mutter verteilte Erfrischungsgetränke.
Leider hat sich diese Erfindung bis zum heutigen Tag nicht durchgesetzt.
Meine Tante Resi hat eine Vorrichtung erfunden, mit der das Dekolletee einer Frau faltenlos bleibt.
Sie hat eine Art Korsett aus Papiermache gebastelt und es hellblau bemalt. Über Nacht legte sie sich das Gestell auf den Busen. Versuchskaninchen war ich damals nicht. Ich hatte keinen faltigen Busen damals. Ich hatte gar keinen Busen. Sie hat dieses Gestell im Selbstversuch getestet. In der Nacht. Schrecklich sah das aus. Wie eine hellblaue Kopfstütze mit Schnüren hinten dran zum Zubinden.
Ich habe mich nicht weiter dafür interessiert aber viel hat es nicht geholfen, wenn ich an das faltige Dekolletee meiner Tante denke.

Nun zu meiner Erfindung. Meine Erfindung existiert nur in meinem Kopf.
Es geht um das Bett.
Es geht um ein Bett, in dem zwei Menschen schlafen. Mitsammen.
Seit Jahren liegt mir diese Erfindung am Herzen. Es geht um den Arm. Und zwar um den Arm, der nicht aktiv ist.
Stell dir vor, du liegst mit deinem Liebsten im Bett. Ihr seid einander zugewandt und es ist soweit. Ihr habt beide Lust, küsst euch, streichelt euch. Alles wunderbar. Das Bett ist schön warm, du auch, der Liebste heiß.
Die Nacht ist lau, die Kinder schlafen, die Kerzen brennen.
Alles stimmt.
Aber da ist der Arm.
Der passive Arm.
Der auf dem du liegst.
Er ist im Weg.
Du hebst ihn, du bekommst einen Krampf.
Du drehst ihn nach hinten, der Nacken schmerzt.
Du hältst ihn hoch, er kribbelt.
Was immer du auch tust, der Arm ist ihm Weg.
Also hatte ich die Idee.
DIE Idee. Ein Bett mit einem Loch. Für den Arm. Ein Armloch.
Im Armloch lässt du den passiven Arm, den du beim Liebesspiel nicht brauchst, einfach verschwinden. Das Armloch ist natürlich gemütlich ausgepolstert.
Und während du deinen Liebsten küsst und mit dem aktiven Arm noch heißer machst als er schon ist, ruht die passive Hand sich ganz gemütlich aus. Und wenn die aktive Hand müde geworden ist, dann wechselst du die Position. Manchmal braucht man auch zwei Hände für das Liebesspiel. In dem Fall deckst du das Armloch zu. Mit dem Armlochdeckel.
Ein Problem gibt es noch. Den Namen. Armloch und Armlochdeckel klingt nicht wirklich gut.
Ich dachte an armrest und armrestcover. Englisch kommt immer gut.
Hat jemand eine Idee?
Namensvorschläge bitte bis spätestens 18. Februar. Am 20. hab ich einen Termin beim Patentamt.