Donnerstag, Jänner 31, 2008

the next uri geller


Manchmal kaufe ich Dinge auf Vorrat. Zahnbürsten, Klopapier und Schokolade.
Es gibt aber auch Dinge, ich nie im Leben auf Vorrat kaufe. Dazu gehören Glühbirnen und Batterien.
Ich kaufe Glühbirnen dann, wenn eine kaputt ist und Batterien nur dann, wenn ich eine brauche. Das ist ganz selten.
Es ist sehr aufregend, wenn Glühbirnen ihren Geist aufgeben. Das knallt so schön. Es hat etwas von einem Abenteuer. Auf einen Schlag ist alles dunkel und ganz ruhig.
Wenn Glühbirnen knallen, dann gibt es meist einen Kurzschluss im Sicherungskasten.
Bei mir gibt es immer einen.
Ich tappe dann im Dunkeln in die Diele. Das hat auch etwas Abenteuerliches.
Weil es dauert abenteuerlich lang, bis ich ertaste, welcher Schalter betätigt werden muss, damit Schluss ist mit dem Kurzschluss.
Wenn ich ihn gefunden habe, dann ist das wie ein Fest.
Ein besonderer Moment.
Ich sage dann ganz laut und feierlich: Es werde Licht und drücke den Schalter. Und es ward Licht.
Ich bin dann kurz blind weil überall gleichzeitig das Licht angeht.
Der Kühlschrank beginnt zu summen, die Stereoanlage schaltet sich ein, der Herd fängt an zu glühen und auch das Bügeleisen und der Fernseher.
Nun ist es Zeit, die kaputte Glühbirne auszutauschen.
Frage: Wie viele Personen braucht man um eine Glühbirne zu auszutauschen?
Antwort: Zwei.
Eine, die die kaputte Glühbirne heraus schraubt und die neue hineinschraubt.
Eine zweite, die sagt: Elektrisier dich nicht.
Glühbirnen auszutauschen ist lebensgefährlich.
Es kann sein, dass es knallt - ein wenig lauter als vorhin, du fällst um, verbrennst oder verkohlst und schon bist du tot. Es kann aber auch sein, dass alles gut geht und du überlebst.
Es ist von Vorteil, wenn alle anderen Lampen brennen. Du siehst dann sofort, ob sie funktioniert, die neue Glühbirne.
Falls du das Herausschrauben überlebt hast.
Glühbirnen sind meistens an Decken oder Wänden, also außer Reichweite. Das schaffst du nicht ohne Hilfe, außer du bist zwei Meter groß.
Deshalb musst du dich auf irgendetwas drauf stellen.
Bücher eignen sich gut. Die stapelst du übereinander.
Falls du keine Bücher besitzt oder nur dünne Romanheftln, dann nimm einen Stuhl. Heimwerker können auch eine Stehleiter nehmen.
Schraube die Glühbirne nun im Uhrzeigersinn hinein. In der südlichen Hemisphäre schraubst du umgekehrt, also gegen den Uhrzeigersinn.
Und schon glüht sie, die Birne. Und du kannst dir ein Bier genehmigen.

Warum ich das alles schreibe?
Weil ich gestern zwei Glühbirnen gekauft habe. Auf Vorrat.
Ja, auf Vorrat! Das erste Mal in meinem Leben!
Und Batterien. Auch auf Vorrat. Auch das erste Mal in meinem Leben.
Und ich komm um dreiviertel sieben abends nach Hause.
Ich schalte in der Diele das Licht ein. Und dann im Bad.
Knall!
Alles dunkel.
Nun das Übliche, Abenteuerlustige - siehe oben (Diele, Sicherungskasten, es werde Licht, etc.)
Wieder alles hell. Im Bad brennt nur mehr eine Lampe. Eine von dreien. Aber ich habe ja zwei gekauft. Auf Vorrat! Das erste Mal in meinem Leben!
Und ich schau auf die Uhr. Und die Uhr ist stehen geblieben. Genau um sechs.
Aber kein Problem.
Ich habe ja Batterien gekauft. Auf Vorrat! Das erste Mal in meinem Leben!

Ich habe Vorahnungen, ich bin ein Medium, eine Magierin, eine Zauberin. The next Uri Geller, gell, errr….?

Dienstag, Jänner 29, 2008

Montag, Jänner 28, 2008

edith


Es war einmal eine dumme Eule.
Jeder weiß, dass Eulen weise sind.
Aber Edith, so hieß die Eule, war dumm.
Ich bin dumm, sagte Edith.
Ich habe dich trotzdem lieb, antwortete eine Stimme.
Fast wäre Edith vom Baum gefallen vor lauter Schreck. Da saß sie nämlich gerade.
Woher kommt die Stimme?
Hier bin ich. Hier, direkt hinter dir. Ich bin’s, Erik. Erik war Ediths Freund.
Edith drehte sich um und plötzlich bemerkte sie, dass sie ihren Kopf ganz gedreht hatte. Und nichts war gebrochen.
Super, rief Edith. Schau mal, Erik, ich kann meinen Kopf ganz herumdrehen.
Ja, ich weiß, sagte Erik. Das will ich dir schon jahrelang erzählen. Jahrelang sage ich dir schon, dass du deinen Kopf um hundertachtzig Grad drehen kannst. Mindestens. Aber du kapierst ja nie was, sagte er und klatschte erleichtert in die Flügel.
Edith war so überwältigt von ihrem Können, dass sie drei Nächte hintereinander auf ihrem Lieblingsast verbrachte und nur den Kopf herumdrehte. Die ganze Zeit. Immer wieder und immer wieder. Und nach jeder vollen Drehung seufzte sie glücklich und verdrehte auch noch die Augen.
Ach wie schön es doch ist, dumm zu sein, sagte sie zu sich selbst. Du lernst immer wieder neue, aufregende Dinge.
Sie drehte noch einmal den Kopf und schlief erschöpft aber glücklich ein.

Sonntag, Jänner 27, 2008

Donnerstag, Jänner 24, 2008

der experte


Als er geendet hatte, nur ein leises Schnurren.
Suzanne seufzte leicht und lächelte. Sie gähnte und schloss ihre Augen.
Danke, Bertrand, hauchte sie. Du warst wunderbar, sagte sie sanft.
Nicht oft ergab sich die Gelegenheit.
Nicht einmal, wenn die Kinder schliefen. Suzanne hatte immer Angst, die Kinder würden aufwachen. Aber heute war es anders gewesen. Er hatte sie überreden können. Normalerweise war er dann immer schnell fertig. Bei Suzanne dauerte es immer länger. Aber dieses Mal hatte er sich vorgenommen, sich Zeit zu lassen.
Er hatte ganz langsam begonnen.
Seine Bewegungen waren wohl überlegt. Er nahm sich alle Zeit der Welt.
Er merkte, wie Suzanne es genoss.
Vor und zurück, vor uns zurück.
Er übersah nichts. Er war überall. In jeder Ritze, an jedem noch so kleinen Punkt. Manchmal überkam es ihn und er bewegte sich zu schnell. Aber er bemerkte sofort am leisen Zucken von Suzsannes Augenlid, dass er zu schnell war. Schon hatte er sich im Griff und wieder den langsamen, bedächtigen Rhythmus aufgenommen.
Er meinte, zu tanzen, zu fliegen.
Je länger er sich bewegte, desto sicherer wurde er.
Als er geendet hatte, nur ein leises Schnurren.
Suzanne seufzte leicht und lächelte. Danke, Bertrand, hauchte sie. Du warst wunderbar. Morgen wiederum?
Ja, Liebste. Mehr konnte er nicht sagen. Er war so stolz.










Unsagbar stolz, dass er allein das ganze Haus gesaugt hatte.

Sonntag, Jänner 06, 2008

vienna calling


Nun liegt eine wunderschöne Woche vor mir.
Eine Woche Wien.
Toll, nicht wahr? Wiens Jugend lernt ihre Bundeshauptstadt kennn.
Und ich lern sie mit ihnen kennen. Wieder einmal.
Gibt es was Schöneres, im Jännner mit hundertdreißig Schülern nach Wien zu fahren? Gibt es was Schöneres, stundenlang durch die Stadt zu latschen, von einem Museum zum anderen?
Gibt es was Schöneres, nachts bis drei Uhr morgens auf den Gängen zu patrouillieren und aufzupassen, ob nicht ein Bub ins Mädchenzimmer huscht?
Aber Wien ist ja anders. Ganz anders, ich bin sicher.
Vor allem im Jänner.

Samstag, Jänner 05, 2008

burgverlies


Bald ist wieder Fasching.
Fasching ist an unserer Schule ein Jahrhundertereignis.
Wieder einmal in diesem Jahr. Weil alle drei Jahre muss unsere Schule organisieren. Wir feiern Fasching immer mit der Volksschule und der Polytechnischen Schule.
Im Turnsaal feiern wir. Also haben wir alle drei Jahre ein Jahrhundertereignis.
Die Themenfindung allein war schon schwierig. Ich wollte ja den Opernball. Aber Opernball wollte sonst niemand.
Nun haben wir Ritterburg. Ritterburg gefällt mir nicht so. Ich will weder Ritterfräulein sein noch Ritter.
Heuer ist ja schon am ersten Februar Fasching und darum haben wir es eilig. Es gibt kein Besteck, sagt Evelyn. Es gibt nur Fleisch und Brot. Und Wein. Und jeder muss sich seinen Becher selber mitnehmen. Das war bei den Rittern auch so.
Gibt’s nicht mal einen Salat? frage ich. Krautsalat wäre gut.
Ja, und Gurkerl wären auch gut, sagt Sigi. Und hintennach ein Tiramisu, sagt Lo.
Wir sitzen im Beratungszimmer, das früher das Raucherkammerl war, als noch geraucht wurde in der Schule. Heute rauchen die Lehrer nicht mehr in der Schule. Nur mehr die Schüler. Aber die rauchen eh am Klo. Darum brauchen wir kein Raucherkammerl mehr.
Das Beratungszimmer ist eigentlich kein Beratungszimmer. Es ist ein Wohlfühl-Rückziehzimmer für Lehrer.
Da kann der Lehrer wenn er aufgeregt ist und nervös und genervt, sich zurückziehen. Ich habe zwar meine Zweifel, ob das was nützt. Wenn ich den Teppich anschaue, dann werd ich ganz wuschelig. So bunt wie der ist. Der beruhigt meine Nerven gar nicht, der regt sie nur auf.
Und wenn ich die Couch anschau, dann werd ich depressiv. Eine schwarze Couch ist das. Und wenn ich mir vorstell, dass ich grad genervt bin und ich komm da herein ins Wohlfühl-Rückziehzimmer, und da liegt der Kollege auf der Couch, der mich schon nervt wenn ich an ihn denke, dann bin ich nicht mehr weit weg vom Nervenzusammenbruch. Nein, das brauch ich nicht. Da setz ich mich lieber ins Kaffeehaus.
Die Couch ist nicht nur schwarz sondern auch ungemütlich. Sie ist eckig. Eckig passt so wenig zu Couch wie schwarz.
Derzeit gibt es ja nur eckige Couchen.
Eine FengShui Couch ist das, hat die Frau Direktor gesagt.
Ich glaub, das ist eher eine HauptShui Couch als eine FengShui Couch.
Ungemütlich.
Die Lehne ist kürzer als die Sitzfläche. Wenn du dich ganz zurück setzt und dich anlehnst, dann hängt dein Kopf hinten hinunter und das Blut rauscht dir ins Hirnkastl. Und die Beine kannst nicht abwinkeln. Und da sitzt du da wie die Gliederpuppe auf dem Ehebett der Oma, die in der Mitte vor dem Zierpolster mit dem röhrenden Hirsch unter dem Bild mit dem Jesus und dem brennenden Herzen gesessen ist. Wenn du dich lässig zurück lehnst, halb schräg, die Arme locker zur Seite, dann rutschst du durch und landest am Boden. Eigentlich auf dem Teppich, dem bunt gestreiften.
Nein, sagt Evelyn, es gibt kein Tiramisu, Lo. Wir haben Ritter und nicht Römer.
Wir sitzen also da und dichten. In der Rittersprache.
Wir dichten solche Dinge wie Krug an der Lende und Gebein im edlen Tuche.
Und wir dichten Wörter wie edle Maid und wack’rer Recke.
Ich dichte nicht weil mir fällt nichts ein. Ich muss immer auf den Vorhang schauen mit den Löchern.
Sind das richtige Löcher? frage ich.
Frag nicht, Amadea. Dichte. Lenk nicht ab, wir müssen dichten, sagt Evelyn.
Ich kann nicht mit mehreren Leuten dichten, sage ich.
Gibt’s hier einen Nussknacker? frage ich und nehme eine Walnuss aus der Schale, die da am Glastisch steht.
Nein, Nussknacker gibt es nicht. Lass die Nüsse, die sind nur zur Zierde da, sagt Evelyn.
So wie die Couch? will ich fragen. Ich frage nicht.
Was ist nun, Amadea? Schreibst eine Geschichte nach der anderen und heut stellst dich so an.
Mir fällt nichts ein, sage ich.
Es geht darum, dass die schöne und keusche Gunhilde erobert werden muss. Wir machen Ritterspiele. Auch im Freien. Habt ihr eine Idee, welche Spiele wir machen könnten? fragt Evelyn.
Wir haben keine Idee.
Ritterspiele im Freien? frage ich. Bei der Kälte? Und als Preis gibt’s wohl Ritterschokolade.
Super Idee, sagt Sigi. Und er notiert schon.
Ich schaue auf den Teppich, den bunt gestreiften, dann auf die Vorhänge mit den Löchern.
Und ich rutsche von der Couch. Wieder einmal.
Mir ist schlecht, sage ich. Ich geh nun.
Burgverlies, sage ich beim Rausgehen.
Was, Burgverlies? fragt Evelyn.
Ich gehe als Burgverlies. Die, die die Burgverlies.
Und weg bin ich.

Mittwoch, Jänner 02, 2008

5 vor


Was machst du in den letzten fünf Minuten?
Ich meine, fünf Minuten bevor etwas Neues beginnt.
Fünf Minuten vor einer Reise, die du machst. Fünf Minuten, bevor der Zug abfährt. Du küsst denjenigen, derdich zum Bahnhof gebracht hat.
Fünf Minuten, bevor das Flugzeug abhebt, richtest du dir das Speibsackerl her oder schaust, wo die Notausgänge sind, falls du abstürzt.
Und was machst du in den letzten fünf Minuten des alten Jahres?
Schauen, ob dein Glas voll ist?
Dein Haar richten?
Eine Zigarette rauchen?
Bereite dich vor, sei gewappnet.
Geh noch schnell lulu, hätte Oma gesagt. Wer will ein Neues Jahr mit gekreuzten Beinen und einer vollen Blase beginnen?
Du könntest auch etwas tun, das du im Neuen Jahr tun willst.
Du könntest mit der Diät beginnen, die du im ganzen Neuen Jahr durchziehen willst oder du könntest aufhören zu rauchen.
Du könntest singen, wenn du im Neuen Jahr Gesangsunterricht nehmen willst.
Ich habe mich jedenfalls im alten Jahr an Omas Spruch gehalten und mich entschieden, die letzten fünf Minuten auf der Toilette zu verbringen.
Naja, sagen wir, drei von fünf Minuten.
Ein wahrlich symbolischer Akt. Das Alte loslassen und wegspülen um Platz für Neues zu machen.
FÜNF MINUTEN, ruft jemand.
Auf geht’s, Amadea.
Ich gehe gemütlich aus dem Lokal, die Treppe hinunter. Erhobenen Hauptes gehe ich, wie eine Königin schreite ich. Ich habe ja noch fünf Minuten. Eine Ewigkeit.
Niemand da. Wunderbar. Ich ganz allein. Wie schön. Und noch fast fünf Minuten. Oder vier.
Oh, eine Laufmasche. Das macht nichts. Ich habe eine Reserverstrumpfhose mit und noch vier Minuten. Oder dreieinhalb.
Laufmaschenstrumpfhose aus, neue raus. Und rein. Warum geht das nicht? Ich hänge fest. Mit der Hand. Dieses Armband, ich hätte es nicht nehmen sollen. Da hat sich was verhakt. Aber wie. Da geht nun gar nichts mehr.
Ein Bein in der Laufmaschenstrumpfhose. Das andere in der Luft.
Mein Armband mit Arm verhakt im Nylon.
Du hast noch genug Zeit, Amadea. Stress dich nun nicht. Du bist schon mit anderen schwierigen Situationen fertig geworden.
Wieso höre ich die Band nicht mehr?
Und plötzlich höre ich es.
ZEHN!
Was?
NEUN!
Nein!
ACHT!
Das kann nicht sein!
SIEBEN!
Verdammt!
SECHS!
Armband runter!
FÜNF!
Strumpfhose hoch!
VIER!
Spülknopf gedrückt und raus.
DREI!
Die Treppe hoch!
ZWEI!
Hinein ins Lokal.
EINS!
Ich schnappe ein Glas.
Die Donau so blau, so blau, so blau.
Raketendonner.
Ein gutes Neues Jahr! Da küsst mich schon einer auf die Wange. Einer, den ich nicht kenne. Ein Deutscher.
Alle anderen am Tisch küssen mich auch.
Ein gutes Neues Jahr! Wildfremde Menschen umarmen mich.
Ich gehe zurück zum Tisch. Wie in Trance, das fremde Glas in der Hand.
Ein gutes neues Jahr, Amadea. Bleib g’sund.
Du auch, Anna. Gutes Neues Jahr. Ich muss mir die Hände waschen.
Beim Hinausgehen ruft sie mir nach: Da hängt was an deinem Bein, Amadea. Und eine Laufmasche hast du auch.