Sonntag, November 23, 2008

kussverbot


Nun hat letzte Woche in einer Hauptschule der Direktor nach Beschwerden von einigen Eltern in seiner Schule ein Kussverbot eingeführt.
Das auch noch. Wo es die Jugendlichen eh so schwer haben.
Und nun entfällt auch noch das gegenseitige Abschlecken in jeder Pause.
Küssen erhöht das Denkvermögen. Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Vermutlich haben die Lehrer Angst, dass die Schüler zu g’scheit werden.
Aber er hat schon recht, der Direx.
Ich mein, es weiß ja jeder, dass Küssen zu schweren Krankheiten führen kann, wie z.B. dem Pfeifferschen Drüsenfieber.
Da kann dann sogar die Milz reißen! Milzriss!
Das stelle sich mal einer vor, wenn da in einer Schule der Reihe nach die Milzen reißen.
Mit Milzrissen haben die Lehrer eher wenig Erfahrung. Sowas haben wir nie. Wir haben höchstens Nasenbluten und Bauchweh.
Außerdem führt die sogenannte Küsserkrankheit zu Leberschäden. Wo die Leber der Kids durch das Saufen eh schon so belastet ist.
Ich bin auf jeden Fall dafür, dass die Kinder sich so oft küssen dürfen wie sie wollen. Ohne Einschränkungen. Zu jeder Zeit und jeder mit jedem.
Die sollen schmusen, was das Zeug hält.
Das machen schließlich Britney Spears und Madonna auch. Und das vor Millionen von Zuschauern. Ich schau einfach weg, wenn’s mich reckt.
Ich bin überhaupt für mehr Lockerheit in der Schule. Jetzt haben wir eh schon so viel Gewalt.
Gibt es was Schöneres, als sich nach einer Massenschlägerei gegenseitig niederzuschmusen? Und wenn wir das erlauben gibt es vielleicht dann irgendwann gar keine Gewalt mehr wenn’s schmusen dürfen.
Vielleicht kommen’s drauf, dass ein Quickie in der Fünf-Minuten-Pause im Klo besser ist als sich zu prügeln.
Und die meisten sind ohnehin in drei Minuten fertig, weil das geht ganz schnell bei den Buben. Die brauchen ihre Jeans gar nicht auszuziehen. Sie hängen eh schon auf den Oberschenkeln.
Ich mein, nun tun‘s auf einmal so streng, die Verantwortlichen.
Da war man seinerzeit viel fortschrittlicher, damals als der Sinowatz das Raucherzimmer in Schulen eingeführt hat, damit nicht heimlich geraucht wird und das natürliche Lustbedürfnis der Kids nicht unterdrückt wird. Und nun sowas! Kuschelecken haben wir eh schon. Ich würd sagen, ein Vorhang und ein paar Kondome dazu und schon ist die Sache geritzt.
Da können sie sich dann alle treffen, herumschlecken, dabei Kaugummis austauschen und a bissl Petting machen. Und natürlich auch schnackseln, wenn‘ s wollen. Das geht sich schon aus in der kleinen Pause, die Lehrer kommen eh nie pünktlich in die Klasse.
Man muss einfühlsam vorgehen bei unseren frühreifen Kids. Wenn man die natürlichen Triebe unterdrückt, führt das zu schweren psychischen Schäden.
Man könnt' ja auch im Deutschunterricht einen Erlebnisaufsatz schreiben und gleichzeitig die Fremdwörter wie Koitus, Fellatio und Cunninlingus üben.
Man könnte das Ganze auch fächerübergreifend behandeln als Projekt. Eine Woche lang oder zwei.
Im Zeichenunterricht malen sie ein Graffiti mit riesigen Geschlechtsteilen, in Englisch machen’s ein Rollenspiel – Dick Whittington in Fuckingham Palace, in Geschichte könnte man die Sexualpraktiken der alten Römer durchnehmen und die Bücher vom Marquis de Sade lesen, in Mathematik könnte man den Kalorienverbrauch eines Orgasmus ausrechnen und nach dem Turnunterricht könnten alle gemeinsam duschen und sich gegenseitig einseifen.
Am Ende des Projekts steht dann eine Lernzielkontrolle.
Und diejenigen, die da einen Fünfer schreiben, kommen zur Förderstunde mit dem Biologie- und Religionslehrer. Teamteaching. Ist eh in.

Samstag, November 08, 2008

der duft der frauen


Du bist sportlich, magst es unkompliziert, und fühlst dich in Jeans und Turnschuhen wohler als in Kostüm und Pumps. Mit deiner dynamischen Frische reißt du andere schwungvoll mit und wirkst dabei lebendig. Dein Parfum: Cool Water

Erotik liegt in der Luft, wenn wenn du die Szene betritt. Wie Motten dem Licht folgen dir alle Blicke. Und das weißt du und genießt es. Verführung, Versuchung, Verheißung – das Spiel mit dem Feuer beherrschst du wie keine andere. Dein Parfum: Agent Provocateur

Dich umgibt eine kühle, herbe Klarheit. Deine schlanke Figur betonst du am liebsten mit Hosen – ob feiner Zwirn oder Leder kommt auf die Gelegenheit an. An dir ist nichts Verspieltes oder Süßes, aber sehr viel Aufregendes. Dein Parfum: Gaultier

Du bist eine moderne Frau und ein Freigeist. Du trinkst das Glas aus wenn es voll ist. Du genießt dein Leben in vollen Zügen, du nimmst dir alles im Leben, was dir gefällt und was in Reichweite ist. Jeder neuer Tag bringt neue Überraschungen und wirft unzählige Fragen auf: Wer ist der Mann da im Bett neben mir? Wer bin ich? War ich so besoffen? Hab ich ein Kondom benutzt? Dein Parfum: L’Egoiste

Du bist wie der Wind. Einmal sanft und lau, dann stark und laut. Einmal stürmisch, dann kalt. Du bist zielstrebing, organisiert, nach einer Minute unlogisch, aufbrausend, hysterisch. Dein Parfum: L’Hormone

Du bist spontan und neugierig. Du überraschst deinen Geliebten tagtäglich mit kleinen SMS-Botschaften, die du ihm schickst. Jede Stunde eine neue. Du kontrollierst sein Handy, liest seine Emails, öffnest seine Briefe, kontrollierst seine Hosensäcke. Manchmal folgst du ihm heimlich wenn er zur Arbeit fährt. Dein Parfum: Albtraum

Du bist eine starke, unabhängige Frau, die weiß, was sie will und ihre eigene Meinung vertritt. Immer wenn du einen Mann triffst, der dir gefällt, wirst du zum kleinen Mädchen, das über seine dummen Witze lacht und mit allem einverstanden ist, was er sagt. Dein Parfum: DummeGans

Du bist jung, blond und dynamisch. Du sagst niemals laut deine Meinung weil du keine hast. Du bist sehr offenherzig und freizügig, zeigst gerne deine langen Beine und öffnest sie auch wenn er deine Drinks bezahlt. Dein Parfüm: ParisHilton

Du hast dein Leben genossen mit allen Sinnen und jeden Moment gelebt. Dann bekamst du einen Ehering, vier Kinder und deine Gehirnzellen starben ab. Dein Parfum: Ehefrau

Welches Parfum passt zu dir?

Dienstag, November 04, 2008

da ist ein fleck


Zieh eine andere Bluse an, sagt deine Mutter.
Du überlegst.
Du könntest nun antworten und sagen: Nein, die passt schon.
Deine Erfahrung sagt dir, dass du deiner Mutter dadurch zwar zu verstehen gibst, dass du dich durchsetzen kannst und dich diese Antwort zu einer selbstbewussten Frau macht, die weiß was sie will, aber gleichzeitig weißt du auch, dass solche Sätze unweigerlich zu endlosen Diskussionen führen würden, auf die du keinen Bock hast, und die du ohnehin nie gewinnst.
Du sagst also nichts.
Da ist ein Fleck, sagt deine Mutter und zeigt auf deine Bluse.
Du kratzt den Fleck mit dem Daumennagel sorgfältig weg. Der Fleck ist weg.
Du trägst nun eine saubere Bluse.
Du denkst nach.
Dieser Fleck, den du gerade weg gekratzt hat, zieht sich durch dein ganzes Leben.
1)
Da ist ein Fleck. Was bist du nur für ein Kind. Du bist schmuddelig. Du hast dich wieder einmal angepatzt beim Essen.
2)
Da ist ein Fleck. Was bist du nur für eine Pubertierende? Schlampig, unordentlich.
3)
Da ist ein Fleck. Du willst volljährig sein? Du hast die Matura geschafft aber nur auf dem Papier. Im Kopf hast du nichts. Schlampig durch und durch.
4) Da ist ein Fleck. Du bist achtundzwanzig? Du isst nur Fast food und hängst nächtelang in Bars herum. Du bekommst dein Leben nicht auf die Reihe.
5)
Da ist ein Fleck. Du bist siebenunddreißig. Du hast zwei kleine Kinder. Sie sind schmuddelig. Sie haben dich wieder einmal angepatzt beim Essen. Du hast keine Ahnung, wie man Kinder erzieht.
6) Da ist ein Fleck. Du bist alt. Du bist schmuddelig.
7) Da ist ein Fleck. Das warst du. Du bist tot.

Samstag, November 01, 2008

bank holiday



Was haben Weltspartag und Allerheiligen gemeinsam?
Richtig, alle gehen hin.
Und was haben seit kurzem Bank und Friedhof gemeinsam?
Richtig, die welken Blüten.
Weltspartag ist etwas Besonderes. Das war immer schon so. Seit ich denken kann.
Du bringst dein Sparschwein zur Bank deines Vertrauens, gibst es dem freundlichen Bankbeamten, der es dann schlachtet, dich dabei anlächelt und dein Erspartes auf dein Sparbuch legt. Dann bekommst du ein Geschenk. Ich nahm früher immer das schöne Schreibpapier mit Mascherl in der Holzimitatbox mit.
Seit es Email gibt, nehme ich immer einen Regenschirm mit dem Logo der Bank meines Vertrauens, weil ich Regenschirme eh regelmäßig irgendwo liegen lass. Einen Luftballon nehme ich auch immer mit, weil der so schön oben am Pflafond klebt. Heute liegt er zwar schon schwach und faltig auf dem Schreibtisch. Aber so ist es halt, Dinge sind vergänglich, auch Luftballons.
Ich liebe meine Bank. Meine Bank hat was von der Ewigkeit. So wie der Friedhof. Meine Bank war immer schon da. So lang ich denken kann. Meine Bank steht direkt neben dem Gemeindeamt.
Oma liebte auch ihre Bank. Gott hab sie selig. Oma ist nicht mehr. Die Bank schon noch. Omas Bank steht nicht neben dem Gemeindeamt sondern am Friedhof. Neben dem Komposthaufen.
Beide Bänke haben sich verändert in all den Jahren. Beide Bänke wurden frisch gestrichen. Meine Bank wurde vergrößert, Omas Bank bekam eine neue Lehne.
Oma ging oft zu ihrer Bank wegen dem Opa. Dem sein Grab war gleich neben der Bank. Und da saß sie dann und redete mit dem Opa.
Meinaseel', vorige Woche waren die Blüten noch so schön, nun sind sie schon wieder welk. Wie schnell das doch geht.
Dieser Satz fiel mir gestern ein, als ich in der Bank meines Vertrauens den Regenschirm in Empfang nahm.
Hinter Omas Bank ist eine Wiese. Und auf dieser Wiese ist ein Tümpel.
Und wenn der Oma fad war, dann fragte sie den Friedhofsgärtner, ob er ihr nicht die Bank umdrehen könnte. Der konnte und machte das gern für die Oma. Weil die Oma war ein täglicher Gast im Friedhof. Und tägliche Gäste, vor allem lebende, sind selten auf Friedhöfen.
Und sie beobachtete dann all das Getier im Tümpel. Und dann erzählte sie mir immer, wie viele Libellen sie gesehen hatte und wie Kaulquappen und wie viele Wasserläufer. Stundenlang.
Einmal sagte sie zu mir: Du Amadea, heute waren zwei Frösche im Tümpel.
Und ich ging dann nach einigen Tagen mit ihr Frösche schauen, weil sie mir keine Ruhe ließ.
Ich sah keine.
Schau, Amadeal, da sind zwei, da! rief sie.
Das sind keine Frösche, Oma, das sind Kröten.
Na, auch wurscht. Jedenfalls hüpfen sie.
Heute war ich wieder am Friedhof. Die Bank ist noch da. Und sie hat wieder eine neue Lehne bekommen. Und neue Beine.
Die Oma saß nicht mehr auf der Bank. Die Oma liegt im Grab beim Opa.
Ich dachte an sie und an den Opa auch und an die Kröten, die sie mir gezeigt hatte. Und der Herr Pfarrer segnete die Gräber und wir beteten alle das Vaterunser und das Heiligemariamuttergottesbittfüruns.
Nach dem Schlusslied Nähermeingottzudir der Blasmusikkapelle ging ich zu Omas Bank und drehte sie um. Und ich schaute im Tümpel nach, wo die Kröten waren.
Aber es waren keine mehr da!
Alle Kröten weg! Die hat jemand weg genommen!
Am Montag geh ich nochmals zur Bank meines Vertrauens. Nachschauen, ob meine Kröten noch da sind.