Freitag, September 26, 2008

blue willy


Heute in der Englischstunde 1. Klasse:
An der Tafel steht: Tom's pen is blue.
Mike schreibt: Tom's penis is blue.

Donnerstag, September 25, 2008

stinkefinger


Heute im Kunstunterricht:
Also, die Figuren müssen mindestens so groß sein wie euer längster Finger.
Und schon strecken mir dreißig Schüler den Mittelfinger entgegen.
Das haben sie kapiert.
Auf Anhieb.

Mittwoch, September 24, 2008

on the plane


Über Flughäfen gibt es ja einiges zu sagen. Und da ist nichts Positives dabei.
Der Heathrow Flughafen ist die Hölle.
Eingepfercht wie in einem Viehtransport mit Tausenden von Urlaubern. Es wird geschubst und gedrängt, du findest keinen Sitzplatz, weder in der Lounge noch in einem Cafe.
Jeder Flug hat Verspätung. Jeder.
Da hörst du über den Lautsprecher, dass dein Flug zwanzig Minuten Verspätung hat. Nach zwanzig Minuten hörst du wieder, dass dein Flug zwanzig Minuten Verspätung hat. Und das geht immer so weiter. Und schließlich hat der Flug dreizehn Stunden Verspätung gehabt. Aber das weißt du vorher nicht.
Dreizehn Stunden ist nicht viel.
Ich war einmal am Flughafen Heathrow und wir hatten zweiundzwanzig Stunden Verspätung.
Du sitzt oder liegst, meistens am Boden und vergeudest wertvolle Urlaubszeit. Endlich ist das Flugzeug da und du steigst ein. Du gehst zu deinem Sitz und siehst, dass neben dir ein Platz frei ist.
Super, ein freier Sitz, denkst du! Da kann ich mich schön breit machen, meine Tasche, die Jacke, die Zeitung hinlegen. Wunderbar!
Mehr und mehr Leute steigen ein und alle gehen an dir vorbei.
Ja, ja!
Die Türen werden geschlossen und deine Laune steigt.
Was für ein Glück!
Auf einmal hörst du die Stimme der Stewardess: Wir haben noch einen Fluggast.
Und dann siehst du ihn. In Zeitlupe.
Herr Dickmann – schnaufend, wackelnd.
Und du weißt es. Herr Dickmann sitzt neben mir.
Deine Laune sinkt auf Null.
Warum sitzen neben mir immer Übergewichtige? Immer!
Wirklich stark Übergewichtige ab hundertachtzig Kilo.
Warum muss ich genauso viel für einen Flug bezahlen muss wie einer, der hundertachtzig Kilo hat? Wie komm ich dazu?
Es sollte eigene Flugzeuge für extrem übergewichtige Personen geben mit doppelt so breiten Sitzen wie normale Flugzeuge.
Und wenn du dann da sitzt, dann beginnt der Kampf um die Armlehne. Was heißt Kampf, ein Krieg ist das.
Regel Nummer eins: Der, der als erster sitzt, bekommt beide Armlehnen.
Regel Nummer zwei: Männer bekommen immer beide Armlehnen. Ja, beide!
Ich verstehe das nicht. Es ist so einfach. Für jeden ist eine ganze Armlehne da. Männer akzeptieren das nicht. Die merken gar nicht, wenn ihr Arm den deinen berührt. Und wenn sie es merken, ist es ihnen egal.
Und warum können Männer nicht normal sitzen? Normal heißt: Beine geschlossen.
Nein, Männer sitzen immer breitbeinig da. Immer!
Und ich sitz da, kein Stückerl Armlehne frei, Beine gekreuzt.
Endlich hebt das Flugzeug ab.
Und schon sind die Stewardessen da und fuchteln herum. Sicherheitstipps.
Niemand hört oder schaut zu. Klar, es will jeder cool sein und den anderen Mitreisenden zeigen, dass er ein Jetsetter ist und den Unsinn nicht hören will. Und während die Stewardessen fuchteln, sagt der Lautsprecher, dass man die Schwimmweste anlegen soll wenn wir im Meer landen.
Wieso Schwimmweste? Gehen Flugzeuge nicht sofort unter wenn die im Wasser sind? Die sind doch schwer, oder?
Was brauch ich diese lächerliche gelbe Schwimmweste?
Außerdem, falls es brennen sollte und wir einen Flügel verlieren, dann denkt doch keiner an die Schwimmweste. So schnell kannst gar nicht schauen, haben wir einander schon erdrückt oder zertrampelt in der Panik.
Und was ist mit dem Pfeiferl? Kann ich sicher sein, dass mein Pfeiferl funktioniert? Hat das je einer ausprobiert?
Da bin ich dann im Meer, und ich sehe ein Rettungsboot, aber es sieht mich nicht, und ich will pfeifen, und das Pfeiferl geht nicht und ich ertrinke jämmerlich, nur weil ich nicht ausprobiert habe, ob es funktioniert.
Endlich bist du eingenickt, schon meldet sich der Captain.
Captain, my captain, du hast mir gerade noch gefehlt.
Er erklärt mir, wie kalt es draußen ist, wie hoch wir fliegen, wie weit der Zielflughafen entfernt ist und welches Dorf wir gerade überfliegen. Mir ist das egal! Ich will das nicht wissen.
Ich kann mir weder vorstellen, wie kalt minus 3000 Grad sind, noch wie viel fünftausend Kilometer sind. Es ist mir egal, wie das Dorf unter mir heißt, ich will schlafen. Ich will meine Ruhe. Dann sagt er mir auch noch, wie er heißt und ich erfahre auch den Namen vom Copilot und dass beide schwul sind und ihre Lieblingsspeise Spaghetti al Tonno ist.
Das ist mir auch wurscht!
Und wenn der Captain Niki Lauda heißt, ist es mir wurscht.
Endlich kommt das Essen.
Die Stewardessen schieben ihr Wagerl durch den Gang. Und jeder trinkt Tomatensaft. Kein Mensch trinkt je Tomatensaft außer beim Fliegen.
Komischerweise müssen genau zu dieser Zeit alle Passagiere aufs Klo. Und da stehen dann die Stewardessen mit dem Wagerl und dahinter die Passagiere. Und die müssen dann ganz zurückgehen, damit die Stewardessen mit dem Wagerl auch zurückgehen können, dann gehen die Passagiere vor aufs Klo, die Stewardesssen gehen auch wieder vor, mit dem Wagerl und nach drei Minuten stehen wieder Passagiere, die aufs Klo müssen, da und das Ritual wiederholt sich.
Wenn es nach mir ginge, gäbe es keine Klos in Flugzeugen.
Wenn es nach mir ginge, müsste jeder Passagier auf seinem Platz bleiben. Und zwar die ganze Flugzeit über.
Und dann schmeißt dir die Stewardess dein Alugeschirr mit dem Essen her. Und du sitzt da, eingepfercht zwischen Sitzen, aufgeklappten Tischen, Tabletts und Alubox , öffnest das Plastiksackerl mit dem Plastikbesteck und schmierst dir ein zähes Semmerl.
Du nimmst das Plastikhäferl mit dem grauen Kaffee und willst trinken. Genau in dem Moment hast du eine Lehne im Gesicht, weil es sich der Passagier vor dir gemütlich macht und du verschüttest die Brühe.
Gleichzeitig macht der stark Übergewichtige neben dir seine Alubox auf und rutscht ab. Zur grauen Brühe auf deiner Bluse gesellen sich Spaghetti al Tonno.
Du rufst die Stewardess, die dich anlächelt wie eine Schaufensterpuppe und dich behandelt, als wärst du debil und verlangst nach einem Fetzen, damit du dich abwischen kannst.
Und wenn du bis jetzt nicht klaustrophobisch warst, nun bist du es.

Montag, September 22, 2008

fly away


Nun dauert es Gott sei Dank wieder ein Jahr, bis ich den Koffer für den Urlaub packen muss.
Es ist eine Qual. Die ganzen Vorbereitungen für den Urlaub sind eine Qual.
Ich frage mich manchmal, warum wir in ein Land fliegen, in dem wir uns überhaupt nicht auskennen. Und dann, wenn wir uns auskennen und wissen, wo der schönste Strand, das beste Restaurant und die tollste Bar sind, fliegen wir wieder nach Hause. Urlaub machen wir alle, um uns wirklich zu erholen und wir wollen alle dahin fahren, wo sonst keiner ist.
Aber das will jeder. Und so ist jeder da, wo er meint, dass da sonst keiner ist.
Und jeder ist genervt weil er nur von Urlaubern umgeben ist. Von tausenden Urlaubern.
Die Misere beginnt schon zu Hause. Diese Packerei. Und die ganzen Vorkehrungen für die Zeit, in der du weg bist.
Du brauchst jemanden, der die Katze füttert und die Blumen gießt. Du findest aber niemanden. Weil alle Nachbarn sind weg.
Und die, die nicht weg sind, gießen die Blumen und füttern die Katzen der Nachbarn. Dann musst du dafür sorgen, dass keiner dein Haus ausräumt. Du musst dem Briefträger Bescheid sagen, dass er die Post nicht zustellt, sondern sie im Postamt am Regal fein säuberlich aufstapelt bis du wieder da bist.
Du musst die Alarmanlage überprüfen lassen und dein elektrisches System so einstellen, dass sich das Licht am Abend automatisch einschaltet und wiederum ausschaltet sobald die Sonne aufgeht.
Das Schlimmste aber ist das Kofferpacken. Für die Frau.
Mann hat es da einfacher. Mann beginnt zwei Stunden vor der Abreise.
Als Frau beginnst du zwei Wochen vor dem Urlaub. Du nimmst alle Medikamente mit, die du hast. Man weiß ja nie was alles passieren kann.
Und die leidige Unterwäsche. Die Frau nimmt doppelt so viele Höschen mit als der Urlaub Tage hat.
Der Mann nimmt zwei Unterhosen mit. Eine zieht er an, die zweite wäscht er aus.
Der Mann hat auch kein Problem mit den Schuhen. Der Mann braucht keine Schuhe. Er hat ein Paar Schuhe mit, am Strand geht er barfuß.
Eine Frau braucht flache Schuhe, Sandalen, high heels für den Abend, dann die mit den Pailletten, falls sich die Gelegenheit ergeben sollte, das Abendkleid anzuziehen, und dann die Turnschuhe. Die sind für‘s Wandern.
Das sind zehn Paar Schuhe. Und damit ist der Koffer voll.
Nun hast du endlich den Koffer gepackt und es ist Zeit, zum Flughafen zu fahren. Du fliegst natürlich am Morgen, weil du ja vom Tag noch was haben willst und wenn du nicht in der Nähe des Flughafens wohnst, musst du um drei Uhr morgens wegfahren, weil es über eine Stunde dauert, bis du dort bist.
Außerdem musst du zwei Stunden vor dem Einchecken da sein. Dann kommst du endlich an, saumüde, weil du am Abend nicht einschlafen konntest weil du ständig daran gedacht hast, ob du wohl nichts vergessen hast und dann hat um zwei Uhr morgens der Wecker geläutet und dann siehst du tausende andere grantige Urlaubshungrige die auch um zwei Uhr aufgestanden sind.
Außerdem bist du genervt weil dein Mann überpünktlich ist und dich ständig angelabert hat mit: Beeil dich doch, wir sind schon spät dran.
Warum haben unpünktliche Frauen immer überpünktliche Männer und umgekehrt?
Dann kommst du endlich zum Checkin.
Das ist der Höhepunkt des morgendlichen Abenteuers.
Und nun diese Frage: Haben Sie den Koffer selbst eingepackt?
Ja.
Es sagt jeder ja. Jeder!
Du sagst ja obwohl es durchaus sein kann, dass dein Mann noch schnell die Halterlosen und die Strapse in deinen Koffer gesteckt hat.
Bist du dir sicher? Nein, du bist dir nicht sicher. Aber du sagst einfach ja. Ohne nachzudenken.
Dann die zweite Frage: Hat Ihnen jemand angeboten, etwas für ihn mitzunehmen?
Die Antwort ist ebenfalls ja!
Ja, da kam dieser Mann im Trenchcoat und mit dunkler Brille und hat mich gefragt, ob ich dieses Paket für seinen Bruder mitnehmen kann. Der wartet am Zielflughafen.
Scherz beiseite. Solche Fragen sind wichtig.
Terroristen, die eine Bombe mit haben, lügen niemals. Niemals!
Endlich hast du eingecheckt. Und nun hast du Zeit. Endlos viel Zeit. Zeit, die du sonst nie hast. Aber das nützt dir nichts! Du kannst nichts tun. Du kannst nur warten. Oder einkaufen!
Warten ist anstrengend weil Tausende von Leuten auch warten und kein Platz mehr frei ist. Also gehst du ins DutyFree Geschäft. Und du kaufst Dutyfreeparfum, Dutyfreewhiskey, Dutyfreepralinen, Dutyfreewein. Und du hast fünfzig Cent gespart und schleppst das ganze Graffl tausende von Kilometern mit und wieder zurück.
Um sechs Uhr früh gehst du in das einzige Cafe, das es gibt, lehnst am Stehtisch mit dir völlig Fremden, trinkst ein Bier, das fünf Mal so teuer ist wie zu Hause weil du das Urlaubsfeeling haben willst und wartest.
Du wartest und wartest. Und mit dir warten Tausende andere. Sie warten und warten. Und schauen grantig.
Und du denkst daran, wie gemütlich es nun zu Hause wäre, ganz allein im Bett, Zeitung lesend, den Kaffee am Nachttisch und Ruhe. Wohlige Ruhe. Niemand da, der dich stört, kein einziger Mensch da. Alle im Urlaub.
Und nach drei Stunden steigst du endlich ins Flugzeug, das Verspätung hatte, zwängst dich in den Sitz, schließt deine Augen und nimmst dir vor, so wie jedes Jahr, den nächsten Urlaub allein zu Hause zu bleiben.

rede nicht, sag was


Es ist immer wieder überraschend zu sehen, wie Menschen reden und was sie eigentlich sagen. Du brauchst sie nur unabhängig von dem, was gesprochen wird, beobachten und die Worte mit Körperhaltung, Mimik und Gestik vergleichen.
Ich war gestern bei einer Vernissage.
Anschließend wurde zum Buffet geladen, wie üblich bei solchen Veranstaltungen.

Frau A sagt:
Hallo B, schön, dich wieder mal zu treffen. Ich sah dich in der Ecke stehen und dachte mir, ich komm mal rüber zu dir um Hallo zu sagen.

Frau A meint: Wir kennen einander schon seit unserer Schulzeit und obwohl ich weiß, dass du mit jedem anderen lieber redest als mit mir, hoffe ich doch jedes Mal, wenn ich dich sehe, du tust wenigstens so, als ob ich dir nicht ganz unsympathisch ware.

Frau B sagt: Grüß dich, A! So eine Überraschung! Es ist immer wieder schön, dich zu treffen.
Frau B meint: Mein Gott, du schon wieder. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gar nicht gekommen. Mit jedem anderen würde ich mich lieber unterhalten als mit dir.

Frau A sagt: Was gibt es Neues bei dir? Wie geht es dir? Du siehst super aus.
Frau A meint: Ich muss nun total freundlich sein, damit sie nicht merkt, wie sehr sie mich nervt. Komplimente kommen immer gut.

Frau B sagt: Danke. Ja, mir geht es auch wahnsinnig gut. Und wie geht es dir im Job?
Frau B meint: Ich habe keine Ahnung von deinem Job und es ist mir auch komplett wurscht. Aber ich bemühe mich, es mir nicht anmerken zu lassen. Und du Schafl merkst eh nie was. War schon in der Schule so als ich dir den Eric ausgespannt habe.

Frau A sagt: Du weißt ja, ich hab die Firma gewechselt. Echt super. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.
Frau A meint: Du falsche Hexe. Keine Ahnung hast du was ich mache. Du bemühst dich zwar, es dir nicht anmerken zu lassen und glaubst, dass ich das nicht bemerke. Ich vermute, du weißt nicht, dass ich sehr wohl geschnallt habe, dass du mir damals auf der Maturareise den Eric ausgespannt hast.

Frau B sagt: Wohnt ihr noch immer in Hallein?
Frau B meint: Wohnt ihr noch immer in der alten Wohnung in der Nähe der Autobahn?

Frau A sagt: Nein, wir sind nach Salzburg gezogen. Und du?
Frau A meint: Hör auf mit deinem blöden Gelaber. Du willst ja nur wissen, ob wir Haus gebaut haben. Ich will endlich zum Buffet sonst gibt’s nichts mehr zu essen.

Frau B sagt: Wir sind nach Goldegg gezogen. Da ist es viel ruhiger. Wir haben ein Haus mit Garten gekauft. Einfach wunderbar.
Frau B meint: Was rede ich da? Warum versuche ich mit allen Mitteln, dich zu beeindrucken? Wie ein Zwang ist das. Kaum sehe ich dich, schon fange ich an zu übertreiben. Ich hab das nicht notwendig. Ich hab’s sowieso besser als du, viel besser.

Frau A sagt: Toll, Goldegg. Ein Kleinod. Und der wunderbare See. Alle Achtung, ist ein teures Fleckchen dort.
Frau A meint: Nach Goldegg, typisch, nur Wiesen und Wälder und ein paar Kühe und Schafe und keine Kultur, nichts. Na, das passt eh zu dir. Du warst schon in der Schule die Bauerndirn. Was tust denn da den ganzen Tag? Erdäpfel anbauen? Na, so schaust aus.

Frau B sagt: A, es war wirklich toll, dich zu sehen. Aber nun muss ich wieder. Ich seh grad, mein Arbeitskollege ist auch da. Servus, man sieht sich.
Frau B meint: Ich muss diese Kuh nun loswerden. Ich hab einen Bekannten gesehen. Der sieht nach wie vor umwerfend gut aus.

Frau A sagt: B, es war so toll, dich zu sehen, wir müssen uns unbedingt mal zu einem Drink verabreden.
Frau A meint: Schleich dich endlich, du Gans, du blöde. Da rede ich doch lieber mit einem Lachsbrötchen als mit dir.

Frau B sagt zu Herrn C: Ja, hallo C. Sag bloß, du kennst mich nicht mehr. Ich bin’s. Die B. Weißt du nicht mehr? Wie geht es dir?
Frau B meint: Dich nehm ich heut noch mit nach Hause. Mein Alter kommt eh erst am Wochenende. Mein Gott, diese Lippen, diese Hände. Küss mich schon, mach endlich.

Herr C sagt: Tut mir leid, ich kenne Sie nicht. Sie müssen mich verwechseln.
Herr C meint: Diese Tussi hat mir grad noch gefehlt. Die hat mich schon in der Achten genervt.

Samstag, September 20, 2008

gangaufsicht


Die Einteilung der Gangaufsichten an unserer Schule ist eine besondere Sache. Gangaufsichten müssen in jeder Pause gehalten werden.
Gangaufsichten gibt es im ersten Stock, im zweiten Stock, im dritten Stock, in der Garderobe, in der Bücherei und im Buffet.
Gangaufsichten müssen um dreiviertel acht, in den beiden großen Pausen und in den kleinen Pausen gehalten werden.
Es gibt fünfzig Lehrer und jeder Lehrer muss sich für vierzig Minuten Gangaufsicht in die Liste eintragen.
Um die Sache einfacher zu gestalten, sind auf dem Plan für die Gangaufsichten die ersten zwei Buchstaben der Lehrer zu sehen. Für Vorname und Nachname ist kein Platz auf dem Plan.
Alles wunderbar, wären die Lehrer in der Lage, ihre Gangaufsichten so einzutragen, dass es auch passt.
Aber es gibt immer wieder welche, zu denen ich mich auch zähle, die Gangaufsichten falsch eintragen, bzw. dann eintragen, wenn sie nicht in der Schule sind.
Was nützt es, wenn du dich um dreiviertel acht morgens einträgst, wenn du erst um zehn Unterricht hast?
Ob du es glaubst oder nicht, es haben ziemlich viele Lehrer an manchen Tagen erst um zehn Unterricht.
Die Chefin steht da mit der Liste, weil nichts passt. Weit und breit zu wenige Lehrer, die Gangaufsicht halten.
Es ist Montag fünf vor acht, die Chefin liest vor. Die Lehrer, die da sind und nicht um zehn Unterricht haben, hören zu oder tun so.
Die Chefin ist genervt.
Sie liest vor:
Am Montag früh wäre Scharsi dran im ersten Stock, die hat aber erst um neun Unterricht, also übernimmt Haha die Gangaufsicht. Die Gangaufsicht von Haha um dreiviertel acht im dritten Stock übernimmt dafür Mokla. Die war am Montag um 9.45 im zweiten Stock. Ihre Gangaufsicht übernimmt Fiwa, der am Dienstag um 7.45 in der Garderobe war. In der Früh brauchen wir zwei Gangaufsichten. Zusätzlich zu Fiwa nehmen wir noch Zebi dazu. Behu muss dafür am Dienstag für Fiwa in der Garderobe die Aufsicht halten gemeinsam mit Pfbr. Nun haben wir aber keinen am Dienstag in der großen Pause im dritten Stock. Ladi, gehst du da bitte hinauf gemeinsam mit Grüge. Grüge kann nämlich am Dienstag nur in der großen Pause, weil er vorher schon in der Bücherei mit Rere war. Außerdem fehlt noch jemand im Buffet für die Mittagsaufsicht. Machst du das, Amwo? Amwo bin ich.
Nein, das geht nicht, sage ich. Am Mittwoch habe ich schon zwei Gangaufsichten, eine mit Brolo im dritten Stock und die zweite große Pause mit Pfiga im ersten Stock.
Okay, dann macht die Mittagsaufsicht im Buffet die Aschma mit dem Schaka.
Aschma und Schaka, sage ich zu Brolo. Ob das gut geht? Die streiten doch immer.
Die streiten doch immer, ruft Beba.
Genau, sagt Stano. Das funktioniert nicht, Chefin.
Die Chefin sieht das ein.

Ok, dann machen das halt Pöma und Pika.

So ein Unsinn, ruft Fika, die beiden Jungspunde im Buffet. Das geht nicht.

Ok, dann mach du das, Fika, sagt die Chefin, gemeinsam mit der Pibri.

Fika schnauft, sagt aber nichts. Fika würde lieber mit Urda der jungen Lehrerin die Gangaufsicht halten.

Fika schaut in seinen Plan. Das geht nicht, sagt er. Da hab ich nicht Zeit. Da geh ich schon um zehn heim. Das soll der Etschbe halten.
Du Aff, sagt Husi, der Etschbe ist nicht mehr an unserer Schule.
Wurscht, sagt Fika. Ich kann nicht.
Ok, sagt die Chefin, dann machen die Mittagsaufsicht die Obgu und die Urda. Aber dabei bleibt es nun.
Amwo, du hättest heut um dreiviertelacht Gangaufsicht gehabt, sagt die Chefin zu mir, gemeinsam mit dem Wigo. Du hast wieder einmal vergessen, wie so oft.
In der Früh Gangaufsicht, das geht gar nicht. Du weißt, dass ich in der Früh nicht kann, sage ich. Warum machen das nicht Brgr und Klaru? Die sind eh schon immer um sieben da.
Es ist zwanzig nach acht.
Fiwa, Scharsi, Mokla, Zebi, Behu, Pfbr, Ladi, Grüge,Rere, Stano, Schaka, Aschma, Pfiga, Pöma, Pika, Pibri, Fika, Urda, Etschbe, Husi, Wigo Obgu, Brgr, Klru gehen in ihre Klassen.
Als ich in gehen will, komm ich drauf, dass heute Montag ist und ich erst um neun Unterricht habe.
Also gehe ich mit Brolo Kaffee trinken. Die ist auch zu früh da.

Sonntag, September 14, 2008

wie beim emmentaler


Wenn die Schweizer das schwarze Loch so hinkriegen, wie die Löcher beim Emmentaler, dann sollte ich demnächst mein letztes Vaterunser beten.
Und ich kann nun die ganze Tafel Schokolade aufessen, danach noch das Vanilleeis. Und morgen geh ich zum Wirt’n und hau mir ein Wiener Schnitzel mit Pommes rein.
Weil bald bin ich eh so klein wie eine Ameise, was heißt wie eine Ameise, wie ein Miniatom! Weil die Erde schrumpft ja dann wenn sie im schwarzen Loch ist. Zu einem Golfball oder einem Tischtennisball.
Und da haben keine sechseinhalb Milliarden Leute Platz wenn die alle so groß sind wie Ameisen.
Mein Gott, das ärgert mich nun aber, dass ich ständig mit dem Radl in die Schule gefahren bin, sogar bei jedem Sauwetter. Und den Müll hab ich immer brav getrennt. Jedes Futzerl Müll hab ich vorbildlich entsorgt. Was hab ich mir den ganzen Blödsinn angetan? Eh alles wurscht. Eh alles bald rabenschwarz um mich.
Also, mir taugt das schwarze Loch. Ja, wirklich.
Ich mein, wenn du es dir aussuchen kannst, dann saus ich doch viel lieber wie eine Rakete in ein schwarzes Loch als langsam alt und verschrumpelt zu werden, den Verfall jeden Morgen im Spiegel vor Augen.
Durchs Universum zu sausen, wer hat das schon erlebt?
Ich gehöre zu den wenigen Ausnahmen, die dieses Spektakel erleben dürfen.
Bungee jumping in die Ewigkeit ist das.
Andere bezahlen für eine Reise durchs All Milliarden. Und ich bekomm das ganz umsonst.
Und ich muss auch nicht unter die Erde, wo mich die Maden auffressen, noch muss ich mich in eine Urne, die dann irgendwo jahrelang herumsteht. Wo ich mir weder die Farbe des Sarges noch der Urne aussuchen kann.
Ich weiß noch nicht genau, was ich anziehe, wenn es soweit ist. Wenn es kalt ist, dann nehme ich mir auf jeden Fall den neuen Schal mit, den ich gestern gekauft habe. sonst war der ganz umsonst. Und wenn es heiß ist, dann nehme ich den Bikini, den winzigen, den ich mir vor Jahren gekauft habe und den ich nicht anzieh weil der viel zu klein ist und da beim Bauch…lassen wir das. Aber der passt mir dann wieder wenn ich geschrumpft bin. Wie angegossen wird mir der passen.
Ich bin mir absolut sicher, dass die Schweizer es schaffen werden mit dem schwarzen Loch. Auf einmal wird es da sein. So wie die Löcher im Emmentaler. Die sind auch zufällig passiert und keiner weiß warum.

Samstag, September 13, 2008

liebes tagebuch


Jahrzehntelang haben Menschen, vor allem Mädchen, Tagebuch geführt.
Das Tagebuch konnte man verschließen und den Schlüssel versteckte man in der untersten Schublade mit der Unterwäsche.
Niemand hat dein Tagebuch gelesen, nur deine Mutter. Die täglichen Eintragungen begannen immer mit Liebes Tagebuch. Das Mädchen schrieb immer dann Tagebuch, wenn es Liebeskummer hatte.
Da stand dann: Peter liebt mich nicht mehr. Ich bin so traurig, dass ich sterben will. Dann kam noch ein Herz mit einem Pfeil dazu. Und das war es dann. Bis zur nächsten Eintragung, die mit Liebes Tagebuch begann. Und: Gut, dass ich mit Peter Schluss gemacht habe, ich liebe Andi. Aber Andi liebt mich nicht. Ich bin so traurig, dass ich sterben will. Und dann wieder Herz mit Pfeil.
Heute schreibt kein Mensch mehr Tagebuch, nicht mal Mädchen. Heute schreibt man Blog.
Blog schreiben nicht nur Mädchen, sondern auch Frauen und Männer. Und dein Blog liest jeder. Deine Mutter nicht. Die hat keinen Computer. Tausende von Leuten lesen dein Blog. Wenn du Glück hast. Weil ein Blog ist kein Tagebuch. Weil wenn das Blog ein Tagebuch wäre, dann würdest du es auch verschließen und es in der untersten Schublade deines Wäscheschrankes verstecken. Wo die verwaschenen Unterhosen liegen, die niemals ein Mann je sehen darf.
Millionen von Menschen schreiben Blogs, sie erzählen ihre intimsten Geheimnisse und sind überzeugt, dass niemand, der sie kennt, ihr Geschreibsel liest.
In Wirklichkeit leben neunzig Prozent der Leser deines Blogs im Umkreis von fünfzig Kilometern, zehn Prozent lesen dein Blog sogar an deinem Computer.
Schreibe also niemals im Büro und schreibe auch niemals über deine Arbeitskollegen. Und wenn du über sie schreibst, dann lobe sie in den höchsten Tönen.
Der Großteil der Blogger sind Teenager. Weibliche. Sie schreiben, wie es ist, sich mit Freunden zu treffen ohne je ihr Zimmer zu verlassen. Sie schreiben all das, was ihre Eltern nicht wissen dürfen, wie zum Beispiel: Ich weiß nicht, was ich heute schreiben soll.
Sehr oft entschuldigen sich Blogger bei ihren nicht vorhandenen Lesern wenn sie längere Zeit nicht gebloggt haben. In der Art wie du dich bei deiner Tante entschuldigst, die du alle drei Jahre besuchst, obwohl sie im selben Dorf wohnt wie du. Tante Hannelore, es tut mir so leid, dass ich schon so lang nicht mehr da war, aber ich habe so viel zu tun gehabt.
Es ist schon ganz gut, wenn man als Blogger nicht jeden Tag schreibt. Weil da könnten die Leser ja auf die Idee kommen, man habe sonst nichts zu tun als am Computer zu sitzen und zu schreiben. Sich rar zu machen ist keine schlechte Sache. Ich hab ja so ein bewegtes Leben derzeit, und ich bin derzeit kulturell und sozial so wahnsinnig aktiv und komm nicht zum Bloggen. Dabei hätte ich soviel zu erzählen und dann schreibt der Blogger über die wunderbare Kohlrabiernte in diesem Jahr und stellt ein Foto vom Riesenkohlrabi hinein und dann noch eins vom Urlaub in Lignano und erzählt, wie schön es war und wie lange der Stau war. Und wie gut, dass man wieder daheim ist.
Und dann gibt es drei Kommentare und die loben deinen Riesenkohlrabi und deinen Sprachwitz und sind froh, dass du wieder schreibt.
Tagebücher hatten keine Namen. Sie hießen einfach nur Tagebuch. Das meiner Freundin hieß Diary. Sie hatte einen Onkel in Etobicoke. Das liegt in Kanada. Gleich neben Pepsitown. Ich beneidete sie ein wenig. Aber dafür hatte mein Tagebuch einen goldenen Rand und ihres war nur rosa. Obwohl ich sie auch wegen des Rosa beneidete. Aber das wusste sie nicht. Rosa ist kitschig, sagte ich immer zu ihr. Mein rotes Tagebuch mit dem goldenen Rand hat was Königliches, sagte ich auch.
Blogs haben Namen und können auch rosa sein. Sogar rosa mit gold. Je ausgefallener und je verrückter der Name des Blogs ist, desto besser.
Amadea’s world ist nicht sehr ausgefallen. Aber mir fiel damals nur Salzburger Nockerl ein. Und das klingt nicht sehr ansprechend. Das klingt zäh und rund. Und ich will auf keinen Fall als zäh und rund rüberkommen. Und man will ja gut rüberkommen als Blogger.
Der größte Unterschied zu einem Tagebuch sind die Kommentare. Weil an ihnen siehst du, dass jemand dein Blog liest. Das heißt nun aber nicht, dass er alles liest. Es genügt wenn er die Überschrift liest und was Kluges oder Witziges kommentiert.
Der Grund für den Kommentar ist einzig und allein der, sein eigenes Blog bekannt zu machen.
Das gelingt aber nur wenn er in Blogs, die täglich an die hundert Kommentare haben, seinen Senf dazu gibt. Sonst ist das nur Arbeit und bringt nichts weil es keiner liest.
Unter keinen Umständen solltest du dich je mit einem anderen Blogger treffen. Das bringt nur Frust. Auf beiden Seiten. Und du findest dich garantiert in seinem Blog wieder.
Ich habe mich übrigens entschlossen, ein neues Blog zu beginnen. Eines, in dem ich Hunderte von Lesern haben werde. Eines, in dem ich meine schwarze Seite offenbaren werde. Eines, das die Blogwelt erschüttern wird. Und ich habe auch schon einen Namen – ein wunderbarer Name ist das.
Intime Bekenntnisse einer Lehrerin.
Und da bin ich dann ganz onanym.
Ganz!

Sonntag, September 07, 2008

hopping MAD



Sehr geehrter Gönner!

Ich bitte Sie, diese Mail genau durchzulesen. Ich habe Ihnen nämlich einiges zu sagen.
Es ehrt mich sehr, dass Sie so oft an mich denken und mir unzählige Mails schicken. Es ehrt mich noch mehr und es freut mich auch wahnsinnig, dass Sie mir 500 000 Euro schenken wollen.
Aber wir müssen das ein wenig anders machen, als Sie sich das vorstellen.
Ich hätte da einen Vorschlag.
Überweisen Sie das Geld einfach auf mein Konto. Das ist das Einfachste und es ist viel besser als mir tausende Emails zu schicken, die ohnehin im Spamverdacht-Ordner landen. Ganz automatisch landen die da. Ich mach da gar nichts. Das macht mein virtueller Briefträger. Es bringt nichts. Weder Ihnen noch mir. Sie machen sich nur unnötig viel Arbeit weil ich diese Mails gar nicht lese. Ich habe diese dumme Angewohnheit, all diese Mails sofort zu löschen ohne sie gelesen zu haben.
Ich weiß schon, dass sie ein harter Knochen sind.
Ich weiß es auch zu schätzen, dass sie um meine Gesundheit besorgt sind, aber ich teile ihnen hiermit mit, dass ich eine Frau bin. Also bitte – keine Gratisproben der kleinen, blauen Tabletten. Auch wenn der See, in dem ich gestern geschwommen bin, jetzt schon ziemlich kalt ist, brauche ich dieses Mittel nicht. Ich lebe nicht in der Nähe der Viagrafälle und einen Schniedelwutz hab ich auch nicht.
Ok, ich gebe zu, dass ich manchmal in den Spamverdacht-Ordner schaue. Aber nur ganz kurz.
Ich weiß, ich sollte es nicht tun weil es immer gleich endet. Ich werde wütend.
Da nützt es auch nicht, dass sie mir mitteilen, dass ein Freund von Ihnen ohne seine eigene Schuld in Not geraten ist. Klar tut es mir leid, dass ihr Freund zusätzlich zu seinem Bankrott diesen schweren Verlust hatte und nun ohne ein Dach über den Kopf und völlig blank da sitzt.
Ich hätte da einen Vorschlag. Geben Sie ihm doch ein wenig von dem Haufen Geld, das sie für mich gehortet haben. Bei der riesigen Summe kann ich schon einige Euros abgeben.
Ich bin ja kein Unmensch und bin auch mit 400 000 Euro zufrieden.
Ich habe da noch eine Frage. Entschuldigen Sie meine Neugier. Kennen Sie meinen Namen? Nein? Ich heiße in Wirklichkeit nicht Amadea und World auch nicht.
Schauen Sie: Das ist nicht wirklich ein Name. Nein, das habe ich nur erfunden. Und das a am Ende von Amadea besagt, dass ich eine Frau bin. Das ist Ihnen nicht aufgefallen? Sie sind mir aber ein Blitzgneißer.
Ich verbitte mir also in Zukunft Werbung für jegliche Mittel zur Penisverlängerung, sonst werde ich wirklich grantig.
Im Namen Amadea steckt das Wort MAD. Schauen Sie mal nach, was das auf Deutsch heißt.

good vibrations


Kaum hamma Stadl gsagt, waren wir schon drin, sagte Schneewittchen grinsend beim Hinausgehen.
Die haben sicher gemeint, wir sind Kellnerinnen, antwortete ich.
Wir waren auf einer Hochzeit gewesen, ohne eingeladen zu sein. Wir hatten gegessen und getrunken, ohne zu bezahlen, wir hatten am feierlichen Akt der Vermählung teilgenommen. Und am geselligen Beisammensein.

Wir waren müde vom Herumlatschen in der Stadt.
Wir gehen zum Petersbrunnhof, Schneewittchen, sagte ich. Da ist es gemütlich und das Essen ist fein.
Als wir eintraten, war alles klar. Eine Hochzeit.
Oje, sagte ich zu dem langhaarigen Musiker, der aussah wie ein Zigeuner. Geschlossene Gesellschaft?
Ja, sagte er lächelnd.
Kaum umgedreht, sah ich ihn. Den Chaoskellner. Der, den ich vom Stadl kenne.
Ja hallo, sagte ich. Wir kommen vom Stadl.
Na so was! Er grinste breit. Des g’freit mi owa. Die Resi is a do. Resi, Resi, kimm her, de zwoa san vom Stadl.
Die Resi, auch Mitglied der Chaoskellner und DIE Attraktion der Vorstellung, sauste herbei und drückte dem Schneewittchen und mir ein Busserl auf die Wange mit den Worten, Es zwoa seid’s a überall. Do setzt eich her.
Und bevor wir noch was sagen konnten, schob sie uns Richtung Tisch einer Gruppe langhaariger, bärtiger, tätowierter Motorradfahrer.
Und da saßen wir nun. Die Männer schauten uns an, prosteten uns zu und lachten. Schneewittchen, ich pass da gar nicht herein mit meinem pinken T-Shirt.
Siehst, sagte sie, ich bin passend angezogen. Ich hab das schon gefühlt, dass wir heut noch zu einer feinen Gesellschaft gehen.
Sie zog ihre Jacke aus. Gut, dass ich ein Tattoo habe, sagte sie und präsentierte stolz ihre Blume am Schulterblatt unter dem schwarzen Seidentop.
Wein stand schon auf dem Tisch. Der Kellner kam. Was wollt ihr essen? fragte er und brachte zwei Gläser.
Prost, Schneewittchen sagte ich, auf einen gemütlichen Abend.
Wir bestellten. Schneewittchen aß nur die Vorspeise und ich die Eierschwammerl. Während wir aßen, wurde die Stimmung immer besser.
Die Chaoskellner waren mittlerweile auf der Bühne und gaben ihr Bestes. Resi machte ihren Striptease. Die Menge grölte und war außer Rand und Band.
Schau mal, das ist die Braut, sagte Schneewittchen. Sie heißt Silvia. Und den Bräutigam habe ich gerade auf der Treppe getroffen, als ich zum Klo ging.
Die Braut trug schwarze Leggings, darüber ein weißes Kleid. Ihr wasserstoffblondes Haar zu einem Vogelnest aufgesteckt. Sie hatte ein hübsches Gesicht.
Des is da Bräutigam? fragte ich Schneewittchen. Wie kann sie nur so einen Zwerg heiraten?
Momo, der Bräutigam reichte ihr nur bis zur Schulter und hatte diese für Motorradfahrer typische Frisur. Vorne nix und hinten lang und fransig. Seine Haare sahen aus, als hätte er sie wochenlang nicht gewaschen.
Der Name Rumpelstilzchen würde besser passen, sagte ich.
Wir schauten uns um. Es gab alles. Es gab Gäste in Dirndlkleid und Lederhose, es gab Gäste in Abendkleid und Anzug. Der Grossteil waren Biker, schwarz gekleidet mit Lederweste undt riesigem Logo am Rücken. Und es gab uns.
Ich versteckte mein Plastiktasche mit der Hose, die ich mir gekauft hatte, unter dem Tisch.
Auf einmal ein lauter Tusch. Der Hochzeitslader, auch in Leder, bat um Ruhe.
Wir kommen nun zum wichtigsten Teil, sagte er. Alle grölten. Zur Vermählung.
Mah, Schneewittchen, wos kimmt denn hiaz? fragte ich. Noch eine Einlage?
Die Einlage kam in Form des Pfarrers. Er bat um Ruhe. Und fing an zu reden. Über den Sinn der Ehe, über die Liebe. Das Übliche halt.
Das Publikum grölte und prostete ihm zu. Silvia und Momo gingen auf die Bühne.
Nimm diesen Ohrring als Zeichen meiner Liebe, sagte Silvia feierlich und steckte ihrem Momo ein Piercing ins Ohrläppchen.
Und Momo hob seine Fransenfrisur hoch, hielt der Silvia sein Ohr hin und sie küsste es. Die Braut bekam einen Ring. Und sie schworen einander ewige Liebe und Treue in guten und schlechten Zeiten und alles andere auch was man halt so sagt wenn man heiratet.
Und dann kam der Kuss und die Biker pfiffen und riefen Prost und der Pfarrer bat um Ruhe in diesem würdigen Moment und schon waren die beiden verheiratet.
Die Band spielte 'Sexmachine' und alle tanzten. Wir nicht. Wir waren regungslos. Und sprachlos.
Na, woher kommt denn ihr zwei? fragte einer in kurzer Lederhose und setzte sich zu uns an den Tisch.
Aus Tirol, sagte Schneewittchen.
Aus Wörgl, sagte ich schnell.
Na so ein Zufall, da kenn ich den Weird gut, der ist auch beim Motorradlklub. Seid’s ihr heit mit da Maschin do?
Nein, sagte Schneewittchen. Heute nicht. Wir haben ja ein Geschenk dabei.
Was habt ihr denn?
Eine Bodenvase, sagte Schneewittchen.
Na, dann ist es klar, dass ihr nicht mit dem Bike da sind.
Ich sagte nichts mehr.
I kimm glei wieder, sagte der Lederhosenmann und ging Richtung Toilette.
Schneewittchen!
Sag nun nichts, Amadea. Ich weiß schon, was ich tue. Ich regle das alles.
Die Gäste stellten sich zum Weisen an. Weisen ist das Übergeben der Geschenke an das Brautpaar.
Hol die Bodenvase, sagte ich zu Schneewittchen.
Ich hab was anderes, grinste sie und hielt mir ihre Handtasche hin. Greif mal.
Die Handtasche vibrierte. Schneewittchen nahm den Vibrator aus der Tasche.
Den hast noch immer mit? fragte ich.
Sie hatte ihn vor einigen Wochen, in einer Bar einer angehenden Ehefrau, die ihren Polterabend feierte, für fünf Euro abgekauft.
Untersteh dich, sagte ich. Wir müssen weg. Es wird gefährlich, schau mal.
Der Mann mit der kurzen Lederhose, der an unserem Tisch gewesen war, stand nun neben dem Bräutigam und flüsterte in sein Ohr. Er schaute zu uns her. Gleich darauf schaute auch Momo zu uns her.
Wir fliegen auf, sagte ich. Schnell weg.
Ich schnappte mein Plastiksackerl mit der neuen Hose. Schneewittchen folgte mir den Vibrator noch immer in der Hand. Er surrte leise.
Wir zwängten uns durch die Menge.
Und die Band spielte 'Good Vibrations'.