Montag, Juni 23, 2008

the law of politeness ?


Kennst du das?
Du gehst auf’s Klo, erledigst dein Geschäft und greifst zum Klopapier. Und was siehst du? Ein kleines Stückerl Papier hängt da einsam am Klopapierhalter. Mit dem kannst du dich nicht mal schnäuzen geschweige denn den Hintern abwischen.
Da war vor dir jemand auf dem Örtchen und hat dir aus lauter Höflichkeit oder Faulheit – je nachdem – eine winzig kleines Futzerl Papier übrig gelassen.
Ein anderes Beispiel.
Du gehst zum Kühlschrank, nimmst die Milch heraus und merkst, dass nur mehr ein kleines Tropferl im Packerl ist. Zu wenig für deinen Kaffee.
Und so geht das weiter. Eine kleine Praline in der Riesenbonbonniere, ein kleines Kekserl in der Packung, ein kleines Eckerl Käse im Papierl, ein kleines Stück Schokoladekuchen auf dem Teller, ein Scherzerl Brot in der Brotlade, ein halber Kaffeelöffel Kaffee in der Dose, fünf Körnchen Reis im Topf, zwei Messerspitzen Pesto im Glas, fünfzehn Haferflocken im Sackerl.
Ein anderes Beispiel: Du bist bei Freunden zum geselligen Beisammensein eingeladen. Es gibt belegte Brötchen. Alle greifen zu. So lange, bis nur mehr eins am Teller liegt. Das nimmt keiner. Nicht mal der größte Vielfraß, der zwei Drittel der Brötchen verschlungen hat. Auf einmal ist jeder höflich. Es hätte zwar jeder gerne, dieses letzte Brötchen, aber keiner traut sich, es zu nehmen.
Beim Knabbergebäck dasselbe. Ganz zum Schluss bleibt einsam und verlassen ein halbes Soletti übrig oder ein kleines Salzbrezerl.
Woran das liegt? Meiner Meinung nach gibt es zwei Gründe dafür: Höflichkeit und Faulheit.
Der Höfliche denkt sich:
Ich kann doch nicht das ganz Klopapier verbrauchen, ich lass noch drei Futzerl für den nächsten da. Der freut sich dann.
Der Faule denkt sich:
Ich kann nicht das ganze Klopapier nehmen, sonst muss ich eine neue Rolle holen, sie ins Klo tragen, auf den Klopapierhalter drapieren. Nein, das freut mich nicht. Das soll der nächste machen.
Das gilt für alles andere auch: Für das Kaffeepulver, für das Brot, für den Schokoladekuchen, für die Milch.
Und all diese kleinen Reste, die aus Höflichkeit und Faulheit übrig gelassen werden, führen immer wieder zu riesengroßen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eheleuten, Pärchen, Mitbewohnern und Menschen, die gemeinsam in einer Wohnung leben. Tagtäglich machen wir aus einer Portion Nudeln, mit der man satt werden würden, zwei, indem wir nur die Hälfte nehmen. Diese Hälfte wird dann wiederum aufgeteilt und wieder und wieder bis nur mehr eine einzige Nudel am Teller im Kühlschrank liegt.
Dem Faulen kannst du wenigstens unterstellen, dass er sich Arbeit ersparen wollte, aber dem Höflichen kannst du gar nichts vorwerfen. Da bekommst du dann eine beleidigte Antwort, wie – Ich wollte nur höflich sein und dir etwas Schokoladekuchen übrig lassen, wo du ihn doch so gern ist.
Dass das aber gerade das Gegenteil von höflich ist, davon will derjenige nichts hören.
Ist das höflich, wenn da noch ein winziges Schokoladenkuchenbröserl am Teller liegt, das nicht mal eine Maus sättigt und nur deinen Gaumen nur kitzelt?
Also lass das. Es bringt nichts außer Ärger und Verdruss.
Wenn du dir einen Kaffee machst, dann nimm den Rest Milch und lass nicht einen Tropfen übrig für mich, nur weil du zu faul bist, das Packerl zu entsorgen und frische Milch zu kaufen.
Und nimm das ganze Stück Sachertorte, auch wenn du höflich sein willst. Wenn ich eine Sachertorte will, dann will ich ein großes Stück.
Iss das Wienerschnitzel, das im Kühlschrank ist und räum den Teller danach in den Geschirrspüler.
Und wenn du am Klo sitzt, dann nimm auch das letzte Futzerl Papier und hol eine neue Rolle aus dem Vorratschrank und richt alles ordentlich her. Und die leere Rolle schmeißt du nicht einfach ins Eck.
Wo ist übrigens die Mozartkugel, die da noch eben im Sackerl war? Die hast du gegessen? Einfach so? Ohne mich zu fragen? Du bist gemein, hundsgemein.
Die hat mir gehört, mir! Wie kannst du nur so gierig sein?

Freitag, Juni 20, 2008

youknowitall


Amadea, du bist eh oiwei so g’scheit. Meine Schüler haben mich heut gefragt, was Rosenkranz auf Englisch heißt, fragt mich der Kollege.
Es fällt mir nicht ein.
Aber weil i eh imma so g’scheit bin, sag ich: Pearls of pray. Man kann auch sagen pearls of prayer, was meiner Meinung nach schöner ist. Nicht zu verwechseln mit birds of prey. Und sprich das prayer auch schön aus. Prääääaaah, gell?
Der Kollege ist beeindruckt.
Schönes Wort, nicht wahr, sage ich noch drauf, um dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Man sagt ja auch pearls of sweat, nicht wahr? Das kennst du doch.
Der Kollege nickt.
Lo, die Frau Deutschlehra kommt dazu. Ich weihe sie schnell ein.
Lo, weißt du, was Rosenkranz auf Englisch heißt? fragt sie der Kollege.
Klar, pearls of pray oder prayer, sagt sie. Das weiß doch jedes Kind. Dem Englischkollegen bleibt die Luft weg.
Erna, auch Englischlehrerin setzt sich zu uns.
Und wieder fragt der Kollege: Hast du gewusst, Erna, dass Rosenkranz auf Englisch pearls of prayer heißt?
Nein, wär mir nun spontan nicht eingefallen. Aber ich habe es schon mal gehört, antwortet sie.

Zu Hause schau ich im Dictionary nach. Rosary – der Rosenkranz.
Ja, hab ich schon mal gehört. Sind wir nicht toll, wir Lehrer? Wir finden für alles eine Erklärung. Wir wissen alles.
I even know that a „spotted dick“ is not a „sexually transmitted disease“ but a dessert.

Montag, Juni 16, 2008

ich hätt' da eine idee . . .


Ich hätt schon eine Idee, wie wir sicher stellen könnten, heute zu gewinnen. Vergiss die Taktik, vergiss die Strategie.
Das Geheimnis liegt im Rasen.
Die Deutschen mit ihrer Gründlichkeit und ihrer Pedanterie sind es gewohnt, auf einwandfreiem Rasen, auf dem jedes Grasstängerl gleich lang und gleich dick ist, zu spielen.
Wenn da ein Graserl a bissl a andere Farbe hat und a bisserl länger ist, dann kommen die ganz aus dem Konzept.
Und wenn dann noch hier und da ein Gänseblümchen sprießt oder ein kleines Löwenzahnderl, vielleicht mit ein paar Bienen drauf, dann wäre die Sache geritzt. Wenn mich jemand fragen würde, aber mich fragt ja keiner, dann würde ich in der Nähe des Tores statt der Abseitsfalle eine andere Falle basteln. So ein kleines Biotop mit ein oder zwei Fröschen.
Warum lässt man das Fußballfeld nicht von einem g'schlamperten Hausmeister mähen?
Außerdem sähe das viel schöner aus ohne diese langweiligen grünen Streifen.
Ein unregelmäßig karierter oder bunt getupfter Rasen wär doch was Feines.
Aber nun ist es zu spät.
Also lassen wir das Disaster auf uns zukommen.

Sonntag, Juni 15, 2008

some things never change


Wenn es an unserer Schule etwas Außergewöhnliches gibt, dann bin ich diejenige, die das fotografiert. So auch dieses Mal.
Betriebsausflug.
Ich habe viele Fotos gemacht.
Ich habe einen Berg, einen Wasserfall, eine Kuh und ein Lama -vom Streichelzoo- fotografiert. Ich habe drei Fotos von Kollegen, die in Reih und Glied vor dem Heustadl ihre Notdurft verrichten. Ich habe zweihundertfünfzig Fotos vom geselligen Beisammensein.
Die Lehrer beim Essen, die Lehrer beim Zuprosten, die Lehrer beim Trinken, die Lehrer beim Singen, die Lehrer beim Verbrüdern, die Lehrer beim Zuprosten, die Lehrer beim Trinken, die Lehrer beim Trinken, die Lehrer beim Trinken.
Der Großteil des Betriebsausflugs findet sitzend in Bus und Gasthaus bei Bier und Wein statt. Lehrerbetriebsausflüge sind vor allem laut.
Bevorzugte Themen: Witze und Anekdoten. Die Witze sind alle unterhalb der Gürtellinie und politisch inkorrekt.
Anekdoten haben immer mit früheren Betriebsausflügen zu tun und beginnen immer mit dem Satz: Wisst’s es no?
So auch dieses Mal: Wisst’s es no, als wir damals in Südtirol beim Törggellen waren? Es gibt keine Schule in Österreich, die anlässlich eines Betriebsausflugs nicht in Südtirol beim Törggellen war.
Wisst’s es no, als der Helmut so besoffen war, dass er sein Zimmer nicht mehr fand? Es gibt keinen Betriebsausflug, an dem nicht mindestens ein Lehrer, immer männlich, sein Zimmer nicht mehr findet.
Im günstigen Fall verirrt sich dann der Lehrer, der meist fortgeschrittenen Dienstalters ist, in ein Zimmer einer Junglehrerin im ersten Dienstjahr, die aufgrund vermehrten Alkoholkonsums den Schmeicheleien und Zuwendungen des älteren männlichen Kollegen nicht abgeneigt ist.
Im ungünstigen Fall ist das Zimmer der Junglehrerin versperrt und der ältere, männliche Kollege irrt eine Stunde von Stockwerk zu Stockwerk, um dann doch einen freundlichen weil besoffenen Kollegen zu finden, der nicht merkt, dass sich ein anderer zu ihm ins Bett legt.
Dieses Mal hatten wir einen besonderen Betriebsausflug. Gibt es etwas Schöneres, auf Betriebsausflug zu fahren, mit der Gewissheit, dass wir am Montag die Deutschen im Fußball panieren werden?
Der heurige Slogan beim Betriebsausflug war demnach: Wisst’s es no in Cordoba? Das Wort Cordoba hörte ich an diesem Wochenende ungefähr hundertfünfzig Mal – in allen Varianten. Geflüstert, gerufen, gebrüllt, gesungen, gelallt.
Der zweite Slogan war: Wisst’s es no, am Freitag, als wir in der dreiundneunzigsten Minute gegen Kroatien . . .?
Als ich sagte, dass ich das Tor nur gesehen hatte, weil ich dachte, das Fußballspiel sei schon zu Ende, konnte ich mich gerade noch ducken. Sonst hätt ich eine auf die Birne bekommen.
Kaum angekommen im wunderschönen und zwei Grad kalten Osttirol im achthundert Jahre alten Tauernhaus, versammelten sich alle vor der Riesenleinwand. Holland gegen Frankreich.
Mir persönlich gefielen ja die hellblauen Stutzen der Holländer nicht. Wie kann man hellblau und orange kombinieren? Irgendwie erinnerte mich das Spiel an Tischfußball, so wie die dahin liefen. Aber irgendwie nett anzuschauen, die bunten Manderl auf dem giftgrünen Rasen mit dem roten Schiri in der Mitte und den Zuschauern dahinter, die aussahen wie rote Geranien.
Als das erste Tor fiel, Jubel. Ich kapierte das nicht ganz und fragte ob es für Österreich ein Vorteil sei, wenn die Holländer gewinnen würden.
Nein, das ist wurscht - antwortete Robbie, unser Fußballfreak, auf die Frage, warum dann alle für die Holländer seien, und - Die Holländer sind einfach geiler.
Aber die Franzosen sind bessere Liebhaber, warf ich ein. Aber es war niemand meiner Meinung, nicht mal meine Kolleginnen.
Rasieren sich die Fußballer auch ihre Beine so wie die Radler? fragte ich den Gü, unseren Rennrad fahrenden Kollegen, der pro Jahr vierzehntausend Kilometer radelt. Er wusste es nicht, gab uns aber zu verstehen, dass er rasierte und eingeölte Männerbeine in Radlerhosen toll fände. Seine Freundin, sagte er, bekäme immer einen Orgasmus, wenn sie ölige, glatte Männerbeine sähe.
Ich finde haarige Männerbeine erotisch, sagte ich, aber Orgasmus bekomm ich deswegen keinen. Außerdem haben behaarte Männerbeine den Vorteil, dass man die Krampfadern nicht so gut sieht.
Wo käme man denn hin, wenn Frau wegen eines Männerbeines einen Orgasmus bekäme? Da wären ja all die Orgasmusbücher umsonst, wenn das so einfach wäre.
Sicher vorgetäuscht, sagte ich zu Gü und – Über den Orgasmus reden wir nun nicht – aber der Gü hörte das nicht mehr, weil die Musiklehrerin schon das nächste Lied anstimmte. Marina, Marina, Marina. Dann kam noch Der Wildschütz, Weil’st a herz host wia a Beagweak und zum Schluss der Andachtsjodler.
Als das dritte Tor fiel, fielen mir die Augen zu.
Ich ging ins Bett.
Am Morgen beim Frühstück war der erste Satz, den ich hörte: Wisst’s ihr noch voriges Jahr? Da hat der Tim sein Zimmer auch nicht gefunden.
Some things never change.

Dienstag, Juni 10, 2008

dienstag


Dienstag ist der schlechteste und schlimmste Tag der Woche und das scheint niemand zu bemerken.

Beginnen wir mit dem Mittwoch.
Am Mittwoch kannst du sagen: Heute habe ich die Hälfte der Woche hinter mir.
Das ist nicht viel, aber immerhin. Es ist etwas.

Der Donnerstag ist eigentlich kein wirklicher Tag.
Der Donnerstag ist der Tag vor dem Freitag. Man könnte ihn als Vor-Freitag bezeichnen. Der Donnerstag zählt nur gemeinsam mit dem Freitag.
Am Donnerstag denkst du den ganzen Tag: Morgen ist Freitag. Der Donnerstag als Tag zählt nicht.

Kommen wir zum Freitag. Der Freitag ist der beste Tag der Woche.
Am Freitag denkst du an das Wochenende. Du denkst daran, wie toll es sein wird, auch wenn du den ganzen Tag nur herumsitzt oder die Wohnung putzt. Aber das weißt du am Freitag noch nicht.
Du weißt nur, das bevorstehende Wochenende könnte das tollste Wochenende deines Lebens werden. Darum ist der Freitag so toll.

Der Samstag ist wunderbar.
Am Samstag kannst du alles tun was du willst.
Am Samstag bist du dein eigener Chef. Du kannst den ganzen Tag im Schlafanzug herumlümmeln, du kannst im Bett bleiben so lange du willst.
Samstag ist der Höhepunkt der Woche.

Der Sonntag ist auch ein guter Tag, aber nicht so toll wie der Samstag.
Du kannst auch tun was du willst, aber du kannst dich nicht so gehen lassen wie am Samstag. Du musst das sonntägliche Mittagessen einnehmen, und kannst dies nicht im Schlafanzug tun. Es kann sein, dass die Schwiegermutter zum Kaffee kommt. Es kann sein, dass du mit der Familie etwas unternehmen musst. Und du musst vielleicht Dinge erledigen, die du am Samstag nicht erledigt hast. Fensterputzen oder Rasen mähen zum Beispiel.
Am späten Nachmittag fällt ein dunkler Schatten auf den Sonntag. Der Schatten des Montags.

Montag ist der Tag, den jeder hasst.
Eigentlich unfair. Du bist ausgeruht. Du kannst deinen Kollegen erzählen, welch tolles Wochenende du hattest.
Du kannst den Montagmorgen gemütlich gestalten und so langsam in die Arbeitswoche hinein gleiten.
Manchmal hast du auch am Montag frei. Es gibt doch einige Montage im Jahr, die Feiertage sind. Also sei nicht ungerecht dem Montag gegenüber. Er ist nicht so schlecht wie sein Ruf.

Und nun wiederum zum Dienstag.
Wie oft hat man am Dienstag einen Feiertag? Ganz selten.
Und wenn der Dienstag ein Feiertag ist, so nervt das nur. Wer braucht mitten in der Woche einen Feiertag? Niemand.
Der Dienstag macht alles falsch. Alles!
Falls der Montag dein schlimmster Tag ist, so überdenke deine Einstellung. Das stimmt nicht.
Dienstag ist bei weitem schlechter. Bei weitem! Am Dienstag bist du nicht mehr ausgeruht, und der Freitag ist so weit weg, dass es sich nicht lohnt, an ihn zu denken.
Ich glaube, das Problem mit dem Dienstag ist, dass wir auf ihn vergessen. Wir vergessen ihn, weil wir so beschäftigt sind mit dem Montag. Wir sind so geschockt vom Montag, dass wir gar nicht sehen, dass der Dienstag um vieles schlimmer ist.
Hast du je irgendjemand sagen gehört: Toll, endlich haben wie Dienstag! Oder: Super, heute haben wir schon Dienstag! Niemals hast du das gehört, nicht wahr? Und du wirst das auch niemals hören. Von niemandem.
Der Dienstag ist für mich jedenfalls der neue Montag. Mit dem Montag komme ich zurecht. Ich habe schließlich zwei Tage, in denen ich mich auf den Dienstag vorbereiten kann.
Auf den Dienstag kannst du dich nicht vorbereiten. Der ist einfach da. Der Dienstag springt dich an und schlägt auf dich ein wenn du schon am Boden liegst.
Ja, so ist das!
Also, lieber Leser: Nimm deine rosarote Brille ab. Der tut niemandem einen Dienst, der Dienstag. Dir auch nicht.

Mittwoch, Juni 04, 2008

tralfamadore


Entschuldigung.
Was?
Was würde passieren, wenn sie Ihre Musik ein wenig leiser machen würden?
Was?
Ich nehme an, Sie haben Probleme mit Ihren Ohren.
Was?
Ich nehme an, Sie sind schwerhörig, weil die Musik so laut ist. Und deshalb komme ich auch in den Genuss. . .
Was?
. . . Ihre Musik zu hören.
Was?
Sehen Sie dieses Buch? Kennen Sie Slaughterhouse-5?
Was?
Sie können bestimmt Englisch, nicht wahr?
The second letter started out like this: ‘The most important thing I learned on Tralfmadore was that when a person dies he only appears to die. He is still very much alive in the past, so it is very silly for people to cry at his funeral. All moments, past, present and future, always have existed, always will exist.’
Was?
Wissen Sie, manchmal ist es mir egal, was andere Leute von mir denken. Manchmal ist es mir egal, ob ich irgendwen nerve oder nicht. Sie verstehen das doch, oder?
Was?
Ich habe grad so große Lust, laut zu lesen.
Was?
Geht es Ihnen nicht auch manchmal so?
Was?
Es geht doch nur darum, dass man Spaß hat, nicht wahr?
Was?
Ich sehe, dass Ihnen mein Buch nicht gefällt. Oder sollte ich lauter lesen?
Was?
Oder deutlicher. An der Aussprache kann es nicht liegen. Mein Englisch ist doch okay, oder?
Was?
Vielleicht gefällt Ihnen nur die Art nicht, wie ich lese. Ich glaub, ich sollte emotionaler lesen, finden Sie nicht?
Was?
Ich werde noch ein wenig üben. Vielleicht treffen wir uns ja wieder einmal. Wer weiß.
Was?
Kennen Sie den Spruch? Man trifft jeden Menschen zwei Mal im Leben.
Was?
Auf Wiedersehen. Übrigens – das nächste Mal bitte kein Techno, geht das?
Ich steige aus.
Er schaut mich an. Entrückt. Entsetzt. Wie von einem anderen Planeten.
So wie Billy. Wie Billy Pilgrim. Gekidnappt von den kleinen grünen Männchen von Tralfamadore.

Montag, Juni 02, 2008

fit mach mit


Lo geht seit neustem ins Fitnessstudio.
Das ist toll, Amadea. Du musst auch mit. Es gibt da ein Wahnsinnsangebot. Zwei Monate lang für nur 20 Euro. Und du kannst jeden Tag rein, solange du willst.
Lo, lass mich in Ruhe mit dem Fitnessstudio. Ich war da voriges Jahr. Das ganze vorige Jahr. Regelmäßig zwei Mal pro Woche. Und jedes Mal musste ich mich überwinden. Ich ging da hin weil ich eine Jahreskarte hatte und die sauteuer war. Es war ja ganz nett. Besonders nachher. Wenn ich mich geduscht hatte und mich dann auf der Couch ausruhte. Aber es ist nun Schluss mit Fitnessstudio. Weil eines Tages hatte ich da einen stechenden Schmerz. Da oben in der Schulter. Und jedes Mal wenn ich den Kopf drehte, dann knackste es. Und den Arm konnte ich nur mehr bis zum Kinn heben. Und erst seit einigen Monaten geht das wieder. Erst seit einigen Monaten kann ich den Arm wieder bis zur Nase heben. Und das dauert sicher noch ein Jahr, bis ich ihn ganz hochheben kann. Ich habe mich da irgendwie überdehnt. An diesem Bizepsmuskeltrainingsgerät. Ich kann mir die Namen nie merken. Irgendwas mit Crunch. Und es wär ja auch gesund. Das weiß ich schon. Aber ich tu eh jeden Tag etwas. Ich geh jeden Tag raus und schnauf hinauf auf den Berg. Aber ich geh nimmer ins Fitnessstudio. Ich bin ganz zufrieden mit meiner Figur. Angezogen jedenfalls. Klar würd’ ich nackig besser ausschauen wenn ich regelmäßig trainieren würde. Aber wer sieht mich schon nackig? Diejenigen, die mich nackig sehen, kennen mich eh schon und denen würde das eh nicht auffallen, wenn mein Bauch einen halben Zentimeter dünner und mein Bizeps einen halben Zentimeter dicker wäre.

Ich erinnere mich, als ich das erste Mal da rein ging. Es war ein Hardcore Fitnesscenter.
Bodybuilders, muskulöse Polizisten und Soldaten waren da. So sahen sie halt aus.
Ich ging da eigentlich nur hin, weil es direkt neben der Wohnung war, in der ich damals lebte.

Ich weiß, wie das geht, höre ich eine Frau schreien.
Ich drehe mich um und sehe eine junge Blondine auf dem Fahrrad direkt hinter mir. Neben ihr der muskelbepackte Instructor.
Sie schaut grantig.
Sie machen das falsch, sagt er. Ich zeige es Ihnen.
Ich mach das schon seit zehn Jahren, schreit sie. Ich brauche keinen, der mir zeigt, wie das geht.
Ich grinse. Dann hat sie mit acht Jahren angefangen.
Ich will Ihnen ja nur helfen, sagt der Muskelmann beleidigt. Er geht weg.
Ich bin fertig mit meinem Gerät und gehe zum Stepper.
Im selben Moment kommt einer dieser Männer und setzt sich neben mir auf die Rudermaschine.
Einer dieser wahnsinnig fitten älteren Männer. Sein Knie eingebunden, am Hals eine pulsierende Ader, die aussieht, als würde sie jeden Moment platzen, setzt er sich und fängt an zu rudern.
Und er rudert wie wahnsinnig. Bei jeder Bewegung stöhnt die Maschine und gibt ein Geräusch von sich.
Man sieht, dass er den Großteil des Tages hier verbringt. Vermutlich ein Frühpensionist oder einer, der bei der Bahn war und mit fünfzig in Pension ging.
Ich schaue weg und versuche, an etwas Schönes zu denken. Aber wie kannst du an etwas Schönes denken, wenn da neben dir ein Folterinstrument quietscht und stöhnt?
Der wahnsinnig fitte Wahnsinnige stöhnt auch. Ich sehe, wie Schweiß auf den Boden tropft. Im Rhythmus der Rudermaschine.
Auf einmal riecht es nach Zwiebel. Zwiebelschweiß!
Es riecht nicht, es stinkt. Das hat mir noch gefehlt.
Ich bin genervt.
Sei nicht so empfindlich, Amadea, sage ich zu mir. Übe dich in Toleranz. Sieh es als Herausforderung.
Ein Fitnessstudio ist ein wunderbarer Ort, zu lernen, tolerant zu sein. So wie U-Bahnen, O-Bussen und Flugzeugen.
Ich reiße mich zusammen und atme durch den Mund.
Nach zehn Minuten gebe ich auf. Ich steige vom Stepper und bin weg. Das war das letzte Mal, dass ich hier war. In ein Fitnessstudio bringen mich keine zehn Pferde mehr. Und wenn das Angebot noch so toll ist und so wahnsinnig günstig.

Diesen Text schrieb ich im Jänner.

Nun ist Juni. Und ich bin wieder im Fitness Studio. Seit Februar. Dieses Mal sogar drei Mal pro Woche. Mein Bauch ist fünf Millimeter dünner und mein Bizeps fünf Millimeter dicker.
Alles wunderbar.
Alles super.
Heute war er wieder da, der wahnsinnig fitte Wahnsinnige.
Aber heute war alles okay!
Heute stöhnte die Rudermaschine nicht!
Heute stank er nicht nach Zwiebel!

Er stank nach Knoblauch.