Sonntag, Mai 25, 2008

Na geh


Während die Waschmaschine noch überlegt, ob sie ihre Trommel nach rechts oder nach links drehen soll, und sich dann doch mit vollem Bauch zur Ruhe begibt, erhöht der Kühlschrank, ganz still und leise, seine Temperatur und hinterlässt eine grüne Flüssigkeit auf dem Küchenfußboden.
Als ich mürrisch die Brühe aufwische und in die Abwasch gieße, bekommt der Syphon plötzlich Darmverschluss und furzt mich an.
Gleichzeitig rülpst die Waschmaschine laut und kurz, legt den Turbo-Schleudergang ein und wandert Richtung Küche.
Ich fauche den Kühlschrank an, knalle ihm seine Tür vor der Nase zu, renne zur Waschmaschine, nehme ihr den Saft und verpasse dem Syphon einen Einlauf.
Erschöpft schalte ich die Kaffeemaschine ein.
Sie zischt und gibt den Geist auf.
Was für ein Sonntag.

Freitag, Mai 23, 2008

in the middle of the night


Es ist schon eigenartig wenn du mitten in der Nacht wach wirst und nicht wieder einschlafen kannst.
Mir passiert das manchmal.
Ich bin dann so hellwach, als ob ich acht oder neun Stunden durchgeschlafen hätte. Gestern nacht war so eine Nacht. Putzmunter. Um drei Uhr morgens.
Wenn es nicht finster gewesen wäre, hätte die Fenster geputzt oder den Keller aufgeräumt.
Aber du kannst um drei Uhr früh solche Dinge nicht tun.
Also entschloss ich mich zu lesen. Aber ich war zu wach und konnte mich nicht konzentrieren. Ich dachte an so aufregende Sachen wie im Zug durch zu Sibirien fahren und Bungee-jumping. Ich dachte an Tiefseetauchen und Hochseilklettern. Die unmöglichsten Dinge dachte ich.
Eigentlich dachten die Dinge in mir. Sie wirbelten nur so herum in meinem Gehirn.
Ich meine, es ist ja nicht schlimm, wenn du mitten in der Nacht wach bist. Du könntest so tun, als ob es Abend wäre.
Du hast elektrisches Licht, einen Computer, einen Fernseher, einen DVD-Player.
Du könntest malen, fotografieren, schreiben oder Englischhefte korrigieren.
Du könntest spazieren gehen.
Du könntest mit dem Rad den Fluss entlang fahren.
Alles könntest du tun.
Aber du tust es nicht. Nicht wenn es drei Uhr morgens ist.
Also machte ich mir eine Tasse Kaffee und legte mich auf die Couch um es gemütlich zu haben.
Doch das ging nicht. Es war nicht gemütlich, weil die Gedanken so schnell und ungemütlich waren.
Ich trank den Kaffee zu schnell aus und machte mir noch eine Tasse, dieses Mal einen Mokka. Den wollte ich gemütlich trinken und langsam. Aber der war weg in einem Schluck und es war irgendwie langweilig auf der Couch und nach wie vor nicht gemütlich.
Also ging ich wieder ins Bett um zu schlafen, um einzuschlafen, um zu versuchen, einzuschlafen. Es ging nicht.
Es war zu laut.
Da waren Geräusche. Hunderte Geräusche oder tausende.
Ich hörte Holzbalken knarren. Dabei gibt es im Haus keine Holzbalken.
Ich hörte Fuchs und Uhu im Wald. Dabei gibt es keinen Wald in der Nähe.
Ich hörte ein Autorennen. Dabei gibt es hier keine Straße, auf der Autos rennen.
Ich hörte, wie jemand mit der Axt erschlagen wurde. Dabei heizt hier jeder mit Öl. Ich hörte das Dahinschleifen eines Teppichs auf dem Asphalt. Ich hörte das Öffnen eines Kofferraumes. Ich hörte ein Auto davon rasen.
Ich hörte eine Opernsängerin eine Arie trällern.
Ich hörte einen Holzwurm nagen.
Ich hörte einen Wolf heulen.
Ich hörte ein Nebelhorn.
Ich hörte das Meer rauschen.
Ich hörte eine Kaffeemaschine glucksen.
Sie zischte: Aufstehen. Kaffee ist fertig.
Ich hörte mich fluchen: Verdammt, heute ist Feiertag und es ist halb sechs.

Guten Morgen.

Mittwoch, Mai 21, 2008

einer


Ich war Einer gegen 100 und Der Alte unter all den Topmodels und dem King of Queens.
Ich hoff, ihr Zeit im Bild, wenn ich euch sag, dass ich auch Schöner Leben will, so wie die Super Nanny.
Ich komme ja aus einer Schrecklich netten Familie und Mein cooler Onkel Charly, der mit der ZIB-Flash aufgezogen wurde, lebte damals im Bundesland, heute bekannt als O.C. California.
Ich war Edel und Starck und schlief auf der VIP Lounge. Mein Freund Beckmann sagte Mal Com, mal Hi Society zu mir obwohl ich Monk hieß.
Bereits im Alter von Zwei bei Kalwass erlebte ich Wege zum Glück und war Reich und schön. Aber Unter uns Leute heute sind ständig Unter Volldampf.
Ich hatte ein Wildes Kinderzimmer. Wir wohnten damals im Forsthaus Falkenau in Dawson’s Creek und wann immer der Kerner kochte, gab es Dill or no Dill. Das war eine Küchenschlacht! Kerners Kochkunst war ziemlich Niedrig und Kuntz besser g’wesen sein. Doch ich weiß – Österreich isst besser und meine Frau, Anne Will, dass der Lafer kocht.
Meine Frau lernte ich in Seinfeld kennen. Am Anfang war es Verbotene Liebe.
Unter Vier Augen hatten wir Hart aber Herzlich Sex in the City und sie raunte mir leise ins Ohr als sie den ZIB(pp) 2 öffnete, „Ri(e)cht (d)er Hold!“. Und sie sagte noch: „Hör mal, wer da hämmert“, aber ich beruhigte sie und rief Fred, den Weddingplanner an. Es war eine Traumhochzeit. Wir waren Verliebt in Berlin, wir durchschwammen Flüsse der Genüsse wir hatten Lotto 6 aus 45 Numbers.
Was guckst du?
Leider kam es anders. Ich wanderte aus. Meine neue Chance, dachte ich aber es war Total verhext. Nirgends Helfer mit Herz! Nur Böse Seitenblicke.
Und nun sitz ich da. Kein perfektes Dinner, keine Orientierung.
Wie soll ich bitte den Donnerstalk überleben? Ich liege jede Nachtwach und bin Voll total fertig. Ich ruf nun den Dr. House an und frage, was es Neues aus der Anstalt gibt. Da wohnt die Münchner Runde. Auf die steh ich. Weil Anne Will nimmer. Jedenfalls nicht mit mir.

Freitag, Mai 09, 2008

endlich urlaub


. . . und eine Woche Meer

no magic



Der Geschirrspüler wurde im Jahre 1886 von Josephine Chochrane erfunden. Und mittlerweile ist ein Geschirrspüler in fast jedem Haushalt der westlichen Hemisphäre heimisch.
Ich habe auch eine.
Es ist nun kein Zufall und auch keine literarische Absicht, dass ich das beim Herrn Google so genau recherchiert habe.
Ich erwähne das nur um eines klar zu stellen: Der Geschirrspüler ist keine neue Erfindung.
Den Geschirrspüler gibt es länger als den Computer, das Handy und die Rolling Stones. Und mittlerweile sollte jeder Mensch kapiert haben, wie er funktioniert.
Man befüllt den Geschirrspüler meist mit Geschirr und Besteck.
Es gab auch schon Versuche, Fisch in ihm zu garen. Aber das hat sich nicht durchgesetzt. Deshalb schreibe ich nun darüber nicht.
Dann füllst du Geschirrspülereiniger ein oder nimmst diese Tabs, die es gibt. Du kannst auch Salz einfüllen wenn du möchtest oder Klarspüler. Die letzteren beiden verwende ich nicht. Es geht auch ohne.
Langer Rede kurzer Sinn – Geschirrspüler sparen Arbeit. Der Hausfrau. Oder dem Hausmann. Je nachdem.
Maschinen sind da um zu arbeiten, damit der Mensch Zeit hat, zu denken oder im Blog zu schreiben.
Aber – ich kenne keinen einzigen Geschirrspüler, der Zähne hat. Nichts Neues für die meisten Leute, ich weiß. Aber ich bin sicher, es gibt einige, die das nicht wissen. Die haben keine Ahnung, was in so einem Geschirrspüler vor sich geht. Diese Leute gehören zu der Spezies, die überrascht sind, dass das Licht im Kühlschrank ausgeht wenn man ihn schließt.
Zu dieser Spezies gehört auch meine Cousine Marianne aus der Steiermark, die derzeit bei mir residiert.
Als ich heute Mittag nach der Arbeit den Geschirrspüler öffnete, um meine Kaffeetasse hineinzustellen, traf mich der Schock. Der blanke Horror!
Der Filter voll mit Zitronenkernen, Rucolastängeln, Nudeln. Schleimig, grün, gelb. Ich musste den Filter reinigen. Das dauerte eine halbe Stunde.
Dem nicht genug. Da waren auch Löffel und Messser mit fünf Zentimeter dicker, eingetrockneter Tomatensauce und Schüsseln und Töpfe mit weiß ich was dran.
Und ein großer Topf halb voll mit Polenta.
Da bin ich einen halben Tag in der Schule und die kocht ein zwölfgängiges Menü für dreißig Personen. Und weit und breit kein Menü und nichts Gekochtes da! Mein Kühlschrank ist leer und mein Vorratsschrank auch.
Marianne! schreie ich.
Keine Antwort. Sie ist wohl nicht da.
Trotzdem schreie ich weiter. Mit Marianne, die nicht da ist.
Marianne, siehst du, was du da angerichtet hast? Hast du einen kompletten Vogel? Du schmeißt das das halbe Essen in die Maschine. Hat ein Geschirrspüler Zähne und einen Verdauungsapparat? Nein, das hat er nicht. Ein Geschirrspüler kann weder kauen noch zerkleinern! Ein Geschirrspüler ist auch kein Zauberer, der mit einem magischen Simsalabim Essensreste einfach wegzaubern kann. In einem Geschirrspüler sind nur heißes Wasser und Waschpulver. Sonst nichts. Ein Geschirrspüler kann nur spülen. Und ein wenig filtern. Falls man den Filter regelmäßig reinigt. Aber davon hast du noch nie gehört, gell? So was hat man in der Steiermark ja nicht, nicht wahr? Oder ist dir dein Hirnkastel verpickt vom vielen Kernöl und Sterz? Knie dich hin mach das sauber. Sofort! Und nächste Woche, wenn ich zurück komme vom Urlaub, erholt und entspannt, dann will ich, dass das alles sauber ist. Und wenn ich nur ein Futzerl von irgendwelchen Speisen finde und wenn mein Kühlschrank und mein Vorratsschrank nicht ordentlich gefüllt sind, dann kracht es. Dann nehm ich das Messer, dieses tomatensaftverschmierte und schneide dir die Kehle durch.

Sonntag, Mai 04, 2008

animal farm


Meine Cousine sagte letzte Woche zu mir: Ich bin mir sicher, wir würden kein Fleisch essen, könnten wir mit den Tieren reden.
Das kann gut sein, sagte ich. Es würde vermutlich davon abhängen, welcher Art die Gespräche sind.
Stell dir vor, Eva, sagte ich, du sitzt am Tisch mit einem Hühnerpärchen, das du gut kennst. Und ihr redet von diesem und jenem.
So ein Sauwetter. Bin gespannt, wann es endlich warm wird. Und – Wir waren zu Ostern auf den Kanaren, aber wir wissen noch nicht, wohin wir im Sommer fahren werdensagen die beiden. Diese Art von Smalltalk.
Und stell dir vor, ihr bestellt und nach einiger Zeit kommt das Essen, und gleichzeitig bestellt ihr eine Flasche Wein und dann noch eine und vielleicht noch einen kleinen Schnaps. Und nach und nach wird das Gespräch lebhafter und intensiver. Herr Hahn und Frau Henne sind sehr gebildet und an vielem interessiert. Sie lesen beide die rosarote Zeitung und Herr Hahn studiert jeden Morgen die Börsenkurse und Frau Henne kennt sich mit Kunst aus. Ihr redet über das Weltgeschehen und nach kurzer Zeit und reichlichem Alkoholkonsum wird das Gespräch philosophisch und es fallen Namen wie Hegel und Wittgenstein und es dauert nicht lange, da redet ihr über Massentierhaltung von Schweinen, Hühnern und Kühen. Und auf einmal, irgendwann, mitten im Gespräch, hast du diesen Gedanken.
Diesen wahnsinnigen, abscheulichen Gedanken: Ich könnte die beiden nun mit nach Hause nehmen, ihnen den Kragen umdrehen, sie rupfen, ausnehmen, zerlegen und braten, sie langsam rösten, mit Knoblauch, Kräutersalz und etwas Zitronensaft und sie danach essen, gemeinsam mit Rosmarinkartoffeln und einem grünen Salat. Aber nein, das geht doch nicht, denkst du und du denkst schnell an etwas anderes.
Ich kann doch diese beiden da nicht essen. So klug, so witzig wie die sind. Niemals kann ich die essen. Niemals in meinem Leben.
Und ich verabschiede mich und gehe schnell nach Hause. Ich bin ganz durcheinander und schlafe lange nicht ein.
Am nächsten Tag bin ich blau, aber der Alltag ruft und vergesse das alles und in der Mittagspause gehe ich mit einer Kollegin essen und sie bestellt sich gebratene Hühnerbrust im Salatbett und da fällt mir alles wieder ein.
Dieser Traum, den ich hatte, und ich will schon fast sagen: Du kannst das nicht essen!
Aber ich sage nichts, die hält mich dann für komplett verrückt und ich bestelle einen Salat.
Ich erzähle ihr, dass ich in letzter Zeit immer so eigenartig träume, aber die Kollegin hört nicht zu.
Das Essen wird serviert, die Kollegin führt gerade die Gabel mit einem Stück Huhn zum Mund.
Und auf einmal höre ich es. Das kann doch nicht sein! Ich höre es ganz deutlich. Ein leises Gackern, ein Wimmern. Ein Schluchzen.
Aber ich höre nicht darauf. Ich habe Angst, verrückt zu sein.
Und dann sagt die Kollegin laut: Gestern war Millionenshow. Hast du geschaut? Ich verneine. Da war diese Frage. Diese Frage nach dem Autor eines Zitates. Hättest du das gewusst? Also, von wem ist folgendes Zitat: "Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher."
Und der Salat bleibt mir im Hals stecken.

Samstag, Mai 03, 2008

du kannst mir nicht sagen?


Es gibt Menschen, die können keine richtigen Fragen stellen.
Sie stellen Negativfragen. Fragen mit einem nicht im Satz.
Beispiel:
Du gehst nicht einkaufen? anstatt Gehst du einkaufen?
Oft hört man auch: Du kannst mir nicht sagen, wo ich rote Blumenübertöpfe bekomme? anstatt Kannst du mir sagen, wo ich rote Blumenübertöpfe bekomme?
Manchmal klingt das gar nicht wie eine Frage, sondern wie ein ganz normaler Satz mit einem Punkt hinten dran. Du kannst mir nicht helfen.
Der Poldi hat auch immer so gefragt. Der Poldi war unser Nachbar als ich noch bei meinen Eltern wohnte.
Der Poldi kam, klingelte, ich öffnete die Tür und er sagte: Dein Papa ist nicht da?
Ich sagte: Nein.
Und er sagte: Kannst du ihm nicht sagen, dass kurz zu mir kommen soll, wenn er da ist?
Ich sagte dann: Er ist eh da. Soll ich ihn holen?
Der Poldi sagte dann immer: Ja.
Und ich wunderte mich immer darüber, warum er mich nicht fragte: Hast du vorhin nicht gelogen?
Manchmal sagte ich auch: Er ist da. Willst du nicht mit ihm reden?
Auch dann sagte er ja.
Es fiel ihm nie irgendwas auf. Egal, was ich sagte oder wie ich fragte.

Kannst du mir nicht erklären, warum er das tat?