Freitag, August 31, 2007

heuart


Vor einigen Tagen war ich beim Friseur. Im Nachbardorf. Der Friseur heißt Jerry und hat sein Geschäft in einem Aktivdorf. Der Jerry passt gut in das Aktivdorf. Er ist sehr aktiv, saust herum, ist freundlich und gut gelaunt.
Das Aktivdorf ist das ganze Jahr über aktiv. Da kannst du Genusswandern, Spaßradeln, Wohlfühlschwimmen und Lustwandern.
Besonders aktiv was das Aktivdorf am vergangenen Wochenende. Weil da war ein großes Fest im Aktivdorf. Das HeuArtfestival.
Es kamen viele Leute aus den umliegenden Passivstädten und Faulenzergemeinden, um auch ein bisserl aktiv zu sein.
Die Wochen und Monate zuvor waren die Bewohner des Aktivdorfes besonders aktiv, weil sie soviel zusammen bauen mussten. Alles aus Heu. Sie bauten einen römischen Streitwagen, sie bauten eine Monstranz, sie bauten Tiere, die auf dem Bauernhof leben.
HeuArt heißt das, weil du für die Figuren eine bestimmte Heuart brauchst.
Du kannst nicht jedes Heu, das dir unterkommt, hernehmen. Das Heu darf nicht zu trocken sein und nicht zu nass, nicht zu lang und nicht zu kurz.
Das ist schon eine Kunst, so ein Heu zu finden.
Nein, mit Kunst hat das nichts zu tun. Weil wenn das was mit Kunst zu tun hätte, dann hieße das Fest nicht HeuArtfestival sondern Heukunstfest.
Und während ich da saß und der Jerry mit der Schere herumfuchtelte wie das tapfere Schneiderlein, bestaunte ich den römischen Heuartstreitwagen, der auf der Wiese vor Jerrys Friseurladen stand. Ein wahres Heukunstkunststück, dieser Streitwagen.
Und so passend für das Aktivdorf.
Die Römer waren ja auch ziemlich aktiv. Im Erobern.
Sonst waren sie eher passiv. Sonst lagen sie lieber herum und fraßen und soffen.
Aber das passt ja auch.
Weil - so aktiv so ein Aktivfest auch sein mag, irgendwann musst du dich erholen vom Aktivsein. Und dann musst ein wenig passiv sein.
Das konntest du auch am vergangenen Wochenende. Es gab viele Möglichkeiten zum Passiv sein und Fressen und Saufen, sorry – Essen und Trinken.
Das Aktivdorf befindet sich nämlich gerade inmitten des Bauernherbstes.
Es gibt ja seit Jahren keinen normalen Herbst mehr bei uns. Der normale Herbst hat ausgedient. Das hat mit der Klimaerwärmung zu tun, glaube ich.
Es gibt nur mehr Bauernherbst. Und beim Bauernherbst kannst du Genussessen und Spaßtrinken den ganzen Tag. Und ein bissl später kannst du dann Wohlfühlschunkeln und Lustwandern. Nach Hause. Und du darfst die ganze Straße benützen.
Und dann wird aus dem Aktivdorf in wenigen Stunden ein Passivdorf. Das dauert einige Tage an.
Die Bewohner des Aktivdorfes sind dann so passiv, dass sie nur herumhängen. Die sind so was von fertig vom vielen Aktiv sein.
Und dann, lieber Stadtbewohner, dann musst du kommen, weil dann ist es gemütlich. Weil dann hast du deine Ruh und kannst dich entspannen mit Genuss, Spaß, Wohlfühl und Lust.

Mittwoch, August 29, 2007

fox on the run


Ich habe mich versündigt.
Ich habe ihn beleidigt. Zutiefst. Ich habe schlecht über ihn geschrieben. Ich habe mich beschwert über ihn. In aller Öffentlichkeit.
Das war nicht richtig.
Ich bereue es. Aus tiefstem Herzen. Ehrlich.
Und nun will er nichts mehr von mir wissen. Er ist ungehalten, er will nicht mehr. Er lässt mich im Stich. Er reagiert nicht mehr. Auf gar nichts. Ich kann tun was ich will. Ich habe ihm zugeredet, ihn angefleht. Es nützt nichts. Ich habe geschrieen, gestampft, getobt. Es hilft nichts mehr.
Es ist aus. Alles ist aus.
Versündigt hab ich mich. Da hilft auch kein Gebenedeitseistdumaria und kein Kerzen anzünden und kein Anrufen aller Heiligen und Heiliggesprochenen.
Nicht mal Beichten hilft.
Dabei war alles noch in Ordnung vorige Woche. Er war da, reagierte, wenn ich ihn berührte.
Er war da, Tag und Nacht. Da für mich, zu jeder Zeit. Wann immer ich ihn brauchte. Er war ein wenig langsam in seinen Reaktionen. Das habe ich schon bemerkt. Das ist der Vollmond dachte ich. Und der Jüngste ist er auch nimmer, dachte ich.
Kann ja nicht jeder so sein wie ich. So sprunghaft, so spontan, so Energie geladen. Er ist halt einer der Ruhigen. Er brauchte halt seine Zeit, um warm zu werden. Ich nehme ihm das nicht übel. Man soll den anderen so sein lassen wie er ist.
Das war schon immer meine Devise. Es bringt nichts, jemanden ändern zu wollen. Darum hab ich ihn auch nie bedrängt, niemals angehalten, schneller zu antworten. Ich habe auch nicht verlangt, dass er ständig da ist, ständig bereit. Nein, ganz und gar nicht.
Es gab Stunden, ja Tage, da hab ich ihn wirklich sein lassen. Habe ihn ruhen lassen, habe ihn nichts gefragt, ihn nicht berührt, gar nichts. Jeder braucht seinen Freiraum. Und ich habe ihm den Freiraum gewährt. Immer!
Und nun das.
Seit einer Woche geht gar nichts mehr. Ich habe alles versucht.
Ich habe mit Freundinnen geredet, mit Experten, mit allen möglichen Leuten. Sie hatten allerlei gute Ratschläge parat, aber geholfen haben sie nicht. Er will nicht mehr. Und wenn einer nicht mehr will, dann hast du keine Chance.
Also habe ich mich entschlossen, ihn zu ignorieren. So zu tun, als ob es ihn nicht mehr gäbe. Ich habe mir nach wie vor meine Gedanken gemacht, mir überlegt, wie ich ihn wieder dazu bringen kann, mich wahr zu nehmen.
Und dann habe ich in meiner Not den Peter um Rat gefragt. Peter ist ein guter Ratgeber. Er hat immer irgendwelche Ideen. Ungewöhnliche. So auch dieses Mal.
Schenk ihm doch ein Tier, sagte er.
Ein Tier?
Ja, ein Haustier. Haustiere wirken manchmal Wunder. Haustiere können heilsam sein. Pferde, zum Beispiel. Oder Delphine.
Ich kann ihm doch kein Pferd schenken. Wo stell ich das denn hin? Geschweige denn einen Delphin. Ich wüsste nicht mal, wo man Delphine kauft. Höchstens ein Hund ginge. Aber ein Hund in meiner Wohnung? Nicht einfach.
Du schenkst ihm einen Fuchs.
Ich war baff. An Fuchs hatte ich überhaupt nicht gedacht.
Und dann stand er da, der Peter, mit dem Fuchs.
Und seitdem passt wieder alles. Er ist wieder ganz der Alte. Er ist aufmerksam. Er reagiert, wenn ich ihn berühre.
Und der Fuchs hat auch schon einen Namen. Mozilla heißt er.

Donnerstag, August 23, 2007

die farbe blau


Mein Computer ist blau.
Eigentlich ist der Bildschirm blau.
Aber wenn der Bildschirm blau ist, ist auch der Computer blau.
Außerdem ist der Bildschirm für mich der Computer. Weil wenn ich an meinen Computer denke, dann sehe ich den Bildschirm.
Jedenfalls ist blau keine gute Farbe. Blau ist eine ganz schreckliche Farbe, wenn sie am Computer ist.
Ganz blau ist er nicht, mein Computer. Jedenfalls nicht am Bildschirm. Da ist er auch ein wenig weiß.
Beim Einschalten erscheinen dämliche Meldungen, die ich nicht verstehe. In diesem Fall erscheint die Meldung: Das Dateisystem D muss überprüft werden. Und dann sind da noch einige Buchstaben, die ich mir nicht merken kann.
Es wird mir dann gesagt, ich könne irgendeine Taste drücken, aber das wäre keine gute Idee. Ich halte das für keine schlechte Idee und drücke irgendeine Taste. Außerdem ist mein Computer wahnsinnig langsam. Dabei hab ich eh nix mehr am Computer außer 5000 Fotos und 3000 Lieder. Die paar hundert Filme, die ich drauf hab, sind nicht der Rede wert.
Ich hätte nun drei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit wäre, einen neuen Computer zu kaufen. Eine schöne Möglichkeit, aber zu teuer.
Die zweite Möglichkeit wäre, den Computer nicht mehr einzuschalten und die Abende mit "Mensch ärgere dich nicht" zu verbringen. Auch eine schöne Möglichkeit. Besonders dann, wenn der Lover da ist.
Die dritte Möglichkeit wäre, den Computer neu aufzusetzen. Keine schöne Möglichkeit. Stressig und wenig erfolgreich.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Computer Probleme macht. Eigentlich macht er immer wieder mal Probleme. Komischerweise vergesse ich all diese Probleme, wenn er eine gute Phase hat.
Das ist dasselbe wie mit der Kindheit. Da vergisst du auch, wie sehr dich deine Eltern genervt haben und glaubst, deine Kindheit war wahnsinnig toll.
Was natürlich ein Blödsinn ist.
Kindheiten sind niemals wahnsinnig toll.
Es gab Zeiten, in denen mein Computer nur nach der russischen Methode heruntergefahren werden konnte.
Also sämtlichen Strom weg.
Ich konnte dann weder fernsehen noch Radio hören noch Kaffee kochen noch irgendwas anderes tun.
Und die Nachbarn auch nicht.
Irgendwann war dieses Problem dann wieder weg und ich konnte den Computer sanft herunterfahren, während ich Radio hörte, fernsah und Kaffee kochte.
Gemeinsam mit den Nachbarn.
Einmal funktionierte der Drucker nicht mehr.
Diese Phase dauerte zum Glück nicht sehr lang.
Ich vermute, Computer und Drucker hatten Beziehungsprobleme. Der Computer redete nicht mit dem Drucker, der Drucker redete nicht mit dem Computer. Der Computer kannte den Drucker auf einmal nicht mehr. Der Drucker nahm den Computer nicht ernst und der Computer wollte einen anderen Drucker. Irgendwann haben sie sich dann ausgesöhnt. Ganz ohne mein Zutun.
Ein anderes Mal gab es Probleme mit meiner Email-Adresse. Ich hatte keine mehr.
Aber das war einfach.
Ich rief bei der Salzburg AG an. Und wurde fünf Mal verbunden. Ein lieber Herr sagte mir am Telefon, ich hätte eine Email- Adresse. Ich hätte sie nur verloren und solle sie suchen. Falls ich sie nicht fände, solle ich nochmals anrufen und eine Vermisstenanzeige aufgeben.
Ich fand sie nicht, gab aber keine Vermisstenanzeige auf, weil der nette Mann nicht mehr erreichbar war trotz zehnmaligem Verbinden.
Und dann irgendwann, ohne mein Zutun, war die Email-Adresse wieder da mit tausenden von Briefen von Viagrahändlern aus Amerika.
Es gab auch Zeiten, in denen meine Internetverbindung nicht funktionierte.
Da rief ich auch bei der Salzburg AG an.
Und da war wieder ein freundlicher Herr und er sagte mir, ich solle da klicken und dort und wieder da und dann wieder dort und ich solle die Zahlen von 57 bis 238 eingeben, aber von hinten nach vorn und die Primzahlen auslassen und als das auch nichts nützte, sagte er mir, ich solle das eine schwarze Kabel ausstecken und das hellgraue auch und dafür das dunkelgraue einstecken.
Das ging schnell, ich hatte den Computer in fünf Minuten auseinander gebaut, war guter Dinge und der nette Herr war weg. Aufgelegt. Vermutlich Mittagspause.
Ich rief dann noch einmal an, wurde zwölf Mal verbunden, aber der nette Herr war noch immer nicht da.
Aber da ich ja Söhne habe, die so tun, als ob sie Computerexperten seien, war der Computer nach zwei Wochen wieder zusammengebaut.
Er stöhnte nur ein wenig und war etwas langsam, aber das machte mir nichts aus. Ich konnte so Zeit nützen und meine ganze Wäsche bügeln, während er eine neue Seite lud.

Ich werde demnächst den Computer zu einem Computerexperten bringen.
Nicht ungefährlich, ich weiß. Mein ganzes Leben ist mittlerweile am Computer.
Und der Computerexperte weiß das. Er weiß, dass er dich in der Hand hat. Dich und dein ganzes Leben.
Er wird fragen, ob ich alle meine Daten gespeichert habe. Klar hab ich, werde ich sagen, falls ich bis dahin eine externe Festplatte habe.
Ich weiß aber auch, wenn ich das nicht tue, er mit einem Mausklick all meine 5000 Fotos, 3000 Lieder und die paar hundert Filme löscht.
Und er löscht auch meine hundert angefangenen Geschichten.
Aber die kann ich ja vorher mit der Hand abspeichern.

Montag, August 20, 2007

lieber tourist


Wie wäre es, wenn du dich ein wenig informieren würdest, bevor du hier her kommst?
Nein, es gibt hier keine U-Bahn und auch keinen Petersdom.
Die Hundsbröckerl liegen da, damit du rein steigst.
Nein, es gibt keinen Lift da hinauf zur Kirchturmspitze.
Die Kirche ham's gegenüber vom Mc Donald’s hingestellt, damit du nach der Führung deinen BigMac essen kannst.
Die Festung ham’s so weit rauf gebaut, damit du sie schon von weitem siehst.
Nein, vor dem Dom gibt es keine Bushaltestelle.
Die Taschendiebe in der Getreidegasse sind Angestellte des Finanzministers.
Nein, die Mozartkugeln gibt es nicht kalorienreduziert.
Ja, wir essen jeden Sonntag Wiener Schnitzel, jeden Montag Knödel und mindestens einmal in der Woche Apfelstrudel mit Schlagobers.
Ja, das Dirndlkleid hab ich an, damit du mich fotografieren kannst.
Nein, wir sprechen nicht deutsch, wir sprechen österreichisch.
Ja, wir jodeln auch im Schlaf.
Ja, es gibt bei uns die Todesstrafe.
Ja, das ist eine Folterkammer. Ja, die ist noch in Gebrauch.
Siehst den Touristen da in der Ecke? Der hat zuviel gefragt.

Sonntag, August 19, 2007

ö3 sternstunden mit frau gerda rogers


Alle meine Freundinnen bekommen Babys, sagt eine Hörerin zu Frau Gerda Rogers. Nur ich nicht. Ich glaub, ich bin nicht der Typ, der Babys bekommt. Ich glaub, ich will auch nicht. Was soll ich tun, Frau Rogers?
Und die Frau Rogers sagt: Na ja, einige Frauen sind halt sehr freiheitsliebend und wollen sich nicht binden. Sie wollen kein Baby, wenn nicht der richtige Partner vorhanden ist. Sie haben gerade eine unruhige Phase. Aber damit ist nun bald Schluss weil der Jupiter steht im neunten Haus, und wenn der Jupiter im neunten Haus steht, ist der Partner nicht mehr weit.
Monika aus Wien will wissen, ob es noch was wird mit dem Kurt aus dem achten Bezirk. Frau Rogers weiß auch da eine Antwort.
Sie sind doch eine sehr treue Frau, Frau Monika, Sie wollen eine feste Beziehung. Und der Kurt ist ein lieber Mensch, sagt sie weiter. Aber ihm gefallen die Frauen halt so gut. Das ist sein Dilemma.
Frau Rogers sagt, dass die Venus aber schon in das zehnte Haus rückt oder in das elfte. Aber Jedenfalls rückt sie. Schön langsam. Und bis zum Jahr zweitausendacht ist sie dann vollends eingerückt in das elfte Haus. Und dann wird es was. Mit der Monika und mit dem Traummann.
Und vermutlich wird das dann der Kurt sein aus dem achten Bezirk. Der wird dann umziehen vom achten Bezirk in das elfte Haus von der Monika. Und wenn der Kurt dann im elften Haus ist, dann kann die Monika, wenn es ihr zuviel wird, in ihr fünftes Haus gehen und da ein bisserl aufschnaufen.
Und wenn die Venus sich dann sehen lässt, dann kann sie wieder zurück in das elfte Haus zum Kurt.
Die Simone aus dem dreizehnten Bezirk ist seit zwei Jahren mit dem Stefan aus dem elften Bezirk beisammen.
Der Stefan wohnt aber nicht mehr im elften Bezirk, sondern im dreizehnten Bezirk bei der Simone.
Der Stefan hat seit eineinhalb Jahren eine Beziehung mit einer verheirateten Frau aus dem zehnten Bezirk.
Und die verheiratete Frau hat sich nun scheiden lassen und will zum Stefan in den dreizehnten Bezirk ziehen. Aber da wohnt schon die Simone.
Frau Rogers hat die Lösung.
Sie sagt, Das ist typisch. Der Stefan ist ein sehr sensibler Mann und er wird das schlecht verkraften mit zwei Frauen.
Sie empfiehlt, dass Simone mit dem Jupiter in ihr siebtes Haus gehen soll und der Stefan in das neunte Haus. Und die verheiratete Geliebte, die nun geschieden ist, soll sich im achten Bezirk eine Wohnung nehmen. Und wenn das dann mit der Monika und ihrem Traummann nicht mehr passt, dann soll sich die Monika im achten Bezirk auch eine Wohnung nehmen gleich neben der vom Stefan.
Und irgendwann, wenn die Venus ins zehnte Haus rückt, sollen die beiden zusammenziehen. Und der Kurt kann dann nebenan bei der Simone im sechsten Haus wohnen, aber ja nicht mit ihr zusammen ins siebte Haus, weil der ja so sensibel ist, der Stefan.
Und die Frau Rogers sieht die Liebe ganz stark. In allen Häusern.
Und außerdem ist bald Vollmond. Was kann da schon schief laufen?

Samstag, August 18, 2007

lady of the flies


Im meinem Wohnzimmer brummt eine Fliege.
Sie ist einer dieser Fliegen, die so laut sind, dass du sie noch hörst, wenn du aus dem Zimmer gehst und die Tür hinter dir schließt. Warum brummt diese Fliege so laut? Um mir zu zeigen, dass sie hier der Boss ist? Will sie mich ärgern oder sogar vertreiben? Hat sie vor, die Wohnung für sich allein zu beanspruchen?
Sie erinnert mich an die jungen Burschen, die im Auto herumfahren mit ohrenbetäubender Musik, die lautstark dröhnt, obwohl die Autofenster geschlossen sind. Um jedem zu sagen: Hier bin ich, seht ihr mich?
Diese Fliege nervt. Sie nervt gewaltig. Und sie saust herum, so als ob sie besoffen wäre. Viel zu schnell, viel zu laut, viel zu unruhig.
Wenn eine Fliege in einem solchen Zustand ist, ist es schwierig, sie zu erwischen. Sie aus dem Fenster zu jagen, bringt gar nichts. Das will sie nicht. Fliegen sind ziemlich intelligent, glaube ich. Da sitzt die Fliege stundenlang irgendwo rum ohne einen Brumm von sich zu geben und kaum hast du dir einen Kaffee gemacht, ist sie da. Schwirrt um dich herum. Und du fluchst, hebst die Hand und schon ist der Kaffee verschüttet. Und du fluchst wiederum und die Fliege brummt wie wahnsinnig und schwirrt noch schneller und aufgebrachter um dich herum.
Auf einmal ruhig. Sie sitzt auf dem Vorhang.
Du holst die Zeitung und bist guter Dinge. Du denkst dir, nun ist sie eingeschlafen. Kaum hast du die Zeitung ausgebreitet und fängst an zu lesen, ist sie wieder da. Da bei dir. Saust herum um den Lampenschirm. Lässt sich nieder. Auf der Zeitung. Und du nimmst vorsichtig den Sportteil, den du nie liest, holst aus. Du holst aus aber du holst sie nicht ein, die Fliege. Sie ist schneller. Sie ist immer schneller. Dann holst du ein Geschirrtuch, rollst es und gehst zum Angriff über. Ein zusammengerolltes Geschirrtuch saust mit Lichtgeschwindigkeit durch die Luft. Wunderbar geeignet, eine Fliege zu erschlagen.
Doch die Fliege hat dich beobachtet. Sie hat genau gesehen, wie du das Geschirrtuch zusammengerollt hast und wartet nur darauf, bis du den Versuch unternimmst.
Für die Fliege ist es eine Herausforderung, das Geschirrtuch zu überlisten.
Eine Fliege sieht wahnsinnig gut. Eine Fliege hat auch auf dem Rücken Augen und sie sieht schneller als das schnellste und schärfste Kameraauge.
Wenn du also eine leichte Sehstörung hast, so hast du nicht die geringste Chance. Du hast nicht einmal ohne Sehstörung eine Chance.
Die beste Art, eine Fliege los zu werden, ist, sie aus Fenster zu jagen. Wenn sie will. Meistens will sie nicht. Ein Fenster ist für eine Fliege ein Fernseher und eine Toilette gleichzeitig. Sie kann ein wenig fernsehen, die Vögel beobachten und ihr Geschäft erledigen.
Da brauchst du schon ziemlich viel Geduld und Geschick, um sie loszuwerden.
Die Fliege sitzt da am Fenster, surrt ein wenig, erledigt ihr kleines Geschäft, beobachtet den großen Vogel gegenüber am Dach, erledigt ihr großes Geschäft, beobachtet den kleinen Vogel gegenüber am Dach und surrt ein wenig. Vor Vergnügen. Und dann kommst du daher. Mit der Zeitung oder dem Geschirrtuch oder der Fliegenklatsche. Womit du daherkommst, ist nicht entscheidend.
Entscheidend ist, wie du es machst. Du musst die Fliege verwirren. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Fliege dich verwirrt mit ihrem Brummen und ihren großen und kleinen Geschäften.
Aber du kannst sie überlisten, wenn du konzentriert und ruhig an die Sache herangehst.
Verwirr sie, indem du mit der Zeitung, dem Geschirrtuch oder der Fliegenklatsche herum fuchtelst.
Es kann nun passieren, dass dich das Brummen, das laute, stört und du dich nicht mehr konzentrieren kannst. Dann nimm Ohrenstöpsel.
Lass dich nicht beirren, du musst da durch. Lass dich nicht abbringen von deinem Plan. Wenn du geduldig bist, dann wird die Fliege schwindelig und benommen und kennt sich nicht mehr aus. Sie wird ärgerlich, weil sie nicht in Ruhe fernsehen kann oder ihr Geschäft erledigen. Sie wird komplett wahnsinnig.
Nun öffnest du das Fenster. Und weg ist sie. Draußen. Froh, dass sie ihrem Peiniger entkommen ist.
Du schließt das Fenster, machst dir einen Kaffee, setzt dich zur Zeitung.
Endlich Ruhe.
Auf einmal – ein Surren, ein Brummen. Eine Fliege. Eine andere Fliege.
Sie ist eine dieser Fliegen, die so laut sind, dass du sie noch hörst, wenn du aus dem Zimmer gehst und die Tür hinter dir schließt.
Warum brummt diese Fliege so laut? Um mir zu zeigen, dass sie hier der Boss ist? Will sie mich ärgern oder sogar vertreiben? Hat sie vor, die Wohnung für sich allein zu beanspruchen?
Sie erinnert mich an die jungen Burschen, die im Auto herumfahren mit ohrenbetäubender Musik, die lautstark dröhnt, obwohl die Autofenster geschlossen sind. Um jedem zu sagen: Hier bin ich, seht ihr mich?
Diese Fliege nervt. Sie nervt gewaltig.
Und sie saust herum, so als ob sie besoffen wäre. Viel zu schnell, viel zu laut, viel zu unruhig.
Wenn eine Fliege in einem solchen Zustand ist, ist es schwierig, sie zu erwischen. Sie aus dem Fenster zu jagen, bringt gar nichts. Die nächste Fliege ist bereits wieder da. In meinem Wohnzimmer. Sie ist eine dieser Fliegen....

Donnerstag, August 16, 2007

kisses sweeter than wine


Küssen ist eine Wissenschaft.
Und es gibt einige, die es so gar nicht beherrschen. Man möchte es nicht glauben.
Es wurde zwar schon viel über das Küssen geschrieben und vermutlich ist schon alles gesagt, aber trotzdem habe ich einige Kussregeln aufgestellt.
Bevor du küsst, sollte dein Mund generell frei sein von Speiseresten. Kurz nach dem Mittagessen solltest du nicht küssen. Bedenke, es ist keine Mund-zu-Mund-Fütterung. Falls der Mann einen Schnauzer oder Bart – ausgenommen Dreitagebart - hat, ist es angebracht, ihn vorher zu rasieren.
Du kannst das als eine Art Kuss-Vorspiel gestalten. Ich bin sicher, dir fällt da was ein. Falls sich der Mann weigert, auf diese Art des Vorspiels einzugehen, vergiss ihn.
Küsse auf keinen Fall einen Mann, der einen Bart oder Schnauzer hat. Auch wenn du noch so verliebt bist. Du wirst es bereuen.
Dein Mund muss leer sein. Das ist ganz wichtig. Entferne alles aus deinem Mund, was nicht hineingehört. Kulis, Zigaretten, Kaugummis.
Männer, die Zahnspangen und Gebissträger sind, küsst du gar nicht. Die einen sind zu jung und die anderen zu alt.
Falls du keinen kussfesten Lippenstift hast und die Farbe desselben jede rote Rose erblassen lässt, solltest du heimlich den Mund mit einem Taschentuch abwischen
Aber bevor du beginnst, wohlgemerkt.
Und denke daran, dass Küssen in erster Linie küssen ist und nicht spucken, saugen, kauen, reden oder singen.
Blase auch nicht in den Mund des Mannes. Außer er hat grad eine Herzattacke und du willst ihn wieder beleben. Wenn du irgendwo reinblasen willst, dann blas in sein Ohr.
Und sing auch nicht während des Küssens, außer du singst wie die Netrebko. Aber die singt derzeit eh nicht. Jedenfalls nicht bei uns.
Also vergiss das.
Es kann aber sein, dass dich das Küssen so glücklich und froh macht, dass du singen musst. Dann würde ich dir eher das Summen empfehlen. Dafür eignet sich 'You take my breath' away besser als der Rainermarsch.
Wenn der Mann viel größer oder kleiner ist als du, dann musst du ihn hinlegen. Es kann aber sein, dass er dadurch einen falschen Eindruck bekommt.
Aber du schaffst das schon, ihm klar zu machen, dass du erst beim Kussvorspiel bist. Falls der Mann jetzt schon versucht, deinen BH zu öffnen, dann hat er es nicht kapiert. In diesem Falle nimm seine Arme und halte sie fest.
Nun schließe deine Augen und spitze die Lippen.
Schnäuzen ist nun keine gute Idee. Schnäuzen hättest du nach dem Lippenstift abwischen sollen.
Und auch wenn das Telefon läutet, hebst du nicht ab. Außer der zu Küssende ist noch immer damit beschäftigt, deinen BH zu öffnen. In diesem Falle darfst du sogar dem Briefträger die Tür öffnen und ihn auf einen Plausch herein bitten.
Wenn sich eure Lippen nun endlich berühren, und er den Kopf nach links hält, dann halte du deinen Kopf nach rechts. Den Kopf also immer in die andere Richtung halten. Nicht ständig, natürlich, sonst bekommst du einen Krampf. Beim Kopfrichtungswechsel darauf achten, dass du dich nicht an seiner Nase anhaust. Ihr seid ja keine Fische oder Eskimos, die sich die Nasen reiben.
Wenn der Mann, den du küsst, eine große Nase hat, kann es passieren, dass eure Münder niemals aufeinander treffen, wenn du nicht in die Gegenrichtung steuerst.
Nun beginnst du, ihn ganz sanft zu küssen.
Steck ja nicht die Zunge sofort in seinen Hals. Wenn der ein wenig empfindlich ist, bekommt er einen Würgereiz und verbringt eine Stunde kniend auf dem Klo und es hat sich ausgeküsst.
Nach einiger Zeit darfst du die Zunge verwenden. Wenn du die Zunge in seinen Mund steckst, so genügt das nicht. Du musst sie schon ein wenig hin und her bewegen. Aber nicht zu viel. Lass sie aber auch nicht einfach nur im Mund liegen wie einen nassen Putzfetzen.
Stell dir vor, du putzt ein Regal, ein kleines. Genauso musst du küssen. Der Putzfetzen darf nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Nein, du sollst nun nicht in erster Linie an das Putzen denken, sondern eher an den Putzlappen. Wir sind hier nicht beim Zahnarzt und wir machen hier keine orale Tiefenreinigung.
Wenn der Mann so gut küsst wie du, dann darfst du seine Arme los lassen. Falls er nun deinen BH öffnen will, dann hilf ihm. Er schafft das allein nicht.

Montag, August 13, 2007

I am off


...to Vienna


Samstag, August 11, 2007

keep smiling

"Schau nicht so ernst."
Diesen Satz habe ich oft gehört. Besonders als Kind.
Diesen Satz habe ich oft von meinem Vater gehört.
Stell dich da hin zum Blumenbeet und lächle.
Und ich stellte mich hin zum Blumenbeet und lächelte. Gequält. Und Papa knipste. Dann als er nach einem halben Jahr das Foto in der Hand hielt – ein Film blieb bei uns damals ein halbes Jahr in der Kamera – weil nur zu besonderen Anlässen wie Ostern und Weihnachten fotografiert wurde, sagte mein Vater: Wie du immer schaust, Amadea.
"Du schaust immer so ernst."
Diesen Satz höre ich nach wie vor.
Ja, ich schaue ernst.
Und? Soll ich den ganzen Tag grinsend herum laufen wenn mir nicht danach ist?
Ich habe eine Kollegin, die immer lächelt.
Nein, lächeln ist das falsche Wort.
Weil wenn jemand lächelt, dann lächeln auch die Augen. Und bei der Kollegin lächeln die Augen nicht. Nur ihr Mund ist hochgezogen. Mehr ist das nicht. Bei jeder Gelegenheit zeigt sie ihre Zähne. Sie verzieht auch den Mund, wenn es gar keinen Grund zum Mundverziehen gibt.
Mich irritiert das.
Und mich irritiert noch mehr, wenn mir ein Fremder sagt, ich solle lächeln.
Nein, ich will nicht. Ich will nicht auf Kommando lächeln. Ich will lächeln wenn mir danach ist.
Unbegründetes Zähne zeigen, also Lächeln, ist eine Art der Beschwichtigung, der Unsicherheit. Das sagt auch der Konrad Lorenz.
Bei der Kollegin ist das bestimmt so. Eine Art der Unterwürfigkeit. Wenn der Feind naht, dann lächle. Sie will immer nett sein. Die ganze Zeit nett sein. Wie nervig. Wie anstrengend.
Gestern, beim Familientreffen wurden die alten Fotoalben durchgeschaut.
Amadea, wie du da ernst schaust. Immer schaust so ernst, sagt Mama.
Ja, Mama da schaue ich ernst. Ich schaue da nicht nur ernst, ich schau da grantig. Und ich bin da auch grantig. Und weißt du warum? Schau einmal, genau, Mama.
Ich seh nix. Ich seh nur, dass du nicht lächelst. Dabei hattest immer schöne Zähne.
Das hat mit den Zähnen gar nix zu tun, Mama. Und außerdem sind meine Zähne immer noch schön. Schau mal die Frisur an, die ich da hab.
Eh nett, sagt Mama.
Ja, eh nett. Schau mal die Stirnfransen an.
Da sind keine, sagt Mama.
Ja, genau, da sind keine. Und weißt du warum, weißt du warum, Mama? Weil Papa sie mir geschnitten hat. Falsch, nicht geschnitten, verschnitten hat er sie. Er hat schief geschnitten. Und immer schiefer. Und es wurde partout nicht grad.
Du hattest aber auch Haare wie Borsten, ruft Papa herüber von der Couch.
So ein Blödsinn. Ich hatte nie Borsten. Niemals.
Deine Borsten ließen sich nicht gerade schneiden. So sehr ich mich auch bemühte. Ich ignoriere ihn.
Also, Mama. ich erinnere mich noch genau. Da saß ich mit dem Spiegel in der Hand da und der Papa schnitt und schnitt.
Wir konnten uns damals keinen Friseur leisten. Darum hat der Papa geschnitten.
Ja, sage ich. Und darum hab ich auch da keine Stirnfransen. Weil er sie alle weg geschnitten hat.
Aber da schaust auch ernst, sagt Mama und deutet auf das Foto auf der nächsten Seite des Albums.
Ja, da schau ich auch ernst. Klar schau ich da ernst. Weil ich dieses blöde Kleid anziehen musste. Dieses erbsengrüne. Und ich hasste es.
Das war ein schönes Kleid, sagt Mama. Das hat die Oma genäht.
Es war ein entsetzliches Kleid, sage ich. Ein Sackkleid.
Jo, do host ausgschaut wia a g’spiebene Gerscht, mischt sich Papa wieder ein und lacht.
Siehst du, Mama, genau das ist der Punkt. Da soll man lächeln als Kind, bei so einem Vater?
Mama seufzt.
Schluss nun, hört auf zu streiten. Wir sitzen heut so nett beinand’, da machen wir ein Foto. Und du lächelst, Amadea. Wenigstens einmal.
Und schon nimmt sie meine Kamera.
Wo schalt ich die ein, fragt sie?
Sie ist eingeschaltet, Mama. Da vorn drückst drauf, auf den großen Knopf.
Ich seh’ keinen.
Na, da vorn.
Aja, da, sagt sie. Setz dich schön hin zum Papa und lächle.
Ich setze mich schön hin zum Papa und lächle.
Amadea, hast du zugenommen? fragt Papa.
In diesem Moment blitzt es.
Rate mal, ob ich lächle auf dem Foto.

Freitag, August 10, 2007

keep on runnin'


Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, egal zu welcher Tageszeit, kommen mir immer wieder Jogger unter.
Joggen ist ja DER Sport. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Joggen wirklich ein Sport ist.
Mit Laufen hat Joggen gar nichts zu tun. Laufen ist Laufen und Joggen ist joggen. Ein Jogger ist also auch kein Läufer. Joggen ist wie ernstes Wandern. Es ist egal, wie langsam du gehst oder wanderst, sobald du deine Ellbogen abgewinkelt bewegst, joggst du.
Als Jogger kannst du nicht einfach so mir nix, dir nix, aus dem Haus gehen und joggen.
Nein, auf keinen Fall.
Bevor du zu joggen beginnst, musst du dich vorbereiten.
Stretchen ist ganz wichtig. Stretchen heißt strecken.
Das Stretchen musst du in der frischen Luft machen, nicht zu Hause.Und da musst du ganz langsam beginnen.
Jeder Jogger wird dir sagen, dass es besonders wichtig ist, die Beine zu stretchen. Das machst du immer bei einem Weidezaun. Du stellst abwechselnd ein Bein auf den Weidezaun und stretcht es. Das ist alles.
Stacheldraht ist ungeeignet. Es ist nicht notwendig, dass deine Joggingschuhe Löcher bekommen, sie haben eh schon welche. Alle guten Joggingschuhe haben Löcher. Zum Atmen. Die Joggerfüße müssen atmen. Das ist wichtig.
Egal, ob deine Füße normalerweise atmen oder nicht, beim Joggen müssen sie atmen. Sonst ersticken sie.
Es gab in unserem Dorf einmal einen Jogger, der in seinen normalen Turnschuhen gejoggt ist. Dem seine Füße sind erstickt, weil sie keine frische Luft bekommen haben.
Also sei vorsichtig.
Dein Oberkörper muss auch atmen. Darum brauchst du ein Joggingleiberl. Eines, das ganz aktiv ist beim Atmen. Die Jogginghose braucht nicht zu atmen.
Wenn die Schuhe und das Leiberl ordentlich schnaufen können, dann geht das mit einer ganz normalen Turnhose. Und dann geht es los mit dem Joggen.
Es gibt Jogger, die gekleidet sind wie Radfahrer, wie Profiradfahrer, wie Rennradfahrer. Je mehr ein Jogger einem Radfahrer ähnelt, desto langsamer joggt er. Ganz langsam sind die Jogger, die einen Helm tragen. Das ist ja bei den Schifahrern auch nicht anders. Hast du jemals einen schnellen Schifahrer gesehen, der einen Helm trägt? Schnelle Schifahrer tragen niemals einen Helm. Je schneller ein Schifahrer, desto spärlicher bekleidet ist er.
Vergleiche niemals einen Läufer mit einem Jogger. Ein Jogger unterscheidet sich deutlich von einem Läufer. Läufer sind schneller. Läufer sind so spärlich bekleidet wie schnelle Schifahrer.
Läufer ziehen sogar ihre Unterwäsche aus. Jogger nicht.
Jogger haben atmende Unterwäsche an.
Läufer ziehen also die Unterhose aus und ziehen dann eine Hose an, die aussieht wie eine Unterhose. Meistens laufen Läufer oben ohne. Außer es sind Läuferinnen. Läuferinnen haben einen Sport-BH an, der aussieht wie ein normaler BH.
Manchmal haben sie ein T-Shirt drüber an. Aber immer ein bauchfreies.
Läufer und Läuferinnen haben beim Laufen immer den Bauch frei. Wegen der Atmung. Der Bauchatmung.
Die Läufer haben auch immer ein Kapperl auf. Und eine Sonnenbrille. Früher hatten die Läufer einen Walkman mit. Aber der war ihnen zu langsam und darum hat man den iPod erfunden.
Jogger joggen nach wie vor sehr oft mit dem Walkman.
Die etwas schnelleren ohne Helm und Radrennfahrerkleidung haben auch einen iPod.
Und da haben sie die komplette Musik dabei, die je auf unserer Erde komponiert wurde. Das heißt, auch wenn sie ihr ganzes Leben lang joggen, hören sie niemals dasselbe Lied.
Ganz wichtig! Falls dir mal ein Jogger unterkommt, nicht grüßen! Das unterbricht seinen Lauffluss. Der hat dann keinen Durchlauf mehr. Und das ist schlimm. Da kommt er ganz draus und das dauert dann eine Ewigkeit, bis er wieder reinkommt.
Ich habe einmal den Fehler gemacht und einen Jogger gegrüßt. Ich sag dir. Das war ein Malheur. Der kam so draus, dass er nicht mehr reinkam.
Der ist bis heute nicht mehr rein gekommen.
Ich glaub, der joggt nicht mehr.
Der geht walken. Nordic Walken.

Mittwoch, August 08, 2007

deine hände


Ich mag deine Hände. Sie sind klein. Sie sind nicht viel größer als meine, aber breiter.
Du kannst nicht richtig kratzen, weil deine Nägel ganz kurz geschnitten sind, aber die Hornhaut an deinen Fingerspitzen gleicht das aus. Ich mag deine Hände, weil sie kräftig sind. Manchmal knacken die Gelenke und wenn du deinen Arm anspannst, kann ich eine Ader pulsieren sehen.
Beim Trinken hältst du die Tasse mit einer Hand und streckst den kleinen Finger weg. Ich finde das witzig. Du bemerkst das aber nicht. Du bemerkst auch nicht, dass ich das witzig finde.
Deine Hände sind manchmal kühl. Meistens sind sie warm. So wie du.
Ich mag deine Hände so, wie sie sind.
Es ist schön deine Hände zu betrachten. Manchmal, wenn sie nicht da sind, deine Hände, sehne ich mich nach ihrer Berührung.
Ich möchte meine Wange in deine Hand drücken und die rauen Stellen der Handfläche spüren.
Wenn deine Hand meine Hand nimmt und sie berührt, so scheint es, als erzähle sie mir Geschichten.
Manche Geschichten sind lustig, andere sind traurig. Manchmal scherzen deine Hände und manchmal seufzen sie. Und manchmal schweigen sie.
Deine Hände sind etwas Besonderes, weißt du das eigentlich?

Montag, August 06, 2007

das souvenir


Mein Koffer liegt am Boden mit offenem Maul, unausgepackt, und starrt mich an.
Räum mich aus, sagt er.
Ich liege auf der Couch mit offenem Mund, gähnend, und starre ihn an.
Später, sage ich.
Plötzlich sehe ich, dass zwischen den Kleidern und Schuhen, die aus seinem Mund quellen, sich etwas bewegt. Es ist ziemlich groß. Es gehört nicht hier her. Nicht in meine Wohnung.
Ein riesiger Käfer mit riesigen Fühlern, dunkelbraun, groß.
Mein Koffer hat noch immer sein Maul offen, er schaut gelangweilt.
Ich auch, aber ich schaue entsetzt.
Eine Küchenschabe!
Da kriecht eine riesige, grausliche Küchenschabe über meinen Boden. In Windeseile. Ich liege noch immer auf der Couch. Reglos. Nicht fähig, mich zu bewegen. Panik. Was mach ich nun? Ich kann da nicht runter mit den Beinen. Nicht auf den Boden. Nicht dahin, wo diese Schabe krabbelt, dieses Untier.
Diese Küchenschabe habe ich eingeschleppt. Unwissentlich. Die hat sich bei mir im Auto eingenistet undversteckt. In der Stille der Nacht hineingekrabbelt in mein Auto und in den Koffer.
Das war eine Verschwörung. Klar, nun weiß ich auch, warum diese Fensterputzer ständig um mein Auto herumgeschlichen sind. Die wollten gar nicht mein Fenster putzen. Nein, sie waren alle Mitglieder der Mafia.
Der Küchenschabenfensterputzermafia.
Ja, genau so war das.
Fenster putzen, mich ablenken, mich zum Geldwechseln schicken und währenddessen einen blinden Passagier in mein Auto schmuggeln.
Und den Koffer haben sie auch rumgekriegt. Der war auch beteiligt.
Ich schaue ihn an. Er schaut gelangweilt.
Wenn ich mir das vorstelle! Ich saß vermutlich stundenlang neben diesem Untier. Und diese Schabe hat mich die ganze Zeit beobachtet, während ich heimfuhr. Die saß da irgendwo am Rücksitz und beobachtete mich heimlich. Oder am Boden und schaute mir unter den Rock. Oder an der Decke und schielte in meinen Ausschnitt. Vermutlich ist sie mir ganz nahe gekommen, hat mich berührt mit ihren Fühlern, mit ihren Beinen, ohne dass ich etwas bemerkt habe.
Klar bemerkst du nichts wenn du konzentriert fährst und die Musik laut dröhnt.
Und irgendwann, kurz vorm Ziel muss sie in meinen Koffer geschlüpft sein.
Ja, genau, an der Tankstelle. Da war ich schon in Österreich. Da holte ich mir die anderen Schuhe aus dem Koffer.
Und da ist sie hinein. Blitzschnell. Und der Koffer hat bereitwillig sein Maul geöffnet. Na toll. Ich schaue ihn an. Er schaut weg. Und nun krabbelt diese Schabe da herum. Auf meinem Boden.
Was mach ich nur? Ich muss sie töten. Aber wie? Ich habe Angst.
Ich schaue zum Koffer. Das hast du mir eingebrockt. Nun hilf mir.
Er hilft mir nicht. Sein Maul ist noch immer offen. Er grinst.
Grins nicht so blöd. Ich weiß schon Bescheid über dich.
Klapp. Sein Maul schnappt zu.
Nun tut der auch noch beleidigt. Eine Frechheit ist das. Der braucht nun gar nicht so beleidigt tun. Der hätte auch was unternehmen können. Der hätte dieses Untier einklemmen können und zerquetschen. Der ist ja gut im Einklemmen. Jedenfalls bei mir. Hat ja mich auch schon einige Male gezwickt.
Jedenfalls kommt er nicht mit das nächste Mal. Auf keinen Fall. Ich nehme seine schwarze Cousine, die Reisetasche mit.
Die Küchenschabe krabbelt nicht mehr. Sie sitzt. Nur ihre Fühler bewegen sich. Mit erhobenem Kopf sitzt sie da. Was macht sie? Überlegt sie? Hat sie Pläne? Oder ist sie verwirrt?
Ich muss diesen Moment nützen. Carpe momentum.
Ich greife ganz langsam nach den Illustrierten.
Der Koffer starrt mich an. Halt ja dein Maul, flüstere ich ihm zu.
Ich merke, dass er beleidigt ist. Der sagt nun nichts mehr, das spüre ich.
Ich hole aus mit meiner ganzen Kraft aus und schleudere die Illustrierten auf das gepanzerte Untier. Wie ein Donnerschlag.
Der Koffer zuckt zusammen. Sein Maul klappt wieder auf.
Ich stehe schnell auf und springe auf die Zeitschriften. Hüpfe auf und ab. Mehrmals. Nun ist sie tot. Nun ist sie bestimmt tot, die Schabe.
Der Koffer schaut mich noch immer an. Schon wieder scheint er zu grinsen.
Hör sofort auf, rufe ich ihm zu, sonst bist du der nächste.
Er schließt die Augen und ächzt ein wenig.
Es ist ruhig. Die Illustrierten liegen am Boden. Darunter, irgendwo die Küchenschabe. Ich wage nicht, nachzusehen.
Der Koffer liegt auch da wie leblos. Ich gehe ins Bett.
Am nächsten Morgen räume ich den Koffer aus. Die Illustrierten liegen noch immer da.
Schau schon nach, raunt er mir zu.
Halt dein Maul, du kommst gleich in den Keller.
Ich hebe vorsichtig die Zeitschriften hoch.
Da liegt sie. Zerquetscht, platt, die Fühler daneben. Zwei ihrer Beine auch.
Mitleid hab ich keines. Ich hole den Staubsauger und sauge sie weg.
Als ich den Koffer in den Keller trage, flüstert er mir zu:
Du hysterisches Weib, du hysterisches. Weißt du eigentlich, dass ich jedes Jahr ein kleines Souvenir mitnehme? Vorigen Sommer war es die Eintagsfliege. Zu Ostern die Spinne. Vielleicht im nächsten Jahr eine kleine Schlange, wer weiß? Lass dich überraschen.

Freitag, August 03, 2007

besser eine taube am dach


Ein Ohrwurm ist mir lieber als eine spanische Fliege.
Besser ein Floh im Ohr als eine Laus auf der Leber.
Eine Katze im Sack entpuppt sich manchmal als Wolf im Schafspelz.
Ich habe lieber einen Goldesel als einen Tiger im Tank.
Ein Hotdog schmeckt besser als ein Cold Turkey.
Ein Frosch im Hals vertreibt nicht den Bärenhunger.
Besser eine Maus am Schreibtisch als eine Meise am Dach.
Die Sau raus lassen heißt nicht automatisch Schwein haben.
Besser ein Lurch unter’m Bett als einen Kater im Kopf.