Sonntag, Februar 25, 2007

worm feelings


Das Unvermeidliche ist passiert. Willi ist tot.
Ich fand ihn leblos in meiner Jackentasche.
Ich wollte ihn wieder beleben, aber es war zu spät.
Er wollte nicht mehr. Er war müde.
Es ist besser so.
Er ist nun an einem schöneren Ort.
Ich will nun nicht über seine letzten Stunden schreiben. Das macht mich nur traurig. Ich will mich an die schönen Zeiten mit ihm erinnern.
Die Nächte, die wir gemeinsam verbrachten. Die Stunden, in denen wir über Männer, Musik und Literatur redeten. Es gab Tage, an denen mir zuhörte, wortlos. Ich auf der Couch, er neben mir auf dem Blatt liegend.
Er war für mich da, wann immer ich ihn brauchte. Niemals gab es ein böses Wort, niemals unterbrach er mich. Er war geduldig, ein guter Zuhörer.
Sein Lieblingsplatz war der Efeu.
Es gab Tage, an denen er ruhig auf einem Efeublatt saß und mich verträumt ansah, wenn ich müde von der Arbeit heimkam und ihn fragte ob er einen gemütlichen Tag gehabt hatte. Es gab aber auch Tage, an denen er unruhig war. Ständig den Kopf hob, sich hin- und herdrehte und keine Ruhe fand.
An jenen Tagen setzte ich mich ganz nahe zu ihm, streichelte ihn ganz sanft und redete ruhig auf ihn ein. Danach schlief er fast immer ein.
Es gab aber auch Tage, an denen er übermütig war, sich unter einem Efeublatt versteckte, dann für kurze Zeit hervorlugte - mit einem verschmitzten Lächeln.
Willi liebte die Sonne. Wenn die Sonne durchs Fenster schien, lag er stundenlang regungslos auf seinem Efeublatt und war nicht ansprechbar. Nur manchmal zwinkerte er mir ein wenig zu, als wolle er mir sagen – ist das Leben nicht herrlich?
Und – sei nicht so hektisch. Leg dich hin und ruh dich aus.
Ich traf Willi vor einem halben Jahr. Das Schicksal hatte uns zusammen geführt. Ich rettete ihn sozusagen. Gemeinsam mit dem Efeu, den er bewohnte. Ganz versteckt im letzten Eck war er des Blumenmarktes war er. Er war nicht einfach zu finden. Hinter Geranien und Yucca-Pflanzen auf dem obersten Blatt des Efeus. Da saß er und wartete auf mich. Es war das Schicksal, das uns zusammen führte.
Ich hörte ihn erleichtert seufzen, als ich mit der Pflanze zur Kassa ging. Ich musste ihn einfach haben. Und ich habe es niemals bereut. Auch nicht, nachdem er jedes einzelne Blatt meines Olivenbäumchens anknabberte. Ich konnte ihm einfach nicht böse sein. Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Wir hatten Höhen und Tiefen. Aber wir waren immer füreinander da.
Und ich bin dankbar für die schöne Zeit, die wir hatten.
In seinen letzten Stunden wollte er mir nahe sein. Warum wohl hätte er sich sonst in meine Jackentasche zurückgezogen? Das war eine beschwerliche Reise für ihn. Die Jacke hängt an der Garderobe in der Diele und der Efeu, auf dem er lebte, steht im Wohnzimmer.
Meine Trauer ist unendlich groß. Aber ich fühle gleichzeitig, dass es Zeit ist, in die Zukunft zu schauen. Die wunderschöne Zeit mit Willi ist vorbei.
Ich habe auch schon wieder jemanden gefunden, mit dem ich mein Leben teilen werde.
Gestern sah ich ihn. Ich wollte gerade einen Kuchen backen.
Und da war er. Im Mehlsack. Ganz oben auf. Er ist hübsch, er ist klein.
Dich kann er nicht ersetzen, Willi. Es gibt keinen zweiten Willi.
Aber du lebst in ihm weiter, Willi.
Und wann immer ich ihn ansehe, werde ich deiner gedenken.
Ich habe auch schon einen Namen für ihn, Willi.
Mehl Gibson.

Freitag, Februar 23, 2007

coco


Kokosnüsse sind gefährlich.
Stell dir vor, du bist im Urlaub irgendwo im Süden und sitzt entspannt und nichts ahnend unter einer Kokospalme. Auf einmal macht es bumm. Auf deinem Kopf! Das ist die Kokosnuss! Dieses hinterhältige Stück. Du bist entweder sofort tot wie eine Maus oder hast einen Dachschaden für den Rest deines Lebens.
Wenn da, wo die Kokosnuss wächst, weit und breit kein menschliches Lebewesen in Sicht ist, dann ist der Kokosnuss langweilig. Und wenn der Kokosnuss langweilig ist, dann beginnt die Kokosnuss zu rollen. Kokosnüsse rollen für ihr Leben gern.
Die Kokosnuss rollt und rollt und rollt bis sie zum Meer kommt. Das mag vielleicht lange dauern, doch das macht der Kokosnuss nichts aus. Sie rollt gerne und ist ausdauernd. Rollen ist ihr Hobby. Irgendwann ist die Kokosnuss an irgendeinem Meer angekommen. Und dann springt sie fröhlich in die Fluten und lässt sich treiben bis sie irgendeine Insel oder Festland erreicht, wo noch keine Kokosnüsse leben. Da lässt sie sich dann nieder. Und da bleibt sie. Sie bleibt da so lange, bis aus ihr eine große Kokospalme geworden ist. Und dann hält sie wiederum Ausschau nach einem Menschen, dem sie den Schädel einschlagen kann.
Kokosnüsse sind gefährlich.
Kokosnüsse wollen die Weltherrschaft erzwingen.
Um jeden Preis.
Sie gehen dabei über Leichen und töten nach und nach jedes menschliche Lebewesen auf diesem Planten.
Wenn die Kokosnuss gerade nicht damit beschäftigt ist, Menschen zu töten, dann setzt sie alles daran, überall und jederzeit gegenwärtig zu sein.
Die Kokosnuss will überall allgegenwärtig sein. Auf der ganzen Welt. Und weil Kokosnüsse raffiniert sind, sind sie auch überall gegenwärtig. In verschieden Formen.
Als Kokosflocken in Kokosbusserln, Kokoskuchen und Kokoskuppeln.
Als Fasern in Teppichen, Läufern und Matten.
Als Flüssigkeit in Milch.
Die Kokosnuss glaubt außerdem, dass sie etwas Besonderes ist. Sie sagt, dass sie wie das Klappern der Pferdehufe klingt. Man braucht nur zwei Exemplare ihrer Sorte, die man aneinander klopft. Und dann klingt sie ganz toll
Sie sagte, sie klingt mindestens so toll wie eine Muschel
Eine Frechheit ist das. Sich mit einer Muschel zu vergleichen.
Eine Muschel ist doch etwas ganz Besonderes.
Mit einer Muschel hörst du das ganze Meer, wenn du sie an dein Ohr hältst. Und du brauchst dazu nur eine halbe Muschel!
Und du hörst mit einer halben Muschel das ganze Meer rauschen. Das große.
Meeresrauschen ist doch viel schöner als Pferdehufegeklapper. Und das Meer ist viel größer und beeindruckender als ein Pferd.
Mein Nachbarin heißt Coco.
Coco wollte mich vorige Woche besuchen. Dazu kam sie nicht mehr.
Coco ist nicht mehr.
Coco ist tot.
Erschlagen.
Von einer Blumenampel.
Die war im Angebot vor zwei Wochen. Im Baumarkt. Zwei Kokosschalen-Blumenampeln für 29,99.
Die zweite hängt noch.
Und wartet.
Auf ihr nächstes Opfer.
Kokosnüsse sind gefährlich.
Ich wusste das schon immer.
Aber wer hört schon auf mich?

Mittwoch, Februar 21, 2007

sometimes

sometimes
a moment
of darkness
is just
a step away
from the light

Samstag, Februar 17, 2007

gedankensplitter


Merkwürdig, wie glücklich wir sind wenn wir uns selbst vergessen.

und was wärst du?


Wenn ich eine Tageszeit wäre, dann wäre ich ein Sonnenuntergang
Sonnenuntergänge leuchten
Wenn ich ein Tier wäre, dann wäre ich ein schwarzes Schaf
Schwarze Schafe sind anders
Wenn ich ein Getränk wäre, dann wäre ich ein Glas Sekt
Sekt prickelt und steigt in die Nase
Wenn ich ein Möbelstück wäre, dann wäre ich ein Sofa
Sofas sind weich
Wenn ich eine Farbe wäre, dann wäre ich sonnengelb
Sonnengelb macht froh
Wenn ich ein Instrument wäre, dann wäre ich eine Violine
Violinen weinen manchmal
Wenn ich ein Gefühl wäre, dann wäre ich Sehnsucht
Sehnsucht kommt vom Herzen
Wenn ich ein Geräusch wäre, dann wäre ich ein Lachen
Lachen steckt an
Wenn ich ein Auto wäre, dann wäre ich ein roter Sportflitzer
Rote Sportflitzer sind schnell
Wenn ich ein Material wäre, dann wäre ich Leinen
Leinen ist kühl
Wenn ich ein Monat wäre, dann wäre ich April
April tut was er will
Wenn ich ein Wochentag wäre, dann wäre ich Samstag
Samstag ist Faulenzertag
Wenn ich ein Körperteil wäre, dann wäre ich eine hochgezogene Augenbraue
Hochgezogene Augenbrauen hinterfragen
Wenn ich ein Wort wäre, dann wäre ich Glockenspiel
Glockenspiele klingen
Wenn ich ein Baum wäre, dann wäre ich ein Olivenbaum
Olivenbäume lieben die Sonne
Wenn ich eine Frucht wäre, dann wäre ich eine Marille
Marillen sind süß
Wenn ich ein Buch wäre, dann wäre ich ein Märchenbuch
Märchenbücher verzaubern
Wenn ich ein Musikstück wäre, dann wäre ich Summertime.
Summertime and the livin’ is easy

Donnerstag, Februar 15, 2007

du bist was du isst


Es heißt doch – du bist, was du isst. Demnach wäre ich nun gern ein Schinkenbrot. Auf das hätte ich jetzt Lust. Es ist fast Mitternacht und es ist kein gutes Zeichen, dass ich Lust auf ein Schinkenbrot habe. Derzeit bin ich eine Tasse Kräutertee, die nach Badewasser schmeckt. Die trinke ich nämlich gerade.
Ich habe mir vorgenommen, meine Essgewohnheiten zu überdenken und dann zu ändern. Wieder einmal. Nicht, dass ich ungesundes Zeug esse, nein, eigentlich recht gesund. Den ganzen Tag über bin ich abwechselnd Vollkornbrot, Gemüse und Obst. Weil das esse ich ziemlich oft. Manchmal bin ich auch ein Stück Käse oder ein Joghurt. Aber gegen Abend. Da beginnt das Dilemma. Ich bekomme den größten Hunger am Abend und in der Nacht. Da bin ich dann ein Käsebrot oder ein Wurstbrot oder ein Tomatenbrot oder ein Salamiweckerl. So wie nun. Solche Lust ein Schinkenbrot zu sein. Mit Butter.
Viel trinken muss man. Viel trinken ist ganz wichtig. Viel Wasser trinken. Immerzu Wasser trinken. Während der Arbeit bin ich ein fließender Quell. Auch wenn ich dann ständig auf’s Klo renne, weil meine Blase das nicht gewohnt ist. Mein Problem ist, dass ich Hunger bekomme, wenn ich zuviel Wasser trinke. Mein weiteres Problem ist, dass ich esse, wann mir danach ist und nicht nachdenke, was ich reinstopfe. Ab jetzt mache ich mir bewusst, was ich esse. Ganz bewusst. Sollte ich heute noch ein Schinkenbrot sein, so werde ich das ganz bewusst sein. Ich werde mir sogar vorstellen, dass ich als Schinken mal ein Schwein war. Ein glückliches. Und dass ich als Brot mal ein Weizenfeld war. Ein wogendes. Und dass ich als Butter mal als Milch in der Kuh war.
Ich werde heute natürlích auf keinen Fall mehr ein Schinkenbrot sein, weil ich keines essen werde. Es ist ja schon bald Mitternacht. Ich werde höchstens eine Praline sein. Aber nur ganz kurz. Danach ist mir nun. Süß und verführerisch werde ich sein. Aber ich werde höchstens ein klitzekleines Stückerl von der Praline essen und nur einen kleinen Moment lang eine Praline sein – wenn überhaupt - und das genieße ich ganz bewusst. Und morgen werde ich wieder ganz kurz ein kleines Stückerl Praline sein. Jeden Tag bis die Pralinen weg sind. Das geht aber nicht. Weil wenn ich von diesen wunderbaren Pralinen koste, die mir Peter geschickt hat, dann haben meine Geschmacksknospen erst so richtig Lust auf mehr bekommen und sie ruhen nicht, bevor alles weg ist. Aber heute mache ich das nicht. Heute esse ich nur ein ganz kleines Stückerl. Heute bin ich nur ganz kurz eine Praline.
Morgen bin ich dann wieder Frischzeug.
Morgen esse ich nur Obst und Gemüse. Nein, morgen geht das nicht. Morgen bin ich zum Essen eingeladen. Morgen werde ich zu Mittag kurz ein Hendl sein. Danach vielleicht noch ein Apfelstrudel. Wenn ich Glück habe. Aber übermorgen. Übermorgen bestimmt. Aber übermorgen, fällt mir grad ein, bin ich bei Mama zum Mittagessen. Und übermorgen ist außerdem Faschingssamstag. Und da bäckt Mama immer Faschingskrapfen. Und am Faschingssamstag ein Faschingskrapfen zu sein, ist ein wunderbares Gefühl. Schinkenbrot zu sein wär am Faschingssamstag gar nicht gemütlich.
Aber am Sonntag. Am Sonntag vielleicht. Aber das mit Sonntag ist auch nicht gut, weil am Sonntag bin ich am Morgen ein tolles Frühstück. Ich bin ganz und gar ein ordentliches Frühstück mit allem Drum und Dran. Und immer wenn ich ein ordentliches Frühstück esse, dann geht das mit dem ordentlich Essen den ganzen Tag weiter. Da bin ich den ganzen Tag eine ordentliche Mahlzeit, eine ganz ordentliche.
Ich fange am Aschermittwoch an. Da ist dann Fastenzeit. Weil am Rosenmontag und Faschingsdienstag kann ich unmöglich anfangen. Weil da gehen wir aus. Und da muss ich ordentlich essen. Ein wenig Alkohol muss schon sein im Fasching. Und wenn ich da nicht ordentlich esse, dann vertrag ich ja gar keinen Alkohol. Nicht mal ein oder zwei Caipirinhas. Das geht nicht. Nein, das geht auf keinen Fall.
Ich glaube, ich esse noch so eine kleine Praline. Die vom Peter. Die von australianhomemade. Diese kleine Praline ist wunderbar. Und dass diese kleine Praline 4000 Kalorien hat, das kann nicht sein. So viele Kalorien passen ja gar nicht rein in diese kleine Praline. Außerdem muss ich die Pralinen noch vor dem Aschermittwoch essen. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und da ist es höchst unpassend, eine Praline zu sein. Also ist es egal, wann ich sie esse. Ich esse sie nun gleich alle, und dann sind sie weg und ich denke nicht mehr an sie. Dann bin ich halt ein wenig länger eine Praline. Heute ist es eh schon egal. Heute hab ich eh schon zu viel gegessen. Heut war ich eh schon alles mögliche. Und ich fühle mich schon die ganze Zeit wie eine Praline.
Vielleicht sollte ich das Schinkenbrot doch noch essen? Weil morgen kann ich es sicher nicht essen wenn ich zum Essen eingeladen bin. Und übermorgen, nein übermorgen auch nicht. Kann doch am Faschingssamstag nicht als Schinkenbrot bei Mama auftauchen. Und Schinkenbrot und Faschingskrapfen abwechselnd zu sein ist sehr anstrengend. Und am Rosenmontag und Faschingsdienstag bin ich auf keinen Fall ein Schinkenbrot, wer verkleidet sich schon als Schinkenbrot?
Ich muss das Schinkenbrot heute essen. Es geht gar nicht anders. Es ist egal wenn ich heute ein Schinkenbrot bin, weil ich geh nun eh gleich ins Bett.
Wenn ich aber nun das Schinkenbrot esse, dann bin ich morgen eine Kugel, ich weiß das.
Eine Mozartkugel. Eine Mozartkugel zu sein ist ein wahres Vergnügen, glaub mir. Kugelrund und süß mit weichem Kern.

Mittwoch, Februar 14, 2007

picture this


Seit neuestem habe ich nicht mehr einen Chef, sondern eine Chefin. Und es fällt sofort auf, dass ihr Büro anders aussieht.
Da stehen zwei Vasen mit frischen Blumen. Eine am Fensterbrett und eine am Schreibtisch. Da stehen eine Duftlampe und ein Korb mit Pralinen und Obst. An der Tür hängt jeden Tag ein anderer mehr oder weniger weiser Spruch.
Und - auf ihrem Schreibtisch hat sie Fotos von ihren zwei Kindern.
Wenn ich Chefin wäre, hätte ich auch die Fotos meiner Söhne auf meinem Schreibtisch.
Meine Chefin ist verheiratet. Nun frage ich mich, warum sie das Foto ihres Mannes nicht am Schreibtisch hat. Vielleicht, weil sie zwei Bilder von ihm an der Wand hängen hat? Ihr Ehemann ist Maler.
Wenn man genau schaut, dann bemerkt man folgendes:
Auf Schreibtischen von Chefs gibt es immer Fotos.
Männer haben Fotos ihrer Freundinnen und Ehefrauen auf dem Schreibtisch. Wenn sie Kinder haben, dann auch deren Fotos. Oft ein Foto mit Ehefrau und Kindern. Niemals stehen da Fotos, auf denen sie selbst zu sehen sind.
Lang verheiratete Ehemänner haben selten Fotos ihrer Ehefrauen auf dem Schreibtisch.
Sie haben eher Fotos ihrer Hunde und manchmal noch zusätzlich Fotos ihrer Enkelkinder.
Verheiratete Frauen haben Fotos ihrer Kinder auf dem Schreibtisch. In jedem Fall. Manchmal auch Fotos ihrer Kinder aus vergangenen Tagen. Die Kinder als Babys in der Badewanne, die Kinder am ersten Schultag. Meist haben sie auch ein Foto ihres Mannes auf dem Schreibtisch. Oft gemeinsam mit ihnen selbst, aus Zeiten, in denen sie noch nicht verheiratet waren. Auf der Vespa bei ihrem ersten Urlaub in Italien, in inniger Umarmung bei einem Sonnenuntergang am Meer, auf einer Parkbank am See. Hochzeitsfotos sieht man selten.
Jüngere allein stehende Männer haben Fotos ihres Autos auf dem Schreibtisch. Aber nur wenn sie ein tolles Auto haben. Und oft das Foto ihrer aktuellen Freundin. In einem Wechselrahmen.
Jüngere allein stehende Frauen haben Fotos von irgendwelchen Geburtstagspartys auf dem Schreibtisch. Auf diesen Fotos sind viele andere Frauen zu sehen, die meisten Freundinnen. Fast alle mit tiefem Ausschnitt und einem Sektglas in der Hand.
Allein stehende Frauen haben auch Katzenfotos auf dem Schreibtisch. Meistens Katzenkinderfotos. Aber auch Fotos von Neffen, Nichten und Patenkindern. Oft als Babys. Und oft mit ihnen gemeinsam.
Niemals sieht man ein Foto ihrer verflossenen Liebhaber.
Ältere allein stehende Männer haben oft Fotos von sich und Freunden am Golfplatz. Aber auch Fotos ihres Pferdes, falls sie eines besitzen oder des Sportflitzers. Sehr oft alle gemeinsam. Oder Gruppenfotos mit irgendwelchen berühmten Leuten bei irgendeiner Charity-Veranstaltung.
Ältere allein stehende Frauen bleiben den Katzenfotos treu. Aber nicht nur ein oder zwei Fotos, sondern mindestens zehn. Katzen und Kätzchen in allen Posen. Fotos von Katzenbabys in Körben, von verstorbenen Katzen, von kleinen Katzen, von zugelaufenen Katzen, von Katzen irgendwelcher Freundinnen. Katzen im Bett, auf dem Sofa, Katze am Schoß, im Arm, im Garten.
Wenn ich Chefin wäre, dann hätte ich vermutlich zwei Fotos auf meinem Schreibtisch. Von meinen Söhnen. Und von meinen Eltern.
Weil ich aber keine Chefin bin, habe ich die Fotos meiner Söhne und meiner Eltern in meiner Geldtasche.
Nur leider sieht man die nicht, weil sie unter all diesen Kundenkarten von Supermärkten, Tankstellen und Drogeriemärkten irgendwo sind. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das Foto zeigt meine Nichte. An meinem Schreibtisch.

Dienstag, Februar 13, 2007

fragment


The tenderness
when you touch my hand
The joy
When you smile at me
The softness
when you hold my head
The desire
when you kiss me
The sadness
When you look at me

Makes me cry
Sometimes

Montag, Februar 12, 2007

sitting cow

Kennst du das? frage ich Anna.
Wenn die Leute einfach irgendwelche dumme Fragen stellen?
Ja, sagt Anna. Ich gebe dann dumme Antworten.
Der Lehrerfaschingsball war langweilig in diesem Jahr.
Das Thema ebenfalls. Indianer.
Faschingsverkleidungen sind eine leidige Sache.
Vor allem wenn man sich als etwas, was man nicht mag, verkleiden muss.
Außerdem war ich nicht gut drauf an diesem Wochenende.
Und dann noch verkleiden.
Mir fiel ein Name ein. Sitting Cow.
Das mit dem Sitzen ginge ja. Mir war ohnehin nicht nach Tanzen zumute. Aber sonst? Meine Oberweite geht nicht durch als Euter. Und irgendwelche Luftballons vorn dranhängen wollte ich auch nicht.
Zum Glück fand ich am Nachmittag kurz vor Geschäftsschluss doch noch ein Kostüm im Laden, in dem man Kostüme ausleihen kann. Wie heißt so ein Geschäft? Faschingskostümverleihhaus?
Die Musik war eine Katastrophe. Die Beleuchtung ebenfalls.
Grelles Neonlicht. Die Lehrerindianer sahen wie Bleichgesichter aus.
Stimmung kam keine auf. Jedenfalls bemerkte ich keine.
Die männlichen Kollegen besoffen sich.
Und der eine, so wie jedes Jahr, wurde wiederum sentimental, wenn er getrunken hatte. Schade, dass ich verheiratet bin, sagte er.
Du wärst schon eine für mich. Heute kommen wir mal zum Reden.
Ja, sagte ich. Er schwieg und starrte in sein Bierglas.
Wart, ich hol mir was zu trinken.
An der Bar standen Lo und Anna.
Anna war verkleidet als "Die sich den Wolf tanzt" und Lo war ein Großstadtindianer.
Wir fahren in den Stadl. Do is a guade Musi, sagte Anna.
Lo, fährst mit?
Lo fuhr mit.
Los Mann fuhr nicht mit. Los Mann sah toll aus. Wirklich böse wie ein alternder Indianer in seiner grauen Perücke. Los Mann fand den Ball nett. Es war genug Bier da.
Und dadurch kam auch Stimmung auf. Für ihn jedenfalls. Die Musik störte ihn nicht, die hörte er nicht. Das Neonlicht störte ihn auch nicht. Das sah er nicht.
Wir sind halt im Stadl die einzigen, die verkleidet sind, sagte Lo.
Das ist egal, sagte ich. Da fallen wir wenigstens auf.
Gesteckt voll, der Stadl.
Gute Band, viele Besoffene. Schifahrer, die die Sau rauslassen.
Und immer wieder die Frage: Kommt ihr von einem Maskenball?
Nein, sagte Anna. Wir kommen aus Wisconsin. Wir sind Indianer. Wir sind hier auf Schiurlaub. Hugh.
Diese Antwort erinnerte mich an die Email, die mir Eva vor einiger Zeit
geschickt hatte. Keine Ahnung, ob sie wahr ist. Aber sie klingt wahr.

"I have a Labrador retriever and I was buying a large bag of dog food and was in line to check out. A woman behind me asked if I had a dog. On impulse, I told her no, I was starting The Dog Food Diet again, although I probably shouldn't because I'd ended up in the hospital last time, but that I'd lost 50 pounds before I awakened in an intensive care ward.
I told her that it is a perfect diet and that the way that it works is to fill your pockets with dog food nuggets and simply eat one or two every time you feel hungry.
I have to mention here that practically everyone in the line was by now listening to my story.
Horrified, she asked if I had been poisoned by the food and that is why I ended up in the hospital.
I told her no; I'd been sitting in the street licking my butt and a car hit me."

Heute morgen war ich einkaufen.
Ich kaufte eine Packung Katzenfutter. Obwohl ich keine Katze habe.
Aber die Nachbarin hat eine. Und wenn die Nachbarin nicht da ist, sitzt die Katze vor meiner Tür. Dann füttere ich sie manchmal.
"Seit wann ham Sie a Katz' Frau Amadea?" fragt mich die Kassiererin.
Immer schon, sagte ich. Hab ich Ihnen noch nie von meiner Muschi erzählt?

Samstag, Februar 10, 2007

oma shui

Christiana ist eine Feng-Shui-Expertin.
Unlängst bot sie mir an, meine Wohnung nach den Feng-Shui-Prinzipien zu untersuchen.
Klar sagte ich ja.
Wer will nicht, dass das Chi in der Wohnung frei fließen kann?
Wer will nicht dadurch kreativer und glücklicher werden?
Ich sah mich schon mit gekreuzten Beinen auf dem sonnendurchfluteten Boden meiner Wohnung sitzen, meditierend, lächelnd, zufrieden.
Viel weiß ich nicht über Feng Shui.
Es geht vor allem um das Chi. Das Chi ist sehr empfindlich. Das Chi muss im Raum frei fließen können. Und wenn da ein Kastl mitten im Raum steht, dann kann das Chi da nicht vorbei. Es muss einen Umweg machen. Und Umwege mag das Chi nicht. Spitze Pflanzen mag das Chi auch nicht. Da fließt das Chi gemütlich vom Flur in das Wohnzimmer und auf einmal sieht es eine spitze Pflanze und schon ist es vorbei mit dem Chi. Kaputt, zerschnitten, verstümmelt.
Also weg mit dem Kastl und weg mit dem Kaktus.
Das ist keine große Sache. Wenn’s nix nutzt, dann schadet's nicht.
Christiana ist toll gekleidet wie immer. Sie ist eine der wenigen Personen, die ich kenne, die ständig frisch aussehen. So als sei sie gerade einem Pinienbad entstiegen. Makellose Haut und Figur, strahlende Augen und noch strahlenderes Lächeln.
Sie schwebt durch meine Wohnung während ich einen Fragebogen ausfülle. Und ich beantworte all diese Fragen und je mehr ich beantworte, desto sicherer bin ich mir, dass alle Probleme, die ich mit mir selbst, mit meiner Familie, meiner Chefin, meinen Kollegen und meinen Finanzen habe, von Feng Shui gelöst werden würden.
Einfach alles ein bisserl umstellen, die eine oder andere Wand farbig ausmalen und alles im Leben wird mir gelingen.
Ich bin fertig mit dem Fragebogen und nun geht es los.
Christiana steht in der Diele.
Das geht gar nicht. Diese Unordnung.
Die Schuhe und Stiefel, die da herumliegen. Räum das weg. Das muss alles frei sein.
Du musst wissen, das Chi kommt mit dem Wind. In dem Fall, der Wind den du machst, wenn du die Wohnungstür aufmachst. Und wenn das Chi mit dem Wind daher kommt, nimmt er all den Gestank, der sich in deinen Schuhen, Stiefeln und Patschen jahrelang angesammelt hat mit und trägt ihn hinein in die Küche, ins Wohnzimmer und ins Schlafzimmer und du wirst krank.
Meine Schuhe stinken nicht, ich verwende immer ein Fußdeodorant.
Christiana hört nicht zu.
Christiana redet weiter.
Das Chi sucht sich immer Wasser. Und da bleibt es dann. Und wenn du nicht ständig die Badewanne voll Wasser hast oder irgendwo ein Aquarium stehen, in das sich das Chi hineinflüchten kann, dann ist das Chi ständig in Bewegung auf der Suche nach Wasser. Und da weht dann ständig der Gestank der Schuhe wie ein Wirbelwind in deiner Wohnung hin und her, vor und zurück.
Und da erinnere ich mich an meine Oma.
Und nun weiß ich endlich, warum die Fische von Opas Aquarium immer verendeten. Das war das Chi, voll gesogen mit dem Gestank von Opas Gummistiefel.
Christiana geht ins Wohnzimmer.
Der Fernseher muss weg. Also hör auf fern zu sehen.
Das geht nicht. Manchmal muss ich fernsehen.
Dann deck den Fernseher zu.
Zudecken? So wie einen Kanarienvogel?
Ja, mit einer Plastikabdeckung.
Hab ich nicht. Geht eine Decke auch?
Nein, es muss Plastik sein.
Und wieder fällt mir die Oma ein. Die Oma hatte keinen Fernseher dafür aber eine Plastikabdeckung. Auf dem Tisch. Eine Plastiktischdecke, schön bunt gemustert. Aber die war da nicht wegen dem Chi oder dem Feng oder dem Shui sondern wegen dem Opa. Weil der Opa hat immer gebröselt beim Brot essen.
Christiana geht ins Schlafzimmer.
Der Spiegel muss weg. Ein Spiegel ist gefährlich.
Dieser nicht, sage ich. Ich habe ihn ordentlich befestigt.
Der Spiegel muss weg. Ein Spiegel ist eine Einladung für eine dritte Person. Wenn dein Mann eine Affäre hat, dann bist du selber schuld.
Aber ich habe keinen Mann mehr, Christiana, hast du das vergessen? Ich habe nur einen Ex-Mann und einen Lover. Und warum soll der eine dritte mitnehmen? Dafür ist das Bett zu schmal. Und außerdem hat er genug mit mir zu tun. Mit noch einer Frau wär der total überfordert.
Aber ich sage nichts und nicke.
Und die Oma fällt mir wieder ein.
Ein Spiegel im Schlafzimmer. Wer braucht einen Spiegel im Schlafzimmer? Das haben nur die Perversen. Wir sind katholisch.
Christiana geht in die Küche.
Gegenüber vom Herd darf weder Kühlschrank, noch Waschmaschine noch Waschbecken noch Toilette sein. Weil da treffen Wasser und Feuer aufeinander und liefern sich einen Kampf. Und gleich darauf beginnen auch alle Familienmitglieder an zu kämpfen.
Da hab ich aber Glück. Da trifft nichts zu. Keine Familienmitglieder da zum Kämpfen. Und die Toilette ist auch nicht in der Küche.
Und die Oma fällt mir wieder ein.
Einen Kühlschrank brauchen wir nicht. Wir haben einen Keller. Und die Bassena ist draußen im Gang. Und das Klo auch.
Christiana geht wieder ins Wohnzimmer.
Diese rote Decke auf der Couch muss weg. Die ist gefährlich. Weil rot bedeutet Feuer.
Mit rot musst du sowieso vorsichtig sein. Überlege dir gut, wo du rot hast.
Wenn du ein rotes Sofa hast, dann hast du nur Ärger. Ärger im Beruf und im Privatleben.
Der einzige Ärger, den ich mit der roten Decke habe, ist, dass sie zu kurz ist.
Und schon wieder denke ich an Oma.
Oma hatte keine rote Couch. Oma hatte gar keine Couch. Oma sagte immer – Eine Couch ist was für faule Leute. Wir haben eine Eckbank. Eine Eckbank genügt. Auf einer Eckbank sitzt man. Wer liegen will und müde ist, geht ins Bett.
Christiana geht wieder ins Schlafzimmer.
Mach das Fenster auf in deinem Schlafzimmer. Damit das Chi herein kann.
Das frische Chi. Weil wenn du das nicht machst, dann schläfst du schlecht.
Vor einigen Tagen machte ich nachts das Fenster zu, weil ich ständig einen Schnupfen hatte und am Morgen kalte Füße. Seither ist das Fenster zu und der Schnupfen weg. Und die kalten Füße auch.
In Omas Schlafzimmer war das Fenster immer offen.
Sommer wie Winter. Bei plus dreißig Grad und bei minus dreißig Grad. Und das bisschen Reif auf der Tuchent schadet nicht.
Wenn dir kalt ist, dann arbeite mehr. Dann bist du müde und schläfst wie ein Murmeltier.

Das war vor einigen Wochen.
Ich habe das nun folgendermaßen geregelt:
Fast alle Stiefel und Schuhe sind im Keller.
Die Tür zur Toilette ist immer offen. Der Klodeckel auch. Weil das Klo ist in der Diele. Und so kann der Gestank der restlichen herumliegenden Schuhe gemeinsam mit dem Chi ins Klo fliegen und sich in der Klomuschel ertränken.
Das Schlafzimmerfenster ist nun wieder durchgehend geöffnet. Den Spiegel im Schlafzimmer brauch ich nicht mehr. Weil es ist zu kalt um sich im Schlafzimmer an- und auszuziehen. Ich hab den Spiegel ins Klo gehängt.
Die rote Decke von der Couch habe ich in die linke Ecke meiner Wohnung gelegt. Weil das linke Eck ist laut Christiana das Reichtums-Eck. Und das soll aktiviert werden.
Der Kühlschrank, der gegenüber vom Herd war, steht nun in der Diele im Eck. Da wo es dem Chi auf seinem Weg in das Klo nicht im Weg ist.
Rechts hinten im Wohnzimmer, wo vorher der Schrank mit den schönen Gläsern und dem schönen Geschirr stand, da steht nun ein kleines Tischerl mit Blumen. Weil das ist das Beziehungseck. Und da gehören Blumen hin, sagt Christiana.
Heute sind sie etwas welk. Wenn das Christiana sehen würde. Sie wäre entsetzt. Aber ich hab Windspiele aufgehängt, die machen das alles wieder gut. Windspiele sind das Beste.
Und Traumfänger.
Traumfänger sind das Zweitbeste.
Windspiele und Traumfänger sind so eine Art Filter. Die fangen alles ein. Alle negativen Energien. Oder so.
Und im Baumarkt habe ich mir einen Zimmerbrunnen gekauft. Der ist ein bisserl groß, aber er plätschert hübsch vor sich hin.
Er steht mitten im Wohnzimmer. Nicht ideal, ich weiß, wegen dem Chi. Aber sonst ist nirgends Platz. Aber ich musste den kaufen. Sonderangebot, Ausstellungsstück. Das Chi wird das verstehen, glaub ich.
Fernseher hab ich nun keinen mehr. Der steht im Keller.
Ein Fernseher wär wirklich Unsinn. Weil ich würde eh nichts hören bei dem lauten Plätschern und Geklingel von Brunnen und Windspiel. Und so laut kann ich den Fernseher nicht drehen hier in der Wohnung. Der Mieter unter mir mag das nicht. Weil das Kind vom Mieter kann dann nicht mehr schlafen.
Meditieren mit gekreuzten Beinen auf dem sonnendurchfluteten Wohnzimmerboden geht leider nicht. Weil der Zimmerbrunnen da steht. Aber das macht nichts.
Ich setze mich zum Meditieren aufs Klo.
Und wenn ich die Klotür dann zumache, dann ist es schön ruhig. Da hör ich dann nicht mal mehr das Plätschern vom Zimmerbrunnen.
Der Spiegel im Klo stört mich nicht. Hab eh die Augen zu beim Meditieren.
Opa saß auch immer am Klo wenn er seine Ruhe haben wollte.
Vor Oma Shui.

Samstag, Februar 03, 2007

frosch und maus


Die Maus hörte auf, Dinge zu tun, die sie liebte, weil der Frosch sie als lächerlich oder störend empfand.

Die Maus lud manchmal Freunde in ihr gemeinsames Haus ein. Aber der Frosch jammerte ständig, machte Szenen, fand den Aufwand des Kochens und Tischdeckens als zu übertrieben. Die Maus wurde böse, wütend und traurig.
Wenn der Besuch dann da war, war der Frosch ganz nett. Die Maus hatte zuvor schnell ihre Tränen getrocknet, innerlich aber war sie betrübt, machte aber ein freundliches Gesicht und lies ihre Mäusezähnchen blitzen.
Während die Gäste im Haus waren, ging der Frosch auch manchmal weg, um andere Dinge zu erledigen. Das gefiel der Maus gar nicht.
Wenn sie ihn später darauf ansprach, sagte er, die Leute seien ihm lästig gewesen und er habe ein Recht, die Sonntagsruhe zu genießen.
Die Maus hatte eine andere Meinung darüber. Sie war dazu erzogen worden, freundlich zu sein und Gäste willkommen zu heißen. Außerdem hatte sie gerne Menschen um sich und fühlte sich in Gesellschaft wohl.
Es machte ihr auch nichts aus, wenn die Nachbarin mal kurz vorbeischaute. Die führte zwar ein ganz anderes Leben als die kleine Dorfmaus, sie arbeitete am Feld und wohnte in einem Bauernhaus. Sie war auch um einiges älter.
Das störte die Maus aber nicht. Sie fand es eigentlich ganz amüsant, vom Leben anderer Mäuse zu erfahren und von ihrem eigenen zu erzählen.
Seine eigene Familie und die der Maus hatte der Frosch lieb. Nur an der Schwester der Maus hatte er manchmal etwas auszusetzen. Das störte die Maus aber nicht, da sie ihre Schwester sehr liebte und es ihr nichts ausmachte, sie zu verteidigen.
Die anderen Gäste, die manchmal da waren, kamen aus ganz unterschiedlichen Familien.
Da waren Maulwürfe dabei, Vögel und Eidechsen. Mit ihnen verband die Maus eine jahrelange Freundschaft, und sie hatte auch immer geglaubt, der Frosch wäre auch deren Freund.
Der Frosch war zwar ganz lieb, freundlich und höflich zu den Gästen nach den anfänglichen Vorwürfen, aber in Wirklichkeit war er am liebsten allein oder nur mit seiner Familie zusammen.
Gäste und andere Besucher empfand er als störend.
Die Maus hatte es nicht leicht wenn die ganze Besuchsgesellschaft bei Tische saß. Sie sauste aufgeregt herum, wollte es jedem recht machen, lächelte, machte Späßchen, und schielte immer wieder zum Frosch, ob es ihm auch wohl behagte. Meistens merkte sie, dass es ihm gar nicht gefiel.
Maus und Frosch hatten ein kleines Haustier, einen Hauskäfer. Der war der größte Freund des Frosches.
Die Maus duldete ihn, war aber manchmal eifersüchtig, weil dieser kleine Käfer der größte Schatz des Frosches war. So schien es ihr jedenfalls. Auch der Käfer mochte es gar nicht, wenn irgendwelches fremdes Getier das Haus bevölkerte. Er flüchtete in eine stille Ecke und kam erst wieder hervor, wenn alles wieder ruhig war.
Der Frosch tröstete ihn jedes Mal und die Maus sah in seinen Augen, wie gut er verstand, was in dem Käfer vorging.
Mit der Zeit ließ die Maus davon ab, Freunde einzuladen, weil sie sich niemals gut in ihrem Fell fühlte.
Sie begann, ihre Freunde auswärts zu treffen, oder nur dann einzuladen, wenn der Frosch außer Haus war. Dies aber war sehr selten der Fall, denn er war ein Hausfrosch.
Als sich der Frosch und die Maus kennen gelernt hatten, war der Frosch noch recht aktiv. Er traf sich zum wöchentlichen Fröscheschach und war Mitglied im Sozialtierclub.
Maus und Frosch waren auch sehr aktiv, gingen aus, trafen andere Frösche und Mäuse und hatten Spaß. Es schien, als hätten beide Freude daran.
Langsam und stetig aber wurde all das weniger.
Vor allem, nachdem sie ihr schönes, neues Haus bezogen hatten, hörte der Frosch auf, an irgendwelchen anderen Aktivitäten teilzunehmen. Nur in dringenden Fällen half er bei Einsätzen der Feuersalamander mit.
Die Maus aber liebte es, zu Konzerten zu gehen, mit anderem Getier sich zu treffen und Unsinn zu treiben, zu lachen, und zu reden.
Frosch und Maus hatten in früheren Zeiten gemeinsam Ausflüge in andere Wiesen, Felder und zu Teiche und Sümpfe unternommen. Das hatte ihnen beiden gefallen.
Aber nun wollte der Frosch das nicht mehr.
Er sagte, er könne den Hauskäfer nicht allein lassen. Dies sei dieser nicht gewohnt. So machte die Maus immer öfter allein Ausflüge. Und fuhr sogar in ihrer freien Zeit in das Feld jenseits des großen Teiches. Manchmal nahm sie auch ihre Froschmäuseriche mit.
Sie hätten alle gemeinsam diese lustige Reise unternehmen können. Das wollte der Frosch aber nicht.
Die Tiere jenseits des Teiches sprachen eine fremde Sprache, die ihm nicht gefiel.
Und je mehr die Maus ihn drängte, je mehr sie ihm von den Schönheiten des weit entfernten Feldes erzählte, desto weiter wich der Frosch zurück. Nicht einmal das Zureden der Froschmäuseriche half.
So war die Maus im Urlaub meist auf dem anderen Feld jenseits des Sumpfes gemeinsam mit ihren Froschmäuserichen und der Frosch verbrachte seine Zeit im häuslichen Tümpel mit Froschhüpfen und Beobachten der Natur.
Mit der Zeit hatten Frosch und Maus nicht mehr viel zu reden.
Jeder lebte sein Leben. Die Froschmäuseriche waren froh, dass sie einander hatten, denn auch sie spürten, dass Frosch und Maus einander fremd geworden waren.
Irgendwann war sich die Maus sicher, dass Frosch und Maus nicht füreiander geschaffen waren.

Diese Geschichte schrieb die Maus vor einigen Jahren. Als sie sie dem Frosch zu lesen gab, wurde dieser ungehalten und zornig.
Darauf hin beschloss die Maus, den Frosch zu verlassen.

Freitag, Februar 02, 2007

das gelbe vom ei

Wärst du das Gelbe von meinem Ei
Dieses samtige Gelbe von meinem Frühstücksei
Ich würde dich löffeln
Mit geschlossenen Augen
Ich würde dich schlürfen
Mit Genuss

Wärst du die Erdbeere in meinem Joghurt
Diese fruchtige Erdbeere in meinem Vanillejoghurt
Ich würde dich schmecken
Mit geschlossenen Augen
Ich würde dich verzehren
Mit Genuss

Wärst du der Eiswürfel in meinem Drink
Dieser kalte Eiswürfel in meinem Longdrink
Ich würde dich lutschen
Mit geschlossenen Augen
Ich würde dich zerbeißen
Mit Genuss


Donnerstag, Februar 01, 2007

mon


Ich schreibe Mon und mein Computer tippt weiter. Und schon steht da Montag.
Das ist klasse.
Das wäre auch in anderen Bereichen meines Lebens klasse.
Ich nehme den Wohnungsschlüssel und schon laufen meine Schuhe zur Tür wie ein Hund, der Gassi gehen will. Es schwingt sich die Jacke herunter von der Garderobe und lässt mich in sie hinein schlüpfen.
Am Morgen nach dem Aufstehen öffne ich die Badezimmertüre und schon dreht sich die Dusche auf. Danach schwingt sich das Badetuch vom Haken und schlingt sich um meinen Körper.
Die Kaffeemaschine macht Kaffee und gleich darauf öffnet sich der Kühlschrank. Das Milchpackerl hüpft heraus, die Milch ergießt sich in den Kaffee, die Zuckerdose springt aus dem Schrank und versüßt den Kaffee.
Malheur Nummer eins:
Ich mag keinen Zucker im Kaffee. Also leere ich ihn in den Ausguss. Gleich darauf schaltet sich die Kaffeemaschine wiederum ein und brüht mir neuen Kaffee, obwohl ich eigentlich gar keinen Kaffee mehr mag sondern lieber Orangensaft.
Also nehme ich zwei Orangen um sie auszupressen. Die Bestecklade öffnet sich und ein Messer springt heraus, weil es glaubt, ich will die Orangen schälen.
Nun esse ich halt die Orangen weil sie schon geschält sind. Den Kaffee lasse ich stehen. Ich will die Kaffeemaschine nicht schon wieder verwirren. Im selben Moment springt das Kastentürl unter der Abwasch auf. Da, wo der Kompostkübel drin ist. Die Orangenschalen werfen sich hinein, dass es nur so spritzt. Man kann ihre Freude spüren. Nun saust der Kompostkübel zur Tür weil er voll ist und sich ausleeren will. Ich bin zwar nicht in Laune, mit zum Ausleeren zu gehen, aber ich muss wohl oder übel die Prozedur mitmachen. Also lasse ich den Kübel hinuntergehen und folge ihm. Die Komposttonne öffnet sich, aber weil sie gestern ausgeleert wurde, steht sie am anderen Ende des Hauses. Und ich laufe hinter dem Kübel her.
Es regnet. Ich habe die Hausschuhe an. Schon höre ich hinter mir, wie die Gummistiefel anmarschieren. Ich zieh die nie an. Schon gar nicht zum Müll raus tragen. Aber es ist zu spät. Die Hausschuhe lösen sich von meinen Füßen und schon sind stattdessen die Stiefel dran.
Ich folge den Hausschuhen, die flott in meine Wohnung gehen und sich im Flur in die Ecke stellen.
Irgendwie bin ich erschöpft. Ich lege mich auf die Couch um ein wenig zu dösen. Schon schaltet sich der Fernseher ein, obwohl ich das gar nicht will.
Das nervt mich. Also gehe ich ins Schlafzimmer um mich auf das Bett zu legen. Aber kaum liege ich da, spüre ich ein Ziehen und Zerren unter der Bettdecke. Meine Kleider reißen sich mir vom Leib und der Pyjama zieht sich mich an.
Da läutet es an der Tür. Fast zur selben Zeit fliegen die Türen des Kleiderkastens auf. Schon liegt der Hosenanzug auf mir und stülpt sich über den Pyjama.
Es steht aber nur meine Freundin draußen, die mich abholen will zum Spazieren gehen. Sie fragt mich, warum ich den Hosenanzug an habe. Ich will antworten, aber bevor ich etwas sagen kann, schaltet sich die Kaffeemaschine ein und brüht wiederum Kaffee. Zwei Tassen fliegen aus dem Schrank hinüber zum Tisch, hinter ihnen zwei Kaffeelöffel. Das Milchpackerl gleitet vom Kühlschrank zum Tisch und ergießt sich in die Tassen. Die Zuckerdose schwebt sanft über den Tassen und verschüttet sich großzügig in ihnen.
Malheur Nummer zwei:
Die Freundin trinkt nur Tee.
Ich komme zum Schluss, dass so ein Programm, so ein automatisches doch nicht klasse ist.
Ich werde mein Rechtschreibprogramm erweitern. Ich habe entdeckt, dass ich das Wort Montag eigentlich gar nicht so oft schreibe. Es gibt Wörter mit Mon, die ich öfter schreibe als Montag.
Wenn ich also das nächste Mal Mon tippe, dann steht da nicht mehr Mon tag, sondern Mon d oder Mon strudel.