Samstag, März 31, 2007

away on leave

for a while


Ist es Fluch oder Wolllust des Reisens, dass Orte, die vorher in der Unendlichkeit und Unerreichbarkeit lagen, endlich erreicht sind?

Entspricht es der Wirklichkeit, dass mein Eindruck von einem Ort, an dem ich weile, so ist, wie ich ihn empfinde?

Dieser Eindruck sitzt in meinem Gedächtnis fest, und er ist so, wie ich ihn während meiner Reise empfand. Ein subjektiver, in keiner weise der Wirklichkeit entsprechender.

Vielleicht könnte ich das durchbrechen, wenn sich mein Schicksal mit Menschenschicksalen fremder Orte verknüpft, und ich sozusagen unsterbliche Erlebnisse heimbringe.

Kann ich als Tourist offen auf das Fremde zugehen? Vergleiche ich nicht ständig das Neue mit dem mir Vertrauten?

Der Reiz des Gegensätzlichen birgt Angst und Ablehnung in sich.

Reisen wir aus Gier nach unberührten Gebieten oder ist es einfach der alte Menschheitstraum von einem bild des Friedens, der Freundschaft, des Glücks?

Konstruieren wir selbst die Mythen von der Kraft der Natur und dem Zauber der Begegnung mit dem einfachen Campesino oder dem balinesischen Fischer und seiner Familie?

Das „echte“ und unverfälschte ist doch eine Mystifikation. Einheimische agieren, wenn sie beobachtet werden, wie auf einer Bühne. Die Kultur eines fremden Volkes bleibt unerreichbar. Wir haben kein Interesse an diesem fremden Alltag, den Routinen, den mit Langeweile und Arbeit behafteten Vollzügen anderer Kulturen.

Ist Reisen Abgrenzung vom eigenen Ich oder eine Chance zur Ich-Ergänzung und Vervollständigung?

Sind wir alle Opfer von Filmen und Sehnsuchtsliteratur und reisen diesen Bildern nach, um im Schnappschuss dem Leben den entscheidenden Augenblick zu entreißen?

Und das Bild hält fest, was an Selbstvergewisserung notwendig erschien, so wie eine Trophäe. Es ist aber doch nur Projektionsfläche von Sehnsucht und Traum.

Die Reise zu sich selbst führt um die ganze Welt.



Freitag, März 30, 2007

learning by doing

Es ist schwierig für mich, am Telefon etwas zu erklären, weil ich die Person nicht sehe.
Es ist nicht schwierig, einen Brief zu schreiben. Das ist anders. Das ist ja wie eine Art Selbstgespräch oder Monolog.
Am Telefon ist das anders. Es ist schwer, etwas zu beschreiben. Wie etwas aussieht, eine Wohnung, ein Haus, ein Gegenstand. Und dann fallen mir auch die richtigen Worte nicht ein, es zu erklären.
Und die Fragen der Person, die da am anderen Ende zuhört. Die bringen mich ganz durcheinander. Weil am Telefon siehst du nicht, ob der andere versteht. Wenn du mit jemandem von Angesicht zu Angesicht redest, dann merkst du genau, ob er versteht oder nicht. Am Blick, am Gesichtsausdruck, an seiner Körperhaltung.
Und wenn ich merke, dass die Person gar nichts versteht oder nur so tut, als ob sie verstehen würde, dann setze ich alles ein. Mimik, Gestik, Stimme. So lange, bis die Person alles kapiert.
Und am Telefon seh ich gar nichts. Da höre ich dann nur mmm..aha…aja..und weiß, er hat nun gar nichts verstanden. Und ich fange dann an, herumzugestikulieren.
Aber nichts wird besser. Weil er es ja nicht sieht. Es ist auch schwierig für mich, wenn mir jemand am Telefon was erklärt. Das ist mir zu theoretisch. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann muss ich die Person ansehen können. Ganz schlimm sind Gebrauchsanweisungen. Für den Computer, zum Beispiel. Da geht gar nichts mit nur Erklären. Das muss ich sofort ausprobieren. Da geht bei mir nur „Learning by doing“. Mit „Learning by listening“ geht gar nichts.
Ein Kollege von mir sagte mir unlängst, bei ihm sei das genau umgekehrt. Er fände es schwierig, Dinge zu erklären oder erklärt zu bekommen, wenn er jemanden anschaue. Das verwirre ihn und er komme ganz durcheinander beim Denken.
Er erklärte mir unlängst, wie das neue Englisch-Programm in der Schule funktioniert. Das am Computer. Und er erzählte und erklärte. Und ich, aufmerksam, schaute ihm intensiv in die Augen, um mein Interesse zu zeigen und um ja nichts zu verpassen.
Aber er schaute immer weg und fing an zu stottern und machte komische Pausen.
Bis ich es endlich kapierte.
Ich drehte mich um.
Und dann funktionierte es. Er erklärte mir alles genau, seine Sätze waren flüssig, er stotterte nicht mehr. Aber ich verstand nicht was er sagte, weil ich ihn nicht sehen konnte. Doch das merkte er nicht, weil ich ja in die andere Richtung schaute.
Das Ergebnis war, dass ich nach wie vor vom Englisch-Programm keine Ahnung hatte.
Und das sagte ich ihm dann.
Und er meinte: „Ruf mich am Wochenende an, da hab ich dann Zeit und ich kann es dir am Telefon genau erklären.“

Donnerstag, März 29, 2007

ohrgasmus


Ich sitze auf der Bank vor dem Cafe.
Und da lese ich: Ich liebe Kerstin.
Graffiti heißt das heute.
Graffitis gab es immer schon. Aber damals hießen anders. Wie, weiß ich nicht.
Ich ritzte meine Graffitis in die Kirchenbank. Während der Predigt. Amadea liebt Reinhold.
Reinhold wusste natürlich nicht, dass ich ihn liebte. Reinhold liebte ich, als ich sieben war. Kurz vor der Erstkommunion.
„Willst du mit mir gehen?“, fragte ich ihn. Mit gehen meinte ich die Erstkommunionsprozession. „Ja, aber nur wenn du einen Schleier hast“, sagte Reinhold.
Klar, und was für einen.“
Es stellte sich dann aber später heraus, dass der Schleier, den ich hatte, nicht ein Schleier für den Kopf, sondern einer für die Kerze war. Darüber schrieb ich hier.
Ich sitze da auf der Bank vor dem Cafe und lese. Kevin liebt Kerstin. Kerstin hat einen Busen. Kerstin ist feil. Wohl verschrieben.
Ich wünsche dem Kevin von Herzen, dass er irgendwann glücklich wird mit Kerstin. Ein ganzes Leben lang. Oder wenigstens eine Woche lang.
Kerstin weiß sicher nicht, dass Kevin sie liebt. Kevin ist bestimmt schüchtern. Und Kerstin ist für Kevin bestimmt unerreichbar. Er wird sich niemals trauen, sie anzureden und vermutlich wird er immer wieder irgendwo ihren Namen einritzen und dabei seufzen. Ich bin sicher – er seufzt.
Ich seufzte auch, wenn ich Reinholds Namen in die Kirchenbank ritzte.
Nach Reinhold kam Herbert. In Herbert war ich mit dreizehn verliebt.
Und auch er ist in der Kirchenbank verewigt. Gleich neben Reinhold. Amadea liebt Herbert. Mit Datum.
Herbert wusste auch nicht, dass ich ihn liebte. Und ich konnte ihn auch nicht fragen, ob er mit mir gehen wollte, weil es gab keine Erstkommunion mehr. Es gab nur mehr Firmung. Und bei der Firmung geht man mit keinem Buben. Bei der Firmung geht man mit seiner Firmpatin. Und Schleier gibt es auch keinen.
In Herbert war ich sehr verliebt. Er war der Hahn im Korb in der Klasse.
Da gab es diesen beiden Mädchen, die nicht so schüchtern waren wie ich.
Die eine, Susanne, hatte langes Haar und immer die besten Leckereien mit als Jause.
Ihre Eltern hatten ein Gasthaus. Sie war auch immer gut gekleidet.
Und sie fütterte Herbert jeden Tag mit Extrawurstsemmeln mit Essiggurkerl drin und Topfengolatschen.
Da hatte ich keine Chance. Ich hatte weder Wurstsemmel mit Gurkerl noch Topfengolatsche mit sondern meist ein Käsebrot. Manchmal ein Speckbrot.
Und Herbert mochte Wurstsemmel lieber als Käsebrot.
Glaubte ich jedenfalls. Gefragt hab ich ihn nie.
Außerdem hätte ich nicht meine Jause verschenkt, und wenn, dann nur an jemanden, der keine hatte.
Die zweite, Annemarie, war eine Wilde. Sie raufte immer mit den Buben. Aber nicht mit Herbert. Mit Herbert war sie zuckersüß. Ihm schenkte sie Süßigkeiten.
Vermutlich war Herbert überfordert mit Susanne und Annemarie.
Weil irgendwann, im Physiksaal, saß er hinter mir und begann, ganz leicht mein Haar zu streicheln. Ich saß da wie versteinert mit Gänsehaut und konnte mein Glück nicht fassen.
Von da an liebte ich die Physikstunden. Natürlich nur wenn wir in den Physiksaal gingen. Und Herbert liebte ich noch mehr. Und ich wusste, er liebte mich.
Er schenkte mir jeden Tag heimlich Susannes Wurstsemmel mit Gurkerl.
Und ich wusch mir zweimal in der Woche mein Haar, montags und mittwochs. Weil da hatte ich Physik.
Meiner Mutter gefiel das nicht. „Was wäschst dir denn ständig die Haare? Ein Luxus ist das. Und ungesund. Und eine Wasserverschwendung.“
Aber ich hörte nicht auf sie. Von Herbert erzählte ich ihr natürlich nichts. Am Ende der dritten Klasse hatte ich in Physik ein Genügend. Wegen Herbert. Aber das war mir egal.
Das Ritual weitete sich mit der Zeit aus. Herbert streichelte nun nicht nur im Physiksaal, sondern auch im Filmsaal.
Und im Filmsaal war das viel aufregender. Weil im Filmsaal war es dunkel. Und das gefiel dem Herbert. Und mir auch.
Er fing mit dem Haar an und dehnte sein Streicheln dann aus auf Nacken und Schultern.
Einmal, in der Biologie-Stunde während eines Films, ich hatte die Augen geschlossen, und ruhte mit dem Kopf auf der Sessellehne, fuhr er mir mit zwei Fingern in die Ohren. In beide. Ich war elektrisiert.
Mein erster Ohrgasmus war das!
In dem Moment riss der Film. Was ich nicht bemerkte. Weil meine Ohren zugestopft waren mit Herberts Fingern. Als das Licht anging, war es zu spät. Die Lehrerin hatte alles gesehen. Sie schaute mich funkelnd an. Nun war es zu spät.
Ihr Mund öffnete sich: „ Amadea, kannst du mir helfen, den Film wieder einzuspannen?“
Ich war sprachlos.
Ich war überwältigt.
Solche Momente vergisst man nicht.
Momente, in denen man einer anderen Person ausgeliefert ist und diese Person das nicht ausnützt. Momente, in denen man ertappt wird. Mit Fingern in den Ohren, zum Beispiel.

Beim letzten Klassentreffen traf ich Herbert wieder.
Aus der Zauber.
Nie und nimmer dürfte er mein Haar streicheln.
Und erst recht nicht seine Finger in meine Ohren stecken. Höchstens einladen dürfte er mich. Auf eine Wurstsemmel.
Mit Essiggurkerl.

Dienstag, März 27, 2007

liebe


Du kennst diesen kleinen Kerl auch, gell?
Diese Heftklammer, die da manchmal erscheint.
Da auf dem Bildschirm rechts unten.
Diese Heftklammer, die da herumblinzelt und dich nervt weil sie dich immer wieder fragt und nicht eher aufhört, bis du antwortest. Und dann gefällt ihr die Antwort nicht und sie fragt dich wieder. Und dann blinzelt sie, mehrmals, wissend oder unwissend, je nachdem.
Bei mir blinzelt sie eher unwissend.
Wer hat eigentlich diese blöde grinsend blinzelnde Heftklammer erfunden? Sicher der Herr Microsoft.
Und ich blinzle auch zurück, aber nicht unwissend, sondern ungeduldig.
Aber das scheint diese Heftklammer nicht zu stören.
Sie grinst, blinzelt und fragt nach wie vor.
Diese Heftklammer ist keine weibliche Heftklammer.
Sie ist ein Mann. Sie ist ein Klammer. Klammeraff wäre ein netter Name für ihn. Aber den gibt es ja schon.
Also nenne ich ihn einfach Klammer. Der Klammer.
Und er gebärdet sich auch wie ein Klammer. Er klammert. Sich fest da unten.
Du setzt dich fröhlich an den Computer und tippst lächelnd und guter Dinge und auf einmal ist er da.
Der Klammer.
Und schon fragt er: „Amadea, mir scheint du willst einen Brief schreiben. Soll ich dir helfen?“ „Nein, du sollst mir nicht helfen. Ich kann das allein. Ich habe schon in der Schule gelernt, wie man einen Brief schreibe. Also schleich dich.“
Aber er hört nicht. Er schleicht sich nicht. Obwohl du ihn weggeklickt hast.
Amadea, das sieht nach Brief aus. Ich bin sicher, du brauchst meine Hilfe.“ Und er grinst und blinzelt der Klammer, der Aff.
„Nein, ich brauche nicht deine Hilfe. Und ich schreibe auch keinen Brief.“
Amadea, du hast Liebe geschrieben. Ich bin sicher, du schreibst einen Brief. Ich helfe dir nun“. Und schon schreibt der Klammer das Datum hin.
In Zahlen!
Wo ich Datum nur in Zahlen gar nicht mag. Zahlen mit Gedankenstrichen dazwischen.
Ich schreibe niemals zwischen Zahlen Gedankenstriche. Ich schreibe nur Gedankenstriche, wenn ich oder der, der das liest, was ich schreibe, kurz denken soll.
Beim Datum gibt es nichts zu denken. Das Datum liest man und aus.
Außerdem gibt es viel mehr zu denken wenn man statt eines Dreiers März schreibt. Weil beim März denk ich an Schneeglöckerl und Märzenbecher, auch ohne Gedankenstricherl.
Beim Dreier denke ich an die Note Befriedigend. Wie langweilig.
Es mag ja auch Leute geben, die beim Dreier an was anderes denken als an Befriedigend.
Ich nicht. Als Lehrerin denkt man an Befriedigend.
Ein Pfarrer würde an die Dreifaltigkeit denken.
Der eine oder andere würde an einen flotten Dreier denken. Vielleicht ja auch der Pfarrer.
Mein Uropa hätte an Zigaretten gedacht, an das Packerl Dreier.
Und ein Lottospieler denkt beim Dreier an seinen letzten Tipp. Wenn er keinen Sechser hatte.
Und der Klammer liest Liebe und denkt an Brief !
Wer denkt beim Wort Liebe an Brief ?!
Der Erfinder des Klammers war sicher ein Beamter. Nur ein Beamter denkt an Brief wenn er das Wort Liebe hört.
Wenn ich Liebe schreibe, dann heißt das nicht, dass ich auch einen Brief schreibe, Herr Klammer. Herrschaftzeit’n!
Und auch wenn ich einen Brief schreibe, dann will ich ihn allein schreiben und so wie ich es mag und nicht wie Herr Klammer das mag.
Außerdem schreibe ich keinen Brief.
Ich schreibe ein Gedicht. Ein Gedicht, das mit Liebe anfängt.
Nicht nur Briefe fangen mit Liebe an, auch Gedichte!
Und man kann auch ein Gedicht über die Liebe schreiben wenn man oben das Datum hinschreibt.
Warum nicht?
Vielleicht will ich im Altersheim wenn ich meine Gedichte lese, wissen, dass ich es am 27. März geschrieben habe?
Jeder kann Gedichte so schreiben, wie er will.
Mit oder ohne Datum.
Ich schreibe jedenfalls nun keinen Brief.
Ich schreibe ein Gedicht.
Ein Gedicht, das mit mit Liebe beginnt und bei dem oben das Datum steht.
Ohne Gedankenstricherl und Dreier, dafür mit März.
Alles klar, Herr Oberlehrerklammeraff?

26. März 2007
Liebe meines Lebens,
ich suchte vergebens,
doch nun bist du da,
hurra.

Sonntag, März 25, 2007

dialog

Wer bist du und was machst du hier?
Ich bin du als Erwachsene.
Du siehst anders aus.
Was, anders?
Na, dein Haar ist anders und diese Falten.
Wo, Falten? Ich hab keine Falten. Na ja, ein paar kleine. Aber wer sieht die schon?
Zugenommen hast du auch.
Nun werd nicht frech. Mit sechs war ich zu dünn.
Na ja, okay. Bist du Balletttänzerin geworden?
Nein, Lehrerin.
Okay, Lehrerin geht auch. Da hast du viel Freizeit und kannst ständig lesen.
Ich habe nicht Zeit, ständig zu lesen.
Du liest nicht drei Stunden täglich?
Nein, das geht sich nicht aus.
Aber du kannst doch Ballett tanzen?
Nein.
Aber das wolltest du doch immer mit sechs. Weißt du das nicht mehr?
Ja, ich weiß. Ich habe das vergessen.
Wie hast du das vergessen können? Aber du spielst Saxophon, ja?
Nein.
Du spielst nicht Saxophon? Nicht mal Schlagzeug?
Nein, ich wollte es lernen. Aber ich durfte nicht. Es war zu wenig Geld da. Aber ich kann Tennis spielen. Ich spiele zwar nicht mehr. Aber ich kann es.
Wenigstens etwas. Hast du einen Hund?
Nein.
Keinen Hund? Nicht einmal einen kleinen?
Nein, das geht nicht. Ist nicht erwünscht in der Wohnung.
Aber ein Hund war dein größter Wunsch. Einen Hund wolltest du auf jeden Fall. Du hast eine eigene Wohnung?
Klar.
Toll. Mit rosarotem Schlafzimmer? Und vielen Teddybären?
Nein, das nicht. Es ist grün, das Schlafzimmer. Und ich habe nur einen Teddybär. Den, den du auch hast.
Das ganze Schlafzimmer ist grün?
Nein, nicht das ganze. Halt eher grün als rosa.
Und in der Wohnung lebst du mit deiner Familie?
Nein, da wohne ich allein.
Du hast keine Familie?
Ich habe eine Familie. Halt keinen Ehemann mehr.
Wieso hast du keinen Ehemann mehr?
Wir haben uns getrennt. Aber das wäre nun zu kompliziert zu erklären. Aber ich habe Kinder.
Wie viele Kinder?
Zwei. Zwei Buben. Die sind schon erwachsen.
Schön. Sehen die wie ich aus?
Ja, ein wenig. Du würdest sie mögen. Und sie dich. Sie lieben Musik. Sie spielen beide ein Instrument. Einer sogar Schlagzeug.
Ich finde das toll.
Ja, ich auch.
Malst du?
Nein, nicht mehr. Ich habe mal gemalt. Vor einigen Jahren. Aber ich war nicht gut.
Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin sehr gut im Malen. Sagt meine Lehrerin.
Ich fotografiere ein wenig. So als Hobby.
Du fotografierst? Was denn?
Alles mögliche. Was ich so sehe.
Ich schreibe schöne Geschichten, sagt meine Lehrerin. Ich darf meine Aufsätze oft vor der Klasse vorlesen.
Ich schreibe auch.
Du schreibst auch? Toll. Ein Buch?
Nein, auch Geschichten.
Was für Geschichten?
Ganz verschiedene. Was mir halt so einfällt.
Schreibst du auch über mich?
Klar, schreibe ich auch über dich.
Schreibst du nette Dinge über mich?
Klar, nur nette Dinge. Ich hab dich ja lieb.

Samstag, März 24, 2007

snow bored


Ich geh heut snowboarden. Gehst mit, Amadea?
No, I am snow-bored.

Freitag, März 23, 2007

mourning has broken

Es ist nun amtlich.
Das rote Bikinioberteil ist verschwunden.
Nach unbestätigten Angaben wurde das Bikinioberteil das letzte Mal am Samstag, dem 26. Januar am Eingang des Hallenbades gesehen. Der Bademeister bestätigte, dass er um 18.50 das Bikinioberteil in Begleitung des Bikiniunterteils gesehen hatte. Es befand sich zu dieser Zeit in einer Badetasche.
Das Bikinioberteil erreichte an diesem Abend vermutlich nie seine Wohnung.
Die Durchsuchung der Umgebung ergab keinerlei Hinweise auf das Verschwinden des Bikinioberteils. Trotz unzähliger Hinweise aus der Bevölkerung verfolgt die Polizei noch keine heiße Spur.
Nach einem Zeugenaufruf seien unzählige Hinweise bei der Polizei eingegangen. „Die Chancen, das Bikinioberteil unversehrt zu finden, stehen sehr schlecht“, teilte der Sprecher des Bundeskriminalamtes mit.
Der Bürgermeister der Heimatgemeinde des Bikinioberteils sprach von einem schweren Verlust und ließ die örtlichen Fahnen auf Halbmast setzen. „Es war ein Bikinioberteil des Volkes“.
Für kommenden Sonntag ist ein Gedenkgottesdienst mit den örtlichen Vereinen angesetzt.
Der Chorleiter komponierte ein Oratorium mit dem Titel „Bikinioberteil, wir beten um dein Heil“.
In den letzten Wochen haben tausende Trauernde vor dem Hallenbad und vor der Wohnung des Bikinioberteils Blumenbouquets hinterlegt.
Die Verkäuferin der Palmers-Boutique, in in der das Bikinioberteil gemeinsam mit dem Bikiniunterteil gekauft wurde, teilte in einem Interview mit: "Ich bin geschockt und in tiefer Trauer. Ich kannte das Bikinioberteil nur kurz, aber in dieser Zeit ist es mir ans Herz gewachsen. Es lässt sich nicht ersetzen.“
Ein Augenzeuge berichtete in ’Salzburg heute’, er habe gesehen, dass ein Hund in Begleitung einer älteren Dame das Bikinioberteil im Maul hatte.
Die Polizei wird diesen Angaben nachgehen.
Ein weiterer Zeuge, der anonym bleiben will, sprach von einer Verschwörung zwischen Bikiniunterteil und Straßenkehrer. Nach seinen Angaben habe das Bikiniunterteil das Bikinioberteil gewaltsam aus der Badetasche gestoßen. Gleich darauf sei ein Gemeindebediensteter mit einer Schubkarre erschienen. „Es war der Straßenkehrer mit dem Besen.“
Die regierende Partei schloss die Teilschuld der Opposition nicht aus.
Die Grünen kündigten eine Untersuchung durch den Umweltsausschuss an.
Der Landesinnungsmeister der österreichischen Badewäschenhersteller sagte gestern in einem Interview: „Diese gegenseitigen Schuldzuweisungen müssen ein Ende haben. Es ist unsere Pflicht und Aufgabe, uns an die schönen Zeiten mit dem Bikinioberteil zu erinnern.“
Im Palmers-Geschäft des Ortes wurde heute Morgen ein Kondolenzbuch aufgelegt. Die Bevölkerung ist aufgerufen, ihre Beileidbezeugungen kundzutun. Der Geschäftsführer von Palmers sagte heute in einem ORF-Interview: „Für die Ergreifung des Täters wird eine Belohnung in Form eines Bikinis ausgesetzt. In blau.“

Mittwoch, März 21, 2007

yoga

Du bist so jung wie deine Wirbelsäule, heißt es doch immer.
Danach müsste ich sechsundneunzig sein, weil ich immer schon Probleme hatte, bei gestreckten Beinen meine Zehen zu berühren. Auch schon mit siebzehn. Meine Turnlehrerin sagte damals: Amadea, Amadea. Das wird ein schlimmes Ende nehmen mit dir. Sie prophezeite mir schreckliche Rückenschmerzen.
Ich musste mich damals mitten im Turnsaal auf den Bauch legen. Schaut mal alle her, sagte sie und zeigte meinen Mitschülerinnen meine Wirbelsäule, die damals vermutlich auch schon um die achtzig war. Seht ihr? Da im Kreuz ist alles verwachsen, verknöchert. Die wird sich noch anschauen, die Amadea.
Blödes Weib. Tat so, als ob ich schon im Rollstuhl sitzen würde. Dabei war ich sportlich wie eine Gazelle. Beim Laufen und Weitspringen war ich die beste und sehr gut im Geräteturnen. Gymnastik war halt nicht meine Stärke.
Und das letzte Mal beim Aerobic war die Trainerin krank. Also sprang ihr Mann ein, ein Kollege von mir.
Wir nennen ihn Ypsilon.
Wenn du nur sein Gesicht siehst, weißt du, dass er aus Muskeln besteht. Nur Muskeln, kein Gramm Fett.
Liebe Damen, sagte er, als wir uns abmühten, unsere Zehen zu erreichen. Ihr habt da hinten an den Beinen alle eine Muskelverkürzung. Das könnt ihr alles korrigieren durch Üben, Üben, Üben. Yoga wäre da ganz gut geeignet.
Meine Muskeln sind also hinten an den Beinen zu kurz. Komischerweise kommen sie mir nicht kürzer vor als vorne. Und eigentlich bin ich ganz zufrieden mit den Muskeln an meinen Beinen. Auch mit den hinteren.
Bewegen Sie sich langsam und sanft. Alles geht wie von selbst und ganz leicht. Der Yogalehrer auf der DVD, die ich mir besorgte, sieht irgendwie ungesund aus.
Viel zu dünn und bleich. Er hat einen stechenden Blick und erinnert mich ein wenig an eine Kobra, obwohl ich noch nie eine Kobra gesehen habe.
Da steht er mit weiter, weißer Jogginghose und gefalteten Händen.
Männern mit gefalteten Händen traue ich nicht.
Die sieht man manchmal in Diskussionen. Sehr oft haben sie ein Stecktuch im Ausschnitt und fast immer eine Glatze. Der Yogalehrer hat stattdessen einen nackten Oberkörper und eine lange, lockige Mähne. Er sieht nicht aus wie einer, der an irgendetwas Spaß hat. Aber vielleicht ist es ja so, dass man durch Yoga seine Emotionen so gut kontrollieren kann, dass niemand anderer sieht, wie man sich fühlt.
Mir sieht man es immer an, wie es mir geht. Wenn ich gestresst bin, dann sehe ich gestresst aus, wenn ich müde bin, sehe ich müde aus und wenn ich grantig bin, dann sehe ich grantig aus. Also ein Grund mehr, Yoga zu üben.
Wir beginnen mit dem Kamel. Beugen Sie sich nach vor. Richtung Knie. Strecken Sie ihre Arme zur Seite.
Ich Arme strecke meine Arme zur Seite.
Machen sie Ihren Mund nun breit wie ein Frosch und bewegen sie ihren Unterkiefer Richtung Nase.
Was?
Wie soll ich zum Bildschirm sehen können wenn ich gerade das Kamel mache?
Ich hebe kurz den Kopf, um zu sehen, was der Yogi da am Bildschirm macht. Da schießt mir das Blut ins Hirnkastl. Nun ist mir schwindelig. Ich taumle.
Die Wäschespinne, auf der meine Wäsche trocknet, fällt um und fast hätte ich es der Spinne gleich getan.
Ausgezeichnet, Sie machen das wunderbar, sagt er und schaut mich durchdringend an.
Ich hebe die Wäschespinne auf.
Wieso weißt du das, du Aff’? Kannst du mich sehen? Hör auf, mich zu erschrecken. Yogalehrer beruhigen und sind sanft. Du bist wohl einer von der harten Sorte?
Das Telefon läutet. Ich kämpfe mich durch den Berg Wäsche. Zu spät. Aufgelegt.
Als ich zurückkomme, macht der Yogalehrer gerade den Pfau. Er steht da – mit erhobenem Kopf - und hält mit einer Hand seinen Fuß, das Bein durchgestreckt.
Ich mache also den Pfau. Da verfängt sich mein Haar in der Wäschespinne, sie fällt wiederum um und ich auf sie drauf. Nun lasse ich Wäschespinne und mich liegen.
Nun kommen wir zum Krokodil, sagt der Yogi. Krokodil geht gut liegend, denke ich mir. Ich muss mich dabei auf den Rücken legen, Beine anheben, Knie abwinkeln und dann strecken. Es fällt mir schwer, auf den Bildschirm zu schauen. Ich tue es dennoch und schon passiert es. Ein stechender Schmerz im Nacken. Es kracht. Der Blumenstock liegt auf der toten Wäschespinne, die Blumenerde auf meiner noch nassen Wäsche.
Gut dass ich den Kopf nicht drehen kann. Das ist sicher kein schöner Anblick.
Wir kommen nun zum halben Skorpion, säuselt der Yogi. Diese Übung trainiert das Gleichgewicht, dehnt Arme und Beine und macht den Rücken beweglich.
Ich habe nun genug. Ich habe Kopfweh, mein Hals ist verrenkt und die Wohnung ein Staustall.
Ich lege mich auf die Couch. Ich bin geschafft.
Und nun kommen die fünf Tibeter, höre ich aus dem Fernseher.
Fünf Tibeter? In meiner kleinen Wohnung?
Das lasse ich auf keinen Fall zu. Was glaubt der eigentlich?
Mit dem Yogi, der Spinne, dem Kamel, Pfau, dem Krokodil und dem halben Skorpion sind wir dann elf. Wenn ich mich dazu zähle, zwölf!
Das geht nicht!
Viel zu klein - meine Wohnung.
Aber die Tibeter – die könnten da aufräumen, während ich mich ausruhe.
Wenn die flott sind, haben sie das in einer halben Stunde.
Zu fünft ist das ein Klacks.

Sonntag, März 18, 2007

eine haarige sache


„Amadea, Amadea, hilf mir!“
Es klingt gefährlich.
Hanne ist da. Hanne lebt in Hamburg. Hanne ist meine Cousine. Sie ist für ein paar Tage bei mir. Zum Ausspannen.
Gerade eben ist sie im Bad und macht sich zurecht. Ich stehe in der Küche und hacke gerade Zwiebel.
In einer Stunde kommen Lo, Anna und Schneewittchen zum Essen.
„Amadeaaaaaaaaa!“
Sie hat sicher das Abflussrohr aufgeschraubt und alles steht unter Wasser. Heute Morgen beim Zähneputzen hat sie geschimpft.
„ Da rinnt ja gar nichts mehr ab!“
Ich sause ins Bad.
„Hilf mir. Da, mit der Bürste, ich bring die nicht mehr runter.“
Sie steht da, halb nackt mit der Haarbürste mitten am Kopf.
„Ich sehe aus wie ein Gockel mit Hahnenkamm“, schimpft sie. „Mach das ab, sofort.“
Du siehst aus wie eine Henne mit Hannenkamm, sage ich. Wolltest du dir dein Haar heut nicht hochstecken?“
„Lass die Witze, mach was.“
Ich schau mal. Setz dich. Aber ich schau nur kurz, ich muss kochen.“ Das sieht nicht gut aus. Eigentlich sieht das hoffnungslos aus.“
Die Bürste sitzt fest. Wie angeklebt
Das kommt davon, dass du ohne zu fragen diese Bürste nimmst. Diese Bürste darf man nicht nehmen. Mir ist das auch passiert. Vor einiger Zeit. Am Morgen, bevor ich in die Schule ging. Ich hab die Bürste rausgerissen mit einem Schopf Haaren. Fast wär ich zu spät gekommen.“
„Red nicht so viel, mach die Bürste da runter!“
Hanne, ich bin mitten unterm Kochen, ich hab dazu nun keine Geduld. Lo ist gut beim Entwirren. Sie wird das schon machen.
„Na toll“, sagt Hanne. „Ich sitz da in BH und Höschen und lerne gleich deine Freundinnen kennen. Was für ein Empfang.“
Das macht nichts“, sie verstehen das. „Sie sind es schon gewohnt, dass bei mir immer was los ist.
„Warum passieren mir immer mit dir solche Dinge, Amadea? Damals in London, weißt du noch?“
Ja, aber das hatten wir noch nie. Eine Bürste am Kopf.“
„Du warst auf einmal weg. Du in der U-Bahn und ich allein mitten in London. Und du hast dein Handy zu Hause gelassen, weißt du noch?“
Ja, ich weiß, Hanne. Aber das besprechen wir nun nicht. Es ist dreiviertel sieben. Ich muss in die Küche.
Hanne bleibt im Bad.
Kurz vor halb acht erscheint sie. Angezogen.
Die Bürste prangt nach wie vor auf ihrem Kopf. Hoch oben. Aber der Stiel ist ab.
Das sieht ganz gut aus“ sage ich. „Wie eine Haarspange."
Ich muss lachen.
„Lach nicht, die Bürste sticht, ich brauch ein Glas Wein, sonst halt ich das gar nicht aus."
Fünf Bürsten hab ich. Und du nimmst die eine, die im Haar stecken bleibt. Kennst du Murphy’s law?“
„Nein, und ich will das nun auch nicht kennen.“
Hanne gießt sich ein Glas Rotwein ein und trinkt es in einem Zug aus.
Trink nur, Alkohol betäubt.
Später sitzen wir am Tisch. Es gibt Ruccola mit Schafskäse, Tomaten und Artischocken als Vorspeise, Piccata Milanese als Hauptspeise und Vanilleeis und Mousse au Chocolat auf frischen Beeren.
Lo trägt ihre Ohrringe, Anna eine Haskette, Schneewittchen ein Armband, ich die Teller zum Tisch und Hanne eine Bürste.
Wir reden und lachen. Hanne ist etwas schweigsam. Lo tröstet sie: "Wir machen das schon, Hanne. Mach dir keine Sorgen."
Nach dem Essen geht es los. Im Bad.
Hanne wie ein Häufchen Elend am Badewannenrand, umgeben von Lo, Anna und Schneewittchen.
Ich bringe dem Häufchen Elend das dritte Glas Wein.
„Balsam, Amadea. Wir brauchen Balsam.“
Hab ich nicht.“ Die Nachbarin hat einen. „Ein Notfall, Frau Nachbarin. San’s so guat.
„Stielkamm, Amadea. Wir brauchen einen Stielkamm.“
Hab ich nicht.“ Ich gehe in die Küche und hole ein Stäbchen. Das vom Chinesen.
„Nagelschere, Amadea. Wir brauchen eine Nagelschere.“
Eine Nagelschere hab ich.
Hanne sitzt da, gebückt, schweigsam, das Weinglas in der Hand. Lo, Anna und Schneewittchen hantieren mit Balsam, Stäbchen und Nagelschere.
Tupfer, Frau Doktor?“ frage ich.
„Raus da, Amadea. Lass die Scherze.“
Mah, halb elf is’ scho“, sagt Schneewittchen. „Wir wollten um zehn im Stadl sein.“
Das ist egal“, sagt Anna. „Wir bleiben eh bis drei.“
Nach zwei Stunden ist die Bürste weg von Hannes Kopf und wir gleich darauf im Stadl.
Und heute morgen als ich aufstehe, sitzt Hanne auf der Couch. Mit neuer Frisur. Ihr Haar ist kurz. So kurz wie Streichhölzer.
„Ich war heut schon beim Friseur, Amadea. Aber du erzählst das ihnen nicht. Untersteh dich.“

Mittwoch, März 14, 2007

mund art


Die österreichische Sprache hat so ihre Eigenarten.
Dir geht es nicht gut. Man sieht es dir an.
Dann fragt dich vielleicht dein Kollege: Hast was? Dann antwortest du: Ja, Kopfweh. Der Kollege könnte dich aber auch fragen: Fehlt dir was? Und dann sagst du auch: Ich habe Kopfweh.
Auch wenn er dich fragt: Du hast doch nichts? antwortest du: Ja, Kopfweh.
Er könnte aber auch fragen, wo fehlt’s dir? Auch dann sagst du: Ich habe Kopfweh.
Die Mundart hat ihre besonderen Eigenheiten.
Für das Wort zwei gibt es drei verschiedene Wörter: zwoa, zwe und zwo.
Mia zwoa heißt wir beide. Das können zwei Männer sein, zwei Frauen, aber auch ein Mann oder eine Frau.
De zwo heißt diese beiden Männer.
Und de zwe sind zwei Frauen.
A kasig’s Diandl – käsiges Dirndl - ist kein bleiches Mädchen, sondern ein hübsches.
Gfiggad ist kein schlimmes Wort.
Gfiggad heißt schwächlich.
Gschaftig hat nichts mit Geschäft zu tun. Gschaftig heißt neugierig. Zu einer neugierigen Person sagt man auch Gschaftloch.
Nudel ist ein ganz verschieden verwendetes Wort.
Nidei sind kleine Kartoffelteigstücke. Die Erschtäpfinidei werden aus Kartoffeln gemacht und mit Sauerkraut serviert.
Ein Nudl ist ein Kuchen. Roahnudl sind Buchteln. Und Moosbeenudl sind Heidelbeerlaibchen. Man kann aber auch Moosbeenockn sagen.
Wenn man aber sagt, den hat’s gnudlt, so meint man, er wurde krank. Den hat’s aufgnudelt, so heißt das, er hat sich wirschaftlich übernommen. Aussinudln bedeutet jemanden aus dem Haus vertreiben.
Schnaggl ist der Schluckauf. Ba dia zwoa hot’s gschnagglt, heißt, die beiden haben sich verliebt und mit de Finga schnaggln heißt mit den Fingern knacken.
Zum Schluckauf gibt es einen Reim, den mein Vater immer sagte, als ich ein Kind war.
Stoßt di da Schnaggl,
denk auf’n Jaggl,
da Jaggl denkt auf di,
da Schnaggl is dahi.
Schnacksln heißt aber ganz etwas anderes.
Ich gebe dir ein Beispiel. Vielleicht kommst du ja drauf.
Ba dia zwoa hot’s gschnagglt. De hom sicha schon gschnackslt.

Montag, März 12, 2007

the seventies are back !


Ich nehme das, was in Modezeitschriften steht, sehr ernst.
Wirklich.
Eines hab ich gelernt.
Es ist wichtig, so schnell wie möglich das, was gerade in ist, zu tragen, sonst ist es wieder out.
Wenn du nicht schnell genug bist, dann musst du halt warten. Fünfzehn, zwanzig Jahre.
Dann ist alles wieder in. Mehr oder weniger.
Ein Problem gibt es.
Es kann sein, dass du in den fünfzehn, zwanzig Jahren zugenommen hast. Fünfzehn, zwanzig Kilos. Weil du schwanger warst oder zuviel gegessen hast. Dann wird es ein wenig eng.
Gott sei Dank gibt es Kleidungsstücke, denen diese paar Kilos nichts ausmachen. Wickelröcke, zum Beispiel. Oder Leggings.
Und da hast du Glück in diesem Sommer. Weil in diesem Sommer kannst du wieder die alten Leggings hervorkramen. Ich leider nicht mehr. Weil ich trug die Leggings während der Babypause und meine sind verschlissen um die Knie herum vom Herumrutschen beim Bodenwischen.
Aber ich habe noch den Wickelrock, den indischen. Der passt mir immer noch.
Welches Glück!
Naja, er passt schon, irgendwie. Aber irgendwie sieht er doch nicht mehr so toll aus. Und das nicht nur, weil er ausgebleicht ist.
Wenn ich den Bauch einziehe und diese lose Jacke darüber trage und dann noch Schulterpolster hineinstopfe, dann geht das vielleicht. Ich muss das probieren.
Weil Schulterpolster sind heuer auch wieder modern.
Welches Glück!
Kleidung soll ja lose sitzen, wenn sie elegant aussehen soll. Du musst halt Größe 34 haben, damit das, was es zu kaufen gibt, lose sitzt.
Ich bin froh, wenn ich überhaupt in das, was es zu kaufen gibt, hinein komme.
Übrigens, du musst nicht immer sündteure Designer-Kleidung tragen.
Du kannst anziehen, was du willst. Alles kannst du anziehen. Wenn jemand die violette Rüschenbluse deiner Tante, die sie dir vererbt hat, als altmodisch bezeichnest, zuckst du nur verächtlich mit der Schulter und hauchst: Vintage. Camden, London.
Wenn du daher läufst wie eine Vogelscheuche, und jemand sieht dich herablassend an, dann sagst du: Hey, ich bin Künstlerin, Trendsetterin. Noch nie was von street fashion gehört?
Beim Friseur las ich, was heuer angesagt ist.
Grau und weiß und sehr feminin kleiden sich Mann und Frau, wenn sie im Sommer 2007 die Blicke an sich ziehen wollen.
Die Frauen sollen sich anziehen wie Nena seinerzeit, als sie die Luftballons in Amerika bekannt machte und die Männer wie Leo in Catch me if you can.
Und das Layering ist angesagt. Layering ist DER Trend!
Hamma schon kein ozone-layer, brauchen wir halt das Layering auf unserem Körper.
Ich bin mir nun nicht ganz sicher, ob Layering schlank macht oder dick.
Ich muss das ausprobieren. Jedenfalls macht es heiß. das ist sicher. Besonders im Sommer.
Bin ich froh, dass ich im Gebirg wohn.
Layering geht ganz einfach.
Du ziehst einfach alles, was du hast an. Oder fast alles. Aber nur oben herum. Unten herum NUR die Leggings.
Wir sagen ja die Leggin in Österreich. Das ist aber nicht ungewöhnlich. Wir sagen ja auch die Jean.
Der Mann nicht. Der Mann darf kein Layering anziehen. Der Mann ist ganz schmal, knabenhaft, weiblich. So wie der Leo halt.
Ein wenig Pomade darf er nehmen. Und sich einen Schnauzer wachsen lassen. Oder einen aufkleben. Schnauzer sind ganz in heuer.
Ich muss meine Einstellung zu Schnauzern ändern, glaub ich. Wenigstens in diesem Sommer. Ich muss vermutlich meine Einstellung zu Bärten überhaupt ändern. Bis jetzt hab ich immer gesagt: Bärte dürfen nur Männer tragen, die mindestens siebzig sind und Professor und Schnauzer gehen gar nicht. Schnauzer sind ein Relikt aus den Siebzigern.
Und nun haben wir die wieder, die Siebziger. Und sogar bald.
Der Sommer ist nicht mehr weit!
Toll wird das heuer aussehen im Sommer. Du gehst da einher mit deinem Liebsten. Er sieht aus wie Leo nach einer Fastenkur und du siehst aus wie eine Riesenhummel mit Schulterpolstern.
Puffärmel sind auch in. Da hab ich Glück. Puffärmel sind bei uns am Land nie out.
Ein Dirndlkleid ohne weiße Puffärmelbluse ist wie ein Apfelstrudel ohne Schlagobers.
Marineblau.
Marineblau ist ganz in. Kombiniert mit weiß.
Das hat meine Oma schon immer gesagt. Mit blau und weiß schaust immer adrett aus.
Meine Oma hat aber auch gesagt: Grün und blau – Bauernsau.
Das heißt übersetzt – Grün und blau passen nicht zamm.
Kommen wir nun zu den Schuhen.
Bei den Schuhen haben wir auch die Siebzigermode.
Welches Glück!
Die Plateausohlen sind ein Muss in diesem Sommer.
Und Röhrenjeans, weiße!
Ich bin ja der Meinung, weiße Röhrenjeans können nur Vierzehnjährige tragen oder Personen mit der Figur von Keith Richards im Jahre 1972.
Aber ich werde wohl meine Meinung ändern müssen. In diesem Sommer. Wäre ja nicht das erste Mal.
Und in der Zeitschrift, die ich da las beim Friseur stand ein ganz wichtiger Satz:
Mode soll Spaß machen.
Dieser Satz gefällt mir.
Ich werde mir demnächst weiße Röhrenjeans kaufen so zum Spaß und als Layering die Dirndlkleidpuffärmelbluse und den marineblauen Blazer mit den Schulterpolstern und den Goldknöpfen anziehen. Der liegt im Dachboden meiner Mama. Da liegen auch die Plateausandalen, die ich bis jetzt manchmal im Fasching anzog. Alles Vintage-stuff.
Das macht Spaß.
Den anderen.
Mir weniger.
Ich werde schwitzen wie ein Eisbär im Sommer im Salzburger Tiergarten.
Aber das stand auch nicht in der Zeitung. Dass es mir Spaß machen soll.
Die werden a Gaudi haben, die anderen.
Wenn sie sehen, wie ich auf die Schnauze falle.
Mit den Plateausohlen, den goldenen.
Gold ist auch in.
In diesem Sommer.
(Die tollen Beine gehören zu meinem Kollegen. Der war schon voriges Jahr im Fasching in).

Freitag, März 09, 2007

die bank Ihres vertrauens


Wenn du bei uns unterwegs bist, egal mit Fahrrad oder zu Fuß, siehst du alle paar Meter eine Bank.
Nicht die Bank, die du meinst. Nein, eine Holzbank. Auf die man sich setzen kann.
Neben der Bank ist fast immer ein Mistkübel. Und auf der Bank ein paar Leute, meistens ältere, oft mit Gehstöcken. Aber nur wenn die Sonne scheint.
So eine Bank ist meist eine Spenderbank, auch Bankspende genannt, weil sie von jemandem gespendet wurde. Meistens wird die Bank von einer Firma gespendet.
Die Organisation, die diese Bankspenden betreut, nennt man Bankspendenbank.
Der Chef einer solchen Organisation nennt man Bankmanager.
Bei uns gibt es ziemlich viele Bänke, die von einer Firma gespendet wurde. Diese Firma heißt Atomic.
Atomic spendet sowieso viel.
Das neueste Feuerwehrauto der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes ist auch von Atomic. Es ist rot so wie alle Feuerwehrautos. Aber es hat einen großen weißen Atomic-Stern auf der Seite und Autogramme der berühmten Schifahrer. Natürlich nur derer, die einen Atomic-Schi fahren. Manchmal spendet auch eine Bank eine Bank.
So eine Bank nennt man Bankbank. Die hat ein kleines Schild drauf, auf dem steht: Gespendet von Ihrer Bank. Auch wenn das nicht deine Bank ist. Ihrer steht in jedem Fall drauf.
Ein wenig komisch, weil wir mehrere Banken haben.
Gut, dass die Gesetze zur Einhaltung der idyllischen Berglandschaft so streng sind, sonst würden überall rote Bänke mit einem Atomicstern herumstehen. Das wäre für die meist älteren Bankbenutzer mit Sehbehinderung und mit oder ohne Gehstöcke ein Vorteil, weil sie schon von weitem zu sehen wären.
Jedenfalls sind die Atomicbänke nicht rot sondern braun. Aber sie haben ein rotes Schild, ein kleines. Auf dem steht: Gespendet von Atomic.
Komischerweise steht da nicht: Gespendet von Ihrer Schifirma, obwohl es bei uns nur eine Schifirma gibt. Eine kleiner Atomicstern ist immer drauf.
Ich sitze nicht oft auf einer Bank.
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil Bänke an schönen Tagen ohnehin immer besetzt sind, meist mit älteren Menschen mit Gehstöcken und mit oder ohne Sehbehinderung.
Zweitens, weil mich der Anblick und der Geruch des Mistkübels stört. Die Fliegen stört das nicht, aber mich stören auch die Fliegen.
Bänke stehen immer an besonderen Plätzen. Da wo ein Berg oder da wo ein See ist. Oder ein alter Baum oder eine große Wiese.
Weil wir viele Seen, Berge, Bäume und Wiesen haben, haben wir auch viele Bänke. Und um diese Bänke muss sich jemand kümmern.
Diese Person ist verantwortlich dafür, dass überall, wo Berg, See, Baum oder Wiese sind, eine Bank hinzustellen. Diese Person nennt man Banker. Der Banker ist meist Gemeindeangestellter. Der Banker fährt zu Beginn des Frühlings landauf und landab, schaut die Landschaft an und entscheidet, wo eine Bank zu stehen hat. Die stellt er dann mit einem zweiten Banker auf.
Wenn ein neuer See entstanden ist oder ein neuer Berg, dann braucht der Banker eine neue Bank. Dann schreibt der Banker an Atomic oder eine andere Firma und fragt um eine Bankspende.
Die Firma sagt dann manchmal ja.
Atomic sagt immer ja.
Der Banker geht darauf hin zum Zimmermann und bestellt eine Bank. Dann stellt er sie mit dem zweiten Banker auf und klebt ein Spenderschild drauf.
In unserem Ort gab es einmal einen besonders kreativen Banker.
Der stellte an den ungewöhnlichsten Orten Bänke auf.
Mitten in einer Wiese stellte er zehn Bänke kreisförmig auf.
Er nannte dieses Gebiet Stonebench.
Mitten am Parkplatz des Supermarktes stellte er Bänke auf.
Die nannte er Parkbänke.
Vor dem Computergeschäft gleich beim Eingang stellte er eine auf. Die nannte er Datenbank.
Und vor dem Sonnenstudio stellte er eine auf. Die nannte er Sonnenbank.
Vor der Gärtnerei stellte er auch eine auf. Die nannte er Samenbank.
Auch vor der Bank Ihres Vertrauens stellte er eine auf.
Die nannte er Bankomat.
Dieser Banker wurde bald entlassen.
Nicht weit von hier gibt es einen Kreisverkehr mit einer Grünfläche in der Mitte.
Und da steht eine Bank. Ich habe noch niemals irgendjemanden da sitzen sehen.
Wann immer ich da vorbei fahre, es sitzt nie jemand auf dieser Bank. Auch nicht im Sommer.
Es ist eine ganz gefährliche Stelle.
Ständig fahren Autos hin und her.
Es gibt weder Zebrastreifen noch Fußgängerübergang.
Ich wollte wissen, wer diese Bank gespendet hat.
Diese Selbstmörderbank.
Und ich wollte testen, ob ich es schaffe, zwischen den vielen Autos, die wild im Kreisverkehr herum, hinein und hinaus fahren, zur Bank zu gelangen.
Ich wusste, das war eine lebensgefährliche Sache.
Es dauerte eine halbe Stunde. Ich war geschafft, als ich mich erschöpft auf der Bank niederließ.
Und ich lese die Aufschrift:
Gespendet von SixFeetUnder. Ihr Bestattungsinstitut.

Mittwoch, März 07, 2007

meine rüttelschleime


Das Rauschen vom Wildbach macht jedes Bild wach.

Von den tollen Hängematten sie ‚ne große Menge hatten.

Der Handlanger, am Land hang er.

Kennst du den Hausmeister? - Ja, Maus heißt er.

Nach jedem Sturmtief sitzt der Turm schief.

Gib mir mal den Bausatz, du Saubatz!

Wasserleiche? Lass! Er weiche!

Dieser Kerzenhalter macht mich im Herzen kalter.

Schaut her, da ist die Hautscher’!

Riesenschwindel um Wiesenschindel!

Nur mit Standlicht er ins Land sticht.

Setzling, let’s sing!

Gib mir ein Stück Rand, ich bin im Rückstand.

Rings herum hing Serum.

Montag, März 05, 2007

irma la dusch


Es begann ganz harmlos.
An einem Morgen im Spätfrühling.
Sie war da.
Irma.
Irma, die Ameise.
Ich wohnte damals noch in meiner alten, ebenerdig gelegenen Wohnung.
Da saß sie.
Mitten in meiner Dusche.
So, als ob es für eine Ameise ganz selbstverständlich wäre, in einer Dusche zu sitzen.
Ameisen haben ja, so wissen wir, ein hoch entwickeltes Kommunikationssystem.
Also blieb Irma nicht lange alleine.
Innerhalb weniger Minuten, waren Irmas Freunde ebenfalls in meiner Dusche.
Ich hatte keine Ahnung, woher sie gekommen waren.
Ich hatte auch keine Ahnung, warum sie gerade in der Dusche waren.
Jedenfalls waren sie da.
Die Dusche war eine ganz normale Menschendusche und eigentlich kein gemütlicher Platz für Ameisen. Es gab keine Schlupflöcher, keine Tannennadeln oder sonst irgendwelches Zeug, mit dem Ameisen was anfangen könnten. Ein paar Haare vielleicht und Seifenreste, aber was tun Ameisen damit?
Jedenfalls war eine ganze Kolonie von Ameisen da. Hunderte.
Und damit begann das Problem.
Normalerweise bin ich ja für eine friedliche und gewaltfreie Lösung. Normalerweise befördere ich sämtliche Kleintiere vorsichtig hinaus in die Natur.
Aber wie beförderst du Hunderte Ameisen hinaus in die Natur?
Ich entschied mich für die harte Tour.
Ich drehte die Dusche auf und spülte die Ameisenkolonie den Abfluss hinunter.
Sie waren alle weg. Für fünf Minuten. Danach waren sie wieder da. So als ob nichts geschehen wäre.
Ich entschied mich für die superharte Tour.
Ich nahm die Fliegenklatsche, stieg in die Dusche – barfuß natürlich- und holte aus.
Nur hatte ich vergessen, dass ich während der harten Tour das Wasser aufgedreht hatte. Ich rutschte aus, mein Kopf klatsche auf dem der Dusche auf und ich wäre fast draufgegangen.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Irma und ihre Kollegen sich die Ameisenbeine rieben. Ich bin sicher, in ihrer schmutzigen Fantasie malten sie sich aus, wie ich langsam verwesen und sie mich anknabbern und aussaugen würden.
Als ich mich aufrappelte, höhnisches Gelächter. Irma lachte besonders laut und hysterisch.
Eine, die so dämlich lacht, hat AMeise. Das ist sicher.
Das verlangte nach Rache.
Ameisengift kam nicht in Frage.
Da würde ich noch draufgehen. Und was nützt dir eine tote Kolonie Ameisen, wenn du selbst das Zeitliche gesegnet hast?
Ich brauchte einen teuflischen Plan. Außerdem war ich mir sicher, dass Irma und ihre Genossen schon einen Schlachtplan entwickelt hatten, wie sich mich zur Strecke bringen wollten. Sie waren für den Extremfall gerüstet, das wusste ich.
Ich musste strategisch vorgehen, mir einen Plan aushecken, einen guten. Ich brauchte professionelle Hilfe um der Ameiseninvasion Frau zu werden.
Und da fiel er mir ein. Spider Murphy. Spider Murphy lebte auf meinem Olivenbäumchen. Schon einige Tage lang.
Das war es!
Ich setzte mich hinaus zu ihm auf den Balkon.
„Hör mal, Murphy. Ich brauche deine Hilfe. Du brauchst das nicht umsonst zu tun. Kost und Logis frei – so lange du willst.“ Ich schilderte ihm mein Problem, wir setzten einen Vertrag auf und er unterschrieb. Zuvor bat ich ihn aber noch, äußerst vorsichtig zu sein und überlegt zu handeln.
Er schien fast ein wenig beleidigt zu sein, dass ich ihn derart unterschätzte. „Ich mach das schon, Amadea. Verlass dich auf mich.“
Die Mission begann nachts.
Heimlich und leise baute er in einer Ecke der Dusche sein Netzwerk auf. Bereits nach vierunzwanzig Stunden war der Boden der Dusche übersät mit Ameisenleichen.
Amausentot waren sie. Alle.
Ich war stolz auf Murphy und mich und bedauerte die Ameisen.
Gar so klug sind sie ja nicht. Wenn die Ameisenleichen riechen oder sehen, dann sind die alle sofort da, um ihren Tod zu untersuchen. Neugierig und geschäftig, gierig. Um ja nichts zu verpassen, um ja besonders klug zu sein.
Dummes Volk!
Darum sind sie nach wie vor an letzter Stelle der Nahrungskette und darum sind wir Menschen ganz oben.
Weil angenommen, ich sehe auf der Straße Menschenleichen liegen, bin ich dann so blöd und lauf hin, um nachzuschauen?
Nein, ich laufe weg, in die andere Richtung. Ich rufe höchstens die Polizei an. Oder auch nicht. Vielleicht tu ich gar nichts. Man kriegt eh nur Ärger, wenn man sich irgendwo einmischt.
Die Ameisen schon. Sich überall einmischen. Die haben allesamt aMeise, aber eine ordentliche.
Spider Murphy erledigte die Sache schnell und unauffällig. Er war ein grausamer, aber effizienter Mörder. Nachdem er die ganze Kolonie getötet hatte, widmete er sich Irma. Mit Genuss, man konnte es sehen.
Er wickelte sie ein, so wie Männer Frauen um den Finger wickeln. Er hüllte sie ein in ein seidiges Fadenkleid. Das war kein fadenscheiniges Kleid. Nein, das war ein Totenkleid. Und das wusste die gute Irma nicht. Armes Ding! Sie glaubte, das sei ein Seidenkleid, ein echtes Seidenkleid.
Spider Murphy machte das geschickt. Während er sie einhüllte in den seidigen Totenfaden, und kurz bevor Irma ihr kurzes Ameisenleben aushauchte, flüsterte er ihr ins Ohr. „Life is total war, my friend.“
Ich war wirklich beeindruckt. Spider Murphy kannte den Film "Irma la Dusch"und sogar ein Zitat daraus! Und englisch konnte er auch.
Ein gewieftes Kerlchen, dieser Murphy.
„Das war’s Amadea, sagte er, als er sein Netz abbaute. „Ich will nun wieder auf meinen Baum. Ich habe Lust auf eine Fliege und ich brauch etwas Ruhe. Räum den Saustall auf, schmeiß die Irma auf den Komposthaufen und dusche dich endlich.“

Sonntag, März 04, 2007

wos da baua nit kennt, des frisst a nit


Amadea, kommst du mit zum Running Sushi?
Nun hör mir mal gut zu, meine Liebe.
Ich erzähle dir nun eine kleine Geschichte.
Mein Urururururgroßvater war ein Höhlenmensch. Eines Tages entdeckte sein Freund durch Zufall, dass die Forelle besser schmeckte, wenn man sie briet. Das gefiel meinem Urururururgroßvater.
Und von da an aß mein Urururururgroßvater nie mehr eine rohe Forelle und nie mehr ein rohes Schwein oder eine rohe Kuh.
Und ich halte es wie mein Urururururgroßvater und esse weder Forelle noch irgendwelchen anderen Fisch noch irgendein anderes Tier roh.
Du warst noch nie beim Running Sushi, Amadea?
Nein, war ich nicht, und werde ich auch nicht hingehen.
Sushi kann mir gestohlen bleiben. Egal ob es läuft oder nicht.
Wenn ich mir vorstelle, dass wir in Österreich rohen Fisch essen, wo wir doch nicht einmal einen ordentlichen großen See haben, der uns allein gehört, da wird mir eh gleich übel.
Da kommt dann der oder das Sushi - keine Ahnung, welches Geschlecht dieser Fisch hat - von Japan nach Österreich.
Klar, dass er es eilig hat, gegessen zu werden.
Darum heißt er auch Running Sushi.
Und wenn du den Fisch dann gegesssen hast, dann wirst du zur Running Uschi.
Weil da kannst du schauen, dass du schnell zu einem Klo kommst.
Ich werde niemals zum Running Sushi gehen. Ich gehe auch nicht zum Walking Sushi. Und auch wenn der Sushi sitzt, bin ich nicht interessiert an ihm.
Wozu haben wir Ofen, Backrohr und Mikrowelle?

Derzeit ist grad roher Fisch in.
Vor Jahren war rohe Kuh modern.
Da hatten wir diese rohen Fleischlaiberl. Dieser Patzen Faschiertes auf dem Teller mit einem rohen Ei obendrauf und einem Petersilienstängl garniert.
Und sauteuer, dieses Beef Tatar.
Ich hatte damals ein Date. Als das Mad Cow Tatar noch Beef Tatar hieß. Als ich in Salzburg lebte. Mit einem Croupier. Mit dem lebte ich nicht, um das klar zu stellen, mit dem hatte ich ein Date.
Er ging mit mir damals in das feinste Lokal der Stadt. Hoch oben mit wunderbarem Blick auf die Altstadt.
Natürlich wollte er mich herum kriegen.
Mann geht immer in ein Fünf-Sterne-Restaurant, wenn er Frau herumkriegen will.
Aber Frau merkt das und Mann sollte sich merken, dass Frau das merkt. Doch das nur so nebenbei.
Ich war damals eine arme und kulinarisch unbedarfte Studentin, die nur Mensa-Essen gewohnt war. Ich war überwältigt vom schönen Ambiente, den Kerzen, der Musik und den Preisen auf der Speisekarte. Und von dem feschen Mann.
Ich war mir fast sicher, dass ich mich herumkriegen lassen würde.
Dieses Fast-Sicherheitsgefühl dauerte genau bis zum Eintreffen der Vorspeise an.
Ich hatte mir einen Salat bestellt und der Croupier ein Beef Tatar.
Ich kannnte das nicht.
Als der Ober servierte, erstarrte ich.
Mir blieb der Mund offen stehen, als ich sah, wie sich der Croupier genüsslich rohes Ei und faschierte rohe Kuh in den Mund schob.
Aus war’s mit der Romantik.
Ich hatte eine Horrorvision.
Ich sah wie er mich küssen wollte, draußen, draußen vor dem Fünf-Sterne-Restaurant, hoch über der Stadt kurz vor dem Einsteigen ins Auto.
Ich sah, wie sich sein Mund dem meinigen näherte, in Zeitlupe, die blutigen Fleischreste zwischen den Zähnen, der Schlund blutig-schleimig von Ei und roher faschierter Kuh. Schon spürte ich die Mischung aus Speichel, Ei, Blut und rohem Fleisch an meinen Lippen, in meinem Mund.
Ich starrte ihn an. Da saß er – er lächelte. An seinem Mundwinkel klebte ein kleines Stück Faschiertes.
Ich sprang auf.
Ich lief hinaus und lief und lief und lief und lief....

Vor einigen Tagen hatte ich diesen Traum.
Ich war im Casino.
Und da war dieser Croupier. Und auf einmal sah ich es. Als er lächelte. Unzählige Fischgräten zwischen den Zähnen, rohe Fischfetzen in seinen Mundwinkeln. Und er starrte mich an, mit kalten Fischaugen.
Ich sprang auf.
Ich lief hinaus und lief und lief und lief und lief…..

Und gestern fragt die mich wieder.
Amadea, kommst du morgen mit zum Running Sushi? Wir gehen nachher ins Casino. Es ist Damentag. Und da ist dieser hübsche Croupier.

Samstag, März 03, 2007

die bordsteinkante kein pardon


Auf einmal krachte es. Die Katze hatte ich noch gesehen. Als sie über die Straße huschte. Die Engstelle nicht.
„Nun hab ich die Bordsteinkante erwischt. Da fahr ich nicht mehr, auf diesem blöden Schleichweg.“
„Das passierte mir auch mal, genau hier“, sagte Anna. „Danach war der Reifen hin.“
„ Meiner ist noch ganz“, wollte ich schon sagen, als das Auto auf einmal zu schaukeln begann wie ein Hutschpferd.
Halb fünf am Morgen.
Anna, Schneewittchen und ich in the middle of nowhere.
Wir waren aus gewesen. Ballermann-Stimmung im Stadl.
Das Testosteron konnte man riechen.
Männerüberschuss.
An unserem Tisch der Bursar, der Banker, der Gynäkologe. Was für eine Kombination!
So was gibt es nur einmal in hundert Jahren. Darüber könnte man ein Märchen schreiben.
Gegenüber der verzweifelte Versuch eines dicklichen Mannes mit Seehundschnauzer mit einer in die Jahre gekommenen Haufrau zu schmusen.
„Irgendwie rührend“, sagte Anna.
„Aber nur irgendwie, Anna. Kannst du dir vorstellen, mit einem Seehund zu schmusen? "
Kurze Zeit darauf verließen sie den Stadl. In angemessenem Abstand.
Nach einer halben Stunde waren sie wieder da.
Der Seehundbart silbrig-nass.
Die Seehundwangen rot.
Die Frisur der Hausfrau etwas zerwühlt. Man sah, dass sie versucht hatte, sich zu kämmen.
An ihrem Hals kleine, rote Flecken. Ihre Augen glänzten so wie die Augen der Kinder nach der Bescherung am Heiligen Abend.
Ich bin immer wieder erstaunt, dass es Frauen gibt, die sich überreden lassen.
Der Gynäkologe erzählte Anekdoten aus seinem Alltag.
„Was mir da so unterkommt, manchmal, ihr habt keine Ahnung. Da gibt es Frauen, die haben am Bauch einen Pfeil tätowiert, der nach unten zeigt. Und da steht dann - Nur für dich. Und all die entzündeten Piercings.“
Mir wurde auf einmal schlecht.
Mit dem Bursar spielte ich heiteres Berufe raten.
Vor wenigen Wochen hatte ich nicht mal gewusst, dass es so einen Beruf gibt. Aber da ich eine Flugbegleiterin als Nachbarin habe, weiß ich es seit kurzem.
Erraten habe ich seinen Beruf nicht. Obwohl er mir wirklich gute Hinweise gab.
Der Testosteronnebel wurde immer dichter. Und war auch ganz intensiv an unserem Tisch zu spüren.
„Ich bin heut so geil", sagte der Banker und starrte auf Annas Dekolletee. Wieder einmal.
„Anna, komm, wir gehen tanzen." Ich zog sie hinter mir her. „Das wird nun gefährlich."
Schneewittchen folgte uns.
Und gleich darauf waren sie auch da. Bursar, Banker und Gynäkologe.
Sie tanzten gut. Aber sie hatten ein Problem mit ihren Händen. Sie hatten ihre Hände einfach nicht unter Kontrolle.
Gut, dass Anna, Schneewittchen und ich hatten ihre Hände unter Kontrolle hatten. Die Band spielte Losing my Religion. Wie passend!
Wir sangen alle mit.
„Lass das Grapschen, rate lieber", sagte ich zum Bursar.
Er erriet nicht, dass ich Lehrerin bin. Ich bin gern Lehrerin, aber es ist gut, dass ich nicht aussehe wie eine.
Meistens meinen d’Leut, ich bin eine Sekretärin. Obwohl ich nie rote Fingernägel und auch keine platinblonden Haare habe. Und auch keine große Oberweite. Und auch keine Brille.
Oder sie meinen, ich bin Krankenschwester.
Einer glaubte mal, ich sei Ärztin. Das schmeichelte mir.
Der Banker starrte wiederum auf Annas Dekolletee.
Die Band machte Pause.
Wir gingen zurück zum Tisch.
Seehund und Hausfrau hatten sich mittlerweile festgesaugt. Aneinander.
Das Gewühl im Stadl wurde lichter.
Der Grossteil des Testorsterons hatte gemeinsam mit den Besoffenen den Stadl verlassen.
Über unserem Tisch schwebte es noch, das Testosteron und kontrollierte abwechselnd mit Anna, Schneewittchen und mir die Handbewegungen von Banker, Bursar und Gynäkologe. „Haben wir Vollmond?“ fragte Schneewittchen. „Oder was ist heute los mit den Männern?“
Anna, Schneewittchen und ich gingen.
Bursar, Gynäkologe und Banker blieben zurück. Im eigenen Testosteronsaft.
Und da standen wir nun.
In the middle of nowhere.
Beim kaputten Reifen.
Diese Bordsteinkante.
Diese verfluchte.
Sie hat mich erwischt.

Donnerstag, März 01, 2007

eh logisch


Irgendein Dummkopf schickte mir diesen Test.
Mit Logik, schrieb er dazu, geht das ganz einfach.
Vielleicht ist derjenige, der mir den Test schickte, auch kein Dummkopf sondern ich bin der Dummkopf, weil ich es nicht schaffe, die Fragen richtig zu beantworten.
Mathematik war noch nie meine Stärke. Die letzte Frage hab ich geschafft - aber die kannte ich schon. Also auch nicht wirklich eine Leistung.

Ich bin noch nicht draufgekommen, ob es daran liegt, dass alle Mathematiklehrer, die ich je hatte, Sadisten waren – Sadisten, wohlgemerkt, es waren alles Männer – und ich deshalb eine Abneigung gegen alles, was mit Zahlen zu tun hat, entwickelt habe, oder ob mir wirklich der Sinn für mathematische Zusammenhänge fehlt.
Vermutlich letzteres, weil ich mich auch schlecht orientieren kann. Ich verfahre mich ständig.
Ich verfahre mich sogar noch immer auf dem Weg von der Schule zu mir nach Hause. Nicht immer, aber doch manchmal. Und ich wohne hier nun schon seit fünf Jahren. Ich verfahre mich sogar manchmal auf dem Weg zu meiner Freundin. Entweder, weil ich an etwas anderes denke, oder einfach in die falsche Richtung fahre.
Ich glaube, es liegt daran, dass ich mich nicht an den Himmelsrichtungen orientiere, sondern an Gebäuden, Schildern, Häusern, Farben und Tieren.
Und wenn dann die Kuh, die ich bei der Hinfahrt auf der Weide gesehen habe, weg ist, dann ist es um mich geschehen. Ich biege falsch ab.
Ganz schlimm ist es, wenn jemand mit mir im Auto mitfährt und ständig quatscht oder mich ständig etwas fragt. Dann geht gar nichts. Dann kann es schon passieren, dass ich, anstatt zum Supermarkt zu fahren, auf einmal vor dem Tennisplatz stehe obwohl ich schon jahrelang nicht mehr Tennis spiele. Ich bin dann ganz überrascht und weiß dann gar nicht, wie das geschehen konnte.
Als ich mit meinem Auto nach London fuhr - ich fuhr damals nicht einfach nach London so wie ich zum Beispiel zum Friseur fahre – ich fuhr nach London, um dort zu leben. Also, als ich damals nach London fuhr mit voll bepacktem Auto, brauchte ich anstatt 21 Stunden 31. Ich wäre fast in Paris gelandet. Ich verfuhr mich ständig. Das lag nun nicht daran, dass ich keine Straßenkarte hatte. Weil eine Straßenkarte nützt auch nicht viel. Ich kaufte mir zwar in Lyon eine, weil es gibt einem halt a bissl a Sicherheit, eine Straßenkarte dabei zu haben. Aber das war es dann schon. Was nützt dir eine Straßenkarte, wenn du nicht weißt, in welche Richtung du fährst?
Aber darüber schreibe ich nun nicht, weil das wäre zu lang.

Zurück zum Test.
Zum Test, den mir der Dummkopf schickte.
Mach dir nichts draus, wenn du nicht besser bist als ich.
Wenn du auch alle Fragen falsch beantwortest, tust du ein gutes Werk. Du gibst mir das Gefühl, ich bin doch nicht ganz blöd.

Also. Fangen wir an.
Es gibt vier Fragen. Beantworte sie, ohne lange nachzudenken.
Schauen wir mal, wie klug du bist.

Frage 1
Du nimmst an einem Rennen teil und überholst den zweit platzierten. Auf welchem Platz bist du nun?










Antwort:
Nein, du bist nun nicht der erste. Du hast den zweit platzierten überholt, also bist du nun zweiter!

Frage 2
Wenn du die letzte Person im Rennen überholst, der wievielte bist du dann?










Anwort:
Wenn du glaubst, du bist der vorletzte, dann liegst du schon wieder falsch.
Man kann den letzten in einem Rennen nicht überholen!
Mach dir nichts draus, wenn du das nicht wusstest.
Wir haben aber noch zwei Fragen.
Bemüh dich.

Frage 3:
Eine Rechenaufgabe. Hol ja nicht den Taschenrechner! Kopfrechnen ist angesagt. Zettel und Bleistift gilt auch nicht.
Es geht um die Zahl 1000. Zähle 40 dazu. Nochmals 1000. Zähle 30 dazu. Nun zähle wieder 1000 dazu. Und nun 20. Und nun wieder 1000. Nun zähle 10 dazu. Ergebnis?










Antwort:
Dein Ergebnis ist 5000?
Falsch!
Es kommt 4100 raus.
Nimm den Taschenrechner und rechne nach. Warum das so ist, weiß ich nicht.
Du hast wohl heute auch keinen guten Tag.
Eine Frage haben wir ja noch.
Vielleicht schaffst du die.

Frage 4:
Maria hat fünf Töchter. 1. Nana, 2. Nene, 3. Nini, 4. Nono
Wie heißt die fünfte Tochter?










Antwort:
Du glaubst Nunu?
Unsinn!
Sie heißt Maria.
Schon wieder falsch.
Nun noch eine Frage. Vielleicht kannst du die ja beantworten.

Frage 5:
Ein Stummer geht in ein Geschäft und will eine Zahnbürste kaufen.
Er öffnet den Mund und stellt den Vorgang des Zähneputzens pantomimisch dar.
Er bekommt die Zahnbürste und verlässt das Geschäft.
Nun kommt ein Blinder in das Geschäft und will eine Sonnenbrille kaufen.
Was tut er?










Antwort:
Er sagt: ich hätte gerne eine Sonnenbrille.

Und- warst du gut?
Ich bezweifle es. Mach dir nicht's draus.
Man kann nicht überall gut sein.
Wir haben eben ein empathisches Gehirn.
Wir sind sehr intelligent wenn es um Intuition, Einfühlungsvermögen und Kreativität geht. Wir sind nicht gut mit Zahlen.
Eh’ unwichtig in Zeiten von Computer und Taschenrechner.
Sind wir doch froh, dass wir die Leut’ durchschauen. Uns kann nicht so leicht einer was vormachen.
Ich hatte schon in der Schule ein empathisches Hirnkastl. Die Wurzel aus 8654 konnte ich nicht ausrechnen, aber ich erkannte sofort, dass mein Mathematiklehrer ein Aff’ war.