Samstag, September 30, 2006

wär ich

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Wär ich ein Wassertropfen
ich ruhte in deiner Halsbeuge
Und wärst du ein Sonnenstrahl
Ich finge dich ein und wärmte mich an dir

Wär ich ein Feuer
ich ließe deine Haut glühen
Und wärst du ein Eiswürfel
Ich ließe dich schmelzen in meiner Hand

Wär ich der Wind
Ich streichelte dein Gesicht
Und wärst du eine Wolke
Ich ließe mich in dir versinken

Freitag, September 29, 2006

astacus astacus

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„Ach", seufzt Lo. „Nun ist Hoppel gestorben. Trotz des Antibiotikum, das er bekam.“
Gott sei Dank war das Wetter schlecht, als Hoppel sterbenskrank war und Lo und Familie waren nicht in den Urlaub gefahren. Weil sonst hätte ich Schuld an seinem Tod.
Und Los Kind hätte vermutlich nie mehr mit mir geredet.
Hoppel bekam natürlich ein Hasenbegräbnis mit allem drum und dran. Der Grabstein in Form einer Karotte aus Marmor. Spezialanfertigung vom örtlichen Steinmetz nach Los Entwurf.
Nun ist es so, dass das Kind von Lo eine Vorliebe für Getier hat. Nicht nur für Säugegetier.
Sondern Getier aller Art.
Seit kurzem besitzt Los Kind zwei Flusskrebse. Sie leben am Waldrand in einem Tümpel. Genau weiß ich nicht, woher die Flusskrebse stammen. Sie waren ein Geschenk vom Onkel des Kindes. Der hat sie aus einem Bach oder Tümpel in der Nähe. Vermutlich vom Böndlsee. Das ist eine kleine, braune Lacke, in der ich mit meinen Söhnen, als sie noch klein waren und sich auch für Getier interessierten, baden war. Da sind Hunderte von Flusskrebsen drinnen. Drum war ich damals nie im Wasser.
Los Kind hat die Flusskrebse so wie andere Kinder eine Katze haben. Diese Flusskrebse werden weder gedünstet noch gebraten sondern ausgesetzt. In einem Tümpel am Waldrand.
Seitdem die Flusskrebse Familienanschluss haben, dreht sich alles um diese Tiere. Vermutlich eine Art Beschäftigungstherapie. Damit das Kind Hoppels Tod leichter überwindet.
Lo weiß alles über Flusskrebse und deren Verwandten. Ich bin beeindruckt.
„Weißt du“, sagte sie. „Auf lateinisch heißt der Flusskrebs Astacus Astacus.“
„Ich bin nicht schwerhörig. Brauchst nicht zu wiederholen.“
„Ich wiederhole nicht. Der heißt so. So wie Beriberi. Das sagt man auch zweimal.“
„So wie Shakira Shakira?“
„Was ist das, ein Tier?“
„Nein, ein nerviges Lied. Vergiss es. Red weiter.“
„Flusskrebse gehören zu den Gliederfüßern.
„Aha“, sage ich. „Sehr interessant.“
„Es gibt nicht mehr viele. Sie sind fast ausgestorben. Und wir haben welche!“
„Toll“, sage ich.
„Sind es Weibchen oder Männchen?“
„Das weiß ich nicht. Es ist egal“, sagt Lo.
„Es ist nicht egal. Weil wenn ihr ein Pärchen habt, dann könnt ihr vielleicht eine Flusskrebszucht aufmachen und die Viecher am Bauernmarkt verkaufen. Ich glaub, Flusskrebse kann man essen und sind sicher gesund.“
„Wir essen die nicht“, sagt Lo. „Wir haben sie nur.“
„Warum?“
„Na so halt. Dass das Kind sie kennen lernt.“
„Aha“, sage ich. Das ist pädagogisch sehr wertvoll.“
Nun ist das Kind von Lo sehr ehrgeizig. Und das Kind von Lo ist auch gut in der Schule.
Und das Kind von Lo hatte vor zwei Tagen ein Referat in Naturgeschichte.
Mit zehn Jahren Referat! Wo gibt es denn das?
Das Kind wird sicher mal ein Biologe.
„Das Kind wird sicher mal ein Biologe“, sage ich zu Lo.
„So weit sind wir noch nicht. Ich bin froh, dass das Kind das Referat hinter sich hat. Ich denke noch nicht daran, was es einmal werden will.“
Ich kann das verstehen, das Kind ist zehn.
„Ich war gestern mit dem Rad am Berg“, sage ich zu Lo.
“Toll”, sagt Lo. Ich war gestern mit den Flusskrebsen am Berg.“
„Wie lief das Referat?“ frage ich.
„Sehr gut“, sagt Lo. Die Lehrerin vom Kind hat mir gratuliert.
Ich traf sie heute. Sie sagte, das Kind wird sicher mal ein Biologe.“
„Aha“, sage ich.
„Wieso warst du mit den Flusskrebsen am Berg? Sind sie gekrabbelt? Krabbeln Flusskrebse?“ frage ich.
„Lenk nicht ab. Sie krabbeln nicht, sie kriechen.“
„Bist du sicher, dass man kriechen sagt?“
„Du nervst mit deiner Fragerei.“
Lo haut sich auf die Couch.
„Ich stapfte gestern mit dem Kind und den Flusskrebsen den Berg hinauf. Hinauf zum Tümpel. Die Flusskrebse im Kübel mit Wasser. Das Kind hat sie vorgestern in der Schule mitgehabt.Und nun mussten sie wir wieder zurück bringen.
Und da beim Tümpel stand unser Pferd.“
„Ihr habt ein Pferd?“
„Das Pferd meiner Eltern. Der Haflinger. Der Hugo.“
„Hugo hieß mein Biologielehrer – Hugo Krebs.“
„Wie originell“, sagt Lo.
„Egal, erzähl weiter.“
„Und Hugo steht da und sieht uns kommen mit dem Kübel und den Flusskrebsen drin. Und er meint, wir haben da was für ihn. Hafer oder so. Und er wiehert. Laut. Immer wieder. Und geht auf und ab vor dem Tor. Ganz unruhig. Und ich sage zum Kind -Jag den Hugo ein Stückerl weg. Sonst frisst er noch unsere Flusskrebse-.
Und das Kind jagt den Hugo weg. Hin zum Tümpel. Da sollten eigentlich die Flusskrebse hin.
-Nicht zum Tümpel, Kind! Jag ihn zum Wald hinauf!- schrei ich.
Und das Kind jagt ihn zum Wald hinauf, den Hugo.
Und ich saus schnell zum Tümpel und schütte das Wasser mit den Flusskrebsen hinein. Und Hugo sieht das. Und saust herunter vom Waldrand wie vom Hafer gestochen und hüpft hinein in den Tümpel. Und trampelt herum da drin. Wie gibt es das, dass das Pferd genau in den Tümpel steigt?“
„Ganz blöd ist ein Pferd nicht“, sage ich. „Es hat die Flusskrebse gerochen.“
„Ach was, gerochen“, sagt Lo. „Das war Zufall“,
„Vielleicht Schicksal. Glaubst du, die sind tot? Vielleicht ist Hugo daneben getrampelt.“
„Du hättest sehen sollen, wie der Hugo da herumgehüpft ist. Wie ein Wildpferd. Hin und her. Und gewiehert. Und das Kind hat geschrieen. Und ich hab geschrieen –Schrei nicht so, das hilft nun auch nichts.-
„Alle tot nun?“ frage ich.
„Einen haben wir noch gesehen.“ Lo seufzt.
„Jeden Monat ein Todesfall“, sage ich.
Ich auf einmal tieftraurig.
„Eigentlich wollte ich heute essen gehen. Ich bin eingeladen.“
„Wohin?“ fragt Lo.
„Ins Toro Toro. Kennst du das?“
„Ich hab gehört davon. Soll toll sein.“
„Ja, ein spanisches Restaurant. Fisch und so und Verwandte der…
weißt eh…“
„Verwandte von wem?“
„Na, Verwandte der Flusskrebse. Hummer, Langusten und Garnelen. Aber mir ist der Appetit vergangen. Ich glaub, ich sag das ab.“
Heimlich wische ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel.

Donnerstag, September 28, 2006

keine private bohrinsel

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Ich genieße es wenn ich nicht selbst Auto fahren muss sondern als Beifahrer daneben sitzen kann.
Weil da hab ich dann Zeit, mir alles genau anzusehen.
Am besten ist es wenn du in einem Bus sitzt.
Weil du schaust von oben in ein Auto hinein – durch die Windschutzscheibe - und der Fahrer merkt nicht, dass du ihn beobachtest. Er kommt gar nicht auf die Idee, hinaufzuschauen. Er schaut gerade aus. Du hast also Einblick in seine Privatsphäre weil er sicht unbeobachtet fühlt.
Komisch ist das. Weil eigentlich müsste er sich doch bewusst sein, dass er in einem Glaskasten sitzt und ihn jeder sehen kann weil er ja auch jeden sehen kann. Aber irgendwie ist das nicht der Fall.
Man sieht so viel wenn man nicht selbst fahren muss. Ich lese die Nummernschilder auf Autos und die Werbung für den neuesten Film auf öffentlichen Bussen. Ich schaue die Schaufenster an, die Fußgänger. Und vor allem die Leute in den Autos wenn die Ampel rot ist. Und da passiert so viel.
Jeder fühlt sich im Auto beschützt und unbeobachtet und verhält sich wie in seinen eigenen vier Wänden.
Als ich das letzte Mal im Bus saß – vor zwei Wochen in einem Doubledecker-Bus in London – an der roten Ampel ein großer Wagen direkt unter mir. Der Fahrer war ein gut gekleideter Mann im grauen Anzug mit Krawatte. Er sah vertrauenswürdig aus. Wie ein Banker mittleren Alters. Und auf einmal – ich traute meinen Augen nicht - fing er an, in der Nase zu bohren. Er bohrte nicht mit einem Finger sondern mit mehreren. Sogar mit dem Daumen! Und dann geschah das Unglaubliche! Er steckte den Finger in den Mund und leckte genüsslich seine Finger ab.
Fast hätte ich gegen die Scheibe gehämmert. Ich tat es nicht. Er hätte mich vermutlich nicht gehört. Und vielleicht wollte ich ihm auch die Peinlichkeit ersparen, dass ich seine nasalen Bohrungen beobachtet habe.
“Sag mal, spinnst du? Wie kannst du nur? Bist du fünf?”, hätte ich ihn gern gefragt, und “Wie komme ich dazu das ansehen zu müssen? Dein Auto ist keine private Bohrinsel!”
Ihr lieben Leute!
Vergesst nicht, dass ein Auto Fenster hat, die durchsichtig sind!
Bohrt eure Nase zu Hause im stillen Kämmerlein!
Vergewissert euch, dass euch niemand sieht!
Und wenn, dann verwendet um Himmels willen ein Taschentuch! Man darf auch Taschentücher verwenden wenn man keinen Schnupfen hat! Dazu sind sie da.
Untersteht euch, in der Öffentlichkeit zu bohren und euren Finger samt Naseninhalt irgendwo an einem Stuhl oder Tisch abzuwischen! Ich will nicht, dass irgendwo auf meiner Hose, meiner Bluse oder meinem Notizblock ein klebriges schleimiges grüngelbes Etwas hängt!
Setzt euch zu Hause in einen bequemen Sessel, legt die Beine hoch und bohrt in eurer Nase so lange ihr wollt. Genießt diese Momente der nasalen Tiefenreinigung. Und vergewissert euch, dass die Vorhänge geschlossen sind. Legt euch ein Taschentuch parat.
Und wascht gefälligst eure Hände!

Dienstag, September 26, 2006

shades of green

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Eigentlich war Grün schon immer die Farbe, die ich am wenigsten mochte. Abgesehen vom Grün in der Natur. Das Grün in der Natur liebe ich. Vor allem am Abend wenn die Sonne es zum Leuchten bringt.
Ich hatte als Kind ein hellgrünes Kleid, das meine Großmutter genäht hatte, und das ich hasste. Es erinnerte mich an die Erbsensuppe, die es manchmal zum Abendessen gab und die ich nicht anrührte. Ich mochte keine grünen Socken, keine grünen Pullover und keine grünen Mäntel. Es gab das diese entsetzlich grünen Hubertusmäntel, nach wie vor ein Markenzeichen der Salzburger Bürger. Meine Handarbeitslehrerin hatte einen solchen Mantel. Und da ich die Handarbeitslehrerin hasste, nicht nur weil ich Handarbeiten hasste, sondern auch wegen ihres Mundgeruchs, hasste ich auch das Grün des Mantels. Nach wie vor, wann immer ich eine Person in einem Hubertusmantel sehe, kommen diese widerwärtigen Kindheitserinnerungen in mir hoch.
Vor einigen Jahren sah ich in einem kleinen Geschäft in Camden, London eine Bettdecke. Wunderschön im Detail. Das Problem – sie war grün. Doch ich kaufte sie. Weil sie mir gefiel. Trotz der Farbe.
Vielleicht könnte ich sie einmal gebrauchen. Eine Decke kann man immer brauchen. Wenn man ein Picknick macht – was ich zwar niemals mache – oder wenn man Schwimmen geht, als Badedecke zum Drauflegen.
Als ich in die neue Wohnung zog, kam mir die grüne Bettdecke wieder unter. Ich hatte sie vergessen. Ich hatte sie damals am Dachboden im Kasten verstaut.
Ich breitete sie auf dem Bett aus. Und es war wie ein Zauber. Die Decke schien das Grün, das von draußen durch die Balkontür fiel, aufzusaugen. Die Decke leuchtete in allen Grüntönen. Und das ganze Zimmer leuchtete mit ihr.
Und dann irgendwann fiel mir auf einem Trödelmarkt eine Lampe auf. Auch grün. Nicht das Grün, das man in der Natur sieht. Nein, ein ganz anderes Grün. Ein Grün wie aus einem alten Schwarzweißfilm. Ein altmodisches Grün. Das klingt nun eigenartig, weil in Schwarzweißfilmen ist ein Grün nicht grün sondern grau. Aber ich kann es nicht anders beschreiben.
Ich stellte die Lampe auf den Boden neben das Bett und da blieb sie dann. Gemeinsam mit der Bettdecke und den Bäumen draußen. Und die Bettdecke, die Lampe und die grünen Bäume bilden nun eine Gemeinschaft. Ein grünes Bündnis sozusagen.
Und dann vor einigen Wochen fand ich diese Uhr. Sie ist weiß. Und die Zahlen auf ihr sind grün. Wiederum kein Grün wie es in der Natur vorkommt, sondern ein freches, vorwitziges Grün. Irgendwie genau das passende Grün für diese Uhr. Und nun sitzt die Uhr auf dem Sims, vermischt sich mit dem Grün der Bäume vor der Tür, dem Grün der Bettdecke und dem Altmodisch-Grün der Lampe.
Es scheint, als sei mein Schlafzimmer inmitten von grünen Bäumen. Mein Schlafzimmer ist ein grünes Baumhaus, ein grünes Baumzimmer. Das Grün umgibt und beruhigt mich. So wie das Grün in der Natur. Und ich kann es in der Dunkelheit fühlen

Sonntag, September 24, 2006

herbsttag

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Herr: es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin
und jage die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

-Rainer Maria Rilke

Samstag, September 23, 2006

a schene leich

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„Heut ist aber was los im Dörfl. Um zehne woar Begräbnis. Da Schupfer-Hias is g’storb’n.
Kennst den?“
„Nein, kenn ich nicht.“
„Neunundachtzig is er worden. Denn kennst schon. Is eh immer auf’m Bankerl vor'm Museum gs'essen. A schen's Alter. Da ganze Ort is unterwegs. Die Schütz’n und die Heimkehrer. D’Musi hot a g’spielt. Um zwölfe dann a Hochzeit. Wia hoaßt des, wenn man siebz'g Joahr vaheirat is?“
„Keine Ahnung. Einen kleinen Braunen, bitte.“
„I glab, des is die diamantene Hochzeit.“
„Mit viel Milch, bitte.“
„Und nochmittag dann a Hochzeit.Und gestern woar Begräbnis. Owa scho um neine. Weil z’Mittog woar donn a no wos. I hob’s vagessen.“
„Vielleicht auch eine Hochzeit?“
„Na, erscht nochmittog woar die Hochzeit. An Verlängerten?
„Nein, einen kleinen Braunen, bitte.“
„I glab, die diamantene Hochzeit hot ma mit sechz'g Joahr. Ich glab, siebz'g Joahr is de eiserne Hochzeit. Des muaßt da amoi vorstell'n, siebz'g Joahr vaheirat' sein.
Mei Großmuatter hot mit sechzehn g’heirat'. Und er woar achtzehn. Woarn a über sechz'g Joahr vaheirat.
Er ist vor fünf Joahr g’storb’n. A schene Leich woar des. Mia hom eahm dahoam aufboahrt. Vier Tog' lang. Mit’m schwoarz’n Anzug. Wia man donn eing'rab’n hom, hot er schon a bissl g’roch'n. Es woar jo im Summa. Und hoaß woar’s.
Und sie is glei drauf a g’storb’n. Aufboahrt homma’s owa donn im Leichnhaus.
Weil d’Mam hot g’sogt, des G'stonk braucht sie neama in da Stub’n. Hot ah insa Pfoarra beerdigt.
Aufboahr’n dahoam tan’s jo hiaz nimma. Weil des is unhygienisch.
Mit da Hygiene woar des jo nit so friahra.
Mariaundjosef, da Pfoarra hot an Stress an dem Woch'nend'. Gestern und heit an gonzn Tog! Bei dem schen’ Wetter.
Und moargen Friahmess um siebene und um zehne Hochamt.
Hiaz hätt i fost dein Kaffee vagessen."
"Nein, danke. Keinen Kaffee mehr. Mir ist schlecht."
„Na geh. Host wos Foisches dawischt? Willst a Wossa?“
„Nein, danke. Ich bin weg. Leg mich ein wenig hin."
„Des tuat ma oba load hiaz. Guade Besserung.
Hiaz is’ mia eing’foilln. Gnad’nhochzeit hoaßt des, wenn man siebz’g Joahr vaheirat' is’.”

Donnerstag, September 21, 2006

schlüsselerlebnis

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„Take off your shoes, please“.
Gleichzeitig mit mir ziehen fünf Kinder ihre Schuhe aus und stellen sie gemeinsam mit meinen auf das Rollband.
Die Schuhe dampfen.
Stansted Airport nach vier Stunden Bus fahren auf dem Weg heim von Eastbourne.
Mit fünfzig Schülern und Tausenden von Leuten.
„Phew, ich halt das nicht aus“, flüstere ich der Kollegin Bauer zu.
„Ich muss lachen, wenn mich die da durchsucht. Ich bin kitzlig.“
„Hast du heute frische Socken angezogen?“ frage ich Stefan, der vor mir steht.
Ich versuche, nicht einzuatmen.
„Nein, aber vorgestern.“
Ich sage nichts mehr.
„Frau Lehrer", ruft Hannes und drängt sich vor. Dabei stößt er mit seinem Rucksack eine ältere Frau fast um.
„Pass auf. Dein Rucksack!”
“Wos? Hob eh nix to!“ Schon dreht er sich um und stößt die ältere Dame fast wieder um.
„Frau Lehrer, wonn woar’n mia ba da Madame Dessous?“
Ich seufze.
„Vorgestern.“
„Step forward, please.“
Ich bin an der Reihe.
„Stretch out your arms, please.“
Die Dame vom Dienst betatscht mich von oben bis unten.
Es kitzelt. Ich kichere. „Sorry, I am ticklish.“ Sie verzieht keine Miene.
Die Arme.
Was für ein Job.
Stundenlang schwitzende Touristen abtatschen.
„Open your handbag, please.“
„You can’t take that lipstick with you.”
Schon ist mein neuer Lippenstift weg.
“Frau Lehrer, die hot mir die Kugel gnumma!“ schreit Sebastian.
„Was für eine Kugel?“
„De mit’m Ei.“
„Was für ein Ei?“
„Na, de mit dem London Eye und den Schneeflocken.“
„ Selber schuld. Ich habe euch gesagt, keine Flüssigkeiten“,
„I hob eh mei Cola in den Mistkübel g’schmissen.Die Kugel is jo eh zua. Do rinnt eh nix außa.“
Es nützt nichts, die Kugel ist weg.
“May I open your bag?”
“Wos?“ fragt Max.
„Darf sie deinen Rucksack durchsuchen?“
„Jo, kloar.”
“Have you got anything sharp inside?”
“Wos?”
“Any scissors or something?”
„Wos?”
„Ob du spitze Gegenstände im Rucksack hast.“
“Na.”
“But we saw a pistol.”
„Wos?“
“There is a pistol in your bag. We saw it on the screen.”
“Wos?“
„Max, sie sagt, du hast eine Pistole irgendwo da drinnen.
Vielleicht eine Spielzeugpistole.“
„I hob koa Pistoin. Ehrlich nit. I bin koa Terrorist.“
Die Dame vom Dienst öffnet das Federpennal.
Sie zieht einen Schlüsselanhänger heraus.
Aus Metall.
Am Ende eine kleine Pistole.
“What is this?”
“A key. . . sort of. . . sorry, can’t remember the word for it,” stammle ich.
“It is a key fob."
“Yes, thank you. That’s the word. It is a key fob, madam.”
“Mein Schlüsslohänga!“ schreit Max.
„Max, sei ruhig.“
„Für’n Papa kaft.“
„Max, sei einfach nur ruhig. Ja?“
„Der hot fost vier Pfund kost!“ Max ist außer sich.
„Max, du bist nun ruhig. Auf der Stelle.“
„Sorry, madam.“
"This is a key fob, yes. And what is this?" Sie hält mir den Schlüsselanhänger vor das Gesicht. Die Pistole baumelt vor meinen Augen hin und her.
“Well, . . . sort of. . . small. . . tiny. . . ahem. . . thing. . . almost looks like. . . a. . . well. . . almost the shape of a pistol."
“Yes, a pistol.” Die Dame vom Dienst ist nicht erfreut.
Ich muss lachen. Ich kann nicht anders. Ich muss einfach lachen.
Sie schaut böse.
„Sorry, madam. Sorry for laughing. But this is just so funny.”
“Funny? You mean funny?" Sie ist außer sich.
“Sorry, madam." Ich lache noch immer.
“The boy, madam. . . Max. . . see, he didn’t want to do any harm.”
“I hob nix fia mein Papa!” Max schreit.
"Aus, Max!" Ich muss nicht mehr lachen.
“Sorry, Madam, I did not want to insult you. But could you please make an exception? You know, he. . Max . . . bought that thing for his daddy.”
Max setzt wiederum an zum Protest.
"Max, hör sofort auf zu schreien. Beruhig dich und fang an zu weinen. Oder tu wenigstens so.“
Er scheint zu kapieren.
Und er fängt an, zu weinen. Auf Kommando.
Herzerweichend.
Reibt sich die Augen.
Schluchzt lautstark.
„Übertreib nicht, Max.!“
Max schaut auf und ich sehe, dass Tränen über seine Wangen kullern.
Dieser Schauspieler!
„See, Madam. He is so sad.”
“Hold on, I need to get the manager.”
Und weg ist sie.
Mittlerweile umringen Max die anderen.
Sie versuchen, ihn zu beruhigen. Die Dame vom Dienst ist nun schon einige Minuten weg und Max weint immer noch.
„Er weint ja wirklich,“ sagt Christine.
"Hey, Max weint", schreit sie zum Rest der Gruppe, die am Boden sitzt und wartet. Plötzlich stürzen alle herbei.
„Max hör auf, sonst muss ich auch weinen,“ sagt Theresa.
„Wenn ihr nun alle anfangt zu weinen, dann dreh ich durch", sage ich. „Es genügt wenn Max weint."
Die Dame vom Dienst kommt zurück. Mit dem Manager.
Der Manager schaut den Schlüsselanhänger an und dann Max, dessen Augen nun rot sind. Noch immer kullern Tränen.
“Okay, young man. I'll give that thing to your teacher. She will keep it for you.”
Max hört auf zu weinen und grinst den Manager an.
„Thank you very much sir. You are wonderful.”
Dieser Schauspieler!
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Hannes die alte Frau mit dem Rucksack zum dritten Mal anstößt. Dieses Mal fällt sie um.
Danach sehe ich nichts mehr.
Als ich erwache, liege ich auf dem Boden. Max fuchtelt mit dem Pistolenschlüsselanhänger vor meinem Gesicht herum.
„Was ist passiert?”
„Nix, Frau Lehra. Die Frau Bauer hot ihre Schuach ausziagn miassn. Des hat Sie woahrscheinlich umg’haut.“

Dienstag, September 12, 2006

I am off

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. . . to Eastbourne for one week - Language week with my students.
"Des heirige Schuijoahr ziacht sie scho" - Zitat eines Kollegen heute morgen.

ich könnte

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. . . den Tag mehr genießen, wenn er nicht so früh anfinge.

Was für ein Schulbeginn.
Ich beginne den Wochentag mit zwei Weckern - der erste läutet um 6.45, der zweite um 7.00 und um 7.15 steh ich auf.
Gestern abend konnte ich den erst-läutenden Wecker nicht finden. Ich suchte auf dem Bett, unter'm Bett, neben dem Bett, vor dem Bett, unter'm Laken, über'm Laken, unter'm Federbett, in der Bettritze, im Bettüberzug, unter'm Kopfpolster, im Wäscheschrank und ganz zuletzt in meiner Handtasche und im Kühlschrank.
Einfach weg. Mmanchmal kommen dinge unwiderbringlich von einem Moment auf den anderen abhanden.
Mir unlängst ein Kamm.
Das Problem mit schwarze-Socken-fressenden Waschmaschinen - unter dem ich litt, als ich noch Familie mit drei Männern hatte, die nur schwarze Socken trugen - meine ich hier nicht.
Ich meine diese alltäglichen Dinge, die weg sind und nie mehr auftauchen bzw. dann, wenn man sich nicht mehr erinnert, dass man sie je hatte.
Wem um Himmels willen gehört dieser rosafarbene Kamm? Rosa ist doch nicht meine Farbe. Jedenfalls, der Wecker war weg.
Also konnte ich nur den, der das zweite mal läutet, verwenden, stellte ihn aber nach der Zeit des erstläutenden.
Diese Entscheidung nahm einige Zeit in Anspruch, da ich das Für und Wider des "Nachschlafens" nach dem "Erstenweckerläuten" abwog.
Ich entschloss mich, am ersten Schultag auf diese süßen Minuten des Nachdösens im wohlig warmen Bett zu verzichten.
Weshalb bleibt ein Wecker am ersten Schultag nach neun Wochen um halb drei Uhr nachts stehen? Weshalb hält die Batterie nur genau bis zu diesem Moment und nicht sechs Stunden länger?
Ich wachte also um 8.40 auf, zu einer Zeit, in der die Schüler gerade den Segen des Pfarrers für das vor ihnen liegende Schuljahr entgegen nehmen.
Fünf minuten Körperpflege reichen in diesem Fall.
Wie gut, dass ich nur fünf Minuten von der Kirche wohne. Wie gut, dass die Schule gleich neben der Kirche steht.
Wie gut, dass ich den schwarzen Hosenanzug parat hatte. das Pink, das ich dazu trug, passte zu dem Kamm, der nicht meiner war.
Gelassen folgte ich der Schüler-Lehrerschlange, die Richtung Schule marschierte und versammelte "meine" Klasse (aufgeregte Erstklässler) gemeinsam mit den Eltern im Schulhof. Es war alles perfekt. Niemand hatte etwas bemerkt.
Den Segen des Pfarrers habe ich versäumt. Damit kann ich leben. Meinen knurrenden Magen ignorierte ich.
Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen dem Patron der Lehrer ein Kerzlein anzünden und mir seinen Segen erhoffen.

Freitag, September 08, 2006

i c Q

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Genau neun Wochen beobachte ich sie nun schon. Die zwei Kühe. Da auf der Wiese gegenüber. Sie stehen immer zwischen den beiden Häusern. Ich sehe sie von meinem Balkon aus. Sie schauen immer in dieselbe Richtung. Nach links. Und fressen auch immer in dieselbe Richtung. Nach links.
Ich sehe sie jeden Tag. Heute sind sie genervt. Gerade eben war ich am Balkon. Sie schauten vorwurfsvoll zu mir und machten Muh. Zwei Mal.
Es klang wie „Glotz nicht so blöd.“
Neun Wochen auf einer Wiese.
Das stelle man sich mal vor. Der Höhepunkt des Tages ist, wenn der Bauer am Abend kommt und sie abholt.
Das ist immer so um sieben. Da stehen sie dann nicht mehr zwischen den beiden Häusern. Da gehen sie dann zum Törl und warten auf ihn. Ich sehe sie dann nicht, weil das Törl hinter einem der beiden Häuser ist. Aber ich höre sie. Sie machen dann ununterbrochen Muh. Es klingt wie, „Beeil dich, du Aff`. Du bist heute fünf Minuten später dran.“
Ich stelle es mir ziemlich hart vor, eine Kuh zu sein.
In aller Herrgottsfrüh weckt dich der Bauer, treibt dich auf die Wiese, auf der du jeden Grashalm kennst und geht dann. Und da bist du dann.
Und niemand anderer da als diese andere Kuh, die dich schon nervt weil sie den ganzen Tag nichts anderes zu sagen hat als Muh.
Ws sollst du anderes tun als fressen? Obwohl du den Fraß eh nicht mehr sehen, geschweige denn fressen kannst.
Einmal gab es ein besonderes Ereignis in den neun Wochen.
Ein Schwein hatte sich auf die Wiese verirrt. Lo und ich standen am Balkon und beobachteten das Treiben.
Das Schwein stand zwischen den Kühen. Zuerst. Und grunzte. Es klang wie, „Seid ihr total verblödet ihr zwei? Wie könnt ihr nur hier den ganzen Tag herumstehen?“
Lo und ich fragten uns, wie das Schwein da zu den Kühen auf die Wiese gekommen war. War es dem Bauer heimlich gefolgt? War es aus dem Schweinestall in einem unbeobachteten Augenblick abgehauen?
Jedenfalls machte das Schwein einen Wirbel.
Ein Gegrunze war das.
„Ihr könnt euch doch das nicht gefallen lassen. Ihr müsst euch wehren. Das ist doch kein Leben, das ihr da habt! Ihr müsst etwas verändern!“
Und dann ging es los. Das Schwein fing an zu laufen. Im Kreis. Wie eine wild gewordene Sau lief das Schwein. Und auf einmal fingen die Kühe auch an zu laufen. Hinter dem Schwein her. Das Schwein grunzte laut. Und auf einmal muhten die Kühe auch laut.
Schwein und Kühe grunzend und muhend im Kreis.
Und dann waren alle drei verschwunden. Sie waren alle drei nicht mehr zwischen den zwei Häusern. Sie waren beim Törl und warteten auf den Bauern. Das war am frühen Nachmittag. wir sahen zwar nicht, weil das Törl hinter einem der beiden Häuser ist. Aber wir hörten sie. Sie machten ununterbrochen Muh und Grunz. Es klang böse und ungeduldig, Vorwurfsvoll, aggressiv.
Irgendwann war dann Schluss. Der Bauer musste gekommen sein.
Am nächsten Tag war alles wie immer.
Die zwei Kühe standen wieder zwischen den beiden Häusern. Sie grasten wie immer. Nach links.
Dann und wann ein Muh.
Es klang wie, „Endlich wieder Ruhe. Da haben wir aber Schwein gehabt.“

Donnerstag, September 07, 2006

mamma mia und tante grazie

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Nimmst du nun die Agnolotti oder doch lieber die Canneloni? Die Capelletti sind aber auch nicht schlecht. Lieber sind mir aber die Cannaroni. Mein Mann bevorzugt die Cuilingiones. Das letzte Mal aß ich die Cannaroni Rigati aber ich hätte doch die Cannaroni Lisci nehmen sollen.
Ich würde vorschlagen, Papa nimmt die Malfatti, Mama die Corallini. Die heißen auch Mezzi Coralli, weil sie sind halbe Coralli. Sie kann aber auch Corallini Rigati nehmen, dann sind sie ein bisserl aufgerauht und nehmen die Sauce besser auf.
David hatte vorgestern Ditali Lisci und nimmt heute die Gnocchetti.
Gnocchetti sind Cannaroni, nur kürzer. Du darfst sie aber nicht mit den Gnocchi verwechseln. Haben nix mit Kartoffeln zu tun.
Katrina will heute Fedelini, aber sie hat die weiße Bluse an und ich finde das ungünstig. Die Anoli wären da besser, weil sie sind kürzer.
Erik, magst du nicht die Cavatappi probieren? Die kennst du doch noch nicht. Nein, nicht die Vermicelli. Die hattest du schon mal.
Ich nehme entweder die Cellentani oder die Pansooti. Oder doch die Cornetti?
Und du Amadea?
Hmm. Ich nehm’ Nudeln mit Tomatensauce.

Mittwoch, September 06, 2006

der goldene wagen


Um die Schwarze Lacke am Fuße des Gerzkopf rankt sich eine Sage. Man erzählt sich, dass auf dem Grund des Sees ein goldener Wagen verborgen sei. Dieser wird von einem schrecklichen Lindwurm bewacht, der den kleinen See nach zwei Seiten untergräbt: Einmal in Richtung Filzmoos, auf der anderen Seite nach Neuberg. Wo er sich zuerst durchfrisst, werden die Wassermassen aus dem Berg brechen und die Gegend überschwemmen.
Einst sollen drei Brüder versucht haben, den goldenen Wagen zu bergen.
Sie hatten sich ausgemacht, dass die zwei Älteren den Wagen heraus ziehen sollten, während der Jüngste beten solle, sodass Gott ihnen beistünde.
Als die beiden Brüder den Wagen geborgen hatten, wollten sie den Wagen für sich behalten und den dritten Bruder nicht am Reichtum teilhaben lassen. Er habe ja nur gebetet und keine Arbeit geleistet.
In jenem Augenblick versank der goldene Wagen wieder in der Schwarzen Lacke.


Dienstag, September 05, 2006

kettensägenmassaker

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„Setzen sie sich. Wollen Sie eine Spritze?“
Er dreht sich weg von mir und widmet sich seinen Bohrern, Sägen, Messern und Nadeln.
Ich lache gequält.
Meine Fingernägel bohren sich in meine Handflächen.
„Ja.“
Blöde Frage.
Ich will keine Spritze.
Aber ich will auch keine Schmerzen.
Augen zu.
Zu spät.
Die riesige Spritze wandert Richtung Mund.
Tränen laufen über die Wangen.
„Mund auf. Weit auf.“
Es dauert eine Ewigkeit. Es dauert so lang, dass ich genug Zeit habe, mir vorzustellen, wie sich die Nadel durch mein Kiefer bohrt, die Spitze vorne am Kinn zum Vorschein kommt und sich dann in meinen Hals hineinbohrt bis tief in meinen Rachen.
„Spüren Sie was?“
Er sitzt nah bei mir. Das Gesicht vermummt. Mein Peiniger.
Eine Sado-Maso-Szene.
Metall bohrt sich durch Fleisch, Lippen, Die Speichelpumpe saugt dir den letzten Tropfen Flüssigkeit aus der Mundhöhle.
Die Finger des Peinigers spreizen deinen Mund so weit es geht, quetschen deine Lippen. Seine Augen sind grausam. Das gleißende Licht sticht in deinen Augen. Es ist heiß.
„Mmm. I blaub, ef pafft.“
Nun kommt er mit der Säge. Das Sägeblatt dreht sich unwahrscheinlich schnell. Das Surren macht mich schwindlig. Ich schließe die Augen und sehe tausende Schnaken vor mir, die surren.
Das Massaker beginnt.
Die Säge surrt nun auf meinem Zahn. Ich merke, wie er weg bricht. Quietschendes Metall auf Knochen. Ich sehe Blut spritzen. Ich weiß, es ist Wasser, das da auf mein Kinn spritzt. Aber es fühlt sich an wie Blut. Der untere Teil meines Gesichts ist aufgeschlitzt. Am Kinn klafft eine riesige Wunde. Blut fließt in einem Rinnsal meinen Hals hinunter. Es tropft auf den Boden. Ich höre es.
Er dringt tiefer ein. Bis auf den Nerv. Ich fühle es.
Panik.
Ich bin keine Heldin.
Ich bin feige.
Ich werde sterben. Jetzt und hier. Ich fühle es. Qualvoll verenden. Mit auf gespreizten Lippen.
Ich verkrampfe mich. Ich weine.
“Hm. Wie soll ich da arbeiten? Kannst du mir das sagen?“
In diesem Moment ist es mir egal, dass er mich duzt, mein Peiniger.
Er schnalzt mit der Zunge. Nimmt die rotierende Säge aus meinem Mund.
Er ist ein Monster.
Seine Komplizin presst mir Watteknebel ins Zahnfleisch.
Auf einmal.
Wieder die Nadel. Groß wie ein Speer.
Drei Mal.
Drei Mal bohrt sich die Stahlspitze durch das Kiefer, den Knochen, das Kinn, den Rachen, hinunter in die Brust, hinein in den Bauch...
Von weitem höre ich Glockengeläut.
Meine letzte Stunde hat geschlagen.
Ich schrecke hoch.
Es ist mein Handy.
Ich muss wohl eingenickt sein.
Die Sprechstundenhilfe meines Frauenarztes ruft an.
„Sie haben nun einen Termin bei uns. Der Herr Doktor wartet schon. Haben Sie vergessen?“

Sonntag, September 03, 2006

einfach so

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Er ging, ohne sich zu verabschieden.
Einfach so.
Er verschwand.
Und hinterließ eine Kälte.
In meiner Umgebung.
In meiner Wohnung.
In mir.
Er ist weg.
Es ist alles grau um mich.
Es regnet.
Draußen.
In mir auch.
Es ist dunkel.
Um mich.
Er kommt nicht mehr so schnell zurück.
Es dauert sicher wieder ein Jahr.
Er macht das immer wieder.
Und ich kann nichts dagegen tun.
Und auf einmal ist er dann wieder da.
Wie so oft schon.
Ohne Ankündigung.
Und ich bin jedes Mal überwältigt von ihm.
Überrascht.
Und dann bin ich selig.
Es wird mir heiß.
Ich reiße mir die Kleider vom Leib.
Er bringt mein Blut in Wallung.
Er macht mir das Leben schwer.
Und trotzdem liebe ich ihn.
Ich liebe ihn sehr.
Er bleibt nie lange.
Von einem Tag auf den anderen ist er weg.
Völlig unerwartet.
So wie jetzt.
Und lässt mich zurück.
In der Kälte.
Du willst wissen, wer das ist?
Na, wer schon.
Der Sommer.
Dieser Aff'.

Samstag, September 02, 2006

das geheimnis

Eigentlich will ich darüber gar nichts erzählen.
Es ist mein Geheimnis.
Weil wenn ich dir das alles erzähle, dann willst du das vielleicht auch alles haben.
Wenn du einmal siehst wie sich der Nebelschleier auf das Gras legt, dann willst du das vielleicht jeden Tag sehen.
Wenn du den großen Baum nahe der Kapelle siehst und du mehrmals um ihn herumgehst weil du Spaß am Geräusch hast, das deine Schritte verursachen, dann willst du das Geräusch vielleicht jeden Tag machen.
Wenn du siehst, wie die Kühle sich auf die Blüten senkt, und die Tautropfen fast gefrieren lässt dann willst du das vielleicht jeden Tag sehen.
Wenn du dann siehst, wie die Sonne das Grün der Wiese in ein Gelb verzaubert dann willst du das vielleicht jeden Tag erleben.
Wenn du den würzigen Duft des morschen Baumes, das mich an Weihrauch erinnert, einatmest, dann willst du das vielleicht jeden Tag riechen wollen.
Wenn du siehst, wie die letzten Sonnenstrahlen das Moos am Baum in Gold verwandeln, dann willst du das vielleicht immer wieder anschauen.
Und wenn du das alles jeden Tag sehen und riechen und wahrnehmen willst, dann ist das nicht mehr mein Geheimnis.
Und dann würde all dies nicht mehr mir allein gehören.
Nein, ich kann dir darüber nichts erzählen.
Es ist ein zu großes Geheimnis.