Freitag, März 31, 2006

schmutzwäsche

BHs wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen.
Oder doch?
Als ich letzte Woche in Salzburg Richtung Nonntal ging, sah ich auf einem Baum in dem kleinen Park nahe des Justizgebäudes einen BH auf einem Baum hängen.
Wie kommt ein BH auf einen Baum?
Ich ging näher hin, um ihn zu betrachten. Er hing ziemlich weit oben, jedenfalls konnte man ihn nicht erreichen, ohne auf den Baum zu klettern. Was ich nicht tat.
Der BH war einer jener Sorte der wattierten und mit kleinen Pölsterchen ausgestatteten Push-up-BHs, die aus jedem kleinen 75A-Cup Busen einen ansehnlichen Busen mit wunderbarem Dekoltee zaubern. Traurigerweise hatte der BH die Farbe schmutzigweiß, und zwar dieses Schmutzigweiß, das entsteht, wenn aus Versehen eine schwarze Socke in die Weißwäsche gerät.
Wie kommt ein BH auf einen Baum?
Mein erster Gedanke war, dass der BH in einem Anflug flammender Begierde zweier Liebender während ihres Sexspielchens dort hingelangt sei.
Ich kann mir zwar vorstellen, dass im Moment des Begehrens ein BH in Windeseile entledigt oder der Trägerin vom Leib gerissen wird, ohne Nachzudenken beiseite fliegt, oder auf die Erde, auch in den Dreck oder Matsch, aber es übersteigt meine Fantasie dass er mit solcher Kraft weggeschleudert wird, um so hoch oben auf einem Baum zu landen.
Außerdem ist ein Push-up-BH ja kein leichtes, duftiges Etwas, das gleich einer Feder emporschwebt und im Wipfel eines Baumes sich verfängt, sondern ein BH, der zu den eher gewichtigen und schweren Exemplaren seiner Sorte gehört. Ein Push-up-BH, noch dazu ein wattierter und gepolsterter wie dieser, fällt zu Boden. In jedem Fall.
Obwohl ich noch lange Zeit nachdachte, ich kam zu keinem Ergebnis. Mir fiel keine passende Geschichte ein.
Wenn ich das nächste Mal an jenem Baum vorbeikomme, werde ich einen Passanten nach seiner Meinung fragen. Falls der BH noch hängt. Vielleicht hat er eine Idee. Bis dahin bleibt die ganze Sache ein Mysterium.
Vielleicht hat die Sache ja mit „Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit waschen“ zu tun.
Ich werde darüber nachdenken.
Oder hat jemand eine Idee?

Donnerstag, März 30, 2006

françois villon

Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein,
weil er da draußen so allein
bei den entlaubten Bäumen stand.
Ich habe ihm ein Kissen hingerückt,
damit er ruhen konnte, und er tat’s beglückt
sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand
schnell auf die Augen, und da schlief er auch.
Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch.

Aus:
Die lasterhaften Balladen des François Villon

Mittwoch, März 29, 2006

blonde moments

Ich gebe zu, dass ich schon einige Male kleine Zwischenfälle mit meinem Auto hatte. Keine richtigen, schweren Unfälle – thanks God - aber einige kleinere Schäden da und dort.
Ich hätte sie vermeiden können, wenn ich besser aufgepasst hätte.
Das Dumme ist, man lernt nicht wirklich aus so einer Situation, weil einem ja derselbe kleine Zwischenfall nicht zwei Mal passiert.
Mit dem Computer ist es genau so. Du hast ein Problem mit deinem Rechner. Er hängt sich auf. Du willst ihn ausschalten. Er lässt sich nicht ausschalten. Du ziehst den Stecker, schaltest ihn wieder ein, und nach einer Minute dasselbe Problem.
Mir lässt das dann keine Ruhe und ich probiere so lange herum, bis er wieder einigermaßen funktioniert.
Einigermaßen funktioniert mein Computer nun schon ziemlich lange ziemlich gut.
Er ist zwar recht langsam, obwohl ich die schnellste Verbindung habe, die Salzburg-AG anbietet. Aber vermutlich ist die Festplatte schon voll. Hauptsächlich mit Musik und Fotos. Und seit ich die neue Kamera habe, wird das noch schlimmer, weil die Fotos sehr groß sind. Das letzte Mal, als ich einige Fotos bearbeitete, musste ich zuvor einige andere löschen, weil ich sie nicht mehr speichern konnte.
Ich habe mich schon mit dem Gedanken getragen, mir eine externe Festplatte zu besorgen, aber das Problem ist, dass ich eigentlich gar nicht weiß, was eine externe Festplatte ist geschweige denn wie man sie verwendet. Am liebsten wäre mir ein zweiter Computer, auf den ich all meine Musikdateien und Bilder hinüberspeichern könnte.
Einen zweiten Computer auf meinen Schreibtisch zu stellen wäre erstens nicht möglich, da ich zuvor den riesigen Stapel an Zetteln, Rechnungen, Büchern, Belegen, Rezepten, Arbeitsblättern und Zeugs irgendwo anders hinräumen müsste, und zweitens würde der Anblick eines zweiten Kastens mein ästhetisches Empfinden sehr stören.
Das letzte Mal, als mein Computer nicht mehr funktionierte – warum weiß ich nicht mehr – war, als ich eine Edgar-Karte schicken wollte. Plötzlich Stillstand. Nichts ging mehr. Funkstille. Mehrmaliges Aus- und Einschalten. Nichts. Gut Zureden, Streicheln, leichtes Anschubsen mit dem Fuß und Fluchen nützten auch nicht.
Aber irgendwie, nach Stunden, durch Herumprobieren, Stecker ziehen, Downloaden, Upgraden, Auschalten, Einschalten, funktionierte er wieder. Wie durch ein Wunder.
Ich habe mir während des „Reparierens“ unzählige Notizen gemacht auf alle möglichen Zettel.
Die Zettel liegen nach wie vor in dem riesigen Stapel auf meinem Schreibtisch. Gemeinsam mit den Rechnungen, Büchern, Belegen, Rezepten, Arbeitsblättern und Zeugs. Aber sie nützen mir nicht mehr. Weil, wenn der Computer wieder einmal nicht funktioniert, ich dann nicht auf der Edgar-Seite bin sondern vielleicht auf der Moodles-Seite und weil das Problem dann ganz woanders liegt und ich eine neue Lösung finden muss.
Mit Logik geht bei mir sowieso gar nichts. Ich komme nur durch Versuch und Irrtum und durch Herumprobieren ganz zufällig auf die Lösung, die mir in dem Moment gar nicht als Lösung erscheint.
Ich habe also niemals dieses „Aha-Erlebnis“. Ich bin jedes Mal erstaunt, überrascht, fast erschrocken und kann es nicht glauben, wenn es auf einmal passt und wieder funktioniert. Mehr oder weniger.
Die Sache mit den kleinen oder größeren Zwischenfällen beim Auto ist ähnlich der Sache mit den kleinen oder größeren Zwischenfällen beim Computer.
Unlängst, als ich aus der Waschanlage verkehrt heraus fuhr, fuchtelte die Dame, die hinter mir wartete, um an die Reihe zu kommen, wild herum, als es schon passiert war. Der Wasserschlauch hatte sich in meinem Seitenspiegel verfangen, mein Auto und ich hatten die Verankerung des Schlauchs herausgerissen und eine kleine Beule in meinen neuen Renault Clio geschlagen.
Mich stört die Beule nicht sehr, man sieht sie fast nicht.
Gott sei Dank konnte der Tankwart alles wieder reparieren. Ich hatte schon Angst, dass ich die Waschanlage zerstört hatte.
Aber ich lerne nichts daraus.
Das hat nichts damit zu tun, dass ich nichts lernen will. Es hängt ganz einfach damit zusammen, dass diese Situation eben nicht mehr genauso passieren wird.
Natürlich werde ich, wenn ich verkehrt aus der Waschanlage fahre, den Schlauch der Waschanlage nicht mehr mit meinem Seitenspiegel mitschleifen.
Aber was ist, wenn ich ganz normal heraus fahre. Dann befindet sich der Wasserschlauch auf der anderen Seite des Autos und es lauern ganz andere Gefahren, an die ich derzeit gar nicht denke bzw. deren ich mir nicht bewusst bin.
Der Satz, man lernt aus Fehlern, trifft also nur bedingt zu.
Ein anderer kleiner Zwischenfall mit meinem Auto liegt schon einige Jahre zurück.
Ich fuhr damals in eine Einbahnstraße. Auf der falschen Seite, also gegen die Einbahn.
Als dann in rasender Geschwindigkeit ein Mercedes nahte - den Mercedes erkenne ich immer, vermutlich weil er den Stern vorn dran hat - die Scheinwerfer kamen bedenklich schnell näher, lenkte ich mein Auto blitzschnell Richtung Gehsteig. Leider war er zu schmal und ich krachte in eine Hausmauer. Eigenartigerweise wurde mein Auto durch das Auffahren auf den Gehsteig nicht langsamer. Warum, weiß ich nicht.
Ich war froh, dass ich damals noch meinen alten, rostigen Clio hatte und eine Delle mehr fiel nicht auf.
Einige Wochen später fuhr ich beim rückwärts Einparken in ein Auto.
Es war schon dunkel – es war wirklich sehr dunkel - und meine Rückscheinwerfer waren bei meinem alten Kübel auch nicht gerade die besten, außerdem war der Rücksitz voll gestopft mit Sperrmüll, den ich nicht abgeliefert hatte weil ich es vergessen hatte. Man kann den Sperrmüll hier nämlich nur am Freitag Nachmittag abliefern.
Und da sah ich halt nicht den silbergrauen Opel oder Audi oder was auch immer. Ich bin mir sicher, wäre er gelb gewesen, so hätte ich ihn sicher gesehen.
Der Herr am Steuer war wenig erfreut. Er stieg aus, kam zu mir. Ich kurbelte das Fenster herunter, stammelte …tschuldigung, nicht gesehen….aber er hörte gar nichts, sein Schnauzer vibrierte heftig weil er redete und redete…..mit hektischer Stimme, aufgebracht. Ich hielt mir die Ohren zu und als er es endlich merkte, schwieg er. Ich gab ihm meine Adresse und Telefonnummer. Weiter erzähle ich nicht, es ist langweilig und außerdem will ich mich an diesen unangenehme Vorfall nicht mehr so genau erinnern.
Nach dieser Geschichte könnte man nun annehmen, ich könne nicht gut einparken. Aber das stimmt nicht. Ich kann das ziemlich gut. Ich will nicht angeben, aber ich kann das sehr gut.
Ich komme in die kleinste Parklücke ohne die Privatsphäre der vor und hinter mir parkenden Autos zu verletzen.
Es gibt keinerlei Ähnlichkeit zwischen mir und jener Blondine, die, bevor sie bis drei zählen konnte, bis zum Hals im Wasser stand. Mit ihrem Auto wohlgemerkt.
Und nur, weil sie reversieren wollte.
Sie hatte Glück, es war ein riesiger Geländewagen, welche Marke weiß ich nicht, ich kann Opel von Audi nicht unterscheiden, jedenfalls war er groß, schwarz mit dunklen Scheiben und riesigen Rädern, irgendwie amerikanisch sah er aus. Sie stand in einer Wiese, die wegen des starken Regenfalles überschwemmt war.
Und eben, weil sie in dem riesigen Wagen saß, war der Innenraum trocken geblieben und damit sie auch. Nicht auszudenken, wenn das mir mit meinem winzigen Clio passiert wäre.
Aber das ist ohnehin hypothetisch. Solche Dinge passieren mir nicht.
Innerhalb kürzester Zeit waren Hunderte von Leuten da. Jeder gab gute und gut gemeinte und weniger gute und weniger gut gemeinte Ratschläge.
Sie lächelte von ihrem Hochsitz den Umstehenden zu, rief den Abschleppdienst an und sagte lächelnd: „ Ich hatte wohl einen kurzen blonden Moment.“
Etwas untertrieben, würde ich meinen.
Sie sah ziemlich blond aus.
Blond stimmt nicht ganz.
Sei sah blondin aus.
Ich bin ja auch blond. Blond, nicht blondin, wohlgemerkt. Das ist ein großer Unterschied.
Außerdem bin ich nur äußerlich blond.
Innen drinnen bin ich ganz bestimmt brünett oder schwarz. Oder gar rot?
Aber - ich gebe zu - I have got my blonde moments, now and then.
Aber wer hat die nicht?

Sonntag, März 26, 2006

wochenend-impressionen



doch ganz anders

Da saß ich nun. Bei einem Cappuccino und alles war noch wie damals. Ich war unbewusst hierher gefahren, an diese Autobahnraststätte. Ich war müde gewesen nach der langen Fahrt. Es war viel Verkehr gewesen, die Straßenverhältnisse teilweise schlecht, einige Baustellen. Obwohl es schon spät war, und ich wusste, dass ich sicherlich nicht gut schlafen würde nach einem Kaffee um diese Zeit, bog ich ab als ich das Schild sah.
Eine gemütliche Raststätte, das Interieur im Sixties-Stil gehalten, mit Neonreklame, altem Auto und Elvis- Motiven. Am Eingang Marylin in typischer Pose.
Als ich an der Bar saß und an meinem Kaffee nippte, kamen die Gedanken. Wie es mir ergangen war, damals vor fast vor zwei Jahren, als ich ihn verlassen und mitten in der Nacht hastig meinen Koffer gepackt hatte, mich ins Auto setzte und wegfuhr. Mit Tränen in den Augen.
In dieser Raststätte war ich gewesen, in den frühen Morgenstuden, neben mir ein Fernfahrer, der mich ständig ansah und vor dem ich meine Tränen, die mir über die Wangen liefen, zu verbergen versuchte.
Vor mir in der Glasvitrine ein Stück Gebäck mit rosa Zuckerguss und weißem Streusel.
Genau wie damals. Fast ein Deja-Vu Erlebnis.
Was mir damals durch den Kopf ging, wusste ich nicht mehr. Nur an dieses Gefühl, diese Mischung aus Traurigkeit und Erleichterung erinnerte ich mich.
Ein Jahr warn wir beisammen gewesen.
Es war eine Wochenendbeziehung gewesen. Manchmal fuhr ich mit dem Auto zu ihm, meistens jedoch mit dem Zug. Jeden Freitag nachmittag dreieinhalb Stunden.
Jedes Mal Aufregung und Ungeduld, wenn er am Bahnsteig stand um mich abzuholen. Zuvor dieses Herzklopfen, der wiederholte Blick in den Spiegel.
Ich sehe ihn vor mir stehen am schneebedeckten Bahnsteig, groß und hager mit lachendem Gesicht.
Ich flog ihm jedes Mal in die Arme, er nahm mir den Koffer ab und wir gingen Arm in Arm zu seinem Auto.
Danach der gemütliche Abend im kleinen, heimeligen Restaurant. So viel gab es immer zu erzählen nach einer Woche des Getrenntseins.
Er tat mir so gut nach Scheidung und den schlimmen Jahren der Einsamkeit in meiner Ehe.
Wir lasen einander Gedichte vor, wir malten gemeinsam Bilder.
Er erzählte mir von seinen Expeditionen im Himalaya, von seinem schweren Bergunfall, vom Lawinenunglück, bei dem seine Mutter im Haus verschüttet wurde.
Ich schrieb Geschichten für ihn, ich fotografierte ihn. Für ihn war das etwas Neues, Ungewohntes.
Ich weiß nicht woran es lag, dass es auf einmal nicht mehr passte. Wir sprachen dieselbe Sprache, wir lachten über dieselben Dinge.
Es war vermutlich zu früh. Für uns beide.
Er war überfordert mit unserer Beziehung, überfordert damit, dass ich nur am Wochenende bei ihm war.
Und ich fühlte mich irgendwie schuldig, dass es ihm nicht gut ging wenn ich nicht da war.
Er rief jeden Tag an und sagte mir, wie einsam es wäre ohne mich.
Wie kalt im Haus, wie ruhig. Und ich fühlte mich nicht gut, wenn er das sagte.
Und dass er es nicht mehr aushielt in dieser Enge des Tales inmitten der Berge.. Und dass er zuviel Arbeit habe in seinem Job und für alles verantwortlich sei.
Und ich sagte ihm jedes Mal er solle nicht jammern sondern etwas verändern. Sein Haus, das in der Toplage des Ortes viel einbringen würde, verkaufen, seine Selbstständigkeit aufgeben und in der Stadt sich anstellen lassen.
Ich hätte keine Ahnung, wovon ich rede, meinte er. Ich stelle mir das alles so einfach vor. Er habe sich sein Leben anders vorgestellt, er habe nicht damit gerechnet, dass die die Familie auseinander brechen würde, dass er sein Kind nicht mehr jeden Tag sehen würde.
Ich konnte das Gejammer nicht mehr anhören.
Entweder Dinge akzeptieren wie sie sind oder sie verändern.
Dazwischen gibt es nichts.
Manchmal, an einem Wochenende fuhren wir Richtung Süden.
Dann war er ganz anders. Unbeschwert, witzig, entspannt.
Wir hätten eine Chance gehabt.
Irgendwo anders.
Nicht in diesem Bergdorf.
In einem neuen Umfeld, in einer anderen Umgebung. Nicht in dem dunklen Haus inmitten der Berge, in dem er mit Frau und Kind gelebt hatte.
Also packte ich damals meinen Koffer und verließ ihn.
Und fuhr durch die Nacht, weinend, aufgewühlt. Und machte in dieser Raststätte halt um Kaffee zu trinken.
Da saß ich nun. Bei einem Cappucchino und alles war nun doch ganz anders.

Donnerstag, März 23, 2006

a bat in the belfry

Ich erwache von einem flatternden Geräusch.
In Panik setze ich mich auf.
Ganz benommen bin ich.
Gott sei dank - es ist war nur geträumt.
Um mich herum Schmetterlinge – riesengroß.
Laut flatternd, vor meinen Augen schwirrend.
Ich drehe mich erleichtert auf die andere Seite und schließe die Augen.
Plötzlich ist das Flattern wieder da und ich bemerke einen leichten Luftzug auf meinem Gesicht.
Ich fahre hoch, taste nach dem Schalter der Nachttischlampe.
Eine Fledermaus saust an mir vorbei, hinauf zum Balken, ins Eck, quer durch den Raum.
Ich bin geschockt, mein Herz rast, ich ziehe die Decke über mich.
Warte.
Endlich ruhig. Eingehüllt in die Decke wage ich mich in den begehbaren Schrank.
Dort flattert sie, fliegt wie wahnsinnig hin und her. Ich öffne klopfenden Herzens das kleine Fenster, schließe hastig die Tür hinter mir.
Es fröstelt mich. Ich bin nach wie vor geschockt.
Erst in den Morgenstunden schlafe ich ein.
Zu spät erwache ich und habe nicht mehr die Zeit, nachzusehen, ob sie noch da ist.
Zum Glück habe ich mir am Vorabend meine Kleidung ins bad gelegt.
Als ich von der Arbeit heimkomme, sehe ich nach ihr.
Da hockt sie. Oben am Balken. Regungslos. Starrt mich an mit weit geöffneten Augen.
Am Abend ist sie verschwunden.
Ich bin erleichtert.
I almost felt like batgirl.
A bat in the belfry and no batman around to chase it away.

Mittwoch, März 22, 2006

differences

By Charles Leocha, Special for USATODAY.com

European ski and snowboard resorts have a different flavor from the sport served up in the USA. It will only take an uninitiated American skier or snowboarder a short time in the Alps or the Pyrenees to realize that there is little similar in Europe to the American experience other than snow and the general practice of sliding down the trails on skis or a snowboard.
Many Americans learn to embrace the lifestyle differences during their European ski trips. But for those who can't, there's still a silver lining. Don't care for Europe's leisurely lunches? You'll have the slopes to yourself at midday. Can't party till dawn like the Continental contingent? Revel in the fact there are no lift lines in the morning.
Here are ten differences, both cultural and physical, gleaned from three decades of experience on both continents.

1. "Holy Cow!" (or some variation of that remark): This is one of the first exclamations from an American skier or rider when first looking up at the mountains in Austria, France, Italy, Switzerland or even Spain. The first exclamation is quickly followed by, "We're going to ski down that?"
The mountains in Europe are simply bigger — grand, jagged, rugged, inspiring and soaring. In the United States, other than at a few resorts like Taos, Jackson Hole and Mammoth Mountain, slopes seem to trace their way down what appear to be oversized hills.

2. Vertical drop: In the USA a respectable descent down at a resort is something in the range of 1,500 to 2,500 feet. Resorts tout their vertical drop as a major selling point. Jackson Hole and Big Sky, which claim the most vertical in the U.S.A., come in at just over 4,000 feet of top-to-bottom terrain. Vail doesn't break the 3,500-foot mark. Mammoth Mountain boasts a 3,100-foot vertical drop and Stratton, in Vermont, has 2,003 vertical feet, normal for New England.
In Europe, vertical drop is rarely mentioned when discussing resorts, but averages more than double of those in the U.S.A. Les Arcs in France has more than 6,500 feet of vertical. Davos in Switzerland claims a 6,600-foot vertical. Cortina in Italy has a vertical drop of almost 6,000 feet. With 4,400 feet of vertical, Austria's St. Anton still dwarfs all American resorts.

3. Friends and family: Europeans have a different attitude towards skiing and snowboarding — far more relaxed, leisurely and social. Groups of friends tend to ski together and spend as much time chatting, sipping coffee and enjoying the panoramas as they do skiing. American skiers seem to be intent on racking up the most skiing or riding possible. The talk on the lifts is about how many runs, how much vertical and trail conditions. The focus is far more on the sport and less on the experience.

4. First tracks: In Europe few skiers line up waiting for the lifts to open. In Italy, France and Spain, most skiers don't show up on the slopes until late morning (the famously punctual Swiss are an exception). At many U.S. resorts, the biggest lift lines are before the lifts have even opened.

5.Next four!: American lift lines are the essence of order. There are smoothly functioning singles lines and rarely is a ski stepped on. Lift lines in Europe are a free-for-all — until the point where barriers have been set up to funnel skiers into the lift, there are no controls. Although the various countries on the Continent differ as to the degree of pushy behavior, in general he who moves the fastest and shuffles forward the most aggressively is usually the first to get up the lift. While there is a mild effort not to blatantly trample over each other's skis, equipment will be stepped on – get over it.

6. Ticket to ride: Lift tickets at European resorts are far more reasonable that in the USA and if you stay for only a few additional days significant discounts kick in. In the USA lift companies seemingly vie to extract as much tribute as possible from those using the lifts. Lift-ticket pricing is peaking at $82 for one day at Vail. If skiers purchase a five-day lift ticket, the price is still $82 a day. Aspen's lifts are $78 a day or $75 a day if you purchase a ticket good for five days.
Compare that to Switzerland's chic St. Moritz or the legendary Zermatt, beneath the Matterhorn, where lift tickets start out at about $55, and a six-day lift ticket ends up costing less than $47 a day. For even better deals look at St. Anton, home of downhill skiing, where the walk-up window price is about $48 and the week-long pass costs less than $38 a day.

7. Off-piste adventures: Americans want to head off-trail (or at least say that they do). Europeans prefer to stay on groomed trails. American skiers are amazed at the untracked snow that lies beyond the edge of groomed trails in Europe. In my experience, both Americans and Europeans tend to stick to the prepared slopes, but Americans talk a good game of breaking out into the ungroomed. They tend to come back to the groomed quickly.

8. Beyond burgers and fries: In Europe, lunch on the slopes is an integral part of the mountain experience. Mountain lunches in Europe have no resemblance to the hamburgers, chili and fries that are ubiquitous at American resorts. In Switzerland and Germany, expect a Jägerschnitzel , a veal schnitzel smothered with mushrooms. In Austria the gasthaus owner might sweep in with Kaisersmarrren , a sizzling skillet filed with potatoes, eggs and ham. In Italy an antipasto of bresaola , dried beef, is a true mountain experience. Follow it with a hearty pasta and local cheese. The French pride themselves on tartiflette , another skillet dish with potatoes and cured ham layered with roblochon, a local cheese. In Spain a late lunch complete with salad, lamb, dessert, coffee and a cigar, stretches from 2 p.m. until about when the slopes close.
Many restaurants only have space by reservation and all are packed. For about $20 a skier can devour a hearty meal with wine or beer and then face the final hours of the day.

9. Apres (and avant)-ski: In Europe après-ski seems to be an all-day affair. Even veteran American skiers can't figure out how the Europeans maintain the energy for a full day of skiing and then party until the wee hours.
During the day, rustic mountain huts, converted to bars, offer convenient warm-up breaks. Such pit stops in Austria serve Jägertee , a warm and delicious concoction of tea, spices and a high-powered Austrian rum called Strohs (stories say it is banned from airplanes because it can be used in explosives). In Germany they drink steaming Glühwein , hot red wine spiked with a local schnapps, then heavily spiced with cloves and other goodies. The drink that can get one yodeling in Switzerland is Café Fertig , strong, dark coffee with lots of sugar and kirsch (cherry) schnapps. Obstler — a fruit schnapps frequently combining apple, pear and plum — is a favored defroster throughout the Alps. And grappa (the best is homemade) is the shot of choice in Italy.
Après-ski kicks off as the lifts close. Skis and snowboards are stacked in the snow at the bar entrances. Everyone drinks and dances in ski clothes and ski boots until about 6 p.m., when the bars seem magically empty. That's when the hotels serve dinner. Much later, around midnight, the discos begin their techno pulse. In America, that's when the discos close and most skiers go home to recharge for the next day on the mountain.

10. Stay the course: Europeans prefer to return to the same resort and the same condo year after year. Americans search for a new adventure every year when they plan their ski and snowboarding vacations. In Europe a winter vacation at a particular resort becomes a tradition. The holiday periods are often booked up a year in advance with families that return year after year. When it seems that everyone at a European resort seems to know each other, they probably do, after years of developing friendships. In the USA the first question after a successful mountain vacation is often, "Where are we going to go next year?"

Charles Leocha is the author of Ski Europe and Ski Snowboard America and Canada.

Montag, März 20, 2006

fortschritt

Du kommst in ein Hotel und bekommst etwas, das aussieht wie eine Kreditkarte. Die freundliche Dame an der Rezeption erklärt dir: Sie müssen Karte in den Schlitz an der Hoteltür stecken und warten, bis das grüne Licht aufleuchtet. Du steckst die Karte hinein, wartest, nimmst die Karte wieder heraus, steckst sie nochmals rein, wartest wiederum auf das grüne Licht und versuchst, die Tür zu öffnen.
Doch sie öffnet sich nicht. Du nimmst die Karte wieder heraus, steckst sie rein, wartest auf das Licht, aber es tut sich nichts. Du vergewisserst dich, ob es dein Zimmer ist, steckst die Karte nun ganz langsam in den Schlitz, wartest auf das grüne Licht und drückst fest gegen die Tür. Aber nichts rührt sich. Die gehst zurück zur freundlichen Dame an der Rezeption, bekommst eine andere Karte und die ganze Sache beginnt von vorne.
Nach Jahren erfand ein gewiefter Mann den Hotelzimmerschlüssel.
Wunderbar in der Form, einfach zu handhaben. Mit einer Handbewegung steckst du den Schlüssel ins Schlüsselloch, drehst einmal rum und die Tür öffnet sich wie von Zauberhand.
Es dauertnicht lange, bis alle führenden Hotels diese neue technologie verwenden. Noch vor nicht allzu langer Zeit war es sehr schwierig war, den täglichen Einkauf zu erledigen.
Man setzte sich in ein Auto, fuhr mehrere Kilometer zu einem Gebäude, das sich Supermarkt nannte, parkte gemeinsam mit anderen tausenden Kunden in riesigen, unterirdischen Parkhäusern, stellte sein Auto auf einem Platz ab mit der Nummer 4358 D, notierte sich die Nummer, nahm sich einen Einkaufswagen und irrte stundenlang in einem riesigen Gebäude herum, zwischen tausenden Produkten, aufgestapelt nach einem nicht nachzuvollziehendem System. Weitund breit niemand, den man fragen konnte, wo sich die frische Hefe befindet oder die handgemachten Zahnstocher.
Man war ganz sich selbst überlassen, und wenn man es versäumt hatte, sich die Nummer seines Parkplatzes zu notieren, musste man warten, bis der Supermarkt seine Tore schloss und die tausenden Kunden die Parkhalle verließen, um dann endlich sein Auto zu finden, das einsam auf Platz nummer 4358 D stand.
Irgendwann hatte irgendjemand die Idee, ein kleines Geschäft zu eröffnen, einen Kreißler, im Zentrum der Stadt oder des Dorfes, in dem eine freundliche Dame oder ein gutgelaunter Herr hinter dem Tresen stand, dich nach deinen Wünschen fragte, dir alles fein säuberlich einpackte und in deinen Korb legte und du mit einem Lächeln auf den Lippen das Geschäft verließt und beschwingt nach Hause gingst.
Fast niemand erinnert sich heute daran, wie schwierig es noch vor einigen jahren war, etwas aufzuschreiben.
Man musste eine Maschine, genannt Computer, einschalten. Diese funktionierte nur mit verschiedenem Zubehör wie Drucker, Diskette, CD-Roms, Maus.
Die Bedienungsanleitung zu diesem Gerät war mehrere hundert Seiten lang und für einen durschnittlich begabten Menschen nicht durchschaubar, auch wenn er sich redlich bemühte.
Es war nur verständlich, dass die Erfindung von Bleistift und Papier die Welt im Sturm eroberten. Bedienungsfreundlich, billig, einfach zu transportieren, löste der Bleistift in weniger als einem Jahr den Computer ab.
Als nach einiger Zeit des Forschens der Bleistiftspitzer erfunden wurde, gab es für diese neue Technologie kein Aufhalten mehr.
Man sollte auch nicht vergessen, dass vor der Erfindung des Buches die westliche Zivilisation angewiesen war auf das Internet. Für eine einfache Information, wie das Geburtsdatum Napoleons, zum Beispiel, musstest du Punkt, at, com, www eintippen, oft mehrmals, weil du vielleicht den Schrägstrich auf die falsche Seite tipptest oder ein w vergaßest. Dann erschienen am Bildschirm irgendwelche seiten pornographischen Inhalts oder die Aufforderung zur Teilnahme an Gewinnspielen, die du immer wieder wegklicken musstest, bis endlich, nach langer Zeit, die am Bildschirm erschien.
Diese Zeiten sind endlich vorbei.
Heutzutage nimmst du ein Llexikon, schlägst nach unter N für Napoleon und innerhalb von Sekunden kennst du sein Geburtsdatum.
Niemals sollten wir vergessen wie primitiv früher alles war. Die Technologie steckte noch in den Kinderschuhen. In Zügen konnte man die Fenster nicht öffnen und die Passagiere mussten die in sauerstoffarmen Waggons reisen.
Endlich, nach Jahren entwickelte ein kluger Mann die Kurbel und das Reisen in Zug und Auto wurde zum Vergnügen.
Das selbe mit dem Fahrrad.
Für uns ist es ganz normal, dass man sich auf ein Fahrrad setzt, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Damals gab es nur sogenannte „Heimtrainer-Fahrräder“, die fest am Boden verankert waren, sehr oft in Kellerräumen standen oder in einem „Fitness-Center“ - ein Gebäude ohne Fenster – wo man mit anderen Leidensgenossen wie eine Ratte in einem Laufrad schwitzend sich abmühte, ohne sich einen Meter vorwärts zu bewegen.
Auch im Bereich der Nahrungsaufnahme gab es entscheidende Verbesserungen. Noch vor nicht allzu langer Zeit musste man sich, war man hungrig, in laute Gemeinschaftszentren, die man Restaurants nannte, begeben, sich an einen Tisch mit vollkommen fremden Personen setzen, und für das Essen, das man vorgesetzt bekam, dreimal soviel bezahlen wie heutzutage.
Irgendwann kam jemand auf die Idee, wie einfach es wäre, zu Hause zu kochen.
Diese Idee setzte sich durch. Innerhalb kürzester Zeit konnten Leute das essen, was sie wollten, wann immer sie wollten - in gemütlicher Atmosphäre, im Kreise der Familie und kostengünstig.
Im Bereich der Kunst gab es ebenfalls enorme Verbesserungen. Jahrelang mussten Künstler mit Objekten des täglichen Gebrauchs arbeiten, wie zum beispiel toten Tieren oder Steinen. Je komplizierter das Tier geschlachtet wurde, je ungewöhnlicher ein Stein auf den anderen gesetzt wurde, desto erfolgreicher war der Künstler. Damals spielten Ästhetik und und Schönheit keine Rolle.
Wie sehr änderte sich alles durch die Einführung von Farbe und Leinwand. Mit einem Mal konnte der Künstler sich selbst einbringen in seine Arbeit, sich emotionell und künstlerisch verwirklichen.
Es wird immer Menschen geben, die den neuen entwicklungen intellektuell nicht folgen können und nach wie vor den alten Zeiten nachtrauern. Wie wäre es sonst möglich, dass ein Besucher einer Ausstellung beim Anblick eines wunderbar naturalistisch gemalten Tieres kopfschüttelnd vor sich hinsagt: „Das ist nicht Kunst – der Stier ist nicht echt“.

Sonntag, März 19, 2006

those eyes

Sie betrat die Bar.
Sie war zu früh da. Viel zu früh. Sie hatte mit ihrer Freundin eine Zeit ausgemacht. Aber dann war das Wetter so schön, und sie wollte früher los und spazieren gehen und die Sonne, die sich in diesem Frühling so selten gezeigt hatte, spüren.
Sie war so lange gewandert bis sie müde war. Und dann ging sie in die erste Bar, die auf dem Weg in die Stadt lag.
Es waren noch keine Leute da, es war ja noch früh. Sie setzte sich an den Tisch am Fenster.
Und als sie sich umblickte, sah sie dort drüben einen Mann stehen.
Der sie anblickte.
Immerfort.
Er hatte blaue Augen. So genau sah sie es nicht, aber sie schienen blau zu sein.
Sie wandte den Blick ab und war froh, dass die Kellnerin kam um die Bestellung aufzunehmen.
Gleich darauf blickte sie wieder hinüber. Noch immer sah er sie an. Durchdringend. Er lächelte und es schien ihr, als habe er leicht mit einem Auge gezwinkert.
Er war groß und kräftig. Sein Haar war etwas lockig und halblang.
Sie wusste, dass er gleich zu ihr kommen würde.
Wandte den Blick ab. Schaute wie teilnahmslos aus dem Fenster. Sie war nervös. Sie richtete sich ihren Schal, fuhr sich ins Haar.
Als sie aufblickte, stand er vor ihr.
Du hast schöne Augen, sagte er und lächelte.
Darf ich mich zu dir gesellen?
Ja, stammelte sie.
Wie er da vor ihr stand.
Den Kopf erhoben.
Die Schultern nach hinten gezogen.
Er schaute sie noch immer an.
Mit seinen hellblauen Augen.
So wie sein Hemd.
Seine Zähne auffallend weiß.
Du hast schöne Augen, sagte er.
Du erinnerst mich an diesen Film. Wie hieß er noch?
Du meinst La Strada.
Ich weiß, ich sehe aus wie Gelsomina, jedenfalls sah ich so aus als ich neunzehn war.
Ja, wie Gelsomina, diese Augen.
Damals, als sie den Film das erste Mal gesehen hatte, war ihr diese verblüffende Ähnlichkeit unheimlich gewesen. Es hatte sie erschrocken, sich selbst auf der Leinwand zu sehen.
Und es hatte ihr gar nicht gefallen, so auszusehen wie sie. Naiv, unbeholfen, plump.
Sie war nicht naiv und unbeholfen. Nicht mal mit neunzehn.
Sie hatte den Kaffee zu schnell ausgetrunken, wohl aus Unsicherheit.
Er ging hinüber zur Theke und kam mit zwei Gläsern Rotwein und einer Karaffe Wasser zurück.
In deinen Augen könnte man versinken, sagte er.
Sie wurde verlegen und wusste nicht, was sie sagen sollte.
Er gab ihr das Glas in die Hand, hob seines leicht und trank. Und immerfort sah er sie an.
Du bist schön, sagte er.
Sag das nicht, bitte.
Du machst mich verlegen.
Und du riechst gut, sagte er.
Das ist mein Parfüm.
Nein, das meine ich nicht.
Ich meine dich.
Sie war überfordert mit dem, was er sagte.
Sie war überfordert mit all den Komplimenten, die er ihr machte.
Sie war überfordert mit seiner Anwesenheit, seiner Stärke, seinem Lächeln, seiner Leichtigkeit, seiner Präsenz.
Als die Freundin kam, schickte er sich an zu gehen.
Sie tauschten Telefonnummern aus.
Sie konnte auf die Fragen ihrer Freundin gar nichts sagen. War wortkarg. Erzählte nichts.
Gleich darauf erhielt sie eine Message. Du fehlst mir, las sie.
Und - Ich lasse einen Teil meines Herzens bei dir zurück. Bitte achte darauf. Du bist ein Schatz für mich.
Am nächsten Tag rief er sie an.
Und sie redeten fast zwei Stunden.
Und nach zehn Minuten rief er wieder an. Und sie redeten wieder fast zwei Stunden.

Und dann hatte sie das Gefühl, dies könnte ein Mann sein, der ihr gut tun würde.

Samstag, März 18, 2006

in moments

That's how love works, doesn't it, in moments?
I'm not sure any of us love constantly.
We love in spurts, on sight of softness, or sadness, or sex:
Love-lines run along the parabolas of buttocks and tears.

David Baddiel "Time for Bed"

Mittwoch, März 15, 2006

katzenjammer

Ich habe seit jeher ein gestörtes Verhältnis zu Katzen. Egal, ob sie männlich oder weiblich sind, es passt einfach nicht.
Meine erste Erfahrung mit einer Katze hatte ich, als ich schwanger war. Mein Exmann brachte eine Katze nach Hause, die er irgendwo aufgelesen hatte.
Und gleich darauf fragten mich meine Freundinnen, ob ich denn nicht wisse, wie gefährlich Katzen für Schwangere seien.
Ich hatte die schlimmsten Albträume. Dass ich die Katze zerkleinerte und einfror. Immer wieder diesen Traum. Jedes mal erwachte ich schweißgebadet.
Er war ein Kater. Wir nannten ihn Fellini. Fellini war gestört, durch und durch. Er lauerte mir in der Diele auf, saß mitten da und starrte mich an. Wenn ich vorbeiging bzw. vorbeigehen wollte, sprang er auf und biss mir in den Fuß.
Ich hatte panische Angst vor ihm.
Nur wenn ich Futter hatte oder beim Kochen war, kam er angeschlichen, tat auf nett und lieb und treuherzig, bis ich ihm einen Happen gab.
Er schnappte den Leckerbissen und verschwand. Verzehrte ihn außerhalb meines Blickfeldes.
Wenn der Exmann nicht da war, war Fellini besonders bösartig. Buddelte in Blumentöpfen, warf Bücher vom Regal und zerbrach meine Lieblingsvase.
Er knabberte an allem, was man liegen ließ, egal ob Käse oder Brot. Fleisch und Schinken durfte man keine Sekunde liegen lassen.
Als ich einmal während des Kochens ein Telefongespräch entgegen nahm, knabberte Fellini die vorbereiteten Steaks an. Das schlimme daran war, dass er nicht nur eines verspeiste, sondern von jedem ein Stück abbiss.
Nach einiger Zeit begann er zu markieren.
Überall in der Wohnung. Ich flippte aus – durch jedes Zimmer kriechend, mit einem Putzlappen und Desinfektionsmittel bewappnet, in jede Ecke schnuppernd, machte ich mich jedes Mal auf die Suche nach den stinkenden Lusttropfen des Katzenviehs.
Als ich dem Exmann den Vorschlag machte, ihn kastrieren zu lassen, bekam ich nur die Antwort: Was man nicht will, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.
Er identifizierte sich mit seinem Kater. Es war sein Kater, nicht meiner. Ich wollte mit dem Vieh nichts zu tun haben. Ich hasste ihn.
Eines Tages wurde er von einem Auto überfahren. Er schleppte sich mit letzter Kraft nach Hause und verstarb dann. Das tat mir dann doch sehr leid. Ich bin ja kein Unmensch.
Der Exmann war untröstlich. Er, der sonst seine Gefühle immer unter Kontrolle hatte, weinte wie ein Schlosshund. Zwei Tage lang. Dann war eine neue Katze da.
Automatisch tauchte der Gedanke auf, wie es wohl wäre, wenn mich das Auto erwischt hätte.
Diese neue Katze, ein Weibchen, nannten wir Ophelia. Frei nach Hamlets Mutter. Den Namen durfte ich aussuchen. Ophelia schien lieb und nett zu sein. Doch nach einiger Zeit zeigte sie ihren wahren Charakter. Ein hintertückisches Stück, eine Furie.
Sie hasste mich. Und ich hasste sie.
Wenn der Exmann im Wintergarten seine Zeitung las, saß sie ständig neben ihm. Wenn er sie kurz anschaute, schnurrte sie sah ihn voll Ehrfurcht und Demut an. Mich würdigte sie keines Blickes. Sie ignorierte mich. Dem nicht genug. Wann immer der Exmann nicht da war, sei es auf Fortbildung oder Exkursion, schleppte sie tote Mäuse, Vögel an, hatte Durchfall oder Erbrechen. Und komischerweise immer auf dem weißen Teppich im Wohnzimmer.
Sie schleppte halbe, verweste Hasen an, einmal sogar ein totes Huhn, legte die Beute immer in das Eck im Wintergarten, das schwierig zu erreichen war, weil davor all die großen Pflanzen standen. Hatte ich dann alles weggeräumt, um das tote Tier an mich zu nehmen, tauchte Ophelia aus dem Nichts aus, sauste blitzschnell an mir vorbei, schnappte sich den Kadaver, verkroch sich unter dem Esstisch und bewachte die Beute. Wollte ich mich nähern, so fauchte sie mich an wie eine Löwin.
Wenn ich die Hilfe meiner Söhne nicht gehabt hätte, wäre es niemals gelungen, all diesen toten Tiere zu fangen und wegzuwerfen.
Sie schlief auch in unserem bett, was mich zur Weißglut brachte.
Sie machte das geschickt. Zur Schlafenszeit war sie nicht aufzufinden. Nirgends.
Man konnte sie auch nicht heranlocken, weder mit einem stück Fleisch mit irgendetwas anderem.
Und dann, auf einmal, mitten in der Nacht, erwachte ich von lautem Schnurren. Sie lag neben mir am Kopfpolster des mir damals noch Angetrauten. Meine Wut war so groß, dass an Schlafen nicht mehr zu denken war.
Sobald ich das Licht einschaltete, verkroch sie sich in der hintersten Ecke der Couch, die im Schlafzimmer stand.
Ich fluchte, weinte vor Zorn und gab nach einiger Zeit die Verfolgung auf, begab mich in mein Bett und fand schwer wieder Schlaf.
Wenn ich spät nach Hause kam, lag sie auf meinem Kopfpolster, starrte mich gehässig an und ich konnte sie nur schwer verjagen.
Ich weiß gar nicht, wie oft es wegen der Katzen, die wir hatten, Ehekrisen gab.
Das Leben mit Katzen hatte mit dem Auszug aus dem gemeinsamen Haus ein Ende. Wie wunderbar, ein Leben ohne Katze.
Seit kurzem gibt es wiederum eine Katze in meiner näheren Umgebung. Und sie nervt mich ebenfalls. Sie wohnt im Stiegenhaus weil ihre Besitzerin selten da ist.
Sobald ich meine Wohnungstür öffne, saust sie an mir vorbei in meine Wohnung, verkriecht sich ganz hinten unter der Couch und nur mit größter Mühe kann ich sie hervorlocken.
Es ist paradox – ich besitze keine Katze und habe doch ständig Katzenfutter im Haus.
Sie heißt Lilli, ist zu fett und ebenfalls hinterlistig.
Und sie ärgert mich absichtlich. Sie sitzt nachts, wenn ich manchmal spät heimkomme, auf dem Fußabstreifer vor meiner Tür und gibt mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie das Recht dazu hat.
Und weil das Licht im Treppenhaus defekt ist und manchmal nicht funktioniert, stolpere ich beim Aufsperren meiner Wohnungstür fast jedes Mal über das Vieh, mit dem Ergebnis, dass die Katze vor mir in die Wohnung saust und ich eine halbe Stunde mit schmeichelnden Worten und großer Wut im Bauch mit wertvollen Vitaminen angereicherten Käse-und-Geflügel- Katzen-Knusperkissen versuche, sie loszuwerden. Was mir manchmal gelingt. Gott sei Dank.
Laut will ich das ja nicht aussprechen.
Aber vielleicht erwischt sie ja mal einen Vogel. Mit diesem Virus.
Wenn nicht, drehe ich ihr irgendwann den Kragen um.
Ist Halsumdrehen einer Katze eigentlich Mord?

Dienstag, März 14, 2006

Montag, März 13, 2006

jazz und wahnsinn


Conzert
Agnes Heginger und Georg Breinschmid

Wie kamen fast zu spät. Eilig stellte Thomas für uns ein paar Sessel in die erste Reihe.
Das Konzert fand in dem wunderbaren, alten Saal im Schloss Goldegg statt.
Dieser Raum hat eine besondere Atmosphäre. Die dunklen Balken, die Steinmauer, der Geruch.
Der Saal ist voll.
Die Sängerin ist eigenartig angezogen, der Rock zu kurz, die Stöckelschuhe zu hoch. Vielleicht ist das ja beabsichtigt, obwohl es mir nicht so scheint.
Der Cellist macht neben seinem großen Instrument einen verlorenen Eindruck.
Man spürt die Nervosität der Sängerin.
So verloren auf dieser Bühne. Im Hintergrund ein Tisch mit dem Verstärker. Zwei Mikrophone.
Mir geht es in einem solchen Augenblick nicht anders als den Künstlern. Ich bin für sie aufgeregt, und will ihnen durch freundliches Lächeln und Anteilnahme ihre Nervosität nehmen, was vollkommen unsinnig ist, weil sie ja im Scheinwerferlicht nichts sehen können.
Nach dem ersten Lied von Joni Mitchell, das mich sofort in den Bann zieht, ist die Nervosität weg. Vermutlich spüren die beiden die good vibrations, die sich im Saal breit gemacht haben.
Etwas verschämt bückt sich die Sängerin nach dem Glas Wasser, das neben ihr am Boden steht.
Sie ist nun gar nicht mehr verloren auf der Bühne. Man merkt, dass sie versunken ist in der Musik. Wie subtil sie singt, wie eins sie ist mit dem Cello.
Wie sie auf jede Nuance reagiert.
Meisterhaft, welche Töne sie hervorlockt.
Wie sie sich der Musik hingibt, sich von ihr treiben lässt.
Sie ist Chansonette, Jodlerin, Sopranistin. Sie singt warm und soulig.
Jazz und Wahnsinn.
Wie passend der Titel.
Wie schwierig, die Gefühle, die man erlebt, zu beschreiben.
Nach der Pause singt sie Passagen aus Wildwestheften, Arztromanen. Welch ein Abend.
Schön, traurig, witzig.
Einfach Wahnsinn. Jazz und Wahnsinn.

Sonntag, März 12, 2006

smooth operator

Da lese ich heute in den Salzburger Nachrichten in einem Artikel über den EU-Gipfel in Salzburg von Christoph Reiser folgende Äußerung von einem Brüsseler Korrespondent: „Kein Vergleich zu den Briten. Die haben Stacheldrahtrollen aufgezogen und berittene Polizisten ausgeschickt. Hier läuft alles „smooth“, ihr Österreicher macht das einfach besser.“
No na.
Ich lese weiter: „Das Außenministertreffen in Newport war schrecklich. Wir sind in einen (kleiner Tippfehler?) Shuttlebus gestanden, der so überfüllt war, dass er einen Hügel nicht hochkam. Ich glaube, die kleineren EU-Mitglieder können Gipfel einfach besser organisieren“ – Aussage von Ton van Lierop von der niederländischen Presseagentur ANP.
Das ist es, was mich so nervte, als ich in England lebte.
Alles kompliziert und umständlich.
Und das in allen Bereichen.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich zum örtlichen Gesundheitsamt ging, um den Antrag für meine Krankenversicherung auszufüllen.
Der Schalter war noch geschlossen, als ich hinkam. Es waren fünf Leute da, queuing up at the till.
Vor mir eine übergewichtige Frau, die Probleme mit ihrem Bein hatte. Hinter mir ein altes Ehepaar.
Um neun Uhr erschien der Beamte.
Er brauchte für jeden Kunden eine halbe Stunde, dazwischen wurde er immer wieder unterbrochen von einem Telefonanruf, manchmal verschwand er hinter einer Tür und kam nach zehn Minuten wieder.
Es war unglaublich. Die Schlange hinter mir war inzwischen auf ca. zwanzig Leute angewachsen.
Keine Sitzgelegenheit, nichts.
Daneben ein zweiter Schalter, der nicht besetzt war. Es war halb zwölf, als ich endlich an die Reihe kam.
Ich brachte meine Einwände vor.
Warum es hier kein Nummernsystem gäbe, warum keine Stühle da wären, fragte ich, warum der zweite Schalter nicht besetzt sei.
Er schaute mich fragend an.
That’s not my business ma’am. If you want to make a complaint, you need to talk to the manager.
Alles klar.
Ich sagte nichts mehr.
Füllte brav mein Formular aus, sodass ich krankenversichert war.
Die Versicherungsnummer bekam ich nach fast einem Jahr, zwei Wochen vor meiner Rückreise nach Österreich zugeschickt.
Nachdem ich fertig war mit Ausfüllen, schloss der Mann seinen Schalter. Es war zwölf Uhr Mittag und er hatte sein lunch break.
Das wirklich Schlimme daran ist, dass all die Leute, die hier stundenlang warteten, das als ganz normal hin nahmen, ja, dass es ihnen nicht mal auffiel.
Sie machten sich von dannen, vermutlich in das nächst gelegenene coffee house for a cup of tea and a sandwich.
Niemals zuvor habe ich an so vielen meetings teilgenommen in denen von being organized and professional, assessment und evaluation geredet wurde.
Und meetings hatten wir unzählige. Sehr oft in den knapp bemessenen Mittagspausen, die nur fünfzig Minuten dauerten.
Very stressful, very tiring, very exhausting.
So sehr ich England liebe, ich könnte nicht mehr dort arbeiten.
Ich liebe die Ruhe hier. Die Gemütlichkeit.
Die Langsamkeit, the easy-going life.
Keine Rede von assessment und being organized.
Es läuft eh alles.
Ohne evaluation und trying to be professional.
Samma eh.
Meistens halt.

Samstag, März 11, 2006

rainer maria rilke

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Donnerstag, März 09, 2006

jene worte

Sie sprachen selten miteinander.
Aber dann gab es diesen wunderbaren Abend, den Vater und Sohn gemeinsam verbrachten.
Und die Wochen danach, bevor der Vater starb, waren ihre schönste Zeit.
Es begann damit, dass der Vater in der Zeitung las, dass der berühmte Schauspieler in der Provinz eine Vorstellung geben würde. Nur für eine Nacht.
Da er wusste, dass sein Sohn gerne ins Theater ging. entschied er sich, Karten zu kaufen.
Nun, was tust du, wenn du in einem Kuhdorf lebst, keine Karten hast und du weißt, dass sie innerhalb kürzester Zeit weg sein werden.
Du rufst bei im Theater an und erklärst der freundlichen Dame deine Situation.
Die Dame am Telefon fand es rührend, dass ein Vater mit seinem Sohn unbedingt diese Vorstellung sehen wollte und reservierte sogleich zwei Karten.
Der Vater hatte vor seiner Pensionierung vierzig Jahre lang als Busfahrer gearbeitet und er liebte die Straße.
Wenn du je mit ihm mitgefahren bist, weißt du, dass er so viele Geschichten über Menschen und Orte wusste, wie die Straße Kurven und Windungen hat, und dass er es genoss, sie zu erzählen.
In jener Nacht, als Vater und Sohn in das Dorf fuhren, das einige Stunden von dem ihrigen entfernt war, war das nicht anders.
Der Vater erzählte von den Zeiten, als er mit seinem Bus vor dem alten Bauernhaus hielt und eine Familie, die nach Amerika auswandern wollte, mitnahm.
Er erzählte, wie die Leute ihr Gepäck auf das dach des Busses packten und wie der Kinderwagen verloren ging, weil er an einem überhängenden Ast hängen geblieben war.
Er erzählte, wie einmal ein junger Mann sich beschwerte, dass sein Fahrrad während der Fahrt vom Dach gefallen war.
Als der Vater dann den jungen Mann besuchte, kam er ihm mit einem alten, klapprigen Rad entgegen.
Der junge Mann brachte mit quietschender Bremse sein Fahrrad zum Stehen und entschuldigte sich mit hochrotem Gesicht.
Die Reise war kurzweilig und im Flug vergangen durch all die Geschichten des Vaters.
Das Dorf war gemütlich und heimelig, als Vater und Sohn ausstiegen. Es war schon dunkel.
Alles war unterwegs in Richtung Dorfgasthaus, wo die Vorstellung stattfinden sollte.
In jener Nacht redeten alle nur von diesem großen Schauspiel.
In der Pause gab es belegte Brote und Wein, bereitgestellt von den Frauen des Ortes. Im Preis inbegriffen.
Natürlich herrschte hier nicht dieselbe Atmosphäre wie in der Großstadt. Keine Herren in Smoking und keine Damen im schicken Kostüm. Kein Champagner, keine Lachshäppchen.
Aber was es gab war das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Nicht umsonst hatte der Burgschauspieler dieses Dorf gewählt, das hoch oben am Berg lag, und wo er unbemerkt von den Paparazzi ganz in Ruhe und ungestört seinen Urlaub verbringen konnte.
Die Leute des Dorfes liebten die Aufführung und waren ein höchst aufmerksames Publikum.
Obwohl der Saal bis zum letzten Platz ausverkauft war und jung und alt versammelt waren, war es ganz still während der Aufführung und man hätte eine Nadel fallen hören.
Als die Vorstellung zu Ende war und tosender Applaus einsetzte, applaudierte auch der Burgschauspieler, verbeugte sich unzählige Male, verschwand hinter dem Vorhang, um danach nochmals auf die Bühne zu laufen und sich zu verbeugen. Man sah ihm seine Freude an.
Danach versammelten sich alle, Künstler und Dorfbewohner, im Gasthaus nebenan.
Und wiederum war dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit da und Vater und Sohn hatten das Gefühl, sie kennten einander Jahre. Jeder redete mit jedem, es wurde getrunken und gescherzt.
Die Geschichten des Vaters fanden bei allen großen Anklang. Und der Sohn sah seinen Vater wie er ihn nie zuvor gesehen hatte.
Obwohl es schon weit nach Mitternacht war, schien es, als wollten beide diese schöne Zeit nicht enden lassen.
Aber sie hatten noch eine lange Reise vor sich, und schließlich verabschiedeten sie sich von den neu gewonnenen Freunden.
Sie verließen das Dorf und fuhren hinaus in die Dunkelheit.
Die Rückreise war eigenartig ruhig.
Es war, als sei alles gesagt worden.
Der Sohn dachte darüber nach, warum der Vater unbedingt mit ihm diesen Abend hatte verbringen wollen.
War es die letzte Gelegenheit, ihm die nie erzählten Geschichten zu erzählen?
Ihm Lebewohl zu sagen?
In der Stille erkannte der Sohn den wirklichen Sinn des Abends.
Nicht alles war gesagt worden.
Aber es war nicht notwendig, alles zu sagen.
Die Stille und das einvernehmliche Schweigen waren vollkommen.
Es war ihr gemeinsames Schweigen.
Es gehörte nur ihnen beiden.
Ein Schweigen von verwandten Seelen.
Im Schweigen vernahmen sie jene Worte, die Vater und Sohn einander nie sagen.
Und beide hörten nur zu.

Mittwoch, März 08, 2006

frühlings sinnen und trachten

Endlich Sonne!
Kurz zuvor hat mir der eisige Wind noch den Atem genommen.
Und von einer Sekunde auf die andere kitzelte mich die Sonne in der Nase.
Ich bin auf der Suche nach einem sonnigen Eck hier in der Stadt. Tische und Sessel der Kaffeehäuser sind wohl noch im Keller verstaut.
Aber die Menschen, die noch kurz zuvor mit gesenktem Blick und aufgestelltem Mantelkragen an mir vorbei hasteten, gehen nun aufrecht, lächeln, reden und blinzeln in die Sonne.
Ich werde nun Richtung Salzachufer gehen und schauen, ob auf der Terrasse des Cafes irgendwo ein Sessel zu finden ist.
Ich habe ein Buch mit und meine Sonnenbrille.
Und ich werde mir eine Melange bestellen.
Und vielleicht ein Stück Apfelkuchen mit Schlag.
Was brauch ich mehr zu meinem Glück?

Dienstag, März 07, 2006

shoe-bi-du

Unlängst blieb ich vor dem Schuhgeschäft, in dem ich selten einkaufe, weil ich mir die Schuhe nicht leisten kann, stehen. Ich bleibe oft da stehen, um zu sehen, was es Neues gibt.
Ich kaufe nur in Zeiten des Ausverkaufs dort ein. Wenn ich ein besonderes Schnäppchen entdecke.
Auf einmal sah ich sie.
Ich sah sie nicht nur.
Sie sprangen mir ins Auge.
Sie machten mir Herzklopfen und verursachten ein flaues Gefühl in meinem Magen.
Aber es waren keine gewöhnlichen Schuhe. Es waren DIE Schuhe.
Ein Gedicht.
Eine Augenweide.
Königlich. So wie der Preis. 189 Euro.
Herabgesetzt auf 99 Euro! Ab Freitag!
Ich musste sie haben.
Ich habe schon manchmal dieses oder jenes erstanden – heruntergesetzt zum halben Preis.
Aber dieses Paar hier, war das absolute Muss. Und es wunderte mich, dass noch keine der Damen des Ortes, die am Beginn der jeweiligen Saison ihren Schuhschrank ausmisten, um Platz für Neues zu schaffen, dieses Paar entdeckt haben.
Eigentlich brauche ich ja keine Schuhe – fiel mir ein. Diesen Gedanken sponn ich nicht weiter.
Es ist an der Zeit, sagte ich mir, meinen Schuhschrank auszumisten, um einige Exemplare, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, der Sammlung von Pater August, der in der Nachbargemeinde wohnt, für die Dritte Welt, zuzuführen. Sicher bin ich mir nicht, ob das ein wirklich gutes Werk und Fair Trade ist. Ich sah vor einiger Zeit eine Reportage über das Unheil, das Altkleidersammlung für die Dritte Welt anrichten.
Aber den Gedanken verdrängte ich.
Ich könnte sie ja verschenken. An jemanden, der sie will.
Oder so.
Die Verkäuferin informierte mich, dass ich am Freitag um halb neun im Geschäft sein sollte. Wenn sie bis dahin nicht verkauft wären, dann könnte ich sie zum halben Preis haben.
Ich plante meine Aktion genauestens:
Gegenüber des Schuhgeschäfts befindet sich ein kleines Cafe, in dem ich bis zum Öffnen des Ladens alles genau beobachte, um dann, eine Viertelstunde vor dem Aufsperren, vor der Tür zu warten und als erste das Geschäft betreten, zielstrebig auf das Produkt meiner Begierde zusteuern und es an mich nehmen werde. Eine Sache von maximal drei Minuten.
Ich werde bequeme Schuhe anziehen, sodass ich den Weg zwischen Cafe und Schuhgeschäft möglichst schnell bewältigen kann.
Ein wunderbarer Plan. Es kann nichts schief gehen.
Mit diesen Gedanken im Kopf machte ich mich auf den Heimweg.
Die Nacht vor dem großen Ereignis schlief ich schlecht.
Vermutlich war es der Vollmond, der mich jede Stunde aufwachen und die Minuten bis zum Morgen zählen ließ.
Ich frühstückte ausgiebig, steckte schnell die Tageszeitung in meine Handtasche, versuchte mich zu beruhigen, was mir nicht gut gelang, weil mein Adrenalinspiegel angestiegen war und machte mich gut gelaunt und siegessicher auf den Weg.
Schon um halb acht stand ich vor dem Kaffeehaus, das noch geschlossen war. Endlich, um dreiviertel acht durfte ich hinein.
Vor dem Schuhgeschäft war es ruhig. Nichts tat sich. Ich bestelle einen Kaffee und widmete mich der Zeitung.
Was las ich da?
Das war eindeutig ein Zeichen.
Der Artikel trug die Überschrift: Frauen und Schuhe

Schuhe zu tragen war einst ein Vorrecht der Götter und ihrer Lieblinge auf Erden. Im "reichen Westen" haben wir uns also von einem Barfußvolk zu einer Gesellschaft entwickelt, die sogar einen eigenen Stiefel zur Mondbegehung erfindet. Manche Kultursoziologen sehen im Schuh deshalb eine Metapher der Zivilisation. Manche Menschen - und darunter nicht nur die Frauen - sehen im Schuh ihr Glück, ihre Persönlichkeit, für andere wiederum ist der Schuh nur Alltagsgegenstand.
Frauen und Schuhe, eine tiefe Liebe, die kein Mann je verstehen wird. Schon gar nicht, wenn ER uns beim Schuhkauf begleiten muss und einfach nicht begreift, dass wir erst alle in unserer Größe verfügbaren Schuhe anprobieren müssen, bevor wir an eine Entscheidung überhaupt denken können. Männer stellen sich (und den Frauen) zu diesem Thema viele Fragen: Woher kommt es, dass wir jeden Kerl stehen lassen würden, wenn wir glauben, das perfekte Paar Schuhe gefunden zu haben? Wieso geben wir die Hälfte (oder mehr) unseres Monatsgehalts für zwölf Zentimeter hohe aquamarin-blaue Riemchen-Stilettos aus, abgesehen davon, dass es November ist und wir ein praktisch identisches Paar in türkis-blau besitzen? Weshalb fangen wir an zu schwitzen und zu stammeln, wenn wir bei ebay unter "Manolo Blahnik" oder "Jimmy Choo" Angebote finden, für die noch niemand geboten hat? Warum setzen wir uns völlig freiwillig Gesundheitsrisiken wie einer verkrümmten Wirbelsäule, chronischen Rückenschmerzen und verformten Zehen aus?

Weil wir Frauen sind und Schuhe unseren Ansprüchen genügen, uns unseren Träumen und Wünschen Schritt für Schritt näher bringen. Es gibt sogar ein Beispiel in der Weltliteratur, das sich mit der tiefen Beziehung von Frauen zu ihrem Schuhwerk beschäftigt: "Aschenputtel". Nie wurde die Schuh-Leidenschaft treffender dargestellt. Wie wunderschön, wie perfekt müssen die gläsernen Tanzschuhe gewesen sein (kein Wunder: Von einer Fee maßgefertigt), dass sich die bösen Stiefschwestern Zehen und Fersen abgeschnitten haben, um in die zierliche Größe 37 von Aschenputtel zu passen. Und wie sehr muss Cinderella sie geliebt haben, dass sie den erstbesten Prinzen, der ihr den für immer verloren geglaubten Schuh zurückbrachte, sofort geheiratet hat? Eines der wenigen Märchen, bei dem auch erwachsene Frauen noch immer verzückt seufzen.

Ich vertiefte mich in den Artikel, als ich plötzlich hoch schreckte. Es war fünf vor halb neun!
Während ich schnell das Geld für den Kaffee auf den Tisch legte, meine Tasche packte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass die Tür des Schuhgeschäfts offen war, und zwei Verkäuferinnen gerade die Stellage mit den Sonderangeboten vor die Tür trugen.
Um Punkt halb neun war ich im Geschäft.
Die Schuhe waren weg!
Unglaublich.
Ich war wie in Panik.
Wer hat sie gekauft, fragte ich die Angestellte?
Diese Dame da. Sie zeigte auf eine ältere Frau mit hoch toupiertem Vogelnest und Hund an der Leine, der fast so aussah wie sie.
Sie stand vor dem Regal mit den Handtaschen, hatte einen meiner Schuhe in der Hand und suchte augenscheinlich einen passende Tasche.
Entschuldigen Sie, stammelte ich. Welche Schuhgröße haben Sie?
Vierzig, warum?
Sie blickte an mir hinab und ihr Blick blieb an meinen ausgelatschten Schuhen hängen.
Dann können Ihnen doch diese Schuhe gar nicht passen. Sie sind Größe 38.
Sie sah mich entgeistert an.
Der Hund an der Leine begann zu bellen.
Ich redete weiter.
Erzählte ihr, dass ich schon um halb acht im Kaffeehaus gewesen war.
Nur wegen der Schuhe.Und dass ich sie unbedingt haben müsse.
Ihr Blick wurde mitleidig. Sie grinste etwas. Sie sei bereits um sieben Uhr im Café nebenan gesessen.
Sieben Uhr! Um die Zeit ist es noch dunkel!
Und hatte sie sich einen Tag frei genommen.
Außerdem lebe sie gar nicht hier. Sondern in der Stadt.
Sie war also wegen dieser Schuhe am Vorabend hier her in die Provinz gefahren, hatte sich ein Zimmer genommen und einen Urlaubstag. Unfassbar!

Ich will fair sein.
Sie hat mich geschlagen.
Ich muss noch viel lernen. Ich muss noch viele Opfer bringen.
Die Vogelnestfrau hat mich was gelehrt. Was es wirklich bedeutet, etwas zu wollen.
Alles dafür zu geben, sich mit all dem Willen und der Stärke die du hast, für etwas einzusetzen. Das Ziel klar vor Augen zu haben.
Also wird Pater August die Manolos vom vorletzten Jahr nicht in seine Sammlung nehmen können. Und ich werde wohl noch einige Zeit so wie jeden Tag sehnsüchtig in die Auslage des Schuhgeschäftes schauen, auf ein Schnäppchen warten und für das nächste Mal einen besseren Plan aushecken.
Ich werde heute gleich damit beginnen.

Montag, März 06, 2006

sigh no more, ladies

Sigh no more, ladies,
sigh no more.
Men were deceivers ever,
One foot in sea and
one on shore.
To one thing constant
never.

Much Ado about Nothing

männer

Wenn ich nur wüsste, wie man es richtig angeht. Viel hab ich nicht gelernt in all den Jahren.
Ich bin eigentlich ganz locker im Ungang mit anderen - auch im Umgang mit Männern. Das heißt, mit den Männern, die ich sympathisch finde aber nicht anziehend.
Kann auch meinen Charme einsetzen.
Aber wenn mir einer gefällt, dann wird die Sache kompliziert.
Ich bekomme feuchte Hände, ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Und wenn ich was sage, dann rede ich nur Unsinn.
Ich bin dann schüchtern, obwohl ich gar nicht schüchtern bin.
Es ist einfach kompliziert, das Ganze.
Ich sehe einen attraktiven Mann, der mich ansieht.
Gehe ich nun einfach zu ihm hin, lächle ich ihm zu oder ignoriere ich ihn?
Ich weiß die Zeichen nicht zu deuten.
Ich kann doch nicht einfach, wenn ich einen Mann sehe, auf ihn zugehen und zu ihm sagen: Hey, ich finde dich interessant. Wollen wir uns ein wenig unterhalten?
Meine liebe Freundin Christina meint, jeder Mann, der sie ansieht, flirtet auch mit ihr.
Ich glaube das nicht.
Sie bildet sich das ein.
Sie sagt zu mir, ich würde sowieso niemals merken, wenn mich einer attraktiv findet.
Keine Ahnung, vielleicht hat sie ja recht, aber welche Frau nimmt denn an, dass, wenn ein Mann mit ihr redet, an ihr interessiert ist? Er will halt vermutlich nur reden, sich unterhalten.
Oder dass ein Mann, der dich ansieht, dich attraktiv findet. Er sieht dich halt an, irgendwo muss er ja hinschauen.
Ich sehe Männer an, attraktive und weniger attraktive. Ich beobachte sie. Wenn ich irgendwo sitze. Und dann male ich mir Geschichten aus.
Aber das mache ich bei Frauen auch.
Es kommt noch dazu, dass mir selten einer interessant erscheint.
Na ja, attraktiv auf den ersten Blick vielleicht, aber dann ergibt sich nicht die Gelegenheit, dass man sich unterhält mit ihm.
Oder dann ergibt sich mal die Gelegenheit, und das was er redet, ist nur Unsinn.
Wenn einer zu sehr interessiert ist, dann interessiert er mich nicht mehr.
Und manchmal, ganz selten, begegnet einem ein Mann, und es ergibt sich doch irgendwie ein Gespräch.
Und man findet einander sehr interessant. Und man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht.
Und dann ist die Schüchternheit weg, und die feuchten Hände auch. Und dann bin ich selbst, und charmant, und rede keinen Unsinn.
Und vergesse alles um mich herum.
Nur passiert das selten.


Die anständigen Männer sind hässlich.
Die gutaussehenden Männer sind nicht so anständig.
Die anständigen und gutaussehenden Männer sind homosexuell.
Die gutaussehenden, anständigen und heterosexuellen Männer sind verheiratet.
Die nicht so gut aussehenden aber anständigen Männer haben kein Geld.

Die nicht so gut aussehenden aber anständigen Männer, die Geld haben, glauben dass wir nur hinter ihrem Geld her sind.
Die gutaussehenden Männer, die kein Geld haben, sind hinter unserem Geld her.

Die gutaussehenden, nicht so anständigen, aber ziemlich heterosexuelle Männer finden uns nicht genügend hübsch.
Die Männer die uns hübsch finden, welche auch ziemlich anständig sind und Geld haben, sind Feiglinge.
Die Männer, die ziemlich gutaussehend sind, ziemlich anständig sind, und etwas Geld haben, sind scheu und ergreifen nie die Initiative.
Die Männer, welche nie die Initiative ergreifen, verlieren automatisch das Interesse wenn wir die Initiative ergreifen.

Quelle: Unbekannt

Sonntag, März 05, 2006

hannibal

Hannibal ist genervt.
Er hörte in den Nachrichten, dass er demnächst Ausgangssperre haben wird.
Wegen der Vogelgrippe.
Herr Winter kaufte ihm ein Halsband.
Mit dem kann er gar nichts anfangen.
Und der Fraß aus der Dose gibt ihm den Rest.
Er wird morgen bei der Nachbarin, Frau Frühling vorbei schauen.
Da gibt es zu Mittag Brathuhn.
Wenn schon kein frischer Vogel, dann wenigstens Vogelgerippe.
Er hat den Winter ohnehin satt.
Ab morgen nur mehr Frühling.

im wald

Im Wald gab es eine Stelle, die, so glaubte ich damals wenigstens, niemand kannte außer mir. Ein Stück Wildnis, unkultiviert, sumpfig, schattig.
Diese Stelle hatte etwas Magisches an sich. Es zog mich immer wieder zu ihr hin und war schwierig zu erreichen.
Vorbei am großen Felsen, der versteckt war zwischen Gebüsch, verdorrten Ästen, Baumstrünken und Schattengewächsen.
Diese Stelle war umgeben von hohen Bäumen, dunkel, geheimnisvoll, un-heimlich.
Meist setzte ich mich nur hin auf einen Stein, beobachtete Ameisen und Käfer, und lauschte den Geräuschen.
Manchmal spielte ich mit den Zapfen, Ästen und Steinen, die am Boden lagen, baute Städte und Dörfer und führt Selbstgespräche.
Manchmal hatte ich meine Puppe mit, der ich Geschichten erzählte, und deren Anwesenheit mich beruhigte und tröstete.
Manchmal hatte ich ein Märchenbuch mit, in dem ich jedoch niemals las, weil ich zu sehr abgelenkt war von den Dingen die mich umgaben.
Wenn ich am Abend heimkam, mit zerzaustem Haar und Striemen an den Beinen, fragte mich meine Großmutter jedes Mal, wo ich gewesen war. Dass ich im Wald gewesen war, wusste sie.
Dann erzählte sie mir, dass es gefährlich war im Wald. Dass dort allerlei seltsame Gestalten hausten, Geister, Trolle, Zwerge, Feen.
Am meisten beeindruckte mich die Geschichte von der Habergeiß .
Ja, sie habe sie einmal gesehen. Ein Wesen, groß, mit glühenden, roten Augen. Augen wie Wagenräder. Und eine Gestalt wie eine Ziege, mit drei Beinen. Aber viel größer als eine Ziege, riesengroß.
Und manchmal hörte sie sie nachts.
Sie würde ganz jämmerlich schreien und klagen.
Und wenn man sie hörte, dann würde man das niemals vergessen und es würde nichts Gutes bedeuten, Unheil ankündigen.
Ich habe sie nie gehört, die „Howagoaß“. Aber ich habe sie gesehen. Einmal ganz deutlich. Die glühenden Augen sah ich. Hervorlugen zwischen den Bäumen. Sie war ziemlich weit weg. Ich konnte ihre Gestalt nicht ausnehmen. Nur an die Augen kann ich mich erinnern. Sogar heute noch.
Ich weiß, dass ich aufsprang und wie der Blitz nach Hause lief.
Meine Mutter lachte nur, als ich ihr von der Habergeiß erzählte.
Meiner Großmutter erzählte ich nicht von meinem Erlebnis. Warum, weiß ich nicht.

"Wer sich Mythen stellt und ihnen zuhört, etwas von ihrer Kunde erfahren will, der beschäftigt sich nicht mit dem Fremden und Entfernten, sondern stößt auf die eigenen Probleme, wird aufmerksam auf das, was in ihm selbst der Klärung bedarf."

Otto Betz

Donnerstag, März 02, 2006

amusement

Unlängst sagte eine Kollegin –
Bis mir der Richtige über den Weg läuft, amüsiere ich mich mit den Falschen.
Ich sollte das überdenken.

Mittwoch, März 01, 2006

der sturm

Dann hörte sie das Tosen. So laut, dass sie zitterte. Ihre Uhr warstehen geblieben. Sie war zu müde gewesen, sie aufzuziehen.
Sie wusste, dass die Zeit durch den Sturm stehen geblieben war.
Je länger der Sturm andauerte, desto leichter wurde ihr Kopf. Wochenlang war er schwer gewesen wie ein Stein, nun fühlte sie ihn unsagbar leicht.
Sie hatte Angst, er könnte sich ablösen und wegschweben. Als sie blinzelte, sah sie eine Seifenblase in ihrer Hand. Der Schmerz in ihrem Kopf hatte nachgelassen, stattdessen fühlte sie eineSchwerelosigkeit.
Die Schnüre, die sie auf der Erde festgehalten hatten, waren zerschnitten worden und nichts würde wieder so sein wie früher.
Sie war abgelöst von allem, weg von der Illusion der Normalität.
Sie schlief nicht. Sie glaubte jedenfalls, dass sie nicht schlief. Sie konnte es nicht sagen. Sie fühlte das Fieber im ganzen Körper. Innen und außen. Erinnerungen, Gedanken an ihre Mutter, ihr Gesicht, der leidende Ausdruck.
Schrie sie oder war das der Wind, der in ihren Ohren stöhnte? Ihre Augen schmerzten vor Müdigkeit. Wie hatte sie je in diesem Bett schlafen können?
Es brannte wie Feuer auf ihrer Haut, wann immer sie sich bewegte. Es gab niemanden, der sie beschützte. Sie wollte einschlafen, hatte aber gleichzeitig Angst davor.
Langsam dämmerte es. der Himmel war noch schwarz. Der Wind hatte sich gelegt. Sie wurde
ruhig, war erschöpft, ausgelaugt.
Sie sah hinaus und sah die Menschen in Regenmänteln gehen.
Es klopfte. Sie war überrascht, ihre Stimme zu hören.
Sie klang älter.
Es war, als wären in dieser Nacht Jahre vergangen.
Hattest du Angst? - hörte sie fragen. Aber nein, es war doch nur ein Sturm.
Sie würde lernen, auf sich selbst aufzupassen.

anais nin

There were always in me,
two women at least,
one woman desperate and bewildered,
who felt she was drowning
and another who would leap into a scene,
as upon a stage,
conceal her true emotions
because they were weaknesses, helplessness, despair,
and present to the world
only a smile,
an eagerness, curiosity, enthusiasm, interest.